Nach der Wiederkehr von Bane in Tom Kings Storyline „I Am Bane“ bringt DC eine zwölfteilige Mini-Serie über den Schurken heraus: Bane: Conquest soll sie heißen und am 3. Mai in den USA starten. Laut cbr.com sollen dafür die 90er-Jahre Veteranen Chuck Dixon und Graham Nolan verpflichtet worden sein, also jener Autor und Zeichner, die gemeinsam Bane geschaffen haben.
Dixon verspricht das „ultimative Bane-Abenteuer“, in dem der Muskelberg versucht, ein globales Verbrechensimperium aufzubauen und andere Städte als Gotham zu erobern. Mit dabei sein sollen Banes alte Weggefährten erster Stunde: Bird, Trogg and Zombie.
Bane ist der Schurke, der Batman in der Knightfall-Saga das Rückgrat bricht. Seinen ersten Auftritt hatte er in Vengeance of Bane, einer zweiteiligen Miniserie, deren erste Ausgabe 1993 erschien. Im Film wurde er (nach einer misslungenen Interpretation in Batman & Robin) in The Dark Knight Rises von Tom Hardy dargestellt.
Titel: The Murders of Clayface/Clayface Walks Again
Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane
Erschienen: 1940/1941 (Detective Comics #40, #49)
„Clayface, from now on your name is mud!“ (Batman)
Clayface ist einer der ersten von Batmans Erzfeinden. Er tauchte kurz nach dem Joker auf, noch früher als Pinguin, Two-Face und Riddler. Allerdings erschien er noch nicht in seiner Gestalt als formwandelnder Schlammberg. Zu Beginn ist Basil Karlo (eine Namenskreuzung aus Boris Karloff and Basil Rathbone) nur ein frustrierter Schauspieler, der seine Karriere hinter sich hat und nun Rache nehmen will. Der Frust ist nachvollziehbar: Man wird abgesägt – und dann dreht Hollywood ein Remake eines der eigenen Filme. Basil Karlo tritt in seinem alten Filmkostüm als Schurke Clayface auf: mit Fratzenmaske, breitem Hut und Gewand. Schon bald gibt es die erste Leiche am Set.
Die Story ist für uns nicht mehr so aufregend, weil wir bereits wissen – oder uns denken können -, wer der Mörder ist. Allerdings ist sie wie ein klassischer Whodunit aufgezogen, bei dem zunächst mehrere Verdächtige infrage kommen. Batman und Robin dürfen sich als Detektive behaupten. Bruce Wayne muss dabei seine eigene Freundin Julie Madison retten, die unter dem Namen „Portia Storme“ gerade ihre Karriere als Schauspielerin beginnt. Julie lässt übrigens keine Gelegenheit aus, Wayne vorzuschwärmen, wie sehr sie sich wünschte, dass er mehr wie Batman wäre.
Einige Ausgaben später (Detective Comics #49) kehrt Karlo zurück. Aber dieser Auftritt ist nicht mehr so elegant wie seine Premiere. Kaum hat er sich aus dem verunglückten Gefangenentransport befreit, zieht er stumpfsinnig wieder aufs Set, um seine Rache zu vollenden. Batman kommt sehr schnell auf seine Spur. Clayface tut sein Bestes, aber das ist ziemlich armselig: er wirft einen Feuerhaken nach Batman, dann eine Modelleisenbahn (!), schließlich lässt er einen Lkw auf Batman zurasen, allerdings ohne am Steuer zu sitzen und sich zu vergewissern, dass der Wagen sein Ziel trifft. Ein Feuer soll dann Robin dahinraffen … naja, klappt alles nicht.
Denn die Helden stellen sich viel geschickter an, auch was die Schauspielerei angeht. Denn am Ende schießt Clayface auf die falsche Person, weil Robin und Julie die Rollen getauscht haben. Gegen so viel Rafinesse kommt der von Rachsucht geblendete Karlo nicht an.
Eine schwache Vorstellung, durchaus ausbaufähig. Aber er wird sich noch entwickeln. Aber zunächst verschwindet Basil Karlo für lange Zeit in der Versenkung; erst 1969 taucht er wieder auf. In der Zwischenzeit (Detective Comics #298, 1961) nennt sich Matt Hagen Clayface – und ist damit der erste Schlammschurke, den wir heute kennen. Aber das ist eine andere Geschichte.
„The idea of Batman is powerful, but it’s pointed in the wrong direction.“ (Jacob Kane)
Nachdem Azrael von einem unbekannten Attentäter ins Koma gebracht wurde, vermutet Batman, dass es jemand auf den Rest der Bat-Familie abgesehen haben könnte. Also beginnt er, zusammen mit Batwoman den Nachwuchs für den Ernstfall zu trainieren: Spoiler, Orphan (Cassandra Cain) und Red Robin (Tim Drake, obwohl schon seit Jahren im Geschäft) – und sogar Clayface. Da offenbart sich der Gegner: the Colony, eine Armee von Batman-Kriegern, gesponsert von der US-Regierung, geleitet von Colonel Jacob Kane, dem Vater von Kate Kane (Batwoman). Er wiederum rüstet sich gegen die League of Shadows, die aber laut Batman nur eine Lüge von Ra’s al Ghul sein soll.
Mal wieder ist also alles anders als gedacht. Und wie immer, wenn ein Autor die Retcon bemüht (bekanntes Beispiel: Under the Hood), bleiben offene Fragen: Warum hat Jacob Kane seiner Tochter dazu verholfen, Batwoman zu werden, wenn er hinter ihrem Rücken eine Batman-Armee aufgebaut hat? Warum hat er sie nicht gleich eingeweiht? Und warum erledigt er Azrael, wenn er angeblich niemanden verletzen will? Und dann gibt es noch weitere Fragen: Warum trägt Red Robin ein neues Kostüm, das eher an sein altes erinnert und ihn weniger „red“ erscheinen lässt? Warum darf Clayface im Team Batman mitmachen? Zuletzt war er noch gemeingefährlich (siehe Graveyard Shift, Batman Eternal, Arkham Manor). Dass der Schurke zum Helden wird, ist zwar eine erfrischende Idee, aber die Motivationen dafür bleiben auf der Strecke – auch wenn die Sequenz, in der Clayface ein Kino aufsucht, um sich auf der Leinwand als Mensch wiederzusehen, sehr einfühlsam gelungen ist.
Überhaupt schafft es Autor James Tynion IV (Batman Eternal, Batman & Robin Eternal), den vielen Charakteren seiner Geschichte gerecht zu werden, allein Orphan bleibt auf der Strecke, aber sie hat ja ohnehin nicht viel zu sagen. Aber dafür gibt es ja die Action. Und davon nicht zu wenig. Die Zeichner Eddy Barrows und Alvaro Martinez inszenieren ihre Figuren filigran und die Posen spektakulär, wenn auch ohne große Experimentierfreude.
Der erste Detective Comics-Band nach Rebirth hat zwar kein Potenzial, ein Klassiker zu werden, aber er ist ein kurzweiliger Auftakt, der Spaß und Lust auf die Fortsetzung macht. Das Wichtigste aber: der Neustart hebt die Qualität der Traditions-Serie, die in den vergangenen Jahren sehr zu wünschen übrig ließ.
Regie/Drehbuch: Chris McKay/Seth Grahame-Smith u.a.
Erschienen: 2017 (Kinofilm)
„Life doesn’t give you seat belts!“ (Batman)
Als im Jahr 2014 The Lego Movie herauskam, war nicht viel davon zu halten: ein Kinofilm über Spielzeug? Warum sollte man für diesen anderthalbstündigen Werbeblock auch noch bezahlen? Doch dann war der Animationsfilm die Überraschung des Jahres: ideenreich und witzig. Und dass es um Lego ging, war sogar elegant gelöst.
Der beste Charakter der bunten Klötzchenwelt war der draufgängerische und liebenswert tollpatschige Batman. Folgerichtig hat er jetzt seinen eigenen Kinofilm bekommen. Und The Lego Batman Movie enttäuscht nicht. Im Gegenteil: er funktioniert hervorragend als Komödie für Kinder und Erwachsene, aber auch als Parodie und Hommage an die lange Batman-Tradition. Ein Fest für Fans, die ganzen Anspielungen auszumachen.
Warner Bros.
Der Film dekonstruiert aber auch den Mythos: Batman ist ein absurd hochgerüsteter Angeber, der sich für den Größten hält, unfehlbar, der aber nach Dienstschluss einsam in seinem überdimensionierten Anwesen herumhängt, Hummer verschlingt und Schnulzen („Beziehungsfilme“) im Heimkino anschaut. Diese relativ langen Szenen, die ruhigsten des Films, gehören zugleich zu den witzigsten. Wenn Batman sich auf der Mikrowelle vertippt oder den falschen HDMI-Kanal seines Fernsehers anwählt, wirkt sein dekadentes Leben plötzlich ganz vertraut.
Alfred ist mal wieder die Stimme der Vernunft: nachts Schurken verdreschen und sonst allein rumhängen kann nicht gesund sein. Doch Batman hat Bindungsängste. Er hat Angst, wieder eine Familie zu haben. Die bekommt er mit dem Waisenkind und Fanboy Dick Grayson, der zu Robin wird. Zugleich versucht der Joker mit einem teuflischen Plan, Batmans Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn der Held behauptet, der Joker sei für ihn nicht wichtig …
Atemlos geht die Handlung voran, überwältigend fallen die Actionszenen aus, die detailreichen Bilder überfordern zuweilen. Aber das Ganze ist so liebevoll gemacht und steckt voller Details und zündender Gags, dass man anderthalb Stunden lang bestens unterhalten wird. Damit macht der Lego-Film vieles wieder wett, was bei Batman v Superman verbockt wurde: der Film macht im Gegensatz zu Zack Snyders bierernstem Getöse einfach großen Spaß.
Nur zwei Punkte sind zu bemängeln: die Überfülle an Schurken, vor allem die aus anderen Film- bzw. Lego-Spielzeugwelten hätte es nicht gebraucht. Das ist der einzige Aspekt, der den Film dann doch in die Nähe von Werbung rückt. Und die deutsche Synchronstimme des Jokers (YouTube-Star Erik „Gronkh“ Range) überzeugt nicht. Da hat man sich wieder vom Promifaktor hinreißen lassen statt von Ausdruckskraft. (Im Original spricht Zach Galifianakis.) Das ist insofern schade, als dass der Charakter sonst ungewöhnlich menschlich dargestellt ist. Der Joker will eigentlich auch nur geliebt, bzw. von ganzem Herzen gehasst werden. Was er aber nicht erträgt, ist Gleichgültigkeit. Und darum geht es in dem Film eigentlich: alles buhlt um Aufmerksamkeit und Anerkennung. Man sollte sie dem Werk gönnen, er hat es verdient.
Ra’s al Ghul ist dem Ende nah: da Batman ihn von seinen Kurbädern in Lazarusgruben abhält, droht dem Erzfeind der baldige Tod. Er bietet dem Detective einen Deal an: wenn Batman ihm verrät, wo er eine Lazarusgrube findet, bekommt er einen Trank, dank dem er mit seinen toten Eltern sprechen kann. Doch da ist noch Nyssa, eine Tochter des Dämons, die ihren eigenen Plan verfolgt: Rache zu nehmen an dem, was ihr Vater ihr über Jahrhunderte angetan hat. Auch Talia wird Teil des Plans.
Anfangs habe ich mich etwas schwer damit getan, weil mich Klaus Jansons sperrige Zeichnungen abgeschreckt haben. Aber die Story hat mich dann doch sehr schnell eingenommen, dass das Buch zum regelrechten Pageturner wurde. Denn Death and the Maidens ist eine sehr persönliche Geschichte, die viel Wert legt auf innere Konflikte und Charaktere. Insofern gibt es hier kaum Batman zu sehen, im Vordergrund steht Bruce Wayne und sein Verhältnis zu seinen Eltern. Er muss sich die Frage stellen: Handelt er überhaupt in ihrem Sinne, wenn er sich als Batman verkleidet? Und spielt das überhaupt eine Rolle, ob er damit ihren Willen erfüllt?
Die Frage verliert sich gegen Ende, wenn es um den Familienkonflikt der al Ghuls geht. Aber der hat es in sich. Ra’s bekommt eine neue Tiefe: wir erfahren nämlich, dass er schon mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht hat, auch wenn er ihre Motive nicht teilte, hieß er dennoch ihren Genozid gut. Noch dramatischer wird es, dass er selbst seine Tochter Nyssa nicht vor dem Konzentrationslager bewahren wollte – alles „für das größere Wohl“, die Welt von allem Bösen, also den Menschen, zu befreien.
Die Story funktioniert auf mehreren Ebenen hervorragend. Und dann kann man auch darüber hinwegsehen, wenn die Zeichnungen nicht den persönlichen Geschmack treffen. Death and the Maidens ist einer der besten Batman-Comics des neuen Jahrtausends. Es wurde höchste Zeit, dass er wieder neu aufgelegt wurde – in einer gebundenen Deluxe-Edition.
Die Geschichte um Ra’s al Ghul und seine Familie wird fortgesetzt in:
„Wo bin ich bloß hier reingeraten?“ Batman zwischen Superman und Zatanna (Warner Bros.)
Titel: Justice League Dark
Drehbuch/Story: Ernie Altbacker, J.M. DeMatteis
Erschienen: 2017 (Direct-to-Video)
„The criminally insane don’t need magic as a excuse.“ (Batman)
Auf der ganzen Welt begehen Menschen Morde, weil sie glauben, von Dämonen verfolgt zu werden. Die Justice League sieht sich außerstande, etwas dagegen zu unternehmen, weil sie gegen Magie machtlos ist. Also zieht Batman los und bringt eine neue Band von Freaks zusammen, die sich mit diesem Zeug auskennen: Constantine, Zatanna, Deadman, Etrigan, Swamp Thing – kurz: die Justice League Dark.
Gruppenbild ohne Dame (Warner Bros.)
Der Rest der Story ist das Übliche mystische Herumgedöns. Kämpfe zwischen Zauberern und gehörnten Monstern, ein austauschbarer Endgegner. Aus irgendeinem Grund wirken solche Geschichten immer noch ein bisschen willkürlicher als normale Superheldenstorys. Ob jetzt der eine Zauberspruch wirkt und der andere nicht, welches Artifakt was kann – das ist eigentlich ziemlich beliebig. Aber trotzdem macht der Film Spaß: Die Action ist ziemlich rasant inszeniert, die Figuren dynamisch animiert und der Humor von Constantine und Deadman lockert das Ganze auf; die Pointen zünden meist, wenn auch zum Teil bloß auf Kalauer-Niveau. Und dann ist da noch Batman.
Steht meist verloren in der Gegend herum: Batman. (Warner Bros.)
Batman hat hier eigentlich nicht viel zu tun. Er ist ziemlich überflüssig. Hin und wieder wirft er mal ein paar explodierende Batarangs und schießt seinen Haken ab, aber sonst steht er nur verloren in der Gegend rum und grunzt, wenn ihm was nicht passt. Mit einem Wort: man merkt, er gehört nicht in die Justice League Dark, aber um diesen Film besser zu pushen, hat man ihn sozusagen als Testimonial eingesetzt. Und, na ja, der Dark Knight passt zumindest vom Namen her gut hinein – auch wenn er mit Magie (zum Glück) selten was am Hut hat. Denn: