Batman (Comic-Serie)

Die erste Comic-Serie, die allein Batman gewidmet ist, erscheint seit 1940.

Superman für einen Tag

Titel: Batman The Superman of Planet X

Autor/Zeichner: Ed Herron/Dick Sprang

Erschienen: 1958 (Batman #113), Paperback 2009 (The Black Casebook)


„I wonder how my pal Superman would handle this situation?“ (Batman)

Seltsamerweise zieht Batman eines nachts alleine los. Und seltsamerweise wird er, als er im Batplane sitzt, in eine fremde Welt befördert: auf den Planeten Zur-En-Arrh. Der Bewohner Tlano, der sich von Batman hat inspirieren lassen und ein eigenes violett-rot-gelbes Kostüm trägt, hat sein Vorbild hergeholt, damit er die Welt von bösen Invasoren befreit. Warum? Weil Batman auf dem fremden Planeten über Superkräfte verfügt: er ist stark und unverwundbar wie Superman und kann fliegen.

Batman of Zur En Arrh

Batman, erfreut über seine neue Fähigkeiten, macht die Aliens spielend fertig, bis er erkennt, dass sie sich unsichtbar machen können, doch auch das Problem löst er schnell und besiegt den Feind, indem er dessen Riesen-Roboter verschrottet.

Der Batman von Zur-En-Arrh diente Grant Morrison als Vorbild für Batman R.I.P. Darin nimmt Batman diese Identität an, um sich vor einem Psychoangriff zu schützen. Die Identität wird zu seinem Notfallplan.

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Batman in Ritterrüstung

DC Comics

Titel: The Armored Batman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1957 (Batman #111)


Batman galt bereits seit 1940 als „Dark Knight“, später sogar als „Caped Crusader“, 1946 erlebte er ein Abenteuer am Hofe von King Arthur (Batman #36) und wurde zu Sir Hardi Le Noir, dem „Bold Black Knight“ geschlagen, allerdings noch ohne eine Rüstung zu tragen. 1950 tauchte dann „Knight“, ein gepanzerter Batman of England, auf. Aber erst 1957 stiegen Batman und Robin in Ritterrüstungen. Die Geschichte macht den Umstand nicht weniger kurioser.

Als in der Gotham City Hall of Fame eine Batman-Büste vorgestellt werden soll, droht ein Gauner namens Blair Graeme vor der Presse, es auf Batman abgesehen haben. Nachdem Batman davon erfährt, steigt er mit Robin in Ritterrüstungen. Reporterin Vicky Vale macht sich Sorgen, die Lage muss ernst sein, also versucht sie, Graeme zu finden, bevor er Batman erwischt.

So eine Rüstung hat natürlich ihre Vorteile. Wenn Löwen aus dem Zoo ausbrechen, können sie Batman nichts anhaben. Aber es gibt auch Nachteile. Weil der Panzer so schwer ist, muss Batman einen Bauarbeiter retten, indem er sich an einer Kette zu ihm schwingt – ein normales Seil reicht nicht mehr aus. Und als ihr Boot von den Bösen versenkt wird, sinken sie auf den Grund des Flusses.

Batman und Robin haben aber andere Sorgen als ein Attentat: Gangster haben einen atomaren Treibstoff gestohlen. Als sie im Geheimversteck eintreffen, schlüpfen sie aus ihren Ritterrüstungen und es zeigt sich, dass sie darunter Strahlenschutzanzüge tragen. Darin können sie unbeschadet gegen die Gauner vorgehen. Der ganze Aufwand mit den Rüstungen diente nur der Ablenkung. Graeme gibt es nicht – das war nur Batman.

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Batman am Ende des Regenbogens

DC Comics

Titel: The Rainbow Creature

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1960 (Batman #134), Paperback 2009 (The Black Casebook)


Drei Jahre nachdem Batman in sein Regenbogen-Kostüm gestiegen ist, muss er es mit einem Regenbogen-Monster aufnehmen, und das kommt so: Batman und Robin sind in einem unbenannten südamerikanischen Land eingeladen, wo sie geholfen haben, die Armee um den Rebellen Diaz in die Flucht zu schlagen. Batman nennt ihn einen Gangster und einen Möchtegern-Diktator. Ohne Erklärung ist der Held plötzlich politisch im Ausland aktiv.

Kurz darauf verwüstet ein vierfarbiges Monster die Gegend. Leuchtet seine rote Farbe, brennt es sich durch Häuser, leuchtet die blaue, lässt es Kugeln und Brücken vor Kälte zerspringen, bei Gelb verwandelt es Objekte in Nebel, bei Grün werden Batman und Robin vorübergehend zu zweidimensionalen Wesen gepresst. Anschließend muss das Monster seine Farben (= Kräfte) wieder neu aufladen.

Dann greift auch noch Rebell Diaz wieder an. Seltsamerweise trägt er einen Konquistadoren-Helm, während seine Leute Sombreros auf ihren Köpfen haben. Er behauptet, selbst für das Monster verantwortlich zu sein. Batman bezweifelt das und verjagt sie, indem er mit einem Prisma einen Angriff der Regenbogen-Kreatur vortäuscht. Doch wie hält er das Monster selbst auf, das nur ein „freak of nature“ ist? Ganz einfach: Er lässt es alle seine Kräfte auf einmal verbrauchen, dann kann er es zerschlagen.

Die Geschichte hat eine interessante Meta-Ebene: Farben sind die Kräfte der Comicfigur, farblos ist sie also machtlos, die größte Bedrohung für die Helden ist, dass sie zweidimensional werden und sich vom Wind wegtreiben lassen. Während das Monster an Farben verliert, verlieren Batman und Robin ihre Form. Im Wesentlichen wird hier also die Funktion des Mediums Comic selbst bedroht.

Man kann das auch als verschlüsselte Anspielung darauf sehen, wie sehr sich Batman von seinen Ursprüngen entfernt und in Sachen Science Fiction seinen Höhepunkt überschritten hat. Dazu würde auch dieser befremdliche politische Einsatz in Südamerika passen.

Der Regenbogen ist gleichzeitig Symbol der Bedrohung. War Batman vor drei Jahen noch selbst in ein buntes Kostüm gestiegen, so sind die Farben nun Warnsignale, dass es zu bunt getrieben wird und sich der Effekt der ständigen Selbstüberbietung verbraucht – bis hin zur platten Formlosigkeit ohne Gewicht. Mit anderen Worten: Batman kommt am Ende des Regenbogens an.

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Batmen aller Länder, vereinigt euch!

Titel: The Batman of England/The Batmen of All Nations/The Club of Heroes

Autor/Zeichner: Bill Finger, Edmond Hamilton/Dick Sprang, Sheldon Moldoff

Erschienen: 1950, 1955, 1957 (Batman #62, Detective Comics #215, World’s Finest #89)


Batman macht Schule. Bereits 1950 lernen die Leser, dass es auch in England einen Batman gibt – oder zumindest zwei andere kostümierte Helden, der sich Batman und Robin zum Vorbild genommen haben. The Knight & the Squire kleiden sich wie Ritter aus dem Mittelalter: In Rüstung und mit Umhängen, fahren sie auf Motorrädern, die aussehen wie Pferde, und dabei tragen sie Lanzen. Offenbar entsprach das dem Bild von Europa, das man damals in den USA hatte …

Dahinter stecken Lord Wordenshire und sein Sohn Cyril, die zusammen in einer alten Burg in der Nähe eines Dorfes wohnen. In London hätten die beiden zwar mehr zu tun, aber aufregend genug wird es trotzdem noch.  Zwei Pub-Räuber überwältigen sie, indem sie den Tank im Fluchtauto durchstechen.

Als dann Batman und Robin einer Gang folgen, die einen alten Nazi-Schatz in England ausbuddeln will, treffen sie zufällig auf Knight & Squire, aber die beiden stellen sich mit ihren Lanzen so unbeholfen an, dass sie die Gauner entkommen lassen. Die beiden müssen noch viel lernen, sagt Batman, also teilt man sich zur Nachhilfestunde in Zweiergruppen auf: Batman und Squire ziehen nach Stonehenge, Robin und Knight folgen der Spur in ein historisches Museum. Aber auch später verpatzen die beiden Stümper ihre Einsätze. Zwar machen die Engländer beim Finale auf der Burg alles wieder gut, aber dann muss ihnen das Dynamische Duo mit einer Maskerade dabei helfen, ihre Geheimidentitäten nicht preiszugeben.

Am Ende versichert der Earl, es gebe nur einen wahren Batman und Robin. Fünf Jahre später tauchen vier andere Nachahmer auf: der Musketeer aus Frankreich, der Legionary aus Italien, der Gaucho in Argentinien und der Ranger aus Australien. Batman lädt sie alle nach Gotham ein, um ihnen Nachhilfe zu geben. Dabei sehen wir auch Knight & Squire wieder, die sich mittlerweile praktischere Kostüme zugelegt haben, verschwunden sind die klobigen Rüstungen, die Gesichter liegen frei, leider aber hantieren sie immer noch mit Lanzen und fahren auf motorisierten Pferden, während Gaucho und Ranger tatsächlich reiten.

Wie dem auch sei: Während alle neue Tricks vom Original lernen, nutzt die Bande um den Gangster Cardine die Chance, um Verbrechen zu begehen. Diesmal ist es Batman, der sich nicht sehr geschickt anstellt. Während des Einsatzes stirbt er sogar bei einer Explosion. Als aber die restlichen „Batmen“ Cardine hinterherjagen, erweist sich der Legionary als Schurke – und Batman springt im rechten Augenblick quicklebendig hervor, um den Fall aufzuklären. Und wieder herrscht die Einsicht: Es gibt nur einen echten Batman.

In World’s Finest treffen die Batmen aller Länder wieder auf ihr Vorbild – und auf Superman. John Mayhew lässt sie alle nach Metropolis rufen. Der reiche Philanthrop hat den Helden zu Ehren für viel Geld einen Club of Heroes errichtet, samt aufwendiger Innendekoration. Jetzt muss nur noch ein Vorsitzender gewählt werden – der, der die größte Heldentat vollbringt. Aber keiner hat so richtig Lust auf den Job: Superman schlägt Batman vor, Batman schlägt Superman vor, die anderen sind für einen der beiden (und sie spielen hier auch kaum eine Rolle).

Doch Superman kommt nicht zum Zuge. Er bekommt unerklärte Schwächeanfälle, die ihn ohnmächtig werden lassen. Dann taucht ein neuer Held namens Lightning-Man auf, um das Schlimmste zu verhindern. Am Ende stellt sich heraus: Ein Brocken Kryptonit in der Erdumlaufbahn hat Superman ausgeknockt und ihn in Momenten geistiger Umnachtung die Identität von Lightning Man annehmen lassen. In ebendiesem Zustand war Superman in der Lage, sich aus einer Gardine ein neues Kostüm zu schneidern – und so wird Superman dank seiner Taten zum Vorsitzenden des Clubs.

Was dieser Club eigentlich soll, um den niemand gebeten hat, und wer dieser Mayhew ist und was er will, danach fragt niemand. Außer Grant Morrison. 50 Jahre später hat sich der Autor von diesen Geschichten zu seinen Storylines The Black Glove und Batman Incorporated inspirieren lassen. Die neuen Versionen von Knight and Squire bekamen 2010 ihre eigene sechsteilige Mini-Serie.

DC Comics

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Batman als Aushilfs-Indianer

DC Comics

Titel: Batman – Indian Chief!

Autor/Zeichner: Ed Herron/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1954 (Batman #86), Paperback 2009 (The Black Casebook)


Batman und Robin fliegen gerade von einem Außeneinsatz zurück, da sehen sie ein Bat-Signal aus Rauch aufsteigen. Und durch ein Fernglas erspäht Robin einen Doppelgänger von sich – nur eben mit Feder am Kopf. Nachdem sie gelandet sind, stellen sie fest, wer dahintersteckt: ein Sioux-Indianer namens Great Eagle spielt Batman als Chief Man-of-the-Bats, zusammen mit seinem Sohn Little Raven. Sie haben eine Bathöhle, ein Batkanu und eine Bat-Trommel. Sie kämpfen gegen den bösen Indianer Black Elk.

Weil Great Eagle aber befürchtet, wegen einer Schulterverletzung als Man-of-the-Bats aufzufliegen, bittet er Batman und Robin, die Rollen zu übernehmen. Sie kriegen Federkopfschmuck verpasst und rote Farbe ins Gesicht geschmiert und schon ziehen sie gegen die Schurken los.

Das Setting wirkt seltsam anachronistisch. Im Jahr 1954 ist die Zeit des Wilden Westens längst vorbei und trotzdem reiten halbnackte Klischee-Indianer auf Pferden durch die Gegend, nur dass sie diesmal gepanzerte Wagen mit brennenden Pfeilen überfallen. Batman und Robin beweisen sich als gute Fährtenleser und tricksen Black Elk mit ihrer Maskerade aus, als Great Eagle zur Hilfe eilt. Fragt sich am Ende, warum Great Eagle nicht gleich als er selbst gegen seinen Feind angetreten ist. Und wozu überhaupt diese ganze Maskerade als Pseudo-Batman? Welchen Sinn hat das bei so kleinen Stämmen? Warum beschwert sich Batman nicht über das Plagiat? Und wie kam der Indianer darauf, dass Batman sein Rauchzeichen sehen würde? Und wie formt man überhaupt eine Fledermaus aus Rauch?

Fragen über Fragen, auf die es wohl nur eine Antwort gibt: „The great mystery has sent you!“

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Wie Tim Drake zu Robin wurde

DC Comics

Titel: Robin Vol. 1: Reborn

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Alan Grant/Norm Breyfogle, Tom Lyle

Erschienen: 1990 (Detective Comics #618-621, Batman #455-457, Robin #1-5), Paperback 2015


„I’m not sure I have what it takes. I’m not street tough.“ (Tim Drake)

Tim Drake hat bereits in A Lonely Place of Dying (genauer: Batman #442, 1989) das Robin-Kostüm getragen. Allerdings noch ohne Batmans Segen. Bis es offiziell wird, muss er noch ein Jahr warten. Wie es dazu kommt, davon erzählt die erste Hälfte des ersten Robin-Paperbacks Reborn.

Damit Robin komplett ist, braucht er aber nicht nur Training und ein Kostüm, sondern auch Drama, um nicht zu sagen: eine Tragödie. Die tritt ein, als der Voodoo-Priester Obeah Man seine Eltern nach Haiti entführen lässt. Obwohl Batman die Mühe nicht scheut, der Spur in die Karibik zu folgen, kann er nicht verhindern, dass [ACHTUNG: SPOILER!!!] ein Elternteil stirbt und der andere im Rollstuhl landet. Allerdings passiert diese Tragödie völlig unnötig und beiläufig, als das Schlimmste schon vorbei zu sein scheint …

Parallel dazu beweist sich Tim Drake erneut als Computer-Crack, indem er Anarky ausfindig macht und im Zweikampf besiegt. Doch zu Robin wird er erst, als kurz vor Weihnachten beliebige Menschen in Gotham Totenkopfmasken anziehen und Amok laufen. Dahinter steckt Scarecrow. Batman begibt sich in eine Todesfalle und Robin muss sich über Batmans Befehl hinwegsetzen, ihm nicht zu folgen. Das ist das eigentliche Initiationsritual. Batman erteilt Robin Hausarrest und Robin rettet ihm den Hintern, weil er ungehorsam ist. Eine alte Tradition.

Es sind typische Batman-Geschichten im Stil der Zeit. Solide erzählt und gezeichnet, mit ausreichend Platz (bzw. Zeit) für den Ausbau der Figurenkonflikte. Sie erfüllen ihren Zweck, aber sind nichts Besonderes, was im Gedächtnis bleibt. Das Beste ist daran, dass sie Robins Erscheinung bis zuletzt aufspart, das hält die Spannung aufrecht. Tim verdient sich seine Sporen ohne das Kostüm – und das macht ihn erst würdig, das Erbe als Robin III anzutreten.

Im zweiten Teil des Paperbacks ist die erste Robin-Mini-Serie enthalten. Tim Drake fliegt nach Paris, um sich von einem alten Meister in Kampfkunst ausbilden zu lassen. Doch schon nach drei Wochen wird er abgelenkt durch einen Vorfall: Über eine junge Frau gerät er an eine Straßengang, er wird zu Robin und entdeckt, dass dahinter ein Schurke namens Sir Edmund Dorrance steckt, der Hong Kong mit der Pest verseuchen will. Robins Ausbildung geht von Training direkt zum Praxistest des Ernstfalls über.

Robin verbündet sich mit Shiva und einem ehemaligen DEA-Agenten, die beide Rache an Dorrance nehmen wollen. Es beginnt eine Verfolgungsjagd um die halbe Welt, zwischendurch bekommt Robin in kleinen Trainingseinheiten von seinen Kollegen den Hintern versohlt. Robin wählt im Laufe der Reise Steinschleuder und Stab als seine Waffen und schwört explizit dem Töten ab.

Immer wieder beweist Tim jedoch, dass er vor allem genug Grips hat, um den Job zu erfüllen. Mit pfiffigen Tricks schafft er es, seine Gegner zu besiegen, während andere scheitern. Seine Ausbildung dauert zwar nur kurz, aber dafür sehen wir Tim beim Reifen zu. Er will sich beweisen, sich für würdig erweisen, aber immer wieder plagen ihn Selbstzweifel. Nur mit der Trauer scheint er es nicht so zu haben. Der Tod seiner Mutter scheint relativ schnell verkraftet zu sein. Vielleicht liegt es ja an der Robin-Therapie – die war schon immer gut dafür, über tragische Ereignisse hinwegzukommen.

Auch dieser zweite Teil macht den Band nicht wirklich zu einem Muss, vieles läuft nach Schema F, aber das immerhin kurzweilig. Wer sich für die Figur interessiert, macht hier nichts verkehrt, denn auch die durchgehend klaren Zeichnungen von Tom Lyle dürften niemanden verschrecken.

>> Liste der Robin-Comics

Batman im Dschungel

DC Comics

Titel: The Jungle Batman

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1952 (Batman #72)


Batman und Robin nehmen die „Sinister 8“ fest, eine international besetzte Verbrecherbande. Nun müssen sie sie per Schiff auf eine Insel bringen. Kurz darauf werden sie von Verbrecherfreunden torpediert und das Dynamische Duo erleidet Schiffbruch. Sie ziehen sich bis auf das Nötigste aus (also bis auf die Unterhosen und Masken) und schwimmen zu einer verlassenen Insel.

Es beginnen die Abenteuer des Dschungel-Batman: Kaum da, muss er Robin vor einem Panther retten. Das kommt günstig, denn kurz darauf kann er sich aus dem Fell des Tieres eine schicke Dschungelkluft machen, Robin bekommt eine Leoparden-Unterhose – so viel Stilbewusstsein muss sein. Erst dann kann sich das Duo um die bösen Buben kümmern, die mit ihnen auf der Insel gestrandet sind. (Die Schurken kriegen natürlich keine Dschungelkleidung. Sie konnten offenbar auch mit Keidung gut schwimmen.)

Obwohl Batman und Robin keine Standard-Ausrüstung haben, wissen sie sich immer zu helfen, mit dem, was gerade zur Hand ist: Sie schwingen sich mit Lianen durch den Urwald, reiten auf Elefanten, essen Kokosnüsse und machen Rauchbomben daraus, am Ende bekämpft Batman einen Riesen-Kraken mit einer Flasche. Wer so gut mit dem Nötigsten klarkommt, für den ist Verbrechensbekämpfung ein Kinderspiel, das fast nebenbei erledigt wird.

Zum Schluss passiert das Unglaubliche: Kaum haben Batman und Robin ein Schiff übernommen, mit dem sie nach Hause fahren können, treibt das Meer ihre Kostüme wieder an – frisch gewaschen trieben sie die ganze Zeit umher. Die Elemente meinen es gut mit den Guten.

Zwei Jahre später wird Batman erneut zum Dschungel-Helden wider Willen: In The Jungle Cat Queen (Detective Comics #211, 1954) – Catwomans letztem Auftritt im Golden Age.

>> Batman in den 50ern

Mr. Dent geht nach Washington

DC Comics

Titel: Threat of the Two-Headed Coin

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Irv Novick

Erschienen: 1974 (Batman #258)


„Whenever I begin to think I’ve got nothing else to learn from you, you prove me wrong!“ (Robin)

Die Geschichte des Arkham Asylums beginnt erst 1974: Damals wurde es als Arkham Hospital eingeführt, ganz nebenbei, als Aufenthaltsort von Two-Face und dem Joker. Und schon beim ersten Erscheinen erweisen sich die Sicherheitsvorkehrungen als bedenklich. John Harris, ein frustrierter General, der sich an den USA rächen will, überfällt Arkham und befreit Two-Face, weil er ihn für seinen ach so genialen Plan braucht. Doch kaum ist Two-Face frei, macht er seinem Namen alle Ehre: Er hat jetzt das Sagen und da der General widerspricht, schmeißt er den General raus.

Erster Blick auf Arkham Hospital

Harris wendet sich an die Polizei von Gotham, um sie vor Two-Face zu warnen, doch als Batman ihn zur Rede stellt, springt er aus dem Fenster. Völlig ungerührt machen Batman und Gordon weiter, als wäre nichts passiert. Psychologisch glaubwürdig wird es erst wieder, als Batman feststellt, dass er und Two-Face so verschieden nicht sind: Beide seien besessen. Two-Face von dem Widerspiel zwischen Gut und Böse, Batman vom Verbrechen.

Ein Mann stürzt sich in den Tod. Und dann weiter im Text …

Batman und Robin geraten in die Falle. Two-Face erweist sich als gnädig: Statt Batman endlich ein für alle Mal zu töten, betäubt er ihn nur und nimmt ihn gefangen. Batman kommt auf eine interessante Weise frei: Im linken Ohr seiner Maske befindet sich ein kleiner Schweißbrenner, mit dem sich die Fesseln lösen lassen. Genial! Nicht nur Robin ist begeistert.

Two-Face und die Bombe

In der Zwischenzeit hat Two-Face eine Atombombe im Kapitol in Washington D.C. platziert und will die Regierung um zwei Milliarden US-Dollar erpressen. Zwölf Stunden lang steht er mit dem Zünder rum, ohne dass er müde wird oder irgendjemand einen Finger rührt (zum Beispiel, um das Geld zu besorgen oder den Schurken zu erschießen). Erst als Batman eintrifft, kümmert sich jemand um die Lösung des Problems.

Zum Schluss spielt wieder die Münze eine große Rolle: Batman wendet wieder diesen Schwachpunkt gegen seinen Erzrivalen. Two-Face soll, bevor er den Knopf drückt, erstmal seine Münze konsultieren. Sie fällt auf die heile Seite. Doch kurz bevor er sich ergibt, erkennt er: Die Münze hat nur zwei heile Seiten – er wurde reingelegt. Der hat bereits in „The New Crimes of Two-Face“ (Batman #68, 1951) und ähnlich auch in „Half an Evil“ (Batman #234, 1971) geklappt. Mensch, Harvey, du fällst aber auch immer wieder auf den gleichen Trick rein!

Two-Face hilft Joker … nicht.

Aber Two-Face erweist sich auch sonst als inkonsequent: Als der Joker ihn in Arkham bittet, ihn zu befreien, wirft Two-Face seine Münze, und weil sie auf der zerkratzten Seite landet, sagt er nein. Als er sie später noch einmal wirft, bedeutet die zerkratzte Seite, dass er sich dem General anschließt, also ja. Aber auch falls die Münze für Gut und Böse steht, wäre es doch naheliegender, den Joker bei der bösen Seite freizulassen – um noch mehr Böses zu stiften. Stattdessen ist Two-Face einfach böse dem Joker gegenüber. Es ist wohl zu viel verlangt, den Verstand eines Irren verstehen zu wollen …

>> Liste der Two-Face-Comics

Die zwölf Geschworenen gegen Batman

DC Comics

Titel: Cold Days

Autor/Zeichner: Tom King/Lee Weeks, Tony S. Daniel

Erschienen: 2018 (Batman #51-57), Paperback 2018 (Batman Vol. 8)


Mr. Freeze steht wegen Mordes an drei Frauen vor Gericht. Batman hat ihn gefangen. Am Ende des Prozesses sollen zwölf Geschworene über die Schuld entscheiden – einer davon ist Bruce Wayne. Der Fall ist klar: Freeze hat gestanden, Batman hat herausgefunden, dass nur er dahinterstecken kann. Alle sind für schuldig, nur einer stellt sich quer: Bruce Wayne.

Wen die Story an einen Klassiker der Filmgeschichte erinnert, der liegt richtig: Autor Tom King bedient sich kräftig bei Die zwölf Geschworenen (12 Angry Men) von Sidney Lumet. Wer den Film gesehenm hat (und jeder sollte ihn gesehen haben), weiß, worauf es hinausläuft: Der Querulant weckt Zweifel und stimmt alle um. Während das im Film sukzessive passiert, handelt King das Ganze in drei Heftkapiteln ab. Am Ende ist es Waynes langer Monolog, der die anderen dazu bringt, ihre Meinung zu ändern.

Das Besondere ist: Es geht hier nicht im Freezes Unschuld, sondern darum, dass die Geschworenen am scheinbar unfehlbaren Batman zweifeln. Und dass es Bruce Wayne selbst ist, der sich in die Jury einkauft, um einen Fehler wiedergutzumachen, den er als Batman begangen hat. Denn Batman ist nach der geplatzten Hochzeit mit Catwoman nicht mehr bei klarem Verstand.

Es ist mal wieder so eine Tom-King-Story geworden, in der mehr geredet, als gehandelt wird. Aber es ist trotzdem eine sehr starke, mitreißende Story, vielleicht sogar seine bisher beste. Noch beeindruckender sind aber die Zeichnungen von Lee Weeks: Ein feiner Strich macht die Figuren ausdrucksstark, die vielen Schatten sorgen (zusammen mit der gedeckten Farbpalette) für eine Film Noir-Stimmung, vergleichbar mit David Mazzucchelli in Year One. Dabei kann man auch vergessen, denn es scheint dann nicht mehr so wichtig, dass der Fall, wer die Frauen wirklich ermordet hat, nicht aufgeklärt wird. Das ist Nebensache.

Der zweite Teil des Bandes Cold Days ist der Beziehung von Bruce und Dick Grayson gewidmet. Batman und Nightwing kämpfen gegen ein paar drittklassiger Schurken, während Nightwing Sprüche klopft und versucht, Batman zum Lachen zu bringen – Aufmunterung in Zeiten von Liebeskummer. Parallel dazu gibt es Rückblenden zur schwierigen Anfangszeit mit Dick und Bruce, wie er versucht, ihn von Gurkensandwiches zu überzeugen. Matt Wagner zeichnet das Ganze in seinem gewohnt naiv-klobigem Stil.

Dann verübt KGBeast einen Anschlag auf Nightwing und Batman jagt dem Attentäter hinterher. Ein Kapitel lang sehen wir, wie der Schurke sich vorbereitet und Nightwing Batman auf die Nerven geht, ein Kapitel lang betrinkt sich der KGBeast mit seinem Vater, während Batman ihn sucht, ein Kapitel lang prügeln sie aufeinander ein. Das ist weder unterhaltsam, noch subtil, sondern schlicht öde und banal. Während der Dialog mit Nightwing nur daraus besteht, dass Batman permanent seinem Geschwätz widerspricht, beschränkt sich der mit KGBeast am Ende fast nur auf Interjektionen (Hm. Gnnn! Ungg! Aggh!). Da bringt es nicht viel, wenn der Autor am Ende noch versucht, mit einem russischen Märchen eine allegorische Meta-Ebene reinzubringen, oder dass Tony Daniel wie immer eine Glanzleistung als Zeichner abliefert: Es bleibt ein stumpfsinniges Stück Comic, das alles zunichte macht, was der Anfang aufgebaut hat.

Batman ist gerade in der zweiten Hälfte ein unsympathischer Grantler, der besessen seinen Zielen nachjagt und Opfer in Kauf nimmt. Hielt Bruce Wayne zunächst noch eine lange Predigt über Batmans Grenzen, fällt er am Ende wieder in seine Verblendung und Arroganz zurück: „I’m the world’s greatest detective.“ Hilfe nimmt er genauso wenig an, wie er sie gewährt. Wie schon bei seiner ersten Begegnung mit KGBeast überlässt er ihn dem (fast) sicheren Tod. Moralisch höchst fragwürdig. Und man muss sich wie bei seiner Adaption der Zwölf Geschworenen fragen, ob man das Tom King als Hommage durchgehen lassen kann, oder ob es dem Mann an eigenen Ideen fehlt …

>> Batman 2011-2019

Batman rächt seine Eltern

DC Comics

Titel: The Origin of the Batman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1948 (Batman #47)


„It’s a desperate move … but I must take it … even if it means the end of Batman’s career!“

Okay, ihr kennt die Story vom jungen Bruce Wayne: sie beginnt mit dem Raubüberfall, bei dem seine Eltern ermordet werden. Bruce schwört daraufhin, das Verbrechen zu bekämpfen. Aber was ist mit dem Mörder seiner Eltern? Wurde er gefasst? Und wer ist das? Und warum hat er eigentlich nicht auch Bruce ermordet, wenn dieser Zeuge war? Die Fragen bleiben neun Jahre lang unbeantwortet. Seltsam eigentlich, weil es nahegliegend gewesen wäre, wenn Bruce zuerst den Mörder seiner Eltern gestellt hätte.

In The Origin of the Batman bekommt der Mörder einen Namen: Joe Chill. Batman und Robin entdecken ihn durch Zufall. Er betreibt ein Lkw-Unternehmen, das Gauner illegal über Staatsgrenzen bringt. Als Batman dessen Foto sieht, erinnert er sich an sein Kindheitstrauma – und zum ersten Mal seit Batman #1 wird die Urgeschichte neu erzählt. Nachdem die Eltern erschossen sind, wendet sich Bruce an Chill und wirft ihm den Mord vor. Chill erwidert: „Stop lookin‘ at me like that!“ Er bekommt Gewissensbisse und etwas in den Augen des Jungen lässt ihn sich zurückziehen.

Batman schwört Rache

Wir sehen wieder, wie Bruce Wayne zu Batman wird, aber der bekannte Text wurde leicht verändert. In der Urfassung (Detective Comics #33/Batman #1, 1939/1940) schwört Bruce betend am Bett, beim Geiste seiner Eltern, ihren Tod zu rächen, indem er den Rest seines Lebens Verbrecher bekämpft. In der Neufassung kommt noch der Schwur dazu, ihrem Mörder Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Als Batman wiederholt er den Schwur.

Batman tritt erstmals verkleidet vor Chill, als er versucht, sich in sein Unternehmen einzuschmuggeln. Aber seltsamerweise stellt er ihn noch nicht. Zunächst wird noch eine unnötige Schleife gedreht, indem Batman ein illegales Casino auf internationalen Gewässern aufmischt. Dabei hatte sich Batman schon entschieden, wie er vor Chill treten will: er demaskiert sich und konfrontiert ihn mit dem Mord. Aber Chill gesteht nicht. Also droht ihm Batman, ihn sein Leben lang zu verfolgen.

Verzweifelt vor Angst sucht Chill Hilfe bei seinen Angestellten, aber nachdem er ihnen erzählt hat, dass er Batman erschaffen hat, erschießen sie ihn. Er stirbt noch bevor er ihnen verraten kann, dass es Bruce Wayne ist. Batman knockt die Gauner aus, Chill stirbt, Fall geschlossen.

Interessant ist, dass Robin hier kaum eine Rolle spielt. Dadurch kann Bruce Wayne seine Geschichte allein abschließen.

Die Geschichte von Joe Chill wird in The Untold Legend of the Batman (1980) nacherzählt. In Year Two (1987) werden Batman und Joe Chill vorübergehend zu Verbündeten wider Willen – und Batman greift zur Pistole. Nach der Zero Hour (1994) wird der Wayne-Mörder wieder anonym. Nach dem Reboot von The New 52 (Batman: The Dark Knight #0) kehrt Joe Chill zurück und Bruce Wayne will sich an ihm rächen, wobei er wieder zur Waffe des Täters greift. Aber natürlich drückt er nicht den Abzug.


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