Superman

Krieg um den Weltfrieden

Batman versus Superman, Teil 28: Injustice – Year One (2013)

DC Comics

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Titel: Injustice – Gods Among Us: Year One (Vol. 1-2) (dt. Injustice – Götter unter uns)

Autor/Zeichner: Tom Taylor/Jheremy Raapack, Mike S. Miller u.a.

Erschienen: 2013 (Mini-Serie #1-12, Paperback 2013/2014/2016 Complete Edition), dt. Panini 2013-2014 (4 Bände)


„I am calling for an immediate world-wide ceasefire. All hostilities will stop immediately — or I will stop them. It’s over.“ (Superman)

Das Spiel Injustice ist der wahrgewordene feuchte Traum der Fanboys: Eine Kampfarena für Superhelden und -schurken. Story? Gibt’s zwar auch, muss aber nicht sein. Die Vorgeschichte dazu wird in einer Comic-Mini-Serie erzählt. Wer Comics zu Games verachtet, sollte diesem eine Chance geben: die Story lohnt sich.

Lois Lane ist schwanger von Superman. Der Joker entführt sie, klaut eine Atombombe, verkabelt Lois‘ Herz mit einem Zünder. Nachdem er Superman einem Angstgas aussetzt, sieht dieser in Lois Doomsday und tötet sie. Daraufhin wird Metropolis vernichtet, Millionen Menschen sterben. Superman dreht durch, ermordet den Joker und verkündet eine neue Weltordnung: mit Krieg ist Schluss. Schurken werden nicht geduldet. Der selbsternannte Wächter und seine Gefolgsleute erzwingen den Frieden – auch untereinander. Doch Batman ist dagegen und versammelt eine Allianz von Helden gegen die Diktatur von Superman. Dabei macht er sogar gemeinsame Sache mit dem US-Präsidenten. (In The Dark Knight Returns ist es andersrum, da pakiert Superman mit der Regierung.) Es kommt zu Verrat, Enttäuschung und einigen Tragödien. Vertrauen geht verloren, Freundschaften zerbrechen, Existenzen und Identitäten gehen zugrunde, Helden sterben.

Obwohl der Comic das alles sehr abgehetzt und in großen Bildern erzählt, bleibt die Geschichte nicht so oberflächlich, wie es zunächst scheint. Einzelne Kapitel legen den Fokus auf die Konflikte der einzelnen Protagonisten, wie etwa die ethische Grundsatzfrage, wie legitim es ist, Frieden zu forcieren. Es ist der Konflikt der Superhelden: einerseits sollen sie die Menschen retten, andererseits sollen sie sich auch nicht zu sehr einmischen. Sollen sie sich nur um Meta-Bedrohungen kümmern oder auch um Kriegstreiber, Menschenrechtsverletzer und Wirtschaftskriminelle? Und ist Mord gerechtfertigt, wenn man dadurch Massenmord verhindern kann? Die Figuren kommen in Gewissensnöte und verhandeln die Grundfrage. Es ist die Frage nach der Rolle Gottes und der Selbstverantwortung des Menschen. Es geht also um nichts Geringeres als die Theodizee.

Die Idee, Superman als totalitären Herrscher darzustellen, ist nicht neu. Schon Mark Millar hat das in seinem Klassiker Red Son (dt. Genosse Superman) getan, womit er bloß eine Idee aus World’s Finest #247 (1977) aufgegriffen hat. Bei Injustice geht der Faschismus aber auf ein Trauma zurück, den Verlust seiner zweiten Heimat und seiner Frau. Damit wird Superman wie Batman. Auch in seinen Methoden nähert er sich Batman an, indem er darauf setzt, Menschen Angst einzujagen. Batman wiederum ist die Stimme der Humanität, die mahnt, dass er Zweck nicht die Mittel heiligt. Er bleibt der unbestechliche Idealist. Die World’s Finest tauschen die Rollen.

Batman und Superman liefern sich zunächst ein Wortgefecht, in dem die Frage aufkommt, was Batman an Supermans Stelle täte. Batmans Antwort ist einfach: Superman sei der bessere Mensch von ihnen. Aber nach all dem Unheil, das Superman in bester Absicht anrichtet, ändert sich Batmans Meinung. Am Ende läuft alles auf ein Duell zwischen den beiden hinaus. Doch anders als erwartet wird es kein Kampf auf Augenhöhe. Superman wird nicht durch Kryptonit oder rotes Licht geschwächt, Batman nicht durch einen Anzug gestärkt. Der Dunkle Ritter weigert sich, Gewalt anzuwenden, weil er sich sonst nicht zurückhalten könnte. „I don’t think I can beat you without killing you“, sagt Batman. „And I’m not like you. I’m not a murderer.“ Superman tötet seinen Gegner nicht – er bricht ihm bloß das Rückgrat (wie einst Bane).

Injustice #12: Superman bricht Batman (DC Comics)

Injustice #12: Superman bricht Batman (DC Comics)

So packend die Story ist, leider schwankt die Qualität der Zeichnungen stark, da eine Reihe von Künstlern daran mitgewirkt hat. Manche Seiten sind grandios, andere mäßig. Trotzdem lohnt sich die Lektüre sehr, wenn man eine spannende wie hochdramatische Erzählung abseits der Continuity lesen will – auch wenn man das Spiel dazu nicht kennt.

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman

Luthor und Joker gründen ein Start-up

Batman versus Superman, Teil 27: Superman and Batman’s Greatest Foes (1957)

DC Comics

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Titel: Superman and Batman’s Greatest Foes

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1957 (World’s Finest #88), Hardcover: World’s Finest Comics Archives Vol. 2 (2001), Batman & Superman in World’s Finest: The Silver Age Omnibus Vol. 1 (2016)


„… there’s something bigger behind this jokes!“ (Superman)

„Good partners, I mean, cellmates should never argue!“ (Batman)

Die ersten gemeinsamen Abenteuer der World’s Finest, Superman und Batman, waren bisher Kinkerlitzchen. Hier bekommen sie es endlich mit richtigen, klassischen Schurken zu tun, denn zum ersten Mal machen Lex Luthor und der Joker gemeinsame Sache. Ihr Plan ist so genial, dass die beiden Schurken sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. Der Joker lobt Luthors Genie, Luthor lobt Jokers Sinn für Humor. Die beiden gründen ein Unternehmen, eine Fabrik, um genau zu sein. Ganz legal, ganz offiziell. Was sie herstellen, ist zunächst geheim, aber sie beteuern ehrliche Geschäftsmänner werden zu wollen. Also düsen sie gemeinsam im Jokermobil durch die Gegend und lachen über den Witz, den sie auf Kosten der Helden machen.

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Die bleiben nämlich skeptisch. Auch als die Schurken der Öffentlichkeit präsentieren, was sie gebaut haben: die Mechano-Men, menschenähnliche Roboter, die selbst bei starker Hitze und großem Druck schwere Arbeiten verrichten können. Doch selbst als Superman und Batman eine Demonstration sehen, vermuten sie einen Schwindel. Dreimal glauben sie auch, die Schurken auf frischer Tat ertappt zu haben: der Joker fängt einen Mann in einem Käfig, dann versucht er, einen mit seinem Auto zu überfahren, einmal bringt Luthor eine Lawine in Gang. Doch jedesmal erweisen sich die Aktionen als Experimente für die Mechano-Men.

Batman und Superman stehen immer wieder als Idioten da.

Und trotzdem geben sie nicht auf. Auch als Superman sich als Mechano-Man ausgibt und er meint, die Verdächtigen bei einem Raub zu erwischen, stellt sich das Ganze als sauber heraus. Erst beim fünften Versuch haben die World’s Finest Recht: Luthor und Joker geben eine Show mit ihren Mechano-Men, während sie parallel dazu eine Bank ausrauben. Natürlich haben die wachsamen Helden längst alles durchschaut und buchten die Gauner ein. Auf eine Frage kommt aber niemand: Warum der ganze Aufwand, um Geld zu stehlen, wenn man es mit der Erfindung so viel leichter hätte ehrlich verdienen können? (Und woher hatten sie überhaupt die Mittel, die Fabrik und die Roboter zu bauen?) Als Unternehmer taugen sie jedenfalls nichts. Aber hier gilt wohl das Sprichwort: old habits die hard. So genial war der Plan dann doch nicht.

(P.S.: Mit dem Cover hat die Story übrigens nichts zu tun.)

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman

Coverwahn #14

Ein Nachtrag zum irrsinnigen Variant Cover-Output: Die wenigen Themen-Cover zum Film Batman v Superman: Dawn of Justice, die ich zuvor vorgestellt habe, waren nur der Anfang. Hier kommt der Rest, aufgeteilt nach Motiven. Oben sehen wir klassische Kampfszenen. Auffällig ist, dass Superman stets in der überlegeneren Position ist, mal schwebt er über Batman, mal hat er tatsächlich im Duell die Oberhand. (Das ist nicht selbstverständlich, wie man an Greg Capullos sadistischem Variant für Dark Knight III sehen kann.)

In dieser Galerie nehmen die Motive stärker Bezug auf den Film: Das erste Cover zeigt die erste Begegnung nach der (ziemlich lahmen) Verfolgungsjagd mit dem Batmobil. Zwei Cover stellen Wonder Woman als Vermittlerin oder Schlichterin dar, in einem greift sie mit dem Schwert in den Kampf ein, wobei es so aussieht, als wollte sie Batman davon abhalten, Superman den Gnadenstoß zu verpassen. Auf dem letzten ist sie allein zu sehen, was in diesem Kontext ziemlich sinnfrei ist.

Die letzten drei Motive zitieren die Traumsequenz, in der Batman in einem dystopischen Szenario gegen die Allianz von Superman und Darkseid kämpft. Batman erscheint hier als Outlaw im Ledermantel mit Maschinengewehr. Im Film wirkt die Szene fehl am Platz: sie hat nichts mit der Handlung zu tun, stiftet Verwirrung und soll prophetisch auf die kommenden Justice League-Filme verweisen. Das gelingt nur holprig. So wie vieles andere in diesem Film. Aber die Cover können sich sehen lassen.

Wonder Woman schützt Wunderknaben

Batman versus Superman, Teil 26: Die World’s Finest von Erde 2 (2015)

DC Comics

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Titel: Worlds‘ Finest Vol. 6 – The Secret History of Superman and Batman (dt. Das Vermächtnis von Erde 2)

Autor/Zeichner: Paul Levitz/Jed Dougherty

Erschienen: 2015 (Worlds‘ Finest #27-32, Paperback 2015), dt. Panini 2015 (Paperback)


„It’s hard to imagine history working out so differently…“ (Lois Lane)

„Looking back, they were a perfect partnership: night and day, cynicism and optimism, and yet so alike.“ (Lois Lane)

Nachdem wir uns an dem alternativen Batman von Erde eins erfreut haben, schauen wir uns heute einmal an, was auf Erde zwei los ist. Während die Helden auf Nummer eins noch in den Anfängen stecken, sind sie auf Nummer zwei weiter fortgeschritten. In der Serie Worlds‘ Finest (man beachte das Apostroph hinter dem s statt wie früher davor), die bislang für das Team-up zwischen Power Girl und Huntress missbraucht wurde, wird die gemeinsame Vorgeschichte von Superman und Batman nachgetragen. Dennoch macht sich die Serie dadurch nicht um den traditionsreichen Namen verdient.

Erzählt wird mehr oder weniger die bekannte Geschichte mit einer wichtigen Variation: Intri, eine Kampfbraut von Apokolips, versucht Kal-El und später Clark Kent für ihresgleichen zu gewinnen. Doch auf Krypton verweigert Jor-El den Deal, auch wenn er dafür Krypton vor dem Untergang bewahren kann, später auf Erden beschützt die Amazone Diana alias Wonder Woman den kleinen Clark Kent vor der Entführung. Bruce Wayne wiederum muss mitansehen, wie ein Gauner seinem Vater an den Kragen will, weil Thomas Wayne sich nicht zu Schandtaten verleiten lassen will. Auch hier schreitet Diana ein, um den Jungen zu retten, weil laut einer Prophezeiung auch Batman wichtig werden wird. Das Besondere: der Vater stirbt nicht bei dem Attentat, weil der kleine Bruce Mut beweist. Warum er trotzdem zu Batman wird, wird allerdings nicht erklärt. Nach einem Zeitsprung erfahren wir, dass Bruce Wayne und Selina Kyle (Catwoman) eine Tochter bekommen, die zu Robin wird. Superman verliert seine geliebte Lois. Batman und Superman halten als Freunde zusammen.

Im weiteren Verlauf der Kernhandlung sehen wir, wie Intri immer wieder auftaucht und zurückgejagt wird. Zwischendurch fragt man sich, warum sie trotz ihrer offensichtlichen Inkompetenz immer noch mit der Aufgabe allein betraut wird. Erst nachdem sie tot ist, beginnt die apokoloptische Invasion und der apokalyptische Krieg. Ebenso rätselhaft ist, warum Batman nach dem Ausschlussprinzip davon ausgeht, die Schurkin müsse Kryptonierin sein (obwohl nichts darauf hindeutet) und warum sein selbstgeschmiedetes Kryptonitschwert sie verletzten kann, Dianas Schwert aber nicht und am Ende alle Schwerter gemeinsam die Schurkin töten. Aber wen juckt’s?

Denn erzählt wird diese „secret history“ äußerst dröge und uninspiriert, von einer Lois Lane, die in ferner Zukunft als Red Tornado gegen die Invasoren von Apokolips kämpft und bis dahin ihr Handwerk verlernt hat. Die plumpen Zeichnungen lassen selbst Schauwerte vermissen. Das ist besonders schade, weil man für die Cover fähigere Künstler verpflichtet hat. Aber so ist das häufig: Man lockt Leser an mit verheißungsvollen Versprechen, die nicht eingehalten werden. Daher sei hiermit davor gewarnt, mit diesem öden Comic seine Zeit zu verschwenden.

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman

DC Rebirth: Neuerungen bei Batman und Superman

DC Comics

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Eine große Überraschung soll die Leser auf der letzten Seite des One-shots DC Universe Rebirth warten, der am 25. Mai erscheint und eine neue Ära für das Universum eröffnet. So berichtet es CBR. Dass die nicht nur mit optischen Veränderungen einhergeht, wie Supermans blauen Stiefeln, kann man sich denken. Superman kehrt zu seinem Status vor The New 52 zurück. Der „Lois & Clark“-Superman soll von da an der einzig wahre sein. Wonder Woman wird dafür mit einem „unvorstellbaren Verlust“ umgehen müssen.

Batman bleibt offenbar weitgehend von größeren Erneuerungen verschont – oder DC will dazu noch nichts verraten. Scott Snyder und Tom King schreiben das Special Batman: Rebirth, King übernimmt die Batman-Serie mit Zeichner David Finch. Snyder schreibt die neue Serie All-Star Batman, John Romita Jr. zeichnet sie. Aber dann gibt es noch diesen kryptischen Hinweis: In Batman #1 wird ein neuer Held eingeführt, der als Batmans Nemesis dienen soll, während ihrer Mission, die Stadt vor dem Dunklen Ritter zu beschützen.

In Dark Knight III: The Master Race #6 soll ein neues Batgirl eingeführt werden. Aber zuvor müssen noch Teil 4 und 5 erscheinen. Teil 4 verspätet sich und erscheint erst am 27. April – wenn alles gut geht. Panini beginnt mit der deutschen Fassung im Juni.

(Hinweis: In einer früheren Fassung des Artikels wurde der 20. April als Erscheinungsdatum für DK III #4 genannt, der hat sich wieder um eine Woche verschoben.)

Weltbeste Unterhaltung

Batman v Superman, Teil 25: The Superman-Batman-Split (1968)

Titel: The Superman-Batman Split!/No Rest For Heroes

Autor/Zeichner: Cary Bates/Neal Adams; David Anthony Kraft/David Mazzucchelli

Erschienen: 1968/1984 (World’s Finest #176/302)


„I’ve only a few minutes to live … I’ll tell you the whole story!“ (Ronald Jason)

Nach dem Trauma, den der Film Batman v Superman hinterlassen hat, empfiehlt sich der Eskapismus in die Comicgeschichte. Deshalb geht es mit unserer Serie über die Duelle von Batman und Superman weiter. Diese Geschichte „The Superman-Batman Split!“ war offenbar so beliebt, dass DC sie gleich zweimal in der Serie World’s Finest abdruckte – beim zweiten Mal sogar mit einem etwas cooleren Cover, auf dem Batman mit Kryptonithandschuhen Superman eine reinhaut.

Am besten lässt sich die Story so nacherzählen: Kommen zwei grüne Aliens auf die Erde. Eines behauptet gegenüber Superman, Asyl vor einem Attentäter zu suchen, das andere erzählt Batman, es sei auf der Suche nach einem Verbrecher von seinem Planeten. Ohne tiefere Fragen zu stellen oder die Behauptungen zu überprüfen, glauben die World’s Finest einfach ihren jeweiligen Aliens und helfen ihnen. Ja, mehr noch: Die Helden sind so sehr überzeugt, dass sie gegeneinander kämpfen und dafür sogar Batgirl und Supergirl in die Sache mitreinziehen – die übrigens ebenso naiv sind. (Sehr kreativ: Superman verkleidet sich dazu als Statue von General Grant, um Batgirls Aufmerksamkeit zu bekommen.) So tritt das Team Batman und Supergirl gegen Superman und Batgirl gegeneinander an. Batman legt seine Kryptonithandschuhe an, Superman beendet den kurzen Kampf, indem er Batman mit seinem (Supermans) Umhang fesselt. Der Slapstick hätte auch gut in die Batman-TV-Serie der 60er gepasst.

Schauspieler, Alien, Schauspieler

Aber das ist noch nicht alles. Die ganze Sache beginnt damit, dass Clark Kent einen alten Schauspieler, Ronald Jason, interviewt. Obwohl Clark ein bekennender und langjähriger Fan ist, gibt er sich sehr überrascht, wie vielseitig der Schauspieler ist. Doch da entlarvt Jason zunächst den Reporter als Superman, indem er dessen Anzug wegäzt, und offenbart sich als asylsuchendes Alien. Klingt das weit hergeholt? Es kommt noch besser. Am Ende stellt sich heraus: Es gibt gar keine Aliens. Ronald Jason hat gelogen und ein doppeltes Spiel gespielt. Weil er nur noch kurze Zeit zu leben hat, wollte er noch einmal einen großen Auftritt vor dem weltbesten Publikum haben.

Superman und Batman behaupten hinterher, vielleicht nur um ihre Ehre zu retten, alles von Anfang an gewusst zu haben. Superman durchschaute die Charade und weihte Batman ein – damit Jason glücklich sterben konnte. So kommt es dann auch. Und zum Dank verschwendet der Schauspieler am Ende seine letzten Atemzüge, um die ganze Geschichte zu erzählen, obwohl die Helden sie bereits kennen. Was muss das Silver Age für eine unbeschwerte Zeit gewesen sein, als die World’s Finest nichts besseres zu tun hatten, als einer sterbenden Berühmtheit ihren letzten Wunsch zu erfüllen …

Schmankerl als Zugabe

In der Zweitauflage (World’s Finest #302) gibt es noch eine kleine Zugabe, ein wahres Schmankerl: Batman und Superman gehen nach einem gemeinsamen Abenteuer in eine Bar. Batman hat nämlich – hört, hört! – profane menschliche Bedürfnisse wie Hunger und Durst. Man setzt sich an einen Tisch, bestellt Milch. „Even a loner needs a friend, sometimes“, bekennt Batman. Doch während er bedauert, dass man vor lauter Kämpfen selten dazu kommt, Freundschaften zu knüpfen und mal in Ruhe zu reden, fangen die zwielichtigen Gestalten der Bar eine Prügelei mit den Kostümierten an. Die beiden lassen sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Während die Gauner auf die Helden losgehen, pariert Batman die Angriffe lässig im Sitzen und man redet weiter. Schließlich, weil der Service so mies ist (die Milch lässt auf sich warten), geht man eben wieder. So muss Alfred den beiden ein spätes Brunch herrichten. Da wird klar, warum Batman eine Bathöhle braucht: zu Hause ist es doch am schönsten …

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman.

Batman v Superman: Aufarbeitung einer Katastrophe

Was ist bloß schiefgelaufen, dass der Film Batman v Superman – Dawn of Justice so ein Reinfall geworden ist? Die Schauspieler reden die negativen Kritiken schön, verweisen auf die wichtigeren Fan-Stimmen. Der kommerzielle Erfolg gibt den Machern allerdings Recht. Regisseur Zack Snyder kann sich die Kritik nicht erklären, weil er sich als Comic-Fan sieht, der bloß versucht hat, den Vorlagen gerecht zu werden. „It is what it is“, sagt er schließlich resigniert, als wollte er sagen: Besser kann ich’s nicht. Eine schwache Entschuldigung für seine Unfähigkeit, wenn man beteuert, man habe sich bemüht.

Nur Ben Affleck schweigt und blickt traurig vor sich hin – enttäuscht vom Resultat oder von der Reaktion? – jedenfalls als lastete die Bürde auf seinen Schultern. In diesem verkorksten DC Extended Universe wird er den nächsten Batman-Film drehen müssen. Oje, „Batfleck“ ist zu bedauern.

„Hello darkness, my old friend …“

Superman von der Kette gelassen

DC Comics

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Titel: Superman Unchained

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Jim Lee, Dustin Nguyen

Erschienen: 2013-2015 (Mini-Serie #1-9, Paperback 2015/2016) dt. Panini 2015 (Serie)/2016 (Paperback)


„You’re living in a place between. Don’t you see that? A limbo that can’t last.“ (Wraith)

„Your whole life is on a collision course with reality.“ (Wraith)

Raumstationen fallen vom Himmel, Wolkenkratzer stürzen ein – dahinter steckt die Terror-Organisation Ascencion – und Superman muss sich um alles allein kümmern. Dann attackiert ihn auch noch General Lane und hetzt eine Superwaffe auf ihn, den Außerirdischen Wraith, eine lebende Atombombe, die schon lange darauf wartet Superman zu töten. Zunächst beschützt Wraith ihn, dann verhaut er ihn ein bisschen, dann lädt er ihn zu sich nach Hause ein, dann haut man gemeinsam ein paar Roboter kaputt, tauscht Tipps aus, schließlich gibt’s wieder Keile untereinander. Parallel zu diesem Spielchen bricht Superschurke und Erzfeind Lex Luthor aus dem Hochsicherheitsgefängnis aus (man hat es ihm sehr leicht gemacht) und versucht erneut, in aller Seelenruhe (Homer lesend und Origami faltend) Superman nun wirklich und endgültig umzubringen. Und am Ende gibt’s noch eine Alien-Invasion …

Aber davor versucht es noch General Lane, indem er über Supermans Festung der Einsamkeit herfällt. Parallel dazu dringt Wraith in die Bathöhle ein – und dort kommt es zu einer herrlichen Verwüstung: Batman wirft zunächst das Batplane auf den Schurken, dann alle Batmobile, die es je gab (kein Problem, da sie versichert sind). Wonder Woman kommt zur Hilfe und erschlägt Wraith mit dem Riesenpenny („Penny for your thoughts“), Wraith schlägt zurück mit dem Robo-Dinosaurier. Reiner Unsinn – aber wegen der Verspieltheit ist die Episode lesenswert, auch wenn Batman in der Story eigentlich keine Funktion hat.

Superman Unchained ist der Versuch von Autorenwunderkind Scott Snyder, nach Batman auch den anderen großen DC-Helden zu der Größe zu verhelfen, die ihm gebührt. Ob es gelingt, kommt darauf an, welche Ansprüche man stellt. Es ist, wie oben beschrieben, eine Story, in der viel zu viel passiert, aber eigentlich geht es die meiste Zeit um Keilereien im Großformat: Zuerst Superman gegen Wraith in der Horizontalen, einmal um den Globus, dann in der Vertikalen, ins All und zum Erdmittelpunkt. Die Alien-Bedrohung im Finale wird etwas lieblos abgehandelt. Superman mus selbst zur Bombe werden, um die Invasoren zu vernichten – er opfert sich, ohne Fragen zu stellen. Die Handlung wirkt beliebig. Star-Zeichner Jim Lee illustriert das Ganze zwar in der gewohnten epischen Qualität – larger than life -, aber an diesem detailversessenen Stil hat man sich mittlerweile sattgesehen. Aufgelockert wird der Stil durch die Kapitel von Dustin Nguyen, der einen etwas ‚künstlerischeren‘ Einschlag hat.

Panini

Panini

Immerhin bemüht sich Snyder mit der Backstory aus Clarks Jugend in Smallville um ein wenig Charaktertiefe. Und mit Lex Luthors Monolog gelingt ihm auch eine interessante, weil äußerst kritische Analyse der Figur:

„… Superman, whoever he is, is trial and error. (…) He avoids a situation and it worsens; next time, he involves himself. The point I’m making is that Superman doesn’t stand for anything. He’s just a man, stumbling through life. He’s not a great beacon, he’s barely a candle, lighting a path for himself the best he can. And as we all know, eventually … candles go out.“

Superman als Fehlender, der seinen Weg durch die Dunkelheit sucht – das ist ein treffendes Bild. Man muss ihn wohl so darstellen, wenn man ihn von seinem Pfadfinder-Image abbringen will. Er soll mehr Mensch als Übermensch sein. Das Dilemma ist: Als Suchender nach sich selbst scheint der Charakter nie irgendwo anzukommen, wodurch sich diese Ichfindung schnell erschöpft. Wenn er aber seinen Charakter definiert, wirkt er zu perfekt – und damit auch langweilig. Dass man diesen Widerspruch nicht auflösen kann, wird wohl immer das Problem an Superman bleiben.

Update zu DC Rebirth

Rebirth One Shot Cover (DC Comics)

Rebirth One Shot Cover (DC Comics)

Nach dem Reboot kommt Rebirth. Vor fünf Jahren startete das DC Universum neu unter dem Label „The New 52“. Im Mai 2016 beginnt DC Rebirth, ein neuer Versuch, es alten und neuen Lesern recht zu machen. Nun hat DC Comics bei der Wondercon weitere Details bekannt gegeben. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten:

  • Alle Serien werden neu nummeriert: Die meisten fangen wieder bei #1 an, die ältesten Titel Detective Comics und Action Comics kehren zur ursprünglichen Nummerierung zurück.
  • Zu jeder Haupt-Serie erscheinen zunächst einmalige Rebirth-Specials.
  • Ein 80-Seiten One-Shot zu Rebirth erscheint am 25. Mai.
  • Die Haupt-Serien sollen zweimal pro Monat erscheinen.

Zu Batman:

  • Die Serie Batman wird künftig von Tom King geschrieben und von David Finch (Batman: The Dark Knight, Forever Evil) und Mikel Janin (Grayson, Justice League Dark) gezeichnet. King hat bereits Grayson geschrieben, außerdem zwei Ausgaben für Robin War und ein Green Lantern-Tie-In zu Darkseid War. Start ist am 1. Juni mit Batman Rebirth #1.
  • Für Detective Comics wurde James Tynion IV als Autor verpflichtet, der schon für Batman, Batman Eternal und Batman & Robin Eternal verantwortlich war. Die Zeichnungen werden von Eddie Barrows and Alvaro Martinez stammen. Los geht es im Juni.
  • Der bisherige Batman-Autor Scott Snyder bekommt eine neue Serie mit dem Titel All-Star Batman, unter dem sich schon Frank Miller und Jim Lee austoben durften (mit einer umstrittenen und nie abgeschlossenen Story). Zu den Zeichnern werden John Romita Jr., Jock (The Black Mirror) und Sean Murphy gehören. Start ist im August.
  • Batman Beyond wird, wie zuvor, von Dan Jurgens geschrieben und Bernard Chang gezeichnet. Terry McGinnis soll zurückkehren. Die Serie startet im Oktober und erscheint einmal im Monat.

Das spannendste Projekt verspricht All-Star Batman zu werden: Scott Snyder will wieder einen neuen Blick auf den Helden werfen. In der Story begibt sich Batman mit Two-Face auf eine Art Road Trip, auf der Flucht vor verschiedenen klassischen Schurken. In dem folgenden Video erzählt der Autor selbst darüber. Es verspricht interessant zu werden.

 

DC Comics

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  • Justice League wird künftig von Bryan Hitch geschrieben, das Zeichnen übernehmen Tony Daniel (Batman) and Fernando Pasarin. Es geht los im Juni, weiter geht es im Zwei-Wochen-Rhythmus. Außerdem wird es noch die Justice League of America geben, mit einem noch nicht feststehenden Kreativ-Team
  • Die neue Serie Trinity, die von Superman, Batman und Wonder Woman handeln wird, übernimmt der Autor und Zeichner Francis Manapul (Detective Comics). Start ist im September, erscheinen soll das Heft monatlich einmal.
  • Außerdem wird die alte Elseworlds-Idee der Super Sons wiederaufgegriffen, also die Söhne von Superman and Batman bilden ein Team. Beginn ist im September, wer’s macht ist noch so unklar wie die Frage, ob die Idee eine Serie trägt.

Ein Wort zu Superman: Er macht optisch wieder einige Veränderungen durch. Er verliert den Kragen, den er seit 2011 hatte, die Stiefel werden blau, der rote Gürtel bleibt, aber die rote Unterhose bleibt weg. Dan Jurgens, der Superman einst in den Tod geschickt hat, übernimmt Action Comics. Peter J. Tomasi (Batman & Robin, Detective Comics) schreibt die Superman-Serie. Außerdem wird es Superwoman, Supergirl und einen New Superman aus Japan geben.

Michael Keaton gegen Christopher Reeve

Jede Zeit hat ihre Helden. Im Comic wie im Kino. Je nachdem, wann man zum ersten Mal mit Superman oder Batman in Berührung gekommen ist, ist die jeweilige Version die prägende – und damit auch wichtigste. Daher ist für viele Christopher Reeve aus dem Film von 1978 immer noch der Superman-Darsteller schlechthin. Und auchwenn Michael Keaton nicht ganz so überzeugte, ist Tim Burtons Batman (1989) vergleichbar einflussreich gewesen – aber nur bis Christopher Nolans Neuinterpretation Batman Begins mit Christian Bale in der Titelrolle. Dass Reeves Superman immer noch nachwirkt, ist dem Umstand geschuldet, das weder davor noch danach der Figur eine überzeugendere und vor allem ikonischere Inkarnation im Film vergönnt war (siehe Batman v Superman).

Aber seien wir ehrlich: Die ersten Superman- und Batman-Filme waren Ausgeburten ihrer Zeit und abseits von Nostalgie und Schwelgerei in Kindheitserinnerungen gibt es daran einiges auszusetzen. Denn eigentlich ist Superman ein ziemlich weichgespültes (und weichgezeichnetes) Märchen mit hohem Trash-Faktor, kaum Action, einem bescheuerten Plot, überzeichneten Figuren und einem spießigen Oberlangweiler als Helden, der seine Superkräfte nicht einmal mit einem Gegner gleichen Ranges messen darf.

Burtons Batman hingegen stakst in einem steifen Gummi-Anzug durch die Gegend, in dem er sich kaum bewegen kann, der sich sonst cool und unnahbar gebende Bruce Wayne fällt mit Ausrastern aus der Rolle, Jack Nicholson spielt mehr oder weniger nur sich selbst als Joker und kommt aus dem irren Gelächter nicht mehr heraus usw. Die Screen Junkies haben all das in zwei Honest Trailern zusammengeschnitten und wie immer wunderbar ironisch kommentiert. Und sie zeigen, dass Jack Nicholson gar nicht mal der definitive Joker ist, sondern nur ein Abklatsch von Cesar Romero aus den 60ern – und spätestens seit Heath Ledger haben wir für Jack höchstens ein müdes Lächeln übrig.

In dieser Gegenüberstellung der Honest Trailer dürfen die Fans entscheiden, welcher Klassiker als nächstes besprochen werden soll: Superman Returns oder Batman Returns.