Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Das Batmobil der 50er – immer der Zeit voraus

DC Comics

Titel: The Batmobile of 1950/Secret of the Batmobile

Autor/Zeichner: Joseph Samachson, Bill Finger/Dick Sprang, Sheldon Moldoff

Erschienen: 1950/1956 (Detective Comics #156/Batman #98)


Das Jahr 1950: ein neues Jahrzehnt – also höchste Zeit für ein neues Batmobil! Und zwar eins, das seiner Zeit gleich um zehn Jahre voraus ist. Aber zuerst muss das alte entsorgt werden. Denn das ist immerhin auch schon fast zehn Jahre alt.

Als Batman und Robin drei Gauner nach einem Raubzug verfolgen, haben die dreimal Pech: Batman wird zunächst von einem Netz aufgehalten, dann angeschossen, schließlich sprengen die Ganoven auf der Flucht eine Brücke und das Batmobil stürzt samt den Helden in die Tiefe. Das Auto ist Schrott. Batman kommt mit einem gebrochenen Bein davon. Schon spotten die Gauner, er könne sie bald im Rollstuhl verfolgen, aber Batman wäre nicht Batman, wenn er nicht einen Plan hätte.

Schon zuvor hat er nämlich ein neues Batmobil entworfen: mit Raketenantrieb, Radar (um im Dunkeln sehen zu können) und mit einem integrierten Kriminallabor. Sofort macht sich der Wunderknabe an die Arbeit, das Wunderauto zu bauen. Aber das Verbrechen steht nicht still. Robin muss alleine los – und blamiert sich bis auf die Knochen, als er in einem schrottreifen Oldtimer die Verfolgung aufzunehmen versucht.

Das neue Batmobil: Detective Comics #156 (1950)

Doch kaum zurück, ist das Batmobil wie durch ein Wunder fertig, obwohl Batman noch immer seinen Gips trägt. Im Grunde sieht es nicht viel anders aus als das Alte, aber es fällt sofort auf, dass es leichter und schneller ist. Robin findet die Gauner, Batman wartet im Wagen. Per Monitor auf dem Armaturenbrett kann er sehen, als Robin Hilfe braucht und mit dem Auto zur Hilfe eilen. Später macht ihnen eine gesprengte Brücke nichts aus – dank Raketenantrieb springt das neue Batmobil einfach drüber.

Dann verwirrt es die Ganoven mit Rauch und mit dem Radar kann das Dynamische Duo gut erkennen, wo es zuschlagen muss. Zum Schluss lehrt das Batmobil einen der Schurken das Fürchten, indem es ihm ein kleines Batsignal ins Gesicht scheinen lässt. Batman war übrigens die ganze Zeit wieder fit. Er wollte nur sehen, ob das Batmobil sein Handicap kompensieren kann. Schade, denn ich dachte, er wollte testen, ob sich Robin auch alleine bewährt. Aber der Junge ist noch nicht so weit – auch wenn er bereits Auto fahren darf.

Panzer, Amphibienfahrzeug, Schneemobil

DC Comics

Sechs Jahre später bekommt das Batmobil Konkurrenz von einem Gegner im gelben Rennwagen: dem Racer. Als wäre der nicht schon schwierig genug zu fassen, macht Reporterin Vicky Vale noch ein Foto vom Batmobil, das Batmans Geheimidentität lüften könnte. Um die Veröffentlichung des Bildes zu verhindern, hält Batman sie mit neuen Geschichten über das Batmobil hin.

Dabei erfahren auch wir, wie vielseitig das Gefährt ist: Mal bauen Batman und Robin es zum Panzer aus, der Stürmen standhält, mal dient es als Amphibienfahrzeug, das sowohl im Wasser als auch an Land fahren kann, schließlich wird es zum Schneemobil, wo es sogar durch Eis brechen kann. Weil dabei aber der Motor zerstört wird, muss Bruce Wayne sein Privatauto als Batmobil tarnen – das ist das Geheimnis, das Vicky beinahe lüftet.

Aber natürlich nur beinahe. Denn am Ende wird wie immer das Schlimmste verhindert. Und auch der gelbe Racer wird gefangen genommen. Nichts ist schneller als das wahre Batmobil.

Batmobil als Schneemobil. (DC Comics)

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Batman: Three Jokers erscheint im Sommer 2020

Three Jokers #1-3 (DC Comics)

Endlich ist es soweit: Der lang angekündigte Dreiteiler Three Jokers von Geoff Johns und Jason Fabok hat einen Erscheinungstermin. Teil 1 soll laut DC am 17. Juni 2020 herauskommen, die anderen beiden im Juli und August. Jedes Heft soll 48 Seiten umfassen. Da die Arbeit an der Miniserie beendet sein soll, ist nicht mit Verzögerungen zu rechnen. DC hat vorab nicht nur die drei Cover, sondern auch die ersten drei Seiten veröffentlicht.

UPDATE 13.5.2020: Die erste Ausgabe verspätet sich und erscheint voraussichtlich am 25. August 2020. Eine Vorschau gibt es bei DC.

Wie Johns und Fabok Entertainment Weekly verraten haben, handelt es sich um eine Art Fortsetzung des Klassikers The Killing Joke. Die drei Joker entsprechen den Versionen aus Batman #1 (1940), The Killing Joke (1988) und A Death in the Family (1988-89). Batman, Batgirl und Red Hood arbeiten zusammen, um das Rätsel zu lösen, das mit Justice League #50 begann.

UPDATE 18.3.2020: Three Jokers soll laut Amazon am 10. November gesammelt als Hardcover erscheinen.

Three Jokers Cover

Three Jokers (DC Comics)

Geoff Johns hat unter anderem Batman Earth One Vol. 1 und Vol. 2 geschrieben (Teil 3 ist in Arbeit) sowie zuletzt die Watchmen-Fortsetzung Doomsday Clock.

Das Jahr 2020 steht im Zeichen des Jokers, denn der Schurke feiert im Frühling sein 80-jähriges Bestehen. Dazu erscheinen im April ein 100-Seiten-Special mit neuen Kurzgeschichten sowie eine neue Joker-Anthologie.

Im Juli kommt die Hardcover-Ausgabe zu dem Dreiteiler Joker: Killer Smile von Jeff Lemire und Andrea Sorrentino heraus.

>> Liste der Joker-Comics

Batmans böser Schatten der Vergangenheit

DC Comics

Titel: Batman – Death Mask

Autor/Zeichner: Yoshinori Natsume

Erschienen: 2008


Nachts wird Bruce Wayne von einer Gestalt heimgesucht, die an Batman erinnert. Dann bekommt er mal wieder Besuch aus Japan: Der Unternehmer Shiro Agurama präsentiert eine Maske, die angeblich magische Kräfte verleiht. Ein Freiwilliger, der sie aufsetzt, dreht durch und schlägt um sich. Gleichzeitig macht ein maskierter Serienmörder Gotham City unsicher, der seinen Opfern die Gesichter vom Schädel schneidet: Oniyasha. Bruce wird in seine Jugend zurückversetzt, als er in Japan Kampfsport gelernt hat und von dem Schatten eines Dämons verfolgt wurde.

In der Mitte der Geschichte stellt sich heraus, dass es für die scheinbare Magie eine ganz einfache Erklärung gibt: Der Unternehmer züchtet im Holz der Masken einen besonderen Pilz, der berauschend wirkt. Daraus will er eine neue Droge herstellen und viel Geld verdienen. Die Gesichter lässt er von einem Profikiller abschneiden, weil nur sie ein bestimmtes Öl absondern, das er für die Drogenproduktion braucht. (Oder mit anderen Worten: So lässt sich die brutale Gewalt im Comic rechtfertigen.)

Batman von Yoshinori Natsume (DC Comics)

Drogen aus Japan in Gotham? Das gab es schon bei Child of Dreams. Hier lassen sie zwar nicht Menschen zu Klonen mutieren, aber dafür setzen sie auch das Schlechteste in ihnen frei. Und auch hier taucht eine junge Frau aus Japan in Bruces Leben auf. Dann macht die Story aber eine Wende, die zwar überrascht und persönlicher wird, aber dann doch ziemlich schnell in Belanglosigkeit verpufft. Eine wirklich neue Perspektive auf Batman hat dieser Manga nicht zu bieten.

Death Mask, der zweite Batman-Manga des 21. Jahrhunderts, ist – wie schon Child of Dreams – phänomenal gezeichnet. Anders als Kia Asamiya hat Yoshinori Natsume aber einen weicheren Zeichenstil, Batman und andere Figuren erscheinen etwas runder, gefälliger, und das Ganze wirkt näher am japanischen Stil als am westlichen. Die Bilder bekommen viel Raum, immer wieder gelingen Nastume beeindruckende Splash Pages mit typischer Batman-Stimmung.

Batman von Yoshinori Natsume (DC Comics)

Die erste Hälfte, gerade die Seiten über die Jugendepisode in Japan, ist noch interessant zu lesen, aber leider hält die zweite Hälfte dieses Niveau nicht. Zuweilen steckt auch zu viel Pathos in den Sprechblasen. Trotzdem lassen sich die rund 200 Seiten flüssig weglesen.

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Alfred als Gastgeber für Ganoven

Unverhoffter Besuch: Alfred mit Gaunern. (DC Comics)

Titel: Alfred: The Hospitable Hostage

Autor/Zeichner: Bob Rozakis/George Tuska

Erschienen: 1979 (Detective Comics #486)


Als Alfred Pennyworth eines Tages das Hochhaus der Wayne Foundation betritt (in den 70ern hatte Batman Wayne Manor und Bathöhle verlassen), wird er von drei Gaunern in den Fahrstuhl gestoßen. Sie wollen Bruce Waynes Wohnung leerräumen und er soll ihnen dabei helfen. Bruce ist nicht da, doch das größte Problem ist, wenn er als Batman zurückkehren sollte – dann fliegt er nämlich auf.

Damit die Gauner auf der Suche nach Beute nicht zufällig die Bathöhle finden, zeigt Alfred ihnen den Safe und serviert ihnen Kaffee, denn ein guter Butler bleibt auch gegenüber ungebetenen Gästen, die sich lieber selbst bedienen, stets ein guter Gastgeber. Alfred öffnet ihnen sogar den Safe, bevor sie noch größeren Schaden anrichten. Viel Geld ist da zwar nicht drin, wertvoller sind die Aktien, aber die sind nur wertvoll, wenn Bruce Wayne sie unterschreibt. Also warten die drei Ganoven auf die Rückkehr des Hausherren.

Um die Begegnung zu verhindern bietet Alfred ihnen seine Briefmarkensammlung als Ersatz an. Die nehmen sie ihm auch gerne ab, bleiben aber trotzdem, bis Bruce kommt. Aber wo bleibt er denn?, fragen sie, als es langweilig wird. Wahrscheinlich bei James Gordon, sagt Alfred. Mit Polizei wollen die drei aber nichts zu tun haben, also hauen sie wieder ab. Alfred blockiert per Konsole den Aufzug und als Bruce zurückkehrt, kann er sich in aller Ruhe darum kümmern, für seine Gäste eine Mitfahrgelegenheit zu rufen – im Streifenwagen.

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Das neue Batmobil aus „The Batman“

Battinsons Batmobil von vorn. (Quelle: Matt Reeves/Twitter)

Nach und nach lässt Regisseur und Co-Autor Matt Reeves Details zu seinem Film The Batman durchsickern. Nach Robert Pattinsons Kostüm hat er nun auch drei Bilder vom neuen Batmobil getwittert. Das Modell überrascht, denn anders als seine Filmvorgänger ist es ein Sportwagen. In den Filmen der 90er waren es extravagante Limousinen, bei Christopher Nolan und Zack Snyder waren es eher Panzer in der Tradition von The Dark Knight Returns.

Battinsons Batmobil von hinten. (Quelle: Matt Reeves/Twitter)

Das neue Batmobil ist in schlichtem Schwarz gehalten, nichts erinnert an eine Fledermaus. Der Heckmotor ist nicht verdeckt, rotes Licht kommt aus den Scheinwerfern.

Offene Motor: Batmobil von hinten. (Quelle: Matt Reeves/Twitter)

Reeves Auto erinnert an den Lincoln Futura, den Adam West in den 60ern fuhr, aber vor allem an die Comics der 80er, als Batman sich zum Beispiel die Reifen von Jason Todd stehlen ließ (Second Chances), und auch an die 90er.

Batmobil in „Second Chances“. (DC Comics)

Batmobile in Detective Comics #589, 1988 (DC Comics)

Batmobil in „Knightfall“ (DC Comics).

In manchen Comics der 90er, wie bei Batman/Predator waren zwar noch Flügel, bzw. Flossen dran, aber es war immer noch ein schnittiger Sportwagen.

Batmobil aus Batman/Predator (DC Comics)

Auch Neal Adams hat in Batman: Odyssey einen schicken Sportwagen gezeichnet.

Batmobil von Neal Adams (DC Comics)

Die Dreharbeiten zu The Batman haben im Januar begonnen. Der Film soll am 25. Juni 2021 in die US-Kinos kommen.

Ein Omnibus für Paul Dini

DC Comics

Paul Dini ist einer der wichtigsten Batman-Autoren. Er hat nicht nur einige der besten Episoden für Batman: The Animated Series geschrieben und Harley Quinn erfunden, er hat in den Nuller-Jahren auch viele Comic-Storys verfasst, darunter Streets of Gotham, Heart of Hush und The Resurrection of Ra’s al Ghul (zusammen mit Grant Morrison). Mit Alex Ross schuf er The World’s Greatest Super-Heroes.

In diesem Jahr würdigt DC Comics Dini mit einem eigenen Omnibus. Laut Amazon erscheint der Band mit 1056 Seiten am 8. September 2020. Enthalten sind unter anderem auch seine vielen Kurzgeschichten aus der Serie Detective Comics, die später als Detective, Death and the City und Private Casebook gesammelt wurden. Hier die ganze Liste:

Nicht enthalten ist der Klassiker Mad Love sowie alles andere, was Dini für Batman Adventures geschrieben hat. Dafür wird Mad Love in der Anthologie Joker – 80 Years of the Clown Prince of Crime enthalten sein. Ebenfalls fehlt Dinis zweites Meisterwerk Dark Night: A True Batman Story. Damit dürfte der Band nur schwerlich den Namen „Omnibus“ verdienen – auch wenn er mit über 1000 Seiten üppig genug ausfällt.

Dinis Arbeit für die Comics zu den Arkham-Games (z.B. Arkham City) ist in The Arkham Saga Omnibus (2018) enthalten.

Weitere Hardcover-Highlights im September:

>> Neue Batman Comics 2020

Vom Batman-Fan zum Fanatiker

DC Comics

Titel: Batman – Child of Dreams

Autor/Zeichner: Kia Asamiya (US-Adaption: Max Allan Collins)

Erschienen: 2000-2001 (Zweiteiler), Hardcover 2003, dt. Panini 2001 (2 Bände)


Über 30 Jahre nach Batmanga wagte sich DC erneut an eine japanische Batman-Adaption heran. Batman war gerade 60 Jahre alt geworden und es stand ein neues Jahrtausend an, also war auch Zeit für etwas Neues. Child of Dreams ist über 300 Seiten stark, traditionell schwarzweiß, und weil Mangas-Lesen damals im Westen noch nicht so üblich war wie heute, hat man die Seiten gespiegelt, um sie in die gewohnte Reihenfolge zu bringen. Das hat den Nebeneffekt, dass Two-Face auf der falschen Seite verunstaltet ist.

Child of Dreams erzählt die Geschichte von Yuko Yagi, einer jungen Fernsehreporterin, die mit ihrem Team nach Gotham City fliegt, um Batman für ein Interview zu gewinnen. Kurz darauf führt Two-Face eine Geiselnahme durch und wird von Batman überwältigt. Doch dann stirbt Two-Face, indem er zu einer Mumie zusammenschrumpelt. Es stellt sich heraus: Es war nur ein Nachahmer, der eine neue Droge namens „Fanatic“ geschluckt hat. Die Droge breitet sich in der Stadt aus. Weitere Schurken-Imitatoren tauchen auf: Pinguin, Riddler, Joker. Doch erst ein Batman-Doppelgänger wird für den Helden wirklich gefährlich. Die Spur führt nach Japan. Batman fliegt nach Tokio.

Visuell und atmosphärisch überzeugt Child of Dreams. Gotham in Schwarzweiß ist ohnehin oft eine gelungene Kombination, wie man an Batman: Black and White (ab 1996) sehen kann, aber die Zeichnungen von Kia Asamiya sind in Sachen Präzision und Ausdruck vielen US-Comic der damaligen Zeit weit voraus. Batman ist perfekt eingefangen, sein Batmobil spektakulär. Der Look orientiert sich stark an den Filmen. Doch dann gibt es leider noch die Story.

Die Geschichte handelt von Batman-Fandom und seinen Folgen. Da ist zum einen Yuko Yagi, eine naive Person, die als Reporterin völlig untauglich ist, weil sie – wie ihr auch Bruce Wayne sagt – ihre Geschichte schon im Kopf hat, noch bevor sie anfängt zu erzählen. Sie stürzt sich ohne zu überlegen in gefährliche Situationen, wird von Gordon aus der Stadt verbannt, und weist sonst keine Qualifikation auf, bekommt aber trotzdem alles, was sie will.

Da ist zum anderen der Schurke, der sich als größter Batman-Fan aller Zeiten outet, aber ihn trotzdem umbringen will. Auch wenn er seitenweise seine Motivation erklärt, wird es nicht nachvollziehbar: Batman ist ein Auslaufmodell, er wird bald zu alt sein, also braucht er einen würdigen Nachfolger – und deshalb macht sich der Schurke selbst mit der Droge zu Batman. Trotzdem sieht er darin keinen Widerspruch, selbst zum Schurken und Mörder zu werden, und sein Vorbild zu beseitigen. Im Zweifel kann man alles mit Wahnsinn erklären, aber das ist eine billige Rechtfertigung, denn nichts ist langweiliger als ein Schurke, dessen Motivation man nicht versteht.

Child of Dreams ist selbst die Arbeit eines großen Batman-Fans, wie Kia Asamiya im Interview erklärt, das man am Ende nachlesen kann. Er wird zwar Batman gerecht, aber nicht seinen neuen Charakteren. Das trägt auch dazu bei, dass sein Manga ermüdet: Gerade in der zweiten Hälfte gibt es Längen, wenn Yuko eine größere Rolle spielt und auf Bruce Wayne trifft, und auch im Finale wird viel zu viel geredet – und nicht gerade auf hohem Niveau. Damit ist es einer dieser Comics, den man nur ins Regal stellt, um es höchstens nur zum Blättern wieder herauszuholen.

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Alfred wird Pennyworth und bekommt Verwandtschaft

DC Comics

Titel: Angel — Or Devil?

Autor/Zeichner: Frank Robbins/Irv Novick

Erschienen: 1969 (Batman #216)


Vor dem Gotham Theater bedrohen zwei Männer eine junge Frau. Sie soll etwas tun, das sie nicht tun will. Batman rettet sie, wird ausgeknockt wie ein Amateur, die junge Frau braucht aber keine Rettung: Sie willigt ein und rennt davon. Als Batman wieder zu sich kommt und am Theater herumfragt, wird er mit einer Ritterrüstung und einem Speer beworfen, aber die Übeltäter können entkommen, indem sie sich Kostüme anziehen. Batman gibt auf. Vorerst.

In Wayne Manor stellt Alfred derweil bei der Zeitungslektüre fest, dass sein Bruder Wilfred Pennyworth in der Stadt ist – ein Schauspieler. Moment mal, Pennyworth? Alfred hieß bis dahin noch Beagle mit Nachnamen. Pennyworth stammt aus der TV-Serie. Damit dürfte das letzte Überbleibsel des alten Alfred still und heimlich begraben sein.

Batman gabelt auf dem Heimweg die junge Frau auf und fragt, ob er sie mitnehmen könne. Ja, sagt sie, nach Wayne Manor. Dort will sie zu ihrem Onkel Alfred. Und tatsächlich: Daphne Pennyworth ist seine Nichte. Alfred bekommt hier erstmals eine Verwandtschaft. Dick Grayson vergisst bei ihrem Anblick, dass er krank im Bett liegen müsste, und ist so nett, ihr Bruces wertvollstes Stück zu zeigen: Unter der Shakespeare-Büste liegt das Original-Manuskript zu „Romeo und Julia“ im Safe. Wie Bruce zu diesem unbezahlbaren Kulturgut kam, wird nicht erklärt.

Mord am eigenen Onkel

Offenbar gibt er auch nicht gut darauf acht, denn kurz darauf schleicht sich Daphne nachts an und stiehlt es aus dem Safe. Alfred erwischt sie auf frischer Tat. Sie holt eine Pistole heraus und bedroht ihn damit, er versucht es abzuwenden, doch da geht ein Schuss los – zum Glück nur mit Platzpatronen. Daphne denkt aber, ihren Onkel erschossen zu haben, eilt zurück zum Theater und übergibt den Schurken das Manuskript. Die beiden haben Daphne und ihren Vater erpresst.

Es kommt zum großen Showdown vor und hinter den Kulissen, denn natürlich passiert alles während einer Vorstellung von „Romeo und Julia“, in der Daphne die weibliche Hauptrolle spielt und die Schurken haben ihr einen echten Dolch gegeben, damit sie sich im letzten Akt unwissentlich selbst tötet, aber da springt ihr Vater auf die Bühne und verhindert das Schlimmste. Auch Alfred darf sich hinter den Kulissen nützlich machen, während Batman sich mit Fäusten behilt. Und am Ende scheint völlig vergessen zu sein, dass ihn seine Nichte gerade noch umbringen wollte.

Alfred ist einfach zu gut für diese Welt.

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Batman wird japanisch

DC Comics

Titel: Batman: The Jiro Kuwata Batmanga Vol. 1

Autor/Zeichner: Jiro Kuwata

Erschienen: 1966-1967 (Batmanga #1-19), Paperback 2014


Im Jahr 1966 löste die TV-Serie Batman nicht nur in den USA eine Batmania aus. In Japan war die Serie so beliebt, dass man sogar eine ganz eigene Comic-Serie schuf: Batman wurde erstmals zum Manga. Erst 2008 wurde sie teilweise ins Englische übersetzt, von 2014 an erschien dann die ganze Serie als Nachdruck bei DC.

Zunächst fällt auf, dass die Seiten überwiegend schwarzweiß sind, nur einige sind minimal rot eingefärbt. Die Storys bekommen deutlich mehr Seiten als in den US-Heften: Wurde in den 60ern eine Geschichte etwa 12-15 Seiten erzählt, sind es hier etwa 60 oder mehr. Das liegt auch daran, dass die Sequenzen in viel mehr Panels aufgelöst sind. Es gibt wenig Text in Captions, viele Panels kommen sogar ohne Text aus.

Bruce Wayne und Dick Grayson, Manga-Style. Das Batmobil sieht aber aus wie in der TV-Serie. (DC Comics)

Die Bildsprache ist mit vielen Close-Ups dramatischer, das Ganze ist näher am Film – und damit auch deutlich moderner als die Vorlagen. Kuwata zeichnet seine Figuren deutlich eleganter als zum Beispiel Carmine Infantino oder Sheldon Moldoff. Sein Batman hat eine Dynamik, die stark an die spätere Batman: The Animated Series erinnert.

DC Comics

Kuwata adaptiert zwar eine Auswahl von Storys aus den US-Heften, aber es finden sich kaum klassische Schurken der Rogues Gallery, sondern meist nur Eintagsfliegen wie Dr. Faceless, eine direkte Adaption von The Fantastic Dr. No Face (Detective Comics #319, 1963). Aus „Death-Man“ (Batman #180, 1966) wird „Lord Dead Man“ ein Mann, der nicht sterben kann, bzw. immer wieder von den Toten aufersteht, aus „the Bouncer“ (Detective Comics #347) wird „Human Ball“, ein Mann, der wie ein Gummiball durch die Gegend hüpfen kann, aus dem „Weather Wizard“ (Detective Comics #353) wird „Go-Go the Magician“. In Band 2 werden die Entstehungsgeschichte von Clayface II und es wird auch die Geschichte von Alfreds Tod und Auferstehung als Schurke Outsider nacherzählt (#31-34).

Menschheit abschaffen: Gorilla und der Mutant

DC Comics

Die Storys sind inhaltlich meist identisch mit den Originalen. Interessant wird es aber da, wo sie abweichen. In der Story „The Revenge of Professor Gorilla“ geht Kuwata aber deutlich über die Vorlage (Detective Comics #339) hinaus: Ein Professor überträgt die Stärke eines Gorillas auf sich, dadurch bekommt der Gorilla aber seine Intelligenz ab. Der Gorilla rächt sich daraufhin an den Menschen dafür, dass sie ihn und seine Artgenossen eingesperrt haben. Er wird zum Terroristen, der sogar Zuschauer, die sich einen Tierfilm im Kino ansehen, mit einer Bombe in die Luft jagt.

Auch wenn auch im Original der gesellschaftskritische Aspekt vorhanden ist: So drastisch werden die Batman-Comics der 60er nie, die noch dem Comics-Code unterliegen und daher für zartbesaitete Kinder gemacht sind. Auch zieht der der Gorilla im Original kein Kostüm mit Cape und Maske an, wodurch er menschlicher, aber auch grotesker wirkt.

DC Comics

„The Man who Quit Being Human“ ist eine besonders interessante Erweiterung von „The Man Who Quit the Human Race“ (Batman #165, 1964). Hier stellt sich ein Mann namens Warner als Mutant heraus. Um herauszufinden, ob die nächste Evolutionsstufe des Menschen gutartig ist, lässt er den Mutationsprozess beschleunigen. Falls er sich als böse erweisen sollte, soll Batman ihn mit einer Strahlenkanone töten.

Batman gerät in einen Gewissenskonflikt, aber als der Mutant sich als sehr böse herausstellt und die Menschheit vernichten will, traut er sich nicht zu schießen. Hinzu kommt, dass ihn Batman aus seiner Jugend kennt. Außerdem hat der Mutant noch eine Tochter, die ebenfalls dasselbe Gen besitzt und ebenfalls mutieren könnte. Es stellt sich die moralische Frage, ob man sie präventiv töten sollte, um die Menschheit zu retten. Die Geschichte ist viel dramatischer als das Original und auch die längste des ersten Bandes.

Es lohnt sich also, diese japanische Variante zu entdecken und mit dem Original zu vergleichen. Visuell sind die Mangas erfrischend anders. Die gesamte Batmanga-Serie ist in drei Bänden auf Englisch erschienen. Eine deutsche Übersetzung gibt es bislang nicht.

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Der große Batman-Ausverkauf

DC Comics

Titel: The Day Batman Sold Out/Alfred’s Mystery Menu

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1967 (Batman #191)


„Bat-Auction! Everything Must Go!“ – Was ist das? Batman versteigert seinen ganzen Kram? Alles muss raus? Ist das ein Witz? Nein, denn sonst würden Dick und Alfred nicht bittere Tränen darüber vergießen. Es passiert wirklich. Und das kommt so:

Batman hält den glatzköpfigen Gauner Ira Radon auf, der mit radioaktiven Isotopen Raubzüge begeht. Wie genau das abgeht, fragt mich bitte nicht, es wird auch nicht erklärt und es ist auch egal. Dem Gauner ist es aber nicht egal. Er findet es unfair, dass seine Karriere als größter radioaktiver Verbrecher der Welt so schnell vereitelt wird. Ja, das Leben ist halt nicht fair … Als der Mann Batman angreift, wirft ihn Batman dank seiner „Kata Guruma Judo“-Technik in eine Reaktorkammer. Angeblich unabsichtlich, aber da ist der Schaden schon angerichtet.

Radon wird verstrahlt, überlebt aber gerade so. Er darf nur nicht mehr stehlen. Denn die Aufregung würde eine Reaktion in seinem Körper verursachen, die ihn sterben ließe. Kurz gesagt: Er ist allergisch gegen Diebstahl. Also schwört er Rache. Das scheint offenbar besser für die Nerven zu sein.

Ein paar Monate später ist es soweit: Batman verkündet plötzlich das Ende seiner Karriere (nicht zum ersten Mal) und verhökert Batarang, Batrope und Kostüme an die Meistbietenden. Alte Erzfeinde wie Pinguin und Joker ärgern sich, dass sie selbst nicht mehr zum Zuge kommen, Batman umzulegen.

Die Erklärung für diese rätselhafte Aktion: Ira Radon hat Batmans Arbeitsmittel verstrahlt und wenn er sie noch einmal benutzt, stirbt er, weil sein Körper bereits genug indirekter Strahlung ausgesetzt ist. (Was natürlich physikalisch gesehen hochgradiger Blödsinn ist.)

Ton schützt vor Radioaktivität: Batman als Clayface.

Doch Batman ist ein schlauer Fuchs: Er hat natürlich alles selbst über die Wayne Foundation kaufen lassen, nur der Batarang wurde von einem Fremden ersteigert. Ira Radon schöpft keinen Verdacht, aber er will den Fremden kennenlernen. Doch dann trifft er auf eine Clayface-artige Gestalt – die sich als Batman im Schutzanzug herausstellt. Wieder kommt der Judo-Trick zum Einsatz, wieder gerät Radon selbst in seine eigene Strahlung. Nur diesmal nimmt es ein böses Ende mit ihm.

Alfred wird entführt

In der zweiten Story wird Alfred mal wieder entführt. Ein Gangsterboss veranstaltet nämlich ein Festessen für seinen Millionaire Mobster Club und braucht einen guten Koch. Fachkräftemangel war offenbar schon immer ein Problem, andernfalls kann ich mir nicht erklären, warum er ausgerechnet einen Butler zum Kochen heranschafft. Wem die Geschichte bekannt vorkommt, der irrt nicht: Die Idee stammt aus The Secret Life of Batman’s Butler (Batman #68, 1951). Doch diesmal bekommt die Story einen neuen Dreh: Um seinen Herren mitteilen zu können, wo er gefangen gehalten wird, schickt Alfred eine Geheimbotschaft per Rezept.

Er lässt sich Zutaten für ein bestimmtes Dreigänge-Menü besorgen und weil er weiß, dass die Gangster alles stehlen, kann er auch davon ausgehen, dass Batman und Robin ein paar von denen dabei erwischen werden. Da fragt man sich natürlich, wozu ihr Boss seine Million hat, wenn er seine Leute Lebensmittel klauen lässt. Aber sei’s drum – sonst könnte die Story nicht funktionieren.

Wenn Batman und Robin zum Essen kommen, wird Diät verordnet.

Bruce und Dick gehen Alfreds Rezepte durch und leisten knallharte Detektivarbeit, die nahe an Gedankenlesekunst grenzt. Sie finden Alfred und mischen die Missetäter ordentlich auf. Jetzt wäre es natürlich sehr cool, wenn Batman sagen würde: „Gentlemen, you have eaten well …“ (Preisfrage: Woher stammt das Zitat?) Doch Robin hat einen noch viel besseren Spruch auf Lager: „The feast is over–it’s time now for the famine!“ Die Diät wird mit Fäusten in die Magengrube verordet …

Beim ersten Mal hat sich Alfred noch selbst mit Speiseöl befreit, aber diese Variante der Geschichte ist dann, obwohl noch weiter hergeholt, doch viel cooler …

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