One-shot

Frankensteins Bat-Monster

DC Comics

DC Comics

Titel: Castle of the Bat

Autor/Zeichner: Jack C. Harris/Bo Hampton

Erschienen: 1994 (One-shot)


„It comes down to a question of vengeance or responsibility!“ (Bruce Wayne)

Was wäre, wenn Bruce Wayne im 19. Jahrhundert Arzt geworden wäre, um das Andenken seines ermordeten Vaters zu ehren? Dann hätte er wohl versucht, seinen Vater mit Elektrizität wiederzubeleben. Castle of the Bat erzählt die Frankenstein-Geschichte neu, indem das Monster zu Bat-Man wird, einem Rächer, der Straßenräuber überfällt. Bruce Wayne ist der fanatische Wissenschaftler, der die Grenzen der Moral überschreitet und aus Leichenteilen neues, groteskes Leben erschafft. Zuerst einen Fledermaushund, dann einen Fledermausmenschen – mit allen bekannten Nachteilen.

Diese Elseworlds-Story greift den alten Topos in bewährter Weise auf, bedient sich dabei auch bei der Verfilmung von 1931, aber findet einen eigenen Ansatz, indem sie eine Verschwörung um den Elternmord hinzufügt. Das Ganze ist in den gemalten Panels wie in einen Nebel getaucht und sorgt für eine schaurige Stimmung. Allerdings wirkt die Erklärung, warum das Monster ein Fledermauskostüm trägt, sehr bemüht, was Zweifel an der Grundidee weckt. Schließlich wird Bat-Man auch noch zu Man-Bat. Jekyll und Hyde lassen grüßen. Und auch ein bisschen Dracula. Aber weil die Versatzstücke zu einer stimmigen Gesamtheit zusammengesetzt sind, ist das dünne Heft ein Spaß für Fans von Gothic Novels.

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Batman trifft Houdini

DC Comics

DC Comics

Titel: Houdini – The Devil’s Workshop (dt. Houdini)

Autor/Zeichner: Howard Victor Chaykin, John Francis Moore/Mark Chiarello

Erschienen: 1993 (One-shot), dt. Carlsen 1997


„I must be mad to put my faith in a wealthy madman with a bat fetish.“ (Harry Houdini)

Das Jahr 1907 in Gotham. Kinder verschwinden von den Straßen. Ein grisender „Albino“ sammelt sie auf, bekannt als Mad Jack Schadenfreude (Joker). Eine andere düstere Gestalt mit schwarzem Mantel und Fledermausmaske wird verdächtigt, doch der Batman hat bloß Gutes im Sinn. Unterstützt wird er von Harry Houdini, dem Entfesselungskünstler und Anti-Spiritisten, der nicht an das Übernatürliche glaubt und es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle des Betrugs zu überführen, die sich für Geisterseher oder echte Zauberer halten. Doch dann muss er erkennen, dass es immerhin echte Vampire gibt.

Houdini wird also zu Batmans Sidekick in dieser Elseworlds-Story – und er ist weitaus sympathischer als Robin. Schnell entlarvt er Bruce Wayne hinter der Maske und lässt keine Gelegenheit aus, über den reichen Schnösel mit seinem bühnenreifen Kostüm zu spotten. „You ever thought about the show business, fella?“ Houdini hält sich für den Klügsten, aber was Technik angeht, bleibt er ein Kind des 19. Jahrhunderts. Das wird deutlich, als Batman mit ihm in einem Wright-artigen Flugzeug unterwegs ist. In der Spannung zwischen den beiden Helden entsteht der Witz, der den Mystery-Plot seiner Schwere beraubt.

In der Geschichte scheint die Epoche der Jahrhundertwende wieder lebendig zu werden: die Story steckt voller kultureller Bezüge und Zitate, wie etwa Bram Stokers Dracula, und steht damit in der Tradition der Gothic Novels. Die gemalten Panels von Mark Chiarello verleihen dem Band eine Aura des Unheimlichen. Da kann man auch über einige Schwächen und Sprünge im Plot hinwegsehen: Houdini – The Devil’s Workshop ist ein kurzweiliger Genuss von einem period piece.

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Die zwei Gesichter des Bruce Wayne

Batman: Two Faces

DC Comics

Titel: Batman – Two Faces

Autor/Zeichner: Dan Abnett & Andy Lanning/Anthony Williams

Erschienen: 1998 (One-shot, Elseworlds) (keine dt. Veröffentlichung)


 „The Bat Man … the Joker … good and evil … two sides of a human coin …“

Über diese Geschichte kann man nicht reden, ohne das Ende vorwegzunehmen, doch es deutet bereits das Cover an: Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde wird zum seltsamen Fall des Batman und Joker. Diese Elseworlds-Story spielt im Gotham des Jahres 1886. Two Face (Harvey Dent) versucht, eine seltene Pflanze mit zwei Persönlichkeiten zu rauben. Warum? Weil’s gut zur Geschichte passt: Nachts erscheint sie anders als tagsüber. Nachdem der Raub scheitert und eine Frau namens Pamela Isley dabei ermordet wird, gibt sich Dents ehemaliger Freund die Schuld und macht aus dem Kraut ein Serum, das die gespaltene Persönlichkeit heilen soll. Den Rest kann man sich denken: Wayne probiert das Gebräu selbst aus. Gestärkt in Geist und Körper beginnt er als Batman Two Face zu bekämpfen. Doch kurz darauf erscheint ein Frauenmörder, der sich Joker nennt …

Obwohl die Lage wegen der Nähe von Stevensons Vorlage schnell klar ist, ist es ein kurzweiliges Vergnügen Two Faces zu lesen. Sowohl die Epoche ist gut eingefangen, wie es einst Mike Mignola mit Gotham by Gaslight (1989) geschafft hat, als auch das Thema der Dualität konsequent ausgeführt: Batman und Joker sind zwei Seiten einer Medaille, ebenso wie Two Face zwei Persönlichkeiten in sich vereint. Der klare Zeichenstil von Anthony Williams ist solide, wenn auch nicht aufregend, besonders gelungen sind die Inszenierungen von Batman und Joker, auch Selina Kyle in Strapse macht sich ganz gut … Vielleicht hätte man sich für die schnell voranschreitende Handlung etwas mehr Zeit (bzw. Raum) lassen können, dadurch büßt die Story etwas von ihrer Stimmung ein. So ist es schade, dass sie in nur 54 Seiten auserzählt ist.

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Batman gegen Jack the Ripper

DC Comics

Titel: Gotham By Gaslight/Master of the Future (dt. Schatten über Gothams Vergangenheit)

Autor/Zeichner: Brian Augustyn/Mike Mignola, Eduardo Barreto

Erschienen: 1989/1991 (One-shots, beide im Paperback 2006), dt. Carlsen 1990, Panini 2012 (Batman Collection: Mike Mignola, Bd. 1; nur Gotham by Gaslight)


„Gotham City is an overripe fruit … Fat, fetid, and fit to burst. Like London, it is a teeming, sweating, gibbering, monstrosity. A corrupt and decaying miasma fills the air. It is everything I could want.“ (Jack the Ripper)

„We need someone who is prepared for a mean tomorrow … and we need a champion for today.“ (Julie)

Im Jahr 1889 kommt Bruce Wayne von seiner Ausbildung aus Europa nach Gotham City zurück und beginnt sein Doppelleben als Vigilant Batman – samt Cape und Pelerine. Gleichzeitig ist ein Frauenmörder in der Stadt unterwegs, der der berüchtigte Jack the Ripper aus London zu sein scheint. Die Polizei verdächtigt zunächst Batman, dann Bruce Wayne. Weil James Gordon bei ihm, seinem Freund, die Tatwaffe findet, kommt Wayne vor Gericht und wird zum Tode verurteilt. Während er auf seine Strafe wartet, ermittelt er in seiner Zelle den wahren Mörder – und entlarvt, dass der Fall viel mit seiner eigenen Geschichte zu tun hat.

Gotham By Gaslight ist ein kurzweiliges Werk mit einem gelungenen Gothic-Setting, leider sind 48 Seiten jedoch nicht genug, um Charaktere, Stimmung oder Spannung entfalten zu können. Mignola erschafft einen düsteren Batman, der leider etwas zu kurz kommt. Aber der Ansatz ist interessant realisiert, weil der Autor das Motiv des Outlaws weiterdenkt und zu der Konsequenz führt, dass Wayne unschuldig im Knast landet (die Idee wird in der Storyline Murderer/Fugitive erneut aufgegriffen). Gotham By Gaslight gilt als die erste Elseworlds-Story, auch wenn sie noch nicht so genannt wurde (das Logo kam erst später mit Holy Terror). Die Geschichte machte Schule: Batman in anderen Epochen und anderen Rollen, häufig Mashups mit anderen literarischen Stoffen, bot viele Möglichkeiten für interessante Storys.

Leider gehört die Fortsetzung, Master of the Future, nicht unbedingt dazu. Nachdem Wayne Rache am Mörder seiner Eltern genommen hat, verstaubt das Batman-Kostüm in der Höhle. Doch sowohl James Gordon als auch Waynes Flamme finden, dass der Held nötig sei. Als bei einer Ausstellung ein Verrückter in französischer Parade-Uniform, Alexandre LeRoi, auftaucht, ist Batman wieder gefragt. Der Schurke prophezeit dem technischen Fortschritt der Menschheit eine Umweltkatastrophe, erklärt sich zum „Master of your future“ und zum „Man of Tomorrow“ und fordert auch so genannt zu werden – andernfalls werden alle sterben. Und weil ihn die Stadtoberen ignorieren, geht der Irre mit einem Luftschiff auf alle los. Batman rettet den Tag etc.

Die Grundidee dieser Steampunk-Story entbehrt leider zu sehr der Logik: Was will dieser LeRoi? Warum richtet er sich gegen den Fortschritt, wenn er selbst hochentwickelte Maschinen benutzt, wie etwa Roboter? Der Sinn dahinter besteht lediglich darin, dass Batman mit der Ankunft des neuen Jahrhunderts eine Bestimmung bekommt: nämlich Superschurken zu bekämpfen. „Our innocent days are over, Bruce“, sagt Waynes Geliebte Julie. „There are more maniacs like LeRoi out there, just waiting to prey on us.“ Deshalb gibt es auch eine Anspielung auf den Joker (eine Kanone mit Clownsfigur). Aber das alles wirkt zu bemüht.

Ansonsten erinnert die Story an Detective Comics #33 (1939), wo nicht nur Batmans Ursprung zum ersten Mal erzählt wird, sondern wo er auch gegen den wahnsinnigen Carl Kruger kämpft, der die Menschen mit einem Luftschiff terrorisiert, weil er die Welt beherrschen will. Nicht zufällig sieht der Kerl so aus wie sein Vorbild Napoleon. Während man diese Story noch dem Zeitgeist geschuldet verzeihen kann, wirkt die modernere Adaption unmotiviert. Immerhin ist Master of the Future von Eduardo Barreto hübsch und anständig gezeichnet, wenn auch etwas zu gefällig – im Vergleich zu Mike Mignolas sperrigem Stil.

Von Gotham by Gaslight erschien 2019 auch eine Noir-Edition in Schwarz-Weiß.

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Bat Lantern

Batman: In Darkest Knight

Titel: In Darkest Knight

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Jerry Bingham

Erschienen: 1994 (One-shot)


Was wäre wenn … Bruce Wayne Green Lantern wäre?

Die Elseworlds-Story In Darkest Knight ist ein Beispiel dafür, dass auf eine interessante Frage noch längst keine interessante Antwort folgen muss. Die Geschichte beginnt an der berühmten Stelle aus Year One, da Bruce vor der Büste seines Vaters sitzt und sich fragt, wie er es hinbekommt, dass Verbrecher Angst vor ihm haben. Doch kurz bevor die Fledermaus durchs Fenster krachen kann, erscheint ihm ein außerirdischer Green Lantern und übergibt ihm den grünen Ring.

Was folgt, ist eine unfassbar abgehetzte Story, die sich weder für Charaktere noch für Dramaturgie geschweige denn Stimmung interessiert. Im Eilverfahren akzeptiert Bruce seine neue Aufgabe, legt sich ein fledermausartiges Kostüm zu, hält Red Hood und seine Bande im Chemiewerk auf bevor der Anführer zum Joker werden kann (kleine Anspielung auf The Killing Joke) Dann wird der Held auch schon dazu verdonnert, Sinestro zu stürzen, was auch sogleich passiert – ohne groß Fragen zu stellen. Es kommt zu einem persönlichen Rachefeldzug des lila Schurken gegen Wayne, bei dem Sinestro seinen Geist – warum auch immer – mit dem von Joe Chill vereint und fortan dämliche und bemüht witzige Selbstgespräche führt. Und weil Wayne auch noch gegen die Wächter und seine Corps-Kumpels rebelliert, werden kurzerhand Superman, Wonder Woman und Flash zu Green Lantern-Reservisten gemacht. Genauso lieblos übers Knie gebrochen wirken auch ihre auf Lantern getrimmten Kostüme.

Nach 46 ermüdenden Seiten bricht „Bat Lantern“ zum letzten Kampf gegen Sinestro auf, aber da endet auch schon die Geschichte, ohne uns das Finale zu erzählen. Nicht, dass es uns interessiert hätte oder noch eine Überraschung zu erwarten wäre, aber man fühlt sich schon betrogen. Doch es passt zum Gesamteindruck einer verschenkten Chance.

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Batman nach Orson Welles

Batman: Citizen Wayne

Titel: Citizen Wayne

Autor/Zeichner: Mark Waid & Brian Augustyn/Joe Staton

Erschienen: 1994 (Legends of the Dark Knight Annual #4; Paperback: Superman/Batman: Alternate Histories, 1996)


„If the city’s freedom is regained by someone outside the law, the freedom is worthless.“ (Bruce Wayne)

Was wäre wenn … Orson Welles Batman verfilmt hätte? Dann hätte Bruce Wayne nur seinen Vater bei dem Überfall verloren, wäre wohl Zeitungsverleger geworden und hätte das organisierte Verbrechen mit den aufklärerischen Mitteln der Pressefreiheit bekämpft. Und es wäre sein bester Freund, der Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent, der zu drastischeren Methoden gegriffen hätte.

Das ist die Prämisse der Elseworlds-Story Citizen Wayne, die an Orson Welles‘ Filmklassiker Citizen Kane von 1941 angelehnt ist. Doch hier geht es nicht um die Frage, wer oder was „Rosebud“ ist, sondern darum, was dazu geführt hat, dass Wayne und Dent bei einem gleichzeitigen Sturz vom Dach umgekommen sind. Ähnlich wie bei Welles geht ein Unbekannter der Frage nach, ein zunächst namenloser Assistant District Attorney. Damit gleichen nur das Erzählverfahren und der Stil dem Film. Schwarze Schatten bestimmen die Seiten und die Figuren wirken überaus lebendig, auch wenn die Herren in ihren Anzügen mit ihren überaus breiten Schultern wie Kleiderschränke aussehen.

Citizen Wayne erzählt die Geschichte einer Freundschaft, die beim Kampf gegen das Verbrechen zerrieben wird. Ein Mann verliert seine Existenz und wird zum selbsternannten Rächer jenseits des Gesetzes, der zum Mörder wird, während ein anderer zu seinen Idealen steht. Am Ende kommt es zu einem Duell zwischen Batman und Bruce Wayne in Samurai-Rüstung. Die Autoren verstehen es, die Problematik zwischen Recht und Unrecht auszuloten und dabei das Scheitern der Freundschaft als Tragödie glaubhaft zu machen. Außerdem sieht Batman mit seiner goldenen Maske und dem an Polizei- und Soldaten-Uniformen angelehnten Kostüm ziemlich cool aus. Ein bemerkenswertes Stück alternativer Geschichte – und eine gelungene Hommage an die Filmkunst der 40er.

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Batman Earth One 2: Versuch und Irrtum

DC Comics

DC Comics

Titel: Earth One Vol. 2

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Gary Frank

Erschienen: 2015 (One-shot)


„You’re not much of a detective, are you?“ (James Gordon)

„See, Bruce, you might have worked out who you are. But in Gotham, you never know who anyone else really is.“ (Alfred Pennyworth)

Dieser neue Typ im Fledermauskostüm mag zwar gut darin sein, den Abschaum der Straße aufzumischen, aber er hat keine Ahnung davon, wie man sein Hirn benutzt: Am Tatort trampelt er auf Beweisen herum, verwischt mögliche Fingerabdrücke. Batman hat sich schon mal geschickter angestellt. Doch auf Erde eins ist er nicht nur ein Neuling, er ist auch ein Greenhorn, dessen Lehrjahre mit dem Anlegen der Maske und dem Bestehen der ersten Feuerprobe noch längst nicht beendet sind. Während er sich von James Gordon sagen lassen muss, mal seinen Verstand einzuschalten, meint Alfred, er solle mal lieber ein scumbag oder lowlife vom Dach werfen, um ein Zeichen zu setzen.

Im zweiten Teil der Earth One-Saga, einer alternativen Welt, muss Batman Muskeln und Hirn einsetzen, um gegen zwei klassiche Schurken zu bestehen: Killer Croc und Riddler. Letzterer terrorisiert die Bürger Gothams mit Rätselspielchen, die darauf hinauslaufen, dass Menschen sterben – aber er selbst bleibt das größte Rätsel. Man hört nur seine Stimme, man sieht ihn nicht und weiß nicht, was er mit dem Terror vorhat. Schließlich fällt der Verdacht auf Bruce Wayne zurück, Alfred kommt in den Knast – und Batman rackert sich ziemlich ab, um nicht nur sich selbst zu behaupten, sondern auch seine Beziehung zu Jessica Dent, der neuen Bürgermeisterin und Zwillingsschwester von Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent, aufzubauen. Der Bruder hat allerdings seine Vorbehalte.

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Crashkurs Rock and Roll

DC Comics

DC Comics

Titel: Fortunate Son

Autor/Zeichner: Gerard Jones/Gene Ha

Erschienen: 1999 (One-shot), dt. Panini 2002 (DC Premium)


„Auf den Dächern Gothams gibt es keinen Soundtrack.“ (Batman)

„Wenn einem was nicht gefällt, findet man immer Gründe dafür!“ (Robin)

Eine der drängendsten Fragen der Comicleser ist nicht etwa, wo Batman seine Seile befestigt, auch wenn keine Hochhäuser in der Nähe sind, oder wie er auf Toilette geht, wenn er seinen Anzug trägt, sondern was für eine Musik er hört. Jedenfalls dachten sich das Ende der 90er die Leute bei DC, dass uns das interessiert. Frank Miller beantwortete die Frage einige Jahre später ganz klar: In der Bathöhle läuft Klassik, auch wenn Batman bei ihm nicht unbedingt der klassische E-Musik-Hörer ist …

In dieses Bild passt auch Fortunate Son. Batman outet sich darin ganz klar als unrockbarer Reaktionär: „‚Punk‘ ist nichts als Tod … Verbrechen die Wut des Tieres“, lässt er Robin wissen. Seine Meinung gründet darauf, dass ein Punker mal eine Frau ermordet hat, die Bruce Wayne liebte. Über Rock im Allgemeinen sagt Batman: „Wahnsinn schwingt in jedem Akkord dieser Musik mit“. Und um Robin davon zu überzeugen, macht er mit ihm eine kleine Studienreise nach Arkham, wo wie auf Kommando alle irren Superschurken ihre Lieblingsinterpreten aufsagen. Two-Face mag übrigens sowohl Abba als auch Black Sabbath – falls das irgendwen interessiert.

Aber in der Geschichte geht es um mehr als Geschmäcker, es geht um Generationenkonflikte und Popkulturgeschichte. Der Rockstar Izaak Crowe, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt ist, befürchtet den kommerziellen Ausverkauf. Also jagt er ein Fernsehstudio in die Luft und macht sich in einem Auto auf eine Reise durch die Staaten – jedenfalls scheint es, als wäre er schuldig. Weil Robin von seiner Unschuld überzeugt ist, macht er sich mit Batman auf den Weg, um zu beweisen, dass Crowe ein guter Mensch ist. Man hat ja sonst keine Probleme.

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Die verhinderte Fledermaus

Detective No 27

DC Comics

Titel: Batman: Detective No. 27 (Detective #27)

Autor/Zeichner: Michael Uslan/Peter Snejbjerg

Erschienen: 2003 (One-shot)


 „Did you ever dance with the devil in the pale moonlight?“

Eine Batman-Story ohne Batman. Bruce Wayne sitzt am offenen Fenster und überlegt gerade, wie er am besten das Verbrechen bekämpfen kann, das seine Eltern das Leben kostete, da klopft es an der Tür. Wayne schließt das Fenster, eine Fledermaus fliegt dagegen. „Stupid bird!“, sagt Wayne genervt ohne richtig hinzusehen. Kurz darauf wird er zum „Detective No. 27“, Mitglied einer Geheimgesellschaft, die gegen eine Verschwörung von Südstaatlern kämpft. Einige von denen haben es nicht verkraftet, den Bürgerkrieg verloren zu haben, also ermordeten sie Abraham Lincoln und planen jetzt, den Norden mit einem tödlichen Gift zu vergasen.

Der Reiz dieser etwas weit hergeholten Geschichte besteht darin, dass sie zwar in der Welt von Batman spielt, aber alles, was man von ihr kennt, lediglich tangiert. Es gibt einen Elternmord, einen Verbrechensbekämpfer, der inkognito unterwegs ist, einen Alfred und sogar einen Robin, aber ohne dass Bruce Wayne sich je als Batman kostümieren würde. Stattdessen begnügt sich die Story mit Anspielungen und (zuweilen kalauerhaften) Wortwitzen. Der platteste fällt, nachdem Wayne eine Horde von Schurken mit einem Baseballschläger (engl. „bat“) zusammengeschlagen hat: „You swing a helluva stick for a civilian, my friend!“, sagt ein Mitstreiter. „Gonna have to start calling you ‚the Bat-Man‘!“ Ansonsten haben wir einen grinsenden Joker (der jedoch nicht blasshäutig ist), einen Mad Scientist namens Hugo Strange, einen Professor Crane und eine Selina Kyle, genannt „the Cat“. Selbst Superman schaut am Ende vorbei – allein dieser trägt sein typisches Kostüm.

Es wird also viel geboten. Das alles geschieht in einem historischen Kontext (die Haupthandlung spielt – natürlich – im Batman-Geburtsjahr 1939), Autor Michael Uslan hat ans Ende des Bandes sogar ein paar Fußnoten gesetzt, in denen er Bezüge zur Geschichte erklärt. Es ist diese Liebe zur Ausschmückung, die diesen Band so sympathisch macht. Peter Snejbjergs schlichte Zeichnungen, die zuweilen an den Animated-Stil erinnern, sind ebenso detailreich und voller Leben. Es ist ein gewagtes Experiment, Batman aufs Cover zu schreiben und dann keinen zu bieten. Aber auch konsequent. Und allein dafür gebührt den Machern Respekt.

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Robins erste Nachtschicht

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Chronicles: The Gauntlet (dt. Die Reifeprüfung)

Autor/Zeichner: Bruce Canwell/Lee Weeks

Erschienen: 1997 (One-shot), dt. Dino 2000 (als „Batman Präsentiert: Robin“)


„What would Batman do? Too bad he’s not around to ask …“

Nachdem Dick Grayson in Dark Victory seine Rache am Mörder seiner Eltern genommen und beschlossen hat, als Robin das Verbrechen zu bekämpfen, zieht er in The Gauntlet erstmals das Kostüm an. In der Nacht vor dem 4. Juli, nicht zufällig der Unabhängigkeitstag, darf sich Robin allein bewähren. Eigentlich will ihn Batman nur auf die Probe stellen, doch Dick gerät mit Gangstern aneinander, die ihn daraufhin jagen, weil er von einem Polizeispitzel wertvolle Informationen zugesteckt bekommt, von denen der Wunderknabe nichts ahnt.

Und muss er nicht nur Batmans Test bestehen, sondern auch vor den bösen Buben abhauen – und natürlich läuft beides auf das Gleiche raus. Die Geschichte gleicht einer Schnitzeljagd: Robin stellt Batman riddlerhafte Rätsel, die der Detektiv spielend meistert und ihn schnell einholt. Doch als er Robin helfen will, stellt er fest, dass der Junge ganz gut allein zurecht kommt – und sogar die Erwartungen übertrifft. „Robin is going to be a very good soldier.“

Was das Ganze soll, ein Kind mit in seine persönliche Vendetta zu involvieren und damit zu gefährden, erklärt Bruce Wayne seinem Butler Alfred so:

„The whole concept of Robin is important to Dick, old friend — and it’s important for Dick. While I lost my parents I had no way to release my anger, my — grief. Though he hides it well, those same emotions are churning away inside Dick. Robin will be his release valve, a way to exorcise that darkness before it can corrupt his soul. Nobody else can give him this, Alfred. Only I can. And I will.“

Bei aller Raffinesse wirkt Robin etwas begriffsstutzig, was das Ziehen richtiger Schlüsse angeht (Stichwort: Spielkarten), dafür bekommt Batman plötzlich Superkräfte, dank derer er mit seiner Faust das Dach eines Autos durchschlägt. Abgesehen von solchen Kleinigkeiten ist The Gauntlet eine kurzweilige und schön gezeichnete Episode in der Geschichte des Dynamischen Duos, sozusagen der „Missing Link“ zu Robin: Year One.

Dino Verlag

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