Comic

Batman Eternal Vol. 1: Schwere Geschütze, alle Register

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Eternal Vol. 1

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV u.a./Jason Fabok, Dustin Nguyen, Guillem March, Andy Clarke u.a.

Erschienen: 2014 (Batman Eternal #1-21), Paperback 2014, dt. Panini 2015 (Batman Eternal #1-11)


„You have no idea what’s happening, no idea who’s been pulling the strings behind the curtain.“

Gotham brennt. Batman hängt unmaskiert und gefesselt an einem zerstörten Bat-Signal, auf seiner nackten Brust ist sein Symbol eingeritzt. Was ist geschehen? Die Geschichte beginnt hier: Bei einem gemeinsamen Einsatz von Batman und Polizei gegen Professor Pyg verfolgt Commissioner James Gordon einen Verdächtigen in den U-Bahn-Tunnel. Weil Gordon sieht, dass der Verdächtige bewaffnet ist, schießt er auf ihn und trifft dabei auch eine Leitung der U-Bahn, sodass zwei Züge miteinander kollidieren. Gordon wird verhaftet und muss sich für den Tod von über 160 Menschen verantworten. In der Zwischenzeit übernimmt Major Forbes seinen Posten und erklärt Batman zum primären Ziel der Polizei. Doch Forbes dient Carmine Falcone, einem alten Mafioso, der sich vor fünf Jahren aus Gotham zurückgezogen hat und nun die Stadt zurückerobern will. Während zwischen Falcone und dem Pinguin ein Bandenkrieg ausbricht, müssen sich Batman und seine Familie um viele andere Probleme kümmern:

  • Batgirl reist mit Red Hood und Batwoman nach Brasilien, um die Unschuld ihres Vaters zu beweisen,
  • Red Robin untersucht mit der Hackerin Harper Row in Japan einen mysteriösen Nanobot-Virus, der in Gotham grassiert,
  • Batwing und Jim Corrigan (The Spectre) gehen in Arkham Asylum der Wiederauferstehung von Deacon Blackfire nach,
  • Stephanie Brown entdeckt, dass ihr Vater der Superschurke Cluemaster ist und muss fortan um ihr Leben fürchten,
  • Alfred Pennyworth bekommt ein unverhofftes Wiedersehen mit seiner Tochter Julia,
  • Catwoman legt sich mit Falcone an und gerät in seine Gefangenschaft,
  • Batman spielt Detektiv in Hong Kong, rettet Catwoman in Gotham und geht mit Killer Croc und dem Polizisten Jason Bard in der Kanalisation einer Kindesentführung nach.

Doch bald stellt sich für Batman heraus, dass im Hintergrund jemand anderes die Fäden zieht. Leider hat er keine Ahnung, wer das sein könnte. Klar ist: Es ist ein Feind aus seiner Vergangenheit.

In Batman Eternal, der wöchentlichen, ein Jahr laufenden Serie zu Batmans 75. Geburtstag, wird Großes aufgefahren: Eine Story, die nicht nur viele Charaktere und viele Erzählstränge aufbietet, sondern auch jede Facette von Superhelden-Storys abbildet: Klassische Schurkenjagd gegen Psychos und organisiertes Verbrechen, Science Fiction und Übernatürliches/Magie. Dabei stehen die Autoren tief in der Schuld von Jeph Loeb, bei dessen drei großen Batman-Epen (The Long Halloween, Dark Victory und Hush) sie sich reichlich bedienen. Schließlich findet sich auch etwas von der Polizeiserie Gotham Central darin und mit dem Erzählstang mit der Gotham Gazette-Reporterin Vicky Vale bekommt das Ganze Ausmaße von The Wire.

Batman Eternal liest sich daher so wie eine gute moderne Fernsehserie: Vielschichtig und komplex, allerdings ohne – wie sonst bei Comic-Events/-Crossovern üblich – in unendliche Tie-ins auszufransen. Die überbordende Story entwickelt einen großen Sog und hält mit vielen überraschenden Wendungen bei Laune, auch wenn man zuweilen fürchtet, vor lauter Subplots den Überblick zu verlieren. Daher empfiehlt sich hier ein Binge-Reading. Die Zeichnungen sind zwar wegen der verschiedenen Zeichner von schwankender Qualität, aber die meisten liefern eine solide Arbeit ab.

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Dark Knight III: Der zweite Eindruck

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight III – The Master Race (Book Two)

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/Andy Kubert, Eduardo Risso

Erschienen: 2015


„I always thought I’d die alone.“ (Bruce Wayne)

Batman ist Carrie Kelley. Batman ist von der Polizei in Haft genommen. Bruce Wayne ist tot. Natürlich ist er das: Spätestens seit Batmans vorgetäuschtem Ableben in The Dark Knight Returns ist sein Alter Ego begraben. Aber Carrie behauptet beim Verhör, dass Batman tatsächlich gestorben ist – nachdem er von Lex Luthor zusammengeschlagen wurde (in The Dark Knight Strikes Again). Dass das im Widerspruch zu dem Eindruck steht, den er zuletzt machte, nämlich heiter Tee trinkend, muss nicht verwundern: Natürlich ist der alte Bruce noch wohlauf, denn einen so lahmen Tod im Krankenbett kann Frank Miller seinem Batman nicht zumuten.

Schließlich werden seine Dienste wieder gebraucht: Denn Ray Palmer alias Atom hat Mist gebaut. Indem er die Bewohner der Flaschenstadt Kandor wieder auf Normalgröße gebracht hat, befreite er damit auch den bösen Priester Quar und seine Anhänger. Die bringen gleich bei ihrer Ankunft ein paar Leichen mit und kündigen an, zuerst die Erde und dann das Universum zu erobern. Damit dürfte wohl die Frage geklärt sein, worum es sich bei der titelgebenden Herrenrasse handelt.

Viel mehr passiert im zweiten Heft von Dark Knight III: The Master Race nicht, außer dass Carrie Kelley bei ihrem Transport nach Blackgate den altbewährten Bat-Panzer herbeipfeift und entkommt. Wir sehen also zwei Gefängnisausbrüche. Und einen Emanzipationsversuch: Im Mini-Comic wird während eines kurzen Kampftrainings die Beziehung zwischen Wonder Woman und ihrer Tochter Lara vertieft. Dabei wird klar, dass sich Lara mit der kryptonischen Herkunft ihres Vaters identifiziert. Doch Superman spielt noch keine Rolle.

Das zweite Kapitel ist nicht ganz der Klopper geworden wie das erste, aber das ist in Ordnung. Die Cliffhanger wurden aufgelöst und die Handlung mit Kandor aufgebaut, es gibt einen Schurken und ein zu lösendes Problem. Jetzt kann Bruce Wayne endlich als Batman in Aktion treten. Das Interesse ist geweckt, wie sich die Teile zu einem Ganzen fügen werden. Zeichner Andy Kubert liefert erneut eine solide Arbeit ab, Frank Millers Stil nachzuahmen, vor allem bei seinen schattenreichen Splash Panels. Dafür enttäuscht Eduardo Risso bei seiner etwas unbeholfen wirkenden Darstellung von Lara. Aber für feine Striche ist er ohnehin nicht bekannt.

Späte Rache

DC Comics

DC Comics

Titel: Gates of Gotham (dt. Die Pforten von Gotham)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Kyle Higgins/Trevor McCarthy, Ryan Parrott

Erschienen: 2011 (Mini-Serie #1-5, Paperback 2012), dt. Panini 2012 (DC Premium)


„How can you … ever hope to protect Gotham’s future … when you’re so naive of it’s past?“ (Hush)

Ein Unbekannter jagt drei Brücken in Gotham in die Luft. Dann drei Hochhäuser. In einer anonymen Botschaft verlautbart er, dass er sich an Familien rächen will. Es geht um die Familien der drei Gründungsväter: Wayne, Cobblepott und Elliott. Während Batman (Dick Grayson), Robin (Damian Wayne), Red Robin (Tim Drake) und Black Bat (Cassandra Cane, ehemals Batgirl) versuchen zu verhindern, dass auch der Rest von Gotham zertstört wird und den Täter aufspüren, erfährt der Leser eine Episode aus der frühesten Geschichte der Stadt. Darin geht es um zwei Architektenbrüder, die Ende des 19. Jahrhunderts für die drei Macher die wichtigsten Brücken und Hochhäuser entworfen haben und dabei hintergangen wurden. Ein Nachfahre, Zachary Gate, will offene Rechnungen begleichen …

Der Schurke „The Architect“ tritt in einem ziemlich coolen Taucheranzug im Steampunk-Stil auf, der in gewisser Weise den Anzug der Talons aus Rat der Eulen/Stadt der Eulen vorwegnimmt. Es gibt einen Gastauftritt von Hush. Am Ende wird auch eine überraschende Wendung aus dem Hut gezaubert. Und dennoch ist Gates of Gotham bloß eine solide Batman-Story, in der sich zu viele Charaktere tummeln, als dass man einem davon gerecht werden könnte, zu sehr Geschichtsstunde, als dass sie für die Gegenwart fesseln könnte, und zu cartoonhaft gezeichnet, als dass man sie ernst nehmen könnte.

>> Batman 2000-2011

Alles nur für Lois Lane

Batman versus Superman, Teil 3: World’s Finest Comics #71 (1954)

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman – Double for Superman! (dt. Batman – Das Double für Superman!)

Autor/Zeichner: Alvin Schwartz/Curt Swan

Erschienen: 1954 (World’s Finest Comics #71), Hardcover: World’s Finest Comics Archives Vol. 1 (1999), dt. Panini 2002 (World’s Finest Comics Archiv Bd. 1)


 

Das Jahr 1954 ist ein Wendejahr für Superhelden wie für Comics überhaupt. In diesem Jahr erschien Seduction of the Innocent, ein Buch des Psychiaters Fredric Werthams, das Comics dafür verantwortlich machte, die Jugend zu verderben. Auf die Kritik reagierten die Verlage mit dem Comics Code, einem selbstauferlegten Regelwerk, das die Comics harmlos und damit auch langweiliger machte. Trotzdem haben die Storys des Silver Age ihren besonderen Reiz – den Charme des Absurden.

Das Cover von World’s Finest Comics #71 trägt das Comics Code-Label noch nicht (das kam erst 1955, in Ausgabe #75). Stattdessen wirbt es mit Batman und Superman, den beliebtesten Helden von DC. Das ist nichts ungewöhnliches. Allerdings hatten sie bisher nur ein mal ein gemeinsames Abenteuer, und das war vor zwei Jahren. Ab dieser Ausgabe wurde das Super-Team zum Regelfall – bis 1986. Das Neue an diesem Cover ist jedoch, dass Batman und Superman nicht einfach nur die Leser freundlich anlächeln, sondern dass Batman eine Kugel für Superman abfängt. Was ist da los? Batman ist doch nur ein Mensch – oder etwa nicht?

Superman beim Umziehen erwischt

Die beiden Helden tauschen in diesem Abenteuer die Rollen. Doch nicht etwa, um einen Fall zu lösen, sondern wie schon zuvor geht es um eine Frau: um Lois Lane. Am Anfang bergen zwei Schurken Kryptonit aus dem Meer – mit einem gestohlenen Helikopter. Batman und Robin sind sich nicht zu schade dafür, so eine Lappalie zu ahnden. Doch bei der Verfolgungsjagd wird das Batplane zerstört und das Dynamische Duo läuft Gefahr, über der Stadt abzustürzen. Klarer Fall für Superman. Doch der hat es nicht eilig: Während die Kollegen fallen, muss der Blaue sich erst mal umziehen. Es muss wohl keine Telefonzelle in der Nähe gewesen sein, denn stattdessen stellt sich Clark Kent in irgendeinen Flur und wird beim Umziehen von Lois erwischt. Doch keine Zeit für Erklärungen, Superman wollte doch Batman und Robin retten – aber die haben sich schon selbst geholfen, indem sie auf einer Markise langen. Die besten Probleme sind die, die sich selbst lösen. Immerhin kommt er noch rechtzeitig, um das Batplane abzufangen.

Doch die Superhelden haben mal wieder wichtigeres zu tun, als Vebrechen zu bekämpfen. Die eigentliche Geschichte dreht sich nicht um das Kryptonit, sondern darum, Supermans Fehler mit Lois wiedergutzumachen. Batman und Superman tauschen die Kostüme, um Lois zu verwirren, mit dem Effekt, dass sie nun Bruce Wayne für Superman hält. Dabei scheuen sie keine Mühe: sie hetzen abgerichtete Löwen durch den Park, die Bruce Wayne mühelos überwältigen kann, sie manipulieren eine Schere, damit sie bricht, wenn Lois versucht, Bruce eine Strähne abzuschneiden, sie inszenieren einen Umzug mit einem fliegenden Laster und rekonstruieren dazu alle Möbel aus Pappe, um Bruce Wayne als Superman stark erscheinen zu lassen. Der hanbüchene Aufwand hat Erfolg, der Plan geht auf.

Lois ist nicht die Hellste

Der Höhepunkt an Absurdität ist aber diese Szene: Als Lois einmal Batman bewusstlos neben dem Kryptonit liegen sieht und unter der Maske von Batman Clark erkennt, kommt sie zu dem einzig möglichen Schluss: „Er muss sich für eine Story als Batman verkleidet haben und wurde verletzt.“ Wie gut, dass die Frau nicht besonders helle ist. So kann alles weitergehen wie immer und die beiden Helden sind ein eingespieltes Team. Allerdings muss man sich fragen: Wäre es nicht leichter gewesen, Lois von der Geheimidentität wissen zu lassen? Hätte man ihr nicht einfach zureden können, damit sie die Story nicht gleich in alle Welt hinausposaunt? Ja, aber dann gäbe es nicht diese Geschichte. Und das Potenzial für weitere Geschichten. Und überhaupt: Wie kann Superman sich bei der Wahl seiner Umkleide nur so blöd anstellen? Aber um dieses intellektuelle Defizit auszugleichen, ist ja Batman da …

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Das beste Team auf Erden

Batman versus Superman, Teil 2: Das erste gemeinsame Abenteuer (1952)

Superman #76 (1952)

Superman #76 (1952) (DC Comics)

Titel: The Mightiest Team on Earth (dt. Das mächtigste Team der Welt)

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1952 (Superman #76), Hardcover: World’s Finest Comics Archives Vol. 1 (1999), dt. Panini 2002 (World’s Finest Comics Archiv Bd. 1)


Flammen züngeln an einer Hausfassade empor. Lois Lane, die Jungfer in Nöten, steht auf dem Dach und schreckt vor dem Feuer zurück. Sie steht zwischen zwei Männern, die auf sie zufliegen: „Lois is in danger! This is a job for Superman!“ Doch der andere widerspricht: „No, this is a job for Batman!“ Worum geht es hier eigentlich? Die Szene auf dem Cover von Superman #76 wirkt so, als ginge es nicht um das Wohl der Dame, sondern um das Ego der beiden Helden. Kurz gesagt: Wer kriegt die Braut?

 

Es ist nicht die erste Begegnung von Superman und Batman auf einem Cover. Das erste Mal erschienen Batman und Superman zusammen auf dem Titelbild von New York World’s Fair Comics #1 (1939). Zwei Jahre darauf wurde die Serie World’s Best Comics gestartet, die ab Ausgabe #2 World’s Finest Comics hieß. Doch obwohl immer wieder Batman und Superman auf dem Cover zu sehen waren (man spielte sogar zusammen Baseball mit Robin und Hitler), kam man bei DC erst 1952 auf den Trichter, beide Helden ein gemeinsames Abenteuer erleben zu lassen. Das geschah zunächst in Superman #76. In World’s Finest, der traditionellen Batman-Superman-Serie kam es erst 1954 zu einem ersten Team-Up (#71). Doch im Gegensatz zu den Titelbildern waren die ersten Treffen in den Comics alles andere als harmonisch.

Konkurrenten und Partner

In ihrem ersten Abenteuer werden sie „The World’s Mightiest Team“ genannt. Auf der ersten Splash-Page, die die Funktion einer Einführung erfüllt und wie das Cover nichts mit der Story zu tun hat, treten die Helden zunächst nicht als Konkurrenten, sondern als Gemeinschaft auf: Während Superman gerade einen Zug aufhält, schwingt sich Batman (aus dem Nichts) in Richtung Lois Lane, um sie von den Gleisen zu holen. Beide Aspekte – der Konkurrenzgedanke wie der Teamgeist – spielen in der folgenden Erzählung eine große Rolle.

Es menschelt sehr in diesem Abenteuer. Batman und Superman machen Urlaub bei einer Kreuzfahrt. Der eine hat gerade einen Verbrecher zur Strecke gebracht, der andere ein Dinosaurierskelett aus der Wüste Gobi ausgegraben, zusammengesetzt und in ein Museum gebracht – da tut Erholung bitter Not. Wie der Zufall es will, müssen sich Clark Kent und Bruce Wayne eine Kabine teilen. Beide befürchten, der andere könnte die Geheimidentität herauskriegen. Als ein Brand im Hafen ausbricht, kommt es, wie es kommen muss: Die Helden sind gezwungen, ihren Urlaub zu beenden. Doch was tun, um sich nicht die Blöße zu geben? Man schaltet das Licht aus, weil man vorgibt, sich schlafen zu legen, aber in Wahrheit nur ein Alibi braucht, um sich umzuziehen. Und als von draußen Licht einfällt, stehen sich Batman und Superman erstmals in ihren Kostümen gegenüber. Keine Zeit zu staunen, keine Zeit für Fragen: man macht sich an die Arbeit, löscht das Feuer, rettet Lois Lane. Später sucht man den Übeltäter – einen Diamantendieb – auf dem Schiff.

Wen mag Lois lieber?

Aber darum geht es nur am Rande: Denn im Mittelpunkt steht die Dreiecksbeziehung zwischen den Helden und Lois. Die beiden Männer beschließen, eine Eifersuchtsgeschichte zu inszenieren, um Lois vom Herumschnüffeln abzuhalten und sich so selbst um den Fall kümmern zu können. Doch Lois hört das Komplott mit und macht Superman wirklich eifersüchtig, indem sie vorgibt, Batman anzuhimmeln. Was folgt, ist reines Balzverhalten: Die beiden belustigen die Schiffsgsellschaft mit Kunststückchen wie Akrobatik und Jonglage mit Eisbergen. Das Hauptproblem bleibt aber, Lois nicht hinter ihre Geheimidentitäten kommen zu lassen. Gerade da, in ihrer Gemeinsamkeit, funktionieren Batman und Superman am besten. Schnell einigen sich die beiden darauf, einander nicht zu verraten. Dennoch sind sie am Ende begierig darauf zu wissen, auf wen Lois denn nun wirklich mehr steht. Das Ende dürfte alle überraschen … Batman versus Superman, Runde eins, endet unentschieden.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

>> Batman versus Superman, Teil 1: Einführung

Größte Gegner, beste Freunde

Batman versus Superman, Teil 1: Einführung

Nur noch drei Monate dauert es bis zum Kinostart von Batman v Superman. Es wird wohl die Sensation des Jahres: kein Film wird gieriger erwartet (außer vielleicht Captain America: Civil War). Aber hat sich einmal einer die Frage gestellt, was diese Konstellation soll? Batman gegen Superman? Dass die beiden Antipoden sind und unterschiedlicher Meinung sein müssen, ist klar. Aber im Wesentlichen müssten sie sich darin einig sein, Menschen zu helfen. Worin besteht aber auch der Kampf, wenn ein unverwundbarer Übermensch mit Laserblick gegen einen einfachen Menschen im Fledermauskostüm antritt? Es kann kein Kampf sein, bei dem sich die Frage stellt, wer gewinnt. Insofern ist es zwar ein Spaß für Fans, dass man bei dem Konsolenspiel Injustice beide gegeneinander antreten lassen kann wie ebenbürtige Gegner, aber Sinn ergibt dieser Kampf nicht. Und trotzdem: er birgt Sensationspotenzial. Und in den Comics ist er ein altes Motiv.

Von Anfang an waren Superman und Batman Antipoden: Batman war die direkte und düstere Antwort auf den Strahlemann in Primärfarben. Der kostümierte Vigilant gegen das allmächtige Alien. Es dauerte lange, bis die beiden in einer Geschichte aufeinandertrafen, von Anfang an waren sie Konkurrenten, aber es wurde danach schnell klar, dass sie sich als Team perfekt ergänzten wie Muskelkraft und Hirnmasse. Beide sind Brüder im Geiste, beide haben das gleiche Ziel: das Verbrechen zu bekämpfen, Menschen zu schützen und so die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Nur die Ansichten und Methoden sind anders. Superman, der Gutmensch, der moralisierende Oberpfadfinder, will  es allen recht machen, aber Batman, dem einsamen Rächer, ist seine Reputation egal. Er operiert im verborgenen, benutzt Tricks und schreckt vor Einschüchterung, Folter und Körperverletzung nicht zurück, um zu bekommen, was er will. Damit sind die beiden Prototypen der Superhelden: Einerseits der Übermensch, der ein Vorbild in Sachen Menschlichkeit ist. Andererseits der Mensch, der im Kostüm über sich selbst hinauswächst.

Wie schon einst bei Gilgamesch

Die Konstellation zwischen Freundschaft und Feindschaft ist uralt. Schon Gilgamesch, der erste literarische (Super-)Held, kämpft gegen den wilden Menschen Enkidu, nur um im Kampf einzusehen, dass ihm sein Gegner ebenbürtig ist. Es ist der Beginn einer Freundschaft, die nur der Tod entzweien kann. Es geht also auch bei Batman und Superman um nichts anderes als ein Kräftemessen, einen Schaukampf, bei dem die Gegner erkennen, dass sie sich verbünden müssen, um noch stärker zu sein. Davon wird auch der Film Batman v Superman handeln. Aus dem Konflikt geht die Allianz gegen einen gemeinsamen Feind hervor, aus der mit Wonder Woman und Co. später die Justice League wird.

Doch die Vorstellung eines Kampfes blieb auch aus einem anderen, vielleicht noch wichtigerem Grund eine reizvolle Fantasie, die immer wieder durchgespielt wurde. Damit die eigentlich unfaire Prügelei überhaupt zustande kommen kann, muss man die Gegner aneinander angleichen. Entweder man macht Batman stärker (mit einem Kampfanzug oder irgendwelchen anders herbeigedichteten Superkräften) oder man schwächt Superman (zum Beispiel mit Kryptonit oder rotem Licht). Am besten letzteres. Denn so oder so: Es läuft darauf hinaus, dass der Mensch den Übermenschen vermöbelt und – sei es auch nur für eine Weile – die Oberhand behält. Darin steckt das menschliche Bedürfnis nach der Überlegenheit des Schwächeren: Zur Abwechslung zeigt es der benachteiligte Außenseiter mal dem erfolgreichen und beliebten Überflieger, dem Glückskind und scheinbar perfekten Typen, auf den die Mädchen stehen. Das Recht des Stärkeren, das darwinistische Evolutionsprinzip, wird aufgehoben. Wir wollen Superman fallen sehen, wir wollen, dass er liegen bleibt, damit wir die Genugtuung der Schadenfreude auskosten können – oder einfach nur einen Gott als Menschen sehen. Und letzteres erinnert uns an nichts anderes als die Heilsgeschichte Christi.

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Doch reine Gewalt genügt nicht. Damit ein Konflikt entsteht, muss auch einer der beiden Helden korrumpiert werden. Einer wird böse oder zumindest dafür gehalten und der andere muss ihn dann in die Schranken weisen. Meistens ist es Batman, der als unbeugsamer Idealist das Korrektiv gegen Superman spielt. Wie etwa eindrücklich bei Frank Millers The Dark Knight Returns (1986): Superman ist hier der Handlanger der US-amerikanischen Regierung, der Batman ausschalten soll. Batman rüstet sich gut und nutzt alle Tricks, um Superman zu schlagen – und tut es auch fast, doch dann kommt sein menschlicher Makel, das Alter, die Schwäche und der Tod, dazwischen. (Jedenfalls scheinbar.) Seit Gilgamesch gibt es nur diese zwei Möglichkeiten, wie so eine Schlacht der Titanen ausgehen kann: entweder mit Versöhnung und Verbrüderung oder dem Tod. Und weil Superhelden nie wirklich sterben können, stehen Batman und Superman für eine dritte Option: den ewigen Kampf. Worum? Um die Rettung der Menschheit. Und damit letztlich auch um unsere Gunst.


 

In den kommenden Wochen bis zum Kinostart von Batman v Superman werde ich einige Begegnungen zwischen dem Dunklen Ritter und dem Mann aus Stahl in Comic und Film in einer eigenen Reihe besprechen. Ein paar habe ich bereits an dieser Stelle erwähnt, deshalb werde ich nicht mehr näher darauf eingehen:

Fortsetzung folgt.

Kingdom Come: Offenbarung der Superhelden

DC Comics

DC Comics

Titel: Kingdom Come

Autor/Zeichner: Mark Waid/Alex Ross

Erschienen: 1996 (Mini-Serie #1-4, Paperback 1996), dt. Carlsen 1997, Panini 2013


„… perhaps humanity’s only chance is for superhumans to swallow each other …“ (Batman)

Superman hat aufgegeben. Andere Helden sind seinem Beispiel gefolgt. Batman lässt nur noch Roboter über sein Gotham wachen – und macht es dadurch zu einem Polizeistaat. In der Zukunft haben andere Metamenschen das Erbe übernommen – aber sie wissen es nicht zu schätzen. Statt den normalen Menschen zu helfen, werden ihre Kämpfe untereinander zur Bedrohung. Schließlich eskaliert ein Konflikt in der atomaren Verwüstung von Kansas. Das bringt den gealterten Einsiedler Superman dazu, seine Festung der Einsamkeit zu verlassen, die Justice League wieder zusammenzubringen und wieder für Ordnung zu sorgen. Sein Ultimatum: Entweder die Metawesen schließen sich ihm an oder sie werden bestraft.

Schließlich baut er ein riesiges Gefängnis für alle Querulanten. Doch dadurch wird alles noch schlimmer: Intrigen, Grabenkämpfe, Tote. Es kommt zur ultimativen Schlacht, bei der sich am Ende die Frage stellt, ob es besser wäre, dass die Helden oder die Menschen draufgehen. Superman ist verzweifelt, er weiß nicht, was er tun soll.

Kingdom Come zeigt das Superheldentum in der Krise. Die Helden sind bloß noch selbstverliebte Götter, die den Bezug zur Menschlichkeit verloren haben. Doch selbst Supermans Versuch, die Fehler wiedergutzumachen, scheitert. Es geht um die Grundfrage, ob es legitim ist, für die gute Sache zu töten – und mit seinen Idealen zu brechen. Denn am Ende geht es nicht ohne Opfer.

In diesem unlösbaren Dilemma streben böse Mächte auf, die die Menschheit wieder triumphieren sehen wollen, allen voran Lex Luthor. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des Pfarrers Norman McCay, der vom Spectre das Geschehen offenbart bekommt. Sie sind die unbeteiligten Beobachter der nahenden Apokalypse, die sie aber auch nicht kaltlassen kann. In gewisser Weise ist Kingdom Come für Superman das, was The Dark Knight Returns für Batman ist: die Demontage eines Mythos.

Bei allen Zweifeln ist Kingdom Come aber auch zugleich eine Feier der Superhelden. Ein Blick auf die Seiten von Alex Ross reicht, um ein Gefühl von Erhabenheit zu bekommen. Erst durch seine prächtigen Gemälde bekommt die Story eine epische Würde. Die Helden strotzen vor Kraft und Anmut, die Menschen wirken so menschlich, wie man sie nur darstellen kann. Alex Ross hat ein Gespür für lebensnahe Darstellung und romantische Überhöhung. Beides kombiniert er zu einer Bilderzählung von biblischen Dimensionen. Seine überbordenden Schlachten unzähliger Helden zeigen, dass sie bloß beeindruckend aussehen sollen. Die wahren Konflikte aber werden woanders ausgetragen: im Zwischenmenschlichen oder im Kampf mit sich selbst.

Mark Waid hat ein Werk geschaffen, in dem zwar viele Figuren vorkommen, aber in dem nur wenige eine Rolle spielen. Dadurch wirkt sie bei allen Schlachten nie unpersönlich. Der Rest ist schmückendes Beiwerk, aber zu schön, als dass es entbehrlich wäre. In diesem Konzept spiegelt sich das Prinzip von Superhelden überhaupt: knallbunte Action von Überwesen als Fassade für menschliche Dramen und Reflexionen über die Conditio humana. Weil Kingdom Come genau das perfekt auf den Punkt bringt, ist es eine der besten Superman-Storys und wohl die größte Elseworlds-Story überhaupt.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Big Brother Superman

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman: Red Son (dt. Genosse Superman)

Autor/Zeichner: Mark Millar/Dave Johnson, Kilian Plunkett

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-3), dt. Panini 2014


„I offered them utopia, but they fought for the right to live in hell.“ (Superman)

Was wäre wenn Supermans Rakete in der Sowjetunion gelandet wäre? Dann stünde er nicht für jedenfalls nicht mehr für den American Way. Autor Mark Millar hat die wohl kühnste Vision von Superman geschaffen: der ur-amerikanischte Held (neben Captain America) als Kommunist. Der Blaue als Roter. Eine Provokation. Aber nicht bloß eine weitere Dystopie, die irgendwann hätte geschrieben werden müssen, sondern auch eine Story, die wunderbar funktioniert.

Millar hat nicht nur eine Elseworlds-Geschichte geschrieben, sondern auch eine alternative Geschichte. Superman dient zunächst Josef Stalin und übernimmt nach dessen Tod die Führung der Sowjetunion. Obwohl der Bauernsohn sich zunächst gegen Politik sträubt, wird er zum totalitären Despoten. Die Welt wird nach und nach kommunistisch, die USA sind gegen Superman machtlos, bleiben isoliert, spalten sich, leiden unter Armut und Bürgerkrieg. 1963 wird Präsident Richard Nixon erschossen, John F. Kennedy wird sein Nachfolger und treibt das Land weiter in den Ruin, weil er sich mehr für seine Liebschaft zu Norma Jean interessiert.

Der einzige, der den Durchblick hat, ist Lex Luthor. Der geniale Wissenschaftler, der gleichzeitig mehrere Schachturniere spielt und Urdu lernt, um sein Gehirn bei Laune zu halten, hasst Superman auch in dieser alternativen Welt und arbeitet sich jahrzehntelang daran ab, den Diktator auszuschalten – aber gegen die Übermacht ist er erfolglos. Schließlich verbündet er sich mit Wonder Woman und Green Lantern. Parallel regt sich Widerstand in Russland: Batman bekämpft das System als Guerilla mit Pelzmütze und tritt schließlich auch direkt gegen Superman an.

Batman mit Pelzmütze vermöbelt Superman. (DC Comics)

Batman mit Pelzmütze vermöbelt Superman. (DC Comics)

Big Brother Superman ist alles andere als böse. Auch wenn er für eine andere Ideologie eintritt, bleibt er doch seinen Idealen treu, eine bessere Welt zu schaffen. Allerdings mit zweifelhaften Mitteln, wie etwa totaler Überwachung und der Verwandlung von Aufsässigen in gehorsame Halbroboter. Der Wohlstand der Welt scheint ihm recht zu geben, aber mit den Jahren zweifelt er immer mehr daran, ob seine Herrschaft moralisch tragbar ist. Dieser Konflikt gibt ihm die nötige Komplexität und hält das Interesse an der Figur bis zum Schluss aufrecht.

Red Son ist ein Comic, das alles aufbietet, was man sich wünschen kann: Starke Charaktere, viel Fantasie und Zitate der Superman-Mythologie. Obwohl die Zeichner gängige Motive der Superman-Ikonografie bedienen (z. B. die üblichen Cover von Action Comics #1 und Superman #1), werden die Zeichnungen dem hohen Niveau der Story leider nicht ganz gerecht.

Dafür ist das Ende der Story so grandios, dass man diesem runden Meisterwerk nur applaudieren kann.

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Idylle mit Landei

DC Comics

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Titel: Superman For All Seasons (dt. Superman für alle Zeiten)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1998 (Mini-Serie #1-4)


 „Maybe it’s time I was a little impulsive.“ (Clark Kent)

Bevor es Superman gab, gab es nur ein Landei namens Clark Kent. Ein Farmersohn aus Kansas. Ein Durchschnittsamerikaner. Jeph Loeb und Tim Sale versuchen in ihrer Mini-Serie den Mann aus Stahl zu einem Jedermann zu machen, der klein angefangen hat, als Träumer, Grübler und Zweifler. Wie geht ein junger Mann mitten in der Gewöhnlichkeit damit um, ungewöhnlich zu sein, Superkräfte zu haben? Wer bin ich und was soll ich tun?, sind die Fragen, die ihn umtreiben.

Man könnte Superman For All Seasons auch Superman: Year One nennen. Es umfasst das erste Jahr im Leben von Clark nach dem Abschluss in Smallville und seinen Anfängen in Metropolis. Viel Handlung gibt es nicht: Zwar fängt Superman eine Atomrakete ab, zerlegt ein U-Boot voller Terroristen, hält einen Zug auf und stoppt eine Flut, aber diese Taten erscheinen nebensächlich. Es wird kein großes Drama um sie gemacht, vielmehr wirkt es, als müsste man sie zeigen, weil sie einfach nur zum Mythos dazu gehören. Zeichner Tim Sale zelebriert diese Momente in  eindrucksvollen doppelseitigen Splash Pages.

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Sinnieren über Superman

Vertigo

VertigoTitel: It’s a Bird …

Autor/Zeichner: Steven T. Seagle/Teddy Kristiansen

Erschienen: 2004 (One-shot)


„I have … issues with Superman.“

Comic-Autor Steven bekommt das Angebot, Superman zu schreiben. Eigentlich kein schlechter Auftrag, aber Steven zögert. Zu Superman fällt ihm keine Geschichte ein. „There’s no access point to the character for me … for anyone if they ever really thought about it. Too much about him makes no sense –„, sagt er dem Leser. Und dann arbeitet er sich an den einzelnen Aspekten der Figur ab: dem lächerlichen Kostüm, der Farbsymbolik, der Geheimidentität, der Herkunft von Krypton und aus Smallville, der Gewalt und Allmacht, Kryptonit, Nietzsche und seiner Vision des Übermenschen. In kurzen Zwischenspielen reflektiert Steven kritisch, was Superman ausmacht – und zeigt dabei einige Widersprüche auf.

Parallel zu seinem Prokrastinieren (Steve zögert die Zusage hinaus) verläuft die Handlung seiner privaten Probleme. Er hat Angst, an Chorea Huntington zu erkranken – wie schon seine Großmutter. Die erbliche Nervenkrankheit ist sein Kryptonit. Interessanterweise ist er damit zum ersten Mal in Kontakt gekommen, als er auch das erste Superman-Heft in Händen hielt. Allmacht und Ohnmacht, Übermenschentum und Gebrechlichkeit liegen dicht beieinander.

Geschickt verbindet Steven T. Seagle persönliche Erinnerungen und seine Versuche über Superman miteinander zu einer kurzweiligen, überaus menschlichen Story, in der es einige Überschneidungen zwischen Realität und Fiktion gibt. Künstler Teddy Kristiansen verleiht ihm mit seinem abstrakten, variationsreichen Stil der Zeichnungen und Farben eine besondere Aura. Am Ende bleibt die Erkenntnis, worum es bei Superman wirklich geht: nicht nur um Eskapismus (der hier durchaus seine Daseinsberechtigung hat), sondern auch um Realitätsbewältigung: „There’s always a ’next‘. Always. That’s what Superman is all about. To remind us that we have hurdles … but as long as we keep jumping them … we’re in the race.“

It’s a Bird … ist nicht bloß eine großartige Superman-Story, sondern auch große Comic-Kunst, die sowohl kurzweilig unterhält als auch zum Nachdenken anregt.

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