Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Catwoman klaut sich ein Brautkleid

DC Comics

Titel: Bride or Burglar

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Joelle Jones

Erschienen: 2018 (Batman #38-44), Paperback 2018 (Batman Vol. 6)


„I have a Batcave, I drive a Batmobile, I throw a Batarang. Some people break their patterns. Some don’t.“ (Batman)

Erinnern wir uns: In Ausgabe #24 hat Bruce Selina einen Heiratsantrag gemacht. Sie hat ja gesagt. 20 Ausgaben später sind wir immer noch nicht weiter. Denn die Hochzeit soll erst in der Jubiläumsausgabe #50 stattfinden – so will es die Verkaufsstrategie. Autor Tom King hat deswegen das Event The War of Jokes and Riddles als Rückblende dazwischen gelegt. Aber was sollte er mit den Ausgaben danach machen?

Wenn man sich durch die Hefte Rules of Engagement und Bride or Burglar liest, entsteht der Eindruck, dass er bloß Zeit totschlägt. Gab es im letzten Heft ein Wiedersehen mit Talia al Ghul sowie ein kurioses Doppeldate mit Lois und Clark, gibt es hier Wiedersehen mit Wonder Woman und Poison Ivy. Batman lässt vor seiner Ehe noch einmal die Frauen in seinem Leben Revue passieren.

Auf die Handlung muss man gar nicht groß eingehen, sie spielt kaum eine Rolle. Batman und Wonder Woman kämpfen sich in einer anderen Welt 37 Jahre (!) lang durch Monsterhorden und geraten dabei nur einmal in Versuchung – allerdings ohne ihren Geliebten untreu zu werden. (So eine Geschichte Geschichte gab es schon einmal mit Superman und Wonder Woman.) Selbst das bisschen Action dient nur dazu, wortkarge Dialoge über Beziehung und Ehe zu führen. Poison Ivy will mal wieder die Welt retten, indem sie sich alle Menschen zugleich untertan macht. Und zum Schluss klaut sich Catwoman ein Brautkleid. Dazu benutzt sie – gar nicht catlike – eine Bombe …

Am Anfang steht eine Geschichte über einen reichen Jungen, der seine Eltern verliert und wie Bruce Wayne sein will. Das ist immerhin stark erzählt, wenn auch die Handlung stark übertrieben wirkt. Aber ebenfalls nur Füllmaterial.

Keine Frage: Es darf auch mal ein paar Ausgaben zum Durchatmen geben. Aber was ich beim letzten Mal dem Autor habe durchgehen lassen, weil er immerhin gut schreibt, fällt hier durch als belangloses Geplänkel. Tom King erscheint mal wieder wie ein Autor, der sich selbst ziemlich toll findet und das geschickt inszeniert (z.B. in Alan Moore’schen 9-Panel-Seiten), aber es steckt nicht mehr dahinter als Banalität.

Die Zeichnungen von Joelle Jones und Mikel Janin sind wie immer hervorragend und ergänzen sich im letzten Kapitel auch sehr gut. Damit ist Bride or Burglar eher was zum Überblättern als zum Lesen. Im nächsten Band findet dann endlich die Hochzeit statt. Aber worauf ich hoffe, ist endlich mal eine lesenswerte Batman-Story.

>> Batman 2011-2019

Der totale Hush

In vergangenen Jahr ist die Storyline Hush 15 Jahre alt geworden. Dazu hat DC eine Deluxe Edition herausgebracht. Im März 2019 erscheint Batman: The Hush Saga Omnibus. Der 800-Seiten-Band enthält alle Hush-Storys von 2002 bis 2011. Im Klartext sind das:

  1. Hush (Batman #608-619)
  2. Hush Returns (Batman: Gotham Knights #50-74)
  3. Heart of Hush (Detective Comics #846-852)
  4. Hush Money (Batman: Streets of Gotham #1-4)
  5. House of Hush (Batman: Streets of Gotham #14, #16-21)

Darüber hinaus sind drei weitere Storys enthalten: Batman #685, Batman Villains Secret Files and Origins 2005 #1 und eine aus Wizard #0. Etwas irritierend ist, dass so viel aus Gotham Knights enthalten sein soll. Die Ausgaben, die Hush betreffen, sind nur die Nummern 50-55 sowie 60-74 (bis Joker vs. Hush). Die Hefte dazwischen sind Teil von War Games bzw. eines handelt von Mister Freeze. Aber vielleicht handelt es sich bloß um einen Fehler in der Ankündigung.

Abgesehen davon, dass das Meiste davon als Paperback erhältlich ist (außer der Gotham Knights-Storys), ist erstaunlich, dass es noch eine Hush-Ausgabe geben soll. Insgesamt wird es nämlich, wenn ich mich nicht verzählt habe, die achte Hush-Edition sein. Bisher gibt es folgende:

  • Batman Hush Vol. 1-2 (Paperbacks 2004)
  • Batman Hush (Paperback, 2009)
  • Absolute Batman: Hush (Hardcover 2011)
  • Batman: Hush Unwrapped Deluxe (Hardcover 2011)
  • Batman Noir: Hush (Hardcover 2015)
  • Coloring DC: Batman-Hush Vol. 1 (2016)
  • Batman Hush: The 15th Anniversary Deluxe Edition (Hardcover 2017)
  • Batman: Hush Unwrapped Deluxe Edition (New Edition, Hardcover 2018)

Hush gibt es in jeder erdenklichen Fassung: Hardcover und Softcover, in Farbe, in Schwarzweiß, mit Bleistift gezeichnet und zum Ausmalen. Keine Frage: Die Story ist gut. Aber wer braucht das alles? Vielleicht ist „brauchen“ der falsche Ausdruck. Das Angebot schafft ja die Nachfrage …

Allerdings fällt dabei unter den Tisch, dass der angekündigte Omnibus bei weitem nicht alles versammelt. Denn Hush spielt auch in der Serie Batman Eternal eine zentrale Rolle – diese Kapitel kommen im Omnibus nicht vor. Wäre auch sinnlos, wenn man sie aus dem Zusammenhang reißen würde. Außerdem gibt es noch Hush Beyond (2010), was ebenfalls nicht enthalten ist. Andererseits kann man einwenden, dass diese beiden in anderen Continuitys stattfinden …

Catwoman lässt die Tiger los

Catwoman mit zwei Goldmiezen

Titel: The Purr-fect Crime/Better Luck Next Time

Drehbuch: Stanley Ralph Ross, Lee Orgel

Erschienen: 1966 (Batman S01E19-20)


„Catwoman! You are not a nice person!“ (Robin)

Eine goldene Katze wird aus einem Museum gestohlen. Da es zwei davon gibt, ist abzusehen, was mit der anderen passieren wird. Damit es dabei auch nicht den geringsten Zweifel gibt, schickt Catwoman einen Hinweis an die Polizei: Ein Kätzchen mit einem Zeitungsausschnitt, der beide Katzen zeigt, eine davon durchgestrichen.

Batman, der schlau genug ist, Robin beim Raumschach zu besiegen, fällt auf die Finte aber nicht herein. Er versieht die Katze mit einer leicht radioaktiven Markierung und folgt Catwoman in ihr Versteck. Während die Schurkin ein miauendes Katzentelefon und eine miauende Uhr hat, tragen ihre Komplizen eine kuriose Kombination aus Tigerjacken und schwarzen Uschankas.

Und die Kleidung erweist sich als böses Omen: Batman tappt in eine Todesfalle, in der er gegen einen Tiger kämpfen muss. Dabei erweisen sich zwei neue Gadgets, die Bat-Klauen und Bat-Ohrstöpsel als hilfreich. Batman klettert die Wand hoch und sendet aus seinem Gürtel einen hohen Ton aus, der den Tiger ablenkt. Doch dann soll Robin gleich zwei Tigern zum Fraß vorgeworfen werden. Natürlich nicht sofort, sondern nach sadistischer Schurkenmanier und gleichzeitiger Fairness, die Gelegenheit gibt, sich rechtzeitig zu befreien. Robin liegt auf einem Brett, an dessen Ende eine Sanduhr für ihn abläuft.

Schließlich dienen die beiden Katzen nur dazu, einen alten Schatz auszugraben. Das hätte Catwoman auch ohne Störung tun können, wenn sie nicht den Umweg über die Todesfallen genommen hätte. So aber gerät sie selbst in eine: Sie springt über eine Schlucht, schafft es nicht, kann sich nur noch an der Klippe festhalten. Doch statt ihren Schatz aufzugeben und sich zu retten, fällt sie in die Tiefe. Später wird sie ohne Erklärung wieder auftauchen. Die Erklärung gibt Batman schon mal präventiv: Eine Katze hat neun Leben. Na dann ist ja alles klar …

Gordon richtet sich mit Glückwünschen an die Zuschauer

Bemerkenswert ist noch ein kurzer, fast unscheinbarer Moment: Gordon durchbricht die vierte Wand. „Good luck“, sagt er am Telefon zu Robin, schaut dann in die Kamera und sagt: „To all of us.“ Wir Zuschauer ist plötzlich nicht nur Adressaten, sondern auch Betroffene des Geschehens.

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Supermans Moment der Wahrheit

DC Comics

Titel: Secrets in the Night

Autor/Zeichner: Roger Stern/Bob McLeod

Erschienen: 1991 (Action Comics #662), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


„There’s something I’ve been wanting to tell you, Lois …“

Clark Kent und Lois Lane sind ein Paar. Sie wollen heiraten. Und trotzdem konnte er sich noch nicht dazu durchringen, seiner Verlobten diese eine kleine Nebensächlichkeit stecken, dass er Superman ist. Seit über 50 Jahren ist das Thema der Elefant im Raum. Zigmal hatte Lois schon diesen Verdacht, dass der schüchterne Mann mit Brille dieser selbstbewusste Typ im Strampelanzug ist, doch der Verdacht wurde immer wieder zerstreut – ganz beweisen konnte sie es ihm nie. Und wenn doch, war es nur eine Imaginary Story oder sonstwas.

Jetzt aber wirklich: Das Cover verspricht die Enthüllung, den Moment der Wahrheit. Lois schaut endlich hinter die Brille. Wobei man sich fragen muss: Wenn Lois und Clark schon mal ein Bett geteilt haben, dürfte sie ihn doch schon mal ohne Brille gesehen haben? Oder war es immer zu dunkel? Oder hat er seine Brille auch beim Schlafen aufgelassen? Oder war Lois von der Liebe zu Clark geblendet? Egal: Jetzt aber wirklich.

Doch Autor Roger Stern schafft es, die ganze Sache bis zum Gehtnichtmehr hinauszuzögern. Wer sich das Heft damals gekauft hat, bekam zwei Seiten Enthüllung und dazwischen 20 Seiten Bullshit zu lesen. Denn der Moment der Wahrheit wird unterbrochen durch eine sinnlose Nebenhandlung mit Silver Banshee, der schwarz-weißen Schurkin mit der schrillen Stimme. Das interessiert wirklich niemanden, muss auch niemanden interessieren, weil es nichts, absolut nichts mit der Hauptsache zu tun hat. (Nebenbei wird noch Lex Luthors Testament gefunden.)

Clark will es Lois sagen, sie macht gerade Popcorn, dann wird Clark aus irgendeinem unerfindlichen Grund von Banshee überfallen, weil sie nach Superman sucht. Als Superman sie findet, überwältigt sie ihn und will ihn in irgendeinem magischen Ritual opfern, um … ach, egal … Kommt endlich zur Sache!

Superman gesteht. (DC Comics)

Aber nein, erst ganz am Ende kommt es zu der kurzen Sequenz, auf die alle gewartet haben. Superman redet viel zu viel, das letzte Panel (ganzseitig) gerät alles andere als pointiert. Clark nimmt die Brille ab und offenbart das S auf seiner Brust, aber da sind drei Sprechblasen, erst in der letzten steht das Entscheidende, aber viel zu umständlich. Verdammt nochmal, da hätte nur eins stehen sollen: „I am Superman!“ DAS wäre eine Seite gewesen, die in Erinnerung bleibt, die hätten sich Gelegenheitsleser aus dem Heft ausschneiden, einrahmen und an die Wand hängen können, aber nein, man hat den Moment versaut und verwässert und unnötig mit ödem Quark in die Länge gezogen.

Und so bleibt einem nur das tolle Cover in Erinnerung, auf dem Lois Clark die Brille vom Gesicht nimmt, in den Gläsern spiegelt sich das Superman-Symbol. Das Besondere ist: Wir Betrachter nehmen die Position von Superman ein, Lois sieht UNS an. Ihr erstaunter Blick fragt damit auch uns, wie wir so lange das Geheimnis vor ihr bewahren konnten. Es ist ein entrüsteter und anklagender Blick. Und wir müssen gestehen: Wir Leser standen 50 Jahre lang mit Superman in einem Geheimbund des Schweigens. Jetzt weiß Lois so viel wie wir. Zwei Jahre vor Doomsday ist das der eigentliche Tod von Superman

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Clayface Nummer Drei: Der tragische Mister Payne

DC Comics

Titel: The Coming of … Clayface III!/If a Man Be Made of Clay…!

Autor/Zeichner: Len Wein/Marshall Rogers

Erschienen: 1978 (Detective Comics #478-479), Paperback 1999 (Strange Apparitions), 2014 (Tales of the Batman: Len Wein); dt. Panini 2012 (Batman Collection: Marshall Rogers), Eaglemoss Collection 2015 (Im Zeichen des Jokers)


„Because … it’s my job.“ (Batman)

Darf ich vorstellen: Preston Payne, der Name ist Programm. Er ist mit Abstand die tragischste der drei klassischen Clayface-Figuren. Missgestaltet geboren war er immer ein Außenseiter, er hatte nur Bücher und die Wissenschaft. Nachdem er einen Job in den Star-Labs bekommen hatte, versuchte er, sein Gesicht ansehnlich zu gestalten. Er bediente sich an dem Wissen von Matt Hagen (Clayface 2), aber beim ersten Date schmolz nicht nur seine Visage, sondern auch seine Begleitung dahin – buchstäblich. Denn wenn Preston von einer Art Fieber gepackt wird, muss er seine Kräfte an jemanden übertragen, mit verheerender Wirkung.

Als die Story einsteigt, muss er einen Anzug ähnlich dem von Mr. Freeze tragen, um seine Form zu wahren. Die verleiht ihm immerhin Superstärke. Sein Geheimversteck hat er in einem verlassenen Wachsfiguren-Kabinett, seine Freundin ist eine Wachspuppe. Er bricht bei Star-Labs ein, um seine menschliche Form wiederzurkiegen, aber da kommt ihm Batman in die Quere.

Der hat seine eigenen Probleme: Seit ihn seine letzte Flamme, Silver St. Cloud verlassen hat, hat er die Kontrolle über sich verloren und lässt seine Wut an Kleinkriminellen aus. Einmal gibt er sogar seinen Eltern die Schuld für sein Elend: Wären sie nicht gestorben, wäre ihm das Leben als Batman erspart geblieben. Doch da sieht selbst Bruce schnell ein, was für einen schändlichen Unsinn er redet.

Batman wird auf ganz klassische Weise mit Clayface III fertig: durch Beharrlichkeit und eine Schwachstelle seines Gegners. Am Ende stürzt Preston sich von einer Brücke – und dann in die Flammen, um seine geliebte aus Wachs zu retten.

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Clayface Nummer Zwei

DC Comics

Titel: The Challenge of Clay-Face

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1961 (Detective Comics #298), Paperback 2017 (Batman Arkham: Clayface)


Clayface, das war in den 40ern Basil Karlo, ein frustrierter Schauspieler, der Rache üben wollte. Er trug eine Maske, einen violetten Hut und Mantel. 20 Jahre später ist der Mann mit dem Hut und Mantel wieder da, aber es ist kein Schauspieler, sondern Matt Hagen, ein Mann, der nicht gerne arbeiten geht.

Als Taucher sucht er nach verborgenen Schätzen. Eines Tages findet er eine geheime Grotte mit einem Becken einer fremden Flüssigkeit. Sie macht ihn zu einem Mann aus Lehm, aber Hagen stellt fest, dass er seine Form mittels Gedankenkraft ändern kann: zurück zur alten Form – oder zu jeder beliebigen. Für ihn ist das eine Gelegenheit, leichtes Geld zu machen.

Bei seinem ersten Job stiehlt er ausgerechnet Spendengeld, das Batman für Polizisten entgegennimmt. Clayface taucht zunächst in Hut und Mantel auf, verwandelt sich in eine Schlange und schließlich in einen Vogel. So macht er sich mit dem Geld davon.

Jetzt ist Hagen reich. Und was machen reiche Leute als erstes? Genau: Eine Kunstsammlung anlegen. Obwohl Hagen das Geld hat, will er keines dafür ausgeben, er bedient sich einfach als Clayface. Zufällig sind Batman und Robin da, als er ein Bild aus einer Galerie stiehlt, Clayface entkommt aber zunächst durchs Schlüsselloch und dann, indem er sich als Galeriebesitzer ausgibt.

Doch Hagens Masche hat einen Haken: Die Wirkung seines Wundermittels hält nicht lange an. Und so kommt es, dass er beim Kampf mit Robin zwar die wunderliche Form eines Löwen-Dinosaurier-Einhorns annimmt, aber sich am Ende wieder in seine menschliche Form zurückverwandelt. Hagen hat am Ende nichts daraus gelernt. Im Knast verspricht er, wiederzukommen.

Das waren noch Zeiten, als Clayfaces Kräfte kein unumkehrbarer Fluch waren …

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2019: Das Jahr der Detective Comics

DC Comics

Im Jahr 2019 wird Batman 80 Jahre alt – und Detective Comics, die Serie, mit der alles begann, erhält ihre 1000. Ausgabe. Zu diesem Anlass wird DC im März zu der Jubiläumsausgabe eine umfangreiche Anthologie herausbringen – wie schon in diesem Jahr mit Supermans Action Comics #1000. Eine erste Ankündigung bei Amazon verspricht 300 Seiten mit Storys ab den 30er Jahren, darunter einige mit Batmans wichtigsten Verbündeten und Feinden. Welche das sind, ist noch offen. Das Cover soll von Jim Lee gezeichnet werden, aber bisher ist nur ein Dummy zu sehen.

Zu den historischen Ausgaben von Detective Comics gehören die ersten Auftritte vieler Schurken, wie z.B. Clayface, Pinguin, Two-Face, Riddler und Man-Bat, aber auch Robin, die erste Batwoman und das zweite Batgirl (Barbara Gordon) feierten hier Premiere.

Bekanntlich hatte Batman seinen ersten Auftritt in Detective Comics #27 (1939). Aber was ist mit den 26 Ausgaben davor? DC will diese den Fans endlich zugänglich machen: Im März erscheinen  Detective Comics Before Batman als zweibändige Slipcase-Ausgabe mit insgesamt 1500 Seiten Umfang. Die bekannteste Figur, die vor Batman in der Serie erschien, war der Detektiv Slam Bradley, erfunden von den Superman-Schöpfern Jerry Siegel und Joe Shuster. Er wird sicher in dem Band vertreten sein.

Die Serie Detective Comics ist allerdings erst spät eine reine Batman-Serie geworden. Immer wieder waren in den Ausgaben noch weitere Geschichten mit anderen Charakteren enthalten, wie zum Beispiel Martian Manhunter (erster Auftritt Detective Comics #225) und Elongated Man, ab den 60ern bekamen Nebencharaktere wie Robin und Batgirl die Zweitgeschichten, später auch Green Arrow und Black Canary.

Die Tradition endete vorläufig mit Ausgabe #567 (1986) und wurde dann in den Ausgaben #746–810 (2000-2005) wieder aufgenommen. Nach dem „Tod“ von Batman übernahm die neue Batwoman die Serie als Hauptcharakter in den den Ausgaben #854-860 (Elegy, 2009), als Back-up dient Renée Montoya in der Rolle der neuen Question.

(Hinweis: Der Artikel wurde am 10.9.2018 aktualisiert. DC hat seine angekündigten Omnibus-Ausgaben gestrichen und durch die Slipcase-Ausgabe ersetzt.)

Clayfaces großer Auftritt

DC Comics

Titel: Fall of the Batmen

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Joe Bennett, Miguel Mendonca, Eddy Barrows

Erschienen: 2018 (Detective Comics #969-974, Annual #1), Paperback 2018 (Detective Comics Vol. 6)


Das Opfersyndikat ist wieder da! Die Schurken übernehmen Arkham Asylum zusammen mit Anarky, der gleichzeitig einen Aufstand der Bürger in Gotham organisiert – plötzlich sind alle irgendwie Batmans Opfer. Der neue Bürgermeister macht klar, dass er Batman okay findet, aber nicht gleich eine ganze Privatarmee von Batmen. Und dann gibt es noch den armen Clayface. Er hofft auf eine Kur seines Leidens, aber das Syndikat hat andere Pläne mit ihm: Clayface mutiert zum Riesenmonster und randaliert in der Stadt.

Es kommt, wie es kommen muss, wenn man einen ehemaligen Schurken zum Helden zu rekrutieren versucht. Alle versuchen ihr Bestes, aber scheitern. Nur Batwoman bringt eine radikale Lösung, aber die zerbricht die Batman-Familie … Dieser Aspekt ist der interessanteste der ganzen Geschichte. Leider kommt er erst am Ende. Dazwischen mal wieder nur mäßige Unterhaltung. Was die Opfer-Schurken groß aufbauen, fällt viel zu schnell und einfach in sich zusammen. Und leider sieht man nicht mal, wie es passiert. Auch andere interessante Momente, die Potenzial zu mehr hätten, wie etwa Killer Moths neue Gang, werden schnell platt gemacht, um zu zeigen, wie toll die Batman-Bande als Verbrechens-Verhinderungs-System funktioniert.

DC Comics

Immerhin der Haupt-Aspekt kommt zur Geltung: Fall of the Batmen ist eine einzige große Clayface-Show. Endlich mal eine, die ihrem Anspruch gerecht wird. Denn wir bekommen am Ende des Bandes (Annual #1) noch ein Update der Entstehungsgeschichte nachgereicht. Die ist angelehnt an die Version, die man aus Batman: The Animated Series kennt: Basil Karlo ist ein junger aufstrebender Schauspieler, der nach einem Autounfall zu einem zweifelhaften Kosmetikprodukt aus dem Hause Daggett greift und damit alles noch schlimmer macht. Dazu gibt es eine Anspielung auf die Ur-Clayface-Story.

Nein, neu ist das alles nicht. Neu ist nur die Variation des Altbekannten. Aber bei den Zeichnungen von Eddy Barrows, einem wahren Genie, verzeiht man auch die Einfallslosigkeit des Autors. Einen Band macht er noch, dann ist aber wirklich Schluss und die Detective Comics bekommen noch eine Chance.

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Das Ende einer Männerfreundschaft?

DC Comics

Titel: Batgirl Breaks Up the Dynamic Duo

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Carmine Infantino

Erschienen: 1967 (Detective Comics #369), Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Carmine Infantino)


Kaum ist wieder eine Frau aufgetaucht, schon stört sie die alte Ordnung der Männer. Dieses Batgirl versucht jetzt auch noch, Batman Robin abspenstig zu machen! Auf dem Cover reißen sie sich um den Wunderknaben, Robin sagt dem Dunklen Ritter, dass seine Zeit als „Top Bat“ vorbei ist und er lieber mit Batgirl gemeinsame Sache macht.

Auf Seite eins wirkt Robin hingegen noch unentschlossen: Auf der einen Seite das Batmobil, auf der anderen ein eigener Wagen an Batgirls Batbike. Was tun? Bedeutet dies das Ende einer langjährigen Männerfreundschaft?

Die Sache beginnt ganz harmlos: Batgirl verfolgt ein paar gesichtslose Gauner in die Sümpfe, Batman folgt ihr, rutscht aus, fällt in den Sumpf und Batgirl findet daraufhin, dass mit Batman etwas nicht stimmt: Er hat das Sumpf-Fieber. Weil sie es ihm nicht sagen kann (er wäre zu stur, um sich auszukurieren), fühlt sie sich verfplichtet, auf ihn aufzupassen.

Da heckt sie mit Robin den Plan aus, sich mit ihm zu verbünden und gemeinsam das Verbrechen zu bekämpfen, damit Batman das nicht mehr machen muss. Schließlich gerät Batman aber doch in Gefahr, wird schwach – und wird vom neuen Dynamischen Duo gerettet.

Was auf dem Cover so dramatisch angepriesen wurde, hat sich mal wieder als geschickte Täuschung herausgestellt. Die männlichen Leser werden aber das Geld nicht zurückverlangt haben, denn der Status quo wurde gewahrt. Aber trotzdem: Batgirl passt auf Batman auf? Batgirl rettet Batman sogar? Das Weltbild gerät ins Wanken. Diese Frau hat es drauf.

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Falsches Spiel mit Batgirl

DC Comics

Titel: The True-False Face of Batman

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Carmine Infantino

Erschienen: 1967 (Detective Comics #363), Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Carmine Infantino)


Batman offenbart Batgirl sein größtes Geheimnis: Zuerst führt er sie mit einer Augenbinde in die Bathöhle, dann setzt er seine Maske ab und darunter ist – Bruce Wayne! Nicht mal ein Jahr dabei und schon knickt Batman vor einer Frau ein? Zugegeben: vor einer jungen, sehr attraktiven und sehr klugen Frau. Aber trotzdem! Robin ist empört.

Doch dann ist wie immer alles anders als gedacht. Batman inszeniert das Ganze so, dass es wie ein Fake aussieht. Er lässt sein Gesicht aussehen, als wäre es eine Maske – und zwar eine schlechte. Das alles dient nur dazu, dass irgendwelche Diebe auf eine falsche Fährte gelockt werden. Und ganz nebenbei auch Tausende von Comic-Lesern, die das Heft nur wegen des Covers gekauft haben.

So ganz leuchtet die Notwendigkeit dieses riskanten Manövers nicht ein. Genauso wenig verstehe ich nicht, warum die Verbrecherbande ständig literarische Werke ausleiht, um sich Pläne für ihre Diebstähle abzugucken. Was hat „Der Kaufmann von Venedig“ mit einem Juwelendiebstahl zu tun, außer dass der Bestohlene aus Venedig stammt? Die Bibliothekarin Barbara Gordon sieht da einen Zusammenhang.

Es ist auch fraglich, wie diese Diebe die Bücher an einem Tag lesen können, und dass sie diese wieder in die Bücherei zurückbringen. Aber vielleicht ist das ja auch nur eine Methode, um Kinder oder Jugendliche dazu zu bringen, richtige Bücher zu lesen. Nein, klingt unüberzeugend? Denke ich auch. Wahrscheinlich soll den jungen Lesern gar nicht erst auffallen, dass sie hier zweimal an der Nase herumgeführt werden …

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