Schönheitsfehler einer Wunderfrau

Alle lieben Wonder Woman. Erst recht seit dem Kinofilm. Was man daran aussetzen kann, ist in diesem Honest Trailer auf den Punkt gebracht. Beispiel: Dass Diana so naiv ist, macht sie sympathisch, aber warum weiß sie nicht einmal, was Ehe ist, wenn sie 100 Sprachen kennt?

Dabei kommt Wonder Woman allerdings immer noch gut weg. Besonders, wenn man den Film etwa mit DCs beschämenden Superheldinnen-Film, Catwoman, vergleicht. Um das zu beurteilen, braucht es eigentlich keinen Honest Trailer. Aber es ist viel unterhaltsamer, sich dieses kurze Video anzusehen als seine Zeit mit dem absurden Machwerk von einem Film zu verschwenden. Ein Mysterium bleibt: Wie konnte so etwas überhaupt passieren?

In der Ego-Schleife

DC Comics

Titel: I Am Bane (Batman Vol. 3)

Autor/Zeichner: Tom King/David Finch (u.a.)

Erschienen: 2016-2017 (Batman #16-20, 23-24, Batman Annual #1), Paperback 2017


„I’m Batman because I’m Batman.“

Nachdem Batman bei Bane eingefallen ist und ihm den Rücken gebrochen hat (siehe I Am Suicide), kommt jetzt die erwartete Retourkutsche. Und die läuft wie folgt:

Tag eins: Bane erhängt drei Robins.
Tag zwei: Bane nimmt Catwoman, James Gordon, Duke Thomas und Tyger als Geiseln.
Tag drei: Batman lässt sich von Bane verprügeln. (Schon wieder.)
Tag vier: Um sich den Psycho Pirate zurückzuholen, prügelt Bane sich durchs Arkham Asylum.
Tag fünf: Batman lässt sich von Bane verprügeln (schon wieder), gewinnt aber, durch einen Nasenbruch.

Superheldencomics haben selten eine ausgefeilte Story, aber das ist einfach nur eine primitive Dauerschlägerei. Autor Tom King versucht das zu kaschieren, indem er die beiden Hauptfiguren in Rückblenden gegenüberstellt (die beiden sind ja so ähnlich!) und darüber hinaus viel schwadronieren lässt. Dabei übertreibt er mit dem Stilmittel der Wiederholung, vor allem mit den „I am“-Konstruktionen. Nicht nur, dass mehrmals „I am Bane“ fallen muss, damit es auch der Letzte kapiert, wie bedeutungsschwer dieser Satz sein soll, natürlich muss auch der Held am Ende entgegnen: „I am Batman.“ Herrje! Das wäre cool, wenn es nicht so aufgeblasen nichtssagend wäre.

Und dann das Arkham-Kapitel. Einen ganzen Tag lang, exakt 24 Stunden, vermöbelt Bane so ziemlich jeden Insassen (bis auf den Riddler, der einfach mal so nebenbei in zwanzig Sekunden ein Schloss von Mister Miracle knackt, na klar). Tom King referiert damit (auch explizit) auf Grant Morrisons und Dave McKeans Arkham Asylum, allerdings ist es dort ein Wortgefecht, in dem sich Batman mit sich selbst auseinandersetzen muss, bei Bane ist es bloß eine hohle Gewaltorgie.

Man muss sich fragen, warum auch die schmächtigsten Schurken sich Bane in den Weg stellen. Der Grund ist klar: Damit sie auch mal im Bild sind. Seit einigen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, gibt es diese Mode bei Batman, dass man den Fan-Service in den Mittelpunkt stellt. Es geht nicht mehr um eine gute Geschichte, es geht darum, den Lesern möglichst viele bekannte Gesichter vorzuführen, eine Reihe der üblichen Verdächtigen aus der Rogues Gallery. Begonnen hat dieser Trend mit Jeph Loebs The Long Halloween und Dark Victory, ging dann nach ähnlichem Prinzip weiter mit Hush, wurde aber in jüngster Zeit von David Finch in The Dark Knight (Knight Terrors) ad absurdum geführt.

Superheldencomics werden damit zu einer Endlosschleife, in der die 80 Jahrzehnte Tradition totzitiert werden. Tom King-Vorgänger Scott Snyder hat das auch schon gemacht, am deutlichsten in Death of the Family, in dem die ganze Joker-Comicgeschichte recycelt wurde. Bei Tom King kommt aber noch hinzu, dass er nicht nur andere Werke (Year One, Vengeance of Bane, Arkham Asylum) zitiert, sondern auch noch sich selbst – und das auch noch in Rückblenden. Damit wird der Abschluss seiner ersten Batman-Trilogie zu einer reinen Ego-Parade.

Und dann gibt es noch Kapitel sechs: Bruce Wayne macht Selina Kyle einen Heiratsantrag. Vorher reflektiert er noch mit der (inzwischen wieder geheilten) Gotham Girl über das Heldentum und Ängste. Schließlich kommt er zu dem Entschluss, dass er sich seiner Furcht stellen muss. Also bietet er Selina einen Verlobungsring an. Das ist immerhin schön inszeniert und emotional. Was draus wird? Mal sehen.

Als Zugabe gibt es am Ende noch zwei Kurzgeschichten: Einen Mordfall, den Batman mit Swamp Thing löst, sowie „Good Boy“, die neue Geschichte des Bat-Hundes Ace. Dafür hat Tom King den Eisner-Award bekommen. Hunde kommen halt immer gut an. Auch wenn man auch hier nicht das Gefühl hat, etwas Neues und unbedingt Lesenswertes geboten bekommen zu haben …

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Wonder Womans Reifeprüfung

DC Comics

Titel: Wonder Woman – The Hiketeia (dt. Wonder Woman – Batman: Hiketeia)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/J.G. Jones

Erschienen: 2002 (One-shot), Paperback 2016 (Wonder Woman by Greg Rucka Vol. 1); dt. Panini 2003/2017


„Hiketeia ist nie eine Prüfung des Bittstellers, Diana, sondern immer des Beschützers.“ (Die Erynnien)

Was für ein Cover: Batman mit verzerrtem Gesicht am Boden, ein rot-weißer Stiefel ruht auf seinem Kopf – Wonder Womans Stiefel. Der Rest ist schlichter weißer Hintergrund. Mehr muss nicht sein, es ist alles gesagt: der Triumph der Amazone über den Dunklen Ritter. Die Dominanz des Weiblichen als SM-Fantasie. Ein Klassiker.

Die Story dahinter steht dem in nichts nach: Eine junge Frau wird wegen mehrfachen Mordes von Batman gesucht. Sie entkommt ihm und sucht Zuflucht bei Diana, der Botschafterin von Themyscira. Dort bittet sie um etwas, das sich Hiketeia nennt, ein Ritual der alten Griechen, bei dem sich jemand verpflichtet, einem anderen Schutz zu gewähren – ganz unabhängig davon, wie schwer das Vergehen ist, dem man dem Schützling zur Last legt.

Die Hiketeia hat eigene Regeln. Batman passt das gar nicht – er fordert von Wonder Woman, ihm die Frau auszuliefern. Aber die denkt nicht dran. Es kommt zum Kampf, Batman zieht den Kürzeren. Doch da kommt er auf eine List: er bittet selbst um Hiketeia …

Man muss Wonder Woman nicht kennen, um sich in dieser Geschichte zurechtzufinden, man muss sie auch nicht mögen, um sich hier wohlzufühlen. Greg Rucka erzählt diese kleine, bescheidene Geschichte mit der nötigen Sensibilität, bei der alle drei Charaktere, vor allem die weiblichen, genug Tiefe bekommen. J.G. Jones (bekannt für Final Crisis und Wanted) inszeniert die Panels mit einer wunderbaren Dynamik und Dramatik.

Das Besondere ist, dass es keine klassische Superheldengeschichte ist, es fehlen die Schurken. Die Erynnien spielen eine eher untergeordnete Rolle, die Bösen sind hier bloß Menschen (Männer) in einer Rückblende, allein Batman ist der Antagonist, aber aus nachvollziehbaren ethischen Grundsätzen heraus. Der Konflikt, der hier ausgetragen wird, ist einer der unvereinbaren Prinzipien. Diese Ausnahme-Erscheinung macht dieses Comic so interessant.

>> Wonder-Woman-Comics

Neuschnee für Mister Freeze

DC Comics

Titel: Night of the Owls – First Snow

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Jason Fabok

Erschienen: 2012 (Batman Annual #1), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


„You claim to act out of love, but I don’t thing you even understand the meaning of the emotion!“ (Batman)

Nach dem Neustart des DC Universums (The New 52) hat auch Mister Freezes Origin ein Update bekommen. Im Tie-in zum ersten Batman-Event, Night of the Owls, kann man es nachlesen. Die Änderungen:

  • Die traurige Kindheit wurde durch eine glückliche ersetzt, aber Fries wurde zum Muttermörder gemacht.
  • Nicht Gothcorp, sondern Bruce Wayne war der Arbeitgeber von Victor Fries, als er an einer Heilung für Nora arbeitete und seine Experimente unvollendet abbrechen musste.
  • Nora ist nicht Victors Frau, sondern eine Fremde, die schon länger eingefroren wurde und über die Fries promoviert hat.

Victor Fries bildet sich also lediglich ein, dass er „seine“ Frau rächen müsse. Er ist von einer tragischen zu einer lediglich armseligen Figur geworden, auch wenn er zunächst bessere Startbedingungen zu haben scheint. So beginnt er etwa als deutlich attraktiverer Mann. Als Mister Freeze trägt er einen Irokesenschnitt und einen Anzug mit freien Armen. (Der Anzug wird von Wayne Corp angefertigt, ebenso wie die rote Brille.) Warum es ihm nicht zu warm wird, kann man sich so erklären: Er kann aus seinem Körper heraus Kältestrahlen erzeugen. Warum er dann trotzdem Zugang zur Wasserleitung braucht, um aus Arkham auszubrechen, und sich vom Pinguin eine Eiskanone holen muss, ist wohl ein Geheimnis aus den Untiefen des Plot Holes.

Wie dem auch sei: Freeze wurde zudem auch vom Rat der Eulen benutzt, um die Talon-Krieger zu erschaffen. Nightwing und Robin versuchen, ihn aufzuhalten. Doch nur Batman schafft es. Er konfrontiert ihn mit der Wahrheit und Schlägen. Doch sie sind es nicht, die Freeze ausknocken, sondern ein Modul, das Freeze einheizt. Der Glashelm bleibt diesmal heil.

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Legends of the Dark Knight: Snow

DC Comics

Titel: Snow (dt. Schnee)

Autor/Zeichner: Dan Curtis Johnson, J.H. Williams III/Seth Fisher

Erschienen: 2005 (Legends of the Dark Knight #192-196), Paperback 2007; dt. Panini 2006 (Paperback)


„Why is the Bat fighting me? I’m not his enemy … they are. Those criminals … and murderers.“ (Victor Fries)

Victor Fries hat zwei Probleme: Der Wissenschaftler soll eine Waffe bauen, will aber nicht. Außerdem hat er eine kranke Frau. Es sieht nicht gut für sie aus. Also nimmt er die Medizin in die eigene Hand und will sie mittels seiner Maschine, die keine Waffe sein soll, heilen. Das geht schief. Die Frau erfriert im Eisklotz. Daraufhin versucht er, ihr in den Tod zu folgen. Aber weil sie ihm in einer Vision als eine Art Eisfee erscheint, wird er lieber zu Mister Freeze und kämpft gegen seine ehemaligen Kollegen, um zu verhindern, dass die Waffe wieder gebaut und verkauft wird.

In der Zwischenzeit hat Batman andere Sorgen: Er verfolgt einen Gauner namens Peter Scotta Und weil die Polizei ihm dabei nicht helfen will und er alleine nicht klarkommt, stellt er ein Team von No-Name-Outsidern zusammen, um den Mann zu kriegen. Zunächst läuft alles glatt, doch dann tanzt einer aus der Reihe und ruiniert auch die Ermittlungen der Polizei. Schließlich geht Fries gegen Scotta vor, weil dieser Interesse an der Waffe hat. Fries will also keine Rache. Er will der Held sein, der Schlimmeres zu verhindern versucht. Tragischerweise ist er verblendet, er hat den Sinn für die Realität verloren.

Was an dieser Neufassung von Freeze’s Origin am meisten auffällt, ist ein ungewöhnlicher Zeichenstil, der sich nur schwer einordnen lässt. Einerseits sind die Linien sehr präzise, klar und so streng, dass es den Figuren an Leben fehlt, andererseits gibt es immer wieder Ausfälle ins Karikaturenhafte. Da erscheinen schon mal Köpfe gestaucht untereinander wie in einem Totempfahl oder es kommt auch schon mal Rauch aus den Ohren des wütenden James Gordon. Batman wirkt alles andere als heldenhaft, eher wie ein unbeholfener Trampel, ohne Grazie und Würde. Man gewinnt zuweilen den Eindruck, das Ganze könnte eine Parodie sein, wenn die Story nicht so bierernst wäre. (Und so langweilig.)

Insgesamt ist Snow eine eigenartig unentschlossene Angelegenheit, die versucht, ins Altbekannte neue Aspekte hineinzubringen, aber dann doch zum Status quo zurückkehrt. Und diesen Kalauer kann ich mir nicht verkneifen: Diese Geschichte lässt einen ziemlich kalt.

>> Liste der Mister Freeze-Comics

Superman im Abgrund

Vor 30 Jahren erschien der vierte und letzte Superman-Film mit Christopher Reeve: Die Welt am Abgrund, im Original The Quest for Peace. Ein so übles Machwerk, so billig und lieblos, dass man sich manchmal daran erinnern muss, um nicht in Versuchung zu geraten, seine Zeit noch einmal damit zu verschwenden. Dafür gibt es die Honest Trailers.

Fun Fact: Ursprünglich war ein fünfter Teil geplant, aber der wurde nie umgesetzt, weil schon der vierte floppte (wie schon der dritte). Erst zwanzig Jahre später kam wieder ein Superman-Film in die Kinos: Superman Returns, dessen einziges Verdienst darin besteht, Teil drei und vier ignoriert zu haben.

>> Honest Trailer zum ersten Superman-Film

Superman erinnert an amerikanische Werte

DC Comics

In den 50ern wurde ein Poster verbreitet, auf dem Superman Kinder vor Rassismus warnt: Die USA seien ein Land, das sich aus Menschen verschiedener Herkünfte und Religionen zusammensetze, sagt er. Amerika bedeutet Vielfalt – dem zu widersprechen ist unamerikanisch, so die Nachricht darunter. Bereits 1949 hat der DC-Vorgänger National Comics diese Grafik auf Schulbuch-Hüllen drucken lassen. DC hat das Poster nun restauriert und neu auf seiner Website veröffentlicht.

Zur Erinnerung: Die Schöpfer von Superman, Jerry Siegel und Joe Shuster, waren Juden. Was ebenso für die Batman-Schöpfer Bob Kane und Bill Finger gilt. Und Superman selbst ist – trotz seines menschlichen Aussehens – nicht mal ein Geschöpf der Erde. Man kann sich also keine bessere Comicfigur für die Vermittlung amerikanischer Werte vorstellen.

DC Comics

Supermans „Code for Buddies“

Auch in den Comics rief Superman mehr zur Toleranz auf, etwa in der Kurzgeschichte „Code for Buddies“, erschienen z.B. in Star Spangled Comics #130 (1950). Darin setzt er sich gegen Antisemitismus und Rassismus ein. Er erteilt Kindern eine Lektion, indem er ihnen zeigt, dass auch jüdische Soldaten im Zweiten Weltkrieg für Freiheit und gegen Intoleranz gekämpft haben.

DC Comics

Supermans Botschaft ist klar: Es sollte niemals eine Rolle spielen, welcher Religion ein Mensch angehört, welche Hautfarbe er hat oder wo seine Eltern geboren sind.

Auch ein „Übermensch“ steht nicht über der Menschlichkeit. Im Gegenteil: Er geht mit bestem Beispiel voran.

Mehr zum Thema:

Legends of the Dark Knight: Cold Snap

Titel: Cold Snap

Autor/Zeichner: J. Torres/David Lopez

Erschienen: 2005 (Legends of the Dark Knight #190-191), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


„Some say the world will end in fire,
Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire
I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice,
I think I know enough of hate
To say that for destruction ice
Is also great
And would suffice.“ (Robert Frost)

Mister Freeze klaut Diamanten. Und Pinguine. Und eine Lilie. Und eine nicht allzu wertvolle Statue. Und all das wird – nach alter Freeze-Gewohnheit – in Eisblöcke eingefroren. Was das soll? Der Schurke stattet damit sein kaltes Grab aus, nach dem Vorbild altägyptischer Pharaonen will er all diese Dinge mit ins Jenseits nehmen. Freeze plant, sich selbst zu töten, indem er sich selbst noch kälter einfriert. Batman versucht, ihn davon abzubringen.

Bruce Wayne erzählt die Geschichte seinem Butler Alfred bei einer heißen Tasse Kaffee, angereichert mit einigen Kalauern, als Reminiszenz ans gute alte Silver Age, in dem Mister Freeze seinen wortspielreichen Anfang nahm.

Der Mister Freeze des 21. Jahrhunderts ist kein Verbrecher mehr, der Diamanten klaut, um sich zu bereichern. Er klaut auch keine Kunst mehr, um sich daran zu erfreuen. Er opfert sich nicht selbstlos für das Wohl seiner Frau, er will keine Rache mehr  und er richtet nicht mehr über andere. Er hat jegliches Ziel im Leben verloren. Deshalb zieht er die Folge daraus und strebt nach der Selbstauslöschung. Aber Freeze geht nicht einfach dahin, ohne Schaden um sich herum anzurichten – und andere in den Tod mitzunehmen. Tragischer geht es nicht mehr.

>> Liste der Mister Freeze-Comics

Finger weg von Harley Quinn!

Klappe zu, Harley!

Titel: Batman and Harley Quinn

Regie/Drehbuch: Sam Liu/Bruce Timm, Jim Krieg

Erschienen: 2017 (Direct-to-Video)


Diese Harley Quinn-Mode nervt langsam. Nicht nur in den Comics, auch in Batman-Filmen ist der ehemalige Joker-Sidekick mittlerweile gefühlt omnipräsent: Nach Suicide Squad sollen noch mindestens drei weitere Spielfilme mit ihr folgen. Auch der nächste Batman-Tag soll ganz im Zeichen von Harley Quinn stehen. Jetzt hat sie auch einen Animationsfilm bekommen. Und wenn man den gesehen hat, kann man nur hoffen, dass diese Mode bald vorbei ist.

Der Plot: Um die Welt vor ihrer Zerstörung zu retten, will Poison Ivy alle Menschen in Pflanzenwesen verwandeln. Dabei wird sie unterstützt von Jason Woodrue, dem Floronic Man. Um sie zu finden und aufzuhalten, konsultieren Batman und Nightwing Ivys alte Bekannte: Harley Quinn. Die hat das Dasein als Schurkin aufgegeben und muss sich nun als Kellnerin mit Grabschern rumschlagen. Für das Dynamische Duo schlüpft sie aber noch einmal in ihre alte Rolle …

Nightwing und Harley beim Vorspiel.

Obwohl der Zeichenstil The Animated Series entspricht, fühlt sich Batman and Harley Quinn nicht so an wie aus diesem Universum. Abgesehen von der krassen Gewalt, der derben Sprache, den Furz- und Kotzwitzen gibt es auch viel Sex. Vor allem eine Szene, in der sich Harley Quinn über Nightwing hermacht – und er es mit sich machen lässt. Das allein fällt zwar aus dem Rahmen, aber ist noch zu verschmerzen, wären da nicht unnötige Sexismen, die so gar nicht zu einem Film passen, in dem sich die Titelheldin gegen sexuelle Übergriffe wehrt.

#Aufschrei: Harley von hinten.

Aber das ist nur das geringste Problem mit dem Film. Eine lahme Story, platte Witze und eine routiniert-fade Inszenierung lassen alles vermissen, was den Reiz von The Animated Series (und den Film Mask of the Phantasm) ausgemacht hat. Das einzige, worin sich noch Liebe zur Animation zeigt, ist der cartoonhafte Vorspann.

Bei Harley Quinn hat Batman das Nachsehen: Bild aus dem Vorspann.

Was den Rest angeht, kann man sich fragen: Was ist in den vergangenen Jahren aus der Animationskunst geworden? Es gibt sie noch, aber leider nicht mehr für Batman. Für den Heimkinomarkt lässt man billig produzierte Zeichentrickfilme herstellen, die den Namen Animation gar nicht verdienen, weil ihnen jegliche Seele fehlt. Steife Figuren in sterilen Kulissen, dazu eine scheußlich-künstliche Musik, die nur wie ein toter Abklatsch eines Orchester klingt. Batman and Harley Quinn ist nicht der erste Film, der so gemacht ist, aber einer der schlechtesten dieser Machart. Vom Geist der Animated Series ist hier kaum noch etwas übrig.

Unnötige Gesangseinlage.

Und zum Schluss, wenn man sich durch 75 Minuten durchgequält hat, kommt der absolute Tiefpunkt. Nachdem Batman in dieser Harley-Show ohnehin nicht viel zu tun hat, außer genervt dreinzuschauen und sich der Lächerlichkeit preiszugeben, fällt er mit Nightwing am Ende völlig aus der Rolle. Zum Fremdschämen.

Alle lieben Harley: WTF?

Wie DC mit seinen Filmen sein Comicerbe ruiniert

Warner Bros.

Ein Joker-Film, der die Vorgeschichte erzählt, aber ohne Jared Leto und ohne Bezug zum DC Extended Universe, ein Joker-und-Harley Quinn-Film, Gotham City Sirens und irgendwann einmal auch noch The Batman, Batgirl, Nightwing und Suicide Squad 2. Das ist in etwa der Stand der Dinge, was die geplanten Verfilmungen von DC-Comics angeht. Manches konkret, manches vage. Und dann sind da noch die anderen Superheldenfilme: Justice League, Shazam, Wonder Woman 2, Aquaman, Flashpoint, Cyborg, Green Lantern Corps usw.

Da kommt viel auf uns zu. Sehr viel. (Ganz zu schweigen von den Marvel-Filmen.) Das freut die Fans. Einerseits. Andererseits: mich besorgen diese Pläne. Denn abgesehen von der schieren Masse, mit der man Gefahr läuft, das Publikum zu übersättigen, wirkt es so, als hätten die Verantwortlichen nicht wirklich einen Plan. Während Marvel sein Filmuniversum weiter erfolgreich ausbaut, probiert man bei DC wild herum – mit durchaus gemischten Resultaten.

Nach der Neugeburt von Superman in Man of Steel hat man ihn in Batman v Superman wieder beerdigt, dabei nicht nur einen neuen Batman und Wonder Woman eingeführt, sondern auch drei weitere Helden (Aquaman, Flash, Cyborg). Man wollte offenbar keine Zeit mehr verschwenden und möglichst schnell zu Marvel aufholen. Das Ergebnis war ein unausgegorenes (und langweiliges) Machwerk. Suicide Squad war der Versuch, das Gleiche mit Schurken zu versuchen, noch ehe die Helden etabliert waren, was ebenfalls in die Hose ging. Davon ließ sich Warner aber nicht beeindrucken, sondern nur vom Einspielergebnis, und kündigte sofort eine Fortsetzung an. Und weil Harley Quinn gerade in Mode ist, soll sie auch in Gotham City Sirens mit Catwoman und Poison Ivy auftreten.

Erst mit Wonder Woman hatte man das Gefühl, dass die Produzenten den richtigen Ton gefunden haben, um eine interessante Geschichte zu erzählen. Man beschränkte sich auf die Titelheldin – und das reichte vollkommen aus. Warum nicht gleich so? Das war der erste von vier DC-Filmen, der eine gesunde Grundlage für den Rest des Filmuniversums bilden konnte, das von Anfang an kränkelte. Aber so scheint es leider nicht weiterzugehen.

Ben Affleck als Batman (Warner Bros.)

Der nächste Batman-Solo-Film hatte allerlei Startschwierigkeiten: Zuerst sollte Ben Affleck für Regie und Drehbuch verantwortlich sein, der Gegner Deathstroke wurde angekündigt, dann wurde er durch den Regisseur Matt Reeves ersetzt, der sein eigenes Drehbuch mitbringt. Einen Starttermin gibt es noch nicht, es zieht sich hin. Statt sich darauf zu konzentrieren, die Haupthelden einzuführen, werden bereits Filme über Sidekicks wie Batgirl und Nightwing angekündigt – obwohl es nicht einmal einen Robin gegeben hat (jedenfalls war von dem nur ein Kostüm in einer Vitrine zu sehen). Man gewinnt den Eindruck, dass hier wieder versucht wird, das Pferd von hinten aufzuzäumen.

Bloß keine Zeit verlieren, scheint das Motto zu lauten. Denn man hat zu lange geschlafen. So gut und wichtig Christopher Nolans Dark-Knight-Trilogie gewesen ist, man hat ein hermetisches Universum geschaffen, das nach drei Filmen abgeschlossen war und daher keine Grundlage für mehr bilden konnte. Während Marvel seit 2008 sein Cinematic Universe aufgebaut und erweitert hat, hat DC Zeit verschwendet, auch weil nebenher nicht viel passiert ist, außer ein mieser Superman Returns und ein noch mieserer Green Lantern – beides nicht fortsetzungswürdig.

Seit fünf Jahren versucht DC, diesen Vorsprung aufzuholen. Aber statt das zu imitieren, was Marvel erfolgreich macht, wird auf Gedeih und Verderb versucht, schnell Anschluss zu finden, was zulasten von Charakteren und Story geht. Außerdem haftet den Filmen die Schwere der Dark Knight-Trilogie an, was den Stoffen nicht gut tut. Man of Steel war bereits ein Film, dem es an Farbe, Optimismus und Humor mangelte – eine Fehlentscheidung für einen Charakter, der in strahlenden Primärfarben herumläuft und Hoffnung und Zuversicht ausstrahlen sollte. Und ähnlich düster und humorbefreit ging es weiter, was sich auch mit den Nachdrehs zu Suicide Squad nicht geändert hat.

Parallel dazu gibt es noch die DC-TV-Serien: Arrow, Flash, Supergirl etc. einerseits, Gotham und Krypton andererseits. Alles auf Ramsch-Niveau, aber es funktioniert – so wie einst Smallville zehn Staffeln lang funktioniert hat, obwohl das niemand gebraucht hat. Die Geschichten haben jedoch nichts mit den Filmen zu tun. Marvel macht es klüger: Die Serien Agents of SHIELD, Agent Carter und die Netflix-Serien sind Teil des Cinematic Universe. Zu dumm, dass DC wegen seiner seltsamen Hauspolitik einen neuen Flash für die Filme etablieren musste, zuerst in Batman v Superman, bald in Justice League. Weil man in der Serie aber schon die Entstehung des Helden gezeigt hat, wird wohl deshalb der erste Flash-Film auch nicht einfach „The Flash“ heißen, sondern Flashpoint, was weniger nach einem ersten als nach einem zehnten Teil klingt. Und das könnte das DCEU für das Multiversum öffnen, noch bevor das eigentliche Universum etabliert ist.

Heath Ledger hat als Joker Maßstäbe gesetzt. (Warner Bros.)

Dass DC nun tatsächlich diese neue Filiale im Kino aufmacht, zeigt auch der Plan für den Joker-Origin-Film außerhalb des DCEU. Die Nachricht wird von Kritikern gemischt aufgefasst: Einerseits soll Martin Scorsese den Film produzieren, andererseits soll Todd Phillips Regie führen, der Typ, der die Hangover-Trilogie zu verantworten hat und sich auch sonst kaum mit Ruhm bekleckert hat.

Manche sehen in dem Konzept eine Chance, neue Geschichten zu erzählen, die für sich stehen können. Ich sehe aber zwei Gefahren: Schon die Jared Leto-Version hat bereits das Bild des Jokers, das man mit Heath Ledger aufgebaut hat, beschädtigt. Ein Joker mit Hintergrundgeschichte würde es völlig ruinieren. Ein solcher Joker ist nicht halb so spannend wie ein Niemand ohne Vergangenheit. Außerdem darf man nicht vergessen, dass bereits Tim Burton in seinem ersten Batman-Film eine Vorgeschichte des Jokers schon erzählt hat, Stichwort: Jack Napier. Ganz zu schweigen von The Killing Joke und der dazugehörigen Zeichentrick-Adaption. Aber brauchen wir das noch einmal? Die Geschichte vom armen Gauner, der von Batman in den Chemietank geworfen wird? Prequels sind sehr in Mode, weil sie die Neugier der Zuschauer befriedigen, aber – seien wir ehrlich – es gibt nichts Langweiligeres als die Lösung für ein Rätsel.

Zum anderen läuft man mit einer Geschichte außerhalb des regulären Universums Gefahr, den normalen Kinozuschauer zu verwirren und damit zu verprellen. Es ist schon jetzt kompliziert genug, den Überblick zu behalten zwischen den verschiedenen Marvel-Universen (Avengers, X-Men, Fantastic Four, Spider-Man). Ein DC-Multiversum klingt zu sehr nach Fanservice für Nerds als für den normalen Kinogänger. Schon mit den Traumsequenzen in Batman v Superman (Stichwort: Batman im Ledermantel gegen Superman und Paradämonen) hat kaum jemand etwas anfangen können.

DC stiftet weiterhin Chaos. Der Masterplan besteht darin, keinen zu haben: Trial-and-Error scheint das Prinzip zu sein, wobei aus Fehlern nicht gelernt werden soll. Hauptsache, die Kasse stimmt. Gebt den Leuten Harley Quinn und Joker, dann gehen sie ins Kino, egal wie gut die Filme sind. Das ist nicht nur ein liebloser Umgang mit Fans, damit demontiert DC auch das Erbe seiner Comics.

Die Produzenten sollten sich besser darauf besinnen, die Hauptcharaktere zu etablieren, ansprechende Filme zu schaffen, die neue Akzente setzen, die sowohl für sich funktionieren als auch im Zusammenhang des Gesamtwerks stehen können. Wie mit Wonder Woman sollte man auch mit Batman, Flash, Aquaman und anderen Helden verfahren. Wen interessieren Batgirl und Nightwing, wenn man Batman haben kann?