Monat: November 2015

Welke Blüten

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 5

Autor/Zeichner: Ron Marz, Aaron Lopresti u.a./diverse

Erschienen: 2015


„The tale is in the telling.“ (Edgar)

Anthologie bedeutet ursprünglich Blütensammlung. Doch wie so oft sind es nicht bloß schöne Blüten, die gesammelt werden. Die Qualität schwankt. So ist es auch mit den Legends of the Dark Knight. Leider ist Band fünf besonders schwach geworden. Denn die Fantasie treibt hier keine Blüten: Mäßig inspirierte Autoren steuern sechs Geschichten bei, die von mäßig begabten Zeichnern inszeniert werden.

Es beginnt mit einer Story von Aaron Lopresti um einen verrückten Wissenschaftler, der Batman zu klonen versucht und dabei ein Monster erschafft. Diese Frankenstein-Adaption ist nicht nur allzu platt, die Idee wurde bereits in einer Elseworlds-Geschichte realisiert – und zwar viel interessanter. Bei einem Klassiker der Literatur bedient sich auch Nevermore, eine Adaption der Edgar Allan Poe-Story Das verräterische Herz. Allerdings ist hier Poe selbst der Schurke – oder wenigstens ein Irrer, der sich so inszeniert und seine Handlanger nach Poe-Figuren geformt hat. Das Ganze soll wohl eine Hommage sein, aber es wirkt so uninspiriert, als hätte man bloß ein paar bekannte Motive auf einen Haufen geworfen. (Eine ähnliche Idee wurde ebenfalls bereits verwendet, in der fünfteiligen Elseworlds-Miniserie Nevermore.)

Eine ausführliche Story ist dem Riddler gewidmet, eine andere handelt von neuen Gegnern, einem zündelnden Rächer und einem menschenaussaugenden Monster. Zum Schluss müssen sich Robin (Dick Grayson) und Batgirl nach einem Ausbruch aus Arkham fragen, was Batman tun würde, um Killer Croc, Man-Bat und Clayface wiedereinzufangen. Batman erscheint hier als graue Eminenz im Hintergrund, die für alles einen Plan hat – was natürlich nicht immer so ist.

Nichts davon vermag zu fesseln, nichts davon unterhält besonders. Man nimmt es zur Kenntnis und hat es sofort wieder vergessen. Wahre Legenden sehen anders aus. Diese Blütensammlung enthält bloß welkes Zeug.

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Dark Knight III: Der erste Eindruck

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight III: The Master Race – Book One

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/Andy Kubert, Frank Miller

Erschienen: 2015


„A good death? There’s no such thing.“

Endlich: da ist das erste Heft von Dark Knight III: The Master Race ist da. Obwohl ich lieber Storys am Stück lese, wollte ich nicht bis nächstes Jahr warten bis das Paperback herauskommt. Nach all den Vorberichten war ich zu gespannt, um mir die Erstausgabe entgehen zu lassen – schon allein wegen des Gimmicks Mini-Comic.

Der erste Eindruck: das Warten hat sich gelohnt. Die Story ist mitreißend erzählt, in Wort wie im Bild. Der Stil klingt ganz nach dem Frank Miller der 80er Jahre, selbst Andy Kuberts Zeichnungen erinnern an die Vorlage; auch Miller selbst überzeugt mit seinem Zeichenstift im Mini-Comic zu Atom, das in der Heftmitte an einem Pappeinleger befestigt ist (gut gelöst). Und es gibt einige Überraschungen.

In Kürze: Batman ist wieder da. Und auch Gotham. Wir sehen den Dunklen Ritter wieder auf der Straße, wie er Cops aufmischt. Die Medienresonanz ist gewaltig. Comissioner Ellen Yindel muss sich erneut rechtfertigen. Parallel dazu erlegt Wonder Woman (immer noch in engen Boxer Shorts) einen Minotaurus, Superman ist in seiner Festung der Einsamkeit buchstäblich auf Eis gelegt und ihre gemeinsame Tochter Lara will die Einwohner der Flaschenstadt Kandor befreien, hier kommt Atom ins Spiel.

Und jetzt kommt der Spoiler:

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Letzte Ehre für Batman

DC Comics

DC Comics

Titel: Whatever Happened to the Caped Crusader? (dt. Was wurde aus dem Dunklen Ritter?)

Autor/Zeichner: Neil Gaiman/Andy Kubert

Erschienen: 2009 (Batman #686, Detective Comics #853, Paperback 2010)


„I do not believe the Batman would ever lie down and die.“ (Alfred Pennyworth)

„It doesn’t matter what the story is, some things never change.“ (Batman)

Batman ist tot. Oder doch nicht? Vielleicht ist er nur verschollen in der Zeit. Denn eins ist klar: Batman kann nicht sterben. Und selbst wenn, er muss wiedergeboren werden – irgendwie. Aber was wäre, wenn Batman tot wäre? Würde sein treuer Butler Alfred eine Trauerfeier im Hinterzimmer einer Bar der Crime Alley abhalten? Würden dann Polizisten wie Gordon zusammen mit allen Superschurken wie dem Joker, Two-Face und dem Pinguin vorbeischauen, um dem Mann, den sie jahrelang bekämpft haben, die letzte Ehre zu erweisen? Würde sie am offenen Sarg stehen, in dem ein kostümierter Batman läge, und davon erzählen, wie er starb? Dann nämlich hätte jeder eine andere Version der Geschichte: Catwoman hätte ihn verletzt aufgefunden und verbluten lassen, Alfred hätte sich selbst zum Joker gemacht und der Riddler hätte Batman erschossen … Batmans Bewusstsein sieht und hört dieser Feier zu und fragt sich: Was soll das Ganze?

Neil Gaimans (Sandman) und Andy Kuberts „letzte Batman-Story“ ist eine wunderbare Hommage an den Mythos Batman sowie die Autoren und Zeichner, die ihn über die Jahre geprägt haben. Aber es ist noch mehr: In dieser Phantasmagorie eines Nahtoderlebnisses werden viele Möglichkeiten an Erscheinungsformen und Geschichten durchgespielt, darin Batmans Wesen auf den Punkt gebracht, geradezu genial werden Tod und Wiedergeburt vernküpft, perfekt greifen Text und Bild ineinander. Wäre dies wirklich die letzte Batman-Story, bildete sie einen würdigen Abschluss. Whatever Happened to the Caped Crusader ist ein Fest für Fans und solche, die es werden wollen.

(Das Paperback enthält zudem drei weitere Batman-Storys von Gaiman, darunter auch eine aus Black & White Vol. 1.)

Frank Miller plant Dark Knight 4

DC Comics

DC Comics

Frank Miller ruht nicht. Und er lässt auch seinen Batman nicht ruhen. Eine Woche vor dem Start von Dark Knight III: The Master Race hat der Autor einen vierten Teil angekündigt. Er soll den (vorläufigen) Abschluss der Geschichte bilden. Aber auch das ist nicht das Ende: Denn außerdem plant Miller eine Spin-off-Serie um den weiblichen Robin Carrie Kelley, wobei er Kinder als Zielgruppe nennt. Beides will er wieder alleine schreiben; ob er wieder zeichnen wird, ist unklar. Bei Teil drei arbeitet er mit Co-Autor Brian Azzarello zusammen, Hauptzeichner ist Andy Kubert. Die erste Ausgabe kommt am 25. November heraus, sieben weitere folgen.

Das Dark Knight-Universum erweitert sich auch retroaktiv: Zuvor wurde das Prequel Last Crusade angekündigt, geschrieben von Miller und Azzarello und gezeichnet von John Romita Jr. Der 64-Seiten-One-Shot soll erzählen, wie Robin Jason Todd beim Kampf gegen den Joker umgekommen ist. Erscheinen soll es am 17. Februar 2017.

Tod durch Überforderung

DC Comics

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Titel: Final Crisis

Autor/Zeichner: Grant Morrison/J.G. Jones, Doug Mahnke u.a.

Erschienen: 2008 (Mini-Serie #1-7, Superman Beyond #1-2, Batman 682-683, DC Universe 0, Submit #1, Paperback 2009/2012), dt. Panini 2010


„I’m inside a self-assembling hyper-story!“ (Superman)

„This isn’t just some superhero war, some crisis.“ (Black Lightning)

Zugegeben: Großen Superhelden-Events stehe ich zwiespältig gegenüber. Einerseits hat mich das Konzept, dass alle Helden zusammenkommen, schon immer gereizt. Andererseits hat mich die Fülle an Figuren und Plots zuletzt ziemlich überfordert, genervt und gelangweilt. Trotzdem habe ich mich durchgekämpft. Durch die Crisis on Infinite Earths und auch durch die (viel leichter verdauliche) Infinite Crisis. So glaubte ich mich gut vorbereitet auf Grant Morrisons Final Crisis, die ich eigentlich nur noch lesen wollte, weil ich wusste, dass Batman darin stirbt (oder es zumindest so scheint). Aber falsch geglaubt. Denn Morrison zieht mal wieder alle Register. Alle. Und das macht Final Crisis unlesbar, wenn man nicht jeden Winkel des DC Universums kennt. „Of course, that’s the way it’s always been with DC Universe comic books: you don’t always know everything about everyone, and sometimes you miss stuff, and sometimes you only suss out later what something was really all about“, schreibt DC-Redakteur Jay Babcock in seinem Vorwort und rechtfertigt das damit, dass es in der realen Welt genau so sei. Aber selbst der Meister Morrison gesteht in seinen Memoiren, dass die Handlung „holprig, bedeutungslos und chaotisch“ sei und er „mitunter die Nerven wegschmiss“. So ging es mir beim Lesen auch.

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Batman und der vorletzte Kreuzzug

DC Comics

DC Comics

Ein dritter Teil ist nicht genug. Einige Tage vor der ersten Ausgabe von Dark Knigth III: The Master Race kündigt DC Comics ein Prequel an: Dark Knight Returns – The Last Crusade soll ein 64-Seiten-One-Shot werden, das über zehn Jahre vor dem ersten Teil von 1986 spielt. Die Story, von Frank Miller und Brian Azzarello geschrieben, wird von John Romita Jr. (Daredevil: The Man Without Fear) gezeichnet und erzählen, wie Robin Jason Todd im Dark Knight-Universum zu seinem Ende kam. Wie das Cover zeigt, wird dabei der Joker eine wichtige Rolle spielen. Die Veröffentlichung ist für den 17. Februar 2016 angesetzt. Ein Interview mit Romita, der auch ein Variant Cover zu DK III beisteuert, gibt es hier.

DC Comics

DC Comics

Die Nachricht ist mit gemischten Gefühlen verbunden: Einerseits war ein erster Teil genug, der zweite überflüssig und enttäuschend und alle Hoffnung ruht jetzt auf dem dritten; ein Prequel erscheint da erst recht wie zu viel des Guten – auch angesichts der riesigen Marketingmaschine, die DC mit seiner Flut an Variant Covern betreibt. Andererseits ist auch diese Welt ein Universum für sich und daher auch unendlich erweiterbar. Schließlich wollen die Fans beides: Pflege ihres Kults, aber auch ständig Neues. Die unendliche Geschichte von Batman muss immer weiter gehen. Auch wenn das manchmal heißt, einen Schritt zurück zu machen.

Leider sind Prequels schon deshalb weniger interessant, weil man bereits weiß, wie die Geschichte ausgeht, und weil sie die Leerstellen ausfüllen, die bislang von der Fantasie der Leser zu füllen sein konnte. Und braucht es noch eine Version von Jasons Todds Tod? Allerdings muss man dazu anmerken, dass Frank Miller 1986 diesen Tod schon vorweggenommen hat, bevor er tatsächlich innerhalb der offiziellen Batman-Continuity eingetreten ist (in A Death in the Family). Und schließlich ist das keine besonders gute Story gewesen. Eigentlich eine ziemlich miese. Vielleicht wird jetzt endlich eine Variation dieser Geschichte geliefert, die würdiger und zeitgemäßer erscheint.

Verrückt, verscharrt, verraten

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman R.I.P.

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Tony S. Daniel

Erschienen: 2008 (Batman #676-683, Paperback 2010)


„Are we sure Bruce’s head is okay?“ (Tim Drake)

„What we are about to do will be a work of art.“ (Simon Hurt)

„Did I finally reach the limits of reason?“ (Batman)

Nach den Ereignissen in The Black Glove ist Batman ist besessen von der Suche nach der gleichnamigen Geheimorganisation von Simon Hurt. Er sucht den Joker auf, der darin involviert zu sein scheint, aber nichts preisgibt. Robin, Alfred und auch seine neue Freundin Jezebel Jet zweifeln allmählich an Batmans Verstand, letztere wirft sogar die Theorie ein, dass Batman selbst der Black Glove sein könnte. Doch dann schlägt Simon Hurt, der eine Bande (drittklassiger) Schurken anführt („Club of Villains“), zu: mit dem Codewort „Zur-En-arrh“ löst er in Batmans Kopf einen Mechanismus aus, der ihn ausschaltet. Bruce Wayne landet zunächst ohne Erinnerung auf der Straße und lebt eine Weile als Obdachloser. Schließlich aber aktiviert sich in ihm ein Notfallprogramm, das ihn zum Batman von Zur-En-arrh werden lässt: er näht sich ein lila-rot-gelbes Kostüm und mischt – begleitet von Bat-Mite und sprechenden Gargoyles – die Schurken auf. In Arkham Asylum kommt es zum Showdown mit dem Joker …

Autor Grant Morrison kehrt mit der Story erneut seine Vorliebe für die alten Comicgeschichten hervor: Zur-En-Arrh ist der Name eines Planeten aus der Story Batman – The Superman of Planet-X (Batman #113, 1958). Darin besucht Batman eine Welt, in der Batman ein buntes Kostüm trägt und Superkräfte hat. Morrison schreibt dieses Abenteuer Batmans Black Casebook zu, eine Sammlung obskurer Fälle, und macht den Batman von Zur-En-Arrh zu einer zweiten Identität, die sich der Held zugelegt hat, falls mal jemand seine Persönlichkeit sabotieren wollte. Batman ist eben auf alles, wirklich alles vorbereitet. Zugleich holt Morrison – wie schon in The Black Glove – Bat-Mite aus der Mottenkiste, bei dem zunächst offen bleibt, ob er nur Einbildung (also die versinnbildlichte Stimme der Vernunft) oder tatsächlich ein Kobold aus der fünften Dimension ist. (Falls letzteres, muss man sich allerdings die Frage nach dem Warum stellen.)

Naja. Was soll man davon halten?

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Batman versus Superman: Retro Edition

März 2016 ist noch lange hin. Bis dahin verkürzen sich die Fans das Warten auf den Kinofilm Batman v Superman mit wilden Spekulationen und – Hommagen. Zum Beispiel: Wie hätte der Film im Jahr 1949 ausgesehen? In diesem Video werden die alten Serials zu einem Pseudo-Trailer kombiniert. (Tatsächlich sollten sich die beiden Helden erstmals 1952 begegnen, im Comic Superman #76.) Beklagenswert, wie armselig und lieblos Batman damals inszeniert wurde. Bemerkenswert ist allerdings Superman: Obwohl es sich um eine Realverfilmung handelt, wurde Superman damals mittels Animation zum Fliegen gebracht.

Zur Ergänzung hier noch eine animierte Version des Batman v Superman-Trailers, die zwar überflüssig ist, weil sie bloß nachahmt, aber dank des 90er-Zeichenstils ihren Charme hat:

Batman ex machina

DC Comics

DC Comics

Titel: Gotham Central – Book One: In the Line of Duty (dt. In Erfüllung der Pflicht)

Autor/Zeichner: Ed Brubaker, Greg Rucka/Michael Lark

Erschienen: 2004-2005 (Gotham Central #1-10, Paperback 2008), dt. Panini Sonderband 2015 (Gotham Central #1-5)


„Could we leave the bat out of this for now?“ (Detective Driver)

Welchen Sinn ergibt eine Batman-Story ohne Batman? Die Frage dürfte sich spätestens nach dem (mir schleierhaften) Erfolg der TV-Serie Gotham erübrigt haben. Doch die Idee ist nicht neu: Bereits in den 90ern gab es Mini-Serien über Comissioner James Gordon und die Polizei von Gotham (Gordon of Gotham), in den Nullerjahren wurde ihr sogar eine fortlaufende Comicserie gewidmet: Gotham Central. Nun ist der erste Teil auf deutsch erschienen. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie ist es, ein Polizist im Schatten der Fledermaus zu sein? Die Antwort: Die Vollzugsbeamten haben ein Ego-Problem. Um sich nicht überflüssig zu fühlen, haben die Ermittler der Major Crimes Unit (MCU) den Ansporn, allein klarzukommen.

Allein heißt in diesem Fall: auch ohne James Gordon. Der ist mittlerweile im (temporären) Ruhestand. Die Handlung der Serie ist nicht fortlaufend, sondern erstreckt sich jeweils über zwei bis fünf Hefte. Aufgeteilt sind die jeweiligen Charaktere in Tag- und Nachtschicht. Doch so ganz ohne Batman und seine Welt geht es eben nicht – sonst könnte es ja auch eine x-beliebige Polizeiserie sein. Gleich zu Beginn bekommen es zwei Detectives mit Mr. Freeze zu tun, am Ende muss Batman sich doch um ihn kümmern, aber das wird bloß am Rand gezeigt. Im Vordergrund steht die gute alte Polizeiarbeit: Beweise sichern, Fragen stellen, kombinieren. Schon im zweiten Fall geht es um einen Mord an einem Mädchen – gerahmt vom Auftauchen eines zündelnden Superschurken.

Während die deutsche Ausgabe hier endet, ist in der US-Ausgabe auch die fünfteilige Story „Half a Life“ enthalten. Im Mittelpunkt steht Renee Montoya: Ein Mann, den sie wegen Vergewaltigung festgenommen hat, der aber freigelassen wurde, rächt sich an ihr, indem er Fotos von ihr verbreitet, durch die sie als Lesbe geoutet wird – ihre streng katholischen Eltern sehen das gar nicht gern. Kurz darauf wird der Täter ermordet, Montoya wird deswegen angeklagt und dann auch noch von Two-Face entführt. Das Motiv muss bei einem Wahnsinnigen nicht unbedingt einleuchten.

Es ist nur allzu vorhersehbar, dass am Ende wieder Batman als Deus ex machina herhalten muss. Montoya ist nicht erfreut; wieder ein gekränktes Ego. Aber wäre die Polizei so gut wie Batman, bräuchte es ihn nicht – und das darf in Gotham nicht sein. Welchen Mehrwert hat also das Konzept von Gotham Central? Keinen großen. Die Serie behandelt lediglich einen Randaspekt des Batman-Universums, sie tut es zwar einfühlsam und stimmungsvoll, bemüht um Charaktertiefe und Realismus, aber letztendlich muss das einen Batman-Leser nicht besonders interessieren. Denn ein Fan will einen Vigilanten im Fledermauskostüm Abenteuer erleben sehen und nicht den Alltag der Polizei. Batman ist eben nicht The Wire.

Nach Band eins habe ich jedenfalls keine große Lust, Band zwei zu lesen.

Hirnchirurg pfuscht am Herz

Batman: Heart of Hush

DC Comics

Titel: Heart of Hush (dt. Hush – Herz der Finsternis)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2008-2009 (Detective Comics # 846-850, Paperback 2009), dt. Panini Sonderband 2009


„Beware the man who can strike from a distance.“

Ein drittes Mal versucht Hush, seine Rache an Batman zu vollziehen: Rache dafür, dass Bruce Waynes Vater damals bloß seinen Job gemacht hat, als er Tommy Elliots Mutter rettete. In Heart of Hush wird ausführlich die Geschichte nach dem von Tommy verursachten Autounfall erzählt, von der Schreckensherrschaft der Mutter bis zu ihrem unglückseligen Ende. Autor Paul Dini versucht damit, stärker das Rachemotiv herauszuarbeiten, was aber nur leidlich glückt. Wie schon bei Jeph Loeb ist Hushs Hass auf Batman weit hergeholt und nur damit zu erklären, dass der Schurke eben – wie die meisten – verrückt ist.

Als Chirurg hat sich Tommy Elliot weiterentwickelt: Vom Hirnchirurgen hat er sich auf Kardiologie spezialisiert und eine leerstehende Klinik gekauft, in der er ein paar Obdachlose unter Drogen setzt und sie zu seinem Personal macht. Nach einem Vorspiel mit Scarecrow und Venom (Hush lässt immer noch gerne andere die Drecksarbeit erledigen), nimmt er Catwoman gefangen und entfernt ihr Herz, wobei er sie und ihr Organ mit einem komplexen Apparat am Leben erhält (Mr. Freeze hilft dabei). Batman muss sich beeilen. Doch Hush hat auch als plastischer Chirurg dazugelernt und verfolgt noch weitere Pläne …

Die Story, die als Tie-in zu Batman R.I.P. angelegt ist, aber vor den Ereignissen spielt, ist zwar ebenso kurzweilig wie Hushs erster Auftritt, aber bei weitem nicht so furios. Sie ist bescheidener angelegt, aber auch fader. Dass ein Großteil der Story der Vorgeschichte gewidmet ist, beraubt sie der Spannung und lässt den Verdacht entstehen, dass sonst nicht viel zu erzählen war. Das Finale leidet darunter, dass man den Schurken nicht besonders ernst nehmen kann, wie er mit seinen Waffen durch Wayne Manor streift – selbst Alfred kann ihn erledigen, und als noch Robin und Nightwing dazu kommen, ist die Sache ohnehin gelaufen.

Heart of Hush ist ein ziemlich durchschnittliches Vergnügen, auch in visueller Hinsicht: die kantigen Zeichnungen von Dustin Nguyen haben ihren Charme, doch überzeugen sie nicht durchgehend. Außerdem werden zu viele alte Griechen zitiert – lauter kluge Sprüche machen noch kein kluges Buch.