The New 52

Robin macht noch als Leiche Ärger

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 6: The Hunt for Robin (dt. Die Jagd nach Robin)

Autor/Zeichner: Peter Tomasi/Patrick Gleason, Doug Mahnke, Andy Kubert

Erschienen: 2014 (Batman and Robin #29-34, Robin Rises: Omega #1); dt. Panini 2015 (Sonderband)


„If you try to take Damian’s body again I’m going to kill you and make sure you never come back.“ (Batman zu Ra’s al Ghul)

Damian und seine Mutter Talia sind immer noch tot, aber ihre beerdigten Körper sind verschwunden (siehe Batman Incorporated Vol. 1-2) – denn Ra’s al Ghul lässt nicht locker: er will Tochter und Enkel wiederbeleben. Obwohl Batman in einem Anfall von Wahnsinn selbst versucht hat, seinen Sohn von den Toten zurückzuholen (siehe Requiem for Damian), hat er etwas gegen die Grabschändung und versucht, die Damians Leiche wieder zurück in ihr Grab zu bringen.

Auch wenn es im Grunde um Robin geht, bleibt der sechste Band von Batman and Robin strenggenommen eine Mogelpackung. Schon in den letzten zwei Bänden kam Robin kaum bis gar nicht vor. In Teil fünf (The Big Burn) fiel das allerdings nicht auf, weil Two-Face in gewisser Weise die Rolle des Sidekicks übernahm, und hier stehen andere Helden Batman bei seiner Quest zur Seite: Zunächst Aquaman, dann Wonder Woman, dann wieder Frankenstein, schließlich andere Justice League-Mitglieder wie Lex Luthor, Shazam und Cyborg. Die Familienangelegenheit nimmt immer größere Ausmaße an.

Hellbat-Rüstung (Batman and Robin #33, DC Comics)

Hellbat-Rüstung (Batman and Robin #33, DC Comics)

Ra’s al Ghul versucht zunächst, eine Lazarusgrube auf der Paradiesinsel ausfindig zu machen – dagegen haben die Amazonen jedoch etwas. Nachdem der Versuch scheitert, nimmt er sich eine Grube unter der ehemaligen Tibet-Stadt Nanda Parbat vor, was übrigens ohne Widerstand funktioniert. Hier kann man sich fragen: Warum nicht gleich so? Aber die Antwort auf die Frage kann man sich denken: Sonst gäbe es keinen Konflikt mit den Amazonen und Wonder Woman. Weil Ra’s aber auch noch einen mysteriösen Energie-Kristall benutzt, den Darkseid haben will, wird Damians Sarkophag (nach einer Keilerei mit der Liga) nach Apokolips entführt – und Batman folgt ihnen in einem Mega-Kampfanzug als „Hellbat“. Holy Shit, sieht das cool aus! Doch plötzlich ändert sich Batmans Meinung wieder: er will Robin doch lebendig zurückbringen …

Abgesehen von diesen Löchern im Plot ist The Hunt for Robin eine vergnügliche und visuell ansprechende Lektüre (auch dank Andy Kubert). Der klassische Heldenreisen-Aufbau mit seinen verschiedenen Stationen und Weggefährten sorgt für viel Abwechslung und Action, und wegen der persönlichen Motive der Hauptfiguren wird die Jagd nach dem MacGuffin dramatisch aufgeladen. Seinen Höhepunkt bekommt die Story, wenn Batman Ra’s droht, ihn umzubringen, wenn er noch einmal Damian entführen sollte. Aber so weit kommt es dann doch nicht. Nein, Batman begnügt sich damit, andere anzuschreien, zu fluchen und um sich zu schlagen. Good old Batman …

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Teufelskreis der Rache

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 5 – The Big Burn (dt. Batman und Two-Face)

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Patrick Gleason

Erschienen: 2013-2014 (Batman and Robin 24-28, Annual #2), Paperback 2015; dt. Panini 2014 (Paperback)


„I never considered myself a hero, Harvey. We’ve all got two sides and we’re always waging war against ourselves!“ (Batman)

Nachdem Robin tot ist, müsste auch die Serie Batman and Robin beendet sein. Aber sie geht weiter – auch wenn kein neuer Robin etabliert wird. Das wird später noch seinen Grund haben, aber Band 5 ist eine Ausgabe, die nur zu einem geringen Teil ihren Titel rechtfertigt. Im Zentrum steht Two-Face. Es ist das erste Mal seit dem Reboot von The New 52, abgesehen von einigen kurzen Auftritten. Hier bekommt der Schurke einen völlig neuen Origin angedichtet. (Die klassische Entstehungsgeschichte ist in The Long Halloween nachzulesen.)

Harvey Dent war, nach der neuen Continuity, zunächst nicht Staatsanwalt, sondern Strafverteidiger. Zwei seiner Klientinnen, die Zwillinge Erin und Shannon McKillen aus einer Gangsterfamilie, lassen ein Attentat auf James Gordon verüben. Nachdem das scheitert, bekommen die Schwestern lebenslänglich. Shannon bringt sich um, Erin kommt frei und rächt sich an Dent, indem sie seine Frau Gilda umbringt und ihm anschließend das Gesicht mit Säure verätzt.

Jahre später, als The Big Burn ansetzt, beschließen Erin McKillen und die Gangster Gothams, die Superschurken auszuschalten, und beginnen mit Two-Face. Der wiederum plant, Erin McKillen zu erledigen, um sich zu rächen. In diesem Teufelskreis der Rache bemüt sich Batman um Schadensbegrenzung und gerät dabei selbst in die Schusslinie.

Die Story funktioniert dank zweier starker Schurken, reichlich Action und einer ausführlichen Tiefe in der Vorgeschichte. Die Rückblenden beginnen beim frühesten Ereignis (Dents Trauma) und gehen rücktwärts in der Zeit. So erfährt man nach und nach mehr, wie es zu der Tragödie kam. Two-Face wurde bereits zuvor als ein kaputter Mann eingeführt, der mit seinem Leben abgeschlossen hat und täglich Russisch Roulette darum spielt. Bei so einer packenden Story vermisst man Robin nicht.

Aber die Fans des Wunderknaben bekommen im letzten Kapitel, einer Zugabe aus dem Annual #2, ihren Robin: Dick Grayson erzählt von seiner ersten Woche als Batmans Sidekick. Eine nette Anekdote mit sentimentalen Anklägen.

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Trauer um Robin

DC Comics

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Titel: Batman and Robin Vol. 4 – Requiem for Damian (dt. Requiem)

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Patrick Gleason

Erschienen: 2013 (Batman and Robin #18-23, Paperback 2014); dt. Panini 2014 (Paperback)


„… mother may have given me life, but you taught me how to live.“ (Damian)

Nach dem Tod von Robin IV, Damian, trauert Bruce Wayne um seinem Sohn. Viel mehr passiert hier eigentlich nicht. Batman heult sich mehr oder weniger bei seiner Familie aus: Red Robin, Red Hood, Batgirl, Catwoman, Nightwing und schließlich sogar Alfred. Zwischendrin reagiert er sich dabei ab, indem er einige Schurken vermöbelt. In einer grotesken Episode entführt er Frankenstein, um ihn zu sezieren und so herauszufinden, wie er Damian wiederbeleben kann. In einer anderen bringt er Jason Todd an den Ort seines Todes zurück (siehe A Death in the Family). Batman dreht durch – und, wie er eben so ist, er badet in Schuldgefühlen und Selbstmitleid und kasteit sich selbst, indem er Damians Tod immer wieder durchgeht.

Und dann taucht noch eine neue Figur auf: Damians Schauspiellehrerin, eine Studentin namens – Carrie Kelley. Nein, nicht genau die Carrie Kelley aus Frank Millers The Dark Knight Returns, die zum ersten weiblichen Robin wird, aber sie sieht ihr sehr ähnlich – und sie trägt einmal sogar das Robin-Kostüm, wenn auch nur auf einer Party. In Requiem wird sie von Alfred engagiert, um drei Tage pro Woche auf Damians Hund Titus aufzupassen. Bruce zeigt sich bockig.

Muss man das lesen? Nein, aber es schadet auch nicht. Denn nach dem überladenen Batman Incorporated tut es gut, wenn das Tempo rausgenommen wird und mal wieder ein paar kontemplative Storys Gelegenheit zum Durchschnaufen geben. Requiem ist stark und einfühlsam erzählt, vor allem die erste Episode, die fast ohne Worte auskommt. Da bekommen die Zeichnungen von Patrick Gleason den Raum, den sie verdienen, um ihre volle Wirkung zu entfalten, und in der Leere und Weite der Panels wird die Trauer des Vaters um seinen Sohn spürbar.

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Robin, Redbird, Dead Bird

Titel: Batman Incorporated – Demon Star/Gotham’s Most Wanted

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Chris Burnham

Erschienen: 2012-2013 (Batman Incorporated #0-13, Special #1), Paperbacks 2013; dt. Panini 2015 (Paperback)


„Gotham. Or Damian. Whichever you choose, the other dies.“ (Talia)

Talia al Ghul will Rache. Dafür dass sie ihren Sohn Damian an Batman verloren hat, hat sie ein Kopfgeld auf Robin ausgesetzt. Eine Schar von Auftragskillern fällt über Gotham her. Batman schart seine erweiterte Familie um sich, die Jungs und Mädels des weltweiten Superheldennetzwerks Batman Incorporated. Aber damit nicht genug: mit ihrer Geheimorganisation Leviathan hat Talia auch Gothams Gesellschaft infiltriert, um die Stadt zu zerstören; Kinder werden zu Zombies. Batman muss sich entscheiden, ob er die Stadt oder seinen Sohn retten will.

SPOILER: Am Ende muss Damian dran glauben. Getötet wird er im Kampf mit dem Schurken The Heretic, einem Handlanger von Talia, der auch noch ein aufgemotzter Damian-Klon ist.

Mit den letzten zwei Bänden von Batman Incorporated beendet Grant Morrison sein Batman-Epos, das er 2006 mit Batman and Son begonnen hat. Für Einsteiger gibt es am Anfang eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse. Bemerkenswert ist, dass Batman Inc. dort weitermacht, wo es vor dem Reboot von The New 52 (2011) aufgehört hat. Im Laufe der Story wird klar, dass offenbar die Ereignisse in Morrisons Epos (Batman RIP etc.) seit 2006 auch in der neuen Continuity stattgefunden haben.

Dass alles auf Damians Tod hinausläuft, ist nur konsequent: Morrison vernichtet die Figur, die er geschaffen hat. Der Tod verläuft hochdramatisch: dem Kleinen wird so ziemlich jede erdenkliche Wunde zugefügt bevor er stirbt. Inszeniert wird die Szene mit einigen Anleihen in der Comicgeschichte. Und Batman plagen wieder Schuldgefühle – denn er hat seit Jason Todd (A Death in the Family) nichts dazugelernt. Talia ist zwar auch betroffen (warum hat sie es dann zugelassen?), aber zieht ihren Plan weiter durch: sie lässt den Wayne-Tower hochgehen und hetzt die Stadt gegen Batman auf, der mutiert dank Man-Bat-Serum zur Fledermaus und besiegt Leviathan im Kampf. Erledigt wird er jedoch von Talias Schwert. Die Frau hat eindeutig ein Problem, ihr Temperament zu zügeln. Und das war schon immer das Problem mit der Figur: sie ist zu wankelmütig und unberechenbar. Wohl der alten Zeiten wegen küsst Batman sie bevor er sie im Schwertduell bekämpft. Überzeugend ist derlei Zärtlichkeit längst nicht mehr.

Aber was sollte eigentlich dieser Riesen-Aufriss mit Batman Inc.? Welchen Zweck erfüllen die vielen internationalen Batmen, die zuvor so ausführlich eingeführt wurden? Kurz: gar keinen. In dem großen Epos sind sie mehr oder weniger bloß schmückendes Beiwerk. Das enttäuscht. Wohl deshalb gibt es als Zugabe am Ende des zweiten Bandes noch ein paar Anekdoten von den anderen Batmen (z.B. aus Japan). Ein überflüssiger Anhang, der niemanden zu interessieren braucht.

Apropos überflüssig: Wir erfahren auch, wie Talia zur Welt kam und ausgebildet wurde, und wir bekommen wieder eine Vorschau in Damians Zukunft als Batman (wie in Batman and Son), der gegen die Folgen einer Joker-Epidemie kämpft. Damian benennt sich zwischenzeitlich von Robin zu Redbird um und baut sich mit Hund, Katze und Kuh einen Streichelzoo auf. Gipfel der Dämlichkeit ist, wenn die „Bat-Cow“ tatsächlich einmal im Cape auf der Straße steht und damit Verbrecher ausschaltet. Aber es gibt auch ein Wiedersehen mit Matches Malone – die Story hat also durchaus ihre Momente. Nachhaltig im Gedächtnis wird sie aber nicht bleiben.

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Blüten des Zorns

DC Comics

DC Comics

Titel: Bloom (Batman Vol. 9)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Yanick Paquette

Erschienen: 2016 (Batman #46-50, Detective Comics #27; Hardcover 2016), dt. Panini 2016 (Batman #50-52)


„For Batman to live, Bruce Wayne always has to die!“ (Bruce Wayne)

Was bisher geschah: Nach einem Kampf mit dem Joker (Endgame/Todesspiel) ist Batman tot – aber Bruce Wayne lebt. Batman ist aus Bruces Gedächtnis gelöscht. Bruce arbeitet in einem Jugendzentrum und hat eine Freundin. James Gordon übernimmt die Batman-Rolle, indem er in einen Panzeranzug steigt. Seine Herausforderung: Ein neuer Schurke namens Mr. Bloom, der Gaunern Superkräfte verleiht und sie daraufhin tötet (siehe Superheavy/Superschwer).

Was hier geschieht: Bloom startet seine Offensive gegen Gotham. Gordon gerät als Batman an seine Grenzen. Bruce Wayne wird bewusst, dass er Batman war – und als die Stadt in größter Not ist, unterzieht sich Bruce einer qualvollen wie gefährlichen Prozedur, um sich wieder geistig zu Batman zu machen. Unterstützt wird er dabei von Duke Thomas, einem Jungen, den er schon aus dem Zero Year/Jahr Null kennt, und der hier zu Robin wird.

Höhepunkt: Ein Treffen zwischen Bruce Wayne und dem Joker auf einer Parkbank. Das heißt: Die Szene lässt offen, ob es sich wirklich um den Joker handelt, der wie Batman körperlich erneuert und geistig auf Null zurückversetzt wurde, aber es spricht vieles dafür. Der Unbekannte will sich selbst erschießen, dann verschwindet er im Nichts. Hier wird klar, dass Scott Snyder mit seinem Dionesium, das wie eine Lazarus-Grube wirkt, einen Weg gefunden hat, nach dem ultimativen Endkampf, einen Neuanfang für Batman und Joker zu finden. Beide waren tot, beide entstehen wieder neu. (Der Joker sogar in drei Gestalten?)

Zweiter Höhepunkt: Eine andere starke Sequenz ist ein wilder Trip durch eine Reihe von Elseworlds-Szenarien, als Batman wieder zu sich kommt.

Was gefällt: Dass Scott Snyder und Greg Capullo erzählen können, haben sie schon oft bewiesen. Auch Bloom ist ein Comic auf höchstem Niveau. Sensibel werden Charaktere ausgebaut, Konflikte vertieft und auch für ein wenig Humor ist Platz. Capullo zeichnet ein paar herausragende Seiten mit tollen Inszenierungen, unterstützt wird er dabei zum Teil von Yanick Paquette, dessen Figuren dagegen leider zu steif wirken.

Was nicht gefällt: Im dritten Akt verliert sich die Story zu sehr im Radau des Endkampfes. Wieder wird die halbe Stadt zerstört, wieder dreht halb Gotham durch, wieder müssen Schurken und Roboter riesengroß werden und alles in einem großen Knall enden lassen. Das ermüdet. Es wäre mal wieder an der Zeit, eine Batman-Story zu erzählen, ohne dass dabei fast die Welt untergeht. Gegen Ende wird Snyder auch etwas geschwätzig, wenn er Gordon über Batman schwadronieren lässt. (Und sich dabei für seinen Gordon-Batman-Plot rechtfertigt.) Und dass Batman noch die Nerven hat, sich im Notfall noch ein neues Kostüm zu designen – das hätte man sich auch sparen können. (Warum muss sich ständig das Kostüm ändern? Warum ist die Fledermaus gelb umrandet?)

Bonus: DC hat in den Sammelband noch eine Story aus Detective Comics #27 dazugepackt. Eigentlich unnötig, weil sie schon in Detective Comics Vol. 5: Gothtopia veröffentlicht wurde. Aber sie gehört thematisch zur Story, weil hier Bruce Waynes Batman-Maschine erstmals eingeführt wird. Der Rest des Bandes ist gefüllt mit einer Reihe „Batman v Superman“-Variant-Cover, darunter auch einige Perlen.

Bilanz: Es ist seltsam: Obwohl ich die Snyder-Capullo-Storys am meisten mag, gehe ich mit ihnen sehr kritisch um. Keine Frage: sie sind (innerhalb von The New 52) das Beste der vergangenen fünf Jahre. Wer’s mag, wird auch das hier mögen. Vielleicht sind die Geschichten aber so gut, dass ich deswegen umso enttäuschter bin, dass sie nicht perfekt sind.

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Batman Junior gegen den Joker

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 3 – Death of the Family (dt. Der Tod der Familie)

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Ardian Syaf

Erschienen: 2013 (Batman and Robin Annual #1, Batman and Robin #15-17, Batman #17), dt. Panini 2013 (Sonderband)


„I’m here to bring illumination to your life — a little clarity.“ (Joker)

Damian Wayne schickt seinen Vater auf eine Schnitzeljagd durch Europa: London, Barcelona, Athen – Bruce begibt sich auf eine sentimentale Reise auf den Spuren seiner Eltern. Doch für Damian ist das bloß ein Vorwand, um einmal allein auf Gothams Straßen zu patroullieren, – nicht als Robin, sondern in einem selbstgemachten Batman-Kostüm. Als Batman Junior wird er zwar nicht ernst genommen, dafür belehrt er seine Feinde umso schneller eines Besseren. Ganz putzig, der Kleine in seiner (zugegeben sinnlosen) Combo aus Cape und Trenchcoat.

Das ist aber nur das nette Vorgeplänkel dieses Bandes, bevor es richtig zur Sache geht: in den beiden Tie-ins zu der Batman-Storyline Death of the Family (Tod der Familie) erfahren wir, wie der Joker Robin in eine Falle führt und ihn gegen einen falsch grinsenden Batman kämpfen lässt. Ziel des Spiels: einer soll den anderen töten. Damit will der Joker zeigen, dass die größte Angst von Batman und Robin darin besteht, verantwortlich für den Tod des jeweils anderen zu sein. Außerdem führt der Narr mit seinem faulenden Gesicht vor, wie absurd das Konzept des Dynamischen Duos ist …

Dieser Teil ist (wie die Hauptstoryline) drastisch bis hin zu widerwärtig, aber so stark inszeniert, dass man dennoch den Blick nicht abwenden kann. Aber weil diese paar Ausgaben zu wenig sind, um ein Paperback zu füllen (und den Preis zu rechtfertigen), hat DC überflüssigerweise noch das Finale, Batman #17, dazugepackt. Für Sammler der Hauptserie ist diese Dopppelung ärgerlich. Am Ende kommt noch eine Einzelepisode, in der wir alle bisherigen Abenteuer, Sehnsüchte, Sorgen und Ängste in einem Alptraum vorgeführt bekommen.

Dank der tollen Zeichnungen von Patrick Gleason und Ardian Syaf ist das auch alles in Ordnung. Aber Ende hat man das Gefühl, dass die Serie ihren Fokus verliert, nicht wirklich etwas Neues zu erzählen hat und eigentlich nur Zeit bis zu Robins anstehendem Tod überbrückt. Die Serie ist voller Andeutungen gewesen, in Batman Incorporated wird es so weit sein. Davon später mehr.

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Robin aus der Retorte

DC Comics

DC Comics

Titel: Pearl (Batman & Robin Vol. 2)

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Patrick Gleason

Erschienen: 2012-2013 (Batman & Robin #0, 9-14), Paperback 2013; dt. Panini 2013 (Sonderband 2)


„You’re the master at spreading terror, Batman. We’ve all learned by watching you. Now it’s time to reap what you have sown!“ (Terminus)

Der eine hat mal Batmans Stiefel ins Gesicht bekommen – als die Sohle glühte. Das Profil hat Spuren hinterlassen. Ein anderer hat einen Batarang im Kopf stecken und redet wirres Zeug. Eine andere hat gleich ihren ganzen Körper mit Batarangs gespickt. Und der Anführer der Bande, Terminus, zerfällt von selbst. Alles Kollateralschäden von Batmans Einsätzen. Jetzt wollen sie Rache. Aber Robin legt sich erstmal mit seinen Vorgängern an, indem er den anderen erklärt, er könne es jederzeit mit ihnen aufnehmen. Die anderen – Nightwing, Red Hood und Red Robin – sind alles andere als erfreut. Es kommt zu einer kleinen Keilerei in der Bathöhle, aber der Streit ist schnell beigelegt. Gibt ja wichtigeres zu tun. Zum Beispiel Gotham vor den Psychos retten.

Das ist auch schon die größte Story des zweiten Bandes von Batman & Robin. Aber nichts, was einen lange beschäftigt. Das gilt auch für den Rest: Ansonsten gibt es noch eine vergessenswerte Zombie-Attacke eines Kannibalen-Kults, einen belanglosen Tie-in zum Event Night of Owls (Nacht der Eulen) und einen kleinen Robin-Origin, in dem wir erfahren, dass er aus der Retorte stammt, und eine echt ätzende Kindheit hatte. Aber das konnte man sich schon bei seinem ersten Auftritt in Batman and Son (2006) denken. Was anderes ist von einer Mutter wie Talia al Ghul zu erwarten?

Insgesamt ist Pearl nach dem furiosen Aufkakt von Born to Kill ziemlich enttäuschend. Immerhin die Zeichnungen von Patrick Gleason entschädigen mit einigen furiosen Panels. Hier ein Highlight:

Damian Wayne in Batman & Robin #0 (DC Comics)

Damian Wayne in Batman & Robin #0 (DC Comics)

Leider stammen aber nicht alle Seiten von Gleason.

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Schlechte Angewohnheiten

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 1 – Born to Kill (dt. Geboren um zu töten)

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Patrick Gleason

Erschienen: 2011-2012 (Batman and Robin #1-8), Paperback 2012, dt. Panini 2012 (Sonderband 1)


„You try to murder my son — and expect to live!?“ (Batman)

„Sometimes I think your secrets have secrets.“ (Robin)

Mit dem Auftauchen von Damian Wayne brachte Grant Morrison einst neuen Schwung in das Dynamische Duo. Doch kaum hatten sich Vater und Sohn etwas angenähert, hatten sie ständig irgendetwas anderes zu tun, als ihre Beziehung zu pflegen. Dann starb der Vater, bzw. er verschwand für lange Zeit, Dick Grayson wurde Batman. Und so bot die Serie Batman and Robin ein umgekehrtes Bild: ein heiterer Batman, ein düsterer Robin. Mit der Rückkehr von Bruce Wayne geriet aber selbst das aus dem Fokus. Nach dem Reboot von The New 52 kehrt die Serie zu dem Ursprung zurück: dem Verhältnis zwischen Vater und Sohn.

Bruce hat es immer noch schwer, seinen Sohn Damian in den Griff zu bekommen und ihn nicht nur Gehorsam zu lehren, sondern ihm auch den Tötungstrieb abzugewöhnen. Aber der Kleine kann das Morden nicht lassen. Als Ersatzhandlung zersäbelt er Trainingsroboter und zerquetscht Fledermäuse und Glühwürmchen. Alte Gewohnheiten sind bekanntlich schwer abzulegen.

Da taucht plötzlich ein neuer Killer auf, der – wie so üblich – ein alter Vertrauter ist: Morgan Ducard, Sohn von Henri Ducard, einem von Batmans Ausbildern. Als Nobody tötet er nicht nur Verbrecher, sondern hat es auch auf Batman abgesehen. Warum? Das Geheimnis liegt in der gemeinsamen Vergangenheit. Auch da ging es um Vater-Sohn-Beziehungen, Eifersucht und Ersatzfamilien. Da Nobody wie Damian über Leichen geht, versucht er den Jungen auf seine Seite zu ziehen, um sich an Batman zu rächen. Damian wird abtrünnig und es kommt zu einem sehr blutigen Kampf, bei dem Batman selbst in Versuchung gerät, seine Grenze zu überschreiten.

Autor Peter J. Tomasi erzählt seine Geschichte höchst einfühlsam und lässt sich viel Zeit, um die schwierige Beziehung zwischen Bruce und Damian darzustellen. Batman erscheint hoffnungsfroh, er beginnt damit, seine eigene Vergangenheit zu bewältigen und nicht mehr nur sich damit selbst zu peinigen. Er will seine Versäumnisse mit Damian nachholen, aber die Erziehung wird zum Kampf gegen Talias schlechten Einfluss. Der Kleine ist eben ein geborener Killer – und die Story verliert diesen Grundkonflikt nie aus den Augen. Darin besteht die große Stärke: Fokus auf das Wesentliche.

Die Erzählung profitiert auch sehr von den Zeichnungen von Patrick Gleason, der mit seinen klaren Strichen ausdrucksstarke Figuren und extreme Kampfszenen schafft und mit seinen vielen Schatten selbst in Tag-Sequenzen für eine düstere Grundstimmung sorgt. Wegen der häufigen Splash Pages wirkt es zwar manchmal wie Seitenschinderei, aber die Seiten sind zu prachtvoll, als dass man sie missen möchte.

Born to Kill ist ein Hochgenuss auf jeder Ebene, vergleichbar mit der Batman-Serie von Scott Snyder und Greg Capullo. Tomasi überbietet nicht nur die ersten Bände von Grant Morrsion, er legt auch eine beeindruckende Nebenserie vor, die die Ärgernisse von Detective Comics und Batman: The Dark Knight vergessen lassen.

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Bullock und Bat-Robocop

DC Comics

DC Comics

Titel: Blood of Heroes (Detective Comics Vol. 8)

Autor/Zeichner: Brian Buccellato, Ray Fawkes, Francis Manapul, Peter J. Tomasi/Fernando Blanco, Francis Manapul, Steve Pugh, Marcio Takara

Erschienen: 2015-2016 (Detective Comics #41-47), Hardcover 2016


„You’ve got to be kidding me … a Joker robot?!“

„Subtlety is not what we do.“

Während Batman (James Gordon) sich mit drei Attentätern in Skelett-Kostümen („La Morte“) herumschlagen muss, die ihm den Reaktor aus seinem Robocop-Anzug klauen. Dann muss er gegen einen viel größeren Joker-Roboter antreten, in dem Jokers Daughter mal wieder das tut, was sie am besten kann: total abnerven. Schließlich gilt es, ein Attentat abzuwenden …

Doch eigentlich geht es weniger um Batman. Die Serie sollte eigentlich „Detective Bullock Comics“ heißen, weil hier noch mehr als in den zwei Bänden zuvor ist Good Ol‘ Harvey der Held der Geschichte. Sensation: Wir sehen ihn zum ersten Mal beim Sex! Ja, der grobschlächtige Harvey Bullock bandelt mit seiner ziemlich ansehnlichen Kollegin Nancy Yip an. Doch die ist leider korrupt. Und steckt in Schwierigkeiten mit der Mafia. Also muss sich Harvey etwas einfallen lassen …

Mehr Polizei- als Batman-Comic

Anders als in den Bänden Icarus und Anarky stammen die meisten Zeichnungen nicht von Francis Manapul. Das ist ein großer Verlust, denn seine kraftvollen Panels haben die Bände stets vor dem Abdriften in die völlige Belanglosigkeit gerettet. Die weitaus weniger filigraneren Zeichnungen von Fernando Blanco erinnern stark an den Stil der Polizei-Serie Gotham Central – und das passt natürlich zu der Story, die sich mehr um die Polizisten dreht als um Batman. (Bruce Wayne spielt gar keine Rolle.) Aber auch wenn es löblich ist, einmal einen Randcharakter zu seinem Recht kommen zu lassen, es ist nicht der richtige Ort dafür. Und es ändert nichts daran, dass die Story fade Durchschnittskost ist und ebenso vergessenswert wie ihre Vorgänger.

In der zweiten Geschichte des Bandes trifft Bat-Gordon auf die Justice League. Die holen ihn extra in Gotham ab, damit er ihnen bei einer dringenden Untersuchung (warum eigentlich dringend?) eines Riesenskeletts im Himalaya hilft. Gordons Fähigkeiten als Detektiv sind gefragt. Aha! Hat die Serie doch ihren Titel verdient? Naja, nicht ganz. Was Gordon entdeckt, hätten auch die anderen finden können. Und was für einen Tathergang er daraus ableitet, ist – gelinde gesagt – ziemlich weit hergeholte Spekulation. Aber hey, der alte Hase behält Recht und darf am Ende sogar ein Schlaflied singen …

Das Schluss-Kapitel ist eine Episode aus dem Crossover Robin War, die keinen Mehrwert hat, wenn man nicht den Rest der Geschichte kennt. Höhepunkt: Gordon kämpft gegen Grayson. Sei’s drum.

Eigentlich wollen wir nur wissen, wie die Haupt-Gordon-Story, Superheavy, weitergeht. Bis zur Fortsetzung müssen wir uns aber noch etwas gedulden.

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Trauma auf Bestellung

DC Comics

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Titel: Batman and Robin Eternal Vol. 1

Autor/Zeichner: James Tynion IV, Scott Snyder u.a./Tony Daniel u.a.

Erschienen: 2015-2016 (Batman and Robin Eternal #1-12, Paperback 2016)


„The idea of taking someone in the wake of trauma, and transforming them to suit someone else’s will, is utterly abhorrent … But am I guilty of doing just that?“ (Batman)

Das Konzept von Robin hat seine Vor- und Nachteile. Das Gute an Robin ist, dass er Humor in Batman-Comics bringt. Das Blöde ist: Batman soll nicht lachen. Robin soll Batmans Verstärkung sein, aber er lässt ihn schwach erscheinen – und macht ihn verletzlicher. Das Gute an Robin ist, dass junge Leser sich mit ihm besser identifizieren können. Das Blöde ist: ein bunt gekleidetes Kind an der Seite eines düsteren Einzelgänger ergibt keinen Sinn.

Nennen wir es beim Namen: Was Batman mit Robin betreibt, ist eigenlich fahrlässige Kindesgefährdung, wenn nicht gar Kindesmisshandlung. (Frank Miller hat es in seinem vielfach gescholtenen All-Star Batman and Robin, the Boy Wonder ungeschönt dargestellt.) Und genau darum geht es bei Batman & Robin Eternal, der wöchentlich erscheinenden Nachfolge-Serie des ein Jahr lang laufenden Batman Eternal.

Gleich am Anfang zeigt sich wieder ein Vorteil: Das Gute an Robin ist, dass durch ihn einer da ist, der Batman ersetzen kann, falls er mal wieder tot ist oder verschwunden oder anderweitig verhindert. Wie zum Beispiel nach dem Endgame/Todesspiel mit dem Joker. Während Bruce Wayne seine neue Berufung als Kindergärtner und James Gordon in einem Batman-Kampfanzug mit Hasenohren Superschurken belämpft (Superheavy/Superschwer), müssen sich die drei ehemaligen Robins (Dick Grayson, Jason Todd und Tim Drake) um neue Feinde kümmern, die eigentlich alte Bekannte aus finsterster Vergangenheit sind und mit einem alten Scarecrow-Fall zusammenhängen.

Die Schurkin Mother und ihr Handlanger The Orphan (Waise) wollen Agent Grayson, Red Hood und Red Robin an den Kragen. Und nicht nur denen: auch die drei weiblichen Mitglieder der (erweiterten) Bat-Familie sind im Visier – Bluebird, Spoiler und Cassandra Cain. Die stumme Kämpferin, die in der alten Continuity im Niemandsland zu Batgirl wird und in der New-52-Continuity hier zum ersten mal auftaucht, kämpft an der Seite der anderen Junghelden gegen Orphan, der niemand geringeres als ihr Vater David Cain ist. Hintergrund: Mother formt Menschen auf Bestellung, indem sie Kinder Traumata erleben lässt, entweder durch Angstgas oder durch die Ermordung ihrer Eltern. Batman gerät in Verdacht, bei ihr einen neuen, besseren Robin in Auftrag gegeben zu haben, nachdem er von Dick Grayson enttäuscht wurde. Ist also Bruce Wayne verantwortlich für einen Mord?

Klingt nach großem Drama, ist es aber nicht. Dass Batman & Robin Eternal nur halb so lang (26 Hefte) ist wie sein Vorgänger, lässt sich beim Lesen schnell nachvollziehen. Trotz oder gerade wegen des großen Figurenaufgebots stellt sich wenig Spannung ein. Die Story springt viel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, in den Rückblenden sehen wir Batman mit dem ersten Robin im Einsatz, doch bei all den vielen Handlungsebenen und Figuren geht man beim Lesen verloren. Das einzige, was einen bei Laune halten soll, ist das Rätsel, was Batman sich wirklich hat zu schulden kommen lassen. Aber in der ersten Hälfte wird die Lösung bloß künstlich hinausgezögert und das allein reicht nicht, um Interesse für das Ganze zu wecken. Die Charaktere bleiben oberflächlich. Daher kann es einem auch ziemlich egal sein, wie es im zweiten Band weitergeht.

Im Vergleich zu dem überbordenden Batman Eternal wirkt Batmatn & Robin Eternal ebenso müde wie ermüdend. So könnte man auch über Robin sagen: Der Nachfolger kommt nicht an seinen Vorgänger heran.

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