Comic

Batman gegen Mr. und Mrs. Freeze

DC Comics

Titel: Cold Vengeance

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Doug Mahnke

Erschienen: 2020 (Detective Comics #1012-1017), Hardcover 2020 (Detective Comics Vol. 4)


Mister Freeze lässt ein paar junge Frauen entführen, um ein Serum an ihnen zu testen. Damit will er seine Frau Nora endlich wieder zu den Lebenden zurückholen. Als eine Entführung schiefgeht, wird Batman auf den Schurken aufmerksam. Kaum hat er Freezes Aufenthaltsort herausbekommen, steigt Batman in eine supercoole … äh … superheiße Feuerrüstung, um den kalten Gegner auf Eis zu legen … oder besser gesagt: ihm gehörig einzuheizen.

Victor Fries jagt ein paar Eiszombies auf ihn (darunter auch einige Tiere, echt creepy), so gelingt ihm mit Nora die Flucht und er muss sein Serum ohne weitere Versuchspersonen an Nora testen. Es klappt – doch sie ist gar nicht erfreut, als sie erwacht. Sie macht ihm schwere Vorwürfe, ihren letzten Wunsch nicht respektiert zu haben. Doch obwohl Freeze sie ebenfalls auf den absoluten Nullpunkt herunterkühlt (fragt sich nur, wie man sich dann noch rühren kann), lässt sie sich schnell umstimmen und wird zu seiner Komplizin. Fortan rauben Mr. und Mrs. Freeze Banken aus und frieren haufenweise Menschen ein.

Wie einst Bonnie und Clyde: Mr. und Mrs. Freeze. (DC Comics)

Hier könnte die Geschichte unglaubwürdig werden, aber dann kommt zum Glück eine halbwegs glaubwürdige Erklärung: Da das Serum nicht ausgereift war, greift es Noras Gehirn an – sie wird zur Soziopathin. Nachdem sie ihren Mann fallen lässt, bittet Victor Freeze Batman um Hilfe, seine gemeingefährliche Frau wieder einzufangen. Und so kommt es zum Team-up von Eis und Heiß …

Heiß und Eis: Batman & Mr. Freeze. (DC Comics)

Endlich mal wieder eine brauchbare Mr. Freeze-Story. Endlich kommt die Sache mit Nora voran. Dass sie dasselbe Outfit trägt wie ihr Mann, ist einfallslos, dass sie völlig durchgeknallt ist, macht sie als Charakter uninteressant, denn sie hat eigentlich keine richtige Agenda, als sich ihre langgehegten Wünsche zu erfüllen, wie etwa auf einer Bühne zu tanzen (auch wenn es vor erfrorenem Publikum ist). Da war die Motivation ihres Mannes bisher noch nachvollziehbarer. Allerdings gibt sie eine gute Analyse von Victor ab:

„All those crimes you commited to save me when all you were doing was trying to fill a hole in yourself! You need me frozen in more ways than one to give your life meaning!“

So ist es leider. Bis Nora (in Batman: TAS) war Freeze eine Witzfigur. Erst seine kranke Frau hat ihm Tiefe und Ernsthaftigkeit verliehen. Aber was macht Freeze ohne Nora? So eine Variante des Schurken muss noch erfunden werden. Aber es ist schon mal gut, dass der erste Schritt getan ist. Schade, dass das alles in fünf Ausgaben abgehandelt werden muss. Aber dank der grandiosen Zeichnungen von Doug Mahnke ist dieses Comic auf jeden Fall etwas fürs Auge.

Zum Schluss des Bandes gibt es noch eine Kurzgeschichte als Zugabe, in der Batman und Robin untersuchen, warum ein Junge aus dem Wayne-Waisenhaus abhaut. Auch nicht verkehrt. Allerdings hätte man aus dem Menschenhändler-Thema mehr machen können. Darin steckt Potenzial für eine Batman-Story, die wohl noch erzählt werden muss.

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Der Batman-Jahresrückblick 2020

Auch Batman und Robin halten zwei Meter Sicherheitsabstand. (DC Comics)

Was für ein Jahr … Man kann das eigentlich jedes Jahr schreiben – und jedes Mal mit einem Ausrufezeichen. Ich beende den Satz lieber mit drei bedeutungsschwangeren Auslassungspunkten. Die drei verhängnisvollen Silben, für die sie stehen, könnt ihr euch denken: Corona. Auch der Comicmarkt war davon betroffen, Erscheinungstermine wurden verschoben, der Handel hat Einbußen erlitten.

DC baute seine Digital First-Serien aus, daraus ging die Anthologieserie Batman: Gotham Nights hervor, die leider nicht all zu viele Blüten bot, sondern viel Durchschnittsware für eine Klolektüre.

In den Comics selbst ging es wie gewohnt weiter. Viren spielen bei Batman immer wieder eine Rolle (siehe Contagion und DCeased), aber sonst passierte, was immer passierte – und das ist das Problem. Nicht, dass Batman sofort die Coronakrise kommentieren muss. Ein wenig Eskapismus in trüben Tagen tut auch mal ganz gut. Aber das Meiste, was an Output kam, war schwach. Nun kann man mit Sturgeons Gesetz sagen, das ist ein Gemeinplatz, 90 Prozent von allem ist immer Mist. Aber vielleicht sollte man dabei ansetzen, weniger herauszubringen.

Wir leiden unter einer Batman-Überdosis. Alle zwei Wochen erscheinen die beiden Hauptserien Batman und Detective Comics (also je 24 Ausgaben im Jahr). Dazu gibt es die monatlichen Serien Batman/Superman, Batman Beyond und Batman and the Outsiders (mittlerweile eingestellt). Dazu noch Gotham Nights, die zuerst wöchentlich, dann nach einer Pause alle zwei Wochen erscheint. (Außerdem kommt Batman noch in Justice League vor.) Insgesamt also hat man über 100 Hefte bzw. Einzelausgaben im Jahr – und da sind noch nicht die Miniserien, Specials und Neuauflagen berücksichtigt.

So sehr sich die fortlaufenden Serien mit schockierenden Wendungen und welterschütternden Spektakeln überbieten – das Meiste davon bleibt routinierte Durchschnittsware. Es gibt kaum Entwicklung. Zwar gibt es immer wieder weltbewegende Ereignisse, aber trotzdem bleiben die großen Innovationen aus. Daher: Weniger wäre mehr. Vor allem mehr Qualität. Und tatsächlich hat Batman-Autor James Tynion IV (Their Dark Designs) auf Twitter angekündigt, dass die Serie ab März wieder monatlich erscheinen soll. Ob das auch für Detective Comics gilt, ist noch unklar, aber wahrscheinlich.

Batgirl, Azrael, Joker by Sean Murphy

Cover zu Curse of the White Knight (DC Comics)

Trotzdem denke ich, dass in abgeschlossenen Miniserien und Specials das meiste Potenzial steckt. Denn das Beste, was ich in diesem Jahr lesen durfte, waren Storys außerhalb der fortlaufenden Serien: an erster Stelle Sean Murphys Fortsetzung von Batman: White Knight, Batman: Curse of the White Knight. Batmans Kampf mit Azrael war keineswegs ein Aufguss von Knightfall, sondern ein Ansatz, der an Radikalität kaum zu überbieten ist. An solchen Storys nimmt man als Leser wirklich Anteil. Leichte Kost hingegen war Batman: Universe von Brian Michael Bendis und Nick Derrington – das war einfach nur schön, etwas quatschig, hat aber Spaß gemacht, und zwar so richtig.

DC Comics

Gleich dahinter zu nennen ist Jeff Lemires verstörende Horrorstory Joker: Killer Smile. Hier hat vor allem Zeichner Andrea Sorrentino mal wieder ein kleines Meisterwerk geschaffen. Das lang erwartete Three Jokers von Geoff Johns und Jason Fabok hat bei mir eher gemischte Gefühle hinterlassen. Unterhaltsam ist der Dreiteiler auf jeden Fall, dazu großartig inszeniert. Aber bei all den Erwartungen, die davor aufgebaut wurden, ist das Ergebnis enttäuschend belanglos.

Und damit kommen wir zum zweiten Problem: Es gibt zu viel Joker. Und das liegt nicht nur am 80-jährigen Jubiläum in diesem Jahr, zu dem ein ordentliches Special herauskam. Alle DC Black Label-Batman-Serien haben einen starken Joker-Bezug, auch in der Hauptserie tobte mal wieder ein groß angelegter Joker War (Besprechung folgt nächstes Jahr). Ohne Joker geht es nicht. Aber dieser Verkaufsmagnet läuft sich tot. Es wird immer schwieriger, noch etwas Neues über diesen Schurken zu sagen. Vor allem, weil in letzter Zeit auch der Film uns zwei geniale Varianten geliefert hat.

Aber DC wird solche Appelle sicher nicht hören, solange die Kassen weiter klingeln. Batman ist vor allem Big Business. Und es läuft wie geschmiert. Deshalb wird es ab März auch eine monatliche Joker-Solo-Serie geben – wie schon in den 70ern.

Robin I-V von Andy Kubert und Brad Anderson (DC Comics)

Doch in diesem Jahr wurde nicht nur der Joker 80 Jahre alt, sondern auch Robin und Catwoman. Auch sie bekamen 100-seitige Specials mit Kurzgeschichten gewidmet, die waren allerdings eher enttäuschend. Viel lieber habe ich klassische Storys von Robins ersten Solo-Abenteuern in der Serie Star Spangled Comics gelesen.

Zum Schluss noch etwas in eigener Sache: Für das Batman-Projekt war es ein gutes Jahr. Die Abrufzahlen sind wieder stark angestiegen und ich habe die Marke von insgesamt 1300 Beiträgen überschritten (seit 2014). Weitere Übersichtslisten sind hinzugekommen. Anfang des Jahres habe ich die Werbung von der Seite geschafft und dafür euch die Möglichkeit gegeben, mich bei der Finanzierung der Seite zu unterstützen. Das hat geklappt. Die Kosten sind wieder drin. Dafür danke ich allen Unterstützern.

Es stecken seit sechseinhalb Jahren unzählige Stunden Arbeit in diesem Blog und ich leiste sie gerne, weil es mir große Freude bereitet, Neues über Batman herauszufinden und meine Eindrücke mit euch zu teilen (auch wenn das Lesen der Comics nicht immer Spaß macht). Schön, dass ihr dabei seid und mich motiviert, immer weiterzumachen. Deshalb noch einmal: Danke, danke, danke!

Ich wünsche euch frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr!

Batman und die Mörderpuppen

DC Comics

Titel: The Hot Toys This Christmas

Autor/Zeichner: Mark Russell/Scott Koblisch

Erschienen: 2020 (Gotham Nights #22)


„A little on the nose, isn’t it? – Our research shows that subtlety is overrated.“

Weihnachten in Gotham bringt in Menschen das Beste hervor – und das Schlechteste. „It’s the time of year when we take a break from the craziness of the outside world and let the madness into our homes.“ So sieht es jedenfalls Batman und er bekommt auch allen Grund dazu. Toyman verkauft eine sprechende Puppe namens Benny, sie wird zum Besteller – und zum Mörder. Kurz vor Weihnachen wird eine vierköpfige Familie abgestochen. Dann greift Benny auch Batman an.

Obwohl die Polizei Beweise hat, dass die Puppe tödlich ist, wird seltsamerweise weder Toyman verhaftet noch die Produktion eingestellt. Man sieht lediglich Gordon an einer TV-Debatte seinen Verdacht äußern. Dabei muss er mitanhören, wie die Menschen die Gefahr, ermordet zu werden, in Kauf nehmen, um den Wunsch ihrer Kinder zu erfüllen. Damit wird der Konsumismus, der alle Jahre wieder ein neues Spielzeug zum Weihnachtsbestseller macht, auf eine absurde Spitze getrieben.

Batman Christmas Tree

Batman wünscht frohe Weihnachten (DC Comics)

Aber wozu das alles? Toyman will mit dem Puppenmassaker Chaos stiften, um die Polizei beschäftigt zu halten und seinen Vater aus dem Knast zu befreien. Batman tut das, was die Polizei aus rätselhaftem Grund versäumt: Er hält den Toyman auf und programmiert die Puppen so um, dass sie ihn und seine Sturmtruppen angreifen. Am Ende sehen sich Vater und Sohn im Knast wieder, die ganzen Bennys verteilen Suppe an die Obdachlosen und Alfred bekommt zwei Wochen Italienurlaub geschenkt.

Trotz aller Zeitkritik findet sich vom Coronavirus bei Batman keine Spur. Andererseits könnte man die Geschichte auch als Allegorie auf die Pandemie lesen: Die Leute feiern Weihnachten auf Teufel komm raus und holen sich damit den potenziellen Tod nach Hause. Lieber lässt man Menschen sterben, als sich an dem Tag einzuschränken. Weit hergeholt? Vielleicht. Aber auch in der realen Welt gilt: Weihnachten bringt das Beste in Menschen hervor – und das Schlechteste.

>> Batman zu Weihnachten

Batmans letztes Weihnachten

DC Comics

Titel: The Batman’s Last Christmas

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Jim Aparo

Erschienen: 1982 (The Brave and the Bold #184)


Tut mir leid: Dieser Titel allein dürfte schon die Erinnerung an einen Weihnachts-Evergreen wecken und euch einen schrecklichen Ohrwurm verpassen. Aber keine Sorge, ich baue diesmal kein passendes Musikvideo ein – dieses Blog hat ja immer noch einen guten Ruf zu verlieren. Der Song würde hier auch gar nicht passen, schon das Cover verspricht großes Drama: „My parents deserved to die – and the Batman must die as well!“, schreit Batman am Grab seiner Eltern und reißt sich die Maske vom Gesicht. Wie konnte es dazu kommen?

Eigentlich ist Batman kurz vor Weihnachten damit beschäftigt, Santa Claus zu spielen, indem er Waisenkindern einen Sack voller Geschenke vorbeibringt. Dann bittet ihn Commissioner Gordon um Hilfe, um den Gangsterboss „Spurs“ Sanders zu fassen. Dessen Buchhalter wollte Beweismittel an die Polizei übergeben, aber die wurden abgefangen. Batman findet Sanders Handlanger, da dieser zum Glück ein auffälliges Kostüm trägt: als Weihnachtsmann. Eigentlich nichts ungewöhnliches so kurz vor Weihnachten, aber Batman erkennt ihn sofort auf der Straße, weil er nun mal Batman ist.

Kaum ist der Übeltäter überwältigt, schlägt Batman die Akte auf und liest, dass sein Vater, Thomas Wayne, Sanders Geld geliehen haben soll, damit dieser zum Boss aufsteigen kann. Als der falsche Weihnachtsmann Batman erschießen will, taucht aus dem Nichts Huntress auf und rettet ihm das Leben. Huntress ist Helena, die Tochter von Bruce und Selina von Erde 2. Da sie einsam ist, will sie Weihnachten mit ihrem Onkel von Erde 1 verbringen. Sie fragt sich, was für ein Geschenk sie ihm besorgen könnte, wenn er doch alles hat.

Doch Bruce hat andere Sorgen: Sein Vater war anscheinend ein Krimineller. Was tun? Da bringt ihn Helena auf eine brilliante Idee: Du bist Detektiv, finde es heraus! Stimmt, sagt Bruce, so mach ich’s. Erste Station: der ehemalige Buchhalter seines Vaters. Dessen Aufzeichnungen bestätigen, dass Thomas regelmäßig 10.000 Dollar abgehoben hat, ohne sie zu erwähnen. Spurs soll das Geld erhalten haben. Zweite Station: ein Besuch bei Spurs, der beweist die Affäre mit einem Tonband, auf dem Thomas zu hören ist.

Bruce hat dann genug: Er verdammt den eigenen Vater, er sei nicht besser als die schlimmsten Verbrecher, dann schmeißt er als Batman hin, weil er sonst ein ebenso großer Heuchler wäre. Bruce zieht sich also zurück in die High Society, wo er umgarnt von schönen Frauen schmollt und einsam bleibt. Ein Leben ohne Batman ist möglich, aber sinnlos.

Als dann der falsche Weihnachtsmann vom Anfang fast ermordet wird, rettet Huntress ihm das Leben, Bruce sieht es und erkennt: Er ist Batman nicht seinem Vater zuliebe, sondern um Menschenleben zu retten und andere vor seinem Schicksal zu bewahren. Dann erinnert er sich ein sein letztes Weihnachten mit den Eltern und erkennt, dass der Buchhalter der Schurke ist, der den Namen Wayne in den Schmutz gezogen hat.

Und so hat Helena doch ein Geschenk für den Onkel: Sie hat Batman seinen Glauben und seine Bestimmung wiedergegeben. Batman erneuert seinen Schwur am Grab der Eltern.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

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Robin allein gegen den Joker

DC Comics

Titel: Robin Vol. 2: Triumphant

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Tom Lyle, Bob Smith

Erschienen: 1991-1993 (Batman #465, 467-469, Robin II: The Joker is Wild #1-4, Robin III: Cry of the Huntress #1-6), Paperback 2016


Tim Drakes Bewährungsprobe geht weiter. Diesmal darf er Batman dabei helfen, einen Bandenkrieg aufzuhalten. Oder vielmehr: Er darf nicht. Denn nachdem ein Junge, der als Robin kostümiert wurde, tot aufgefunden wird, will Batman Tim raushalten, um ihn nicht zu gefährden. Dass er ihn auch dann jedes Mal gefährdet, wenn er mit ihm Verbrecher zusammenschlägt, scheint ihn sonst wenig zu kümmern. Egal. Hinter der Rachedrohung steckt der Schurke King Snake (Sir Edmund Dorrance), der in der ersten Robin-Miniserie (siehe Robin Vol. 1) in Hong Kong die Pest ausbrechen lassen wollte, aber von Robin und Shiva aufgehalten wurde. Eigentlich ist der Mann mit dem Schlanentattoo gestorben, hat sich aber von dieser kleinen Misslichkeit schnell wieder erholt. Jetzt führt er in Gotham die Ghost Dragons an.

Es wird mit großen Waffen geschossen. Am Ende ist auch Batman im Kreuzfeuer. Robin rettet ihn, weil er sich – ganz in der Tradition – dem Hausarrest wiedersetzt. Trotzdem gibt es Schelte. Batmans Leben retten hin oder her: Befehl ist Befehl.

Tim Drake trifft den Joker

Im zweiten Teil des Bandes, der zweiten Robin-Miniserie, tritt Tim gegen den Joker an – und zwar allein, weil Batman sich irgendwo auf der Südhalbkugel herumtreibt. Na ja, nicht ganz allein: Zum Glück hat er noch Alfred und Gordon. Der Joker büchst mal wieder aus Arkham aus, als er Besuch von seiner „Mutter“ bekommt und keiner der schwerbewaffneten Polizisten und Sicherheitsleute auf die Idee kommt, die Frau gründlich zu überprüfen oder wenigstens nachzuschauen, ob es sich um eine Frau handelt.

Dann entführt der Joker einen Computer-Spezialisten und lässt ihn mit einem Virus Chaos in Gotham verbreiten: Strom fällt aus, Beamte bekommen keinen Lohn. Seine Forderung: eine Milliarde Dollar, überbracht von Batman persönlich. Aber der ist bekanntlich nicht verfügbar, also muss sich Robin etwas einfallen lassen.

Eine vierteilige Joker-Story hört sich schon dem Namen nach wie das Herzstück dieses Bandes an, aber warum eigentlich? Doch nur wegen des Promi-Faktors. Der Joker ist hier der typische Chaosstifter, der schlechte Witze reißt. Sein Erstaunen darüber, dass Robin immer noch oder wieder lebt, nachdem er ihn umgebracht hat (Death in the Family), bleibt leider folgenlos. Und dann gibt es noch die üblichen Löcher im Plot, wenn der Joker etwa mit einem Schneepflug abhaut und Robin nicht einmal daran denkt, ihn zu verfolgen oder wenigstens von der Polizei verfolgen zu lassen – man müsste doch nur der Schneespur folgen.

Robin trifft Huntress

In der längsten Geschichte des Bandes, Robin III: Cry of the Huntress, trifft Robin auf – ihr ahnt es – Huntress. Gemeinsam kämpften sie gegen KGBeast und (schon wieder) King Snake. KGBeast arbeitet für eine Art russische Mafia, die Falschgeld drucken will – „Eurodollar“, was aber anscheinend nicht echte Eurodollars meint, sondern eher etwas wie den Euro – die Währung der Zukunft, angeblich die stabilste der Welt.

Das muss uns auch gar nicht sehr kümmern, denn das Wichtigste ist der emotionale Kern: Tim Drake wird auf das alles aufmerksam, als eine hübsche junge Frau in die Fänge der Bande gerät, ihr Vater getötet wird und dann auch (augenscheinlich) sie. Robin ist also dank der Liebe hochmotiviert, den Fall zu lösen. Ohne Batman. Dafür mit Huntress. Was Batman gar nicht gut fände, aber zum Glück hält Alfred dicht.

Und dann hat Robin noch Ärger in der Schule. Nicht nur, dass die ganzen Nachtschichten aufs Gemüt drücken, auch die Verletzungen geben Anlass zur Sorge. Eine Vertrauenslehrerin verdächtigt Bruce Wayne, Tim zu misshandeln. Vater Drake, der sich in seiner Rolle zurückgesetzt fühlt, will Tim wieder zurück auf ein Internat schicken – in Metropolis.

Huntress hat dagegen mit Sexismus zu kämpfen. Jedenfalls macht sie ständig feministische Bemerkungen, was unfreiwillig komisch wirkt, weil sie selbst in einem tief ausgeschnittenen Badeanzug herumläuft. Der praktische Nutzen der nackten Haut bleibt fraglich – besonders in der Kälte, die hier offenbar herrscht. Erst recht fragt man sich, wie sie es hinbekommt, dass ihr Umhang so weit von ihrem Schultern absteht – und wozu.

Und so bleibt auch der zweite Robin-Band zu Tim Drake ein solides Stück 90er-Jahre Nostalgie auf einem mittelmäßigem Niveau von leichter Unterhaltung.

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DCs nächste Phase: „Infinite Frontier“

Das Cover zu „Infitinite Frontier“ von Dan Jurgens und Mikel Janín. (DC Comics)

Anfang 2021 pausiert DC seine Serien zwei Monate lang für das große Event Future State, danach geht es offenbar in einer neuen Richtung weiter. Zum Auftakt bringt der Verlag am 2. März 2021 den One-shot Infinite Frontier #0 heraus, ein 64-seitiges Special mit Kurzgeschichten, die der Startpunkt für eine Reihe weiterer Geschichten sind, darunter die kommende Joker-Solo-Serie von James Tynion IV und Guillem March.

Ansonsten übernimmt Brian Michael Bendis (Batman Universe) nach seiner Superman-Verpflichtung die Serie Justice League, es wird eine neue Storyline um Wonder Woman geben, auch die Titans und Stargirl kriegen in dem Special eigene Geschichten – falls ihr das wissen wolltet.

Autor Joshua Williamson kündigt an, das Heft werde sich anfühlen wie der Beginn einer neuen Ära für DC, in der alles möglich sei. Von einem erneuten Reboot ist nicht die Rede, das gab es ja auch erst 2011 mit The New 52, gefolgt von dem Soft-Reboot DC Universe Rebirth 2016. Andererseits: Es ist schon wieder fast ein Jahrzehnt rum – und unendliche Geschichten verlangen hin und wieder nach einem Neustart. Die Nummerierung der Serien soll aber allem Anschein nach wie gewohnt weiterlaufen, also sind keine allzu großen Umstürze zu erwarten. Noch nicht.

Die Uhr des Verbrechens

Alle 24 Stunden ein Verbrechen mit Ansage: Batman gegen Clockmaster. (DC Comics)

Titel: The Crimes of the Clockmaster

Autor/Zeichner: Jerry Coleman/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1961 (Batman #141)


„A twisted criminal mind like his is capable of anything!“

Nachdem wir schon Schurken wie Clock und diverse Clock Kings und einen Time Commander kennengelernt haben, kommt nun ein weiterer Zeitschurke: der Clockmaster. Der schickt der Polizei einen Kasten mit einer Crime Clock, die alle 24 Stunden mit einem Rätsel ein Verbrechen ankündigt. Batman und Robin bringen das Ding (ohne es vorher auf Sprengstoff zu untersuchen) in die Bathöhle.

Uhrenschurken tragen gern Glatze: Clockmaster. (DC Comics)

Als die Crime Clock sich zum ersten Mal öffnet, erscheint ein Gebäude mit einem Strand auf dem Dach. Das führt sie zu einem Nachtclub, der von Gaunern ausgeraubt wird. Doch als Batman und Robin die Räuber festnehmen, behaupten sie, sie wüssten nichts von einem Clockmaster, sie seien von einem gewissen „Handy“ angeheuert worden. Das Ganze ist nur eine Masche, mit der der Clockmaster von seinem wahren Ziel ablenkt.

Als nächstes erscheint in der Crime Clock ein Schädel mit einem Würfel, auf dem die Buchstaben P und T stehen. Skull plus P plus T ergibt Sculpt und das kann (was sonst?) nur die National Scuplting Exhibit sein. Also los, wieder das gleiche Spiel, wieder kein Hinweis auf den Schurken. Schließlich erscheint ein Ofen mit einer Blume darin – ab zur Gotham Baking Company (als ob es nur eine Bäckerei in der Großstadt gäbe)! Doch der Clockmaster hat es auf eine Juwelenausstellung abgesehen.

Man teilt sich diesmal auf: Robin eilt also zur Bäckerei, fällt scheinbar auf die Finte rein. Aber Batman erscheint in der Juwelenausstellung und erwischt den Clockmaster auf frischer Tat. Der Hinweis sei nämlich ein doppelter gewesen, behauptet Batman. „To me, rocks in a stove meant hot rocks … criminal slang for stolen diamonds!“ Aber so sei das gar nicht gemeint gewesen, behauptet der Clockmaster. Ein unbewusster Hinweis? Wer kann schon erahnen, wozu so verdrehte Köpfe fähig sind …

(Übrigens: In derselben Ausgabe kämpfen Robin und Batgirl gegen The Moth.)

>> Batman 1960-1969

Batman und Plastic Man bringen Weihnachten zurück

DC Comics

Titel: The Night the Mob Stole X-Mas!

Autor/Zeichner: Bob Haney/Joe Staton, Jim Aparo

Erschienen: 1979 (The Brave and the Bold #148)


Weihnachten klauen? Wer die Geschichte vom Grinch kennt, der weiß, das geht doch gar nicht. Aber bei Batman geht bekanntlich alles, oder zumindest soweit, dass er es verhindern kann. Doch zunächst werden Zigaratten geklaut. Ein Laster voller illegal geschmuggelter Kippen wird leergeräumt, der Fahrer getötet – das Werk sogenannter Buttlegger.

Doch dann wird auch noch die berühmte Weihnachtsauslage des Lacey Department Store gestohlen. „What would the holiday be without it?? Beautiful!“, denkt sich Batman beim Vorbeifahren mit dem Batmobil. Tja, und dann ist die ganze Deko kurz darauf plötzlich weg – gestohlen! Und dabei wurde noch Plastic Man entführt, der als Weihnachtsmann verkleidet Spenden gesammelt hat. Doch dann gelang es ihm, trotz eines Schlages auf den Hinterkopf, noch eine Botschaft für Batman in den Schnee zu schreiben.

Fein rausgeputzt zu Weihnachten: Plastic Man und Batman in der Autowaschanlage. (DC Comics)

Batman folgt dem Laster der Diebe mit dem Whirlybat, an der nächsten Tankstelle versucht er, die Gauner zu überwältigen, aber dann landet er in einem Becken voller Diesel – Plastic Man muss ihn retten. Einen Besuch in der Autowaschanlage später folgen die beiden Helden der Spur nach Florida, wo die Bande (die zufällig auch hinter dem Buttlegging steckt) die Weihnachtsdeko aus Gotham aufgestellt hat, um eine andere Bande damit zu beeindrucken – damit will Gangster Big Jake Doyle kurz vor seinem Tod Frieden mit der Konkurrenz schließen. (Plastic Man soll Weihnachtsmann spielen.)

Batman und Plastic Man als Weihnachtsdeko für Gauner. (DC Comics)

Doch die Sache ist nur ein Trick, um die Konkurrenz auszuschalten. Kaum sind die Gäste da, werden sie mit Kugeln durchlöchert. So zumindest der Plan. Denn zum Glück lassen sich Batman und Plastic Man vorher von den Gaunern (scheinbar) gefangen nehmen. Dadurch können sie das Schlimmste verhindern. Plastik Man bläst sich zu einem Riesenkissen auf, dann wird er zur Schneekanone. Schließlich zwingen die Helden die Gauner dazu, Gotham seine Weihnachtsdeko zurückzubringen.

Worum es in Gotham zu Weihnachten geht. (DC Comics)

„Batman, it’s a miracle!“, sagt der Bürgermeister. „You cracked the buttlegging ring and saved the city’s holiday!“ Na ja, eigentlich sollte die Botschaft einer solchen Geschichte lauten: Weihnachten braucht den ganzen Klimbim nicht, es geht bei dem Fest doch um menschliche Werte. Aber nein, hier dient Batman bloß als Wiederbeschaffer von Werbung für ein Konsumunternehmen. Anders als beim Grinch lautet die Moral also: Weihnachten kann man nicht klauen – solange es einen Batman gibt.

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Eine neue Serie für den Joker

Schon wieder Joker? Jetzt auch noch mit eigener Serie. (DC Comics)

An Joker-Material mangelt es derzeit nicht wirklich. 2017 kämpfte er gegen den Riddler, 2018 vereitelte er Batmans Hochzeit mit Catwoman (oder trug zumindest dazu bei), in diesem Jahr gab es den großen Joker-War. Und dann trat er noch in allen Batman-Titeln von DC Black Label auf: vom White Knight über Killer Smile bis hin zu Three Jokers in diesem Jahr. Die Auftritte in Filmen lasse ich mal beiseite. Denn es reicht langsam mit dem Clown, oder?

Nein, denkt sich DC, noch lange nicht. Daher gibt der Verlag dem Joker eine eigene fortlaufende Serie. In The Joker ist der Titelheld auf der Flucht, er ist der meistgesuchte Mann der Welt, nicht nur Commissioner James Gordon ist hinter ihm her. Geschrieben wird das Ganze von James Tynion IV, der gerade die Batman-Hauptserie verantwortet (siehe Their Dark Designs) und auch den Joker War geschrieben hat, gezeichnet wird es von Guillem March.

Außerdem wird die Serie eine Back-up-Story über den neuen Joker-Sidekick Punchline enthalten. Hier holt sich Autor Tynion Verstärkung von Co-Autor Sam Johns und Zeichnerin Mirka Andolfo, die bereits den Punchline-One-shot illustriert hat. Die Story: Die Antiheldin wird Insassin von Blackgate, während Harper Row alias Bluebird versucht, ihren Bruder davor zu bewahren, unter Punchlines schlechten Einfluss zu kommen.

The Joker wird 40 Seiten pro Heft umfassen und 4,99 US-Dollar kosten. Geplanter Start ist am 9. März 2021.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Joker seine eigene Serie bekommt. Seine erste hatte er bereits von 1975 bis 1976. Sie war geprägt von Albernheiten und hielt gerade mal nur neun Ausgaben durch. Eine zehnte wurde zwar gezeichnet, aber nicht mehr gedruckt – bis 2019 im Joker-Bronze-Age-Omnibus.

>> Liste der Joker-Comics


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Neue Anthologie-Serie: „Batman: Urban Legends“

DC Comics

Am 16. März 2021 startet DC mit Batman: Urban Legends eine neue Anthologie-Serie, in der sich neue Autoren und etablierte Kreative an Nebenfiguren aus Batmans Welt erproben dürfen. In den ersten sechs Ausgaben erzählt Chip Zdarsky (Detective Comics #1027) zusammen mit Eddy Barrows eine Batman-Red HoodStory. Jason Todd untersucht eine neue Droge, die Gotham City heimsucht. Das soll sein Leben „für immer“ verändern, heißt es in der Ankündigung …

Matthew Rosenberg und Ryan Benjamin setzen Batman #101 fort. Darin geht es um den Berufsmörder Cole Cash alias Grifter. Dann gibt es noch eine Harley-Quinn-Story von Stephanie Phillips and Laura Braga, in der auch Poison Ivy vorkommt, sowie einen Dreiteiler über die Outsiders von Brandon Thomas und Max Dunbar, in der Black Lightning, Katana und Metamorpho auftreten.

Batman: Urban Legends erscheint im Prestige-Format und soll 7,99 US-Dollar pro Ausgabe kosten.

Mehr zum Thema: Batman Black and White Vol. 5


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