Comic

Catwoman: Geschichte einer Antiheldin

Batman und Catwoman – das gehört seit über acht Jahrzehnten zusammen. Es ist ein spannender Zufall, dass sie 1940 ausgerechnet zeitgleich mit dem Joker debütierte. Der größte Schurke und die größte Schurkin – oder doch nicht? Denn Catwoman war immer schon mehr als einfach nur eine Verbrecherin. Sie war die einzige Frau, die je an Batman herankam. Natürlich gab es andere: Batwoman, Poison Ivy und auch Talia al Ghul. Aber bei keiner hat man das Gefühl, da trifft eine Gleichgesinnte auf Batman.

Catwoman jedoch ist eine Gleichgesinnte, weil sie für Batman eine Herausforderung darstellt. Sie steht wie er über dem Gesetz, aber schon lange ist sie nicht mehr nur Diebin oder gar Mörderin. Mal ist sie Umweltaktivistin, mal eine Heldin – und damit gar nicht mal so verschieden von dem, was Batman macht. In der schwarz-weißen Welt von Batman bleibt Catwoman eine Frau im Graubereich.

Diese 40-minütige Doku – Catwoman: The Feline Femme Fatale – erzählt die Geschichte von Catwoman, von den ersten Comics im Golden Age bis zur Selina Kyle im Film The Batman. Es kommen auch die wichtigsten Darstellerinnen zu Wort. Seltsamerweise spart der Film nicht einmal Halle Berrys Auftritt aus, dafür aber (geplatzte) Hochzeit mit Batman. Der Fokus liegt eindeutig auf den Filmen und Serien. Trotzdem (und einiger Ungenauigkeiten) wird deutlich, wie wandlungsfähig dieser Charakter ist, was sich auch an den vielen Kostümen zeigt: mal violett, mal grün, mal schwarz, mal grau. Diese Katze ist einfach nicht zu fassen.

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Poison Ivys Rückkehr als Lillian Rose

DC Comics

Titel: A Kiss of Death Times Three/A Poison of the Heart

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Ric Estrada, Jack Abel

Erschienen: 1978 (World’s Finest Comics #251-252), Paperback 2016 (Batman Arkham: Poison Ivy)


Poison Ivy war – wie die meisten Batman-Schurken zu Beginn – zunächst nur eine kurzlebige Erscheinung: zwei Auftritte im Jahr 1966 und das war’s wieder für ein Jahrzehnt. Nach einem Team-Auftritt bei der Secret Society of Super-Villains (1977) kam sie erst 1978 wieder zu einem vollen Einsatz – gegen Wonder Woman. Diesmal ist Ivy nicht nur ein Name, sondern steht erstmals auch für eine ausgeprägte Pflanzenliebe.

Ivy vergiftet nacheinander drei UN-Diplomaten. Das erregt die Aufmerksamkeit von Diana Prince, die zufällig auch für die Vereinten Nationen arbeitet – zusammen mit ihrem geliebten Steve Howard (der früher mit Nachnamen Trevor hieß). Nach dem zweiten Opfer taucht ein Riese aus Holz mit Blättern auf dem Kopf auf. Wonder Woman kämpft gegen ihn, doch er kann sie niederschlagen und fliehen. Die Heldin folgt dann der üblichen Schlammspur (eine bewährte Superhelden-Methode) zu Ivys Geheimversteck, einem Gewächshaus. Ivy hat zwei in Blätter gekleidete Handlanger – und dann kommt wieder ihr Baumriese zum Einsatz, der den Namen Redwood trägt. Wonder Woman reißt ihm die Arme heraus, wird von Ivy betäubt und gefesselt, sie entkommt, aber dann wird es noch schlimmer: Poison Ivy sorgt dafür, dass Wonder Woman selbst Steve Howard vergiften soll.

Was will Ivy? Ein Kraut namens „Cupid’s Root Herb“, das nur in einem bestimmten afrikanischen Land wächst, um damit Batman zu ihrem Liebessklaven zu machen. Dafür hat sie die Diplomaten ermordet, die die Menschenrechtsverletzungen in der Diktatur angeklagt haben. Fürs Protokoll: Drei Menschen mussten sterben, um eine Pflanze zu bekommen, die sie auch selbst hätte pflücken können.

Poison Ivys erster Origin

Nebenbei erfahren wir zum ersten Mal Ivys Vorgeschichte: Eigentlich heißt sie Lillian Rose, stammt aus einer wohlhabenden Familie und studierte einst Botanik. Sie verliebte sich in ihren Professor Legrand aus Frankreich, der sie dazu überredete, eine alt-ägyptische Urne mit alten Kräutern zu stehlen, die angeblich Krankheiten heilen können.

Angetrieben von einem vagen Versprechen stahl Lillian die Urne aus einem Museum (woher sie diese Fähigkeit hat, bleibt unklar) und wurde dann von Legrand vergiftet. Doch sie überlebte den Mordversuch und ist seitdem gegen jedes Gift immun.

Der Rest ist einfach: Nachdem Ivy in dem afrikanischen Land ihre Belohnung eingesackt hat, bringt Wonder Woman Ivys Flugzeug zum Absturz. Ivy überlebt auf wundersame Weise, überwältigt Wonder Woman mit ihrem eigenen Lasso, doch dann erkennt die Heldin die Wahrheit: Redwood ist eigentlich Legrand. Sie erinnert ihn wieder daran und der Baumriese stürzt sich auf Ivy, wodurch sie zusammen einen Wasserfall hinabstürzen.

>> Poison-Ivy-Comics

Hush Returns (Teil 1): Pushback

DC Comics

Titel: Pushback (Hush Returns)

Autor/Zeichner: A.J. Lieberman/Al Barrionuevo

Erschienen: 2004 (Gotham Knights #50-55), Paperback 2006 (Hush Returns)


„God, it’s good to be back.“ (Hush)

Batman Hush (2003) von Jeph Loeb und Jim Lee gilt als eine der besten Storylines dieses Jahrhunderts, auch wenn Loeb darin nur das Erfolgsrezept aus The Long Halloween und Dark Victory aufwärmt, in einer Detektivstory alle möglichen Schurken aufzuführen. Doch in Hush kommt noch eine Verschwörung gegen Batman hinzu. Bruce Waynes Jugendfreund Thomas Elliot will als Hush (mit bandagiertem Gesicht) Rache nehmen – mit einem ausgefeilten, superkomplizierten Plan. Damit wurde ein neuer Trend für Batman-Storys begründet.

Riddlers Deal mit dem Joker

Bereits ein Jahr später wurde die Geschichte zum ersten Mal fortgesetzt. Nach altem Brauch bahnt sich Hushs Rückkehr langsam an, wie es sich für einen dramatischen Schurkenauftritt gehört. Batman eine Frau, die Vesper Fairchild ähnlich sieht, vor einem Laster. Dann lässt Hush Edward Nygma (Riddler) im Knast mitteilen, dass er nur noch drei Tage zu leben hat. Der Riddler bittet den Joker um Hilfe, mit dem Hinweis, er wisse eine Antwort auf ein zwölf Jahre altes Rätsel. Der Joker lässt seinen Einfluss spielen, um den Riddler verlegen zu lassen. Doch dann ballert Hush auf den Transport, schnappt sich den Riddler auf der Flucht und wirft ihn vom Dach. Der fällt viele Meter tief, kracht durch eine Glaskuppel, stürzt auf einen Tisch und überlebt auf wundersame Weise.

Bevor Hush ihm den Rest geben kann, greift der Joker mit seiner Bande ein. Und obwohl er ihr einen Mordbefehl erteilt, lassen sie Hush leben, nachdem sie ihn verprügelt haben. Dann sucht sich Hush Verstärkung und verbündet sich mit Prometheus, den Schurken, der einst fast die JLA besiegt hat …

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Paul Dano schreibt „Riddler: Year One“

DC Comics

Paul Dano hat soeben erst mit seiner eindrücklichen Darstellung des Riddlers in The Batman Filmgeschichte geschrieben, jetzt will er der Figur auch im Comic Form verleihen. Im Oktober soll der Sechsteiler Riddler: Year One starten – geschrieben von Paul Dano höchstselbst. Zeichner wird Stevan Subic sein.

Die Serie soll erzählen, wie der Buchhalter Edward Nashton von einem Niemand zu Batmans Nemesis wird. Damit dient sie als Vorgeschichte zu The Batman. Die Miniserie soll zweimonatlich bei DC Black Label erscheinen. Weitere Details zu Starttermin, Preis und Heftumfang sind nicht bekannt.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich jemand an einem „Year One“ für den Riddler versucht. Bereits 1995 hat das Chuck Dixon im Detective Comics Annual #8 getan. Darin erlebt der Schurke als Edward Nigma eine schlimme Kindheit, arbeitet als Bote und wird dann eher aus Langeweile zum Riddler, der sich dann als Künstler mit einer Liebe zu Rätseln versteht.

Schauspieler Paul Dano ist bekannt geworden mit seinen Rollen in Little Miss Sunshine, There Will Be Blood, Prisoners und dem Brian-Wilson-Biopic Love & Mercy. Als nächstes soll er in Steven Spielbergs semi-autobiographischem Film The Fabelmans zu sehen sein (2022). 2018 erschien Wildlife, bei dem er sein Regiedebüt gab und auch am Drehbuch mitgeschrieben hat. Der Film wurde allerdings nicht einmal auf Deutsch synchronisiert.

Zeichner Stevan Subic hat Comics wie M.O.R.I.A.R.T.Y.: Das mechanische Imperium und Tarzan: Herr des Dschungels (beide erschienen bei Splitter) sowie Conan illustriert. Seine Seiten können sich sehen lassen. Zumindest visuell dürfte Riddler: Year One ein Fest werden.

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Fear State: Scarecrows Evolution durch Angst

DC Comics

Titel: Fear State

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Jorge Jimenez

Erschienen: 2021 (Batman #112-117), Hardcover 2022


Als ich dieses Blog anfing (2013), war es jedes Mal ein besonderes Ereignis, wenn ein weiterer Band der damals neuen Batman-Serie erschien. Die Serie von Scott Snyder und Greg Capullo wirkte frisch und aufregend und bildete sogar der Auslöser dafür, mit dem Blog anzufangen. Auch wenn die Qualität immer mehr abnahm, bekam man doch meist gute Unterhaltung für sein Geld.

Dann kam die schlimme Tom-King-Phase. Schweigen wir lieber darüber – nuff said. Und dann übernahm James Tynion IV und ließ es wieder mehr nach Batman aussehen, hob aber trotz Joker War nie richtig ab. Nach viel Vorlauf und Zwischengedöns kommen wir also zu Fear State, Tynions großem Batman-Finale. Im vergangenen Band (The Cowardly Lot) haben wir gesehen, wie Scarecrow die Stadt terrorisiert und Batman halluzinieren und fast wahnsinnig werden lässt. Gleichzeitig schickt Simon Saint seinen Magistrate los, eine Hightech-Spezialtruppe, die in Gotham für Ordnung sorgen soll – ganz vorne mit dabei Peacekeeper-01, der aber durchdreht.

Eine ziemlich harte Nuss für Batman. Könnte man meinen, denn Batman spaziert dann einfach aus Scarecrows Versteck, spritzt sich irgendein Gegenmittel, das im Batmobil herumliegt und ist wieder ganz auf der Höhe. Doch in der Zwischenzeit ist die Situation noch komplizierter geworden: Poison Ivy, die sich jetzt Queen Ivy nennt, hat unter Gotham einen Garten angelegt, mit dessen Pflanzen sie die Stadt vernichten will.

Parallel dazu schickt Simon Saint Peacekeeper-X los, um Peacekeeper-1 einzufangen. Und los geht die erste Keilerei. PK-1 steckt einiges ein, wird entstellt zu einer Art Two-Face und tritt dann am Ende als eine Art Bane-Verschnitt gegen Batman an, Keilerei 2.

Angst als Therapie gegen Angst

Zwischendurch findet Batman heraus, dass Scarecrow Angst als Mittel einsetzt, damit die Bürger von Gotham ihre Angst überwinden. Angst macht stark, so die Devise. Die Menschen sollen dafür zunächst in Schockzustand versetzt und dann mit Propaganda aufgestachelt werden. Die Figur von Scarecrow soll als „Strohmann“ dienen, um diese Furcht zu kanalisieren – das ist der „Fear State“ (Angstzustand), den sie dann bewältigen sollen.

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Der zweite Two-Face: Harvey Apollo

Schauspieler Harvey Apollo sagt vor Gericht aus. (DC Comics)

Titel: Half Man – Half Monster

Autor/Zeichner: Bill Finger/Jack Burnley

Erschienen: 1946 (The Sunday Classics #138-146), Hardcover 1990/2007


Drei Jahre nach dem vorläufigen Ende von Harvey Kents Karriere als Two-Face (Detective Comics #80, 1943) taucht auf den Sonntagsseiten der Batman-Zeitungscomics eine neue Variante auf: Harvey Apollo, ein Schauspieler, der als Zeuge vor Gericht gegen den Polizistenmörder Lucky Sheldon aussagt und eine doppelköpfige Münze als Beweismittel identifiziert.

Apollo war in den Comicheften der Rufname des attraktiven Staatsanwalts Harvey Kent. Nun wird er zum Nachnamen eines Theaterdarstellers, der auch den Gerichtssaal als Bühne nutzt – und dann vom Angeklagten Säure ins Gesicht geworfen bekommt. Für einen Schauspieler ist die Entstellung der Gesichtshälfte ein weitaus schlimmeres Schicksal, wenn auch das Resultat dasselbe ist: Harvey wird zum gespaltenen Schurken Two-Face, der die verhängnisvolle Münze über sein Leben entscheiden lässt.

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Als Batman Gorbatschow rettete

Cover zu Batman #445-447 von Brian Bolland (DC Comics)

Titel: When the Earth Dies (dt. Im Schatten der Bestie)

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/Jim Aparo

Erschienen: 1990 (Batman #445-447), erschienen in: Batman: The Caped Crusader Vol. 3 (2019), dt. Hethke 1992 (Batman Album 14/15)


Wenn man sich die Nachrichten anschaut, muss man leider feststellen: Es gibt Probleme auf der Welt, bei denen selbst Batman machtlos wäre. Trotzdem kann unser Lieblingsheld ein Hoffnungsträger sein, um zu zeigen, dass man als Einzelner dennoch seinen Beitrag leisten kann.

Anfang 1990 durfte sich Batman in der Sowjetunion nützlich machen. Seit 1986 wurden im Zuge von Michail Gorbatschows Glasnost-Reformen Meinungs- und Pressefreiheiten gewährt, unter dem Schlagwort Perestroika setzte ein Umbau des kommunistischen Staates ein. In Ten Nights of the Beast (1988) bekämpfte Batman mit KGBEast einen ehemaligen KGB-Agenten, der es auf US-Politiker abgesehen hatte, kurz nach dem Fall der Mauer hilft der Dunkle Ritter nun der Sowjetunion gegen den Killer Demon (oder NKVDemon, nach der Abkürzung des Innenministeriums), der sich gegen die eigenen Genossen richtet.

Make USSR great again: NKVDemon. (DC Comics)

Demon ist ein überzeugter Kommunist, für den die Glasnost-Reformen die Ideale von Marx und Lenin zerstören. Deshalb tötet der ewiggestrige Profikiller mit der roten Dämonenmaske jetzt die angeblichen Volksverräter. Seine Rhetorik nimmt Putin (und auch Trump) vorweg: „It is up to me to return our country to the greatness that Lenin foresaw. And it is in his name that I will once again make us great!“

Nachdem ein Mitglied des Politbüros halbiert in Moskau aufgefunden wird, bitten die Sowjets Batman um Hilfe. Bruce Wayne reist also nach Moskau, unter dem Vorwand, sich Fabriken ansehen zu wollen. Dabei wird er ständig von Aufpassern begleitet und trifft auf Reporterin Vicky Vale, die mit ihrer Fotokamera Russland unter Glasnost dokumentiert.

Gemeinsam gegen Umweltkrisen

Als Batman muss er eine Reihe sehr ausgefuchster Attentate verhindern. Das interessanteste findet bei einem Eishockey-Turnier statt: Demon verkleidet sich als Spieler und schießt mit explosiven Pucks ins Publikum, um einen bestimmten Menschen zu treffen. Kollateralschäden nimmt er in Kauf, aber besonders effektiv ist diese Methode nicht. Trotzdem hat es Batman gegen Demon schwer. Dabei setzt er sein Cape auf kreative Weise ein: Als er einmal aus einer fahrenden U-Bahn springen muss, rollt er sich im Flug darin ein, später hängt er sich damit an einen Fahnenmast. Am Ende nimmt Demon dann Gorbatschow ins Visier – analog zu KGBeast, der es auf Ronald Reagan abgesehen hatte – und färbt dabei den Fluss Moskwa rot …

When the Earth Dies ist also ein direkter Kommentar zum politischen Weltgeschehen, aber nicht nur historisch interessant, denn es weist aber auch auf die Zukunft voraus. Vicky Vale sieht in der Annäherung der beiden Weltmächte eine Chance für globale Herausforderungen, daher der Titel: „All of us are slowly destroying the earth“, sagt sie. „We’re destroying the environment. The rain forests. The ozone layer. We’ve got to be one planet again.“ Später spricht ein russischer Redner auch die Tschernobyl-Katastrophe als Beispiel für die Umweltzerstörung an.

Wohlgemerkt: Schon 1990 war man sich all der Umweltprobleme bewusst – das sind die wahren Herausforderungen, die man nach dem Kalten Krieg stemmen musste. Leider scheint sich diese Uralterkenntnis immer noch nicht durchgesetzt zu haben. Seit Jahren machen nationalistische und Tendenzen und wirtschaftliche Interessen die gemeinsame Anstrengungen zunichte, nach dem Motto: Wir zuerst. Der Ukraine-Krieg könnte zumindest in Europa die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen beschleunigen. Aber vielleicht wird jemand in 30 Jahren auch diesen frommen Wunsch nur belächeln …

>> Batman 1990-1999


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Batmans mörderischer Doppelgänger

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DC Comics

Titel: Batman: The Imposter (dt. Die Maske im Spiegel)

Autor/Zeichner: Mattson Tomlin/Andrea Sorrentino

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-3), Hardcover 2022, dt. Panini 2021 (Dreiteiler)/2022 (Sammelband)


„Do you think Gotham will be better off without me?“ (Bruce Wayne)

Nach drei Jahren im Einsatz als Batman taucht ein Nachahmer auf, der verurteilte Kriminelle tötet. Das Original versucht, den Betrüger zu finden, doch das erweist sich als schwierig, denn es scheint kein Muster zu geben. Er gerät dabei ins Visier der Polizei. Detective Blair Wong sucht nach ihm und kommt dabei schnell Bruce Wayne die Spur. Doch man kommt sich auch privat näher …

Die Geschichte ist erzählt aus verschiedenen Perspektiven. Ein Großteil der Erzählung nehmen Therapiegespräche zwischen Bruce Wayne und Leslie Thompkins ein, die zufällig von seinem Doppelleben erfährt, als er eines nachts bei ihr ins Haus kracht. Sie stellt fest, dass Bruce ein Problem hat, und zwingt ihn in die Therapie, sonst gibt sie sein Geheimnis preis. Ob das ethisch korrekt ist, sei dahingestellt, wirksam ist es auf jeden Fall. Doch wirksam findet Batman auch sich selbst: Dank ihm soll Gotham die erste Nacht ohne Gewaltverbrechen seit 54 Jahren erlebt haben. Wieder mal stellt sich die Frage, ob Gotham einen Batman braucht.

Wie ein Comic zum Film The Batman

Autor Mattson Tomlin war ursprünglich als Co-Autor des Films The Batman angekündigt, wurde dann im Abspann aber nicht mehr genannt, weil sein Beitrag anscheinend gestrichen oder auf ein nicht mehr nennenswertes Maß geschrumpft worden ist. Dafür durfte er ein Comic machen, der stilistisch an einigen Stellen an den Film erinnert: zum einen wäre da das Kostüm, zum anderen ein junger Bruce Wayne, der mit seinem verwischtem Mascara an Robert Pattinson erinnert, zum dritten ist The Imposter auch sehr darauf bedacht, glaubwürdig zu sein. Batman hat zum Beispiel mehrere Motorräder in der Stadt geparkt, benutzt ein Netz von Ziplines, die er zwischen Häusern gespannt hat. All das widerspricht dem typischen Comic-Batman, der aus dem Nichts kommt und dorthin wieder zurück verschwindet – es ist auf Realismus angelegt, wie die Filme seit Batman Begins.

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Doppelseite aus „The Imposter“ von Andrea Sorrentino. (DC Comics)

Daher gibt es hier auch keine Superschurken. Figuren wie Ratcatcher und Arnold Wesker (Bauchredner) tauchen nicht als Gegner auf, sondern als Außenseiter, die helfen wollen bzw. Hilfe brauchen. Dadurch bekommt die Geschichte eine menschliche Tiefe. Da verzeiht man es der Story, dass ihre Grundidee nicht neu ist (vgl. Batman Special #1, 1984) und es auch gar nicht so wichtig ist, wer sich am Ende als Doppelgänger herausstellt. Es wirkt alles rund und stimmig. Man kann The Imposter also ohne Voraussetzungen lesen und bekommt eine in sich abgeschlossene Story.

Meisterhafte Comic-Kunst

Das Wichtigste an all dem ist aber: Gezeichnet wird das Ganze von Andrea Sorrentino. Von daher kann man sich alles Weitere sparen, denn der Meister, dem wir Joker: Killer Smile zu verdanken haben (neben Gideon Falls, Green Arrow und Old Man Logan), beeindruckt auch hier mit seiner einzigartigen Stimmung, die Labels wie „düster“ und „atmosphärisch“ eine einzigartige Qualität verleiht. Außerdem überrascht er wieder mit gewagten Layouts: Panels in Fledermausform, Puzzlestücken und anderen collage-artigen Anordnungen, für die wahrscheinlich noch die Begriffe erfunden werden müssen.

Daher besteht die Spannung beim Umblättern nicht so sehr darin, was als nächstes passiert, sondern was als nächstes mit dem Medium Comic veranstaltet wird. Sorrentinos Werk bleibt große Kunst, die eine tiefgreifende Analyse verdient. Doch fürs Erste sei einfach nur empfohlen: lesen und genießen. Dieses Buch ist wow, wow, wow.

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Pitch Meeting für Batman (1989)

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Warner Bros.

Nach über 30 Jahren dürfte auch jedem Nostalgiker klar sein, dass der erste ernsthafte Batman-Film nicht so ernstzunehmen ist, wie es scheint. Tim Burtons Batman war mehr ein Hype, der von geschicktem Marketing angefacht wurde, als ein Film mit einer nennenswerten Story. Aus heutiger Sicht wirkt vieles überdreht und albern.

Ryan Georges Pitch Meeting lässt den Blockbuster noch fragwürdiger erscheinen: Batmans Methoden der Verbrechensbekämpfung, seine Affäre mit einer Reporterin und der intime Umgang mit ihr lassen erhebliche Zweifel aufkommen, ob es sich hier wirklich um einen Helden handelt. Ryan George versteht es, Filme auseinanderzunehmen. Desillusionierend? Mag sein, aber selten sind Kindheitserinnerungen so witzig zerstört worden.

Und wer davon nicht genug bekommen kann: Pitch Meetings gibt es auch zu Christopher Nolans Dark-Knight-Trilogie sowie zu Batman Forever und Batman & Robin.

>> Batman-Filme und -Serien

Matt Reeves erklärt das rätselhafte Ende von „The Batman“

Wenn das mal keine Klickbait-Überschrift ist! Ich dachte, was andere können, das kann ich auch. Worum geht’s? Um die vorletzte Szene von The Batman, in der der Riddler auf einen anderen Arkham-Insassen trifft. Wer Angst vor Spoilern hat, lese bitte erst weiter, wenn er den Film gesehen hat.

Die naheliegende Frage ist: Trifft der Riddler auf den Joker? Regisseur und Drehbuch-Co-Autor Matt Reeves stellt in einem Video von IGN klar: Ja, aber nicht ganz. Dieser unbenannte Arkham-Insasse (gespielt von Barry Keoghan, bekannt aus The Killing of a Sacred Deer, Dunkirk und Eternals) ist nur eine Vorstufe des Schurken, der aber schon als Mörder aufgetreten ist und von Batman geschnappt wurde. Ursprünglich war noch eine weitere Szene im Film, in der Batman auf ihn trifft. Die Szene wurde jedoch rausgeschnitten und soll bei anderer Gelegenheit veröffentlicht werden.

[UPDATE: Hier ist die Szene:]

Reeves erklärt, dass sein Joker an den Stummfilm The Man Who Laughs angelehnt ist, der ohnehin den Joker inspiriert hat. Conrad Veidt spielt darin einen Mann, der von Kindheit an ständig ein Grinsen im Gesicht trägt. Dieser neue Noch-nicht-Joker soll durch eine Krankheit gezeichnet sein. Aus dieser Erfahrung soll er auch seine nihilistische Weltsicht haben: „From his birth life has been a cruel joke on him and this is his response“, sagt Reeves.

Ob das bedeutet, dass der Joker im nächsten Film auftaucht, lässt Reeves offen. Er weiß angeblich noch nicht, auf wen Batman treffen wird. Geplant ist – wie üblich – eine Trilogie mit Robert Pattinson in der Hauptrolle. Auch wenn sich Reeves Mühe gibt, eine neue Sicht auf den Joker zu zeigen, täte es gut, den Schurken eine Weile ruhen zu lassen. Es gab mit Jared Leto und Joaquin Phoenix zuletzt zwei Joker kurz hintereinander und Heath Ledger ist auch noch gut in Erinnerung. Zudem gibt es noch eine Reihe anderer, die noch nie in einem Batman-Film zu sehen waren oder eine zweite Chance verdienen: Mister Freeze, Man-Bat, Mad Hatter, Killer Croc, Poison Ivy etc.

Aber ohne den Joker scheint es heutzutage nicht mehr zu gehen.