Comic

Wiedersehen mit Catwoman und Joker

Catwoman im Golden Age (Teil 2)

DC Comics

Titel: Joker Meets Cat-Woman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #2)


„We’ve met before, haven’t we?“ (Batman)

Breaking News! Der Joker ist gar nicht tot, nach seiner letzten Begegnung mit Batman (siehe Batman #1) wird er im Krankenhaus gesund gepflegt. Kaum hat Batman die Nachricht gelesen, bricht er auf, um den Joker zu entführen und ihn einer Gehirnoperation zu unterziehen, auf dass der Geisteskranke endlich geheilt werde. Doch die Gang Crime Syndicate Inc. hat eigene Pläne: Sie überfällt das Krankenhaus und zwingt die Ärzte, den Joker schnell wieder zusammenzuflicken.

Da taucht Batman auf – und liefert sich eine wilde Verfolgsjagd mit der Polizei. Seltsam, dass er so gewalttätig ist, denkt sich Commissioner Gordon, bei dem man sich fragen muss, warum er Batman überhaupt verfolgt, aber egal: Batman wird erschossen und es stellt sich heraus – das war gar nicht der echte Batman, sondern nur ein Ablenkungsmanöver der Bad Guys.

Zufällig hat die Diebin „The Cat“ alles beobachtet, weil sie gerade als alte Kaugummiverkäuferin verkleidet vor dem Krankenhaus stand. Was sie in dem Aufzug dort wollte, erfahren wir leider nicht. Aus dem Nichts taucht Batman auf, hocherfreut sie zu sehen, trägt er sie auf Händen zu seinem Auto. Zur Polizei bringt er sie wieder nicht: Nachdem sie ihm gesagt hat, was sie über den Joker weiß, darf sie gehen.

Was Batman nicht weiß: der Joker und Cat-Woman haben es auf die Juwelen des Pharao abgesehen. In einem Schloss kommt es zum Showdown: Robin gegen den Joker, Batman schwingt sich zum Schwertkampf herein. Am Ende geht alles in Flammen auf, der Joker bleibt zurück und Catwoman rettet sich einem Sprung ins Wasser. (Normalerweise ist das Jokers Abgang.) Zum Glück aber hat Batman die Juwelen an sich genommen.

Es ist das erste Mal, dass die Diebin, die bisher nur „The Cat“ genannt wurde, jetzt Catwoman genannt wird. Aber noch sieht sie nicht wie eine aus, stattdessen trägt sie ein gelbes Cape mit Kapuze und ein grünes Kleid. Beim nächsten Mal wird sich das Kostüm deutlich verändert haben …

Catwoman im Golden Age:

Stresstest für Bruce Wayne

Titel: Tenses (dt. Imperfekt)

Autor/Zeihner: Joe Casey/Cully Hamner

Erschienen: 2003 (Zweiteiler), dt. Eaglemoss 2017 (Hardcover)


„… you have no stress.“

Etwa ein Jahr nach seiner Rückkehr (siehe Year One) räumt Bruce Wayne in seiner Firma auf, dabei werden einige Angestellte entlassen, darunter auch der etwas angespannte Ted, den man einen Jedermann nennen könnte, wenn er nicht von Zukunftsvisionen geplagt werden würde. Dadurch wird er von Kriminellen für Einbrüche missbraucht. (Warum die nicht einfach mit ihm Lotto spielen, mag wohl daran liegen, dass Verbrechen mehr Spaß machen.) Bei einem Einsatz wird Ted von Batman geschlagen und anschließend von der Polizei festgenommen. In Gewahrsam wird er zu einem psychopathischen Serienkiller, der es am Ende auf Rache an seinem Vater abgesehen hat …

Bruce Wayne wird zudem von einem penetranten Reporter belästigt. Doch er hat zu alldem nicht viel zu sagen. Seitenweise sieht man ihn stattdessen gedankenverloren aus dem Fenster von Wayne Manor starren, halbnackt durch den Schnee stapfen oder wie ein Besessener seine Muskeln stählen.

Mit einem viel geschwätzigeren Pathos wird bei der tragischen Geschichte von Ted zu dick aufgetragen. So ziemlich alle Serienkillerklischees werden bedient: Misshandelt als Kind, Ödipuskomplex, Außenseiter der Gesellschaft und Versager im Job, hässlich ist er auch, und am Ende beißt er Leuten die Kehle durch und kleidet sich in Menschenhaut …

Keine Wohlfühlstory. Und trotz allem lässt sie einen kalt. Batman hat am Ende leichtes Spiel, das Finale ist unnötig gestreckt. Was aber am meisten aufregt, ist diese Abgebrühtheit und Passivität. Bruce Wayne wird bescheinigt, keinen Stress zu verspüren. Am Ende wird die Erkenntnis als Lernkurve abgetan und alles scheint wieder gut. Aber worauf will Tenses eigentlich hinaus? Dass Bruce Wayne und Batman alles schlimmer machen? Es wird nicht klar.

Auch grafisch überzeugt der Zweiteiler nicht: Die Zeichnungen sind zwar von klarem Strich, die Figuren kantig, Batman ist schön düster dargestellt, aber die Gesichtszüge sind häufig merkwürdig entgleist und die Panels erscheinen steril.

>> Batman 2000-2011

Snyders Schlusskapitel – Batman: Last Knight

Batman von Sean Murphy (Detective Comics #27, DC Comics)

Batman erwacht in einem postapokalyptischen Gotham City. Er ist jung. Der Kopf des Jokers ist an seinen Gürtel gekettet, aber er lebt und spricht. So soll Batman: Last Knight beginnen, die nächste Geschichte von Scott Snyder. Es soll sein vorläufiges Schlusskapitel für Batman sein, hat er auf der New York Comic Con angekündigt. Derzeit läuft sein großes Batman-Event Dark Nights: Metal.

Gezeichnet wird der Comic von Sean Gordon Murphy, der gerade seine eigene Miniserie, Batman: White Knight, geschaffen hat. Murphy hat auf Twitter angekündigt, danach erstmal nicht mehr mit Autoren zusammenarbeiten zu wollen, sondern seine eigenen Ideen zu verwirklichen.

Snyder und Murphy haben bereits an American Vampire and The Wake sowie einer Story für Detective Comics #27 zusammengearbeitet.

Katze trifft Fledermaus

Catwoman im Golden Age (Teil 1)

DC Comics

Titel: The Cat

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #1)


„Lovely girl! What eyes!“ (Batman)

Vor Catwoman gab es the Cat: eine hübsche wie raffinierte Diebin, ohne Katzenkostüm, aber schon verkleidet, eine Unbekannte, aber von Anfang an anziehend für Batman …

Beginnen wir am Anfang: Die erste Catwoman-Story beginnt als erste Robin-Solo-Story. Gleich in seinem dritten Abenteuer darf Dick Grayson sich zunächst alleine behaupten. Bruce Wayne lässt ihn als Kellner auf einer Yacht arbeiten, um eine teure Kette vor Dieben zu schützen. Dick ist sehr aufmerksam, hat auch schon gleich zwei Verdächtige unter den Gästen erspäht, als die Kette plötzlich weg ist – gestohlen von einem Unbekannten.

Kurz darauf treffen Gangster auf der Yacht ein, um die Kette zu rauben, aber sie kommen zu spät, also nehmen sie mit, was sonst noch da ist. Als Dick einen Kampf mit ihnen anfängt, springt er ins Wasser, zieht sich schnell sein Robin-Kostüm an, während er Maschinengewehrkugeln ausweicht. Da trifft auch schon Batman ein, überwältigt die Gauner auf ihrem Boot, Robin hält sie fest.

Aber weil es offenbar niemand eilig hat, passiert plötzlich etwas Seltsames: ein Experiment. Batman lässt vier Gangster auf Robin los, um den amerikanischen Kindern zu zeigen, wie feige sie ohne ihre Waffen sind. Hier ist sich die fiktive Held bewusst, dass er nur eine Comicfigur ist und dass er vor einem Kinderpublikum auftritt! Das ist einzigartig für Batman. Und als auf der nächsten Seite die Verbrecher ihre Lektion bekommen haben und vor Robin erzittern, wendet sich Batman direkt an die Leser, wiederholt seine Botschaft und ermuntert sie, sich dem Kampf gegen das Verbrechen anzuschließen.

Zurück zum Plot: Auf der Yacht sind mittlerweile alle so bedrückt, bestohlen worden zu sein, dass sie eine Kostümparty schmeißen, um sich wieder aufzuheitern. Ein Preis soll verliehen werden für die beste Verkleidung. Als Batman erscheint, geht der Preis an ihn, weil er nicht für den richtigen Batman gehalten wird. Und wieder haben wir es mit einer Selbstreferenzialität zu tun: „An ironical joke takes place!!“ Batman ist mittlerweile so legendär, dass seine tatsächliche Erscheinung nicht mehr für wahrscheinlich gehalten wird. Interessant: Während er sich selbst als das erkennt, was er wirklich ist, erkennen die anderen ihn nicht als echten Batman.

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„Quiet or papa spank!“ Batman und The Cat. (DC Comics)

Erst jetzt kommt die Hauptschurkin ins Spiel: Robin löst einen falschen Feueralarm aus und als alle Gäste losrennen, offenbart sich eine alte Frau als gute Läuferin mit schönen Beinen: „Nice legs for an old woman.“ Batman überwältigt sie, wischt ihr rüde die Schminke aus dem Gesicht („Quiet or papa spank!“ – Ja, er sagt es wirklich.) und nimmt ihr die Kette ab.

Die Schurkin offenbart sich als the Cat, von der Batman schon gehört hat. Sie bietet ihm an, sich ihr anzuschließen; sie würden ein tolles Team als König und Königin des Verbrechens hergeben, findet sie. Aber Batman bleibt hart. So scheint es zunächst. Denn als das Dynamische Duo sie mit dem Boot zur Polizei bringen will, lässt er sie über Bord springen. Nicht nur, dass er sie nicht verfolgt, er hindert auch Robin daran, hinterherzuspringen. Am Ende schwärmt er laut von ihrer Schönheit und muss sich selbst daran erinnern, dass er bereits an eine gewisse Judy (Madison) vergeben ist, aber er sehnt sich jetzt schon nach einem Wiedersehen mit der Katzendiebin …

Auch das ist bemerkenswert, weil der unbestechliche Verbrechensbekämpfer hier erstmals mit seinen Prinzipien bricht. Von Anfang an hat die Schurkin eine ganz besondere Wirkung auf Batman. Man kann sagen: In dem Augenblick, in dem er sich seiner wahren Erscheinung selbst bewusst wird, ihn aber andere nicht als wahren Batman erkennen, wird er zu einem anderen Batman, einem Helden mit einer dunklen Seite, die von einer Frau hervorgerufen wird.

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Neues Gotham, alte Probleme

DC Comics

Titel: New Gotham (frühere Ausgabe: Evolution)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Shawn Martinbrough (u.a.)

Erschienen: 2000 (Detective Comics #742-753), Paperback 2001 (Evolution, bis Detective Comics #750), Neuausgabe 2017 (New Gotham)


„Gotham is still Batman’s city.“

Das No Man’s Land ist überstanden, Gotham wird wiederaufgebaut. Aber auch das Verbrechen kehrt wieder zurück. Fünf Organisationen kämpfen um die Vorherrschaft in Gothams Unterwelt. Da mischt sich Ra’s al Ghul ein, indem er zwei Profikiller losschickt, die den Kampf zu einem Krieg eskalieren lassen. Sein Ziel: eine neue Droge auf den Markt zu bringen, die den Menschen ewige Jugend verspricht, aber den Nebeneffekt hat, sie in halbe Tiere zu verwandeln. Batman verfolgt Ra’s bis nach Europa und trifft dabei auf Talia …

Doch diese Geschichte macht nur den kleinsten Teil der Handlung aus. Anders als andere Batman-Storylines dreht sich nicht alles um das Prinzip Held gegen Schurke. Den roten Faden bildet der Wiederaufbau und wie die Menschen mit den Folgen der zerstörten und abgeschotteten Stadt zurechtkommen. Viele haben alles verloren und sind weggegangen, andere sind geblieben – jetzt bilden die Dagebliebenen und Zurückgekehrten verfeindete Lager. Commissioner James Gordon trauert um seine Frau Sarah, die der Joker erschossen hat (siehe Niemandsland). Wir sehen, wie Detective Montoya ihren Geburtstag feiert. Bruce Wayne bekommt einen Bodyguard: Sascha Bordeaux, die in der Storyline Murderer/Fugitive eine Rolle spielen wird. Und zum Schluss wird gezeigt, wie Poison Ivy aus ihrem Revier im Robinson Park geholt wird, aber das ist ziemlich fade.

New Gotham (das zuerst als Evolution als Paperback erschienen ist) erzählt nichts von Substanz und ist erst recht kein Meisterwerk, aber es wäre wesentlich lesbarer, wenn die Zeichnungen besser wären. Zwar versucht man hier mit einer reduzierten Farbpalette etwas Neues (meistens gibt es nur ein bis zwei Farben neben Schwarz und Weiß), aber die Figuren von Shawn Martinbrough wirken so unbeholfen und leblos, das es keinen Spaß macht, mit dem Blick auf den Seiten zu verharren. Einzig die Cover von Dave Johnson bilden Oasen in dieser großen grafischen Wüste.

Die neue Paperback-Ausgabe dieser Comics schließt eine Lücke in der Sammlung. Aber wer wissen will, wie es nach dem No Man’s Land in Gotham weitergeht, sollte lieber gleich die nächsten Storylines wie Officer Down und Murderer/Fugitive lesen.

Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 2)

DC Comics

Titel: The Two Futures

Autor/Zeichner: Don Cameron/Jack Burnley

Erschienen: 1943 (Batman #15), Hardcover 2016 (The Golden Age Omnibus Vol. 2)


„Too bad this war wasn’t settled with fists!“ (Batman)

Was kommt nach dem Krieg? Diese Frage treibt Batman und Robin um. Deshalb suchen sie Professor Ranier auf, einen Historiker, der gerne Vorhersagen macht und die sich in der Regel als richtig herausstellen. Der Professor erzählt (zusammen mit seinen Kollegen Proe und Con) zwei Versionen der Zukunft.

In der einen haben die Nazis und Japaner den Krieg gewonnen, in den USA herrschen die Achsenmächte mit Gewalt und Terror, Menschen werden erschossen und in Konzentrationslagern gefangen gehalten. Batman und Robin legen sich mit den Nazis an, ein kleiner Junge mit Zwille hilft ihnen, auch bei einer späteren Flucht. Das Dynamische Duo verhaut Nazis, sie befreien Gefangene aus einem KZ, aber trotz aller Bemühungen werden sie angeschossen, gefangen genommen und hingerichtet. „Democracy doesn’t need saving“, sagt Batman am Ende noch trotzig. Solange noch Amerikaner lebten, könne man sie nicht töten.

In der zweiten Version komme es, so der Professor, nicht nur auf Soldaten an, sondern auch auf Zivilisten: „Every man, woman and child must win this war!“ Während die Achsenmächte von den Alliierten geschlagen werden, machen Batman und Robin eine geheime Funkstation der Schurken in den USA ausfindig, verkloppen die Deutschen und Japaner und helfen dabei, einen Luftangriff auf Gotham City abzuwehren. Die Achsenmächte kapitulieren und die freie Welt erstrahlt. Diese Version gefällt den beiden Helden viel besser.

Am Ende wird die Moral von der Geschicht wiederholt: Es komme auf jeden an. Aber wie soll das gehen? Batman und Robin gehen mit gutem Beispiel voran, indem sie so viele Kriegsanleihen kaufen, wie sie können. Das Dynamische Duo zeigt auf die Leser und ermahnt sie: „It’s your battle … your future … your America!!!“

Bemerkenswert ist, wie stark sich Comics in Kriegszeiten in den Dienst der Propaganda stellen ließen. Obwohl Batman schon lange keine Schusswaffen mehr benutzt, sieht man ihn auf dem Cover lächelnd mit einem Maschinengewehr schießen, Robin hilft beim Nachladen, als wäre Krieg ein Spiel, darunter steht der Satz „Keep those bullets flying.“ Auch wenn es für die gute Sache war: Die Geschichte ist voller Klischees und auch nicht frei von Rassismus, insbesondere die Japaner, die nur als „Japs“ bezeichnet werden, kommen schlecht weg. „Remember Pearl Harbor!“, ruft Batman einem von ihnen zu, während er ihn umhaut. Insofern dient der Comic nicht nur als patriotisches Bekenntnis zur Demokratie, sondern auch als Vergeltungsfantasie für ein nationales Trauma.

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Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 1)

DC Comics

Titel: Swastika Over the White House

Autor/Zeichner: Don Cameron/Jack Burnley

Erschienen: 1942 (Batman #14), Hardcover: The Golden Age Omnibus Vol. 2 (2016)


„Imagine … beaten by their own swastika!“ (Robin)

Als die USA im Dezember 1941 in den Zweiten Weltkrieg eintraten, machte sich das auch in den Superheldencomics von DC bemerkbar. Aber auch wenn schon im März 1941 die Konkurrenz Captain America gegen Hitler kämpfen ließ, griffen Superman und Batman nicht in den Krieg ein. Jedenfalls nicht direkt. Zunächst warb Batman auf dem Cover von Batman #12 für Kriegsanleihen, während er einen Armee-Jeep steuerte, in Batman #13 sah man ihn beim Fallschirmspringen. Doch erst eine Ausgabe später sollte er tatsächlich mit Nazis zu tun kriegen, wenn auch nur in Gotham City.

DC Comics

Seltsamerweise weist das Cover zu Batman #14 keinen Kriegsbezug auf, stattdessen sieht man den Pinguin. In einer der Geschichten wird schon im Titel „Swastika Over the White House“ das Schlimmste heraufbeschworen. Ein junger deutscher Spion namens Fritz Hoffner gibt sich als Reporter aus, um insgeheim Informationen über US-Militäranlagen zu sammeln und Sabotage-Akte zu verüben. Er berichtet an einen gewissen Count Felix, der sich in einem Antiquitätenladen versteckt und Monokel und Undercut trägt. Über ihm schwebt eine Deckenlampe in Form eines Hakenkreuzes. Die Schurken sprechen eine seltsame Mischform aus schlechtem Englisch und Pseudo-Deutsch („Himme! It iss too late! Step on der Gas!“).

Das Ziel: Das Weiße Haus soll Adolf Hitlers US-Hauptquartier werden. Doch zunächst soll Fritz dabei helfen, Batman ausschalten. Batman und Robin vollführen gerade akrobatische Kunsstückchen für die Kamera, als die Nazis mit einem Maschinengewehr vorbeifahren. Kein Problem für das Dynamische Duo. Auch als später Fritz versucht, einen Kameramann zu töten, eilen sie zur rechten Zeit zur Hilfe.

Batman und Robin machen den Swastika-Leuchter zur Waffe gegen Nazis. (DC Comics)

Beim dritten Mal werden Batman und Robin jedoch von den Nazis überwältigt (das geht erstaulich einfach) und in einem brennenden Auto auf Treibstofftanks losgelassen. Man kann sich denken, was gerade noch in letzter Sekunde passiert. Und da sich die Nazis auch nicht mehr die Mühe machen, nachzusehen, können die beiden Helden den Schurken in ihr Geheimversteck folgen und sie spielerisch überwältigen – indem sie sich am Hakenkreuz-Leuchter durch den Raum schwingen, Teile davon als Wurfgeschoss benutzen und das Ding schließlich auf die Bösen fallen lassen. Symbolträchtiger geht’s wohl kaum: Die Nazis werden sozusagen mit ihrer eigenen Waffe geschlagen.

Super Sache: Batman und Robin decken dabei auch andere Nazi-Verstecke auf.

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All-Star Batman 2: Am Ende der Ideen

Titel: All-Star Batman Vol. 2 – Ends of the Earth

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Jock, Francesco Francavilla

Erschienen: 2017 (All-Star Batman #6-9), Hardcover 2017


„Because like it or not … this is a Batman story after all.“ (Batman)

Batman besucht Mister Freeze in der Arktis. Der Schurke hat sich in einer Forschungsstation verschanzt und Menschen aus dem kryogenischen Schlaf erweckt, damit sie ihm als Eiszombies dienen. (Nebenbei erfahren wir, was Victor Fries‘ Lieblingsgedicht ist.) Doch Batman interessiert sich nicht für Freeze, er will verhindern, dass ein tödliches Bakterium aus dem Eis freigesetzt wird. Obwohl er erfolgreich ist, findet der Tod seinen Weg in die Welt. Er bittet Poison Ivy um Hilfe, später sucht er den Mad Hatter auf. Verfolgt wird er von einer mysteriösen Spezialeinheit, den Blackhawks. Am Ende kommt es zum Showdown mit Ra’s al Ghul in Washington.

Ja, der gute alte Ra’s will mal wieder die Welt vernichten. Aus den altbekannten Gründen. Und Batman trickst ihn aus. Zweimal mit der gleichen Masche, nämlich mit Ra’s eigenen Mitteln. Vorher wird viel geredet, wenig gehandelt. Statt eine Detektivstory zu erzählen, lässt Autor Scott Snyder die Zwischenschritte aus und liefert uns nur vier Höhepunkte der Geschichte, den Rest trägt er in langen Sprechblasen nach. Das hat den negativen Nebeneffekt, dass jegliche Spannung auf der Strecke bleibt.

DC Comics

Stattdessen dreimal der gleiche Aufbau: Batman kommt aus der Ferne an einen abgelegenen Ort, er versucht es mit Worten, dann mit Gewalt. Doch die üblichen Verdächtigen handeln auch stets so, wie man es von ihnen erwartet, nichts davon hat mich nicht schon zigmal so gesehen. Mister Freeze und seine Nora-Mission, Poison Ivy und ihre Schlingpflanzen, Mad Hatter und seine alten Hüte. Und dass Bruce Wayne beim Mad Hatter schon wieder mit seinen eigenen Dämonen konfrontiert wird (Joker! Bane! Riddler! Catwoman!) und das alles mal wieder im Alice im Wunderland-Stil – geschenkt.

An Ends of the Earth wird am deutlichsten, was Scott Snyder mit All-Star Batman wollte: Geschichten über die Schurken erzählen, zu denen er bisher noch nicht gekommen ist, zusammen mit einer Parade seiner Lieblingszeichner. Doch statt nach John Romita Jr. einen weiteren Zeichner zu engagieren, gibt es nun vier davon (Jock, Francesco Francavilla, Tula Lotay, Guiseppe Camuncoli), womit der Qualität nicht immer ein Gefallen getan wird.

Es wirkt, als wollte Snyder in kürzester Zeit möglichst viel unterbringen. Das wirkte auch schon in My Own Worst Enemy so, aber da hat es immerhin noch eine mitreißende (wenn nicht gar allzu reißerische) Story gegeben, hier ist alles nur eine Aneinanderreihung von vermeintlichen Höhepunkten, die in Wortwüsten und Klischees ersticken, ohne dem Altbekannten irgendetwas Neues abzugewinnen.

So ist Ends of the Earth mit Abstand das schwächste von Snyders bisherigen Batman-Comics geworden. Enttäuschend, dass seine bisherige Kreativität, für die er sonst bekannt geworden ist, hier offenbar erschöpft ist.

Mehr von Scott Snyder:

>> Batman 2011-2019


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In der Ego-Schleife

DC Comics

Titel: I Am Bane (Batman Vol. 3)

Autor/Zeichner: Tom King/David Finch (u.a.)

Erschienen: 2016-2017 (Batman #16-20, 23-24, Batman Annual #1), Paperback 2017


„I’m Batman because I’m Batman.“

Nachdem Batman bei Bane eingefallen ist und ihm den Rücken gebrochen hat (siehe I Am Suicide), kommt jetzt die erwartete Retourkutsche. Und die läuft wie folgt:

Tag eins: Bane erhängt drei Robins.
Tag zwei: Bane nimmt Catwoman, James Gordon, Duke Thomas und Tyger als Geiseln.
Tag drei: Batman lässt sich von Bane verprügeln. (Schon wieder.)
Tag vier: Um sich den Psycho Pirate zurückzuholen, prügelt Bane sich durchs Arkham Asylum.
Tag fünf: Batman lässt sich von Bane verprügeln (schon wieder), gewinnt aber, durch einen Nasenbruch.

Superheldencomics haben selten eine ausgefeilte Story, aber das ist einfach nur eine primitive Dauerschlägerei. Autor Tom King versucht das zu kaschieren, indem er die beiden Hauptfiguren in Rückblenden gegenüberstellt (die beiden sind ja so ähnlich!) und darüber hinaus viel schwadronieren lässt. Dabei übertreibt er mit dem Stilmittel der Wiederholung, vor allem mit den „I am“-Konstruktionen. Nicht nur, dass mehrmals „I am Bane“ fallen muss, damit es auch der Letzte kapiert, wie bedeutungsschwer dieser Satz sein soll, natürlich muss auch der Held am Ende entgegnen: „I am Batman.“ Herrje! Das wäre cool, wenn es nicht so aufgeblasen nichtssagend wäre.

Und dann das Arkham-Kapitel. Einen ganzen Tag lang, exakt 24 Stunden, vermöbelt Bane so ziemlich jeden Insassen (bis auf den Riddler, der einfach mal so nebenbei in zwanzig Sekunden ein Schloss von Mister Miracle knackt, na klar). Tom King referiert damit (auch explizit) auf Grant Morrisons und Dave McKeans Arkham Asylum, allerdings ist es dort ein Wortgefecht, in dem sich Batman mit sich selbst auseinandersetzen muss, bei Bane ist es bloß eine hohle Gewaltorgie.

Man muss sich fragen, warum auch die schmächtigsten Schurken sich Bane in den Weg stellen. Der Grund ist klar: Damit sie auch mal im Bild sind. Seit einigen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, gibt es diese Mode bei Batman, dass man den Fan-Service in den Mittelpunkt stellt. Es geht nicht mehr um eine gute Geschichte, es geht darum, den Lesern möglichst viele bekannte Gesichter vorzuführen, eine Reihe der üblichen Verdächtigen aus der Rogues Gallery. Begonnen hat dieser Trend mit Jeph Loebs The Long Halloween und Dark Victory, ging dann nach ähnlichem Prinzip weiter mit Hush, wurde aber in jüngster Zeit von David Finch in The Dark Knight (Knight Terrors) ad absurdum geführt.

Superheldencomics werden damit zu einer Endlosschleife, in der die 80 Jahrzehnte Tradition totzitiert werden. Tom King-Vorgänger Scott Snyder hat das auch schon gemacht, am deutlichsten in Death of the Family, in dem die ganze Joker-Comicgeschichte recycelt wurde. Bei Tom King kommt aber noch hinzu, dass er nicht nur andere Werke (Year One, Vengeance of Bane, Arkham Asylum) zitiert, sondern auch noch sich selbst – und das auch noch in Rückblenden. Damit wird der Abschluss seiner ersten Batman-Trilogie zu einer reinen Ego-Parade.

Und dann gibt es noch Kapitel sechs: Bruce Wayne macht Selina Kyle einen Heiratsantrag. Vorher reflektiert er noch mit der (inzwischen wieder geheilten) Gotham Girl über das Heldentum und Ängste. Schließlich kommt er zu dem Entschluss, dass er sich seiner Furcht stellen muss. Also bietet er Selina einen Verlobungsring an. Das ist immerhin schön inszeniert und emotional. Was draus wird? Mal sehen.

Als Zugabe gibt es am Ende noch zwei Kurzgeschichten: Einen Mordfall, den Batman mit Swamp Thing löst, sowie „Good Boy“, die neue Geschichte des Bat-Hundes Ace. Dafür hat Tom King den Eisner-Award bekommen. Hunde kommen halt immer gut an. Auch wenn man auch hier nicht das Gefühl hat, etwas Neues und unbedingt Lesenswertes geboten bekommen zu haben …

>> Batman 2011-2019

Wonder Womans Reifeprüfung

DC Comics

Titel: Wonder Woman – The Hiketeia (dt. Wonder Woman – Batman: Hiketeia)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/J.G. Jones

Erschienen: 2002 (One-shot), Paperback 2016 (Wonder Woman by Greg Rucka Vol. 1); dt. Panini 2003/2017


„Hiketeia ist nie eine Prüfung des Bittstellers, Diana, sondern immer des Beschützers.“ (Die Erynnien)

Was für ein Cover: Batman mit verzerrtem Gesicht am Boden, ein rot-weißer Stiefel ruht auf seinem Kopf – Wonder Womans Stiefel. Der Rest ist schlichter weißer Hintergrund. Mehr muss nicht sein, es ist alles gesagt: der Triumph der Amazone über den Dunklen Ritter. Die Dominanz des Weiblichen als SM-Fantasie. Ein Klassiker.

Die Story dahinter steht dem in nichts nach: Eine junge Frau wird wegen mehrfachen Mordes von Batman gesucht. Sie entkommt ihm und sucht Zuflucht bei Diana, der Botschafterin von Themyscira. Dort bittet sie um etwas, das sich Hiketeia nennt, ein Ritual der alten Griechen, bei dem sich jemand verpflichtet, einem anderen Schutz zu gewähren – ganz unabhängig davon, wie schwer das Vergehen ist, dem man dem Schützling zur Last legt.

Die Hiketeia hat eigene Regeln. Batman passt das gar nicht – er fordert von Wonder Woman, ihm die Frau auszuliefern. Aber die denkt nicht dran. Es kommt zum Kampf, Batman zieht den Kürzeren. Doch da kommt er auf eine List: er bittet selbst um Hiketeia …

Man muss Wonder Woman nicht kennen, um sich in dieser Geschichte zurechtzufinden, man muss sie auch nicht mögen, um sich hier wohlzufühlen. Greg Rucka erzählt diese kleine, bescheidene Geschichte mit der nötigen Sensibilität, bei der alle drei Charaktere, vor allem die weiblichen, genug Tiefe bekommen. J.G. Jones (bekannt für Final Crisis und Wanted) inszeniert die Panels mit einer wunderbaren Dynamik und Dramatik.

Das Besondere ist, dass es keine klassische Superheldengeschichte ist, es fehlen die Schurken. Die Erynnien spielen eine eher untergeordnete Rolle, die Bösen sind hier bloß Menschen (Männer) in einer Rückblende, allein Batman ist der Antagonist, aber aus nachvollziehbaren ethischen Grundsätzen heraus. Der Konflikt, der hier ausgetragen wird, ist einer der unvereinbaren Prinzipien. Diese Ausnahme-Erscheinung macht dieses Comic so interessant.

>> Wonder-Woman-Comics