Two-Face

Two-Face unterm Messer

Harvey Dent soll operiert werden

Titel: Second Chance (dt. Sein schlimmster Feind)

Story/Drehbuch: Paul Dini, Michael Reeves/Gerry Conway

Erschienen: 1994 (Batman: The Animated Series, S02E15)


Two-Face ist auf dem Weg der Besserung. Harvey Dent hat seine böse Seite im Griff, jetzt soll er auch eine plastische Chirurgie bekommen. Bruce Wayne zahlt. Doch kaum liegt Harvey unterm Messer, kommen Typen mit Maschinengewehren in den OP und entführen ihn. Batman und Robin verfolgen die Entführer und finden zwei Spuren: Die eine führt zu Rupert Thorne, die andere zum Pinguin. Aber wer ist der Auftraggeber?

Two-Face mit Münze

Die deprimierende Antwort: Harvey Dents schlimmster Feind. Batman zieht allein los, um ihn zu fassen, Robin soll zuhause bleiben, denn es wird persönlich. Batman gerät in Gefangenschaft, Two-Face wirft eine Münze, die auf der Kante stehen bleibt. Immer wieder. Ein alter Trick, den wir schon aus den Comics kennen: Batman hat die Münze ausgetauscht.

Münze auf der Kante

Am Ende kommt es zu einer dramatischen Entscheidung: Two-Face hängt am Abgrund, Batman hält ihn an einer Hand fest, in der anderen hält Two-Face seine falsche Münze fest. Doch Überleben heißt nur Rückkehr nach Arkham. Armer Harvey. Manche wollen einfach nicht gesund werden.

Second Chance ist eine gelungene und tragische Fortsetzung des Zweiteilers Two-Face. Zusammen bilden sie eine Art Trilogie, die man auch als einen Film schauen kann. Die Episode zeigt drastisch die Hoffnungslosigkeit dieser gescheiterten Existenz.

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Batman auf der Anklagebank

Joker als Richter

Titel: Trial (dt. Der Prozess)

Drehbuch/Story: Paul Dini, Bruce Timm

Erschienen: 1994 (Batman: The Animated Series S02E03)


„Ich persönlich war ja mehr für einen Schuss zwischen die Augen, verlor aber beim Münzenwerfen.“ (Two-Face)

Die neue Bezirksstaatsanwältin, Janet Van Dorn, ist kein großer Fan von Batman. Sie will ihn aufhalten. Doch bevor es dazu kommen kann, wird sie von den Schurken nach Arkham entführt. Dort haben die Irren die Anstalt übernommen und halten einen Schauprozess über Batman ab. Joker als Richter, Two-Face als Staatsanwalt, die restliche Rogues Gallery als Geschworene. Van Dorn soll ihn verteidigen. Sie spielt mit – auch wenn das Spiel keinen Sinn ergibt, weil die Verrückten ohnehin tun, was sie wollen.

Verteidigung und Geschworene

Die Anklage: Batman hat Joker und Co. zu dem gemacht, was sie sind. Van Dorn kann das zwar widerlegen, die Geschworenen sprechen Batman frei – und trotzdem wird er verurteilt. Bevor er hingerichtet wird, soll er demaskiert werden, aber da erweist sich die Verteidigerin als Retterin in der Not.

Demaskierung vor der Hinrichtung

Die Episode hat einige witzige Situationen und starke Momente. Aber die größte Stärke dieser Folge besteht nicht nur im Spaßfaktor völligen Irrsinns und in dem All-Star-Ensemble der Schurken, sondern auch, dass die Figuren sehr kritisch hinterfragt werden – genauso wie Batman selbst. Dass am Ende nicht nur Van Dorn, sondern auch Batman für eine Stadt ohne Batman kämpfen wollen, ist ein perfekter Abschluss: Batman ist die Verneinung seiner selbst. Er ist da, um sich überflüssig zu machen.

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Vom Donut-Dieb zum Wunderknaben

Tim Drakes erster Auftritt als Robin

Titel: Sins of the Father/Old Wounds (dt. Tim/Alte Wunden)

Drehbuch: Rich Fogel

Erschienen: 1997/1998 (The New Batman Adventures S01E02/017)


„Die Dinge ändern sich.“ (Batman/Nightwing)

In der dritten Staffel von Batman TAS gibt es zunächst keinen Robin mehr. Warum, erfährt man später. Doch in der zweiten Folge tritt bereits ein Nachfolger an: Tim Drake. Seine Geschichte orientiert sich jedoch nicht an A Lonely Place of Dying, sondern erinnert an dem Werdegang von Jason Todd, dem zweiten Robin aus den Comics. Tims Vater ist ein Gauner, der für Two-Face gearbeitet hat (wie Jasons Vater), Tim ist ein verwahrlostes Kind, das Polizisten die Donuts klaut (interessante Analogie: im Comic stahl Jason Batman die Reifen) und sich dabei mit einem Batarang behilft. Als Two-Face den Jungen umlegen will, rettet ihm Batman das Leben, daraufhin erwidert Tim den Gefallen, indem er den (nach einem Scharmützel mit Two-Face) verletzten Helden in Sicherheit bringt.

Tim findet Robins Kostüm in der Bathöhle.

Kaum in der Bathöhle, kommt Tim hinter Batmans Geheimnis. Two-Face erpresst Gotham: 22 Millionen Dollar oder er setzt ein tödliches Gas frei. Als Batman und Batgirl zu Two-Face Geheimversteck eilen (Janus-Kino), steigt Tim ins Robin-Kostüm und fährt hinterher …

Two-Face und Robin

Nach bestandener Feuerprobe beginnt seine Ausbildung zum neuen Robin, da taucht Dick Grayson auf.

„Warum fallen wir?“ Bruce trainiert Tim.

Dick ist mittlerweile als Nightwing unterwegs. Wie es dazu kam, erzählt er Tim in der Folge „Old Wounds“. Es geschah nach dem College-Abschluss, dass Dick Batmans Methoden anzweifelte. Deutlich wird das in einer Szene, in der Batman einen Mann ausquetscht, dessen Familie dabei zusehen muss. Robin geht aus Protest. Später – nach einem gemeinsamen Kampf mit Batgirl gegen den Joker – wird das Vertrauen zwischen dem Duo zerbrochen, als er erfährt, dass Batman die ganze Zeit über gewusst hat, dass Barbara Gordon (Dicks Freundin) Batgirl ist. Dick wirft Batman vor, seine Nächsten zu manipulieren und auszutricksen, um zu bekommen, was er will. Zum Schluss verpasst er ihm sogar einen Haken, bevor er Maske und Cape abwirft und sich verdrückt.

Robin schlägt Batman.

Zwei Dinge bleiben unklar: Warum Dick und Barbara sich nicht von ihren Geheimidentitäten erzählt haben, obwohl sie ein Paar waren, und wie Robins Kostüm seine grüne Farbe verlor.

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Zweite Chance für Jason Todd

DC Comics

Titel: Second Chances

Autor/Zeichner: Max Allan Collins u.a./Jim Starlin u.a.

Erschienen: 1987 (Batman #402-403, #408-416, Batman Annual #11), Paperback 2015


„In what I do there is no place for a child.“ (Bruce Wayne)

Jason Todd war als Robin-Nachfolger zunächst nichts als ein Dick-Grayson-Abklatsch – ein Zirkuskind, dessen Eltern ermordet wurden (von Killer Croc). Sein erster Auftritt war in Batman #357 (1983), im Robin-Kostüm in Batman #366 (1983). Doch nach der Crisis on Infinite Earths bekam Jason eine zweite Chance: Second Chances erzählt eine neue Version der Geschichte, wie Jason Todd zum zweiten Robin wurde und was er in seinen ersten Tagen erlebte.

Zunächst hört Dick Grayson als Robin auf, nachdem er vom Joker angeschossen wurde. Batman bekommt Skrupel, ein Kind zu gefährden, feuert seinen Partner und will auch keinen neuen Robin mehr rekrutieren. Doch als bald darauf ein neuer Junge auftaucht, scheinen alle guten Vorsätze vergessen. Jason Todd ist zunächst ein Straßenkind, das ohne Eltern in der Crime Alley aufwächst (Mutter tot, Vater Gauner). Als Batman seine Runde durch das Viertel dreht, erwischt er Jason dabei, wie er ihm die Reifen vom Batmobil klaut. Batman ist – anders als erwartet – sehr amüsiert darüber und lacht schallend. (Zugegeben: Etwas gruselig.) Beeindruckt vom Mumm des Knaben steckt er ihn in eine neue Schule für Straßenkinder, die eine alte Frau namens Ma Gunn in der Gegend betreibt. Doch die Alte ist in Wirklichkeit eine durchtriebene Schurkin, die Kinder zu Verbrechern heranzieht … (Ma Gunn ist eine Variation der Schurkin Ma Parker aus der Batman-TV-Serie der 60er.)

Batman lacht über geklaute Reifen.

Aber Jason hat da keine Lust drauf. Nicht etwa, weil er lieber ehrlich geworden wäre, er klaut lieber weiter Reifen. Nachdem er Batman hilft, die Bande hochzunehmen, entwickelt sich Jason aber zum Musterknaben: Batman zieht ihn sofort ins Vertrauen, bildet ihn in allem aus, was man als Verbrechensbekämpfer wissen muss (sogar im Schießen!) und macht ihn zum neuen Robin. Alles kein Problem. Auch die erste Bewährungsprobe gegen Two-Face meistert Jason mühelos. Als er erfährt, dass Two-Face dessen Vater ermordet hat, will er dann aber den Schurken eigenhändig kaltmachen. Eine Bat-Lektion später ist er aber wieder guter Dinge und rettet im Finale sogar Two-Face vor dem sicheren Tod. Als Robin auf Nightwing trifft, kommt es zur Aussprache zwischen Batman und Dick Grayson. Batman gesteht ihm den wahren Grund für den neuen Robin: weil er sich einsam gefühlt hat. Sehr bedenklich …

Batman spatziert durch Crime Alley.

Die Story ist nicht gerade ein Musterbeispiel an Eleganz. Batman ist hier nicht der typische düstere und mysteriöse Eigenbrötler, man sieht ihn nicht nur lachen, sondern auch bei Gordon lässig auf der Couch rumlümmeln. Wenn er bei ihm im Büro auftaucht, ist er nicht plötzlich da, sondern er wird beim Einstieg durchs Fenster gezeigt oder er benutzt einfach die Tür. Auf der Crime Alley geht Batman spazieren (eine ähnliche Szene gibt es in Gotham After Midnight), einmal sitzt er grübelnd auf der Motorhaube des Batmobils. Angesichts der Tatsache, dass erst ein paar Ausgaben zuvor das düstere Year One erschienen ist, wirkt diese heiter-lässige Batman-Version umso befremdlicher.

Und dann sind da noch ein paar lächerliche Momente, die an Rückfälle ins Golden Age erinnern: Two-Face leistet sich eine Jagd auf dem Baseball-Feld und dann noch eine in einem Riesen-Roulette. Der Schurke bleibt oberflächlich und plump – und damit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Warum denn so albern?

Nach der Haupthandlung kommen noch ein paar belanglose Einzelausgaben: Batman und Robin kämpfen gegen eine Pantomine, die die Klöppel aus Kirchenglocken stiehlt, um Stille in der Stadt herzustellen, dann gegen einen Dieb japanischer Schwerter, am Ende steht eine Anekdote über den Pinguin, der sich verliebt, aus dem Knast kommt und eine Schirmfabrik aufmacht. Außerdem gibt es eine Episode aus dem Crossover Millenium, mit dem man nichts anfangen kann, wenn man den Rest nicht kennt. Bemerkenswert sind lediglich zwei Storys: eine über einen ehemaligen Polizist, der sich für Batman hält und mit tödlicher Gewalt gegen Verbrecher vorgeht, und eine (Batman #414), in der Batman allein einen Serienmörder jagt – und dabei aus persönlichen Motiven die falschen Schlüsse zieht.

Jason Todd macht es als Robin bekanntlich nicht lange. Schon bald darauf (A Death in the Family) wird er vom Joker ermordet und von Tim Drake ersetzt (A Lonely Place of Dying). 2005 kehrt Jason als Red Hood von den Toten zurück.

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Im Zweifel für den Angeklagten

DC Comics

Titel: The Two-Way Crimes of Two-Face!

Autor/Zeichner: Harlan Ellison, Len Wein/José Luis García-López

Erschienen: 2015 (Batman ’66: The Lost Episode), Paperback 2015 (Batman ’66 Vol. 4)


„Harvey, you are a tremendous disappointment to me.“ (Batman)

„The coin obviously wants us to choose our own destiny.“ (Batman)

Die Batman-TV-Serie der 60er hatte einen Joker, einen Pinguin, einen Riddler und Catwoman – aber keinen Two-Face. Verständlich, denn der Schurke mit dem entstellten Gesicht und der düsteren Entstehungsgeschichte eignet sich eher als Kinderschreck denn als Clown. Und trotzdem gab es Pläne für eine Two-Face-Episode. Der Autor Harlan Ellison schrieb einen Entwurf, aber der wurde nie realisiert. Erst im Jahr 2015 wurde das Treatment als Comic adaptiert – und zwar ganz im Geiste der Serie. (Im Anhang hat DC Ellisons Original-Script abgedruckt.)

Das Batman-66-Special erzählt eine klassische Two-Face-Story, die sich nah an den Comics hält – und damit auch jegliche Originalität vermissen lässt: Wir sehen die altbekannte Entstehungsgeschichte mit Maroni, von dem auch die doppelköpfige Münze stammt, Two-Face benutzt sie, um zu entscheiden, ob er Böses oder Gutes tun will (wie schon bei seinem ersten Auftritt). So kommt es dazu, dass er Dinge stiehlt und sie im besten Fall sogar mit Zinsen zurückgibt, allein das ist eine ironische Übertreibung des altbekannten Prinzips.

Variant (DC Comics)

Die Story beginnt mit einer Auktion wertvoller Porzellanwaren. Two-Face erscheint als Diener mit Wachsmaske. Als sie vom Kerzenlicht schmilzt, gibt sich der Schurke zu erkennen, haut mit dem Porzellan ab und gibt es später wieder – ergänzt durch ein Stück, das zuvor gefehlt hat. So geht es munter weiter: Mal so, mal so. Batman und Robin ermitteln seinen nächsten Coup mittels des Bat-Computers, der mit Heisenbergs Unschärferelation und Neumanns Spieltheorie arbeitet, und Batman findet seinen Gegner in einer Sternwarte.

Die Münze fällt auf die Kante, Batman blendet Two-Face mit Sonnenlicht, das von seinem Gürtel reflektiert wird (obwohl es Nacht ist), doch als Batman den Schurken festnehmen will, rutscht Robin auf Patronenhülsen aus und die Helden sind offenbar so perplex von diesem peinlichen Faupax, dass sie Two-Face entkommen lassen.

Zur Revanche kommt es auf einem alten Zweimaster. Batman lässt sich von Two-Face gefangennehmen, über ihm schwebt das Schwert des Damokles, und bringt ihn dazu, erneut die Münze zu werfen. Wieder landet sie auf der Kante – und der „Denizen of Duplicity“ muss kapitulieren. Wie das sein kann? Batman hat gemogelt – ein alter Trick. Und warum fällt ein Unentschieden zu Batmans Gunsten aus? Wahrscheinlich nach dem juristischen Grundprinzip: im Zweifel für den Angeklagten.

Armer Harvey, aber Batman versichert am Ende, dass wenn es eine Chance für Harvey Dent gebe, er diese nutzen werde. Eine zweite Chance im Batman-66-Universum bekommt Two-Face zwei Jahre später: im Animationsfilm Batman vs. Two-Face, aber der hat nichts mit diesem Comic zu tun.

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Richter und Henker in einem

DC Comics

Titel: A Tale of Two Faces

Autor/Zeichner: Peter Tomasi/Guillem March

Erschienen: 2013 (Batman and Robin #23.1: Two-Face), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two-Face); dt. Panini 2015 (Forever Evil Sonderband 3)


„Heads, I save Gotham. Tails, I make it bleed.“ (Two-Face)

Im Event Forever Evil übernimmt nicht nur das Böse die Herrschaft, in den Comicserien bekommt auch jeder größere Schurke ein eigenes Heft gewidmet, so auch Two-Face.

Der Titelheld steht auf einem Dach in Gotham und überlegt, was er tun soll, da die Superhelden (und auch Batman) totgeglaubt sind: Soll er die Stadt retten oder sie bluten lassen? Da taucht Scarecrow auf und bietet ihm an, der Secret Society beizutreten, also der Schurkengruppe, die dem Crime Syndicate von Erde 3 untersteht.

Die Münze entscheidet dafür. Two-Face zieht daraufhin durch die Stadt und ballert umher. Wer überlebt, den schleift er vor Gericht. Als Richter und Henker zugleich entscheidet er mit Münzwürfen über Lebenslänglich und Todesstrafe, wieder sterben Leute. Als ein paar Schurken eingreifen, müssen auch die dran glauben.

Sonst noch was? Ein paar Rückblenden, aber man wird mit einer Neuauflage der Origin-Story verschont (die wird in The Big Burn nachgereicht). Aber ansonsten bietet diese Geschichte nichts als sinnloses Geballer aus willkürlicher Selbstjustiz heraus. Was Two-Face interessant macht, der innere Konflikt zweier Seiten eines Charakters, vermisst man hier.

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Die dunkle Seite der Gerechtigkeit

Titel: Two-Face: Year One

Autor/Zeichner: Mark Sable/Jesus Saiz, Jeremy Haun

Erschienen: 2008 (Mini-Serie #1-2)


„I’ve always been on both sides of the law.“ (Two Face)

„You still have a choice. This coin is nothing but a crutch.“ (Batman)

Im Jahr 2008, passend zum Kinofilm The Dark Knight, erschien Two-Face: Year One. Erzählt wird darin keine ganz neue Geschichte, sondern eine Ergänzung zu der bekannten, die wir bereits aus The Long Halloween kennen. Man kann sagen: Es ist The Long Halloween aus Harvey Dents Sicht.

Dent und James Gordon wollen gemeinsam Maroni festnehmen, der Commissioner will aber, dass sie stattdessen den Holiday-Killer fangen. Sie stellen eine Task Force ehrlicher Polizisten zusammen und nehmen ihn fest – aufgrund von Beweisen, die ihnen Batman geliefert hat.

Vor Gericht wird Maroni vertreten von Mort Weinstein, der sich für das Amt des Bezirksstaatsanwalts bewirbt und eine persönliche Fehde mit Dent hat. Weinstein versucht, Dent als Holiday-Killer zu diskreditieren, um seine eigene Karriere voran zu bringen. Schon in der Vergangenheit wollte Weinstein Dent erpressen.

Parallel dazu sehen wir Rückblenden, in denen Harvey Dent zum Psychiater begleiten. Der stellt eine gespaltene Persönlichkeit fest und empfiehlt ihm, seine „dunkle Seite“ zu kanalisieren, um sie besser unter Kontrolle zu halten. Mit der Zeit wird Dent paranoider und glaubt sich von seinem Freund Bruce Wayne, Batman und seinem Psychiater im Stich gelassen. Er gerät in Versuchung, zum Mörder zu werden.

Nachdem es zu dem Säure-Attentat durch Maroni kommt, geht Dent als Two-Face auf Rachefeldzug: zunächst erschießt er Maroni, dann versucht er an anderen Gerechtigkeit walten zu lassen. Schließlich kandidiert Two-Face für das Amt des Bezirksstaatsanwalts – und ganz Arkham hilft ihm dabei. Das ist der lächerliche Aspekt der sonst sehr auf Realismus bedachten Geschichte, in der sogar nebenbei Antisemitismus bei der Polizei thematisiert wird.

Two Face: Year One ist keine Batman-Story, sondern eine Harvey Dent-Story. Der Schwerpunkt liegt auf dem Charakter, der zwar vertieft wird, aber nicht unbedingt um Facetten bereichert, die es nicht schon gegeben hätte. Am Ende macht Batman Two-Face klar, dass Dent seine Entscheidungen selbst in der Hand hat und seine Münze nur eine Ausrede ist, um selbst keine treffen zu müssen.

Zwar ist das Ganze solide gezeichnet, aber sehr sprunghaft und elliptisch erzählt. Das kann manchmal etwas verwirrend sein. Rund 100 Seiten scheinen zwar viel, aber immer noch nicht genug zu sein. Der Zweiteiler ist nichts, worauf die Welt gewartet hat, nichts, was man unbedingt lesen muss, aber lesen sollte, wenn man sich für die Vorgeschichte von Two-Face interessiert.

Als Fan-Service gibt es einen kleinen Auftritt von Joe Coyne, dem Penny Plunderer, der mit einer Riesenmünze in der Bathöhle verewigt ist.

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Eine Geschichte mit zwei Enden

DC Comics

Titel: Two-Face, Too!

Autor/Zeichner: David Hine/Andy Clarke

Erschienen: 2008 (Joker’s Asylum #1: Two-Face), Paperback 2008 (Joker’s Asylum), 2015 (Batman Arkham: Two Face), Hardcover 2017 (Two-Face: A Celebration of 75 Years), dt. Panini 2009 (Paperback)


„Life’s a lottery … It’s chance that decides who lives and who dies.“ (Two-Face)

Two-Face gehört zu den interessantesten der Batman-Schurken, weil es ihm oft nicht um Geld geht, sondern gerade in den jüngeren Zeiten darum, einen Standpunkt klar zu machen. Sein Dualismus ist eine verdrehte Ideologie, die er ständig versucht, vor anderen zu rechtfertigen. Zum Beispiel, dass in jedem das Böse steckt. Oder dass der Zufall darüber entscheidet, ob es zum Vorschein tritt.

Der Joker erzählt uns folgende Geschichte: Two-Face bekommt in Arkham Besuch von Holman Hunt, einem Feuerwehrmann, dessen rechte Gesichtshälfte verbrannt ist. Er versucht dem Verbrecher klarzumachen, dass auch nach einem solchen Schicksalsschlag das Leben weitergehen kann. Seine Frau habe ihn akzeptiert, weil es darauf ankomme, was unter der Haut liege.

Two-Face macht klar, dass er nichts davon hält. Aber das reicht ihm nicht. Nach einem Ausbruch aus Arkham entführt er Holman und dessen Frau. Dann zwingt er Holman eine Entscheidung auf: Entweder seine Frau wird von Säure entstellt oder er erschießt Batman. Holman weigert sich, einen Mord zu begehen. Als er die Waffe gegen Two-Face richtet, wird klar, dass es nur ein Test war, um Holman etwas zu beweisen. Niemand kommt zu Schaden, auch weil Batman interveniert.

Spannend wird es im Epilog. Holmans Frau verlässt ihn. Aber wie endet die Geschichte? Es gibt zwei. Der Joker fordert die Leser auf, eine Münze zu werfen, um zu entscheiden, ob Holman seine Frau wiederbekommt oder sich erschießt. Der Leser bestimmt über Leben und Tod. Ein bitteres Ende. Joker und Two-Face erteilen uns eine böse Lektion …

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Two-Faces Wiedersehen mit Moroni

DC Comics

Titel: Double Jeopardy

Autor/Zeichner: Sholly Fisch/Douglas Wheatley

Erschienen: 1997 (Batman Chronicles #8), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two Face)


„All men are monsters hiding behind pretty faces.“ (Two-Face)

Commissioner James Gordon sucht Two-Face in Arkham auf und bittet ihn um Hilfe, den Gangster Moroni zu finden (der spätestens seit 1990 eigentlich Maroni heißt, so auch in The Long Halloween). Ja, genau den Moroni, der Harvey Dent einst mit Säure das Gesicht verunziert hat. Two-Face wirft seine Münze und entschließt sich, Gordon die einstigen Verstecke selbst zu zeigen. Während der Fahrt von einem leeren Safe House zum anderen geht Two-Face Gordon mit sentimentale Geschwafel über die gute alte Zeit auf die Nerven.

Als sie endlich Moroni finden, krallt sich Two-Face eine Pistole und macht sich selbständig – er will sich mit einem Feuerhaken an seinem Peiniger rächen. Oder vielmehr will er sich bei ihm dafür bedanken, dass er ihn eine Lektion gelehrt hat: Alle Menschen sind Monster. Jim kann ihn davon abhalten, das geht ungewohnt schnell. Gordon meint, dass wohl noch genug Harvey in ihm vorhanden sei.

Es ist bemerkenswert, dass bei allem Pessimismus der Figur immer noch ein Funke Hoffnung bleibt. Das ist es wohl, was die Two-Face so interessant macht.

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Zirkus um Two-Face

Titel: Two-Face, Part 1: The Face Schism/Part 2: Schismed Faces (dt. Die Zerreißprobe)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1996 (Batman #527-528), Hardcover 2014 (Batman by Doug Moench and Kelley Jones Vol. 1), 2017 (Two-Face: A Celebration of 75 Years); dt. Dino 1998 (Batman #9)


„We all wear two faces. What counts is what they mask.“

Two-Face bricht aus Arkham Asylum aus – mit dem Entschluss, alte Rechnungen zu begleichen. Er bricht in Harvey Dents alte Wohnung ein, knallt den Mieter ab und holt alte Akten aus der Wandverkleidung, weil Staatsanwälte die gerne für alle Fälle dort deponieren. Damals konnte Dent den Zirkusdirektor Lockhart nicht des Mordes überführen, aber überzeugt von dessen Schuld, will er den Mann zur Rechenschaft ziehen.

Günstigerweise ist der Zirkus in der Stadt. Ungünstigerweise fällt aber die Münze schon wieder auf die falsche Seite (oder vielmehr günstig für Lockhart). Daher versucht Two-Face, die Siamesischen Zwillinge namens „Schism“ dazu zu überreden. Denn die beiden werden in der Freakshow vorgeführt und von Lockhart misshandelt …

Batman torkelt ziemlich planlos über das Zirkusgelände, kämpft gegen einen Kraftmenschen und einen Messerwerfer und weil das zu schnell geht, um zwei Comichefte zu füllen, gibt es für beide auch eine zweite Chance (Two-Face gefällt das). Was Two-Face aber nicht gefällt, ist dass er sich wieder mal um alles selbst kümmern muss. Er schminkt sich als Clown und schießt auf Batman. Aber – jetzt kommt’s: nur einmal. Und in die Brust. Wie bitte? Das ist nicht nur nachlässig, das ist überaus schlampig. Und halbherzig. Wie diese ganze Geschichte, die vor Albernheiten in grotesker Aufmachung nur so strotzt.

Armer Harvey! Er hätte Besseres verdient …

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