Vom Batman-Fan zum Fanatiker

DC Comics

Titel: Batman – Child of Dreams

Autor/Zeichner: Kia Asamiya (US-Adaption: Max Allan Collins)

Erschienen: 2000-2001 (Zweiteiler), Hardcover 2003, dt. Panini 2001 (2 Bände)


Über 30 Jahre nach Batmanga wagte sich DC erneut an eine japanische Batman-Adaption heran. Batman war gerade 60 Jahre alt geworden und es stand ein neues Jahrtausend an, also war auch Zeit für etwas Neues. Child of Dreams ist über 300 Seiten stark, traditionell schwarzweiß, und weil Mangas-Lesen damals im Westen noch nicht so üblich war wie heute, hat man die Seiten gespiegelt, um sie in die gewohnte Reihenfolge zu bringen. Das hat den Nebeneffekt, dass Two-Face auf der falschen Seite verunstaltet ist.

Child of Dreams erzählt die Geschichte von Yuko Yagi, einer jungen Fernsehreporterin, die mit ihrem Team nach Gotham City fliegt, um Batman für ein Interview zu gewinnen. Kurz darauf führt Two-Face eine Geiselnahme durch und wird von Batman überwältigt. Doch dann stirbt Two-Face, indem er zu einer Mumie zusammenschrumpelt. Es stellt sich heraus: Es war nur ein Nachahmer, der eine neue Droge namens „Fanatic“ geschluckt hat. Die Droge breitet sich in der Stadt aus. Weitere Schurken-Imitatoren tauchen auf: Pinguin, Riddler, Joker. Doch erst ein Batman-Doppelgänger wird für den Helden wirklich gefährlich. Die Spur führt nach Japan. Batman fliegt nach Tokio.

Visuell und atmosphärisch überzeugt Child of Dreams. Gotham in Schwarzweiß ist ohnehin oft eine gelungene Kombination, wie man an Batman: Black and White (ab 1996) sehen kann, aber die Zeichnungen von Kia Asamiya sind in Sachen Präzision und Ausdruck vielen US-Comic der damaligen Zeit weit voraus. Batman ist perfekt eingefangen, sein Batmobil spektakulär. Der Look orientiert sich stark an den Filmen. Doch dann gibt es leider noch die Story.

Die Geschichte handelt von Batman-Fandom und seinen Folgen. Da ist zum einen Yuko Yagi, eine naive Person, die als Reporterin völlig untauglich ist, weil sie – wie ihr auch Bruce Wayne sagt – ihre Geschichte schon im Kopf hat, noch bevor sie anfängt zu erzählen. Sie stürzt sich ohne zu überlegen in gefährliche Situationen, wird von Gordon aus der Stadt verbannt, und weist sonst keine Qualifikation auf, bekommt aber trotzdem alles, was sie will.

Da ist zum anderen der Schurke, der sich als größter Batman-Fan aller Zeiten outet, aber ihn trotzdem umbringen will. Auch wenn er seitenweise seine Motivation erklärt, wird es nicht nachvollziehbar: Batman ist ein Auslaufmodell, er wird bald zu alt sein, also braucht er einen würdigen Nachfolger – und deshalb macht sich der Schurke selbst mit der Droge zu Batman. Trotzdem sieht er darin keinen Widerspruch, selbst zum Schurken und Mörder zu werden, und sein Vorbild zu beseitigen. Im Zweifel kann man alles mit Wahnsinn erklären, aber das ist eine billige Rechtfertigung, denn nichts ist langweiliger als ein Schurke, dessen Motivation man nicht versteht.

Child of Dreams ist selbst die Arbeit eines großen Batman-Fans, wie Kia Asamiya im Interview erklärt, das man am Ende nachlesen kann. Er wird zwar Batman gerecht, aber nicht seinen neuen Charakteren. Das trägt auch dazu bei, dass sein Manga ermüdet: Gerade in der zweiten Hälfte gibt es Längen, wenn Yuko eine größere Rolle spielt und auf Bruce Wayne trifft, und auch im Finale wird viel zu viel geredet – und nicht gerade auf hohem Niveau. Damit ist es einer dieser Comics, den man nur ins Regal stellt, um es höchstens nur zum Blättern wieder herauszuholen.

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