Batman

Größte Gegner, beste Freunde

Batman versus Superman, Teil 1: Einführung

Nur noch drei Monate dauert es bis zum Kinostart von Batman v Superman. Es wird wohl die Sensation des Jahres: kein Film wird gieriger erwartet (außer vielleicht Captain America: Civil War). Aber hat sich einmal einer die Frage gestellt, was diese Konstellation soll? Batman gegen Superman? Dass die beiden Antipoden sind und unterschiedlicher Meinung sein müssen, ist klar. Aber im Wesentlichen müssten sie sich darin einig sein, Menschen zu helfen. Worin besteht aber auch der Kampf, wenn ein unverwundbarer Übermensch mit Laserblick gegen einen einfachen Menschen im Fledermauskostüm antritt? Es kann kein Kampf sein, bei dem sich die Frage stellt, wer gewinnt. Insofern ist es zwar ein Spaß für Fans, dass man bei dem Konsolenspiel Injustice beide gegeneinander antreten lassen kann wie ebenbürtige Gegner, aber Sinn ergibt dieser Kampf nicht. Und trotzdem: er birgt Sensationspotenzial. Und in den Comics ist er ein altes Motiv.

Von Anfang an waren Superman und Batman Antipoden: Batman war die direkte und düstere Antwort auf den Strahlemann in Primärfarben. Der kostümierte Vigilant gegen das allmächtige Alien. Es dauerte lange, bis die beiden in einer Geschichte aufeinandertrafen, von Anfang an waren sie Konkurrenten, aber es wurde danach schnell klar, dass sie sich als Team perfekt ergänzten wie Muskelkraft und Hirnmasse. Beide sind Brüder im Geiste, beide haben das gleiche Ziel: das Verbrechen zu bekämpfen, Menschen zu schützen und so die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Nur die Ansichten und Methoden sind anders. Superman, der Gutmensch, der moralisierende Oberpfadfinder, will  es allen recht machen, aber Batman, dem einsamen Rächer, ist seine Reputation egal. Er operiert im verborgenen, benutzt Tricks und schreckt vor Einschüchterung, Folter und Körperverletzung nicht zurück, um zu bekommen, was er will. Damit sind die beiden Prototypen der Superhelden: Einerseits der Übermensch, der ein Vorbild in Sachen Menschlichkeit ist. Andererseits der Mensch, der im Kostüm über sich selbst hinauswächst.

Wie schon einst bei Gilgamesch

Die Konstellation zwischen Freundschaft und Feindschaft ist uralt. Schon Gilgamesch, der erste literarische (Super-)Held, kämpft gegen den wilden Menschen Enkidu, nur um im Kampf einzusehen, dass ihm sein Gegner ebenbürtig ist. Es ist der Beginn einer Freundschaft, die nur der Tod entzweien kann. Es geht also auch bei Batman und Superman um nichts anderes als ein Kräftemessen, einen Schaukampf, bei dem die Gegner erkennen, dass sie sich verbünden müssen, um noch stärker zu sein. Davon wird auch der Film Batman v Superman handeln. Aus dem Konflikt geht die Allianz gegen einen gemeinsamen Feind hervor, aus der mit Wonder Woman und Co. später die Justice League wird.

Doch die Vorstellung eines Kampfes blieb auch aus einem anderen, vielleicht noch wichtigerem Grund eine reizvolle Fantasie, die immer wieder durchgespielt wurde. Damit die eigentlich unfaire Prügelei überhaupt zustande kommen kann, muss man die Gegner aneinander angleichen. Entweder man macht Batman stärker (mit einem Kampfanzug oder irgendwelchen anders herbeigedichteten Superkräften) oder man schwächt Superman (zum Beispiel mit Kryptonit oder rotem Licht). Am besten letzteres. Denn so oder so: Es läuft darauf hinaus, dass der Mensch den Übermenschen vermöbelt und – sei es auch nur für eine Weile – die Oberhand behält. Darin steckt das menschliche Bedürfnis nach der Überlegenheit des Schwächeren: Zur Abwechslung zeigt es der benachteiligte Außenseiter mal dem erfolgreichen und beliebten Überflieger, dem Glückskind und scheinbar perfekten Typen, auf den die Mädchen stehen. Das Recht des Stärkeren, das darwinistische Evolutionsprinzip, wird aufgehoben. Wir wollen Superman fallen sehen, wir wollen, dass er liegen bleibt, damit wir die Genugtuung der Schadenfreude auskosten können – oder einfach nur einen Gott als Menschen sehen. Und letzteres erinnert uns an nichts anderes als die Heilsgeschichte Christi.

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Doch reine Gewalt genügt nicht. Damit ein Konflikt entsteht, muss auch einer der beiden Helden korrumpiert werden. Einer wird böse oder zumindest dafür gehalten und der andere muss ihn dann in die Schranken weisen. Meistens ist es Batman, der als unbeugsamer Idealist das Korrektiv gegen Superman spielt. Wie etwa eindrücklich bei Frank Millers The Dark Knight Returns (1986): Superman ist hier der Handlanger der US-amerikanischen Regierung, der Batman ausschalten soll. Batman rüstet sich gut und nutzt alle Tricks, um Superman zu schlagen – und tut es auch fast, doch dann kommt sein menschlicher Makel, das Alter, die Schwäche und der Tod, dazwischen. (Jedenfalls scheinbar.) Seit Gilgamesch gibt es nur diese zwei Möglichkeiten, wie so eine Schlacht der Titanen ausgehen kann: entweder mit Versöhnung und Verbrüderung oder dem Tod. Und weil Superhelden nie wirklich sterben können, stehen Batman und Superman für eine dritte Option: den ewigen Kampf. Worum? Um die Rettung der Menschheit. Und damit letztlich auch um unsere Gunst.


 

In den kommenden Wochen bis zum Kinostart von Batman v Superman werde ich einige Begegnungen zwischen dem Dunklen Ritter und dem Mann aus Stahl in Comic und Film in einer eigenen Reihe besprechen. Ein paar habe ich bereits an dieser Stelle erwähnt, deshalb werde ich nicht mehr näher darauf eingehen:

Fortsetzung folgt.

Kingdom Come: Offenbarung der Superhelden

DC Comics

DC Comics

Titel: Kingdom Come

Autor/Zeichner: Mark Waid/Alex Ross

Erschienen: 1996 (Mini-Serie #1-4, Paperback 1996), dt. Carlsen 1997, Panini 2013


„… perhaps humanity’s only chance is for superhumans to swallow each other …“ (Batman)

Superman hat aufgegeben. Andere Helden sind seinem Beispiel gefolgt. Batman lässt nur noch Roboter über sein Gotham wachen – und macht es dadurch zu einem Polizeistaat. In der Zukunft haben andere Metamenschen das Erbe übernommen – aber sie wissen es nicht zu schätzen. Statt den normalen Menschen zu helfen, werden ihre Kämpfe untereinander zur Bedrohung. Schließlich eskaliert ein Konflikt in der atomaren Verwüstung von Kansas. Das bringt den gealterten Einsiedler Superman dazu, seine Festung der Einsamkeit zu verlassen, die Justice League wieder zusammenzubringen und wieder für Ordnung zu sorgen. Sein Ultimatum: Entweder die Metawesen schließen sich ihm an oder sie werden bestraft.

Schließlich baut er ein riesiges Gefängnis für alle Querulanten. Doch dadurch wird alles noch schlimmer: Intrigen, Grabenkämpfe, Tote. Es kommt zur ultimativen Schlacht, bei der sich am Ende die Frage stellt, ob es besser wäre, dass die Helden oder die Menschen draufgehen. Superman ist verzweifelt, er weiß nicht, was er tun soll.

Kingdom Come zeigt das Superheldentum in der Krise. Die Helden sind bloß noch selbstverliebte Götter, die den Bezug zur Menschlichkeit verloren haben. Doch selbst Supermans Versuch, die Fehler wiedergutzumachen, scheitert. Es geht um die Grundfrage, ob es legitim ist, für die gute Sache zu töten – und mit seinen Idealen zu brechen. Denn am Ende geht es nicht ohne Opfer.

In diesem unlösbaren Dilemma streben böse Mächte auf, die die Menschheit wieder triumphieren sehen wollen, allen voran Lex Luthor. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des Pfarrers Norman McCay, der vom Spectre das Geschehen offenbart bekommt. Sie sind die unbeteiligten Beobachter der nahenden Apokalypse, die sie aber auch nicht kaltlassen kann. In gewisser Weise ist Kingdom Come für Superman das, was The Dark Knight Returns für Batman ist: die Demontage eines Mythos.

Bei allen Zweifeln ist Kingdom Come aber auch zugleich eine Feier der Superhelden. Ein Blick auf die Seiten von Alex Ross reicht, um ein Gefühl von Erhabenheit zu bekommen. Erst durch seine prächtigen Gemälde bekommt die Story eine epische Würde. Die Helden strotzen vor Kraft und Anmut, die Menschen wirken so menschlich, wie man sie nur darstellen kann. Alex Ross hat ein Gespür für lebensnahe Darstellung und romantische Überhöhung. Beides kombiniert er zu einer Bilderzählung von biblischen Dimensionen. Seine überbordenden Schlachten unzähliger Helden zeigen, dass sie bloß beeindruckend aussehen sollen. Die wahren Konflikte aber werden woanders ausgetragen: im Zwischenmenschlichen oder im Kampf mit sich selbst.

Mark Waid hat ein Werk geschaffen, in dem zwar viele Figuren vorkommen, aber in dem nur wenige eine Rolle spielen. Dadurch wirkt sie bei allen Schlachten nie unpersönlich. Der Rest ist schmückendes Beiwerk, aber zu schön, als dass es entbehrlich wäre. In diesem Konzept spiegelt sich das Prinzip von Superhelden überhaupt: knallbunte Action von Überwesen als Fassade für menschliche Dramen und Reflexionen über die Conditio humana. Weil Kingdom Come genau das perfekt auf den Punkt bringt, ist es eine der besten Superman-Storys und wohl die größte Elseworlds-Story überhaupt.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Big Brother Superman

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman: Red Son (dt. Genosse Superman)

Autor/Zeichner: Mark Millar/Dave Johnson, Kilian Plunkett

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-3), dt. Panini 2014


„I offered them utopia, but they fought for the right to live in hell.“ (Superman)

Was wäre wenn Supermans Rakete in der Sowjetunion gelandet wäre? Dann stünde er nicht für jedenfalls nicht mehr für den American Way. Autor Mark Millar hat die wohl kühnste Vision von Superman geschaffen: der ur-amerikanischte Held (neben Captain America) als Kommunist. Der Blaue als Roter. Eine Provokation. Aber nicht bloß eine weitere Dystopie, die irgendwann hätte geschrieben werden müssen, sondern auch eine Story, die wunderbar funktioniert.

Millar hat nicht nur eine Elseworlds-Geschichte geschrieben, sondern auch eine alternative Geschichte. Superman dient zunächst Josef Stalin und übernimmt nach dessen Tod die Führung der Sowjetunion. Obwohl der Bauernsohn sich zunächst gegen Politik sträubt, wird er zum totalitären Despoten. Die Welt wird nach und nach kommunistisch, die USA sind gegen Superman machtlos, bleiben isoliert, spalten sich, leiden unter Armut und Bürgerkrieg. 1963 wird Präsident Richard Nixon erschossen, John F. Kennedy wird sein Nachfolger und treibt das Land weiter in den Ruin, weil er sich mehr für seine Liebschaft zu Norma Jean interessiert.

Der einzige, der den Durchblick hat, ist Lex Luthor. Der geniale Wissenschaftler, der gleichzeitig mehrere Schachturniere spielt und Urdu lernt, um sein Gehirn bei Laune zu halten, hasst Superman auch in dieser alternativen Welt und arbeitet sich jahrzehntelang daran ab, den Diktator auszuschalten – aber gegen die Übermacht ist er erfolglos. Schließlich verbündet er sich mit Wonder Woman und Green Lantern. Parallel regt sich Widerstand in Russland: Batman bekämpft das System als Guerilla mit Pelzmütze und tritt schließlich auch direkt gegen Superman an.

Batman mit Pelzmütze vermöbelt Superman. (DC Comics)

Batman mit Pelzmütze vermöbelt Superman. (DC Comics)

Big Brother Superman ist alles andere als böse. Auch wenn er für eine andere Ideologie eintritt, bleibt er doch seinen Idealen treu, eine bessere Welt zu schaffen. Allerdings mit zweifelhaften Mitteln, wie etwa totaler Überwachung und der Verwandlung von Aufsässigen in gehorsame Halbroboter. Der Wohlstand der Welt scheint ihm recht zu geben, aber mit den Jahren zweifelt er immer mehr daran, ob seine Herrschaft moralisch tragbar ist. Dieser Konflikt gibt ihm die nötige Komplexität und hält das Interesse an der Figur bis zum Schluss aufrecht.

Red Son ist ein Comic, das alles aufbietet, was man sich wünschen kann: Starke Charaktere, viel Fantasie und Zitate der Superman-Mythologie. Obwohl die Zeichner gängige Motive der Superman-Ikonografie bedienen (z. B. die üblichen Cover von Action Comics #1 und Superman #1), werden die Zeichnungen dem hohen Niveau der Story leider nicht ganz gerecht.

Dafür ist das Ende der Story so grandios, dass man diesem runden Meisterwerk nur applaudieren kann.

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Speeding Bullets: Superman als Batman

DC Comics

DC Comics

Titel: Speeding Bullets

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis/Eduardo Barreto

Erschienen: 1993 (One-shot)


„There’s only one way it could have happened: the way it was meant to be happen.“

„A child in a Halloween costume, playing out a lifetime of guilt and anger.“

„Has our world become so twisted, so violent, that this is the kind of hero we produce?“

Was wäre wenn Supermans Rakete von Krypton in Gotham gelandet wäre? Dann wäre er von den Waynes gefunden und aufgezogen worden, bis zu jenem Tag, an dem sie ermordet werden. Kurz: Superman wäre Batman geworden. Die Elseworlds-Story Speeding Bullets spielt diesen wohl feuchtesten Traum aller Fanboys durch, steckt Superman ins Fledermauskostüm, lässt ihn fliegen, Dinge zerstören und Menschen verbrennen. Das Kostüm ist zum einen konsequent, weil es das Gesicht des Helden ganz verdeckt, zum anderen zeichnet sich in dem gelben Diamanten auf der Brust bereits ab, worauf die Story hinausläuft.

Doch zunächst wird das Superman-Inventar aus Metropolis herangeschafft: Bruce Wayne lässt Perry White und Lois Lane vom Daily Planet zur Gotham Gazette kommen, ein feister Lex Luthor versucht, Waynes Firma zu übernehmen, und scheitert. Kurz darauf zeigt Luthor sein wahres Gesicht: Es ist weiß, hat rote Lippen und lacht bei jeder unpassenden Gelegenheit. Nach einem Unfall in einem Chemiewerk ist Luthor nämlich zum Joker geworden. Warum er sich so nennt, bleibt unklar, denn Witze macht er keine und lustig ist er auch nicht. Allein lächerlich wirkt es, wenn aus seinem Rücken ein Propeller heraustritt, mit dem er durch die Stadt fliegen kann.

DC Comics

Wie dem auch sei: Batman rettet Lois Lane, dann die ganze Stadt vor einer paramilitärischen Invasoren, die für Luthor Chaos stiften. (Einen tieferen Sinn hat das nicht.) Am Ende lässt Batman sich von Lois zu sanfteren Methoden der Verbrechensbekämpfung bequatschen und legt sein Kostüm ab – er wird zum bekannten Superman in blau, rot und gelb.

Die interessantesten Elseworlds-Storys spielen ihr „Was wäre wenn“ bis zur letzten Konsequenz durch. Doch hier ist das Szenario bloß ein Umweg zum Status quo der regulären Comic-Serien. Daher muss man sich fragen, was sie eigentlich soll. (Zugegeben: The Nail funktioniert auch so, aber besser.) Dabei fängt die Geschichte vielversprechend an: Bruce plagt die Schuld, die Kugeln, die seine Eltern töteten, nicht aufgehalten zu haben. Er verschanzt sich als Einsiedler in Wayne Manor und sammelt Zeitungsartikel, um über das Leid in der Welt zu lamentieren – bis er sein wahres Potenzial wiederentdeckt. Doch mit der bemühten Einführung von Luthor-Joker wird alles zunichte gemacht und die wenigen Seiten für eine Story verschwendet, die nicht der Rede wert ist. Eine vertane Chance.

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Aufstand von ganz unten

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Beyond: Batgirl Beyond

Autor/Zeichner: Adam Beechen, Scott Peterson/Adam Archer, Annie Wu, Norm Breyfogle u.a.

Erschienen: 2013/1999 (Batman Beyond Unlimited #14-18, Batman Beyond (Vol. 2) #1-2), Paperback 2014


„Do I look like a detective to you?“ (Batgirl)

Kaum, dass der Joker King und seine Anhänger Neo-Gotham in Schutt und Asche gelegt haben, setzt ein Riesenroboter aus wandelbarem Metall die Verwüstung fort. In Gang gesetzt wurde er von „Rebel“, der Anführerin des Hacker-Kollektivs Undercloud. Sie hat auch Terrys Freundin Max rekrutiert und hält sie nun fest. Das Ziel ist die Zerstörung der ungerechten Gesellschaft (Armut unten, Wohlstand oben), um sie danach besser wieder aufzubauen. Was es mit dem Roboter auf sich hat, kann man sich leicht denken: es handelt sich um Alloy, die Summe der reanimierten Metal-Men – eine der lahmsten Superheldengruppen von DC. Und sobald sie sich ihrer selbst wieder bewusst werden, werden sie zu Batmans Verbündeten …

Und was hat das mit dem titelgebenden Batgirl Beyond zu tun? Nichts. Obwohl sie auf dem Cover zu sehen ist, spielt sie nur in einer kleineren Zweit-Story eine Rolle. Zusammen mit Commissioner Barbara Gordon, dem ersten Batgirl, bringt sie Ordnung in einen Aufstand der Unterschicht und macht einen ultrazynischen Konzernboss dingfest, der es nicht nur auf Geld abgesehen hat, sondern auch auf die Armen. Er will dafür sorgen, dass sich die Unterschicht, die er für Ungeziefer hält, selbst ausrottet. Die beiden Batgirls leisten ganz klassische Polizei- und Vigilanten-Arbeit, ohne Science-Fiction-Schnickschnack – und ohne Hilfe der Batmen.

Trotz dieser Sozialkritik bleibt der vierte Batman Beyond-Band von Adam Beechen etwa so oberflächlich und belanglos wie die beiden davor und auch visuell von durchwachsener Qualität. Die einzige nennenswerte Entwicklung: Dana kommt endlich darauf, dass ihr Ex-Freund Terry McGinnis Batman ist. Nicht, dass es wichtig wäre, aber immerhin. Zum Schluss werden noch die beiden ersten Hefte der zweiten Batman Beyond-Comicserie von 1999 mitabgedruckt. In einer der beiden Storys steigt der alte Bruce Wayne wieder in sein Batman-Kostüm, um den neuen Batman zu bekämpfen. Reizvoll ist neben dieser Konstellation auch der Zeichenstil, der sich stärker an der Animationsserie orientiert. Aber leider macht auch diese Zugabe den Band nicht weniger entbehrlich.

Mir ist fürs Erste die Lust an Batman Beyond vergangen. Hoffentlich taugt das neu angelaufene Reboot von Dan Jurgens mehr. Im März erscheint das Paperback.

Coverwahn #11

Lange Zeit war Ruhe, jetzt gibt es mal wieder eine Reihe neuer Cover zu Dark Knight III: The Master Race. Zwei neue Variants zu Book 2, das am 23. Dezember erscheint, von Klaus Janson und Jim Lee, das Variant von Eduardo Risso ist nun auch in Farbe zu sehen – und wirkt mit der knallroten Ecke umso stärker. Zudem hat DC mittlerweile auch die regulären Cover von Andy Kubert zu Book 3 und 4 veröffentlicht: Eines zeigt Batman und Robin im Schnee, wahrscheinlich in der Nähe von Supermans Festung der Einsamkeit, ein anderes zeigt eine Reihe von Supertypen, die aus den Wolken kommen – keine Ahnung, was das bedeutet. Eins ist klar: Bruce Wayne mag tot sein, Batman (der gute alte) ist es selbstverständlich noch lange nicht.

Abgesehen von der Tatsache, dass die Variants mal wieder die typischen Motive verwenden, sind sie sehr ausdrucksstark geworden. Janson und Lee zeichnen Batman in Rüstung, kurz vor dem Kampf mit Superman: klobig, martialisch, larger than life. In dieser Tradition steht auch der kommende Kinofilm Batman v Superman, wie man auch an dem neuen Werbeplakat sehen kann:

Warner Bros.

Warner Bros.

Kreaturen der Nacht

In diesem Video sehen Sie folgendes: Eine bekannte Comicfigur, die ihr Auto von Pferden ziehen lässt, eine bekannte Horror-Roman-Figur, die die Nutztiere anderweitig zu nutzen weiß und einen sich daraus entwickelnden Konflikt zwischen zwei Kreaturen der Nacht, die sich gerne als fliegende Säugetiere inszenieren. Alles weitere, was in diesem Video passiert, soll unkommentiert bleiben – so grotesk es auch sein mag. Man sollte es selbst gesehen haben. Unterhaltsamer als Francis Ford Coppolas Bram Stoker’s Dracula ist es allemal.

Legends of the Dead Earth: Dystopische Variationen

Titel: Legends of the Dead Earth

Autor/Zeichner: Doug Moench, Chuck Dixon, Alan Grant/Vincent Giarrano, Flint Henry, Barry Kitson, Brian Apthorp

Erschienen: 1996 (Batman Annual #20, Detective Comics Annual #9, Shadow of the Bat Annual #4, Legends of the Dark Knight Annual #6)


„Whatever happens to me — the legend will never die!“ (Batman)

Im Jahr 1996 standen alle DC-Annuals unter einem Titel: Legends of the Dead Earth. Erzählt wurden Geschichten aus alternativen Universen (allerdings ohne Elseworlds-Label), in denen die Helden in verschiedenen Versionen einer düsteren Zukunft kämpften. Auf einer toten Erde leben die Legenden weiter, so das Motto der Reihe.

Im Batman Annual erzählt ein alter Mann in einer dystopischen Zukunft ein paar Kindern Legenden von Bat-Man, einem geflügelten Helden, der einen Sidekick namens Darkbird hat. Die bekannten Schurken erscheinen in abgewandelter Form: der Joker ist der Mad Jester, der Menschen mit manipulierten Holo-Programmen zum Lachen bringt, Catwoman ist Cat-Fem, eine Mensch-Tier-Hybridin, Two-Face ist Split-Face und Scarecrow ist ein Vogelmensch, der tatsächlich zunächst als Vogelscheuche arbeitet, bevor er vor Angst wahnsinnig wird und seinen Job verliert. Auch wenn die Figuren und Anekdoten nicht alle durch Einfallskraft glänzen, ist dieses Heft das gelungenste der vier.

Im Detective Comics Annual ist Batman ein Riesen-Roboter, im Shadow of the Bat Annual führt Batman eine Armee gegen eine feindliche Reptilien-Spezies an und reitet dabei auf Dinosauriern. Der vierte Teil (Legends of the Dark Knight Annual) spielt zwar in einer Art Zukunft, aber das Szenario mutet mittelalterlich an. Batwoman ist hier die Heldin, die das Erbe ihres Vaters Robert Kane antritt. Batman war ein Henker für einen Schurkenstaat, der Selbstmord beging, nachdem er seine Schuld nicht mehr ertrug. Batwoman macht reinen Tisch.

Auch wenn das Konzept einen interessanten Ansatz verspricht und den Schöpfern kreative Freiheit zu gewähren scheint, kommt bei Batman nicht viel Interessantes bei rum. Bloß oberflächliche Variationen des Altbekannten in verschiedenen Dystopien. Kein Wunder, dass diese Storys bisher nicht wiederaufgelegt wurden.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Anderswelten neu aufgelegt

Am 20. April 2016 bringt DC Comics ein Paperback mit gesammelten Elseworlds-Batman-Storys heraus. Nun ist bekannt, was drin sein wird:

  • Holy Terror (Batman gegen einen fiktiven Kirchenstaat)
  • Dark Allegiances (Batman kämpft in den 30ern gegen eine faschistische Verschwörung, von Howard Chaykin)
  • Dark Joker – The Wild (von Doug Moench und Kelley Jones)
  • In Darkest Knight (Batman als Green Lantern)
  • Robin 3000 #1-2 (Robin in der Zukunft)
  • „and more“

Leider teilt DC nicht mit, was dieses Mehr sein soll. Eins ist klar: Es wird noch viel mehr, denn der Band soll 536 Seiten umfassen. Es ist lange überfällig, dass die meist vergriffenen Comics neu aufgelegt werden. Mittlerweile gibt es auch schon einige davon in digitaler Form – und das sehr preisgünstig. Die hier vorgestellte Auswahl ist durchwachsen: Holy Terror ist jedenfalls ein solides Werk, In Darkest Knight klingt verlockender als es ist, Dark Allegiances ist auch kein großer Spaß (es sei denn für Chaykin-Fans). Die anderen beiden Werke kenne ich nicht, daher hoffe ich, dass der Rest des Bandes mehr Qualität bringen wird. Aber da es sich um ein „Volume one“ handelt, wird DC wohl ohnehin in naher Zukunft alles neu auflegen, was ein Elseworlds-Label trägt.

Für Juli ist auch ein Superman-Elseworlds-Band angekündigt. Darin soll auch Speeding Bullets enthalten sein, eine Story, die davon ausgeht, dass Superman von den Waynes in Gotham City aufgezogen und dann zu Batman wird. Eine Besprechung folgt in Kürze. Am 11. Mai wird zudem eine Deluxe Edition von Kingdom Come (1996) erscheinen, eine der besten Elseworlds-Geschichten, geschrieben von Mark Waid und gemalt von Alex Ross.

Tödliches Joker-Revival

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Beyond: 10,000 Clowns

Autor/Zeichner: Adam Beechen/Norm Breyfogle

Erschienen: 2012-2013 (Batman Beyond Unlimited #1-13), Paperback 2013, dt. Panini 2014


„I bet crap like this doesn’t happen in St. Louis.“ (Terry McGinnis)

Batmans Dasein ist eine tragische Tretmühle. Nicht nur, dass das alte Trauma immer wieder durchlebt wird, auch die Gegner kommen immer wieder – und zwar auch über Generationen hinweg. In Batman Beyond gibt es zunächst keinen Joker mehr, dafür aber macht die Chaotenbande Jokerz Gothams Straßen unsicher. Dann kommt der Joker doch wieder zurück, stirbt einen zweiten Tod. In 10,000 Clowns schließlich mischen die Jokerz die Stadt richtig auf – angeführt von einem selbsternannten Joker King. Und der ist auch noch Doug Tan – der Bruder von Terrys Ex-Freundin Dana. Als wäre das nicht genug, wird die Geschichte vom Mörder von Terrys Vater nachgeliefert: Jake Chill, verwandt mit Joe Chill …

Alles wiederholt sich, aber immer ein bisschen anders, stets wird noch eins draufgelegt. Hier werden die Jokerz zu einem Selbstmordkommando, das in der Stadt verteilt Sprengstoffgürtel zündet. Der Sinn? Es gibt keinen. Denn der Joker King hat erkannt, dass das Leben auch keinen hat und darin der ultimative Witz besteht. Also führt er alle ins Verderben. Trotzdem macht er sich aber die Mühe, sich vorher aufwendig zu schminken und als Punk zu verkleiden, samt LOL-Tattoo auf der Brust. So viel Show muss sein. Terry wird bei dem Versuch Doug aufzuhalten unterstützt von einer wachsenden Batman-Familie: Catwoman und Dick Grayson (siehe Hush Beyond), Tim Drake und Jake Chill, der sich wegen seiner Schuldgefühle zum Vigilanten namens „Vigilante“ erklärt.

Etwa genauso kreativ und subtil ist auch der Rest der Geschichte. Autor Adam Beechen bedient sich bei seinem Joker King ziemlich schamlos beim Film The Dark Knight bietet kaum etwas darüber hinaus: weder Tiefgang noch eigene Ideen. Bruce Wayne erkrankt an Leberversagen, Terry plagen mal wieder Selbstzweifel, dazwischen wird eine Familiengeschichte und die Binnenstory mit Max und ihren Hackerfreunden gequetscht. Zeichner Norm Breyfogles Versuch, den Stil der Animated-Serie zu imitieren, geht nur leidlich auf. Entstanden ist ein seltsamer Hybrid, der sich zwischen Cartoon und Realismus nicht entscheiden kann. Das passt zur Story, die einerseits drastischer ist als von Batman Beyond gewohnt, aber andererseits unreif wirkt. Naja, für Teenager mag das genau die richtige Lektüre sein.