Superman

Superman und der Krieg

Als Superman in die Welt kommt, hat sie ihn nötig: In Spanien tobt der Bürgerkrieg, über China fallen die Japaner her, die Briten bekämpfen den Arabischen Aufstand in Palästina – und in Europa erwartet man den Ausbruch eines weiteren Kriegs. Mit dieser Realität haben die Comics zwar nichts zu tun, aber sie hinterlässt dennoch Spuren in ihnen.

Kurz nachdem im September 1939 der Zweite Weltkrieg in Europa ausbricht, sieht man auf den Covern von Action Comics (#17, 19, 21), wie Superman Panzer und Kanonen zerlegt. Eine Aussage über konkrete politische Ereignisse steckt dahinter noch nicht. Schweres Kriegsgerät ist zunächst hervorragend geeignet, um die ungeheure Kraft des Helden darzustellen. Aber auch seinen Pazifismus.

Superman ist von Anfang an der Retter der Unterdrückten, ein Symbol für Gerechtigkeit – und ein klarer Kriegsgegner. Schon in seinem zweiten Abenteuer (Action Comics #2, 1938) reist er in das fiktive südamerikanische Land San Monte und beendet dort den Bürgerkrieg. Zunächst geht es nur darum, einen Waffenhersteller zu bekehren, indem Superman ihm das Grauen des Krieges zeigt. Superman rettet aber auch Lois vor einer standrechtlichen Erschießung, nachdem sie fälschlicherweise wegen Spionage verurteilt worden ist, er befreit Soldaten vor der Folter und bringt ein Kampfflugzeug mit bloßen Händen zu Fall. Schließlich zwingt er die beiden verfeindeten Generäle, ihren Konflikt zu zweit auszutragen, aber als ihnen klar wird, dass sie gar nicht mehr wissen, warum sie sich bekämpfen, beschließen sie, Frieden zu schließen.

Superman bekehrt einen Waffenhersteller (Action Comics #2)

Aber das ist nur eine Seite der Geschichte. Denn Superman mag vielleicht Pazifismus als Ziel anstreben, ein Mittel ist er für ihn nicht. Er wendet zum Teil drastische Gewalt an, bei der Menschen zumindest verletzt werden. Den Folterer wirft er so weit, dass er zumindest schwere Verletzungen davontragen muss, der Pilot des abgestürzten Flugzeugs dürfte auf jeden Fall sterben. Für Superman offenbar kein Problem, er verliert kein Wort darüber.

Krieg in Europa

Eisernes Kreuz? Lois und Clark bei General Lupo

Ein Jahr später greift Superman im Zweiteiler „War in Europe“ (Action Comics #22-23, 1940) in einen bewaffneten Konflikt zwischen den fiktiven Staaten Toran und Galonia ein. Clark Kent und Lois Lane werden als Reporter hingeschickt, nachdem Toran über Galonia hergefallen ist. Lois sagt naiv, sie hätte sich schon lange auf Urlaub gefreut, doch schon bald fallen – wie Clark es voraussagt – Bomben auf sie.

Superman sorgt für Kollateralschäden

Superman beweist seine ganze Kraft, indem er den Bomber vom Himmel holt, er wirft einen Torpedo zu seinem U-Boot zurück und eine Kanonenkugel zurück zu seinem Geschoss. Wieder fliegen die Soldaten durch die Gegend – ob verletzt oder tot, man erfährt es nicht. Später schießt Superman zwei Flugzeuge mit einem Maschinengewehr ab, weitere bringt er wieder mit bloßen Händen zum Absturz. Man sieht zwar einmal einen Fallschirm, aber die meisten Soldaten dürften dabei draufgegangen sein. Wieder kein Wort des Bedauerns.

Herrsche und teile: Luthor schießt grüne Strahlen

Superman findet heraus, dass einer der Generäle (Lupo) beeinflusst wird von einem Schurken namens Luthor – es ist der erste Auftritt des späteren Erzfeindes. Der erscheint zunächst als ein riesiges Gesicht in einer Felswand. Superman droht Lupo zunächst an, ihm seinen Kopf einzuschlagen, wenn er ihm nicht sagt, wer Luthor ist, aber dann schießt Luthor grüne Strahlen aus seinen Augen, die den General zerteilen. Gegen Superman können sie jedoch nichts ausrichten.

Luthor mit Reichsadler?

Als Clark Kent später die Kriegsparteien darüber informiert, dass Luthor hinter dem Krieg steckt, glauben sie ihm nicht. Luthor versucht, Kent zu elimieren, nimmt aber dann mit Lois Lane vorlieb. Luthor entführt sie in sein schwebendes Versteck, das an einem riesigen Luftschiff hängt. Der rothaarige Schurke in der roten Robe schürt den Krieg, um die Nationen zu schwächen und die Weltherrschaft zu erlangen. Er beschießt Superman wieder mit den grünen Strahlen, die ihn zwar nicht verletzen, aber schwächen – ein Vorläufer von Kryptonit. Superman bringt schließlich den Zeppelin zu Fall. Auch hier müssen wieder etliche Menschen sterben, ohne dass das thematisiert wird. Schließlich aber kann Superman erneut einen Krieg beenden.

Superman gegen Hitler

Superman greift sich Hitler

Im Februar 1940, zehn Monate vor dem Angriff auf Pearl Harbor, erschien eine zweiseitige Geschichte im Look Magazine: „How Superman Would End the War“. Zwei Seiten reichen, denn Superman macht kurzen Prozess: Zuerst verbiegt er die Kanonen der Nazis, dann schnappt er sich Hitler und Stalin und stellt sie vor Gericht. Der Zweite Weltkrieg, der erst im wahren Leben vor einigen Monaten begonnen hat, wäre auf einen Schlag vorbei.

Stalin und Hitler werden für Kriegsverbrechen verurteilt

Aber das ist nur ein Was-wäre-wenn-Szenario. Denn in Wahrheit fängt der Krieg erst an und ihn Superman tatsächlich beenden zu lassen, das wäre eine vermessene Fantasterei. Aber Superman im Zweiten Weltkrieg kämpfen zu lassen, wäre auch deshalb ungünstig, weil er ihn einfach zu schnell beenden könnte. Die US-Soldaten wären ziemlich überflüssig – und so konnte Superman sie als wahrer Patriot nicht dastehen lassen.

Superman machte sich dennoch im echten Krieg nützlich, indem er für die Propaganda eingesetzt wurde. Auf den Covern warb er (so wie Batman und andere Helden) für den Kauf von Kriegsanleihen, um die eigenen Streitkräfte zu unterstützen. Superman schwenkte die US-Flagge, zeigte sich Seit‘ an Seit‘ mit Soldaten, nannte sie die „true Supermen“, Superman erschreckte Nazis, zerlegte feindliche Panzer, Kampfflugzeuge und U-Boote mit bloßen Händen.

Auf dem Cover von Superman #17 (1942) ging es Hitler und dem japanischen Kaiser Hirohito an den Kragen, später auch Goebbels.

Im Golden Age war Superman noch eindeutig der Gute. Auch wenn er sich über etwaige Kollateralschäden keine Sorgen machte. Das änderte sich im Laufe der Zeit: Superman tötete nicht. Und wenn doch, dann nur mit größten Skrupeln. Vier Jahrzehnte später war seine Rolle nicht mehr so eindeutig, jedenfalls abseits der Continuity. In The Dark Knight Returns (1986) diente er tatsächlich als Kriegswaffe für die USA, er wendete einen nuklearen Erstschlag ab und danach kämpfte er auf Geheiß des Präsidenten gegen Batman.

Dass Superman seine Kräfte genauso gut auch zum Nachteil der Menschheit einsetzen könnte, wurde 2003 in der Elseworlds-Story Red Son durchgespielt. Superman wird darin zu einem totalitaristischen Herrscher der Sowjetunion – und Luthor sein Widersacher für die Freiheit. Zum Weltdiktator wurde Superman schließlich in der Comic-Adaption des Games Injustice. Frieden wird zum Zwang – und das führt wieder zum Krieg.

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Superman endeckt Kryptonit – und Krypton

DC Comics

Titel: Superman Returns to Krypton

Autor/Zeichner: Bill Finger/Al Plastino

Erschienen: 1949 (Superman #61), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


Im Jahr 1949 wussten zwar die Leser, dass Superman von Krypton stammte – aber er selbst wusste es nicht. Bis zu dieser Ausgabe, in der er selbst nach Krypton zurückkehrte. Wie das kam? Indem er das Kryptonit entdeckte. (Bisher war es nur im Radio-Hörspiel vorgekommen.) Eine selbst für Superman-Maßstäbe hanebüchene Geschichte.

Sie beginnt mit einem Tag aus dem Leben eines Lokalreporters. Perry White setzt Lois Lane darauf an, eine Story über einen falschen Wahrsager zu schreiben. Es muss wohl gerade Sommerloch sein oder der Daily Planet ist nichts weiter als ein Käseblatt, denn keinem ernsthaften Journalisten wäre eine solche Gestalt auch nur eine Zeile wert. Als gäbe es einen Wahrsager, der tatsächlich die Wahrheit sagt … Wie dem auch sei: Lois stürzt sich enthusiastisch hinein, trifft diesen turbantragenden Swami Riva, fliegt jedoch als Reporterin auf. Superman ist wie immer zur Stelle, um sie zu retten, doch als Swami Zeit schindet, indem er so tut, als würde er ihn verhexen, wird Superman plötzlich schwach. Swami haut ab.

Superman erzählt es Perry. Der aber zeigt immerhin Verantwortungsbewusstsein: Wenn das rauskommt, nutzen Gauner ihre Chance, um Verbrechen zu begehen. Daher bringt er die Story nicht. Aber Swami, der plötzlich an Zauberkräfte glaubt, anderen Räubern davon erzählt, kommt es zu einem Überfall, bei dem Superman einschreitet und wieder zusammenbricht. Superman geht der Sache nach und findet heraus, dass es mit dem Stein zusammenhängt, den Swami in seinem Turban trägt. Er stammt aus einem Meteoriten.

In der Rakete ist Platz für zwei …

Jetzt wird’s wild: Superman folgt dem Meteoriten ins All. Das geht ganz einfach. Indem er so schnell fliegt, dass er die Zeitbarriere durchbricht (analog zur Schallmauer), so reist er (unsichtbar) dem Brocken hinterher, bis er nach Krypton kommt. Dort sieht er, wie sein Vater Jor-El ihn in eine Rakete steckt, weil der Planet zu explodieren droht. Und er sieht, dass seine Mutter ihn als Kind hätte begleiten können, aber lieber bei ihrem Mann gestorben ist. Superman fragt sich aber nicht, welche Mutter so etwas tun würde, sondern folgt der Rakete zur Erde, wo die Kents ihn finden und adoptieren. Jetzt erst begreift er, dass er selbst von Krypton stammt.

Der Rest ist einfach: Superman kehrt in seine Zeit zurück und bläst Swami den Turban vom Kopf, sodass dieser ins Wasser fällt. Ein anderes Kryptonit-Fragment beseitigt er ebenfalls. Superman weiß jetzt, wo er herkommt – und was seine Schwäche ist. Dass die mit seiner Vergangenheit zusammenhängt, verbindet ihn wohl mit den Menschen.

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Lois Lane hat einen Verdacht

DC Comics

Titel: Man or Superman?

Autor/Zeichner: Jerry Siegel/Joe Shuster

Erschienen: 1942 (Superman #17), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


„A work of art.“ (Superman)

Lois Lane mag zwar eine smarte Reporterin sein, aber was Superman angeht, ist sie nicht gerade die Hellste. Vielleicht liegt es daran, dass ihr beim Anblick des Mannes der Verstand aussetzt. Vielleicht ist das Supermans geheime Superkraft: So auf Lois Lane zu wirken, dass sie nicht erkennt, wen sie vor sich hat, nämlich Clark Kent.

Nach vier Jahren dämmert es ihr plötzlich: Könnte es sein, dass …? Da steht sie gerade noch mit Clark in der U-Bahn, plötzlich ist er weg, Superman hält den Zug vorm Entgleisen ab, Clark ist an der nächsten Station wieder da und telefoniert die Geschichte beim Daily Planet rein. Klar, dass Lois skeptisch wird. Clark redet sich raus. Lois bleibt skeptisch. Clark gerät ins Schwitzen. (Im Gegensatz zu Superman, der nie zu schwitzen scheint.)

Allein lässt Lois ihre Erinnerungen Revue passieren: Nie sind Clark und Superman zugleich zu sehen, denkt sie sich, und es gibt auch eine gewisse Ähnlichkeit der Gesichtszüge … Aber als sie sich klarmacht, was für ein geiler Typ Superman ist und was für eine mickrige Erscheinung ihr Kollege, da erscheint das Naheliegende plötzlich wieder absurd.

Es kommt zu einem dramatischen Höhepunkt: Der Schurke Talon entführt Clark Kent und Lois Lane und lässt sie – aufgepasst – in einem Glaskasten an einem Pendel über Clark schaukeln. Wenn es Mittag wird, soll sie auf ihn krachen und beide sind tot – so jedenfalls die graue Theorie, die sich natürlich nicht bewahrheitet, wenn der Schurke sich davonmacht, statt nach dem Rechten zu sehen. (Warum ausgeklügelte sadistische Todesfallen, wenn man nicht dabei sein kann, wenn sie töten sollen?!)

Clark hat aber eine viel dringendere Frage: Wie kann er Lois retten, ohne sich die Blöße zu geben? Denn das scheint fast noch wichtiger als das Retten von Leben. Die Lösung: Mit Supergeschwindigkeit und alten Lumpen. Er zieht sich schnell um, stopft Clarks Anzug aus, rettet Lois und während sie sich umsieht, wird er wieder zu Clark. Nach der atemberaubenden Performance sind alle Zweifel vergessen. Dann nimmt er noch den Schurken fest, absorbiert die Explosion einer Bombe und schreibt die Story runter bevor Lois es kann.

Hat eigentlich schon mal jemand hinterfragt, wie Clark als Reporter arbeitet? Indem er ständig über sich selbst schreibt, verstößt er gegen einen Grundsatz des Journalismus! Ganz abgesehen davon, dass er ein Betrüger ist. Und was ist Perry White eigentlich für Chefredakteur, dass seine Reporter ständig unnötige Doppelarbeit leisten? Offenbar hat man beim Daily Planet Geld und Zeit zu viel. Das waren noch Zeiten, als sich die Zeitungen solche Späße leisten konnten …

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Brian Michael Bendis schreibt Superman

Man of Steel: Zwei Cover in einem (DC Comics)

Der langjährige Marvel-Autor Brian Michael Bendis ist zu DC Comics gewechselt, wie bereits im vergangenen Jahr bekannt wurde. Vor kurzem habe ich noch geschrieben, dass er eine Kurzgeschichte zu Action Comics #1000 beitragen wird, jetzt wurde bekannt, dass er zunächst bei Superman bleiben wird. Wie Forbes berichtet, wird er die Serien Superman und Action Comics schreiben, darüber hinaus hat Bendis eine sechsteilige Mini-Serie angekündigt: Man of Steel, die wöchentlich erscheinen soll. Als Zeichner werden Kevin Macguire, Ivan Reis, Doc Shaner und Jason Fabok genannt.

Bereits sein Beitrag zu Action Comics #1000 (gezeichnet von Jim Lee) soll mehr sein als eine beliebige Geschichte, sondern der Auftakt zu etwas Größerem: „It is a major chapter in what we’re doing, with some really big bombs we’re dropping in Superman’s life — and two of them happen right there in Action Comics #1000″, sagt Bendis. „So it’s a huge tease of what we’re doing and what’s coming up in Superman’s life.

Bei der Mini-Serie Man of Steel kommt ein Déjà-vu-Effekt auf: So hieß bereits das Reboot, das John Byrne 1986 nach der Crisis für Superman schrieb und zeichnete. (Ganz zu schweigen von dem Film von Zack Snyder von 2012.) Bendis‘ Man of Steel verspricht einen neuen großen Schurken, der tief mit Supermans Ursprung verwurzelt ist. „We’re going to dig in very hard, this is one of my goals, to be a additive to Superman as possible. The characters we debut right away, including this new villain, will send ripples of horror across the entire Superman family and beyond!“ Bendis verspricht, dass sein Superman-Ansatz – trotz neuer Wege – kein Reboot sein wird. Die erste Ausgabe soll am 30. Mai erscheinen.

Danach Bendis die beiden monatlichen Serien Superman und Action Comics übernehmen. Superman wird (schon zum fünften Mal!) neu gestartet; Ausgabe #1 erscheint am 11. Juli, Action Comics #1001 am 25 Juli. Während Superman den Schwerpunkt auf Abenteuer legt, soll es in Action Comics um Clark Kents Alltag gehen. (Wäre es andersrum nicht naheliegender?) Zwischen Action Comics #1000 und Man of Steel #1 soll am 2. Mai noch ein weiteres Kapitel erscheinen: DC Nation #0, gezeichnet von José Luis García-López. Darin sollen neue Figuren und Schurken eingeführt werden. Außerdem wird das Heft eine Batman-Story enthalten, in der der Joker von den Heiratsplänen mit Catwoman erfärt. 

 

Wer ist der Größte im ganzen All?

DC Comics

Titel: Superman vs. Muhammad Ali

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil, Neal Adams/Neal Adams

Erschienen: 1978 (All-New Collectors‘ Edition Vol 1 C-56), Deluxe Edition 2010; dt. Panini 2012


„I’m the greatest! I’m the king!!“ (Muhammad Ali)

Was wäre wenn …? Das ist die Grundfrage aller Fantasie. Und sie macht den Reiz von Superhelden-Comics aus. Die wildesten Fantasien werden wahr, Genres werden vermischt, aber auch Figuren zusammengebracht, die sonst nichts miteinander zu tun haben. Was wäre wenn, Superman gegen Batman kämpfen würde? Oder Superman gegen Hulk? Im Jahr 1978 ließ man ihn gegen Box-Legende Muhammad Ali kämpfen.

Damit trat auch etwas Seltenes in die Comics ein: eine Person der Zeitgeschichte. Und damit auch ein Hauch Realität – wenn auch keineswegs Realismus damit gemeint ist. Auf den ersten Blick klingt es lächerlich, selbstverständlich hätte Ali gegen Superman keine Chance. Es sei denn, man verleiht ihm Superkräfte – aber dann wäre er ja nicht mehr Ali. Oder aber man beraubt Superman seiner Kräfte. Dann wäre er natürlich auch kein Superman mehr, aber sei’s drum. Letzteres passiert in diesem Special.

Anlass zu diesem Kampf gibt eine Bedrohung aus dem All: Ein außerirdisches Kriegervolk will seinen besten Kämpfer gegen den besten Kämpfer der Erde antreten lassen. Sie wählen Ali. Aber weil gerade Superman in der Nähe ist, bringt er sich selbst ins Spiel. Bevor es also um den eigentlichen Kampf geht, müssen Superman und Ali unter sich austragen, wer von ihnen der Champion ist. Sie haben einen Tag Zeit. Wenn sie nicht mitspielen, wird die Erde vernichtet.

Superman fliegt mit Ali in die Festung der Einsamkeit, wo er sich unter einer künstlichen roten Sonne seiner Kräfte beraubt und sich von Ali trainieren lässt. Dank eines Tricks dehnen sie die Zeit, sodass Superman einiges an Technik aufholen kann. Das Training gehört zu den interessantesten Sequenzen des Comics, weil Ali als selbsternannter Professor des Boxens eine Wissenschaft daraus macht. Als es schließlich zum Kampf kommt (austragen auf dem Planeten der Aliens), sieht die ganze Galaxis zu. Ali macht Superman fertig. Ohne seine Kräfte ist der Stählerne nun mal ein Nichts …

Das ganze Maneuver ist zwar nur ein Trick, aber auch der Feind spielt mit falschen Mitteln, lässt Ali gegen einen viel zu mächtigen Gegner antreten und offenbart, dass die Erde auch vernichtet und die Menschen versklavt werden, wenn er gewinnt. Der Mann, der einst seinen „Sklavennamen“ Cassius Clay abgelegt hat, hört so etwas überhaupt nicht gerne. Davon erst recht herausgefordert, beweist er dass er der beste Boxer in Zeit und Raum ist. Und Superman erledigt in der Zwischenzeit seinen Superhelden-Weltrettung und am Ende einigen sie sich darauf, dass sie beide Champions sind.

Das Event ist arg konstruiert und voller absurder bis hanebüchener Momente, in dem das Auftauchen der Weisheitsgöttin Pallas Athene nur ein Höhepunkt ist. Aber wenn man sich darauf einlässt, kann es auch Spaß machen: Muhammad Ali ist sowohl zeichnerisch als auch vom Charakter her gut getroffen, ein durch nichts einzuschüchterndes Großmaul, das auch mit dem Mund sehr schlagfertig ist. In der Begegnung mit Superman zeigt er sich selbstbewusst und ironisch. Es ist klar, dass es hier nicht um Logik, Glaubwürdigkeit und die buchstäbliche Story geht, sondern um den Subtext: Der Comic macht ein klares gesellschaftspolitisches Statement. Abgesehen vom Promi-Faktor ist es vor allem das, was die Geschichte zum Klassiker macht: Was wäre wenn, Muhammad Ali uns alle vor der Sklaverei bewahren würde?

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Superman wird 80: Action Comics #1000

 

Zum großen Superman-Jubiläum erscheint die 1000. Ausgabe von Action Comics, der Serie, in der Superman 1938 debütierte und die am längsten läuft. DC bringt den Comic in zwei Fassungen heraus: eine 80-seitige mit neuen Superman-Geschichten und eine 384-seitige Hardcover-Ausgabe mit überwiegend alten Geschichten der Serie, darunter auch eine neu entdeckte, bislang ungedruckte Story der Superman-Erfinder Jerry Siegel und Joe Shuster. Das Heft erscheint am 18. April und kostet 7,99, das Buch erscheint am 19. April und kostet 29,99 US-Dollar.

Inhalt von Action Comics #1000 sind Storys folgender Autoren und Zeichner: Brian Michael Bendis (seine erste Story für DC), John Cassaday, Olivier Coipel, Paul Dini, Jose Luis Garcia-Lopez, Patrick Gleason, Butch Guice, Geoff Johns, Dan Jurgens, Tom King, Jim Lee, Clay Mann, Brad Meltzer, Jerry Ordway, Tim Sale, Louise Simonson, Scott Snyder, Curt Swan, Peter J. Tomasi, Marv Wolfman.

DC Comics

Inhalt der Hardcover-Ausgabe Action Comics: 80 Years of Superman:

Außerdem gibt es Texte von Paul Levitz, Laura Siegel Larson (Tochter von Jerry Siegel), Jules Feiffer, Tom DeHaven (“It’s Superman!”), David Hajdu (“The Ten-Cent Plague”), Larry Tye (“Superman: The High-Flying History of America’s Most Enduring Hero”) und Superman-Autor Gene Luen Yang.

Das Buch wird sich gut mit dem Jubiläumsband Superman: A Celebration of 75 Years ergänzen, der vor fünf Jahren herauskam. Weil darin vor allem Storys aus der Serie Superman erschienen sind, in dem neuen Band aber nur Storys aus Action Comics, gibt es nur drei Überschneidungen (Action Comics #1, #242 und #0).

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Superman: Held der Unterdrückten

Am Anfang war der Gott, der vom Himmel hinabstieg, um die Menschheit zu retten. Am Anfang war der Sohn, den der Vater zum Wohl der Welt geschickt hatte. Er konnte übers Wasser gehen, Menschen vor dem Tod bewahren und schließlich selbst von den Toten auferstehen.

Am Anfang war die Rakete aus dem All. Und aus ihr schlüpfte ein Held. Der erste Superheld. Der Übermensch, der seine Heimatwelt verloren hatte, fand auf der Erde ein neues Zuhause – und setzte seine Kräfte für das Gute ein. Superman ist die moderne Variation des Christus-Mythos, mit der Betonung auf Sensation: ein auffälliges Auftreten und das Vollbringen von Wundern.

Trotzdem war aller Anfang noch bescheiden: Superman konnte bei seinem ersten Auftritt – vor 80 Jahren in Action Comics #1 (1938) – noch nicht fliegen, auch hatte er noch keinen Hitzeblick und keine Kältepuste. Nur stark und schnell war er, unverwundbar und konnte weit springen. Weil das Konzept zu Beginn immer noch zu fantastisch, zu weit hergeholt erschien, fügten seine Schöpfer gleich auf der ersten Seite eine wissenschaftliche Erklärung ein: zum einen die außerirdische Herkunft, wodurch die Physis den Menschen weit überlegen war, zum anderen wurde ein Vergleich zu Ameisen und Heuschrecken gezogen, die ebenfalls zu verhältnismäßig starken Leistungen fähig sind.

An Supermans ersten Heldentaten zeigten sich nicht bloß die Kräfte, sondern auch ein soziales Gewissen. Superschurken wie verrückte Wissenschaftler, Monster oder Außerirdische gibt es noch nicht. Stattdessen kämpft Superman gegen die Unterdrücker der Schwachen. Gleich auf der zweiten Seite springt er mit einer gefesselten Frau durch die Gegend, einer Mörderin, die er aufgeschnappt hat, um die Hinrichtung einer Unschuldigen zu verhindern. Als nächstes nimmt er sich einen Mann vor, der seine Frau schlägt, später einen Waffenlobbyisten in Washington D.C.

Bei einem Zwischenfall mit Lois Lane geht es um die Wahrung der Geheimidentität: Bei einem Tanz wird Lois von Rüpeln bedrängt, Clark Kent führt sich wie ein Feigling auf, Superman lehrt kurz darauf die Übeltäter das Fürchten, indem er ihr Auto an einem Felsen zerschlägt.

In Superman #1 wird die Hintergrundgeschichte etwas ausführlicher erzählt: Superman wird zunächst von den Kents gefunden (statt von einem anonymen Autofahrer) und dann ins Waisenhaus gebracht, schließlich aber von den Kents adoptiert. Während der Vater den Jungen ermahnt, seine Kräfte zu verbergen, damit sich die Menschen nicht vor ihm fürchten, ermuntert ihn die Mutter dazu, zur rechten Zeit der Menschheit zu nützen. Nach dem Tod der Eltern wird Clark zu Superman, dem Held der Unterdrückten.

Zunächst aber kümmert sich Clark um seine Existenz in der Zivilgesellschaft: Erfolglos bewirbt er sich bei der Zeitung Daily Star, schließlich erhält er ihn doch dank seiner Kräfte als Superman. Er hält einen Lynchmob davon ab, einen unschuldigen Mann zu töten, der für einen Mord im Gefängnis sitzt, schließlich spürt Superman die wahre Täterin auf – und der Kreis zu Action Comics #1 schließt sich.

In den ersten vier Ausgaben von Action Comics hilft Superman nicht nur den Opfern und bestraft die Täter, sondern richtet sich gezielt gegen die systematisch Ungerechtigkeit der Welt. Einen Waffenhersteller bringt er in ein Kriegsgebiet und zwingt ihn zum Wehrdienst. Um ihn zu beobachten, schreibt er sich selbst ein. Nach dem traumatischen Erlebnis wandelt sich der Industrielle zum Pazifisten. Schließlich beendet Superman auch den Krieg, indem er die Anführer der gegnerischen Streitkräfte zusammenbringt. Sie gelangen zu der Einsicht, dass sie sich nur bekriegen, um der Waffenindustrie zu dienen. In einer anderen Geschichte belehrt Superman den Inhaber  eines Bergwerksmit einer ähnlichen Erfahrung, mehr für die Sicherheit seiner Arbeiter zu sorgen.

Von der häuslichen Gewalt bis zum Krieg, vom Justizirrtum bis zu Arbeiterrechten – Superman ist das soziale Gewissen der Menschheit. Im Zweifel für die Schwachen und Unterdrückten.

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Jahresrückblick 2017 & Jahresvorschau 2018

Dark Nights: Metal (DC Comics)

Das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen von Rebirth, dem Neustart der DC-Heftreihen. Aber nach einem interessanten Auftakt ließen die Serien Batman und Detective Comics nach: Tom King wurde banal, James Tynion IV hat mich mit seiner Batman-Familien-Seifenoper verloren. Auch All-Star Batman war leider keine Offenbarung und blieb hinter den bisherigen Batman-Comics von Scott Snyder zurück. Einzig das Batman/Flash-Crossover The Button war ein ganz ungetrübtes Vergnügen, eine tolle Fortsetzung von Flashpoint.

Außerhalb der Continuity war ich froh, endlich Dark Knight III beenden zu können, eine weitere enttäuschende wie überflüssige Miniserie von Frank Miller. Spaß gemacht hat dafür Dark Prince Charming mit seiner ganz einzigartigen Atmosphäre – ich bin gespannt auf Teil 2.

Am meisten beeindruckt haben mich in diesem Jahr zwei Neuauflagen älterer Batman-Storys: Death and the Maidens und Face the Face. Besonders letztere kam zum 75-jährigen Jubiläum von Two-Face genau richtig; ich habe dem Schurken eine Reihe gewidmet, in der ich einige seiner Auftritte näher beleuchtet habe. Im Sommer habe ich auch Mister Freeze besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Im nächsten Jahr freue ich mich auf die Collected Editions des Events Dark Nights: Metal sowie auf die Mini-Serien Creature of the Night und White Knight, die beide schon mit Lob überschüttet wurden. Zunächst aber widme ich mich dem ebenfalls gerühmten The War of Jokes and Riddles, einer Story über Batmans Frühzeit. In einer großen Retrospektive werde ich mich endlich an das Knightfall-Epos heranwagen. Im Februar geht es los. Dann werde ich mich durch die drei dicken Bände lesen und in kleineren Etappen meine Eindrücke dazu schildern.

Was Filme angeht: Mit Justice League hat DC zwar einen guten Schritt in die richtige Richtung gemacht, aber an Wonder Woman, den besten DC-Film seit The Dark Knight, kommt er bei weitem nicht heran. Bei DC-Filmen ist derzeit so viel im Unklaren, dass ich mich lieber mit Aussagen über einen möglichen Batman-Solo-Film zurückhalte – aber ich hoffe natürlich, dass wir bald wieder einen guten bekommen. Nächstes Jahr steht allerdings nur Aquaman an.

Der beste Batman-Animationsfilm 2017 war The Lego Batman Movie, eine sehr pfiffige Dekonstruktion, die für Kinder und Erwachsene gleichermaßen funktioniert. Dagegen wirkte Batman and Harley Quinn nur fade – eine große Enttäuschung, wenn man bedenkt, dass damit nach langer Zeit wieder ein Film im geliebten Animated-Series-Stil entstanden ist.

Auf zwei Zeichentrickfilme freue ich mich: Am 8. Februar 2018 erscheint die Adaption des Elseworlds-Klassikers Gotham by Gaslight und im weiteren Verlauf des Jahres auch Batman Ninja, der erste lange Baman-Anime.

DC Comics

Zum Schluss will ich noch ein Höhepunkt des Jahres 2018 erwähnen: Wir feiern 80 Jahre Superman. Zu diesem Anlass bringt DC die 1000. Ausgabe von Action Comics heraus und im April bringt DC dazu noch eine Deluxe Edition. Ich werde im Laufe des Jahres einige weitere Superman-Storys besprechen.

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Wie Santa Claus JLA-Mitglied wurde

DC Comics

Titel: Merry Christmas, Justice League — Now Die!

Autor/Zeichner: Mark Waid/Cliff Rathburn

Erschienen: 2001 (JLA #60), Paperback 2015 (JLA Vol. 5)


„Made-up guys can’t be cool.“

Wie bringt man JLA und Santa Claus zusammen? Diese zwei Sphären, die nichts miteinander zu tun haben: Einerseits stählerne Typen mit Superkräften, die die Welt beschützen, und dieser dicke Typ mit Rauschebart, diese kommerzielle Kunstfigur, die Geschenke verteilt und an die nur Kinder glauben. Aber wenn wir es so betrachten: So weit weg sind die beiden Sphären nicht. Eigentlich gibt es kaum einen Unterschied. Außer dass die einen vielleicht etwas cooler aussehen. Und genau darum geht es hier: Santa Claus cool zu machen, zu einem Superhelden.

Weil ein Junge nicht an Santa Claus glaubt, erzählt ihm Plastic Man, dass der sogar Mitglied in der JLA sei. Und weil der immer noch skeptisch bleibt, erzählt er ihm, wie es dazu kam: Die JLA saß beisammen und hat ihn einfach aufgenommen. Doch kurz darauf kam ein Lebkuchenmännchen, das ihnen mitteilte, Santa Claus sei in der Hölle gefangen. Denn der Weihnachtsmann steckt in der Krise. Immer weniger Kinder sind brav, weil die Dämonen der Hölle sie zu Missetaten anstiften. Das Angebot an Geschenken ist größer als die Nachfrage, die Elfen werden arbeitslos.

Der Oberdämon Neron entführt Santa Claus und nimmt ihn gefangen. Die JLA teleportiert sich in die Hölle, wird in Kohle verwandelt, da befreit sich Santa mit seinem Hitzeblick … Okay, ich denke, ich kann hier aufhören – ihr habt verstanden, worauf es hinausläuft. Diese JLA-Story ist natürlich großer Quatsch, aber ein ganz amüsanter. Wenn man sich darauf einlässt, dass hier nur Spinnerei betrieben wird, wird seinen Spaß haben. Die Story hat den Charme eines spontan erdachten Kindermärchens, das gerade durch seine unerwarteten, absurden Wendungen wieder das Kind im Leser weckt.

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Super-Santa vs. Bat-Santa

DC Comics

Titel: Yes, Tyrone, There Is A Santa Claus

Autor/Zeichner: Kelley Puckett/Pete Woods

Erschienen: 2006 (DCU Infinite Holiday Special #1)


„It’s like something out of a comic book.“ (Batman)

Ein Junge schreibt einen Brief an den Daily Planet: Gibt es einen Weihnachtsmann? Oder ist alles bloß Schwindel? Perry White wittert eine Story und setzt sofort Clark Kent darauf an, eine Kolumne darüber zu schreiben. Doch der übertreibt es mal wieder. Übereifrig wie er ist, belädt er einen Schlitten mit Geschenken, steigt in ein rotes Superman-Kostüm mit roter Bommelmütze und will den Jungen zum Glauben an eine Kunstfigur missionieren.

Super-Santa

Da kommt Batman zufällig vorbeigeflogen. Lächerlich, sagt er. Superman sei zu höherem berufen, zum Beispiel die Welt zu retten. Richtig, sagt Superman, vielleicht sollte er lieber den Nahen Osten befrieden, aber, naja, die Geschenke möchte er schon noch loswerden. Doch als er bei den Kids auftaucht, steht da schon Bat-Santa. Und Superman, der keinen Spaß versteht, reagiert etwas über – und dabei sehen auch noch Kinder zu …

Bat-Santa

Ob Batman den Schlag überlebt, ist nicht überliefert. Aber da es sich ohnehin um eine Elseworlds-Story handelt, können uns die Motive und Folgen dieses Ausrasters ziemlich egal sein. Bemerkenswert ist allerdings die Ironie, dass Superman, der dem Kind ein wenig Romantik schenken wollte, sich überhaupt nicht danach verhält. Out of character, nennt man das. Aber da, wo sich die Comic-Fiktion selbst untreu wird, wird letztlich doch ein ziemlich realistisches Bild von Weihnachten gezeigt: Man zofft sich um die einfachsten Kleinigkeiten.

Superman vs. Bat-Santa

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