Batman (Comic-Serie)

Die erste Comic-Serie, die allein Batman gewidmet ist, erscheint seit 1940.

Doppeldate mit Lois und Clark

DC Comics

Titel: Rules of Engagement (Batman Vol. 5)

Autor/Zeichner: Tom King/Joelle Jones, Michael Lark, Clay Mann

Erschienen: 2018 (Batman #33-37, Batman Annual #2), Paperback 2018 (Batman Vol. 5)


„I’ll always be second to a child’s idiotic fantasy.“ (Selina Kyle)

Kaum sind Batman und Catwoman verlobt, erleben sie ihr erstes gemeinsames Abenteuer als Paar. In der Wüste von Khadym treffen sie auf Talia al Ghul, wo sie sich Schwertkämpfe mit ihr liefern, wobei Selina länger durchhält als Bruce. Nebenbei erfahren die drei Robins und Duke Thomas erst von Alfred von der Verlobung und fragen sich, wieso Bruce ihnen so etwas vorenthält …

Dann kommt es zum Doppeldate zwischen Bruce, Selina, Superman und Lois Lane. Ein Kapitel lang geht es um die Frage, wer wen anrufen soll, um ein Treffen vorzuschlagen. Ein Kapitel lang sehen wir die vier auf einem Jahrmarkt. Weil das Motto Superhelden lautet, tauschen die beiden Herren und Damen ihre Kostüme: Batman wird zu Superman und umgekehrt. Lois Lane wird zu Catwoman und Catwoman zu Selina Kyle in Lois‘ Kleid. Und so plaudert man über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede und die Ehe.

Schließlich ist da noch ein sentimentales Schlusskapitel, in dem eine Episode aus der Anfangszeit von Batman und Catwoman erzählt wird, verbunden mit einer Zukunftsepisode über die letzten Tage des alten Paares.

Der fünfte Band von Tom Kings Batman-Serie ist der bisher ruhigste und nachdenklichste, aber auch der heiterste und emotionalste, aber obwohl ein Spannungsbogen fehlt, unterhält er besser als die meisten vorherigen. Da ist zum einen der Humor, der die Geschichten mit Ironie durchzieht, da sind zum anderen Highlights wie Batman und Superman beim Baseball. Man mag das lächerlich finden, aber Tom King bekommt es gut hin, dass es Spaß macht, ohne weh zu tun.

Und natürlich sind die Zeichungen von vorn bis hinten erstklassig: Mit Joelle Jones darf erstmals eine Frau an Batman ran und man fragt sich, warum das erst jetzt passiert, da mit Selina Kyle auch eine Frau dauerhaft in Batmans Leben tritt. Jetzt müsste man sie nur noch Batman schreiben lassen, aber so weit ist man bei DC wohl noch nicht …

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Poison Ivy küsst zurück

DC Comics

Titel: A Touch of Poison Ivy

Autor/Zeichner: Robert Kanigher/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1966 (Batman #183)


Batman steht noch immer sehr unter dem Eindruck von Poison Ivy. Egal, mit welcher Frau Bruce Wayne anbandelt, ihm erscheint jedes Mal die in Blattgrün gekleidete Schurkin, die ihn mit einem Kuss in ihren Bann gezogen hat. Robin versucht, mit kleinen Kämpfen gegen das Verbrechen Batmans Kopf wieder klarzukriegen. Aber so ganz klappt das nicht. Ivy lässt nicht locker. Zunächst tut sie so, als wäre sie im Gefängnis geläutert und schickt Batman zum Dank ein Geschenk: einen Handspiegel. Doch der ist vergiftet, und so fällt Batman wieder dem Bann der Frau zum Opfer – davor schützen ihn auch nicht die Handschuhe.

Batman hilft ihr dabei, aus dem Knast zu entkommen und wird dadurch selbst zu ihrem Gefangenen. Tagelang liegt er gefesselt auf einem Sofa, ohne dass Ivy auch nur versucht, ihn zumindest seiner Maske zu entledigen, und widersteht der Versuchung, etwas zu essen. Als er zwangsernährt werden soll, dreht Poison Ivys Haustier, ein Panther, plötzlich durch und greift sie an. Batman rettet sie, Robin eilt herbei, und während es wieder zum Kuss kommt, beweist Batman, dass er immun gegen sie geworden ist. Zumindest vorläufig …

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Poison Ivys erster Kuss

DC Comics

Titel: Beware of — Poison Ivy

Autor/Zeichner: Robert Kanigher/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1966 (Batman #181), Paperback 2017 (Batman Arkham: Poison Ivy)


„I hate to put such a beautiful doll behind bars!“ (Batman)

Wer ist die größte, die meistgesuchte Verbrecherin? Ist es Dragon Fly, Silken Spider oder Tiger Moth? Keine der drei, findet die junge Frau mit den roten Haaren und dem grünen Anzug, die plötzlich im Gotham Art Museum auftritt und große Töne spuckt: Sie selbst sei es, Poison Ivy. Sie behauptet, so gut zu sein, dass ihre Verbrechen nicht einmal auffallen. Den Beweis bleibt sie zunächst schuldig, fordert aber die drei genannten Schurkinnen heraus. Natürlich ist das eine Falle. Aber auch Batman und Bruce Wayne sind eingeladen, weil Ivy auf beide steht und sich erst im Direktvergleich für einen von beiden entscheiden will.

Als Batman und Robin mit ihren Fallschirmen vorbeikommen, ist bereits eine Schlägerei der drei Vebrecherbanden in vollem Gange. Die drei Anführerinnen erleiden einen Elektroschock, als sie sich gleichzeitig auf eine Krone stürzen, die ihnen Ivy überreicht.

Ivy versucht, Batman dazu zu überreden, sich ihr anzuschließen – mit einem Kuss. Robin durchschaut, dass Chemie im Spiel ist und reißt Batman los. Die Schöne ist jedoch davon überzeugt, dass sie auch ohne das Hilfsmittel bekommen hätte, was sie will. Und tatsächlich: Batman schwirrt danach ganz schön der Kopf.

Und da sie sich nicht besonders geschickt anstellt, wird sie auch schnell aufgehalten. Aber die Begegnung wirkt bei Batman nach. Er wirkt betört von der jungen Frau in Grün. Es wird klar, dass das nur der Anfang einer langen Beziehung sein kann.

Auffallend an diesem ersten Auftritt von Poison Ivy ist: Sie kommt aus dem Nichts. Es gibt keine Erklärung, warum sie Verbrechen begeht und warum sie ein Pflanzenkostüm trägt; mit Pflanzen hat sie nichts zu tun. Sie hat keinen Namen, nur ein Pseudonym. Typisch ist, dass es (nach Catwoman) wieder eine Frau ist, die Batman und Robin entzweit. Schon auf dem Cover wird sie als mögliche Ursache für einen Konflikt des Dynamischen Duos eingeführt, noch bevor man etwas über sie weiß.

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Wie Black Mask in die Welt kam

Titel: Black Mask: Losing Face/The False Face Society of Gotham/Ebon Masquery

Autor/Zeichner: Doug Moench/Tom Mandrake, Klaus Janson

Erschienen: 1985 (Batman #386, Detective Comics #553, Batman #387)


„Know that the mask destroys one identity while creating another. Know that the mask recreates its wearer.“ (Black Mask)

Batman ist auch eine Geschichte über Identitäten, über Gesichter und Masken. Batmans wahre Identität ist zwar Bruce Wayne, aber nur an der Oberfläche. In Wahrheit ist Wayne nur eine Maske, während die Batman-Maske sein wahres Gesicht ist. Und dennoch bedeckt seine Maske nur das halbe Gesicht, seine Mundpartie bleibt (meist) frei. Wir haben es also nur mit einer halben Maske zu tun. Batman ist eben nur zur Hälfte Fledermaus. Und damit ist er so gespalten wie Two-Face – und nicht mehr als ein Zerrbild wie Joker oder Clayface.

1985 kam ein neuer Schurke auf, der diese Masken-Thematik neu aufgriff: Black Mask (Roman Sionis). Erzählt wird seine Geschichte ganz altmodisch, nämlich von Anfang an, wie etwa bei Scarecrow. Es beginnt damit, dass Roman Sionis gleich nach der Geburt fallengelassen wird. Nur ein Versehen macht den Tag der Geburt gleich zum einem fatalen Datum, das sein restliches Leben bestimmt. Denn Roman wird ein Kind, das nie Gefühle zeigt, sondern bloß falsche Gesichter aufsetzt, um so zu tun als ob.

Dabei hat Roman sonst alles, was er braucht, denn seinen Eltern gehört der Kosmetikhersteller Janus. Als Erwachsener verliebt er sich in das Model Circe und stellt es ein, doch als seine Eltern gegen die Verbindung sind, ermordet er sie durch Brandstiftung. Er übernimmt das Unternehmen und richtet es mit iditotischen Entscheidungen zugrunde. Nachdem es wegen eines gesichtsschädigenden Make-ups vielfach verklagt wird, übernimmt Wayne Enterprises Janus.

Der verbitterte Roman Sionis schnitzt sich in der Familiengruft eine schwarze Maske aus dem Ebenholz-Sarg seines Vaters, macht ein paar Gauner zu seiner maskentragenden False Face Society und geht auf Rachefeldzug. Seine ehemaligen Vorstandskollegen werden mit Masken getötet, die mit dem zerstörerischen Make-up bestrichen sind, dann müssen auch die amtierenden Vorstandsmitglieder dran glauben. Black Mask entstellt Circe. Schließlich soll auch Bruce Wayne sterben – Sionis kannte ihn schon als Kind.

Batman lockt ihn in eine Falle, indem er ihn als Bruce Wayne zu einem Maskenball einlädt. Am Ende, nachdem Roman seine Kuscheltiere abfackelt, brennt sich die Maske in sein Gesicht – und Black Mask ist fürs Leben entstellt.

Black Mask hat eine Ideologie: die Maske dient als Mittel zur Reinkarnation. Sie zerstört die alte Identität und erschafft eine neue. Autor Doug Moench lässt sich viel Zeit, um seine Motivation zu erklären, eine ganze Ausgabe lang wird die tragische Vorgeschichte ausgebreitet. Aber wie so oft übertreibt er maßlos, wenn der junge Roman zum Beispiel inspiriert wird von einem Waschbär – weil der scheinbar eine Maske trägt. Dieses Waschbär-Motiv zieht sich durch die ganze Geschichte und wird damit überzogen, weil es schon am Anfang zu bemüht wirkt.

Bei aller Liebe zur Exposition – die Story erschöpft sich leider darin. Es folgt eine Reihe von Grausamkeiten, aber Empathie verspürt man bei diesem Rachefeldzug nicht für den Schurken. Denn er rächt sich für etwas, das er selbst zu verantworten hat. Roman Sionis ist ein unsympathischer Irrer, der sich bloß von seinen emotionalen Kurzschlüssen leiten lässt und das macht sein Verhalten schwer nachvollziehbar. Sein Ende kommt abrupt, denn er ist nicht einmal ein besonders gewiefter Gegner für Batman. Interessanter wird Black Mask erst später: im Vorspiel zu Knightfall, in War Games und Under the (Red) Hood.

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Der Tag, an dem Robin starb (und Batman durchdrehte)

DC Comics

Titel: Robin Dies At Dawn

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1963 (Batman #156), Paperback 2009 (The Black Casebook), Hardcover 2015 (Robin, the Boy-Wonder: A Celebration of 75 Years)


„I’ve never felt so alone in all my life …“ (Batman)

„Why are you watching me?“ (Batman)

Als Batman für einen Geheimauftrag verschwindet, trifft Robin auf Ant-Man. Nein, natürlich nicht auf Marvels Ant-Man, der ein Jahr zuvor seinen ersten Auftritt hatte, aber auf einen anderen kleinen Helden, der dem von Marvel ziemlich ähnlich ist. Zweimal springt ihm das rote Kerlchen mit der Kraft eines ausgewachsenen Mannes zur Seite, als er es mit Räubern und Dieben zu tun hat. Doch dann macht sich Ant-Man mit dem Diebesgut davon. Robin findet den Wissenschaftler, der für das Schrumpfen verantwortlich ist und überlistet im Labor den kleinen Gauner, indem Robin sich selbst als Marionette spielt und sich seinen Gegner in den Fäden verheddern lässt.

Aber „The Secret of the Ant-Man“ ist nur der Prolog. Denn was Batman in der Zwischenzeit treibt, erfahren wir im zweiten Teil: „Robin Dies at Dawn“. Batman wird auf mysteriöse Weise ins Weltall gezogen und landet auf einem fremden Planeten. Die Stimmung mutet surreal an, wie in einem Traum: Eine gelb-grüne Wüste mit großen violetten Kratern und seltsamen anhänglichen Pflanzen, darüber schweben zwei Monde. Als sich eine der Pflanzen Batman schnappt, wünscht der sich seinen Partner herbei und kaum hat er ihn in seiner Verzweiflung gerufen, rettet er ihn.

Doch dann kommt es zum dramatischen Höhepunkt: Das Dynamische Duo wird von einem Steinriesen verfolgt, Robin wird übermütig und wird von einem Felsen erschlagen. Batman begräb ihn. Danach fühlt er sich beobachtet von Menschen, aber er kann niemanden sehen. An dieser Stelle fühlt man sich als Leser ertappt: den natürlich ist man es selbst, der Batman zuschaut, ohne dass er zurückschauen könnte. Nachdem er von einem roten Monster angegriffen wird, erfahren wir, was wirklich los ist: Batman hat sich einem Experiment ausgesetzt, bei dem er so isoliert war wie ein Astronaut im Weltall.

Batman halluziniert Monster

Diese Idee erinnert stark an die Pilotfolge der TV-Serie The Twilight Zone („Where is Everybody?“), die 1959 erschien. Darin findet sich ein Mann in einer verlassenen Welt wieder und die Auflösung ist die gleiche. Bei Batman werden die Halluzinationen mit der Angst vor der Einsamkeit erklärt. Batman bildete sich den Tod von Robin nur ein, weil er ohnehin in ständiger Sorge um ihn lebt.

Im dritten Akt zeigen sich die Spätfolgen dieses Experiments: Während Batman und Robin eine Bande in Affenkostümen jagen, wird Batman von Halluzinationen heimgesucht, die ihn an die eingebildete Alien-Welt erinnern. Batman schmeißt hin, Robin weint. Aber der Ruhestand dauert nur eine Seite. Als Robin gefangen genommen wird, eilt Batman mit Ace, dem Bat-Hound, zu Hilfe, verkleidet sich als Affe, überwindet seine Angst, rettet Robin, alles gut. Und doch: das letzte Panel wirkt mit seiner orangen Sonne und den dunkelvioletten Wolken irgendwie seltsam, als wären wir immer noch in der surrealen, verstörenden Traumwelt …

Was diese Story so spannend macht, ist nicht nur, dass sie eine gewisse psychologische Tiefe offenbart und Batman als psychisch kranken Mann zeigt, sie nimmt auch viele spätere Entwicklungen vorweg, vor allem den 23 Jahre später erschienenen The Dark Knight Returns: Robins Tod, Bruce Wayne gibt als Batman auf, Batman als Selbstzweifler, seine Rückkehr, um das Verbrechen zu bekämpfen. (Die Vorgeschichte ist nachzulesen in Last Crusade.) Grant Morrison bedient noch später sich bei seinem Epos Batman R.I.P. sehr stark bei dieser Story.

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Year 3: Robins Vorgeschichte

Batman #436-437 (DC Comics)

Titel: Year 3

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/Pat Broderick

Erschienen: 1989 (Batman #436-439), Paperback 2019 (Batman: The Caped Crusader Vol. 2)


„I don’t need any partners. Not ever again.“ (Batman)

Nach dem Erfolg von Year One gab es nicht nur ein Year Two, sondern auch ein Year Three. Das ist weniger bekannt, weil es lange nicht als Paperback nachgedruckt wurde (erst 2019). Aber die Geschichte, die hier erzählt wird, ist von einiger Relevanz, denn es geht um die Vorgeschichte des ersten Robin, Dick Grayson.

Anlass zur Rückblende gibt die Gegenwart, in der die Vergangenheit wieder hochkommt und alte Wunden aufreißt. Im Klartext: Tony Zucco, Mörder der Graysons, soll aus dem Knast rauskommen, frühzeitig, auf Bewährung. Gleichzeitig machen Unbekannte Jagd auf die Bosse von Gothams Unterwelt. Batman, der immer noch um Jason Todd trauert, versucht herauszufinden, wer dahintersteckt – dabei zieht er eine Spur der Gewalt hinter sich her. Erst schlagen, dann fragen, heißt das Motto. Nightwing geht einen sanfteren Weg – und schwelgt in Erinnerungen.

Die bekannte Vorgeschichte aus Detective Comics #38 (1940) wird erweitert: Zucco ist nicht nur ein Schutzgelderpresser, der den Zirkus mit dem Mord an den Graysons abstrafen will, sondern auch ein tragischer Fall: Ein ehemaliges Waisenkind, dessen Eltern von Schutzgelderpressern ermordet wurden. Um sie zu rächen, wurde er eben selbst einer … Und er wird sogar zum größten Erpresser der Stadt, denn er hat ein Buch, in dem er alle Schandtaten von Gothams Gangstern festgehalten hat. Zucco hat große Pläne, die Stadt zu beherrschen, alle fürchten sich vor ihm. Dann wird er selbst zur Zielscheibe.

Batman #438-439 (DC Comics)

Wie Dick zu Robin wird, mutet seltsam an: Kaum hat Bruce das Sorgerecht für ihn erwirkt, weiht er ihn auch schon in sein Geheimnis ein und macht ihn zu Robin. Alfred hat starke Bedenken: „Wearing that costume … risking your life every night — that is irrational. And now this. It is wrong, Sir.“ Aber Bruce, der zugibt, einsam zu sein, tut das ab mit der Begründung: „Perhaps I need a reminder what I’m fighting for.“

Man muss es sich vor Augen halten: Bruce übernimmt die Verantwortung für ein Kind, das gerade erst seine Eltern verloren hat. (Nur, weil er zufällig bei der Vorstellung war und sich an sein Trauma erinnert fühlte.) Und dann setzt er den Jungen der Gefahr aus, gegen Gewaltverbrecher zu kämpfen. Er trainiert ihn dazu, er indokriniert ihn, er zieht ihn in seine persönliche Vendetta hinein. Weil er einsam ist. Als Erinnerung. Aber im Grunde setzt er damit nur die Fahrlässigkeit von Dicks Eltern fort. Denn alles begann nicht damit, dass ihre Seile durchgeschnitten waren, sondern dass sie ihre Kunststücke ohne Netz gemacht haben. Allein das war unverantwortlich ihrem Sohn gegenüber.

Wenn man darüber hinwegsieht, dass das Konzept von Robin ein Skandal ist, ist Year 3 eine solide Story, die ihren Spannungsbogen durch die Rahmenhandlung in der Gegenwart erhält. Die Motivationen der Figuren werden gut ausgearbeitet, was man aber nicht von ihrer Mimik behaupten kann – die Zeichnungen werten den Vierteiler sehr herab. Batmans Verhalten wirkt irrational und schwer nachvollziehbar. Und letztlich auch tragisch: Denn obwoh Robin ein Fehler ist, begeht er ihn immer wieder. Danach mit Jason Todd. Und kaum ist Jason gestorben, folgt Tim Drake sogleich …

(Die Geschichte von Dick Grayson wird in Dark Victory neu erzählt.)

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Batman ist nicht totzukriegen

DC ComicsTitel: The Many Deaths of the Batman (dt. Batmans viele Tode)

Autor/Zeichner: John Byrne/Jim Aparo

Erschienen: 1989 (Batman #433-435), Hardcover 2017 (DC Universe by John Byrne) (nicht digital!), Paperback 2019 (Batman: The Caped Crusader Vol. 2); dt. Hethke 1990 (Batman Album 7)


Batman wird tot aufgefunden. Gekreuzigt an einen Zaun, in einer Gasse. Die Meldung macht die Runde. Doch der Tote unter der Maske sieht gar nicht aus wie Bruce Wayne. Kurz darauf wird ein weiterer falscher Batman in die Luft gejagt. Dann wird einer aus dem Fluss gefischt. So geht es weiter: Irgendwelche Leute in Batman-Kostümen werden ermordet, während sich der echte Batman sich bester Gesundheit erfreut. Doch dann bekommt auch Bruce Wayne ein Kostüm geschickt …

Es stellt sich heraus, dass die Toten eine Gemeinsamkeit haben: Sie sind alle Experten auf einem bestimmten Gebiet – und haben einst Batman unterrichtet. Sie haben Batman erst zu dem gemacht, der er ist.

Die Story beginnt spannend: nämlich mit einer Ausgabe ohne Worte. Der erste Teil wird fast nur über Bilder erzählt. So geht es im zweiten Teil noch ein paar Seiten weiter, bis dann ganz viel geredet wird, wie in einer Detektiv-Geschichte üblich. Es wird wild spekuliert, kombiniert und deduziert, die Story schlägt ein paar Haken und am Ende ist eigentlich alles ganz einfach. Die Auflösung muss nicht gerade durch Glaubwürdigkeit bestechen, aber hat einen interessanten Twist. Aber vor allem der wortlose Anfang ist lesenswert, weil er zeigt, dass Comics auch ganz gut ohne Sprechblasen auskommen. Man muss sich nur trauen, die Bilder für sich sprechen zu lassen.

Ein Hinweis: The Many Deaths of the Batman ist zwar im Band „DC Universe by John Byrne“ enthalten, aber nur in der Print-Ausgabe. In der digitalen Ausgabe fehlen aber die drei Hefte, stattdessen sind nur die Cover enthalten – eine dreiste Irreführung. Dafür gibt es die Einzelausgaben bei Comixology.

>> Batman 1980-1989

Der falsche Joker

DC Comics

Titel: Wildcard/Judgements

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/Jim Aparo

Erschienen: 1990 (Batman #450-451), Paperback 2019 (Batman: The Caped Crusader Vol. 3)


„There’s a certain freedom in letting insanity rule.“

Dass der Joker seinen Humor verliert, das kommt nicht erst im War of Jokes and Riddles vor: Schon nach dem Vorfall mit Jason Todd ist der Joker nicht mehr derselbe. Schmerzgeplagt und verwirrt kauert er in seinem Versteck und muss im Fernsehen mitansehen, wie ein Betrüger seine Rolle übernimmt. Doch der falsche Joker erzählt bloß miese Witze und will sich nur bereichern. Das kann das Original nicht auf sich beruhen lassen.

Joker, deprimiert und mit roter Haube

Und dann sind da noch Batman und James Gordon. Der Fall öffnet bei ihnen wieder frische Wunden: Batman hat Jason Todd (Robin II) an den Joker verloren (vgl. A Death in the Family), Gordons Tochter Barbara wurde von ihm verkrüppelt und gedemütigt (siehe The Killing Joke). Batman fragt sich, ob er sich das nächste Mal wird zurückhalten können und warum er seinen Widersacher nicht einfach erschießt. Gordon ist da ganz ähnlich.

Der Joker-Nachahmer hat große Ambitionen, er will Erfolg haben, wo der Joker gescheitert ist. Aber seine Motivation erschließt sich nicht wirklich. Er ist ein unsympathischer Typ, den man bloß schnell loswerden will, um den Status quo wieder zu haben. Umso sympathischer wirkt der echte Joker, der von einer sehr menschlichen Seite gezeigt wird: voller Selbstzweifel, in einer Identitätskrise steckend, manchmal überraschend, wenn er etwa für eine Zeitung bezahlt. Am Ende ist man froh, dass er wieder da ist – zurück in Arkham, wo sein ganz normaler Wahnsinn wiederhergestellt wird.

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Batman trifft die Beatles

DC Comics

Titel: Dead … Till Proven Alive!

Autor/Zeichner: Frank Robbins/Irv Norvick

Erschienen: 1970 (Batman #222)


„The day a case is too small for the Batman is the day I hang up my cowl!“

Batman und die Beatles? Ist das wirklich passiert? Nein, nicht wirklich. Aber doch ziemlich nah dran. Die Beatles heißen hier „Oliver Twists“. John Lennon heißt hier Glennan, Paul McCartney heißt hier Saul Cartwright, sie tragen Kleidung wie bei Sgt. Pepper und es ist die Rede von einem „Pink Submarine“. Und dann ist da noch ein Gerücht: Saul soll eigentlich tot und durch einen Doppelgänger ersetzt worden sein. Batman und Robin gehen der Sache nach.

Alles beginnt damit, dass Dick Grayson die Oliver Twists auf den Campus holen soll. Seine Kommilitonen bedrängen ihn, seine Beziehungen zu Bruce Wayne spielen zu lassen. Bruce, der zufällig Aktionär der Plattenfirma ist, lädt sie zu sich nach Wayne Manor ein. Dort versucht Robin mit einer Stimmenanalyse herauszufinden, ob Saul echt ist. Das klappt nur leidlich: Robin bekommt eins von hinten verpasst und stürzt die Treppe herunter. Später werden Profikiller auf das Dynamische Duo angesetzt …

Die Auflösung ist überraschend: Nicht Saul ist Fake, sondern der Rest des Quartetts. Die drei anderen Twists sind auf einer Reise nach Fernost gestorben und wurden ersetzt, nur noch Saul stammt aus der Originalbesetzung. Das Gerücht um seinen Tod sollte nur von der Wahrheit ablenken. Und der falsche Glennan ist der eigentliche Schurke. Die Twists machen dann als Trio weiter – mit neuem Sound.

Von Batman zu Taxman

Als das Heft herauskam, waren die Beatles schon Geschichte. Aber die Verschwörungstheorie „Paul is dead“ trieb bereits ihre Blüten. Fans meinten versteckte Hinweise auf Plattencovern und Songtexten zu finden, manche Songs wurden dafür sogar rückwärts abgespielt. Darüber macht sich diese Batman-Story zwar lustig, aber nimmt den Fall immer noch ernst genug, dass sich unsere Helden damit auseinandersetzen und es nicht als Unfug abtun. Merke: In Superheldencomics ist an Gerüchten und Verschwörungstheorien immer etwas dran.

Übrigens: Die Beatles ließen sich auch mal von Batman inspirieren. 1966, als die Batmania im Zuge der TV-Serie tobte, zitierte George Harrison in seinem Song „Taxman“ (erschienen auf Revolver) Neal Heftis Main Theme.

Dass Batman sich für nichts zu schade ist, gesteht er in der zweiten Geschichte des Heftes und stellt es erneut unter Beweis: Obwohl er völlig ausgelaugt ist, sich kaum noch auf den zittrigen Beinen halten kann, jagt er einem Kameradieb hinterher. Seine Performance ist erbärmlich, aber er erreicht sein Ziel trotzdem. Hauptsache, er sieht anschließend auf dem Foto gut aus. Auch Batman ist manchmal ein bisschen Fake …

>> Batman 1970-1979

Zweite Chance für Jason Todd

DC Comics

Titel: Second Chances

Autor/Zeichner: Max Allan Collins u.a./Jim Starlin u.a.

Erschienen: 1987 (Batman #402-403, #408-416, Batman Annual #11), Paperback 2015


„In what I do there is no place for a child.“ (Bruce Wayne)

Jason Todd war als Robin-Nachfolger zunächst nichts als ein Dick-Grayson-Abklatsch – ein Zirkuskind, dessen Eltern ermordet wurden (von Killer Croc). Sein erster Auftritt war in Batman #357 (1983), im Robin-Kostüm in Batman #366 (1983). Doch nach der Crisis on Infinite Earths bekam Jason eine zweite Chance: Second Chances erzählt eine neue Version der Geschichte, wie Jason Todd zum zweiten Robin wurde und was er in seinen ersten Tagen erlebte.

Zunächst hört Dick Grayson als Robin auf, nachdem er vom Joker angeschossen wurde. Batman bekommt Skrupel, ein Kind zu gefährden, feuert seinen Partner und will auch keinen neuen Robin mehr rekrutieren. Doch als bald darauf ein neuer Junge auftaucht, scheinen alle guten Vorsätze vergessen. Jason Todd ist zunächst ein Straßenkind, das ohne Eltern in der Crime Alley aufwächst (Mutter tot, Vater Gauner). Als Batman seine Runde durch das Viertel dreht, erwischt er Jason dabei, wie er ihm die Reifen vom Batmobil klaut. Batman ist – anders als erwartet – sehr amüsiert darüber und lacht schallend. (Zugegeben: Etwas gruselig.) Beeindruckt vom Mumm des Knaben steckt er ihn in eine neue Schule für Straßenkinder, die eine alte Frau namens Ma Gunn in der Gegend betreibt. Doch die Alte ist in Wirklichkeit eine durchtriebene Schurkin, die Kinder zu Verbrechern heranzieht … (Ma Gunn ist eine Variation der Schurkin Ma Parker aus der Batman-TV-Serie der 60er.)

Batman lacht über geklaute Reifen.

Aber Jason hat da keine Lust drauf. Nicht etwa, weil er lieber ehrlich geworden wäre, er klaut lieber weiter Reifen. Nachdem er Batman hilft, die Bande hochzunehmen, entwickelt sich Jason aber zum Musterknaben: Batman zieht ihn sofort ins Vertrauen, bildet ihn in allem aus, was man als Verbrechensbekämpfer wissen muss (sogar im Schießen!) und macht ihn zum neuen Robin. Alles kein Problem. Auch die erste Bewährungsprobe gegen Two-Face meistert Jason mühelos. Als er erfährt, dass Two-Face dessen Vater ermordet hat, will er dann aber den Schurken eigenhändig kaltmachen. Eine Bat-Lektion später ist er aber wieder guter Dinge und rettet im Finale sogar Two-Face vor dem sicheren Tod. Als Robin auf Nightwing trifft, kommt es zur Aussprache zwischen Batman und Dick Grayson. Batman gesteht ihm den wahren Grund für den neuen Robin: weil er sich einsam gefühlt hat. Sehr bedenklich …

Batman spatziert durch Crime Alley.

Die Story ist nicht gerade ein Musterbeispiel an Eleganz. Batman ist hier nicht der typische düstere und mysteriöse Eigenbrötler, man sieht ihn nicht nur lachen, sondern auch bei Gordon lässig auf der Couch rumlümmeln. Wenn er bei ihm im Büro auftaucht, ist er nicht plötzlich da, sondern er wird beim Einstieg durchs Fenster gezeigt oder er benutzt einfach die Tür. Auf der Crime Alley geht Batman spazieren (eine ähnliche Szene gibt es in Gotham After Midnight), einmal sitzt er grübelnd auf der Motorhaube des Batmobils. Angesichts der Tatsache, dass erst ein paar Ausgaben zuvor das düstere Year One erschienen ist, wirkt diese heiter-lässige Batman-Version umso befremdlicher.

Und dann sind da noch ein paar lächerliche Momente, die an Rückfälle ins Golden Age erinnern: Two-Face leistet sich eine Jagd auf dem Baseball-Feld und dann noch eine in einem Riesen-Roulette. Der Schurke bleibt oberflächlich und plump – und damit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Warum denn so albern?

Nach der Haupthandlung kommen noch ein paar belanglose Einzelausgaben: Batman und Robin kämpfen gegen eine Pantomine, die die Klöppel aus Kirchenglocken stiehlt, um Stille in der Stadt herzustellen, dann gegen einen Dieb japanischer Schwerter, am Ende steht eine Anekdote über den Pinguin, der sich verliebt, aus dem Knast kommt und eine Schirmfabrik aufmacht. Außerdem gibt es eine Episode aus dem Crossover Millenium, mit dem man nichts anfangen kann, wenn man den Rest nicht kennt. Bemerkenswert sind lediglich zwei Storys: eine über einen ehemaligen Polizist, der sich für Batman hält und mit tödlicher Gewalt gegen Verbrecher vorgeht, und eine (Batman #414), in der Batman allein einen Serienmörder jagt – und dabei aus persönlichen Motiven die falschen Schlüsse zieht.

Jason Todd macht es als Robin bekanntlich nicht lange. Schon bald darauf (A Death in the Family) wird er vom Joker ermordet und von Tim Drake ersetzt (A Lonely Place of Dying). 2005 kehrt Jason als Red Hood von den Toten zurück.

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