Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Mad Hatter: Rückkehr eines Originals

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DC Comics

Titel: Head-Hunt by A Mad-Hatter

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Gene Colan

Erschienen: 1982 (Detective Comics #510), enthalten in: Tales of the Batman: Gene Colan (2011) und Tales of the Batman: Gerry Conway Vol. 2 (2018)


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Das Original ist wieder da: Mad Hatter mit Affen. (DC Comics)

Im Bronze Age kehrten viele alte Schurken aus Batmans Frühzeit zurück – und wurden dadurch als wiederkehrende Klassiker etabliert. Darunter auch der Mad Hatter. 18 Jahre lang war er aus dem Comics verschwunden, erlebte nur ein kurzes Comeback in der TV-Serie der 60er, und als er wiederkam, sah er wieder ganz anders aus – nämlich so wie bei seinem ersten Auftritt (Batman #49, 1948).

Der Hatter erklärt uns später, er habe die letzten Jahre in einer Anstalt verbracht, während ein Nachahmer (der mit dem roten Schnurrbart) seinen Namen übernommen hatte. Die Hutmanie hat das Original jedoch von dem Betrüger übernommen. Neu ist ein Affe als Haustier. Außerdem scheint der Hatter in der Anstalt eine Fortbildung gemacht zu haben. Er ist jetzt Experte für Neuro- und Computerwissenschaften.

Der entführte Mr. Fox

Zuerst entführt er Bruce Waynes Assistenten Lucius Fox, wobei er ihn mit einer Explosion ausknockt, dann verlangt er zwei Millionen Dollar Lösegeld. Doch der Hatter hat noch mehr vor: Er will Lucius um sein kostbares Finanz-Fachwissen bringen und dann dessen Gedächtnis löschen. (Offenbar fehlt ihm fürs Studium eines dritten Fachs die Geduld.) Bruce Wayne ermittelt daraufhin selbst, wie der Hatter die Explosion verursacht haben könnte (anscheinend kann das die Polizei nicht selbst machen) und findet das Geheimversteck des Schurken – wobei man sich auch so hätte denken können, dass das in einem Laden namens „Top Hat“ liegt.

Eine Blendgranate hilft, die Handlanger auszuschalten, die bequemerweise nur Knüppel und Seile bei sich haben. „Nobody wins a fight fighting blind“, stellt Batman fest. „That only happens in the funny pages!“ Womit Autor Gerry Conway sicher auf Daredevil anspielt, an dem er in den 70ern mit Zeichner Gene Colan gearbeitet hat. Nach dieser Selbstironie geht es dann weiter mit einer dämlichen Zeile wie „Go down! Why don’t you go down!“ Der Affe hält sich die Augen zu – statt vielleicht besser die Ohren.

Wie dem auch sei: Der Hatter droht dann Batman, Lucius‘ Hirn zu löschen. Batman bietet sich selbst an und nimmt seinen Platz auf dem Stuhl ein. Doch die Prozedur funktioniert nicht, weil Batman mit einer beschichteten Kappe vorgesorgt hat, die er unter seiner Maske trägt. Er schnappt sich den Hatter und der Fall ist erledigt.

Damit ist aber zum ersten Mal der moderne Verrückte Hutmacher etabliert. Fehlt nur noch der Bezug zu Alice im Wunderland …

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Verschwörung gegen Bruce Wayne

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DC Comics

Titel: Journey Into Knight (dt. Der Weg ins Dunkel)

Autor/Zeichner: Andrew Helfer/Tan Eng Huat

Erschienen: 2005-2006 (Miniserie #1-12), kein US-Paperback; dt. Panini 2007 (Monster Edition Bd. 3)


Kurz nach Batmans erstem Jahr soll Bruce Wayne endlich das Erbe seines Vaters antreten und Wayne Industries übernehmen, einen Konzern, der so ziemlich alles herstellt. Doch er hadert mit der Rolle, denn eigentlich will er lieber Batman sein. In seinen Träumen sagt ihm Thomas Wayne, er soll das mit der Rächerrolle lassen, denn die Eltern seien bereits gerächt und als Batman weiterzumachen lasse den Mörder bloß gewinnen.

Für Batman aber gibt es gerade viel zu tun: Eine neue Droge tötet in Gotham Menschen. Als Batman (undercover) ein Flugzeug mit der nächsten Ladung aus Kolumbien abfangen will, stellt er fest, dass es voller Leichen ist. Sämtliche Passagiere sind einem hochansteckenden und sofort tödlichen Virus zum Opfer gefallen – bis auf einen, der es eingeschleppt hat.

Immun dank Fledermäusen

Auch Batman steckt sich sofort an, überlebt aber auf wundersame Weise. Seine Erklärung: Das Virus stammt von Fledermäusen und weil er mal als Kind von Fledermäusen attackiert und gebissen wurde, hat sein Körper eine Immunität gegen das Gift von Fledermausbakterien entwickelt. Was Bakterien mit Viren zu tun haben sollen, bleibt schleierhaft. Im pandemischen Zeitalter lässt man sich mit so einem pseudowissenschaftlichen Unsinn nicht mehr für dumm verkaufen (auch wenn es Leute geben soll, die sich Entwurmungsmittel gegen Viren spritzen).

Und so jagt Batman einerseits den hochansteckenden Mann, der einst nach Kolumbien geflogen ist, um einen Schatz zu finden, und nun die Seuche in Gotham verbreitet, andererseits eine Drogendealerin. Praktischerweise finden die beiden zusammen, verlieben sich so plötzlich wie grundlos ineinander und ziehen als mordendes Duo durch die Stadt, um unliebsame Menschen loszuwerden. Ja, eigentlich sollen sogar alle sterben, damit nur noch das Paar übrig bleibt. Nur wie die Frau mit dem Mann überleben soll, wird nicht klar. Denn bisher muss er eine Atemschutzmaske tragen, um sie nicht anzustecken.

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DC Comics

Klingt bescheuert? Ist es auch. Zum Glück ist es nach sechs Ausgaben auserzählt, aber aus irgendeinem Grund meinte man damals, es sei eine gute Idee, die Geschichte auf epischen zwölf Ausgaben breitzutreten, also über 264 Seiten. Das entspricht etwa dem Format von The Long Halloween. Leider ist es nicht annähernd so unterhaltsam.

Joker gegen Bruce Wayne

Später geht es um brandstiftende Kinder und eine Verschwörung gegen Bruce Wayne, bei der ihm ein Mord angelastet wird. Hier könnte es spannend werden. Doch auch der späte Auftritt des Joker trägt nicht viel dazu bei: Er verpasst Bruce in Arkham eine Gehirnwäsche, indem er ihm versucht einzureden, dass sein Vater nichts getaugt habe. Angeblich will der Joker selbst die Vaterrolle einnehmen. Statt Spannung bekommt man hier bloß lange Monologe geboten – zwischendurch fragt man sich, warum die Aktion so lange niemandem in Arkham auffällt – bis das Finale völlig ohne Bruces Zutun im Nichts verpufft.

Journey Into Knight ist insgesamt eine öde und zähle Angelegenheit: extrem wortlastig, arm an Action, und wenn doch, dann sehen wir einen Batman, der sich an einem Seil hinter einem Zug herziehen lässt und auf einer Schiene surft oder mit einem Wasserschlauch den Wall-E macht. Einen Großteil machen Gespräche mit Nebenfiguren aus, die sich um Wayne Industries drehen – und wenn Batman-Leser eins lieben, dann ist es bekanntlich business talk. Und für alle, die etwas anderes wollen, gibt es noch Psychiatergespräche und eine bemühte Liebelei ohne Konsequenzen.

Wir sehen hier einen anderen Batman: einen netten Batman, der auch mal Gordon Kaffee mitbringt und ihm hilft, die Glühbirne im Batsignal zu wechseln, obwohl er ihm zuvor ein Handy gegeben hat. Am Ende sieht man kaum noch etwas von Batman, bis er dann als brutaler Berserker zurückkehrt. Leider hat man hier verpasst, diese Entwicklung ordentlich darzustellen.

Das ist auch deshalb schade, denn die Albtraum-Sequenzen mit dem Vater sind gelungen: Thomas Wayne desillusioniert Bruce, indem er ihm klarmacht, in der Familie sei es alles andere als rosig zugegangen. Thomas habe zu viel gearbeitet und habe zu wenig Zeit für seinen Sohn gehabt. Daraus hätte man eine interessantere Geschichte machen können.

So ist es kein Wunder, dass von dieser epischen Story bisher kein Paperback erschienen ist. Man kann sie getrost dem Vergessen anheim geben.

>> Batman 2000-2011


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Neue Musik zu „The Batman“

Bald ist es soweit: Am 3. März 2022 soll The Batman ins Kino kommen. Regisseur Matt Reeves liefert mit fast drei Stunden auch damit den längsten Batman-Solo-Film ab. Nun hat Warner Bros. die Main Theme von Michael Giacchino veröffentlicht (auch bei Spotify). Wie schon bei Hans Zimmers Musik zur Dark-Knight-Trilogie besteht die Melodie im Wesentlichen aus zwei Tönen – Minimalismus für die maximale Dramatik. Zwischendurch geht es auch mal sehr hoffnungsvoll zu.

Giacchino ist damit bekannt geworden, dass er es bereits schaffte, bei der Serie Lost einem die Tränen in die Augen zu treiben, ähnliches gelang ihm auch bei Star Trek und dem Pixar-Film Oben. Darüber hinaus schrieb er auch die Musik zu Mission Impossible: Phantom Protokoll, Doctor Strange und der jüngsten Spider-Man-Trilogie. Musikalisch kann schon mal nicht viel schief gehen.

The Batman mit Robert Pattinson in der Hauptrolle wird den Riddler (Paul Dano) und Pinguin (Colin Farrell) als Schurken haben. Darüber hinaus treten Catwoman (Zoë Kravitz), Carmine Falcone (John Turturro), James Gordon (Jeffrey Wright) und Alfred Pennyworth (Andy Serkis) auf.

Begleitend dazu ist eine Serie auf HBO-Max geplant.


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Mad Hatter und die verstrahlte Maske

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Radioaktiv: Batmans pinke Maske. (Warner Bros.)

Titel: The Contaminated Cowl/The Mad Hatter Runs Afoul (dt. Vorsicht, Strahlung!)

Drehbuch: Charles Hoffman

Erschienen: 1967 (S02E35-36)


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Mad Hatter mit Schlinge und Komplizin. (Warner Bros.)

Der Mad Hatter klaut 700 Hutschachteln, um seine Sammlung einzumotten. Er hat seine Sammelleidenschaft einem anderen Objekt der Begierde zugewandt: Juwelen. Trotzdem will er immer noch Batman um seine Maske bringen. Und das geht so.

Zunächst klaut der Schurke einen Rubin aus der extravagaten Kopfbedeckung einer Frau. Nach der obligatorischen Keilerei mit Batman und Robin, besprüht er Batmans Maske mit einem radioaktivem Spray. Zum Glück hat Batman eine „Anti-Radioactive-Bat-Pill“ gegen Strahlung dabei. Doch wie lange die wirkt, ist unklar. Außerdem bleibt die Maske verstrahlt und nimmt eine pinke Farbe an – was radioaktive Masken eben so tun. Leider sind die Ersatzmasken gerade alle in der Reinigung. Was tun?

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Mad Hatter Undercover mit Fez. (Warner Bros.)

Batman bittet einen Atomforscher um Hilfe. Bruce Wayne hat gerade Geld für seine Einrichtung gespendet. Der Wissenschaftler will die Maske dekontaminieren und ruft seinen Mitarbeiter Otto herbei. Otto trägt einen Strahlenanzug (im Gegensatz zu allen anderen), doch in Wahrheit steckt der Mad Hatter darin, der die Chance ergreift, an Batmans Maske zu kommen. (Inspiriert wurde die Geschichte von Detective Comics #230 und Batman #161.)

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Batman und Robin unter Bestrahlung. (Warner Bros.)

Batman hat aber zum Glück plötzlich einen Ersatz dabei und kann die Verfolgung aufnehmen. Robin ist leider indisponiert, weil der Hatter ihm gegens Schienbein tritt. Ohne groß Widerstand zu leisten wird das Dynamische Duo in einer Kammer eingesperrt und Röntgenstrahlen ausgesetzt. Und was dann folgt, ist nichts für schwache Nerven. Daher ist diese SPOILER-Warnung gleichzeitig eine Trigger-Warnung. Wer immer noch weiterlesen möchte, tut dies auf eigenes Risiko …

Bereit?

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Neal Adams zerstört Batman

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DC Comics

Titel: Batman vs. Ra’s al Ghul

Autor/Zeichner: Neal Adams

Erschienen: 2019-2021 (Miniserie #1-6), Hardcover 2021


„What … the living hell is this?!“ (Deadman)

Zugegeben: Ich war skeptisch, als DC verkündete, dass Neal Adams noch eine Batman-Miniserie macht. Als Zeichner ist er eine Legende der 60er- und 70er-Jahre, als Autor hat er spät so ein Machwerk wie Batman: Odyssey verbrochen, das ich immer noch nicht verdaut habe. Nun kehrt er zu Ra’s al Ghul zurück, dem Schurken, den er 1971 mit Dennis O’Neil geschaffen hat. Doch leider ist das so geworden wie befürchtet.

Worum geht’s? Tja, allein das ist nicht leicht zu beantworten. Batman vs Ra’s al Ghul spielt in einem eigenen Universum mit einigen bekannten Versatzstücken: Einerseits wird Bezug genommen auf die Zerstörung Gothams in Cataclysm (Das Beben) und No Man’s Land (Niemandsland), andererseits gibt es einen Damian Wayne, was viel später spielt. Dann ist Commissioner Gordon aus irgendeinem Grund in Japan als Energieberater tätig und Ra’s al Ghul wird Professor (für was?) genannt und darf unbescholten Atomkraftwerke errichten, nur um sich am Ende davon zu distanzieren und für Wasserstoff zu werben.

Batman trifft Deadman (wieder)

Wie bitte? All das wird nie erklärt. Doch kommen wir zur Geschichte. Kurz gesagt: Terroristen greifen ein Kraftwerk an, Batman vereitelt das und wird dabei getötet. Doch dann stellt sich heraus, dass Bruce Wayne weiterlebt, sich aber nicht mehr an sein Dasein als Batman erinnern kann (genauso wenig wie Damian) und Geschäfte mit Ra’s macht. Parallel dazu lebt Batman weiter, allerdings in einer anderen Dimension, wo er mit Deadman unterwegs ist (schon wieder) und buchstäblich zum Dämon mutiert – aber nicht, dass das irgendwelche Konsequenzen hätte.

Außerdem findet noch eine Batman-Olympiade statt, in der Nacheiferer aus aller Welt zusammenkommen. Und es gibt Dinos, Monster, Trolle und Etrigan. Und Man-Bat mit She-Bat. Und Matches Malone. Und für alle, die es interessiert: Boston Brand alias Deadman hat einen Bruder usw.

Adams hat seine besten Jahre hinter sich

So spricht es dem Leser aus der Seele, wenn sich Deadman an den Kopf greift und fragt, was zur Hölle hier eigentlich los ist, bzw. was sich Neal Adams dabei gedacht hat. Offenbar nimmt er sich selbst nicht ganz ernst, denn er lässt Robin fragen: „Doesn’t this feel kinda like a Batman/Robin cartoon?“ Ja, auch das tut es. Manche Sequenz ist so lächerlich, dass man es als Selbstironie verstehen könnte – wäre da nicht so viel Ernst dabei und wären die Dialoge nicht so grenzdebil geschrieben. Damit liefert Adams genauso ein unsägliches Werk wie Odyssey ab, über das sich nichts Gutes sagen lässt. Mit Ra’s al Ghul hat das alles nur wenig zu tun.

Normalerweise kommt jetzt der Part, in dem ich sage: Aber die Optik! Doch auch hier muss man wieder feststellen, dass der Zeichner seine besten Jahre längst hinter sich hat. Nicht nur seinen Figuren mangelt es an Ausdruck, auch seine Layouts wirken aus der Zeit gefallen bis stümperhaft. Wer einen Pfeil braucht, um zu zeigen, wie man die Panels lesen soll, hat etwas falsch gemacht. Und wenn Adams keine Lust hatte, Hintergründe zu zeichnen (etwa einen steinigen Weg), hat er verfremdete Fotos eingesetzt. Das wirkt furchtbar lieblos und billig.

Keine Frage: Adams hat seinen festen Platz in Batmans Geschichte. Aber der Name allein sollte nicht mehr dazu reichen, ihn weitere Comics schreiben zu lassen.

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Flashpoint-Batman kehrt zurück

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DC Comics

Flashpoint war 2011 das lesenswerte Event, mit dem DC sein neues Universum „The New 52“ startete. Batman und Flash erlebten darin eine alternative Zeitlinie, in der Superhelden im Krieg miteinander waren. Die wohl interessanteste Figur war der Flashpoint-Batman, Thomas Wayne, der nach dem Tod seines Sohnes Bruce gegen einen Joker kämpft – seine eigene Frau Martha.

Die Figur war so gut, dass man sie nicht einfach so sterben lassen konnte. Also hat Tom King sie für seine zähe Batman-Storyline ausgegraben, in der Thomas sich mit Bane verbündet und mit unserem Bruce durch die Wüste reitet, um ihm eine Lektion zu erteilen (siehe City of Bane).

Doch im April kehrt dieser Batman zurück: In Flashpoint Beyond #0 versuchen Autor Geoff Johns und Eduardo Risso (Broken City, Dark Night) glaubhaft zu erklären, wie die Welt von Flaspoint weiter existieren kann. Danach folgt eine sechsteilige Miniserie (gezeichnet von Xermánico), die alle zwei Wochen erscheinen soll. Thomas Wayne jagt als Batman einen „Clockwork Killer“ durch Europa, um die Welt seines Sohnes zu retten, trifft Aquaman und einen alternativen Barry Allen.

Die Nullnummer soll am 5. April erscheinen, 48 Seiten umfassen und 5,99 US-Dollar kosten, die folgenden Ausgaben sollen 32 Seiten umfassen und jeweils 4,99 US-Dollar kosten. Eine Vorschau auf die ersten Seiten gibt es bei DC.

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Hutmacher auf Raubzug

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DC Comics

Titel: The New Crimes of the Mad Hatter

Autor/Zeichner: Dave Wood/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1964 (Batman #161)


Nachdem der (neue) Mad Hatter, Jervis Tetch, dabei gescheitert ist, Batmans Maske für seine Samlung von Kopfbedeckungen zu stehlen (Detective Comics #230), sucht er sich ein profaneres Ziel aus: Geld. Die Hüte dienen ihnen nur noch als Mittel zum Zweck – und natürlich als Leitmotiv für seine Verbrechen. Denn jeder Superschurke muss seinen Markenkern pflegen.

Erste Masche: Tetch und seine Bande verkleiden sich als Feuerwehrmänner, tun so, als gäbe es ein Gasleck in einer Bank und bringen das Geld in Sicherheit. Der Filialchef jubelt: Hurra! Doch warum nimmt die Feuerwehr die Geldsäcke mit? Oh nein, das war ein Überfall!, schreit der wohl naivste Bankier der Welt.

Batman und Robin fangen die Bande ab, schnapen sich die Säcke, werden mit Gas vom Auto gestoßen und landen sicher auf der Kohle. Stehenbleiben und das Geld wiederholen? Nee, hat keinen Sinn.

Robin Hood, Koch, Clown

So geht es dann weiter. Zweite Masche: Mad Hatter verkleidet sich als Robin Hood und klaut goldene Pfeile mit einer Hutfeder. Zweite Masche: Mad Hatter klaut eine Tiara, indem er sich als Koch verkleidet. Die Mütze lässt ihn mit einem Sprung durchs Oberlicht fliehen. Batman denkt nicht daran zu folgen, wohl weil er gerade mit Robin zusammengestoßen ist.

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Mad Hatter und seine Jury von Hüten. (DC Comics)

Doch er durchschaut die Methode: Tetch hat es auf die Mitglieder der Jury abgesehen, die ihn einst schuldig gesprochen hat. Dankenswerterweise geht er der Reihe nach vor. Nächstes Ziel: eine Bowlingbahn, wo wieder das Preisgeld unbewacht herumsteht. Der Hatter im Clownskostüm zaubert aus seinem Bowler eine Bowlingkugel, die sich von selbst aufbläst und in einer engen Gasse dem Dynamischen Duo den Weg versperrt.

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Mad Hatter bowlt gegen Batman und Robin an. (DC Comics)

Hutnadel wird zum Verhängnis

Da die Masche durchschaut ist und sich seine Bande ausdünnt, wollen die verbliebenen Komplizen hinschmeißen. Aber diesmal plant Hatter das größte Ding überhaupt: Er gibt sich als Zauberer aus, der sich aus einem Banksafe befreien soll. Doch er will stattdessen nur das Geld befreien. Tetch zieht bei der Flucht alles Mögliche aus dem Hut: Blumen, einen falschen Hasen, Tücher. Zum Schluss fliegt er mit einem riesigen Ballon davon. Da wirft Robin eine Hutnadel und holt den Irren wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurück.

Für die nächsten 18 Jahre verschwindet der Mad Hatter aus den Comics. Doch es gibt noch ein Intermezzo: im Fernsehen. Diese Geschichte dient (so wie die letzte) als Inspiration für die Episoden.

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Fanboy wird Batman

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DC Comics

Titel: Realworlds: Batman

Autor/Zeichner: Christopher Golden, Tom Sniegoski/Marshall Rogers

Erschienen: 2000 (One-shot)


Charlie ist nicht nur ein Batman-Fan, er ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Fanboy: 28 Jahre alt und noch immer begeistert er sich so sehr für Batman – besonders den der 60er-Jahre-Serie -, dass er Batman geradezu lebt. Er trägt oft ein passendes Kostüm, fährt ein Bat-Bike, singt ständig die Titelmelodie und sieht überall nur Schurken und Verbündete. Charlie ist kein normaler Erwachsener. Er ist in seiner Entwicklung stehengeblieben. „Retarded“ würden böse englische Zungen sagen, was man aber nicht mehr sagt, außer man ist Frank Millers All-Star Batman – und dann passt es wieder (sieht man einmal vom Anachronismus ab). Das ist natürlich kein Problem, denn Charlie lebt ein sorgloses Leben. Doch dann taucht eine alte Jugendfreundin auf, die früher mit ihm Batman und Robin gespielt hat. Heute ist sie ein Junkie in einer doppelt toxischen Beziehung mit ihrem Dealer. Charlie sieht seinen einstigen Robin in den Fängen des Jokers und beschließt, sie zu befreien …

Altmeister Marshall Rogers

In dieser Realworlds-Geschichte versucht DC, seinen Comichelden in der sogenannten Realität zu verankern: Was wäre, wenn jemand Batman zu ernst nähme? Doch eigentlich geht es hier nicht darum, sondern um einen geistig eingeschränkten Menschen, der die Welt durch die naive Brille der Fiktion betrachtet. Diese Sicht ist auf tragische Weise statisch – eine Entwicklung ist nicht zu erwarten. Doch sie findet trotzdem statt, als Charlie zunehmend erkennt, dass seine Adam-West-Methoden nicht wirken und er sich mehr von Michael Keatons (bzw. Tim Burtons) Interpretation angesprochen fühlt: Aus dem harmlosen Batman-Spiel wird plötzlich Ernst und damit auch Gefahr.

Eine etwas andere Batman-Story kriegt man hier geboten, gezeichnet von Altmeister Marshall Rogers (Strange Apparitions, Dark Detective), in der man auch als „normaler“ Batman-Fan einen Spiegel vorgehalten bekommt.

>> Batman 2000-2011


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Batman und der Hutsammler

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DC Comics

Titel: The Mad Hatter of Gotham City 

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1956 (Detective Comics #230)


Die heute klassischen Batman-Schurken waren in ihrer Anfangszeit eher seltene Erscheinungen. Bis auf Joker, Pinguin und Catwoman kamen z.B. Clayface, Riddler und Scarecrow nur zweimal vor, bevor sie für Jahre verschwanden. Der Mad Hatter hatte im Golden Age nur einen Auftritt (1948) und dann erst acht Jahre später wieder, als bereits das Silver Age anbrach. Niemand scheint ihn vermisst zu haben. Nur Robin äußert zu Beginn den Wunsch, endlich mal den Hatter zu schnappen, obwohl sie das bereits getan haben und es bislang kein Wiedersehen gab.

Doch während der erste Verrückte Hutmacher ein kleines, glattrasiertes Männlein mit übergroßem Hut war (wie sein Vorbild aus Alice im Wunderland), ist der neue Hutmacher ein rothaariger Schnurbartträger in Normalgröße, ohne Hut auf dem Kopf, dafür mit einer Sammelleidenschaft für Hüte, weshalb es umso seltsamer erscheint, dass er selbst keinen trägt. Auch mit einem Hutmacher hat er – Achtung Kalauer – nichts am Hut.

Jervis Tetch will Batmans Maske

Diesem Mad Hatter (Jervis Tetch ist sein Name) scheint es ganz gut zu gehen. Er lebt in einem riesigen Anwesen mit Kaminzimmer und einer stattlichen Sammlung an Kopfbedeckungen, die er alle geklaut hat. Nur noch eine fehlt ihm: Batmans Maske. (Es mutet seltsam an, „cowl“ hier wörtlich mit „Kutte“ zu übersetzen.) Tetch hat auch einen Plan: Er hat aus der Zeitung erfahren, wo Batman das nächste Mal auftauchen wird. Dort schlägt er zu. Wie gut, dass der Maskierte Rächer eine so öffentliche Figur ist …

Erstes Ziel: Ein Mittagessen in einem Lokal namens Green Derby, dessen Dach von einem riesigen Hut (einer Melone) geziert wird. Als Batman und Robin den Laden betreten wollen, schlingt sich ein Lasso um Batman und zieht ihn aufs Dach. Statt sich gegen die Angreifer zu wehren (zum Beispiel mit den Beinen), wartet er darauf, dass Robin sich die Melone vom Portier schnappt und damit den Mad Hatter bewirft. Das allein reicht, um den Schurken und seinen Handlanger in die Flucht zu schlagen. Verfolgung? Nö.

Die vertrahlte Maske

Zweiter Versuch: Tetch gibt sich als Bildhauer aus, der eine Statue von Batman anfertigt. Unter einem Vorwand bittet der ihn, sich seiner Maske zu entledigen. Obwohl Batman das falsche Spiel sofort durchschaut, spielt er es mit und setzt sich dann beim Angriff einen übergroßen Hut mit Augenschlitzen auf, damit man ihn nicht erkennt. Eine Statue geht zu Bruch, wieder haut Tetch ab, ohne dass jemand auch nur daran denkt, ihm zu folgen.

Dritter Versuch: Batman besucht ein Labor für Experimente mit radioaktivem Material. Was er dort will, bleibt ein Rätsel. Plötzlich gibt aber seine Maske Strahlung ab. Tetch gibt sich als Laborant aus, um die Maske stehlen zu können. Wieder fällt Batman drauf rein. Dann setzt er sich den Helm eines Strahlenanzugs an und folgt dem Gauner diesmal mit dem Batplane. Ein Geigerzähler zeigt ihm, wohin Tetch flieht – nämlich nach Hause.

Das war ja einfach. Noch einfacher ist das Finale: Batman entwindet einen Turban und haut Tetch mit dem Tuch auf die Finger. Zum Schluss setzt es den obligatorischen Haken und der Hatter wird unter Hüten begraben. Ab in den Knast.

Diese Story inspirierte auch die ersten Mad-Hatter-Folge der Batman-TV-Serie mit Adam West: „The Thirteenth Hat/Batman Stands Pat“ (dt. Der 13. Hut).

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Batmans Revanche mit Green Hornet

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DC Comics

Titel: Batman 66 Meets the Green Hornet

Autor/Zeichner: Kevin Smith, Ralph Garman/Ty Templeton u.a.

Erschienen: 2014 (Digitale Miniserie #1-12), Paperback 2015


„I happen to think Batman’s cape is quite stylish. Certainly more so than a green hat and overcoat.“ (Bruce Wayne)

Der maskierte Held Green Hornet ist drei Jahre älter als Batman. 1936 tauchte er erstmals in einem Radio Serial auf. 1941 – ebenfalls vor Batman – bekam er ein Kinoserial. Als 1966 erstmals eine TV-Serie erschien, kam sie nach dem Erfolg der Batman-Serie mit Adam West – ebenfalls produziert von William Dozier. Bruce Lee wurde darin berühmt in der Rolle des Kato. In mehreren Episoden nehmen die Serien aufeinander Bezug, in einer Batman-Doppelfolge kommt es sogar zu einem gemeinsamen Abenteuer gegen den Schurken Colonel Gumm (A Piece of the Action/Batman’s Satisfaction).

2014 erschien eine Fortsetzung als Comic. Wieder ist Colonel Gumm der Gegner. Der trägt neben einer pinken Uniform auch eine Maske aus steinhartem Kleber, den er selbst fabriziert hat und nun nicht mehr runterbekommt. Denn Kleber und alles, was klebt, ist seine große Leidenschaft – also auch Briefmarken. Und weil Briefmarken gestempelt werden, mag er auch alle anderen Dinge mit Abdrücken wie Fossilien, Münzen und Nudelpressen. Dabei macht er gemeinsame Sache mit einem anderen Hanswurst im pinken Anzug: dem Joker.

Der erste Raub findet in einem fahrenden Zug statt, in dem zufällig Bruce Wayne und Britt Reed mit seinem Diener Kato unterwegs sind. Die beiden sind sich – Achtung: Kalauer – immer noch nicht grün. Green Hornet wird allgemein weiterhin für einen Schurken gehalten und der Held hält die Fassade aufrecht, um so besser gegen das Verbrechen zu kämpfen. (Klingt logisch, oder? Nein? Na ja, auch egal.)

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DC Comics

So gerät der Fall für Batman und Robin sowie Green Hornet und Kato zu einer klebrigen Angelegenheit. Immer wieder stecken sie gemeinsam im Schlamassel fest und müssen erkennen, dass sie als vermeintliche Gegner zusammenarbeiten müssen. Mal klebt man am Dach eines fahrenden Zuges fest, mal bekommen die Sidekicks die Atemwege verklebt und mal pappt das Dynamische Duo auf einer riesigen Nudelpresse.

Weitere Highlights: Robin und Kato liefern sich ein Rematch in einer Art Battle Royale. Green Hornet besucht die Batcave (natürlich nur betäubt) und geht mit Batman Wände hoch, man fährt gemeinsam im Bat-Hovercraft und prügelt sich so hart mit den Schurken, dass Interjektionen durch die Luft fliegen.

Wer die Serien kenn und liebt, wird hier seinen Spaß haben. Die Figuren sind gut getroffen (wenn auch manchmal etwas steif gezeichnet) und der alberne, aber selbstironische Humor wird so stilsicher fortgesetzt wie die absurden Situationen. Auf 140 Seiten wirkt der Comic wie ein nie gedrehter Crossover-Film. Und die Cover von Alex Ross glänzen wie die perfekten Filmplakate dazu. Schaut euch mal das Cover zu Ausgabe 2 an – das ist zum Niederknien brillant komponiert.

>> Batman 1966


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