Robin

Batman Junior gegen den Joker

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 3 – Death of the Family (dt. Der Tod der Familie)

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Ardian Syaf

Erschienen: 2013 (Batman and Robin Annual #1, Batman and Robin #15-17, Batman #17), dt. Panini 2013 (Sonderband)


„I’m here to bring illumination to your life — a little clarity.“ (Joker)

Damian Wayne schickt seinen Vater auf eine Schnitzeljagd durch Europa: London, Barcelona, Athen – Bruce begibt sich auf eine sentimentale Reise auf den Spuren seiner Eltern. Doch für Damian ist das bloß ein Vorwand, um einmal allein auf Gothams Straßen zu patroullieren, – nicht als Robin, sondern in einem selbstgemachten Batman-Kostüm. Als Batman Junior wird er zwar nicht ernst genommen, dafür belehrt er seine Feinde umso schneller eines Besseren. Ganz putzig, der Kleine in seiner (zugegeben sinnlosen) Combo aus Cape und Trenchcoat.

Das ist aber nur das nette Vorgeplänkel dieses Bandes, bevor es richtig zur Sache geht: in den beiden Tie-ins zu der Batman-Storyline Death of the Family (Tod der Familie) erfahren wir, wie der Joker Robin in eine Falle führt und ihn gegen einen falsch grinsenden Batman kämpfen lässt. Ziel des Spiels: einer soll den anderen töten. Damit will der Joker zeigen, dass die größte Angst von Batman und Robin darin besteht, verantwortlich für den Tod des jeweils anderen zu sein. Außerdem führt der Narr mit seinem faulenden Gesicht vor, wie absurd das Konzept des Dynamischen Duos ist …

Dieser Teil ist (wie die Hauptstoryline) drastisch bis hin zu widerwärtig, aber so stark inszeniert, dass man dennoch den Blick nicht abwenden kann. Aber weil diese paar Ausgaben zu wenig sind, um ein Paperback zu füllen (und den Preis zu rechtfertigen), hat DC überflüssigerweise noch das Finale, Batman #17, dazugepackt. Für Sammler der Hauptserie ist diese Dopppelung ärgerlich. Am Ende kommt noch eine Einzelepisode, in der wir alle bisherigen Abenteuer, Sehnsüchte, Sorgen und Ängste in einem Alptraum vorgeführt bekommen.

Dank der tollen Zeichnungen von Patrick Gleason und Ardian Syaf ist das auch alles in Ordnung. Aber Ende hat man das Gefühl, dass die Serie ihren Fokus verliert, nicht wirklich etwas Neues zu erzählen hat und eigentlich nur Zeit bis zu Robins anstehendem Tod überbrückt. Die Serie ist voller Andeutungen gewesen, in Batman Incorporated wird es so weit sein. Davon später mehr.

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Robin aus der Retorte

DC Comics

DC Comics

Titel: Pearl (Batman & Robin Vol. 2)

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Patrick Gleason

Erschienen: 2012-2013 (Batman & Robin #0, 9-14), Paperback 2013; dt. Panini 2013 (Sonderband 2)


„You’re the master at spreading terror, Batman. We’ve all learned by watching you. Now it’s time to reap what you have sown!“ (Terminus)

Der eine hat mal Batmans Stiefel ins Gesicht bekommen – als die Sohle glühte. Das Profil hat Spuren hinterlassen. Ein anderer hat einen Batarang im Kopf stecken und redet wirres Zeug. Eine andere hat gleich ihren ganzen Körper mit Batarangs gespickt. Und der Anführer der Bande, Terminus, zerfällt von selbst. Alles Kollateralschäden von Batmans Einsätzen. Jetzt wollen sie Rache. Aber Robin legt sich erstmal mit seinen Vorgängern an, indem er den anderen erklärt, er könne es jederzeit mit ihnen aufnehmen. Die anderen – Nightwing, Red Hood und Red Robin – sind alles andere als erfreut. Es kommt zu einer kleinen Keilerei in der Bathöhle, aber der Streit ist schnell beigelegt. Gibt ja wichtigeres zu tun. Zum Beispiel Gotham vor den Psychos retten.

Das ist auch schon die größte Story des zweiten Bandes von Batman & Robin. Aber nichts, was einen lange beschäftigt. Das gilt auch für den Rest: Ansonsten gibt es noch eine vergessenswerte Zombie-Attacke eines Kannibalen-Kults, einen belanglosen Tie-in zum Event Night of Owls (Nacht der Eulen) und einen kleinen Robin-Origin, in dem wir erfahren, dass er aus der Retorte stammt, und eine echt ätzende Kindheit hatte. Aber das konnte man sich schon bei seinem ersten Auftritt in Batman and Son (2006) denken. Was anderes ist von einer Mutter wie Talia al Ghul zu erwarten?

Insgesamt ist Pearl nach dem furiosen Aufkakt von Born to Kill ziemlich enttäuschend. Immerhin die Zeichnungen von Patrick Gleason entschädigen mit einigen furiosen Panels. Hier ein Highlight:

Damian Wayne in Batman & Robin #0 (DC Comics)

Damian Wayne in Batman & Robin #0 (DC Comics)

Leider stammen aber nicht alle Seiten von Gleason.

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Schlechte Angewohnheiten

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 1 – Born to Kill (dt. Geboren um zu töten)

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Patrick Gleason

Erschienen: 2011-2012 (Batman and Robin #1-8), Paperback 2012, dt. Panini 2012 (Sonderband 1)


„You try to murder my son — and expect to live!?“ (Batman)

„Sometimes I think your secrets have secrets.“ (Robin)

Mit dem Auftauchen von Damian Wayne brachte Grant Morrison einst neuen Schwung in das Dynamische Duo. Doch kaum hatten sich Vater und Sohn etwas angenähert, hatten sie ständig irgendetwas anderes zu tun, als ihre Beziehung zu pflegen. Dann starb der Vater, bzw. er verschwand für lange Zeit, Dick Grayson wurde Batman. Und so bot die Serie Batman and Robin ein umgekehrtes Bild: ein heiterer Batman, ein düsterer Robin. Mit der Rückkehr von Bruce Wayne geriet aber selbst das aus dem Fokus. Nach dem Reboot von The New 52 kehrt die Serie zu dem Ursprung zurück: dem Verhältnis zwischen Vater und Sohn.

Bruce hat es immer noch schwer, seinen Sohn Damian in den Griff zu bekommen und ihn nicht nur Gehorsam zu lehren, sondern ihm auch den Tötungstrieb abzugewöhnen. Aber der Kleine kann das Morden nicht lassen. Als Ersatzhandlung zersäbelt er Trainingsroboter und zerquetscht Fledermäuse und Glühwürmchen. Alte Gewohnheiten sind bekanntlich schwer abzulegen.

Da taucht plötzlich ein neuer Killer auf, der – wie so üblich – ein alter Vertrauter ist: Morgan Ducard, Sohn von Henri Ducard, einem von Batmans Ausbildern. Als Nobody tötet er nicht nur Verbrecher, sondern hat es auch auf Batman abgesehen. Warum? Das Geheimnis liegt in der gemeinsamen Vergangenheit. Auch da ging es um Vater-Sohn-Beziehungen, Eifersucht und Ersatzfamilien. Da Nobody wie Damian über Leichen geht, versucht er den Jungen auf seine Seite zu ziehen, um sich an Batman zu rächen. Damian wird abtrünnig und es kommt zu einem sehr blutigen Kampf, bei dem Batman selbst in Versuchung gerät, seine Grenze zu überschreiten.

Autor Peter J. Tomasi erzählt seine Geschichte höchst einfühlsam und lässt sich viel Zeit, um die schwierige Beziehung zwischen Bruce und Damian darzustellen. Batman erscheint hoffnungsfroh, er beginnt damit, seine eigene Vergangenheit zu bewältigen und nicht mehr nur sich damit selbst zu peinigen. Er will seine Versäumnisse mit Damian nachholen, aber die Erziehung wird zum Kampf gegen Talias schlechten Einfluss. Der Kleine ist eben ein geborener Killer – und die Story verliert diesen Grundkonflikt nie aus den Augen. Darin besteht die große Stärke: Fokus auf das Wesentliche.

Die Erzählung profitiert auch sehr von den Zeichnungen von Patrick Gleason, der mit seinen klaren Strichen ausdrucksstarke Figuren und extreme Kampfszenen schafft und mit seinen vielen Schatten selbst in Tag-Sequenzen für eine düstere Grundstimmung sorgt. Wegen der häufigen Splash Pages wirkt es zwar manchmal wie Seitenschinderei, aber die Seiten sind zu prachtvoll, als dass man sie missen möchte.

Born to Kill ist ein Hochgenuss auf jeder Ebene, vergleichbar mit der Batman-Serie von Scott Snyder und Greg Capullo. Tomasi überbietet nicht nur die ersten Bände von Grant Morrsion, er legt auch eine beeindruckende Nebenserie vor, die die Ärgernisse von Detective Comics und Batman: The Dark Knight vergessen lassen.

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Quickly, Robin! To the crosswalk!

IGN.com hat einen neuen Trailer zum nächsten Animationsfilm Batman: Return of the Caped Crusaders veröffentlicht. Der Film setzt die Batman-TV-Serie der 60er Jahre fort, die damaligen Darsteller Adam West und Burt Ward sprechen hier die Hauptrollen. Im Trailer sehen wir, wie sich die klassischen Schurken Joker, Pinguin, Riddler und Catwoman vereinen, um das Dynamische Duo auszuschalten. „Holy unholy alliance!“, sagt Robin dazu. Dabei soll das Abenteuer sogar ins Weltall führen. Wie üblich ist Batman hier kein Vigilant, der über dem Gesetz steht und nach Gutdünken Leute verdrischt, sondern ein lupenreiner Spießer, der nicht einmal bei Rot über die Straße geht.

Das Drehbuch stammt von Michael Jelenic (Teen Titans Go!) and James Tucker (Justice League vs. Teen Titans), Regie führt Rick Morales (LEGO DC Comics Super Heroes – Justice League: Cosmic Clash).

Der Film erscheint am 11. Oktober digital in den USA und am 1. November auf Blu-ray.

Warner Bros.

Warner Bros.

Batman macht Filialen auf

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Incorporated

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Chris Burnham, Michel Lacombe, Scott Clark, Cameron Stewart, Dave Beaty

Erschienen: 2010-2012 (Batman Inc. #1-8, Batman Inc. Leviathan Strikes!), Paperback 2012, dt. Panini 2013 (Paperback)


„Batman is everywhere.“ (Bruce Wayne)

Eigentlich ist Batman ein einsamer Kämpfer. Und eigentlich ist er es auch überhaupt nicht. Sehr früh schon wurde er mit Robin zum Teamplayer, bald darauf kam Alfred hinzu, in den 50ern wurde die Bat-Familie erweitert um Batwoman, Batgirl, Bat-Hound und Bat-Mite, später Nightwing, weitere Batgirls, Red Hood, Huntress, Spoiler, Red Robin und andere. Nach Batmans Verschwinden (bzw. „Tod“ in Final Crisis) wurde der Kreis der Familie sogar um einige Reservisten erweitert. Batman ist schon lange kein einsamer Wolf.

Da ist es nur folgerichtig, wenn der Kontrollfreak Batman (nach seiner Rückkehr) sein Netzwerk auf die ganze Welt ausdehnt: Batman Incorporated. Wie Bruce Wayne es bereits als Geschäftsmann längst ist, wird auch Batman zu einem Global Player. Wayne tritt nun öffentlich als Sponsor von Batmans Franchise-Unternehmen auf und lässt Batman-Roboter bauen, während Batman in der Welt herumzieht und Filialen aufmacht: in Japan, Argentinien, Afrika, Australien und sogar in einem Indianer-Reservat. Lokale Helden werden zu Batmen oder wenigstens zu seinen Gefolgsleuten gemacht. Und passend dazu tritt ein neuer Schurke auf, der es auf die Helden abgesehen hat: der mysteriöse Terrorist Leviathan.

Grant Morrison führt mit Batman Incorporated zu Ende, was er mit Batman and Son begonnen hat: eine Mega-Story. Daher ist diese Geschichte nur zu verstehen, wenn man alles seitdem gelesen hat – oder wenigstens den ersten Band (inklusive Black Glove). Denn die Grundidee internationaler Batmen ist bereits im Club of Heroes eingeführt, ebenso wie ein Charakter namens El Gaucho.

Die Geschichte ist aber auch mit dem ganzen Wissen im Hinterkopf typisch Grant Morrison, also voller Charaktere und Nebenhandlungen. Zunächst beginnt es sehr episodenhaft, dann erschließt sich der Zusammenhang, immer wieder aber gibt es irritierende Sprünge, in der mehr hinzugefügt wird, als dem Ganzen gut tut, wie etwa einen Exkurs, in dem die historisch erste Batwoman nachträglich in die Continuity eingefügt wird (als Batmans erste Liebschaft).

Trotz dieses Anspruchs ist Batman Incorporated überwiegend kurzweilig und unterhaltsam zu lesen. Morrison sorgt für reichlich Abwechslung, lässt Bruce Wayne sogar Tango tanzen und nimmt sich in der Indianer-Episode sogar Zeit für reichlich Sozialkritik. Die Story hat einige starke Momente, auch wenn bei dem ganzen Reisen sich beim Lesen manchmal Jetlags einstellen.

Die Zeichenstile variieren stark, sind aber meist solide bis prächtig gelungen. Einzige Ausnahme: Kapitel 8 ist wieder (wie schon die Joker-Story „The Clown at Midnight„) am Computer mit 3D-Technik gezeichnet. Damit soll eine Virtual Reality abgebildet werden, aber die sieht furchtbar leblos und abstoßend aus. Dann schon lieber Arkham Knight auf der PS4 spielen. Comicfiguren müssen handgemacht sein: egal ob gezeichnet oder gemalt, aber auf keinen Fall so.

Ein abschließendes Urteil über Batman Inc. ist nach Band 1 nicht möglich, denn dies ist bloß der Auftakt zu einer größeren Geschichte, die sich noch über zwei weitere Bände erstreckt. Fortsetzung folgt.

>> Batman 2000-2011


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Tote leben länger

Batman: Eye of the Beholder

DC Comics

Titel: Eye of the Beholder

Autor/Zeichner: Tony S. Daniel/Tony S. Daniel, Steve Scott

Erschienen: 2011 (Batman #704-707, 710-712), Paperback 2011


„Doesn’t anyone stay dead these days?“ (Batman)

Einmal noch. Nur noch einmal müssen wir durch eine Story von Tony Daniel durch. Wer schon länger dieses Blog verfolgt, weiß, dass ich bisher nie überzeugt davon war, dass in diesem Autor-Zeichner ein Doppeltalent steckt. Zeichnen ja, schreiben nein. Allein sein Battle for the Cowl war okay, Life After Death taugte aber nichts – und erst recht nicht seine beiden späteren Detective Comics-Bände Faces of Death und Scare Tactics. Okay, eine Chance geben wir ihm noch: Eye of the Beholder.

Erzählt werden zwei Geschichten: In der ersten muss Batman (Dick Grayson) gegen den Schurken Sensei antreten, der eine chinesische Maske des Bösen in Gotham sucht. Sensei, der Vater von Ra’s al Ghul, müsste eigentlich tot sein (siehe The Resurrection of Ra’s al Ghul), aber … naja … die Familie hat’s nicht so damit, Endgültigkeiten zu akzeptieren. Batman verbündet sich mit der chinesischen Heldin Peacock, die aussieht, als könnte sie beim brasilianischen Karneval auftreten, und dem blinden Kämpfer I-Ching. Außerdem schauen noch die Schurken Riddler und Reaper vorbei, ohne allerdings für Höhepunkte zu sorgen.

Two-Face sucht seine Münze

In der zweiten Story geht es um Two-Face. Der hat seine Münze verloren und geht bei der Suche danach über Leichen. Dahinter steckt ein Plot des Gangsters Mario Falcone und Harvey Dents Frau Gilda (siehe The Long Halloween), der aber weder besonders ausgeklügelt noch interessant ausgeführt ist. Und wieder hat der Riddler etwas damit zu tun, allerdings kommt dieser Schurke nicht zur Entfaltung, da sein Kostüm zwar übersät ist mit Fragezeichen, er aber keine Rätsel stellt.

Noch überflüssiger ist die Erscheinung von zwei Sidekicks: „Riddlers Tochter“ Enigma und Catwomans Zögling Catgirl. Es wird mal wieder zu viel Personal reingepackt, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und Batman stellt sich mal wieder nicht besonders klug an. Gleich dreimal geht er fast drauf: einmal stürzt er in die Tiefe, dann wird er beinahe ertränkt, schließlich bekommt er eine Kugel in den Kopf. Aber auch Dick Grayson ist so hart im Nehmen wie sein Mentor, der sich übrigens lieber anderswo rumtreibt, statt sich um seine Stadt zu kümmern.

Lange Rede, kurzer Sinn: Eye of the Beholder könnt ihr euch sparen. Es sei denn, die Zeichnungen sind euch wichtiger als eine packende Story.

>> Batman 2000-2011

Loch im Kopf

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 4 – Dark Knight Vs. White Knight

Autor/Zeichner: Paul Cornell, Peter J. Tomasi, Judd Winick/Scott McDaniel, Patrick Gleason, Guillem March u.a.

Erschienen: 2010-2011 (Batman & Robin #17-25), Paperback 2012


„In fact, you need this exactly as much as you need a hole in the head!“ (The Absence)

Ein Comicautor hat es bestimmt nicht leicht. Ständig muss er sich irgendwelche Geschichten ausdenken, oft Auftragsarbeiten, schreiben am Fließband – da kann nicht alles gut sein, und manchmal fällt einem auch nichts ein. Leere im Kopf. Aber wie das so ist bei Kreativen: Sie machen auch aus der Not eine Tugend. Wenn man unter Schreibblockade leidet, schreibt man eben darüber. Filme wie Barton Fink oder Adaption zeugen davon. Paul Cornell, der Autor der ersten Batman & Robin-Story in diesem Band, hat die Leere im Kopf einfach wörtlich genommen – und eine Schurkin daraus gemacht.

Die Schurkin hat ein riesiges, kreisrundes Loch im Kopf. Eine Hand passt da durch. Erklärung: Ein Kopfschuss. Und die Abwässer im Gotham River, in die sie nach dem Schuss gelandet ist. Künstlername: The Absence. Oje … Superheldencomics lassen zwar selbst Tote auferstehen, aber dass ein Mensch mit einem riesigen Loch in der Stirn herumläuft (ganz zu schweigen von fehlenden Teilen des Gehirns), ohne dass wenigstens etwas dagegen unternommen wird (Implantate, Genetik, was auch immer), das ist schon sehr absurd. Die Dame sucht nämlich keinen Arzt auf, sie sucht Aufmerksamkeit. Von Bruce Wayne. Der hat nämlich mal mit ihr angebandelt, aber zu ihrer vermeintlichen Beerdigung bloß Rosen geschickt, statt da zu sein. Und so müssen sich Batman (Dick Grayson) und Robin mit der Irren herumschlagen. Dass am Ende dann doch alles anders ist, macht die Story nicht klüger.

Heimkino-Abend mit der Bat-Familie

Dabei fängt es mit dem Dynamischen Duo gut an: Dick Grayson ist das typische Großmaul, das bei seinen Einsätzen ebenso viele Hiebe wie lockere Sprüche austeilt, Damian ist der grimmige Wunderknabe. Am Anfang sind die pointierten Dialoge noch der Lichtblick der Story. Und dann gibt es noch eine schöne Sequenz, in der Bruce Wayne mit der Familie The Mark of Zorro schaut. Dabei wird klar, warum das Schauen des Films kein Trauma, sondern bloß schöne Erinnerungen bei Bruce weckt.

Aber fragt man sich nach dem ersten Teil: Kann es noch schlimmer werden? Ja, es kann. In der dritten Story, einem Wiedersehen mit Jason Todd alias Red Hood (siehe Batman & Robin Vol. 1), taucht die Schurkentruppe The Menagerie auf, die aus Leuten mit Tierköpfen besteht: Löwen, Tiger und – einem T-Rex. Muss ich wirklich weitererzählen? Na gut, machen wir’s kurz: Sie befreien Jason aus dem Knast, er befreit seinen Sidekick Scarlet aus ihren Fängen und kommt mit ihr frei. Höhepunkt: Jason zieht sich bis auf die Haut aus – und, was erstaunlich ist, blitzschnell wieder an. Egal, vergesst es einfach, weiter geht’s.

Die einzige Story, die hier allein der Rede wert ist (ich habe schon zu viele Worte für diesen Band verbraucht), ist die Titelstory. Sie hat einen interessanten Ansatz: Ein neuer selbsternannter Rächer bringt die Angehörigen der Arkham-Schurken um. Dabei verpasst er ihnen Flügel, damit sie sofort als Engel in den Himmel kommen können. Die Idee ist reizvoll, aber in drei Ausgaben hat sie nicht viel Platz, um sich zu entfalten. Der Autor der Story, Peter J. Tomasi, ist es dann auch, der die Serie nach dem Relaunch/Reboot The New 52 fortführt. Gute Wahl. Trotzdem kann man auf diesen Band verzichten.

(Hinweis: Nicht in diesem Band enthalten ist Batman & Robin #26, die letzte Ausgabe vor dem Relaunch 2011.)

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The Lego Batman Movie: Von Reggae Man zu Robin

Und noch ein Trailer von der San Diego Comic-Con: The Lego Batman Movie. Wir erfahren, dass Batman einen ungesunden Lebensstil als Einsiedler pflegt, wie Robin zu seinem Kostüm kommt (genial: Reggae-Man) und was sein geheimes Passwort für die Bathöhle ist. Und wir lernen, dass nicht Batman in Bruce Waynes Keller wohnt, sondern Bruce Wayne auf Batmans Dachboden.

Ach ja, und noch eine Lehre: „Life doesn’t give you seat belts!“

Nach diesen zweieinhalb Minuten voller witziger Einfälle ist klar: Dieser Film verspricht, ein Riesenspaß zu werden. Im Februar 2017 soll er in die Kinos kommen. (Am 15. Juni kommt Wonder Woman, am 17. November Justice League.)

Daddy’s Home

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman & Robin Vol. 3 – Batman & Robin Must Die (dt. Batman und Robin müssen sterben)

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Frazer Irving, Cameron Stewart, David Finch

Erschienen: 2010-2011 (Batman & Robin #13-16, Batman: The Return #1), Paperback 2012, dt. Panini 2012 (Paperback)


„I like to think I’m just keeping the costume warm.“ (Dick Grays0n)

„Guess I should have known you wouldn’t just turn up during lunch tomorrow or something normal like that.“ (Dick Grayson)

Das ist er: der Band, in dem Bruce Wayne als Batman zurückkehrt. Endlich. Nach einer langen Interimsphase und einer noch länger anmutenden Rückkehrphase ist Daddy wieder da. Aber nicht so schnell! Zunächst passiert davor noch eine Menge: Nachdem der mysteriöse Detektiv Oberon Sexton sich als Joker geoutet hat, bekommt er zunächst einmal eine Abreibung von Robin verpasst. Mit der Brechstange – als Revanche für Damians Vorgänger, Jason Todd (vgl. Death in the Family). Doch der Joker schafft es, ihn mit seinem Grinsegift zu sedieren und nimmt ihn gefangen.

Inzwischen führt Simon Hurt seinen lang angelegten Plan zum Finale: er lässt in Gotham eine virale Droge von Professor Pyg verbreiten, die Menschen drehen durch. Daraufhin gibt sich Hurt, der gerne Thomas Waynes Fledermauskostüm trägt, vor der Presse als der wiedergekehrten Thomas Wayne aus. Batman und Robin werden gefangengenommen, Batman bekommt eine besondere Kugel in den Kopf geschossen, die ihn erst nach einiger Zeit lähmen wird. Und genau da, im größten Moment der Verzweiflung, kehrt der wahre Batman zurück: Bruce Wayne. Und mit vereinten Kräften … naja, den Rest könnt ihr euch denken. Am Ende verkündet Bruce, dass er große Pläne hat: Batman wird global.

Nicht so raffiniert wie es scheint

Rasant, überladen, chaotisch. Mit diesen drei Worten lässt sich der Abschluss von Grant Morrisons Batman & Robin-Story beschreiben – also wie viele seiner Storys (Batman R.I.P., Final Crisis, The Return of Bruce Wayne). Da mag der ein oder andere gelungene Moment dabei sein, aber ich bin jetzt erstmal froh, endlich mit ihm durch zu sein. Viele halten Morrison für ein Genie, ich finde ihn bloß anstrengend. Man braucht einen langen Atem und sollte nicht zu viel Zeit zwischen den Bänden dieser Mega-Erzählung verstreichen lassen, um hier durchzusteigen. Letztendlich ist das Finale aber nicht annähernd so raffiniert, wie der komplexe Aufbau, der dazu führt.

Bruce Waynes Rückkehr ist natürlich visuell ein Fest, aber etwas atemlos. Es gibt kein Ankommen. Kaum ist er da, muss er nicht nur den Tag retten, sondern verkündet auch seine Pläne für Batman Incorporated und weist jedem Mitglied der Bat-Familie eine Aufgabe zu. Und am Ende, in The Return, wird auch schon der nächste großangelegte Handlungsstrang begonnen: mit Kampfrüstungen, Terroristen im Nahen Osten und Genexperimenten … Keine Zeit zum Durchschnaufen.

Gelungene Zeichnungen

Im dritten Band kann man immerhin das Auge an einigen tollen Zeichnungen erfreuen: allen voran an Frazer Irvings stimmungsvolle Seiten, aber auch Cameron Stewart und David Finch leisten solide Arbeit mit ausdrucksstarken Figuren.

Zur Entspannung gibt es am Schluss noch ein Lied zum Thema Heimkehr: „Daddy’s Home“ von Shep & The Limelites. (Findet ihr nicht auch, dass dieses Blog zu wenig Musik enthält?)

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Rückkehr auf Raten

DC Comics

DC Comics

Titel: Bruce Wayne – The Road Home (dt. Bruce Wayne – Der lange Weg zurück)

Autor/Zeichner: Fabian Nicieza, Mike W. Barr u.a./Cliff Richards, Ramon Bachs u.a.

Erschienen: 2010-2011 (ursprünglich acht One-Shots), Paperback 2011, dt. Panini 2011 (Paperback)


„Will my return cause more grief than when I was gone?“ (Bruce Wayne)

Lange schien Bruce Wayne zunächst tot zu sein, in Wirklichkeit war er verschollen in der Zeit, jetzt ist er von seiner Odyssee zurück. Aber statt wieder das Batman-Kostüm anzulegen, spielt er erstmal Theater: Statt sich zu erkennen zu geben, legt er sich die Identität „The Insider“ zu, steigt in einen High-Tech-Anzug, der die Fähigkeiten der Justice League vereint, und stalkt seine alten Weggefährten: Dick Grayson und Damian, die als Batman und Robin ein gutes Team ergeben, Tim Drake (Red Robin), Stephanie Brown (Batgirl), Selina Kyle (Catwoman), Barbara und James Gordon sowie die C-Heldengruppe, die Outsider. Jeden beobachtet er oder stellt ihn oder sie auf die Probe. Bruce erkennt schnell, dass alle ziemlich gut auch ohne ihn ausgekommen sind. Das bestärkt ihn darin, seine geheime Agenda zu verfolgen …

Zeitgleich machen Attentäter weltweit Jagd auf Stadtoberhäupter, aber das ist nur der äußere Anlass für Action. Die eigentliche Gefahr geht von der Reporterin Vicky Vale aus, die hinter Batmans Geheimidentität gekommen ist (siehe Battle for the Cowl) und damit an die Öffentlichkeit gehen will. Leider geht sie bei ihrer Recherche nicht allzu vorsichtig vor, sodass bald Gothams Unterwelt hinter ihr her ist – und Ra’s al Ghul. Aber da ist Bruce schon zur Stelle.

The Road Home ist keine Batman-Story, sondern eine Story über Bruce Wayne in einer Übergangsphase, die zu Batman Incorporated leiten soll. Batman wächst über die Familie hinaus zu einem weltweiten Unternehmen. Daher kommen hier auch so viele Nebenfiguren auf, auf die man sonst gut verzichten kann. Stark sind die Momente, die die Beziehungen zu den Verbündeten vertiefen, auch Batman in seinem neuen Anzug voller Gadgets kämpfen zu sehen, macht Spaß, auch wenn es zu übertrieben ist und zu sehr nach Batman Beyond aussieht. Die erste Hälfte ermüdet ein wenig, weil die Proben mehr oder weniger nach dem gleichen Prinzip laufen, in der zweiten Hälfte zieht die Vicky Vale-Handlung stärker an und gewinnt an Spannung. Was aber am meisten nervt, ist diese unnötige Geheimniskrämerei und diese Rückkehr auf Raten. Hier bleibt sich Bruce leider unangenehmerweise treu.

Von den Zeichnungen her ist bis auf das James Gordon-Kapitel, das von Szymon Kudranski genial stimmungsvoll inszeniert ist, kaum etwas der Rede wert. So ist The Road Home noch eine dieser mittelmäßigen Transit-Storys, durch die man durch sollte, wenn man das gesamte Bild haben will, aber kein Muss für Fans ausgefeilten Storytellings.

>> Batman 2000-2011