Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Fear State: Scarecrows Evolution durch Angst

DC Comics

Titel: Fear State

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Jorge Jimenez

Erschienen: 2021 (Batman #112-117), Hardcover 2022


Als ich dieses Blog anfing (2013), war es jedes Mal ein besonderes Ereignis, wenn ein weiterer Band der damals neuen Batman-Serie erschien. Die Serie von Scott Snyder und Greg Capullo wirkte frisch und aufregend und bildete sogar der Auslöser dafür, mit dem Blog anzufangen. Auch wenn die Qualität immer mehr abnahm, bekam man doch meist gute Unterhaltung für sein Geld.

Dann kam die schlimme Tom-King-Phase. Schweigen wir lieber darüber – nuff said. Und dann übernahm James Tynion IV und ließ es wieder mehr nach Batman aussehen, hob aber trotz Joker War nie richtig ab. Nach viel Vorlauf und Zwischengedöns kommen wir also zu Fear State, Tynions großem Batman-Finale. Im vergangenen Band (The Cowardly Lot) haben wir gesehen, wie Scarecrow die Stadt terrorisiert und Batman halluzinieren und fast wahnsinnig werden lässt. Gleichzeitig schickt Simon Saint seinen Magistrate los, eine Hightech-Spezialtruppe, die in Gotham für Ordnung sorgen soll – ganz vorne mit dabei Peacekeeper-01, der aber durchdreht.

Eine ziemlich harte Nuss für Batman. Könnte man meinen, denn Batman spaziert dann einfach aus Scarecrows Versteck, spritzt sich irgendein Gegenmittel, das im Batmobil herumliegt und ist wieder ganz auf der Höhe. Doch in der Zwischenzeit ist die Situation noch komplizierter geworden: Poison Ivy, die sich jetzt Queen Ivy nennt, hat unter Gotham einen Garten angelegt, mit dessen Pflanzen sie die Stadt vernichten will.

Parallel dazu schickt Simon Saint Peacekeeper-X los, um Peacekeeper-1 einzufangen. Und los geht die erste Keilerei. PK-1 steckt einiges ein, wird entstellt zu einer Art Two-Face und tritt dann am Ende als eine Art Bane-Verschnitt gegen Batman an, Keilerei 2.

Angst als Therapie gegen Angst

Zwischendurch findet Batman heraus, dass Scarecrow Angst als Mittel einsetzt, damit die Bürger von Gotham ihre Angst überwinden. Angst macht stark, so die Devise. Die Menschen sollen dafür zunächst in Schockzustand versetzt und dann mit Propaganda aufgestachelt werden. Die Figur von Scarecrow soll als „Strohmann“ dienen, um diese Furcht zu kanalisieren – das ist der „Fear State“ (Angstzustand), den sie dann bewältigen sollen.

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Der zweite Two-Face: Harvey Apollo

Schauspieler Harvey Apollo sagt vor Gericht aus. (DC Comics)

Titel: Half Man – Half Monster

Autor/Zeichner: Bill Finger/Jack Burnley

Erschienen: 1946 (The Sunday Classics #138-146), Hardcover 1990/2007


Drei Jahre nach dem vorläufigen Ende von Harvey Kents Karriere als Two-Face (Detective Comics #80, 1943) taucht auf den Sonntagsseiten der Batman-Zeitungscomics eine neue Variante auf: Harvey Apollo, ein Schauspieler, der als Zeuge vor Gericht gegen den Polizistenmörder Lucky Sheldon aussagt und eine doppelköpfige Münze als Beweismittel identifiziert.

Apollo war in den Comicheften der Rufname des attraktiven Staatsanwalts Harvey Kent. Nun wird er zum Nachnamen eines Theaterdarstellers, der auch den Gerichtssaal als Bühne nutzt – und dann vom Angeklagten Säure ins Gesicht geworfen bekommt. Für einen Schauspieler ist die Entstellung der Gesichtshälfte ein weitaus schlimmeres Schicksal, wenn auch das Resultat dasselbe ist: Harvey wird zum gespaltenen Schurken Two-Face, der die verhängnisvolle Münze über sein Leben entscheiden lässt.

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Pinguin in Batman: The Animated Series

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Hoch die Flossen! Pinguin im DeVito-Stil. (Warner Bros.)

Der Pinguin von Danny DeVito in Batman Returns hat einen so großen Eindruck gemacht, dass die Figur in Batman: The Animated Series ihm nachempfunden wurde: mit langen schwarzen Haaren und Flossenhänden – wenn auch nicht ganz so düster, um kindgerecht zu sein. Und das ist auch schon das Problem. Denn so sehr sich die Macher der meist großartigen Serie bemüht haben, die schaurige Figur fürs junge Publikum anzupassen, haben sie vergessen, ihm als Charakter eine Tiefe zu verleihen wie bei anderen bis dato eindimensionalen Figuren wie Mr. Freeze.

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Pinguin mit Dolch im Kampf mit Batman.

Das geht schon ungünstig los mit einer Episode, in der weder der Pinguin noch Batman im Vordergrund stehen, sondern Kinder (I’ve Got Batman in My Basement, S01E13). Batman erwischt zwei Handlanger, die ein großes funkelndes Fabergé-Ei klauen, dann hat er es mit einem Riesengeier zu tun. Nach einer späteren Konfrontation mit dem Pinguin wird Batman von einer Rauchbombe außer Gefecht gesetzt, kann sich mit Mühe ins Batmobil retten. Zufällig sehen das zwei Kinder und sie bringen ihn mit dem Auto zu sich nach Hause, wo sie ihn im Keller gesund pflegen. Später bricht der Pinguin dort ein und wird nach Kevin-Allein-Zuhaus-Manier abgewehrt, bevor Batman wieder zu sich kommt und sich einen Kampf mit dem kleinen Dicken liefert.

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Pitch Meeting für „The Batman“

Nachdem ich The Batman zweimal gesehen habe, muss ich sagen: Auch beim zweiten Mal hat der Film nicht mein Herz gewonnen. Zweifellos macht er vieles gut und richtig, aber die Story fand ich selten packend – was wohl unter anderem damit zusammenhing, dass vieles von der Detektivarbeit bloß müheloses Rätselknacken ohne Konsequenzen ist.

Motzen ist einfach. Schwierig ist es, das Ganze auch noch humorvoll zu verpacken. Ryan George hat es mit seinem Pitch Meeting mal wieder wunderbar geschafft. Niemand kann Plot Holes und andere Seltsamkeiten so sympathisch aufdecken wie er – für ihn wirkt das alles super easy, barely an inconvenience. Genauso wie Rätselknacken, Kugeln abwehren und Schurken verkloppen für Batman. Viel Spaß dabei.

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Als Batman Gorbatschow rettete

Cover zu Batman #445-447 von Brian Bolland (DC Comics)

Titel: When the Earth Dies (dt. Im Schatten der Bestie)

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/Jim Aparo

Erschienen: 1990 (Batman #445-447), erschienen in: Batman: The Caped Crusader Vol. 3 (2019), dt. Hethke 1992 (Batman Album 14/15)


Wenn man sich die Nachrichten anschaut, muss man leider feststellen: Es gibt Probleme auf der Welt, bei denen selbst Batman machtlos wäre. Trotzdem kann unser Lieblingsheld ein Hoffnungsträger sein, um zu zeigen, dass man als Einzelner dennoch seinen Beitrag leisten kann.

Anfang 1990 durfte sich Batman in der Sowjetunion nützlich machen. Seit 1986 wurden im Zuge von Michail Gorbatschows Glasnost-Reformen Meinungs- und Pressefreiheiten gewährt, unter dem Schlagwort Perestroika setzte ein Umbau des kommunistischen Staates ein. In Ten Nights of the Beast (1988) bekämpfte Batman mit KGBEast einen ehemaligen KGB-Agenten, der es auf US-Politiker abgesehen hatte, kurz nach dem Fall der Mauer hilft der Dunkle Ritter nun der Sowjetunion gegen den Killer Demon (oder NKVDemon, nach der Abkürzung des Innenministeriums), der sich gegen die eigenen Genossen richtet.

Make USSR great again: NKVDemon. (DC Comics)

Demon ist ein überzeugter Kommunist, für den die Glasnost-Reformen die Ideale von Marx und Lenin zerstören. Deshalb tötet der ewiggestrige Profikiller mit der roten Dämonenmaske jetzt die angeblichen Volksverräter. Seine Rhetorik nimmt Putin (und auch Trump) vorweg: „It is up to me to return our country to the greatness that Lenin foresaw. And it is in his name that I will once again make us great!“

Nachdem ein Mitglied des Politbüros halbiert in Moskau aufgefunden wird, bitten die Sowjets Batman um Hilfe. Bruce Wayne reist also nach Moskau, unter dem Vorwand, sich Fabriken ansehen zu wollen. Dabei wird er ständig von Aufpassern begleitet und trifft auf Reporterin Vicky Vale, die mit ihrer Fotokamera Russland unter Glasnost dokumentiert.

Gemeinsam gegen Umweltkrisen

Als Batman muss er eine Reihe sehr ausgefuchster Attentate verhindern. Das interessanteste findet bei einem Eishockey-Turnier statt: Demon verkleidet sich als Spieler und schießt mit explosiven Pucks ins Publikum, um einen bestimmten Menschen zu treffen. Kollateralschäden nimmt er in Kauf, aber besonders effektiv ist diese Methode nicht. Trotzdem hat es Batman gegen Demon schwer. Dabei setzt er sein Cape auf kreative Weise ein: Als er einmal aus einer fahrenden U-Bahn springen muss, rollt er sich im Flug darin ein, später hängt er sich damit an einen Fahnenmast. Am Ende nimmt Demon dann Gorbatschow ins Visier – analog zu KGBeast, der es auf Ronald Reagan abgesehen hatte – und färbt dabei den Fluss Moskwa rot …

When the Earth Dies ist also ein direkter Kommentar zum politischen Weltgeschehen, aber nicht nur historisch interessant, denn es weist aber auch auf die Zukunft voraus. Vicky Vale sieht in der Annäherung der beiden Weltmächte eine Chance für globale Herausforderungen, daher der Titel: „All of us are slowly destroying the earth“, sagt sie. „We’re destroying the environment. The rain forests. The ozone layer. We’ve got to be one planet again.“ Später spricht ein russischer Redner auch die Tschernobyl-Katastrophe als Beispiel für die Umweltzerstörung an.

Wohlgemerkt: Schon 1990 war man sich all der Umweltprobleme bewusst – das sind die wahren Herausforderungen, die man nach dem Kalten Krieg stemmen musste. Leider scheint sich diese Uralterkenntnis immer noch nicht durchgesetzt zu haben. Seit Jahren machen nationalistische und Tendenzen und wirtschaftliche Interessen die gemeinsame Anstrengungen zunichte, nach dem Motto: Wir zuerst. Der Ukraine-Krieg könnte zumindest in Europa die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen beschleunigen. Aber vielleicht wird jemand in 30 Jahren auch diesen frommen Wunsch nur belächeln …

>> Batman 1990-1999


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Pinguin bekommt Serie auf HBO Max

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Colin Farrell als Pinguin (DC Comics/HBO Max)

Es gehörte sicher zu den überraschenden Entscheidungen, Colin Farrell als Pinguin im Film The Batman zu casten. Allerdings erkennt man ihn unter der Maske auch kaum. Er wirkt eher wie ein aufgedunsener Robert De Niro aus Wie ein wilder Stier. Als rechte Hand von Kingpin Carmine Falcone macht „Oz“ jedenfalls eine gute Figur, auch wenn die Iceberg Lounge äußerlich nicht viel hermacht.

Nun soll der Pinguin seine eigene Miniserie auf HBO Max bekommen. The Batman-Regisseur Matt Reeves soll mitproduzieren, Lauren LeFranc soll als Showrunner dienen. Die Autorin hat bereits für Serien wie Chuck, Impulse und Marvel’s Agents of SHIELD geschrieben. Details zur Handlung sind nicht bekannt. Selbst die Pressemitteilung von DC spekuliert darüber, ob es sich bei dem Spin-off um ein Prequel oder Sequel handeln könnte. „The Penguin“ soll auch nur ein Arbeitstitel sein.

Im Jahr 2020 war bereits eine Spin-off-Serie zu The Batman über die Polizei von Gotham angekündigt. Aus der ist aber nie etwas geworden, da der vorgesehene Showrunner Terence Winter das Projekt verlassen hat. Nun soll es stattdessen eine TV-Serie rund um Arkham Asylum und seine Insassen geben, wie Matt Reeves enthüllt hat.

>> Pinguin-Comics

Batmans mörderischer Doppelgänger

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DC Comics

Titel: Batman: The Imposter (dt. Die Maske im Spiegel)

Autor/Zeichner: Mattson Tomlin/Andrea Sorrentino

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-3), Hardcover 2022, dt. Panini 2021 (Dreiteiler)/2022 (Sammelband)


„Do you think Gotham will be better off without me?“ (Bruce Wayne)

Nach drei Jahren im Einsatz als Batman taucht ein Nachahmer auf, der verurteilte Kriminelle tötet. Das Original versucht, den Betrüger zu finden, doch das erweist sich als schwierig, denn es scheint kein Muster zu geben. Er gerät dabei ins Visier der Polizei. Detective Blair Wong sucht nach ihm und kommt dabei schnell Bruce Wayne die Spur. Doch man kommt sich auch privat näher …

Die Geschichte ist erzählt aus verschiedenen Perspektiven. Ein Großteil der Erzählung nehmen Therapiegespräche zwischen Bruce Wayne und Leslie Thompkins ein, die zufällig von seinem Doppelleben erfährt, als er eines nachts bei ihr ins Haus kracht. Sie stellt fest, dass Bruce ein Problem hat, und zwingt ihn in die Therapie, sonst gibt sie sein Geheimnis preis. Ob das ethisch korrekt ist, sei dahingestellt, wirksam ist es auf jeden Fall. Doch wirksam findet Batman auch sich selbst: Dank ihm soll Gotham die erste Nacht ohne Gewaltverbrechen seit 54 Jahren erlebt haben. Wieder mal stellt sich die Frage, ob Gotham einen Batman braucht.

Wie ein Comic zum Film The Batman

Autor Mattson Tomlin war ursprünglich als Co-Autor des Films The Batman angekündigt, wurde dann im Abspann aber nicht mehr genannt, weil sein Beitrag anscheinend gestrichen oder auf ein nicht mehr nennenswertes Maß geschrumpft worden ist. Dafür durfte er ein Comic machen, der stilistisch an einigen Stellen an den Film erinnert: zum einen wäre da das Kostüm, zum anderen ein junger Bruce Wayne, der mit seinem verwischtem Mascara an Robert Pattinson erinnert, zum dritten ist The Imposter auch sehr darauf bedacht, glaubwürdig zu sein. Batman hat zum Beispiel mehrere Motorräder in der Stadt geparkt, benutzt ein Netz von Ziplines, die er zwischen Häusern gespannt hat. All das widerspricht dem typischen Comic-Batman, der aus dem Nichts kommt und dorthin wieder zurück verschwindet – es ist auf Realismus angelegt, wie die Filme seit Batman Begins.

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Doppelseite aus „The Imposter“ von Andrea Sorrentino. (DC Comics)

Daher gibt es hier auch keine Superschurken. Figuren wie Ratcatcher und Arnold Wesker (Bauchredner) tauchen nicht als Gegner auf, sondern als Außenseiter, die helfen wollen bzw. Hilfe brauchen. Dadurch bekommt die Geschichte eine menschliche Tiefe. Da verzeiht man es der Story, dass ihre Grundidee nicht neu ist (vgl. Batman Special #1, 1984) und es auch gar nicht so wichtig ist, wer sich am Ende als Doppelgänger herausstellt. Es wirkt alles rund und stimmig. Man kann The Imposter also ohne Voraussetzungen lesen und bekommt eine in sich abgeschlossene Story.

Meisterhafte Comic-Kunst

Das Wichtigste an all dem ist aber: Gezeichnet wird das Ganze von Andrea Sorrentino. Von daher kann man sich alles Weitere sparen, denn der Meister, dem wir Joker: Killer Smile zu verdanken haben (neben Gideon Falls, Green Arrow und Old Man Logan), beeindruckt auch hier mit seiner einzigartigen Stimmung, die Labels wie „düster“ und „atmosphärisch“ eine einzigartige Qualität verleiht. Außerdem überrascht er wieder mit gewagten Layouts: Panels in Fledermausform, Puzzlestücken und anderen collage-artigen Anordnungen, für die wahrscheinlich noch die Begriffe erfunden werden müssen.

Daher besteht die Spannung beim Umblättern nicht so sehr darin, was als nächstes passiert, sondern was als nächstes mit dem Medium Comic veranstaltet wird. Sorrentinos Werk bleibt große Kunst, die eine tiefgreifende Analyse verdient. Doch fürs Erste sei einfach nur empfohlen: lesen und genießen. Dieses Buch ist wow, wow, wow.

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Pitch Meeting für Batman (1989)

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Warner Bros.

Nach über 30 Jahren dürfte auch jedem Nostalgiker klar sein, dass der erste ernsthafte Batman-Film nicht so ernstzunehmen ist, wie es scheint. Tim Burtons Batman war mehr ein Hype, der von geschicktem Marketing angefacht wurde, als ein Film mit einer nennenswerten Story. Aus heutiger Sicht wirkt vieles überdreht und albern.

Ryan Georges Pitch Meeting lässt den Blockbuster noch fragwürdiger erscheinen: Batmans Methoden der Verbrechensbekämpfung, seine Affäre mit einer Reporterin und der intime Umgang mit ihr lassen erhebliche Zweifel aufkommen, ob es sich hier wirklich um einen Helden handelt. Ryan George versteht es, Filme auseinanderzunehmen. Desillusionierend? Mag sein, aber selten sind Kindheitserinnerungen so witzig zerstört worden.

Und wer davon nicht genug bekommen kann: Pitch Meetings gibt es auch zu Christopher Nolans Dark-Knight-Trilogie sowie zu Batman Forever und Batman & Robin.

>> Batman-Filme und -Serien

Matt Reeves erklärt das rätselhafte Ende von „The Batman“

Wenn das mal keine Klickbait-Überschrift ist! Ich dachte, was andere können, das kann ich auch. Worum geht’s? Um die vorletzte Szene von The Batman, in der der Riddler auf einen anderen Arkham-Insassen trifft. Wer Angst vor Spoilern hat, lese bitte erst weiter, wenn er den Film gesehen hat.

Die naheliegende Frage ist: Trifft der Riddler auf den Joker? Regisseur und Drehbuch-Co-Autor Matt Reeves stellt in einem Video von IGN klar: Ja, aber nicht ganz. Dieser unbenannte Arkham-Insasse (gespielt von Barry Keoghan, bekannt aus The Killing of a Sacred Deer, Dunkirk und Eternals) ist nur eine Vorstufe des Schurken, der aber schon als Mörder aufgetreten ist und von Batman geschnappt wurde. Ursprünglich war noch eine weitere Szene im Film, in der Batman auf ihn trifft. Die Szene wurde jedoch rausgeschnitten und soll bei anderer Gelegenheit veröffentlicht werden.

[UPDATE: Hier ist die Szene:]

Reeves erklärt, dass sein Joker an den Stummfilm The Man Who Laughs angelehnt ist, der ohnehin den Joker inspiriert hat. Conrad Veidt spielt darin einen Mann, der von Kindheit an ständig ein Grinsen im Gesicht trägt. Dieser neue Noch-nicht-Joker soll durch eine Krankheit gezeichnet sein. Aus dieser Erfahrung soll er auch seine nihilistische Weltsicht haben: „From his birth life has been a cruel joke on him and this is his response“, sagt Reeves.

Ob das bedeutet, dass der Joker im nächsten Film auftaucht, lässt Reeves offen. Er weiß angeblich noch nicht, auf wen Batman treffen wird. Geplant ist – wie üblich – eine Trilogie mit Robert Pattinson in der Hauptrolle. Auch wenn sich Reeves Mühe gibt, eine neue Sicht auf den Joker zu zeigen, täte es gut, den Schurken eine Weile ruhen zu lassen. Es gab mit Jared Leto und Joaquin Phoenix zuletzt zwei Joker kurz hintereinander und Heath Ledger ist auch noch gut in Erinnerung. Zudem gibt es noch eine Reihe anderer, die noch nie in einem Batman-Film zu sehen waren oder eine zweite Chance verdienen: Mister Freeze, Man-Bat, Mad Hatter, Killer Croc, Poison Ivy etc.

Aber ohne den Joker scheint es heutzutage nicht mehr zu gehen.

Filmkritik: „The Batman“

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„No More Lies“: Batman-Werbung in Berlin. (Foto: LG)

HINWEIS vorab: Diese Kritik setzt voraus, dass man den Film „The Batman“ gesehen hat, und verrät einige Details zur Handlung. Die betreffenden Absätze sind mit einer Spoiler-Warnung versehen. Wer nur wissen will, worum es grob geht und ob sich das Schauen lohnt, sollte nur Anfang und Ende des Textes lesen.

Ein Film, der sich „The Batman“ nennt, macht bereits zwei Aussagen. Erstens: Zurück zum Ursprung, denn der Dunkle Ritter hatte anfangs noch den bestimmten Artikel (und sogar noch einen Bindestrich). Zweitens: Das ist der wahre Batman.

Zurück zum Ursprung bedeutet hier kein Origin, denn Matt Reeves verschont sein Publikum dankenswerterweise mit der Entstehungsgeschichte, sondern zurück zum düsteren Rächer, der irgendwo zwischen Verbrechen und Gesetz steht. Aber ist „The Batman“ auch wirklich „THE Batman“?

Die Messlatte, die Christopher Nolan mit seiner Dark-Knight-Trilogie gelegt hat, ist hoch. Auch wenn der dritte Teil deutlich schwächer war als die ersten beiden, hat Nolan es geschafft, einen Realismus und eine Bodenständigkeit und Glaubwürdigkeit in den Mythos zu bringen. Zack Snyders Batman war mit seinem hohen Alter und in seiner Brachialität eher eine Liga für sich, um es mit Superwesen aufzunehmen.

Matt Reeves greift auf, was Nolan begonnen hat, und steigert es. Sein Gotham ist zutiefst korrupt. Auch nach zwei Jahren im Einsatz konnte Batman nichts dagegen ausrichten – es ist alles nur schlimmer geworden: Die Verbrechensrate steigt. Batman hat sich zwar seinen Ruf erarbeitet, aber bei der Polizei vertraut man ihm noch nicht, nur in James Gordon hat er einen Fürsprecher, auch wenn dieser sein Batsignal lieber nicht auf dem Polizeigebäude aufstellt.

An Halloween wird der Bürgermeister brutal ermordet, am Tatort bleibt eine rätselhafte Nachricht an Batman zurück. Der Riddler hat zugeschlagen. „No more lies“ ist sein Motto und er hat es auf die abgesehen, die in Gotham das Sagen haben. Es beginnt eine Schnitzeljagd, die Batman in Gothams Unterwelt führt, zum Pinguin und zu Selina Kyle, die beide für Kingpin Carmine Falcone arbeiten. Selina hilft ihm als (inoffizielle) Catwoman, die persönlich mit Falcone verbunden ist. Doch dann führt die Spur auch zur Familiengeschichte der Waynes …

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