Joker

Joker als Kredithai

DC Comics

Titel: Pay – Or Die!

Autor/Zeichner: Bob Haney/Jim Aparo

Erschienen: 1978 (The Brave and the Bold #141), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Der Kredithai, der hat Zähne, und die trägt er im Gesicht.
Doch der Joker hat ne Bombe, doch die Bombe sieht man nicht …

In Gotham gehen mal wieder Bomben hoch. Geschäftsmänner sterben dabei. Commissioner Gordon vermutet eigenartigerweise Selbstmord, aber Batman zieht nach kurzer Ermittlung den richtigen Schluss: Beide haben sich bei einem Kredithai Geld geliehen, einem gewissen Longreen. Der Name klingt nicht zufällig nach „long grin“ – der Joker hat es mal wieder auf Geld abgesehen, er wird zur Allegorie für einen Wucher-Kapitalismus. Als auch noch ein Modesigner in die Luft fliegt und Dinah Lance (Black Canary) dabei zusehen muss, hat Batman seine Mitstreiterin gefunden, um dem grinsenden Kredithai das Handwerk zu legen.

Aber wie? Batman hat eine Idee: Alfred soll helfen. Er soll so tun, als ob Bruce Wayne dessen Rentenfonds verspekuliert hätte, und sich beim Joker Geld leihen. Leider ist der gute Alfred zu nervös dabei und daher keine große Hilfe, um herauszufinden, wo der Joker sein Versteck hat. Der Joker hat sich in einem Bestattungsunternehmen verschanzt. Kreditwucher als todsicheres Geschäft, sozusagen.

Doch wie schafft er es, seine Schuldner in die Luft zu jagen? Ganz einfach: Mit einer Chemikalie, die er seinen Opfern mit Wein zu trinken gibt. Alfred ist also eine wandelnde Zeitbombe. Am Ende stürzt sich Batman verkleidet als Alfred auf den Joker, um aus dem Dilemma rauszukommen. Und damit Alfred künftig immun gegen den Sprengstoff in seinem Körper ist, bekommt er vom Joker eine Bluttransfusion verpasst.

Ja, ihr habt richtig gelesen: Durch Alfreds Adern fließt das Blut des Jokers. Wäre Potenzial für eine eigene Geschichte. Allerdings wurde die – soweit ich weiß – nie geschrieben. In gewisser Weise bekommt Alfred später zumindest kurz ein Lächeln aufgesetzt, in einer Folge von Batman: The Animated Series („The Last Laugh“, dt. Eine Stadt voller Narren, S01E04) wird er durch Joker-Gas wahnsinnig. Und in Whatever Happened to the Caped Crusader? behauptet er, den Joker nur gespielt zu haben. Und in Endgame schlägt ihm der Joker die Hand ab – dabei gibt es wiederum nichts zu lachen.

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Drei Helden, zwei Schurken und ein Adler

DC Comics

Titel: The Claws of the Emperor Eagle/Death at Rainbow’s End

Autor/Zeichner: Bob Haney/Jim Aparo

Erschienen: 1976 (The Brave and the Bold #129-130), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Oliver Queen luchst einem alten Bonzen auf dem Sterbebett den Emperor Eagle ab, eine antike Bronze, die einst Alexander dem Großen zu Ehren geschenkt wurde. Das Dumme ist nur: das Ding bringt Pech, manche sagen auch, ein Fluch laste darauf. Denn nicht nur Alexander starb jung, auch kostete es später Napoleon und Hitler den Sieg – soweit der Mythos.

Und kaum hat Oliver Queen die Besitzurkunde an sich genommen, wird sie ihm auch schon geraubt. Er erzählt Batman die Story und macht sich auf nach England, um den Adler abzuholen. Doch das Flugzeug wird von Joker und Two-Face gekapert und nach Pathanistan gebracht – dem Heimatland des Adlers. Die Schurken kassieren vom hiesigen Diktator, General Khan, eine saftige Belohnung, aber dann soll Oliver Queen zur Strafe gehängt werden.

Batman kann den Despoten umstimmen. Wenn es ihm gelingt, beim Reiten einen Stab in einen Ring zu stecken, ist Oliver frei. Mit der Hilfe von Atom klappt es auch. Aber dann entführen Joker und Two-Face Batman und rauben den Adler. Batman endet in einer Todesfalle á la Goldfinger …

Batman in den Spuren von James Bond (DC Comics)

Diese im wahrsten Sinne des Wortes abenteuerliche Geschichte nimmt ein paar wilde Wendungen. Jeder Held wird mindestens einmal entführt und darf sich beweisen, aber vor allem ist es eine Green Arrow-Story: Der Schütze spannt einen unspannbaren Bogen (wie er das macht, bleibt aber rätselhaft), er geht mit zwei Pferden tauchen und erweist sich als besessen von Gier, denn in dem Adler stecken große Reichtümer.

Darauf haben es auch Joker und Two-Face abgesehen. Wie sie darauf kommen, warum sie überhaupt zusammenarbeiten und wie Two-Face damit klarkommt, dass der Coup (bis auf die Belohnung) nichts mit der Zahl Zwei zu tun hat – das alles bleibt auch ein Rätsel. Aber ich merk schon, ich hinterfrage mal wieder zu viel. Eins scheint jedenfalls klar: Der Adler ist anscheinend wirklich verflucht, weil in solchen Geschichten jedes Gerücht sich als stets als wahr erweist. Aber natürlich ist der Fluch bloß ein Code für Gier, die Menschen verblendet. Und davor ist dann wohl auch der Joker nicht sicher, auch wenn er sich in den 70ern sonst weniger um Reichtum als um Spaß schert.

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Kein Land für alte Clowns

DC Comics

Titel: Ruins/Laugh, Killer, Laugh/The Joker Is Wild

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton, Gene Colan

Erschienen: 1983 (Batman #365, Detective Comics #532, Batman #366), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Von 1960 bis 1996 befand sich Guatemala im Bürgerkrieg. Die USA haben ihren Teil dazu beigetragen, dass es soweit kommen konnte. Insgesamt wurden 150.000 bis 250.000 Menschen getötet. Unter Diktator Efraín Ríos Montt wurden in den Jahren 1982 und 1983 Massenmorde und andere Gräueltaten begangen. Er wurde deswegen im Jahr 2013 zu 80 Jahren Haft verurteilt. Vor diesem Hintergrund liest sich die folgende Geschichte mit einem bitteren Beigeschmack.

Vicky Vale ist in Guatemala unterwegs, um über den dortigen Bürgerkrieg zu berichten, dann wird sie von einer Gruppe vermeintlicher Rebellen gefangen genommen und in eine alte Ruine gebracht. Von dort aus kann sie mit einer List eine Botschaft nach Gotham schicken, sodass die Polizei und durch Zufall auch Bruce Wayne davon Wind kriegen. Seine Beziehung zu Vicky ist gerade an ein Ende gekommen, trotzdem steigt er für sie ins Batman-Kostüm und fliegt zu ihrer Rettung.

Guatemala soll Joker-Land werden

Vickys Entführer ist der Joker. Er plant, das Militär gegen die Rebellen auszuspielen und am Ende selbst das Land zu übernehmen: Guatemala soll Joker-Land werden. Dafür hat der Clown große Pläne. Aus den Pyramiden sollen etwa Springteufel herauskommen. Eine kleine Achterbahn mit Joker-Zug hat er schon einmal errichtet. Fragen wir lieber nicht, wie er das geschafft hat. Oder wozu der ganze Aufwand gut sein soll. Am Ende geht es ihm wie immer um sein verdrehtes Verständnis von Spaß. So sagt er auch über Batman, dass er ihn auch nur deshalb nicht getötet oder ihn demaskiert habe – wo wäre da der Witz?

Also muss sich Batman gegen Indianer, Leoparden und Ganoven Rebellen zur Wehr setzen und wird auf den Joker-Zug gespannt, der Vicky überfahren soll. Batman befreit sich wie immer sehr kreativ aus dieser Todesfalle, schaltet den Joker aus, aber statt ihn festzuhalten, haut er mit Vicky lieber ab und verhindert ein Attentat, das der Joker auf den General verüben will. Daraufhin verbünden sich Rebellen und Armee, um den gemeinsamen Feind zu besiegen. Am Ende herrscht zwar immer noch kein Frieden, aber Vicky Vale kann festhalten, wie sich zwei Todfeinde gegenseitig ihren Respekt bezeugen.

Jason Todd als Robin

In all dem Schabernack schwingt also durchaus Zeitkritik durch: Der Joker wird zum Symbol für die Absurdität des Bürgerkrieges und die Gefahr von Anarchie und Chaos. Das versöhnliche Ende wirkt trotzdem ziemlich weltfremd und naiv. Und vor dem Hintergrund der wahren Massaker erscheint die vergleichsweise harmlose Joker-Story sogar ziemlich geschmacklos.

Übrigens: In dieser Geschichte hat nicht nur Jason Todd seinen ersten Auftritt als Robin (Batman #366) (indem er sich – typisch – Batman widersetzt, ihm nach Guatemala folgt und den Joker ausknockt), sondern Alfred sieht auch seine Tochter Julia wieder, die endlich erfahren hat, dass er ihr Vater ist. Aber das sind Geschichten für ein anderes Mal.

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Joker feiert Geburtstag

DC Comics

Titel: Dreadful Birthday, Dear Joker… !

Autor/Zeichner: Len Wein/Walt Simonson

Erschienen: 1980 (Batman #321), Paperback 1988 (The Greatest Joker Stories Ever Told), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Im Jahr 1980 wurde der Joker 40. Im Comic nahm der Schurke das erstmals zum Anlass, seinen Geburtstag zu feiern. Eingeladen sind Comissioner Gordon, Robin, Alfred und ein paar andere seiner Feinde. Einladen heißt in dem Fall: Der Joker entführt sie der Reihe nach in seinem Jokermobil und fesselt sie an ein Karussell.

Am nächsten Tag lädt er Gotham unter falschem Vorwand, dass eine Bäckerei kostenlose Kostproben verteilt, in eine riesige Halle. Ganz falsch ist die Info nicht, denn der Joker stellt eine riesige Geburtstagstorte auf die Bühne, an jeder Kerze ist einer der Entführten drapiert und jede Kerze soll explodieren.

Als dann Batman auftaucht, ist er der Ehrengast. Um die anderen zu befreien, liefert er sich selbst aus, der Joker willigt ein und fesselt ihn an die größte Kerze auf der Torte. Natürlich lässt er die anderen nicht frei. Aber auch Batman trickst: Er drückt einen Knopf an der Seite der Kerze, sie fliegt davon und explodiert, aber Batman befreit sich, kappt mit einem Batarang die Lunten der Kerzen und der Geburtstag ist verdorben – eine Blamage vor großem Publikum.

Am Ende gibt es noch eine kleine Verfolgungsjagd auf dem Wasser, der Joker düst mit einem Motorboot davon und es endet mit einer Explosion ohne Leiche. Ob er diesmal wirklich tot ist, fragt Robin am Ende. Und man möchte ihm eine der berühmten Ohrfeigen verpassen. Denn die Frage ist genauso ein Klischee wie Jokers Trick mit der falschen Hand.

Jokers Killer-Spielzeug

DC Comics

Leider sind die späteren Geschichten der 80er voll davon. In“ The Joker’s Rumpus Room Revenge“ (Detective Comics #504) lässt sich der Schurke eine Reihe von Killer-Spielzeug bauen, lockt Batman in eine Eiscreme-Fabrik und lässt einen Samurai-Springteufel-Joker und andere Roboter auf ihn los.

Batman löst das Problem, indem er alle Spielzeuge gegeneinander kämpfen lässt. Und wie kommt er auf den Standort der Fabrik? Mit der guten alten Schlamm-Analyse von Jokers Schuhen. Dieser Detektivtrick ist so ausgelutscht und unglaubwürdig, dass er schon damals längst eingemottet gehörte. Aber auch in den 80ern waren die Autoren nicht unbedingt kreativer als in den 50ern.

Joker setzt sich ein Denkmal

„I try never to use the same joke twice“, heißt es dann in „Last Laugh“ (Batman #353). Deshalb vergiftet er einen respektlosen Komplizen mit einem Schlangenbiss. Dann stiehlt er einen Computer, der präzise Sprengungen vornimmt, um sich ein Denkmal zu setzen: ein überdimensionales Joker-Gesicht in Stein, ähnlich wie am Mount Rushmore. Der Joker will endlich wieder von einem breiten Publikum bewundert werden.

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Aber damit es noch lustiger wird, lockt er Batman (mal wieder) in eine Falle, knockt ihn aus und fesselt ihn an den Felsen. Batman befreit sich, blockiert das Signal, kann die Explosion aber nicht verhindern. Der Joker bekommt sein Ebenbild in Stein – aber das fällt kurz darauf wieder zusammen.

„Cleverness is a highly overrated virtue, detective!“, sagt der Joker. „Cleverness can make you dead!“ Etwas bemüht, der Spruch denn etwas mehr Cleverness würde dem Joker sicher nicht schaden. Am Ende lacht Batman, während der Joker baden geht. Aber so schwer ist es eigentlich nicht, Batman zu töten – denn der kommt oft nur mit Glück davon. So oft wie der Joker ihn schon gefangen genommen hat, müsste Batman längst tot sein. Nur wo wäre dann der Spaß?

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Von Arkham bis ans Ende der Welt

DC Comics

Titel: Batman – Last Knight on Earth

Autor/Zeichner: Zack Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2019 (#1-3), Hardcover 2020


Es beginnt mit einem seltsamen Fall für Batman: Jemand zeichnet in ganz Gotham eine Kreidelinie auf die Straße, die Batmans Silhouette bildet, wie bei einer Leiche an einem Tatort. Batman folgt der Spur zur Crime Alley, wo er einen halbverwesten Jungen findet, der auf ihn schießt.

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Plötzlich findet sich Bruce Wayne als Patient in Arkham Asylum wieder, wo ihm ein Arzt, der aussieht wie der Joker, erklärt, er habe sich die Sache mit Batman nur eingebildet und sei jetzt auf dem Weg der Besserung (vgl. Mask). Alfred taucht auf und bestätigt das. Doch als Bruce sich wehrt und ausbrechen will, klärt ihn Alfred auf, dass die ganze Show nur inszeniert wurde, um ihn vor der bitteren Wahrheit zu schützen: Gotham und der Rest der Welt sind nicht mehr. Das Böse hat gesiegt.

Dann wacht Bruce in einer Wüste auf und findet den sprechenden Kopf des Jokers in einem Glas. Gemeinsam laufen sie durch eine post-apokalyptische Welt, in der ein neuer Schurke namens Omega alles beherrscht, während nur noch wenige Helden im Untergrund Widerstand leisten.

Eine völlig neue Welt

Keine Sorge, nichts gespoilert, das war nur der erste von drei Teilen. Was danach folgt, ist eine Reise durch die zerstörte Welt, bei der Batman herauszufinden versucht, was genau passiert ist. Autor Scott Snyder und Zeichner Greg Capullo, die bereits zehn Bände Batman und das Event Dark Nights: Metal miteinander gemacht haben, tischen für ihr angeblich allerletztes Batman-Abenteuer einen Haufen skurriler Ideen auf, mit der sie ihrer Dystopie anreichern. Es liest sich zuweilen wie ein Remix einiger Elseworlds-Storys.

Wie so oft gibt es einige überraschende Wendungen, zum Schluss sogar eine sehr überraschende, aber vor dem Hintergrund der Batman-Comics der vergangenen Jahre durchaus nachvollziehbare – allerdings nur, wenn man die Bezüge und Anspielungen versteht. (Angefangen von Court of Owls bis Bloom.)

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Damit ist Last Knight On Earth (wie schon Metal und The Batman Who Laughs) ziemlich voraussetzungssreich, wodurch sich viele unbedarfte Leser hier abgehängt fühlen könnten. Aber auch Fans, die die ganze Vorgeschichte kennen, müssen sich in dieser völlig neuen Zukunftswelt mit ihren ganz eigenen Regeln zurechtfinden – so wie der Held. (Ich muss zugeben: Ich habe selbst nicht alles verstanden.)

Wenn ein Meister wie Greg Capullo am Werk ist, lässt man sich gerne auf dieses Spiel ein. Und dankenswerterweise ist die Story trotz ihrer Fülle kurzweiliger als das, was zuletzt von Snyder kam.

Ach ja, das Ende ist das übrigens noch lange nicht: Im Mai beginnt das Event Dark Nights: Death Metal – ebenfalls von Snyder und Capullo, und ebenfalls mit Batman.

>> Batman 2011-2019


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Joker bringt Batman zum Lachen

DC Comics

Titel: This One’ll Kill You/The Joker’s Playground of Peril

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Irv Novick

Erschienen: 1975/1977 (Batman #260, 286), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Viele Joker-Geschichten beginnen damit, dass der Joker aus Arkham ausgebrochen ist. Das Wie wird selten erklärt, als wäre es ganz normal, dass ein Massenmörder bei einer geschlossenen Anstalt ein- und ausgeht. Zwei Geschichten aus den 70ern machen sich immerhin die Mühe und gehen dabei einigermaßen kreativ vor.

In This One’ll Kill You vergiftet der Joker in Arkham den Kaffee der Wärter, lässt sie in Gelächter ausbrechen und sie lassen ihn entkommen. Doch vorher taucht Batman auf (er hat einen Tipp von Two-Face bekommen) und bekommt im Handgemenge mit den Insassen selbst einen Schluck vom Kaffee ab. Daraufhin lernt der Dunkle Ritter das Lachen – und zwar bei den unpassendsten Gelegenheiten.

Nur zwei Ärzte haben das Gegenmittel, nur einer ist in den USA – doch der Joker schickt ihm Blumen und die sind dann das letzte, das er zu schnuppern bekommt. Also muss Batman nach London fliegen, wo der zweite Arzt ist. Aber dort lässt er sich auch nur lachend vom Joker umhauen.

Im Finale, im stillgelegten Comedy Manor, inszeniert der Joker eine Hinrichtung des Arztes mit einer Guillotine. Während eine Kerze das Seil ankokelt, das das Fallbeil hält, erzählt der Joker einen schlechten Witz nach dem anderen. Batman kippt fast um vor Lachen. Doch dann beherrscht er sich mit einem Trick: Er denkt an Marx-Brothers-Szenen, die wirklich lustig sind. Denn wie sich später herausstellt, wirkt das Joker-Gift nur bei schlechten Witzen.

Womit wieder bewiesen wäre: Clowns sind nicht komisch.

Joker-Jagd auf dem Rummelplatz

DC Comics

Eine andere kreative Form des Ausbruchs findet sich in The Joker’s Playground of Peril (Batman #286, 1977). Der Joker entführt einen Psychiater, was sehr naheliegend ist, aber er tut es in einem Eiswagen, was dann wiederum die Frage nach der Intelligenz des Wachpersonals aufwirft. Auf der Straße schmeißt der Joker den Psychiater raus und bespritzt ihn mit einer Flüssigkeit, die ihn schrumpfen lässt. (Achtung, Wortspiel mit „shrink“!)

Wie der Joker an das Mittel kommt, um diesen Gag auszuführen, wird nicht erklärt. Daraufhin folgt eine Jagd über den Rummelplatz. Batman sucht eigentlich einen Juwelenschmuggler, findet den Joker, der aber nur der als Joker verkleidete Anwalt des Jokers ist, wie sich im Liebestunnel (!) herausstellt. Zwischendrin brennt noch eine Rutsche, Batman muss ein Kind retten. Und als am Ende endlich der wahre Joker auftaucht, spritzt er Batman Senf ins Gesicht und es kommt zum Showdown im Spiegelkabinett. Der Joker versucht, Batman zu erwürgen. Einfallslos, aber effektiv, wenn man die baldige Rückkehr in die Gummizelle vermeiden will.

Darum ging es also in der Geschichte: Der Joker wollte sich an seinem Anwalt rächen, weil er ihn nicht vor dem Irrenhaus bewahrt hat. Aber warum hat der sich dann überhaupt so verkleidet wie der Joker, wenn er Angst vor ihm hat? Fragen über Fragen – Batmans Welt bleibt trotz aller Erklärungen oft rätselhaft …

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Der unschuldige Joker

DC Comics

Titel: Death Has the Last Laugh/Only Angels Have Wings

Autor/Zeichner: Bob Haney, Dan Mishkin, Gary Cohn/Jim Aparo

Erschienen: 1974/1982 (The Brave and the Bold #111/#191), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Eigentlich ist die Serie The Brave and the Bold für Crossover zwischen Batman und einem Gaststar gedacht, mit dem er sonst nicht viel zu tun hat. Aber zweimal war sein Partner der Joker – und beide Male wurde er verdächtigt, Morde begangen zu haben, was er jedes Mal abgestritten hat.

In Death Has the Last Laugh wird eine Familie tot aufgefunden – der Joker hat am Tatort seine Karte hinterlassen, doch von Grinsegrimassen fehlt jede Spur. Die wird dann plötzlich im Leichenschauhaus nachgetragen. Höchst seltsam, selbst für den Joker. Batman ist stinksauer. So sauer, dass er Commissioner Gordon droht, seine Jungs sollen sich lieber beeilen, denn wenn er, Batman, den Joker erwische, könne er für nichts garantieren.

Auf Krawall gebürstet mischt Batman die ganze Stadt auf, um eine Spur zu finden, aber als er den entscheidenden Tipp bekommt, will sich der Joker gerade in der Sauna an einem gewissen Slade dafür rächen, ihm den Mord angehängt zu haben. Batman wird dabei von Slade angeschossen. Später verbündet er sich mit dem Joker, um Slade zu fassen. Doch das geht gründlich schief, weil Batman auffliegt, als er sich in dessen Wagen schleicht.

Am Ende führt die Spur zu einem stillgelegten Kanal. Batman steigt hinab ins Becken, um der Spur einer Joker-Karte zu folgen, da lassen der Joker und Slade das Wasser ein. Die ganze Aktion war diente nur dazu, um Batman zu ertränken. Sie hätten ihn vorher schon in der Sauna erschießen können, der ganze Plan erscheint mal wieder unnötig aufwendig, aber egal.

Batman befreit sich auch aus diesem Schlamassel, der Joker will mit dem Batmobil fliehen, kann aber nicht, weil er den Code fürs Autoradio nicht kennt. Der lautet: BATMAN. Wer solche Passwörter hat, sollte sich nicht wundern, wenn er auf der Schurkenjagd fast draufgeht, aber so schnell hat der Joker zum Glück nicht geschaltet. In dem Fall hätte es auch gereicht, den Autoschlüssel mitzunehmen …

Der Joker tötet den Pinguin

DC Comics

Acht Jahre später, in Only Angels Have Wings, ermordet der Joker den Pinguin live bei einem Fernsehauftritt. Dann lockt er Batman mit dem Jokersignal zum Jokermobil, verpasst ihm erstmal eine riesige Faust, die aus einem Kofferraum springt, beteuert dann aber seine Unschuld. Batman hat zwar nicht den geringsten Grund, ihm zu glauben, immerhin hat der Clown ihn schon einmal so reingelegt (siehe oben), aber andererseits: Warum sollte der Joker einen Mord nicht für sich reklamieren? Immerhin gibt er daraufhin zu, einen von Pinguins Handlangern vergast zu haben.

Der Joker aber will angeblich den Fall aufklären, um sich für den Pinguin zu rächen – er habe an dem Vogel gehangen. Also lässt sich Batman widerwillig auf die temporäre Partnerschaft ein und sie ermitteln gemeinsam. Dass der Joker gerade einen Mord gestanden hat und später zweimal versucht, Batman umzubringen, bringt den Dunklen Ritter aber auch nicht davon ab, das Spiel weiter mitzuspielen.

Als er den toten Pinguin aufgebahrt im Sarg liegen sieht, schaut der beste Detektiv der Welt nicht einmal nach, ob die Leiche echt ist. Spoiler: Ist sie natürlich nicht. Der Plan dahinter ist so weit hergeholt, dass jeder Erklärungsversuch scheitern muss. Der Pinguin hat seinen Mord inszeniert, damit er (im Nonnenkostüm) einen Kardinal entführen kann, der zu seiner Totenfeier ein Kardinal aus Rom kommt, dann will er den Vatikan um Millionen erpressen. (Außerdem ist Kardinal auch der Name eines Vogels …) Der Kardinal kommt, weil der Pinguin der Kirche Geld gespendet hat. Aber demnach war der Schurke gut bei Kasse – wozu also … Ach, vergesst es. Am Ende werden beide eingebuchtet.

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Batman-Specials als Hardcover

Cover zu Batman Family 80 Years, Batman by Tom King & Lee Weeks, Batman: Knight Out (DC Comics)

Wer Robins 80. Geburtstag feiern und sich das dazugehörige Comicspecial besorgen will, der sollte noch etwas warten – denn Geduld zahlt sich aus. DC hat angekündigt, nicht nur die Jubiläums-Specials dieses Jahres (Catwoman, Joker), sondern auch die Storys aus Detective Comics #1000 (auch der Deluxe Edition) sowie aus Detective Comics: 80th Anniversary Giant #1 in einem Paperback zu versammeln: Batman Family 80th Anniversary Collection soll der Band (etwas irreführend) heißen und laut Amazon am 20. Oktober herauskommen und 396 Seiten umfassen. Der Inhalt als Liste:

  • Detective Comics #1000
  • Detective Comics #1000: The Deluxe Edition #1
  • Detective Comics: 80th Anniversary Giant #1
  • Robin 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1
  • Catwoman 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1
  • The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1

Diese Publikation bietet eine gute Möglichkeit, Geld zu sparen. Sonst müsste man nämlich mindestens zehn US-Dollar, bzw. Euro für jedes einzelne Special bezahlen.

Weitere Batman-Bände im Herbst 2020

Viel weniger Sinn ergibt der für den 17. November angekündigte Band Batman by Tom King & Lee Weeks Deluxe Edition. Hier werden einzelne Storys bzw. Storylines aus der Batman-Serie extrahiert, obwohl die gesamte Serie bereits in Paperbacks und Deluxe-Editions herauskommt. Darüber hinaus soll das Batman/Elmer Fudd Special darin enthalten sein. Keine Frage: Lee Weeks ist ein toller Zeichner, aber warum er einen eigenen Band verdient, ist schwer nachvollziehbar, zumal die Geschichten meist in einem größeren Zusammenhang stehen. Ich behaupte mal: Dieses Buch braucht kein Mensch.

Für Nostalgiker der 90er erschein am 29. September Batman: Knight Out, eine Sammlung von Storys von Chuck Dixon und Graham Nolan aus den Jahren 1996 bis 1998 (Detective Comics #703-715, #717, #718). Batman trifft in diesen Kurzgeschichten auf Riddler, Firefly, Deathstroke, Gearhead und den Martian Manhunter. Deutschen Lesern der Dino-Hefte aus den 90ern dürften diese Storys noch bekannt sein – das Highlight ist die Riddler-Story. Warum es aber ausgerechnet diese sind, warum nicht schon frühere Dixon-Nolan-Storys gesammelt werden, das erscheint etwas willkürlich und rätselhaft.

>> Batman-Comics 2020

Batman: Three Jokers erscheint im Sommer 2020

Three Jokers #1-3 (DC Comics)

Endlich ist es soweit: Der lang angekündigte Dreiteiler Three Jokers von Geoff Johns und Jason Fabok hat einen Erscheinungstermin. Teil 1 soll laut DC am 17. Juni 2020 herauskommen, die anderen beiden im Juli und August. Jedes Heft soll 48 Seiten umfassen. Da die Arbeit an der Miniserie beendet sein soll, ist nicht mit Verzögerungen zu rechnen. DC hat vorab nicht nur die drei Cover, sondern auch die ersten drei Seiten veröffentlicht.

UPDATE 13.5.2020: Die erste Ausgabe verspätet sich und erscheint voraussichtlich am 25. August 2020. Eine Vorschau gibt es bei DC.

Wie Johns und Fabok Entertainment Weekly verraten haben, handelt es sich um eine Art Fortsetzung des Klassikers The Killing Joke. Die drei Joker entsprechen den Versionen aus Batman #1 (1940), The Killing Joke (1988) und A Death in the Family (1988-89). Batman, Batgirl und Red Hood arbeiten zusammen, um das Rätsel zu lösen, das mit Justice League #50 begann.

UPDATE 18.3.2020: Three Jokers soll laut Amazon am 10. November gesammelt als Hardcover erscheinen.

Three Jokers Cover

Three Jokers (DC Comics)

Geoff Johns hat unter anderem Batman Earth One Vol. 1 und Vol. 2 geschrieben (Teil 3 ist in Arbeit) sowie zuletzt die Watchmen-Fortsetzung Doomsday Clock.

Das Jahr 2020 steht im Zeichen des Jokers, denn der Schurke feiert im Frühling sein 80-jähriges Bestehen. Dazu erscheinen im April ein 100-Seiten-Special mit neuen Kurzgeschichten sowie eine neue Joker-Anthologie.

Im Juli kommt die Hardcover-Ausgabe zu dem Dreiteiler Joker: Killer Smile von Jeff Lemire und Andrea Sorrentino heraus.

>> Liste der Joker-Comics

Harleen: Heilung durch Liebe

DC Comics

Titel: Harleen

Autor/Zeichner: Stjepan Sejic

Erschienen: 2019 (Harleen #1-3), Hardcover 2020


Harley Quinn ist gerade so hoch im Kurs und omnipräsent, dass es nervt: im Kino, als Zeichentrickserie, in den Comics. DC hat 2019 in seinem Black Label gleich zwei Harley-Miniserien parallel gestartet. Eine davon ist Harleen. Erzählt wird in diesem Dreiteiler alles noch einmal, schon wieder und von vorn, wie aus Harleen Quinzel Jokers Geliebte Harley Quinn wurde. Also noch eine Mad-Love-Variation für Erwachsene und breitgewalzt auf 200 Seiten. Aber nein: Denn so vertraut die Story zunächst scheint, ist hier doch alles anders.

Harleen Quinzel ist hier zunächst eine talentierte junge Psychiaterin, die an starken Selbstzweifeln leidet. Anders als in Mad Love hat sie sich nicht hochgeschlafen, sondern ihre Karriere hart erarbeitet. Sie ist eine Idealistin, die herausfinden will, warum psychisch Kranke ihre Empathie verlieren, und fängt dafür Interviews mit Insassen in Arkham Asylum an. Darunter ist auch der Joker.

Harleen hat Angst vor ihm. Sie leidet unter Schlaflosigkeit und Alpträumen. Und sie lässt sich nicht täuschen. Die Erfahrungen ihrer Vorgänger zeigen ihr, dass der Joker ein Manipulator ist, der selbst Profis mit seinen Lügen einwickelt. Trotzdem glaubt sie in den Gesprächen mit ihm, zu seinem wahren Selbst vorzudringen und ihm helfen zu können. Sie überschreitet eine Grenze nach der anderen, um ihm näher zu kommen – und verliert sich selbst.

Joker á la Thomas Hobbes

Der Joker ist hier ein junger attraktiver Mann, dessen Philosophie an Heath Ledgers Interpretation, bzw. an Thomas Hobbes, erinnern:

„We’re all monsters in a civilized cage, it just takes the right kind of pain and fear to break the lock.“

Gotham sei die „city of monsters“, aber mit seinen vielen gewalttätigen Irren immerhin ein ehrlicher Ort. Denn auch die scheinbar guten Menschen sehen sich danach, sich in gewalttätige Tiere zu verwandeln.

„Gotham is full of people like that. Hands twitching while they dream of violence, shivering with barely suppressed rage, brimming with righteous indignation. Smiling politely as they imagine savage things. Every last one of them a bomb that needs but a single spark to set it of.“

Harleen funktioniert aber nicht nur wegen einer starken Joker-Figur so gut, sondern auch weil es keine Harley Quinn-Story ist. Die Figur kommt kaum vor. Stattdessen ist es eine Harleen-Quinzel-Story. Die Geschichte einer scheiternden Psychiaterin, die nur helfen will, aber sich selbst nicht helfen kann, immer tiefer in den Abgrund zu rutschen. Zum anderen gelingt Harleen, weil sich Autor Stjepan Sejic viel Zeit lässt, seine Hauptfigur zu ergründen und glaubwürdig zu erzählen, wie eine intelligente Frau zu einer Psychopathin unter dem Einfluss des Jokers werden kann. Die Antwort: Sie bildet sich ein, ihm helfen zu können, weil er in ihr die Liebe findet, die er braucht. Die Story profitiert davon, dass die tragische Heldin ihre Geschichte in einer zweifelnden Offenheit selbst erzählt.

Warum Batman nicht tötet

Batman spielt hier nur eine kleine Rolle am Rande. In einer Sequenz fragt ihn Harleen, warum er nicht tötet. Er antwortet, dass er hofft, den Tätern helfen zu können:

„I don’t kill because as hard as it sometimes is, it’s still the right choice. I don’t kill because I don’t want to give up on them…or on myself.“

Durch diese Aussage bestärkt er indirekt die Psychiaterin in ihrem Willen, dass man auch den Joker heilen könne.

Harleen ist zu einem großen Teil auch eine Two-Face-Story. In einer intensiven Variation seiner Entstehungsgeschichte wird gezeigt, wie Staatsanwalt Harvey Dent im Kampf für das Gute langsam in den Wahnsinn abrutscht und sich mit den Executioners, einer Bande von Polizisten, verbündet, die davongekommene Verbrecher tötet. Gemeinsam planen sie, die Insassen von Arkham zu befreien, um in der Stadt wieder die Todesstrafe einzuführen. Allein hier könnte man kritisieren, dass es naheliegender wäre, wenn sie die Verbrecher selbst hinrichten würden – so wie sie es auch sonst tun.

Darüber hinaus ist der Comic auch optisch gelungen. Stjepan Sejic zeichnet mit präzisem, feinfühligem Strich ausdrucksstarke Figuren mit nuancierten Mimiken und Körperhaltungen. Schurken wie Two-Face, Poison Ivy und Killer Croc wirken ebenso schrecklich wie anziehend. Auf dem großen Seitenformat kommen die Bilder besonders gut zur Geltung.

Insgesamt ist Harleen unbedingt lesenswert und einer der besten Harley-Quinn-Origins seit Mad Love. Eine echte Bereicherung dürfte es gerade für die sein, die Harley Quinn nicht mögen. Dieses Comic könnte sie endlich mit der Figur versöhnen.

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