Paul Dini

Verprasste Vermögen

DC Comics

DC Comics

Titel: Streets of Gotham Vol. 1: Hush Money (dt. Die Straßen von Gotham)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2009 (Detective Comics #852, Batman: Streets of Gotham #1-4, Paperback 2010), dt. Panini 2010 (Batman Sonderband 25, enthält #1-6)


„Gotham City … even in these hard times it’s the home of unlimited opportunity. Of course you’ve got to keep your eyes open.“

„And that’s the formula for doing business in Gotham. You give, you take, you bend and you bleed.“

Der Schurke Hush erweist sich als ewiges Stehaufmännchen: Seine aufwendigen Versuche, Batman zu vernichten, sind gescheitert. Er wäre fast draufgegangen, hat sein gesamtes Vermögen an Catwoman verloren (siehe Heart of Hush). Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch berappelt er sich wieder und unternimmt einen neuen Versuch der Rache. Das Dumme ist nur: Batman ist tot. Oder wenigstens verschollen im Kampf. Daher nimmt sich Hush einfach das, was noch übrig ist: den Ruf von Bruce Wayne. Da Tommy Eliott bereits dessen Gesicht trägt, nimmt er dessen Identität an, verschafft sich Wohlstand und geht dabei über Leichen. In Vietnam wird er zwar von der Bat-Familie gefangen genommen, aber kurz darauf – als Firefly Gotham in Brand steckt – bricht er aus und verpulvert öffentlich als Bruce Wayne Milliarden von Dollar für wohltätige Zwecke. Die Bat-Familie muss das zähneknirschend mitansehen und ihn gewähren lassen. In der Zwischenzeit lässt Black Mask Victor Zsasz und den besagten Firefly in Gotham Chaos stiften. Zsasz bekommt dabei einen neuen Anzug und einen eigenen Schlachthof, um seine mörderischen Fantasien auszuleben.

Die kurzlebige Serie Streets of Gotham hat zwar Batman auf dem Cover, aber legt den Schwerpunkt auf die Schurken und Bewohner von Gotham, wie etwa den Broker, einen Immobilienmakler für Gangster, der mit leerstehenden Gebäuden für sinistre Zwecke seine Seele mitverkauft. Die Tatsache, dass Dick Grayson im Batman-Kostüm steckt, spielt im ersten Band fast keine Rolle – es hätte ebenso gut Bruce Wayne sein können.

Streets of Gotham verdankt seinen Reiz der ungewöhnlichen Erzählweise: Statt eines durchgehenden Plots mäandert die Geschichte durch mehrere Geschichten, die ineinandergreifen. So bekommt man nicht nur Einblicke in Hushs und Zsasz‘ Innenleben, sondern auch in die dunkle Seele des eigentlichen Protagonisten: Gotham City. Dustin Nguyens Zeichnungen sind sperrig und nicht immer gelungen, entfalten aber hin und wieder einen besonderen Charme – besonders bei den Covern.

>> Batman 2000-2011

Kooperation zwischen Konkurrenten

Batman versus Superman, Teil 20: Animated World’s Finest (1997)

Prise Kryptonit gefällig?

Prise Kryptonit gefällig?

Titel: World’s Finest (The Batman Superman Movie), dt. Batman in Metropolis

Story: Alan Burnett/Paul Dini

Erschienen: 1997 (Superman: The Animated Series S02E16-18)


„Two for the price of one – I love it!“ (Joker)

Batman lässt sich nicht reinquatschen. Vor allem nicht bei seinen Methoden. Wenn er in Metropolis Ganoven verhört, muss er damit rechnen, dass Superman mitzureden hat. Doch kaum hat der Stählerne Batman zurechtgewiesen, pariert ihn Batman mit einem Überwurf. Nach Kindergartenmanier schubst Superman zurück, nennt ihn verrückt und dämlich und lässt es sich auch nicht nehmen, mit Röntgenblick unter Batmans Maske zu schauen. Batman revanchiert sich, indem er eine Tüte mit Kryptonit rausholt. (Kurz darauf findet Batman raus, dass Clark Kent Superman ist.)

Gruß an Clark.

Hallo Clark, ich weiß, wer du bist!

In der Superman-Animationsserie der 90er treffen die World’s Finest dreimal aufeinander, zu Beginn mit in einer Dreifachfolge, die für den Heimvideomarkt auch zu einem einstündigen Film zusammengeschnitten wurde. Der Plot vereint, nach alter Tradition, auch die wichtigsten Schurken: Der Joker stiehlt eine Statue aus Kryptonit und bietet Lex Luthor an, Superman für eine Milliarde Dollar zu töten (vgl. Batman und das Phantom). Batman reist nach Metropolis, um das zu verhindern und verbündet sich notgedrungen mit Superman.

Joker und Lex: Ein verlockendes Angebot.

Joker und Lex: Ein verlockendes Angebot.

Doch nicht nur im Dienst sind die beiden Konkurrenten, auch in der Liebe: Bruce Wayne spannt Clark Lois Lane aus – und aus dem Flirt wird Ernst. Allerdings nur, bis sie hinter sein Geheimnis kommt. (Symbolisch schwerwiegend: durch eine Druckerpresse!) Bruce bringt es auf den Punkt: Lois mag Bruce Wayne und Superman, aber nicht die beiden anderen Typen – Batman und Clark Kent. Diese komplexe Dreierbeziehung, die überkreuz zur Fünferbeziehung wird, ist ein typisches Motiv der World’s Finest-Storys. Hier aber wird die Affäre bis zur Eifersucht durchgezogen.

Bruce und Lois kommen sich näher.

Bruce und Lois kommen sich näher.

Natürlich läuft es darauf hinaus, dass keiner die Frau kriegt. Lois spielt die typische Jungfer in Nöten, die von beiden Helden gerettet werden muss. Im Laufe der Handlung merken die beiden, die nichts miteinander zu tun haben wollen, dass sie sich prima ergänzen. Batman kann das Kryptonit unschädlich machen, Superman mit dem Kopf voran durch Wände brechen. Am Ende geht es gegen ein paar bösartige Kampfroboter.

Jetzt seid ihr dran!

Jetzt seid ihr dran!

Trotz der Erkenntnis, dass man ein gutes Team bildet, gerät auch der Abschied nicht gerade freundschaftlich. Man sollte bloß keine regelmäßige Sache daraus machen, sagt Clark. Bruce droht Clark, gut zu Lois zu sein, denn er wisse, wo er wohne. Wie schon bei der ersten Begegnung verzichten sie auf einen Handschlag. Damit ist die „Kinderserie“ deutlich konsequenter als manch Comic.

"Ich weiß, wo du wohnst." Auch zum Abschied kein Händeschütteln.

„Ich weiß, wo du wohnst.“ Auch zum Abschied kein Händeschütteln.

Der Dreiteiler wurde parallel als Comic adaptiert. Dafür gab es 1998 den Eisner Award in der Kategorie Best Graphic Album. An den Charme der TV-Episoden kommt das Heft aber nicht heran. Hier wird eine Story voller Konflikte, zündender Pointen und Action geboten, die sowohl alte Fans als auch Kinder glücklich machen dürfte. Herrlich: Batman und Superman zum Preis von einem.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

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Neue Batman US-Comics: Vorschau auf 2016

Batman Europa

DC Comics

Das Jahr ist noch nicht vorüber und schon gibt es allen Grund zur Vorfreude auf nächstes Jahr. Nicht bloß wegen des Kinofilms Batman v Superman im März, auch wegen der vielen Comics, die DC angekündigt hat. Abgesehen von die Fortsetzung der regulären Batman-Serie von Scott Snyder und Greg Capullo, die bisher viel Spaß gemacht hat, freuen wir uns auf das Prequel zu The Dark Knight Returns: Last Crusade, die Mini-Serie Batman Europa sowie Batman & Robin Eternal. Ansonsten bin ich gespannt auf die erste Batman-Elseworlds-Anthologie, von der man noch nicht weiß, was drin sein wird. Hoffentlich werden es einige Perlen sein, die bisher schwer aufzutreiben waren.

DC Comics

DC Comics

Besonders neugierig macht eine Ankündigung für Juni: Dann soll Paul Dinis Dark Night: A True Batman Story bei Vertigo erscheinen, eine autobiografische Geschichte, in der der Autor (The Animated Series, Mad Love) schildert, wie er vor über 20 Jahren Opfer eines traumatischen Raubüberfalls wurde. Batman und Schurken wie der Joker übernehmen darin die Funktion eines Chores in der griechischen Tragödie, indem sie dem Helden Ratschläge erteilen – weil ihm sonst in der Krise niemand zu Hilfe eilt. „You have to be your own hero“, sagt Dini. Das 121-Seiten-Buch wird gezeichnet von Eduardo Risso (Batman: Broken City). Die Pressemitteilung von DC Comics gibt es hier.

Hier eine Übersicht der Neuerscheinungen 2016 (Tipps sind unterstrichen):

Januar

  • Detective Comics Vol. 7: Anarky (Hardcover)
  • Detective Comics Vol. 6: Icarus (Softcover)
  • Superman/Batman/Wonder Woman: Trinity Deluxe Edition (Matt Wagner)
  • The Batman/Judge Dredd Collection (alle Crossover in einem Band)

Februar

Batman #41 (DC Comics)

Batman #41 (DC Comics)

März

April

  • Batman Europa (Hardcover der vierteiligen Mini-Serie von Matteo Casali und Brian Azzarello)
  • Robin War (Hardcover)
  • Batman Arkham: Scarecrow (Anthologie)
  • Batman Adventures Vol. 4
  • Superman/Batman Vol. 3

Mai

Juni

Juli

  • Batman Arkham: Killer Croc (Anthologie)
  • Batman/TMNT (Paperback): Batman trifft die Turtles (Crossover)
  • Elseworlds: Superman Vol. 1 (enthält Speeding Bullets, Kamandi: At Earths End, Kal, Superman: At Earths End, Superman/Batman Doom Link, Superman/Wonder Woman: Whom Gods Destroy)
  • Batman: The Golden Age Vol. 1 (Paperback, enthält Detective Comics #27-45, Batman #1-3 and New York World’s Fair Comics #1)

August

  • Detective Comics Vol. 8: Blood of Heroes (Hardcover)
  • Batman/Superman Vol. 5 (Hardcover)
  • Batman/Superman Vol. 4 (Softcover)
  • New Gotham (Storyline Evolution, Detective Comics #742-753, von Autor Greg Rucka)
  • Batman Noir: The Killing Joke (der Klassiker in Schwarz-weiß)
  • Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 2 (Hardcover)

(Dieser Artikel wurde am 13.12.2015 und am 18.8.2016 aktualisiert.)

Hirnchirurg pfuscht am Herzen

Batman: Heart of Hush

DC Comics

Titel: Heart of Hush (dt. Hush – Herz der Finsternis)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2008-2009 (Detective Comics # 846-850, Paperback 2009), dt. Panini Sonderband 2009


„Beware the man who can strike from a distance.“

Ein drittes Mal versucht Hush, seine Rache an Batman zu vollziehen: Rache dafür, dass Bruce Waynes Vater damals bloß seinen Job gemacht hat, als er Tommy Elliots Mutter rettete. In Heart of Hush wird ausführlich die Geschichte nach dem von Tommy verursachten Autounfall erzählt, von der Schreckensherrschaft der Mutter bis zu ihrem unglückseligen Ende. Autor Paul Dini versucht damit, stärker das Rachemotiv herauszuarbeiten, was aber nur leidlich glückt. Wie schon bei Jeph Loeb ist Hushs Hass auf Batman weit hergeholt und nur damit zu erklären, dass der Schurke eben – wie die meisten – verrückt ist.

Als Chirurg hat sich Tommy Elliot weiterentwickelt: Vom Hirnchirurgen hat er sich auf Kardiologie spezialisiert und eine leerstehende Klinik gekauft, in der er ein paar Obdachlose unter Drogen setzt und sie zu seinem Personal macht. Nach einem Vorspiel mit Scarecrow und Venom (Hush lässt immer noch gerne andere die Drecksarbeit erledigen), nimmt er Catwoman gefangen und entfernt ihr Herz, wobei er sie und ihr Organ mit einem komplexen Apparat am Leben erhält (Mr. Freeze hilft dabei). Batman muss sich beeilen. Doch Hush hat auch als plastischer Chirurg dazugelernt und verfolgt noch weitere Pläne …

Die Story, die als Tie-in zu Batman R.I.P. angelegt ist, aber vor den Ereignissen spielt, ist zwar ebenso kurzweilig wie Hushs erster Auftritt, aber bei weitem nicht so furios. Sie ist bescheidener angelegt, aber auch fader. Dass ein Großteil der Story der Vorgeschichte gewidmet ist, beraubt sie der Spannung und lässt den Verdacht entstehen, dass sonst nicht viel zu erzählen war. Das Finale leidet darunter, dass man den Schurken nicht besonders ernst nehmen kann, wie er mit seinen Waffen durch Wayne Manor streift – selbst Alfred kann ihn erledigen, und als noch Robin und Nightwing dazu kommen, ist die Sache ohnehin gelaufen.

Heart of Hush ist ein ziemlich durchschnittliches Vergnügen, auch in visueller Hinsicht: die kantigen Zeichnungen von Dustin Nguyen haben ihren Charme, doch überzeugen sie nicht durchgehend. Außerdem werden zu viele alte Griechen zitiert – lauter kluge Sprüche machen noch kein kluges Buch.

>> Batman 2000-2011

Bruce auf Badekur

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Out of the Past

Drehbuch: Paul Dini

Erschienen: 2000 (Batman Beyond S03E04)


„There’s no way I’m wearing the Robin suit.“ (Terry McGinnis)

„Whatever was in there died years ago.“ (Bruce Wayne)

Der alte Bruce Wayne bekommt von seiner ehemaligen Geliebten Talia al Ghul ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: ein Bad in der Lazarus-Grube. Da er darunter leidet, nicht mehr wie früher bei Kräften zu sein, willigt er ein. Terry kommt mit. Die erste Prozedur verläuft wie erwünscht, Bruce wird verjüngt, doch als er es sich anders überlegt, will ihn Talia nicht gehen lassen. Dann stellt sich heraus, dass ihr totgeglaubter Vater Ra’s in ihr präsenter ist als gedacht. Bruce und Terry kämpfen gemeinsam gegen die finsteren Machenschaften.

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Die Episode gehört zu den stärksten der Serie Batman Beyond – nicht von ungefähr hat sie Paul Dini geschrieben. Schon allein der Anfang ist brillant: Zu Bruce’s Geburtstag geht Terry mit ihm in die Vorstellung eines Batman-Musicals. Bruce ist alles andere als erfreut von dem albernen Singsang auf der Bühne. Als dann auch noch Batman und ein James Gordon-Verschnitt ein gemeinsames Lied trällern, verdrückt sich der alte Griesgram in seine Höhle, wo er in der guten alten Zeit schwelgt, indem er sich die Fotos von Frauen aus der Vergangenheit ansieht. Großes Kino.

Bemerkenswert ist eine Marginalie: In der Episode taucht eine Idee wieder auf, die bereits in dem Comic Son of the Demon erstmals durchgespielt wurde: ein vergessener Sohn von Bruce Wayne und Talia. Grant Morrison hat den Sohn später in Batman and Son Damian genannt und als neuen Robin in der Continuity etabliert.

Ra’s al Ghuls Auferstehung

DC Comics

DC Comics

Titel: The Resurrection of Ra’s al Ghul (dt. Die Auferstehung von Ra’s al Ghul)

Autor/Zeichner: Grant Morrison, Paul Dini u.a./Tony S. Daniel u.a.

Erschienen: 2007-2008 (Paperback 2008), dt. Panini 2008


„Sometimes, looking at the ‚big picture‘ can paralyze you, right? Well I’m tired of analyzing everything to death …“ (Tim Drake)

Wie wir schon öfter festgestellt haben, stirbt in der Welt der Superhelden niemand für immer. Schon gar nicht totzukriegen ist Ra’s al Ghul. Er ist das beste Beispiel für die ständige Erneuerung im Wechsel von Tod und Auferstehung. Selbst nachdem er in Death and the Maidens (dt. Der Tod und die Mädchen) wirklich gestorben ist, war klar, dass seine Wiederkehr nur eine Frage der Zeit war. Doch die Wiedergeburt gestaltet sich schwierig. Ra’s kehrt zunächst als ziemlich übel zugerichtete Mumie zurück.

Um wieder zurück zu alter Frische zu finden, soll sein Enkel, Bruce Waynes Sohn Damian, als Körperspender herhalten. Der Kleine hat verständlicherweise keine Lust, sich für seinen Opa zu opfern – und auch seine Eltern haben etwas dagegen. Während Batman in Asien herumturnt, fällt die League of Assassins über Wayne Manor her, Talia heuert ein paar Killer-Miezen an, die ihn beschützen sollen, Nightwing und Robin helfen aus. Währenddessen will auch ein anderer mächtiger Greis, der bloß Sensei genannt wird, die Auferstehung seines Erzfeindes verhindern.

Schließlich ist Damian aber nicht mehr so wichtig und Batman muss sich entscheiden, ob er seinen Sohn oder seinen Adoptivsohn Tim Drake für Ra’s opfern möchte. Die salomonische Lösung findet sich in anderen Trägern. Und hier hakt die Logik der Story am meisten: Wenn Ra’s einen Körper braucht, der seine DNA trägt, warum ist er zunächst hinter Damian her, wenn es schließlich auch andere Spender tun?

Interessant ist in der Geschichte aber ein Seitenaspekt: Robin Tim Drake, der von Ra’s in Versuchung geführt wird, die Seiten zu wechseln, verhandelt mit Nightwing an der Lazarusgrube die Frage, ob es zulässig ist, die Toten ins Leben zurückzuholen. Spannender als die Keilerei zwischen den beiden ist der Dialog: Tim hat drei Menschen verloren, die ihm wichtig waren (seinen Vater, Spoiler und Superboy), auch Nightwing kennt die Verlusterfahrung, aber die Konsequenz daraus wäre, alle wiederzubeleben – und das wäre untragbar. Der zentrale Satz in der Diskussion: „… in a world where Jason Todd can come back … then why can’t my dad …?“

So bietet The Resurrection of Ra’s al Ghul actionlastiges Schwertkampf-Abenteuer, bei dem Batman zwar eine untergeordnete Rolle spielt, aber dafür eine ungewöhnliche Rüstung tragen darf. Im Mittelpunkt stehen die drei Robins und ihr Verhältnis zueinander. Über das übliche Gut-gegen-Böse-Spiel hinaus werden zwei große Familiendramen geboten, in denen die Charaktere vor allem viele Konflikte untereinander austragen müssen. So sehen wir dabei zu, wie sich Damian von seiner Mutter lossagt – ganz einfach weil Papa Batman der coolere Elternteil ist. Getrübt wird das Lesevergnügen leider etwas durch die stark variierende Qualität der Zeichnungen.

>> Batman 2000-2011

Aushilfe bei der Justice League

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Titel: The Call (Part 1 & 2)

Story/Drehbuch: Alan Burnett, Paul Dini/Hilary J. Bader & Rich Fogel, Stan Berkowitz

Erschienen: 2000 (Batman Beyond S03E10-11)


 „Do whatever it takes. But make sure you stop him.“ (Bruce Wayne)

In der TV-Serie Batman Beyond gibt es nur eine Begegnung zwischen Batman und Superman – und die ist grün wie Kryptonit. Zunächst beginnt es friedlich: Superman sucht Terry McGinnis auf, weil er dessen Hilfe braucht. In der Justice League soll es einen Verräter geben, der es auf den Rest abgesehen hat. Die Liga besteht einem glatzköpfigen Green Lantern-Kind, Warhawk (einer Art Hawkman mit Stahlflügeln), Barda und Aquagirl (Aquamans Tochter). Die sind zunächst nicht gut auf die neue Aushilfe zu sprechen. Am Ende der ersten Folge wird klar, dass Superman selbst sich gegen die Liga verschworen hat – also holt der alte Bruce Wayne das Kryptonit aus dem Giftschrank. In der Festung der Einsamkeit kommt es dann zu einem Wiedersehen mit einem (historisch) sehr alten Feind der Justice League und am Ende heißt es Batman gegen alle …

Im Gegensatz zu den meisten Folgen der dritten Staffel ist diese Doppelfolge (übrigens nur eine von zweien in der gesamten Serie) überdurchschnittlich fesselnd und unterhaltsam geraten. Es war längst überfällig zu erfahren, was die übrigen Helden des Animated-Universums in der Zukunft machen. Superman hat ein neues Kostüm in schwarz-weiß, aber sonst bleibt alles mehr oder weniger beim Alten – vor allem der Konflikt zwischen Superman und Bruce Wayne. Nicht nur, dass Wayne seinem alten Mitstreiter nicht mal die Hand reicht, er hat auch keine Skrupel, ihn mit der drastischsten Maßnahme auszuschalten. Leider kommt es aber nicht zu einem Kampf zwischen dem neuen Batman und Superman; der Kryptonier knickt einfach nur ein, als Terry einen grünen Splitter hervorholt. Später kämpfen sie gemeinsam gegen den Rest der Liga. Das ist spannend genug.

Ebenfalls positiv zu erwähnen ist, dass The Call nicht ganz losgelöst von der Vergangenheit funktioniert, sondern sich auch auf die Superman-Doppelfolge The Main Man (S01E09-10, 1996) bezieht. Damit schlägt die Folge eine Brücke zwischen der Batman- und der Superman-Serie.

Selina an der Stange

Was Superheldencomics fehlt, ist der Sex. Zwar wimmelt es vor Astralkörpern in hautengen Anzügen und gewagten Posen, aber das alles zeugt höchstens von einer verkappten Sexualität, die so gut wie nie ausgelebt wird. Das ist kein Plädoyer für Pornos mit Batman und Co., aber es zeigt, wie die widersprüchliche US-amerikanische Moralvorstellung sich in diesen eigentlich unbegrenzten Fantasien niederschlägt.

Eine Ausnahme, die bis an den äußersten Rand geht, ist die Elseworlds-Story Catwoman: Guardian of Gotham. Allerdings eine lächerliche und daher misslungene. In dem animierten Kurzfilm DC Showcase: Catwoman wird die Heldin in ihrem schwarzen SM-Kostüm als Stripperin inszeniert – ein feuchter Männertraum. Allerdings kippt die Szene schnell von der Unterwürftigkeit in die Vormachtstellung: Selina holt die Peitsche raus und macht ein paar Gangster unschädlich. Darauf folgt eine spektakuläre Verfolgungsjagd mit einigen schönen Action-Einlagen. Das zeigt sehr eindrucksvoll die Ambivalenz zwischen Sexismus und Feminismus, die in dieser Figur steckt.

In diesem Fall spricht man vielleicht am besten von Felinismus

Batman bei Panini: September und Oktober 2015

Panini Comics

Panini Comics

Endlich ist eines der größten Batman-Meisterwerke wieder auf deutsch erschienen: Mad Love. In der Geschichte, die zum DC Animated Universe gehört, erzählen Paul Dini und Bruce Timm die Entstehung der Joker-Gehilfin Harley Quinn und ist – im Gegensatz zu späteren Auftritten der Figur – ein großer Spaß. Zuletzt war die Story im Dino Verlag veröffentlicht worden. Angereichert ist der Band von Panini mit den Storys Batman: Harley and Ivy #1-3, Batman Adventures #12.

Am 15. September bringt der Verlag zum ersten Mal die Mini-Serie Gordon aus Gotham (Gordon of Gotham) heraus. Ich habe bereits den englischen Sammelband besprochen, der zwei weitere Mini-Serien rund um Gordon und die Polizei von Gotham enthält. Letzterer ist auch die Serie Gotham Central gewidmet. Deren erster Band (US-Ausgaben #1-5) soll am 22. September auf deutsch erscheinen. Batman spielt darin nur eine marginale Rolle. Neues von Batman gibt es mit dem Sonderband zu Arkham Manor (27.10.), eine Story, die an die Serie Batman Eternal anknüpft.

In der Eaglemoss DC Graphic Novel-Reihe ist zuletzt von Batman die Elseworlds-Geschichte Schrecken über Gotham (The Doom That Came to Gotham) von Mike Mignola erschienen (12.8.), es folgt demnächst Catwoman: Selinas großer Coup (26.8.) und im September die Alex Ross-Saga JLA: Justice in zwei Bänden (2./9.9.). Der Maler Ross hat bereits in den 90ern mit Kingdom Come und Marvels Heldenstatus erreicht.

Der unbesiegbare Gegner

batman beyond joker

Humor ist ein ernstes Geschäft.

Titel: Batman Beyond – Return of the Joker (dt. Batman of the Future – Der Joker kommt zurück)

Regie/Drehbuch: Curt Geda/Paul Dini

Erschienen: 2000 (Direct-to-Video)


„It’s funny. I know about all your other major enemies, but you never mentioned him.“ (Terry McGinnis)

„I thought the Joker always wanted to make Batman laugh!“ (Terry McGinnis)

Batman ohne Joker? Das geht gar nicht. Auch wenn die Geschichten von Batman Beyond in ferner Zukunft spielen, auch wenn Bruce Wayne nur noch die graue Eminenz ist, auch wenn ein Jungspund im Kostüm steckt. In der Serie hat es bisher nur die Jokers, eine nichtsnutzige Bande von Chaoten gegeben. Im Batman Beyond-Spielfilm machen Paul Dini und Co. endlich wahr, was niemand für wahrscheinlich gehalten hat: sie bringen den Joker zurück. Während für Fans ein Traum wahr wird, macht die Batman-Familie einen Albtraum durch.

[ACHTUNG SPOILER!]

Denn die Macher fahren für einen angeblichen Kinderfilm schwere Geschütze auf. Der Joker wurde animiert noch nie so skrupellos und gruselig inszeniert, es fließt Blut, es sterben Menschen. Gleich zu Beginn knallt der Joker einen seiner Schergen ab, in einer Rückblende muss er selbst dran glauben. Weil die Szenen für das junge Publikum zu krass waren, wurden sie zunächst zensiert und durch eine mildere Version ersetzt. Die Urfassung findet sich auf der Blu-ray.

batman beyond joker

Es geht also doch: Bruce Wayne lernt das Lachen.

Es geht hart zur Sache: Der Joker foltert Robin (Tim Drake), erfährt dadurch Batmans Geheimidentität, er führt bei Robin eine Gehirnwäsche durch und formt ihn nach seinem Bilde, daraufhin erschießt ihn Robin. Tim Drake ist traumatisiert fürs Leben, zieht sich zurück – und wird dann wieder für die Zwecke des zurückgekehrten Schurken instrumentalisiert. Abgesehen von der schwachen Erklärung für die Wiederkehr des Jokers hat die Story all das Drama, das eine gute Batman-Geschichte ausmacht. Damit reiht sich der Film ein in die großen Batman-Traumata: als der Joker Jason Todd (Robin II) ermordete und Barbara Gordon (Batgirl) verkrüppelte. Bislang waren der (Kinder-)Serie solche grausigen Momente erspart geblieben oder wurden als Illusionen aufgelöst.

Batman Beyond: Joker und Tim Drake

Der Joker foltert Robin.

Doch es bleibt nicht nur beim Sensationsgeheische, es wird auch dem Joker-Mythos eine neue Komponente hinzugefügt: „The real reason you kept coming back was you never got a laugh out of the old man“, sagt Terry McGinnis zum Joker. „Get a clue, clowny! He’s got no sense of humor! He wouldn’t know a good joke if it bit him in the cape… not that you ever had a good joke.“ Der Joker erscheint als lächerliche Figur, deren Tragik darin besteht, sich vergeblich an seinem renitentesten Zuschauer abzuarbeiten. Batman ist sein Fluch. Und so wird der Joker zu seinem.

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