Comic

Flashpoint mal anders

DC Comics

Titel: Tales From the Dark Multiverse: Flashpoint

Autor/Zeichner: Bryan Hitch

Erschienen: 2020 (One-Shot)


Die wohl krasseste Szene aus Flashpoint ist die, in der sich Barry Allen in der veränderten Zeitlinie auf einen elektrischen Stuhl setzt, um sich mittels Blitz und Chemikalien wieder zum Flash zu machen. Schwerverbrannt überlebt er und bekommt seine Kräfte zurück. Glück gehabt. Aber was wäre, wenn er diesen Wahnsinn nicht überlebt hätte? Diese Frage stellt sich Bryan Hitch in der Tales From the Dark Multiverse-Variante der Geschichte.

Barry Allen stirbt – und Eobard Thawne, der böse Reverse Flash, taucht an seiner Stelle auf, der Übeltäter, der dafür verantwortlich ist, dass die Welt vor die Hunde geht: Atlantis und Themyscira, also Aquaman und Wonder Woman führen Krieg gegeneinander, Batman ist Thomas Wayne, der gegen Martha Wayne als Joker kämpft, nachdem ihr Sohn Bruce erschossen wurde, Superman ist in Gefangenschaft usw.

Als Thawne (mit roter Hose) erscheint, übernimmt er die Herrschaft über die USA und verspricht, Frieden zu schaffen. Dazu schaltet er zunächst die Konkurrenz aus und tötet eine Reihe von Superschurken und Helden wie Cyborg. Doch der kluge Cyborg hat ein Backup seines Geistes erstellt und verbündet sich mit Batman, um Thawne auszuschalten, dafür befreien sie ihre Geheimwaffe: Superman!

ACHTUNG SPOILER!!!

Damit tun sie genau das, was auch schon in Flashpoint passiert. Der Unterschied: Batman tötet am Ende Superman, aber nicht den Reverse Flash. Warum? Damit am Ende der Schurke die Vergangenheit erneut in eine andere Richtung lenken kann: Keiner der Waynes stirbt, sondern Joe Chill selbst kriegt die Kugel ab.

Nach einer passablen Variation von Knightfall und einem unnötigen wie bemühtem Neuaufguss von Hush ist mit Flashpoint ein weiterer moderner Klassiker dran, der in einer Elseworlds-Manier neu erzählt wird. Routiniert, mit vielen erklärenden Sprechblasen und wie immer ordentlichen Zeichnungen von Altmeister Bryan Hitch, prächtigen Splash Pages, in denen es vor Action und Gastauftritten nur so wimmelt.

Okay, das Prinzip der Dark Multiverse-Storys hätten wir damit verstanden, aber richtigen Mehrwert bietet es nicht, außer uns die gleiche Geschichte noch mal, aber eben etwas anders zu verkaufen. Mit 52 Seiten dient dieses Heft nur als eine Art Teasing für neue Leser, die wohl Lust bekommen sollen, das Original zu kaufen. Als solches ist es in Ordnung, aber Fans müssen dafür keine 6,99 US-Dollar zahlen – und schon gar keine Lebenszeit dafür investieren.

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Robin wird ein Tag gestohlen

The Man Who Stole Time

DC Comics

Titel: The Man Who Stole Time

Zeichner: Jim Mooney

Erschienen: 1949 (Star Spangled Comics #97)


Im Knast muss sich Clock immer wieder dieselben blöden Sprüche seiner Mitinsassen anhören („The clock is doin‘ time!“), dabei könnten sie durchaus fieser sein und ihm zum Beispiel reinreiben, dass er wegen eines Kindes einsitzt. Dann bricht der Herr der Uhren wieder aus und diesmal will er Rache! Er will seine Zeit zurück, die er im Knast verschwendet hat. Beginnen will er mit dem Raub einer Sekunde.

The Clock stiehlt eine Sekunde – beim Baseball. (DC Comics)

Doch hier ist „second“ im übertragenen Sinne gemeint: Er stiehlt den „second base sack“ auf einem Baseballfeld. Dann bewirft er Robin mit Baseballs. Der nimmt sich einen Schläger und feuert zurück. „I should be able to use a bat! After all, I do work with the Batman, so I could be called Batboy!“ Daraufin ist Clock ziemlich eingeschüchtert: „I don’t know which are more deadly … the balls or the puns!“ Jedenfalls finden das die Zuschauer amüsanter als das Spiel selbst. Clock haut ab mit einer Walze und versteckt sich in der Trommel. Wieder dient alles nur der Ablenkung, um das Eintrittsgeld zu rauben.

Als nächstes stiehlt Clock eine Minute. Und das geht so: Ein reicher Mann isst gerne Dreiminuten-Eier und feuert seinen Koch, als sie zu weich sind. Dazu konnte es kommen, weil Clock die Minute in einer Sanduhr gestohlen hat. Dann bewirbt der Schurke sich selbst als Koch, knockt den Millionär mit Gas aus und holt eine Puppe mit einem Stundenglas aus dem Tresor. 10.000 Dollar verlangt er dafür. Als Robin das Lösegeld überbringen will, fällt er durch eine Falltür und wird mit Gas zugedröhnt.

Robin bittet seinen Fan-Club um Hilfe. (DC Comics)

Clock sagt, er solle sich vorstellen, wie es ist, über zwei Meter groß zu sein. Dann träumt Robin davon, ein riesiges Man Wonder zu sein und Gauner zu vermöbeln. Durch diesen Tagtraum stiehlt Clock ihm einen Tag. Als Robin wieder aufwacht, findet er eine runde Uhr ohne Zifferblatt in seiner Zelle. Das Ticken macht ihn fast wahnsinnig, er schläft ein und als er wieder aufwacht, kommt er frei. Ein Tag ist vergangen. In der Zwischenzeit hat Clock eine Woche gestohlen. Als nächstes soll ein Monat dran sein.

Finale in der Kalenderdruckerei. (DC Comics)

Robin trommelt daraufhin die Kinder aus dem Robin Fan Club zusammen, um ihm zu helfen, Clock zu fassen. Mit gemeinsamer Detektivarbeit verhindern sie, dass er den „Puzzle of the Month Club“ plündert. Clock will schließlich ein Jahr stehlen, indem er die Druckplatte für einen Kalender mitgehen lässt. Es endet mit einer Verfolgungsjagd über ein paar riesige Kalenderblätter und Clock landet auf dem 1. Januar. Frohes Neues Jahr – im Knast.

Damit endet die wenig ruhmreiche Karriere des Zeitschurken.

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Zwei Retter an Heiligabend

DC Comics

Titel: Have Yourself a Deadly Little Christmas

Autor/Zeichner: Len Wein/John Calnan

Erschienen: 1979 (Batman #309), Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Len Wein)


Am Weihnachtsabend rauben drei Jungs einer jungen Frau die Handtasche. Es sind zwar nur fünf Dollar drin, aber es ist ihr letztes Geld. Dann taucht aus dem Nichts Blockbuster auf, ein starker, stummer Riese, vermöbelt die drei und macht sich auf, der Frau die Handtasche wiederzubringen. Doch kaum ist die zu Hause, versucht sie sich mit Schlaftabletten umzubringen. Einst ist sie mit großen Hoffnungen in die Großstadt gekommen, aber ihre Träume sind geplatzt, sie sieht sich gescheitert und will nicht mehr leben.

Vorher ruft sie aber noch bei der Polizei an, um sich zu verabschieden – sie hat sonst niemanden, den sie anrufen könnte. (Geht es noch trauriger?) Zum Glück ist gerade Batman da, der Commissioner Gordon sein alljährliches Weihnachtsgeschenk vorbeibringt: Pfeifentabak. (Heute wäre ein solches Geschenk undenkbar.) Kaum fragt Batman die Selbstmörderin, was los ist, legt sie auch schon auf. Zum Glück kann der Anruf zurückverfolgt werden.

Der planlose Helfer

Doch Blockbuster kommt Batman zuvor, findet die Frau, als sie gerade in Ohnmacht fällt und bringt sie weg. Leider kann man sich keinen ungeeigneteren Retter in der Not vorstellen. Denn kaum trifft der tumbe Riese beim Krankenhaus ein, überlegt er es sich anders – zu schlecht sind seine Erinnerungen an Ärzte. Als Batman ihn findet, zeigt sich: Zwei Retter sind eindeutig einer zu viel. Vor allem weil Batman sich nicht gerade auf gewaltfreie Kommunikation versteht. Im Kampf zieht er den Kürzeren. Blockbuster geht mit der Jungfer in Not weiter, bittet einen Weihnachtsmann um Hilfe. Doch kaum sagt der was von Krankenhaus, nimmt der Retter die Frau wieder mit. Einen richtigen Plan für eine Alternative scheint er nicht zu haben.

Erstaunlich, dass die Frau immer noch lebt und bei Schnee und Kälte nicht längst erfroren ist. Zwischendrin wacht sie sogar auf, nur um kurz darauf wieder in Ohnmacht zu fallen. Auf dem gefrorenen Gotham River kommt es zur finalen Prügelei mit Batman. Eisschollen brechen, die Jungfer erwacht wieder und gerät erneut in Not – sie droht, ins kalte Wasser zu fallen. Wieder rettet Blockbuster sie: Er springt auf die Eisscholle, wirft sie Batman zu und fällt selbst ins Wasser, ohne dass sich jemand um seine Rettung schert.

Am Ende findet die junge Frau ihren Lebenswillen wieder. Doch als sie fragt, wie ihr verunglückter Retter geheißen hat, verweigert Batman ihr die Auskunft: „Is it important? Why not just call him the spirit of Christmases yet-to-be!“ Der arme Tölpel bekommt nicht einmal das Mindestmaß an Ehre, das ihm zusteht.

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Wen Depressionen oder Suizidgedanken plagen, kann sich Hilfe holen: Die TelefonSeelsorge in Deutschland ist rund um die Uhr unter den Nummern 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 zu erreichen (gebührenfrei).

Batgirl greift zur Pistole

DC Comics

Titel: Batman Adventures: Batgirl – A League of Her Own

Autor/Zeichner: Paul Dini, Ty Templeton/Rick Burchett

Erschienen: 1998-2001 (Batgirl Adventures #1, Gotham Adventures #8-9, 22, 38), Paperback 2020


Ich bin ja kein großer Fan von Sidekicks und anderen Mitgliedern der Bat-Family, auch nicht von Batgirl. Aber das Batgirl aus The Animated Series hat es mir angetan. Nicht nur, weil die Serie an sich grandios ist, sondern weil Barbara Gordon hier besonders liebenswert geraten ist – so liebenswert, dass man Batman gar nicht vermisst. Batgirl stiehlt ihm mit ihrer entwaffnend positiven Haltung die Show.

Auch in der Comicserie, den Batman (& Robin) Adventures hat sie einige denkwürdige Auftritte. Nun hat DC ihre Storys aus der Nachfolgeserie Gotham Adventures zusammengefasst – inklusive des Batgirl-Specials, das eine Weihnachtsgeschichte erzählt. Leider ist das Heft in einem Kleinformat gedruckt, als „Graphic Novel“ für Kinderhände sozusagen. (Wie auch bei Nightwing Rising.)

In „Oy to the World“ hilft Batgirl Harley Quinn, Poison Ivy aus den Fängen der Schurkinnen Foxes zu befreien. Paul Dini erzählt eine typische Quinn-Story mit Slapstick und anarchischem Humor. Manche mögen’s, andere nicht … Batgirl muss den Fall lösen, während ihr ahnungsloser Vater auf sie wartet, um Weihnachten mit ihr zu verbringen. Aber sie setzt andere Prioritäten.

Batgirl trifft James Gordon

Danach reisen Batman und Batgirl nach Paris und treffen den Glöckner von Notre Dame, einen Mann aus Stein, der aussieht wie ein Wasserspeier und Batman nacheifert. Gemeinsam jagen sie ein Mitglied der League of Assassins, um aus ihm den Aufenthaltsort des Sensei herauszubekommen. Es geht um die Frage der Folter: Darf man sie anwenden, um Menschenleben zu retten? Batman ist dagegen. Der Glöckner droht zwar mit Mord, aber er würde niemals töten. Batman bleibt sein Vorbild.

Im zweiten Teil geht die Jagd nach dem Sensei in Tibet weiter. Batgirl gerät in Versuchung, Waffengewalt anzuwenden. Batman hält das für einen Fehler und rät ihr, die Waffe wegzuwerfen. Doch sie besteht darauf, sie zu benutzen – immerhin ist sie Polizistin und weiß, damit umzugehen. Der Sensei belehrt sie dann eines Besseren.

Ein anderes Mal arbeitet Batgirl mit ihrem Vater, Commissioner James Gordon, zusammen. Zunächst prügeln sie sich durch einen Gefängnisaufstand, dann durch eine Kneipe voller Schläger. Die Gordons werden zum neuen Dynamischen Duo – allerdings erkennt der Vater seine Tochter trotzdem nicht wieder. Und schließlich verbündet sich Batgirl noch mit Robin, um einen Täter zu fassen, der Eishockeytrainer krankenhausreif schlägt.

Sensationell ist davon nichts, aber doch kurzweilig unterhaltsam, wenn man den Zeichen- und Erzählstil der TV-Serie mag. Und die Sensei-Story ist für einen angeblichen Kindercomic sogar ziemlich tiefgründig.

>> Batman: The Animated Series

Robin schlägt die Stunde Null

DC Comics

Titel: Zero Hour

Zeichner: Jim Mooney

Erschienen: 1948 (Star Spangled Comics #79)


The Clock hat die Schnauze voll vom Knast. Er schließt sich in einem luftdichten Gefängnistresor ein, um zu ersticken. Da hat er sich aber geirrt, denn das Ding hat ein Lüftungssystem und eine Zeitschaltuhr. Während der Gefängnisdirektor also wartet, bis sich das Problem von selbst löst, hat Clock alle getäuscht: Er kommt raus, schlägt eine Wache nieder und haut ab. Es war alles nur ein Trick. (Denn so doof kann auch keiner sein.)

Bald sucht der ehemalige Uhrmacher wieder seine alte Gang auf, um wieder ein Ding zu drehen. Die ist aber skeptisch, immerhin hat sich der Boss schon zweimal vom Wunderknaben einbuchten lassen. Aber diesmal will er es klüger anstellen. So klug, dass Robin ihn nicht schnappt, selbst wenn er ihm Hinweise gibt. Leider kommt niemand auf die Idee, dass es vielleicht klüger wäre, keine Hinweise zu geben, denn erst die machen es den Helden doch immer so leicht … (Ach, vergesst es, ich geb’s auf …)

Zuerst fliegen bunte Scheiben vom Himmel. Dann taucht Clock im Fernsehen auf, zündet eine Rauchkerze und versucht, historische Sprachaufzeichnungen zu stehlen. Robin vereitelt das, der Schurke entkommt. Dann kündigt Clock eine Zeitbombe am Gotham Times Square an. Robin verhindert die Explosion, der Schurke entkommt. Hinterlässt aber seine Krawatte und ein paar Federn. Und schließlich sendet Clock eine Nachricht aus: „If you wish to speak to the clock — ‚tell time‘.“ Das kann nur eins bedeuten, denkt sich Robin, Clock verkleidet sich als Vater Zeit – beim Film (denn nur so kann die Zeit sprechen, in personifizierter Form).

Lassen wir die Logik dahinter mal beiseite, denn Sinn ergibt auch das Finale nicht: Der Clou besteht wieder darin, am Set eine große Verwirrung zu stiften (mit klingelnden Weckern), um etwas zu stehlen und dafür Lösegeld zu verlangen. Verkleidet als Vater Zeit schwingt Clock die Sense, eine riesige Sanduhr geht zu Bruch und am Ende wird er von einem fallenden Vorhang zur Strecke gebracht. Moment, wo kommt der denn her? Wir sind doch am Filmset! Egal, hauptsache es geht im letzten Panel in den Knast.

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Batmans fast verlorenes Weihnachten

DC Comics

Titel: The Mystery of Christmas Lost

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Romeo Tanghal, Frank Springer

Erschienen: 1977 (Batman #285)


Batman im Bann des Weihnachtsbaums, ein Schurke mit Umhang wirft einen Dolch auf ihn – was ist denn hier los? Der Schurke ist Dr. Tzin-Tzin, Diabolist und Zauberer. Batman hatte schon mit ihm zu tun, jetzt sitzt der schwarze Magier im Knast von Gotham und entkommt, indem er goldene Ameisen mit Gedankenkraft manipuliert. Allerdings hinterlässt er noch einen Hinweis: „Merry Christmas to the Batman and Gotham City“. Eigentlich ganz nett von ihm – würde sich die Botschaft (geformt von den Ameisen) nicht in ein Fragezeichen verwandeln. Für Batman ist es klar: Tzin-Tzin hat Böses vor an Weihnachten. Nur was?

Das findet er schon bald heraus: Auf dem Rathausplatz steht angeblich der große Weihnachtsbaum in Flammen. Doch als Batman auftaucht, springt ihn bloß ein riesiger Bär an. Kaum nimmt er es mit ihm auf, fesseln ihn die Zweige des Baumes und aus dem Schlund des Bären erscheint Tzin-Tzin. Es ist alles bloß ein böser Zauber. Schließlich beraubt der Schurke Gotham einer Sache, die selbst Batman nicht wiederherstellen kann. Nur Batman wird verschont. (Dazu dient der Dolch.)

Batman in den Fängen eines Weihnachtsbaums – und eines Bären. (DC Comics)

Was die Bürger von Gotham verlieren, ist ihr Bewusstsein für Weihnachten wie überhaupt ihr Gedächtnis: Dick Grayson und Alfred wissen kaum noch, was sie vor einer Minute wollten. Die Menschen können sich kaum noch konzentrieren und wirken planlos. An Heiligabend sind alle unterwegs auf der Straße, als ob es ein normaler Wintertag wäre.

Batman folgt seltsamen Dämpfen in die Kanalisation, auf de Gelände der Gotham Steam Company trifft er den Schurken mit seinen herbeigezauberten, schwertschwingenden Kriegern. Batman schnappt sich eines der Schwerter, zerschlägt ein Ventil, lässt alles in Dampf aufgehen und der Spuk ist vorbei. Was lernen wir aus dieser seltsamen Geschichte? Irgendwie gehört Weihnachten dazu, selbst für Nichtchristen, sonst wirkt das dunkle und kalte Jahresende bloß trist und deprimierend.

Am Ende schmücken Bruce, Dick und Alfred den Weihnachtsbaum und er wird der schönste überhaupt. Leider hat Dick aber kein Geschenk für seine Freundin Lori besorgt. Da holt Bruce einfach eine Perlenkette aus seinem Notfall-Geschenke-Fundus. Merkt euch das: Jeder sollte einen haben. Von Batman lernen, heißt vorbereitet sein.

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Rummelplatz des Grauens

Batman: Gotham Nights Vol. 2 #1-4 (DC Comics)

Titel: Batman – Gotham Nights II

Autor/Zeichner: John Ostrander/Mary Mitchell

Erschienen: 1995 (Miniserie #1-4)


Im Vergnügungspark Little Paris, der auf einer künstlichen Insel vor Gotham liegt, entgleist eine Achterbahn und stürzt ins Meer. Zwölf Menschen sterben, zwölf werden schwer verletzt. Batman, der den Fall undercover mit Schlapphut und Trenchcoat (ja, über dem Kostüm!) untersucht, geht von Sabotage aus.

Um den Park weiter betreiben zu können, muss Inhaber Frank Dunker die Stadtverwaltung bestechen, statt das Geld in nötige Reparaturen zu stecken. Er hat ohnehin Geldsorgen, weil der Park immer weniger Menschen anzieht – die Glanzzeit von Little Paris ist längst vorbei. Kurz darauf stürzt eine Gondel vom Riesenrad ab. Will sich da etwa jemand für alte Sünden rächen?

Wie schon in der ersten Gotham Nights-Miniserie stehen auch hier die normalen Menschen im Vordergrund: Vor allem geht es um Familien und ihre Sorgen, in einer Nebenhandlung bandelt eine junge Frau gleichzeitig mit einem Latino und einem schwarzen Künstler an, was zu Eifersüchteleien führt. Auch der Soap-Faktor ist wieder hoch. Doch anders als beim ersten Mal ist der Personenkreis deutlich enger gefasst und auf Menschen beschränkt, die mit dem Park zu tun haben. Außerdem steht hier der Kriminalfall im Zentrum und Batman hält sich zwar im Hintergrund, bleibt aber ständig präsent, um den Fall zu lösen.

Leider löst er sich so gut wie von selbst, indem der Täter sich schon früh selbst zu erkennen gibt und den ganzen Rummelplatz abfackelt. Dadurch tritt im vierten Teil aber wieder das Drama in der Vordergrund: die Familien, die in Gefahr geraten, die Beziehungen. Der Vater rettet die Tochter, der Sohn den Vater – oder sie versuchen es zumindest. Denn das letzte Wort hat auch hier immer Batman.

Damit ist Gotham Nights II leider deutlich schwächer als der erste Teil. Auch die Zeichnungen von Mary Mitchell wirken sperriger und weniger elegant. Viel wird nach dieser Lektüre nicht im Gedächtnis haften bleiben.

>> Batman 1990-1999

Robin läuft die Zeit davon

Star Spangled Comics #70-74 (DC Comics)

Titel: Clocks of Doom/The Clock Strikes

Zeichner: Win Mortimer, Jim Mooney

Erschienen: 1947 (Star Spangled Comics #70-74, 1947)


„I’ve killed time before, but I’m certainly not going to let time kill me!“ (Robin)

Batman hat seinen Joker. Aber auch Robin hat in seinen ersten Solo-Abenteuern einen Erzfeind: The Clock. Gleich viermal tritt er gegen ihn an. Es beginnt zunächst harmlos. Dick Grayson produziert gerade einen Abenteuerfilm mit einen Mitschülern der Gotham High School, „The Jewels of Doom“, in dem Robin der Held ist. Dick hat das Drehbuch geschrieben. Als sie gerade am Hafen drehen, sehen sie zwei Seemänner in einen Uhrenladen gehen und machen eine Aufnahme von ihnen.

Bei The Clock läuft alles wie ein Uhrwerk. Daher mag er keine Unpünktlichkeit. (DC Comics)

Dadurch kommen die beiden zu spät zu ihrem Chef und der ist gar nicht erfreut. Denn der kann Unpünktlichkeit gar nicht leiden. Er nennt sich nämlich The Clock, sein Name ist Programm, und obwohl er ein Gauner ist, ist auch für einen solchen Unternehmer Zeit gleich Geld. Als die beiden Untergebenen ihm beichten, warum sie zu spät sind, beschimpft er sie als Idioten: Die Filmaufnahmen beweisen, dass sie Platin gestohlen haben. Daraufhin entführen sie Robin und seinen Kumpel, um die Filmaufnahmen zu stehlen. Doch der Film ist bei den anderen Kindern auf Shark Island. Dann machen sich die Ganoven auf den Weg dorthin, allerdings nicht ohne Robin und Kumpel mit einer Zeitbombe im Laden einzuschließen.

Die beiden Helden sägen mit Zahnrädern ein Wasserrohr auf, fluten den Boden und können sich befreien, nachdem die Bombe explodiert ist. Sie verfolgen den Uhrenschurken zu Shark Island und es kommt zum Showdown auf einem Leuchtturm. Clock stürzt Dicks Schulkameradin Mary hinunter, Robin rettet sie heldenhaft, wie im Film. Im Zweikampf wird der Schurke per Zufall von einem Pendel ausgeknockt. Später schreibt Dick aus aktuellem Anlass den Film um: Er trägt den Titel „Clocks of Doom“.

The Clock tarnt sich als Standuhr (DC Comics)

Im Knast macht sich Clock als Uhrmacher fürs Personal nützlich. Doch das ist nur eine Masche, um die Uhren mit Giftnadeln zu versehen, sodass die Wärter ihn auf der Flucht nicht erschießen können (The Clock Strikes, Star Spangled Comics #74, 1947). Sobald er draußen ist, legt er sich einen neuen Stil zu: Er nimmt die Form einer Standuhr ein, sein Schnurrbart wird zu zwei Zeigern, die auf 8:18 Uhr eingestellt sind, Krawatte und Gürtelschnalle bilden ein Pendel.

Sein erstes Ding dreht er in einer Uhrenfabrik, wo er mit Orangenstücken um sich wirft. Da die Säure die Uhren rosten lässt, entsteht eine große Aufregung und der Schurke kann einen Haufen winziger Schrauben stehlen, um später Lösegeld dafür zu verlangen. Könnte man für das Geld nicht einfach neue Schrauben kaufen?

Dank Mehlspuren verfolgt Robin Clock zu einem Geheimversteck in einer alten Mühle (das ebenfalls in einer Bäckerei hätte sein können). Dort wird er überwältigt und in eine perfide Todesfalle gesteckt. Robin hängt an einem Uhrenpendel und soll mit sieben spitzen Uhrzeigern beschossen werden. Damit es fair ist, hat er sieben Minuten Zeit, sich zu befreien. Das schafft er auch – und wie? Mit dem zerbrochenen Glas seiner Armbanduhr.

Big Time: Robin gegen The Clock.

Im Finale sehen wir das, was in keiner Story dieser Jahre fehlen darf: Bei einer Uhrenausstellung springt Clock aus einer übergroßen Kuckucksuhr, reitet auf einem mechanischen Vogel, wirft Rauchbomben und liefert sich mit Robin ein Duell auf einer riesigen Taschenuhr. Doch als er einen Zeiger nach ihm werfen will, wird er von einer Sprungfeder gefangen genommen.

Wem das alles bekannt vorkommt, der irrt nicht: Teile dieser Story wurden später in Detective Comics #265, 1959, wiederverwendet, als Batman gegen eine andere Version von Clock kämpft. Da wird aber behauptet, es sei Batmans allererster Fall. Robins Errungenschaften scheinen vergessen …

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Batman: Earth One Vol. 3 kommt 2021

DC Comics

Fünf Jahre ist es her, seit der zweite Band von Batman: Earth One erschienen ist. Nun hat DC offiziell den dritten Teil angekündigt: Batman: Earth One Vol. 3 soll am 8. Juni 2021 erscheinen. Story und Zeichnungen werden wieder von Geoff Johns und Gary Frank stammen, die auch die ersten beiden Bände gemacht haben.

DC Comics

Die Story in Teil drei dreht sich um das Zwillingspaar Harvey und Jessica Dent. Im letzten Teil ist der Staatsanwalt scheinbar gestorben. Jetzt finanziert er eine Bande schwer bewaffneter Diebe, die Gotham City in Angst versetzen. Bruce Wayne arbeitet mit Alfred, Jim Gordon, Waylon „Killer Croc“ Jones und Catwoman zusammen, um das Schlimmste zu verhindern. Außerdem kehrt sein Großvater zurück: Adrian Arkham.

Das Team Johns/Frank hat bereits an Superman: Secret Origin zusammengearbeitet und war zuletzt mit dem Watchmen-Crossover Doomsday Clock beschäftigt, das zwölf umfangreiche Ausgaben umfasste und immer wieder verschoben wurde. Daher hat sich auch der Batman-Band verzögert. Von Johns ist zuletzt Three Jokers erschienen.

Die Reihe Earth One (Erde Eins) hat DC im Jahr 2010 gestartet, um die Geschichten der klassischen Helden neu zu erzählen und dadurch Leser zu gewinnen, die ohne Vorwissen einsteigen können. Bislang sind drei Bände zu Superman erschienen und jeweils zwei zu den Teen Titans, zu Wonder Woman und Green Lantern. Der dritte Wonder Woman-Teil, geschrieben von Grant Morrison, wurde für 9. März 2021 angekündigt. Außerdem soll es noch Bände zu Aquaman (Francis Manapul) und Flash (J. Michael Straczynski) geben, aber bislang noch ohne Termin.

>> Batman: Earth One Vol. 1

Das Rätsel der drei Joker

Three Jokers #1-3 (DC Comics)

Titel: Three Jokers

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Jason Fabok

Erschienen: 2020 (#1-3), Hardcover 2020


„Batman needs a better Joker.“

Im Jahr 2015 stellte Batman dem allwissenden Möbius-Stuhl die Frage, wie der wahre Name des Joker lautet (Justice League #42). Die Antwort auf diese Frage zog sich lange hin. Acht Ausgaben später hieß es: Es gibt drei. (Siehe auch DC Universe Rebirth.) Und es sollte noch einmal vier Jahre dauern, bis das Rätsel der drei Joker aufgelöst wurde – im Dreiteiler Three Jokers. Hat sich das Warten gelohnt?

Zu Beginn ist der Joker mal wieder als Serienmörder aktiv: Er tötet die letzten Mitglieder der Moxon-Familie, den Comedian Kelani Apaka (der als „Fatman“ auftrat), den Psychiater Dr. Roger Huntoon, schließlich findet man drei weitere grinsende Leichen im ACE-Chemiewerk – verkleidet als Red Hoods. Batman, Batgirl und Red Hood (Jason Todd) vermuten, dass es nicht nur einen Joker gibt. Gemeinsam gehen sie der Sache nach.

Criminal, Clown, Comedian

Und tatsächlich gibt es drei verschiedene Joker: „the Criminal“, „the Clown“ und „the Comedian“. Der Kriminelle ist dem Joker aus Batman #1 (1940) nachempfunden, der Clown ist der alberne Joker, der nach ihm folgte und Jason Todd erschlagen hat (A Death in the Family), der (gescheiterte) Comedian ist der sadistische Zyniker, den man seit The Killing Joke kennt und der Barbara Gordon angeschossen hat. Das Trio arbeiten zusammen als Team und tut das, was sie angeblich immer tun. Nein, nicht die Weltherrschaft an sich zu reißen, sondern einen besseren Joker herzustellen. (Denn dazu reicht es, jemanden in die bekannte Chemiebrühe zu tunken, die sogar das Wunder vollbringt, die Kandidaten physiognomisch anzupassen, sodass selbst Batman der Unterschied nicht auffällt.)

ACHTUNG: SPOILER!!!

Dazu verwandeln sie sehr viele Menschen in Joker-Wiedergänger, die meisten davon sterben. Es gibt ein Wiedersehen mit lachenden Fischen und auch Jason Todd ist ein heißer Kandidat für den Posten – immerhin trägt er die ursprüngliche Maske des Mannes, dem er seine Existenz (bzw. Wiedergeburt) zu verdanken hat (siehe Under the Hood). Als er sich weigert, wird er wieder mit einer Brechstange traktiert. Schließlich soll alles auf Joe Chill als neuen Joker hinauslaufen – den Mann, der Bruce Waynes Eltern ermordet hat und seitdem eine lebenslängliche Haftstrafe absitzt.

Aber wozu das alles? Der Joker will für Batman bedeutsamer werden. Also noch bedeutsamer, als er es ohnehin schon ist. (Denn eigentlich dominiert er derzeit die Comics und Filme so sehr, dass ihm weniger Bedeutung ganz gut täte.) Aber wie dem auch sei: Der wahre Joker inszeniert das alles nur, um Batman mit Joe Chill zu versöhnen und damit dessen größte Wunde zu heilen. Der Joker, der um Batmans Geheimidentität weiß, will selbst an diese Stelle treten, um ihm den größtmöglichen Schmerz zufügen zu können.

Undefinierbare Definition des Jokers

Three Jokers Cover

Three Jokers (DC Comics)

Three Jokers ist der Versuch, die 80-jährige Joker-Tradition zu einem kompakten Paket zusammenzuschnüren und die widersprüchlichen Joker-Inkarnationen miteinander zu versöhnen. Das ist an sich ein interessanter Ansatz, aber am Ende bleiben doch offene Fragen und Rätsel. Das muss auch so sein, denn, wie der Joker selbst einräumt: „A defined Joker? One with a name? An identity? Why, that ruins the very definition of me.“ Daher bleibt auch die Frage nach dem wahren Namen bzw. der Identität zum Schluss ungeklärt. Das scheint aber nur zum Teil konsequent, wenn man sich daran erinnert, dass der ganze Anlass doch erst Batmans Frage nach dem wahren Namen war.

Doch am Ende offenbart Batman, dass er den wahren Namen des Jokers längst kennt, der aber unwichtig sei, um die Identität der Frau zu schützen, die einst vor dem Joker davongerannt ist. Warum also die Frage an den Möbius-Stuhl? Als Leser könnte man sich leicht veralbert vorkommen. Denn am Ende läuft die Geschichte nicht nur auf ein „Egal“ hinaus, sondern sie bleibt auch egal: Nichts, was hier passiert, hat gravierende Konsequenzen, sondern endet im bekannten Status quo – aus drei Jokern wird wieder einer, ohne dass sich etwas am Verhältnis zu Batman wirklich ändert.

Der wahre Namen des Jokers

Allerdings gibt es doch einen Hinweis auf den wahren Namen: Im allerersten Panel sehen wir den Buchstaben W auf dem Grabstein der Waynes in Nahaufnahme. Auf dem Koffer von Jokers Frau stehen die Initialen „J.W.“ – und damit dürfte auch der Bogen zum Joker-Film geschlagen sein, in dem zumindest die Möglichkeit erwogen wird, der Joker und Batman könnten miteinander verwandt sein, Halbbrüder. Aber abseits der Spekulation ist es auch nicht so wichtig. Oder doch? Die Fans dürften für die nächsten Jahre jedenfalls etwas zum Rätseln haben – auch wenn uns Autor Geoff Johns uns weismachen will, dass der Witz gerade im Rätsel, nicht in der Lösung besteht.

Three Jokers liefert also eine Menge Stoff, dazu viele Horrormomente und große Dramatik. Jason Todd wird zum Mörder und Rächer an seinem Peiniger. Er entzweit sich beinahe mit Batman und Batgirl, bandelt aber daraufhin kurz mit ihr an, nur um alles wieder zu annulieren. Trotzdem bleibt die Story einfühlsam und psychologisch meist überzeugend.

Remix von Altbekanntem

Belesene Fans werden zahlreiche Anspielungen an die großen Joker-Storys erkennen, vor allem steht die Geschichte – auch optisch – tief in der Schuld von The Killing Joke. Sie ist sozusagen zugleich spirituelle Fortsetzung und Hommage. Zeichner Jason Fabok muss den Vergleich mit Brian Bolland nicht scheuen. Seine präzisen und ausdrucksstarken Zeichnungen veredeln jede Story und dank vieler wortloser Panels ist es ein Genuss, ein Comic zu lesen, das sich – trotz vieler Worte – auch oft auf das Storytelling mit reinen Bildern verlässt. Allein die ersten Seiten, auf denen die Geschichte der Wunden auf Bruce Waynes vernarbtem Körper erzählt wird, sind grandios inszeniert.

Aber es bleibt ein Gefühl zurück, das man auch schon nach anderen Joker-Storys der vergangenen Jahre hatte, wie etwa Death of the Family und Endgame: Three Jokers versucht so sehr, dem Joker eine neue Seite abzutrotzen, dass es sich immer wieder in der Tradition verfängt. Mit anderen Worten: Es wirkt alles wie schon einmal dagewesen. Wie eine Kapitulation: Da es nichts Neues geben kann, gibt es eben bloß einen Remix des Altbekannten. Der Joker ist auch hier der von Batman Besessene, der mit ihm bis auf den gemeinsamen Tod hin kämpfen will, aber diesen noch hinauszögert – ungeachtet dessen, dass genau dieser Kampf in Endgame bereits stattgefunden hat. Insofern wirkt Three Jokers auch seltsam geschichtsvergessen.

Und so ist das Einzige, was an neuer Erkenntnis über den Joker übrig bleibt, das hier: „It hurts when I laugh.“

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