Superman

Neue Animationsfilme und endlich ein Trailer

Am 15. Mai soll er endlich kommen: der langersehnte erste offizielle Trailer zu Batman v Superman: Dawn of Justice. Im vergangenen Jahr war das Privileg, einen ersten Teaser zu sehen, nur einer kleinen Schar auserwählter auf der Comic-Con San Diego vorbehalten. Jetzt sollen endlich alle Fans in den Genuss erster bewegter Bilder kommen, und zwar zum Kinostart des neuen Mad Max-Films. Bislang wurden wir bloß mit Promo-Bildern von Batman, Superman, Wonder Woman, Aquaman und Lex Luthor abgespeist. Aber so macht man heute eben Marketing: Kleckern statt Klotzen. Deshalb werden jetzt schon Trailer-Premieren angekündigt …

Außerdem wurde bekannt gegeben, dass ein neuer Batman-Animationsfilm geplant sei. In welchem Stil und worum soll es gehen? Die Besetzung sagt bereits alles: Adam West und Burt Ward. Zum 50-jährigen Jubiläum der trashigen Batman-TV-Serie der 60er soll der Film herauskommen. Vor kurzem erst ist die gesamte Serie auf DVD und Blu-ray erschienen, seit 2013 gibt es sogar eine Comic-Adaption namens Batman ’66, die es bisher auf 20 Ausgaben gebracht hat (weitere sind geplant). Die Hefte sollen gar nicht übel sein. Ob ein Zeichentrickfilm den Charme der Serie einfängt, ist zu bezweifeln. Nötig ist das jedenfalls nicht.

Bereits am 12. Mai erscheint in den USA der Direct-to-Video-Animationsfilm Batman Unlimited: Animal Instincts. In dem Streifen soll Batman unter anderem mit Flash und Green Arrow gegen Schurken kämpfen, die Tieren nahestehen: Pinguin, Killer Croc, Man-Bat, Cheetah etc. Besprechung folgt.

Zum Abschluss noch ein amüsantes Netzfilmchen: Was wäre, wenn Superman von den Waynes adoptiert worden wäre? Viel Spaß.

Es geht auch ohne Superman

Justice League: Another Nail

Titel: Justice League: Another Nail (dt. Noch ein Nagel)

Autor/Zeichner: Alan Davis

Erschienen: 2004 (Mini-Serie #1-3, dt. Panini 2004, DC Premium 34)


„I know that’s what you want … to die! To stop the pain.“ (Joker zu Batman)

Was wäre wenn … Superman bei Amish aufgewachsen wäre? Dann wäre er ein noch größerer Langweiler geworden: Introvertiert, wortkarg, wehmütig. Wie gut, dass es da noch den Rest der Justice League gibt. Und noch gefühlte 1000 weitere Superhelden, Superschurken, New Gods und Green Lanterns gibt. Die Fortsetzung von The Nail wird zwar dafür genutzt, einige offene Fragen des ersten Teils zu beantworten und Episoden wie den Krieg zwischen Apokolips New Genesis sowie die Beteiligung des Green Lantern Corps nachzutragen, dafür erstickt die eigentliche Story in einer Fülle von Figuren, Schauplätzen, Irrungen und Wirrungen. Kurzum: Das übliche Gewusel eines Mega-Crossovers.

Ein Jahr nach den Ereignissen von The Nail passieren wieder seltsame Dinge: Eine unbekannte Kraft saugt Energie von der Erde. Green Lantern ist betroffen, auch Superman. Die meiste Zeit sieht man die JLA wieder mal im Dunkeln tappen und irgendwelchen Energiesignaturen folgen. Das ist langweilig. Und dann sind da noch die vielen Szenenwechsel und Nebenhandlungen, die alles nur unnötig in die Länge ziehen. Wen interessieren zweit- bis drittklassige Helden wie die Doom Patrol, die Outsiders oder die Metal Men? Und dann sind da noch andere Expendables mit blöden Namen, bescheuerten Kostümen und handlungsbremsenden Funktionen, New Gods, Gestalten aus dem Multiversum, die üblichen Verdächtigen der Transzendenz wie Phanton Stranger, Spectre, Etrigan und Deadman, ja sogar der Joker kehrt als Höllendämon wieder. Der Oberschurke ist nichts als eine öde Riesenamöbe, die sinnlos durchs Weltall treibt und nur frisst, was ihr unterkommt. Fader geht’s nicht. Und am Ende ist es nicht Superman, der das Multiversum rettet, sondern ein plötzlich geläuterter Oliver Queen.

Hätte es dafür diese zähe Fortsetzung gebraucht? Nein. Für diese Story wäre weder ein Elseworlds-Label nötig gewesen noch die Anwesenheit von Superman. Das ist das Hauptproblem der Geschichte: Sie verliert ihren roten Faden. Wenn man zuerst ein Riesentheater um eine Welt ohne Superman veranstaltet und dann diese Welt bzw. Story auch ganz gut ohne auskommt, kann man das nur inkosequent nennen.

Mehr zum Thema:

Fast eine Welt ohne Superman

JLA: The Nail

Titel: JLA: The Nail (dt. Der Nagel)

Autor/Zeichner: Alan Davis

Erschienen: 1998 (Mini-Serie #1-3, Paperback 1999), dt. Dino 1999 (JLA Sonderband)


„So it was a kingdom was lost – – all for the want of a nail.“

Was wäre wenn … ein einziger Nagel verhindert hätte, dass Kal-El von den Kents gefunden wird?

Dann gäbe es eine Welt ohne Superman. Das wäre an sich noch kein Verlust, weil alle anderen Superhelden trotzdem entstanden wären. Aber sie hätten keine Galionsfigur, keinen Botschafter für ihre Sache, keinen Vermittler zwischen Metawesen und Menschen. Und so ist die Elseworld von The Nail eine fremdenfeindliche: Lex Luthor ist nicht nur Bürgermeister von Metropolis, er ist auch Anführer einer Hexenjagd gegen Superhelden, Aliens und andere Metawesen. Nach und nach werden sie gefangen genommen oder anderweitig ausgeschaltet. Die Justice League sieht dem Treiben ziemlich machtlos zu bis sie den Urheber des Komplotts entdecken …

Natürlich wäre die Story nichts ohne bekannte Gesichter der Superman-Familie: Lois Lane, Lana Lang, die Kents und vor allem Jimmy Olsen kommen wichtige Rollen zu. Und natürlich bedeutet dieses Szenario nicht, dass es keinen Kal-El und keine Rakete von Krypton gibt. So ist The Nail nur zunächst eine Welt ohne Superman. Im Grunde sehen wir seiner Entstehung mit einem großen Umweg über viele Katastrophen zu. Wir sehen auch eine der grausamsten Szenen, die Batman widerfährt: Der Joker ermordet brutal Robin und Batgirl und zwingt Batman zuzusehen, daraufhin wird der Dunkle Ritter zum Mörder und infolgedessen zu einem gebrochenen Mann.

Trotz des durchgängig ernsten Tones, der Armut an Humor und des schnellen Erzähltempos ist Alan Davis (Batman: Year Two, Full Circle) eine der besten Elseworlds-Stories gelungen. The Nail ist actionreich ohne zu unterfordern oder gar anzustrengen, die Grundidee ist gut durchdacht und bis zur letzten, noch so schlimmen Konsequenz ausgeführt, weil sie die Bedeutung Supermans für das DC Universum hervorhebt und vor nichts zurückschrecht – außer natürlich, den Lesern Superman ganz vorzuenthalten. Schließlich ist die Story auch für einige überraschende Wendung gut. Der Schurke ist der, von dem man es am wenigsten erwartet. Vor allem aber erweist sich Davis mit seinem dynamischen, geschmeidigen und klaren Zeichenstil als einer der talentiertesten Künstler. Er zeichnet Bilder, die sich einprägen – ebenso wie die Geschichte, die sie erzählen.

Mehr zum Thema:

JLA Earth 2: Auf der anderen Seite des Spiegels

DC Comics

Titel: JLA: Earth 2 (dt. JLA: Erde 2)

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Frank Quitely

Erschienen: 2000 (One-shot); dt. Dino 2000, Panini 2014


„No one tries too hard to make the world better. You can never shout too loudly in the name of freedom.“ (Batman)

Das Antimaterie-Universum ist eine Welt, in der stets das Böse triumphiert. Die Superwesen sind zumeist keine Helden, sondern Schurken. Es gibt Typen wie Ultraman, Owlman und Superwoman, die an Superman, Batman und Wonder Woman erinnern, aber sie bilden nicht die Justice League, sondern das Crime Syndicate. Von ihrer Mondstation aus beherrschen sie die Welt, die der Gewalt, dem Verbrechen und der Korruption anheim gefallen ist. In dieser Welt ist es Alexander Luthor, der in einer grün-violetten Rüstung allein gegen die Bösen antritt. Auf der Suche nach Verstärkung tritt er ins Materie-Universum ein und bittet die Justice League um Hilfe. Doch obwohl der Plan ausgeklügelt ist und zunächst funktioniert, hat der gute Luthor nicht damit gerechnet, dass er einen großen Haken übersehen hat …

Kurz und knackig erzählt Großmeister Grant Morrison eine Story über eine Parallelwelt, die ihre eigenen Grundgesetze hat. Das zeigt sich vor allem in Gotham: Dort herrscht Boss Gordon, während Comissioner Thomas Wayne versucht, das Übel einzudämmen und sein Sohn als Owl Man einen auf kostümierter Superverbrecher macht. Nachdem Gotham befreit ist, errichtet Wayne einen Polizeistaat. In einer Welt des Bösen wird das Böse immer triumphieren.

Die Geschichte hat zwei Schwächen: Abgesehen davon, dass sich die Justice League zu schnell auf das Abenteuer einlässt, ohne groß nachzufragen oder über ihre Taten zu reflektieren, nimmt sich Morrison zu wenig Zeit, um die Parallelwelt darzustellen. Stattdessen macht er es sich einfach, indem er ihre Verkommenheit nur behauptet und am drastischsten darin zeigt, dass ein Mann einen Hund tritt (der anschließend überfahren wird). Ansonsten ist Earth 2 ein netter, kurzweiliger Ausflug ins Was-wäre-wenn mit Rückfahrkarte.

Hinweis: Besonders empfehlenswert ist die Deluxe Edition (siehe Bild), in der auf vielen Extra-Seiten Frank Quitelys Skizzen und Grant Morrisons Skript dokumentiert werden.

Mehr zum Thema:

Helden aus der zweiten Reihe

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/Superman: Game Over (dt. Monguls Todesspiel/Erstkontakt)

Autor/Zeichner: Greg Pak, Paul Levitz/Brett Booth, Jae Lee

Erschienen: 2014 (Batman/Superman #5-9, Annual #1, World’s Finest #20-21) (dt. 2014, Batman/Superman #2-3)


„… eine plausible Geschichte macht die Action doch viel interessanter.“

Offenbar reicht es nicht, einfach nur eine Batman-Superman-Geschichte zu erzählen. Jedenfalls trauen die Jungs von DC ihren Charakteren nicht mehr zu, zu zweit eine Geschichte zu tragen. Oder es fehlt den Autoren einfach an Fantasie. Liest man den zweiten Band von Batman/Superman an, macht das leider den Eindruck. Geboten werden – je nach Standpunkt – zwei bis drei Geschichten. Und in jeder müssen sich mehr Helden tummeln, als der Story gut tut. Das heißt: Eigentlich müssen sie die dünne Story kompensieren.

In der ersten werden die Helden zu Spielfiguren in einem realitätsübergreifenden Computer-Game. Der gelbhäutige Sterneneroberer Mongul hat erkannt, dass in der Spielernatur des Menschen auch das Potenzial von Strategen und Gewalttätern lauert. Also macht er sich diese zunutze und missbraucht die Gamer dieser Welt, um Batman gegen Superman antreten zu lassen. Das geht natürlich nur, weil der von irgendwelchen Nano-Bots gesteuert wird. So sehen wir die meiste Zeit einen rotäugigen Batman Superman verkloppen. (Unterhaltsamer ist es da schon Injustice auf der Playstation zu zocken.) Nervig wird die Geschichte, weil ständig irgendwelche Spieletester umherschwirren und blöde Kommentare zum Geschehen abgehen. Unglaubwürdig wird die Geschichte, wenn Batman mal fremd gesteuert wird und mal Herr über sich ist.

Das Querformat ist die beste Idee

Dabei fängt der Quatsch eigentlich vielversprechend an: mit einem Wortgefecht zwischen Batman und Superman. Beide sind Freunde und Verbündete obwohl sie grundverschieden sind und einander nicht mögen. Superman ist ein Hitzkopf, der erst handelt bevor er überlegt, Batman der grübelnde Miesepeter. In diesem Aufeinandertreffen zweier Welten liegt das eigentliche Potenzial der World’s Finest-Stories, aber die Autoren sind so unkreativ, dass sie ihre Geschichten lieber mit Firlefanz aufblasen. Dass die erste im Querformat angelegt ist, ist schon die beste aller Ideen.

Hanebüchen geht es weiter im Annual, wo die Geschichte fortgesetzt wird. Monguls Sohn bittet Superman und Batman, an einem Wettkampf teilzunehmen – sonst wird die Erde vernichtet. Dafür müssen die Helden mit jeweils zwei Tributen antreten. Batman holt Red Hood und Batgirl, Superman bringt Supergirl, Steel und den Superhund Krypto mit (warum hat diese Farce von einem Haustier den Reboot überlebt?). Also gut, wieder wilde Klopperei, um die Welt zu retten. Dass Red Hood und Batgirl dabei eigentlich nichts verloren haben, weil sie im Kampf gegen die Aliens zermalmt werden müssten, sei dahingestellt. Am Ende müssen die Helden gegeneinander antreten, also sich gegenseitig umbringen. Kommt uns das bekannt vor? Ja, genau: Die Tribute von Panem. Eine billige Anbiederung an den Zeitgeist …

Zickenfaktor

Die zweite große Geschichte ist ein Crossover zwischen Batman und Superman sowie Huntress und Power Girl, die übrigens den World’s Finest-Titel für ihre eigene Serie beanspruchen. Da die beiden von einer Parallelwelt, Erde 2, stammen, gibt es mal wieder eine Cross-World-Story. Huntress ist Batmans Tochter, Power Girl (die Frau mit der Kraft von Doppel-D) ist zu Hause eigentlich Supergirl, sodass eine gewisse Verwandtschaft zu den A-Helden besteht. Dennoch ist es unnötig, dass Huntress Batman ständig „Nicht-Dad“ nennt und sich Power Girl ständig von ihrem Mentor emanzipieren muss. Ebenso dürftig sind die häufigen inneren Monologe, die selten etwas Substanzielles zur Handlung beizutragen haben.

Kurz: Die weiblichen Leser wird das ausgewogene Verhältnis zwischen Männern und Frauen freuen, aber Heldinnen aus der zweiten Reihe machen eine lahme Geschichte nicht reicher – außer vielleicht um einen Zickenfaktor. Auf den können Batman und Superman aber gut verzichten. Es wäre zu wünschen, dass das Dream Team auch mal wieder ein Problem alleine lösen darf.

Mehr zum Thema:

Die besten Helden zweier Welten

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/Superman: Cross World

Autor/Zeichner: Greg Pak/Jae Lee

Erschienen: 2013 (Batman/Superman #1-4, Paperback 2014)


„Ich will Verbrecher erschrecken. Aber diese Leute … halten mich für einen.“ (Batman)

Was kann es besseres geben als ein Aufeinandertreffen von Batman und Superman? Zwei Batmen und Supermen, haben sich die Leute von DC gedacht, als sie ihre World’s Finest-Serie für „The New 52“ rebootet haben. Also gibt es für die erste Story beide Helden im Doppelpack, eine Fusion von Erde 0 und Erde 2. Das ist verwirrend – und auch nicht unbedingt nötig. Verantwortlich für das Chaos ist Kayio, auch Trickster genannt, eine Frauengestalt mit übernatürlichen Kräften. Das Ganze läuft darauf hinaus, dass die besten Helden zweier Welten getestet werden sollen, um im Kampf gegen Darkseid zu bestehen. Alles dreht sich um einen wundersamen Kristall etc. – was auch immer.

Als würde das nicht reichen, schauen auch Wonder Woman und Catwoman vorbei, die jeweils auf Erde 2 was mit Superman bzw. Batman am laufen haben (was das angeht, ist Erde 2 also die bessere Welt). Die einzigen Momente, die der Aufmerksamkeit wert sind, sind Anfang und Ende, wenn jeweils die jungen Ausgaben von Clark und Bruce in zivil aufeinandertreffen. Den beiden noch eine Begegnung in der Kindheit anzudichten, hätte es nicht gebraucht – das wirkt arg konstruiert.

Interessant sind die Zeichnungen von Jae Lee, der einen sehr eigentümlichen, untypischen Stil hat, der an Gemälde erinnert. Was er leider nicht gut beherrscht, sind Gesichter. Sie erscheinen maskenhaft fade. Und so bleibt von Cross World auch ein schaler Nachgeschmack zurück. Wenn die Weltbesten zusammenkommen, kann man mehr daraus machen.

Mehr zum Thema:

Batman gegen Superman

Erste Bilder gibt es zwar, aber ein Teaser-Trailer zu Batman v Superman lässt noch auf sich warten. Einer war zwar auf der Comic Con zu sehen, aber bis auf ein paar verwackelte Aufnahmen aus einem Kinosaal wurde davon nichts auf YouTube veröffentlicht. Die Macher von „How It Should Have Ended“ (HISHE) haben sich ihre eigenen Gedanken gemacht, um die Lücke zu schließen. In einem Video sitzen Batman und Superman im „Super Café“ und diskutieren, wie der neue Film mit ihnen beiden heißen soll und wer wen im Kampf besiegen wird. In einem weiteren gibt es ein alternatives Ende des ersten Comic Con-Teasers.

Quer durch die Personalabteilung

DC Comics

DC Comics

Titel: Knight Terrors (Batman: The Dark Knight Vol. 1) (dt. Das Höllenserum)

Autor/Zeichner: David Finch/David Finch, Paul Jenkins

Erschienen: 2011/2012 (Batman: The Dark Knight #1-9)


„Du bist der Vater deiner Angst.“ (Batman)

Man darf sich ruhig fragen, wie sinnvoll es ist, eine neue Batman-Serie zu starten kurz bevor man alle Serien wieder von vorn beginnen lässt. So folgt nach Batman: The Dark Knight #5 wieder eine #1. Aber vergleicht man die beiden Stories, wirkt es so, als gäbe es keinen Unterschied bis auf das Logo auf Batmans Brust, das nicht mehr gelb leuchtet (wie blöd ist das denn?), sondern nur noch klassisch schwarz auf grau daherkommt. Erinnern wir uns: Zu Beginn von Golden Dawn war Killer Croc auf einem Venom-Verschnitt drauf. Spielte keine große Rolle, denn es ging eigentlich um Übersinnliches. Nach dem Neustart wird das Drogen-Thema wieder aufgegriffen, als hätte es nie ein Reboot gegeben macht Autor David Finch weiter, wo er aufgehört hat. Ein Unbekannter hat die Arkham-Insassen mit dem Gift vollgepumpt, daher ist in der Anstalt mal wieder die Hölle los, großer Aufstand etc.

Two-Face sieht aus wie Bane, furchtlos und kommt sich erleuchtet vor. „Furcht verhindert, dass wir wirklich leben“, sagt er, während er Batman vermöbelt. Und damit ist nicht nur das eigentliche Thema der Geschichte benannt, sondern auch einer der beiden Schurken, die für das Ganze verantwortlich sind: Scarecrow. Er analysiert Batman noch weiter als er es ohnehin mit sich selbst tut: „Dein Heldentum soll dich vor der Angst schützen“, sagt er. „Leben zu retten ist deine Sucht.“

Superman: Ein faschistoider Kontrollfreak

Die Story ist geradlinig und schlicht: Über sieben Ausgaben hinweg lassen die Autoren Batman einmal durch die Personalabteilung laufen: Neben Two-Face und Scarecrow treten Joker, Clayface, Poison Ivy und Bane auf, dazu eine leichtbekleidete Frau namens White Rabbit, die sicher nicht zufällig an ein Playboy-Bunny erinnert. Als wäre das nicht genug, schauen auch mal Flash, Wonder Woman und Superman vorbei, allerdings ohne für die Handlung von großem Nutzen zu sein. Flash ist gerade mal ein paar Panels lang dabei, da ist er schon vergiftet und muss wie blöde ein paar Mal um die Erde laufen, damit er das überlebt. Dann gibt es noch einen kurzen Kampf zwischen Batman und Superman – und jetzt dürfen die Leser mal raten, wer gewinnt. Immerhin darf Batman dem Stählernen mal die Meinung geigen: „Du bist ein in die US-Flagge gehüllter Außenseiter. Ein faschistoider Kontrollfreak.“

Zu den Stärken gehören die Sequenzen, die Gordon gewidmet sind. Der muss sich mit einem internen Ermittler rumschlagen, der ihm auf die Pelle rückt (übrigens auch ein Element aus Golden Dawn). Dass sich Batman in den Konflikt einmischt, macht es nicht besser. Gordon ist mal wieder der einsame Wolf, der seinen Frust im Schnaps ertränkt. Immerhin das hat Potenzial für weitere Konflikte – im Gegensatz zu dem bemühten Flirt zwischen Bruce Wayne und einer Frau namens Jaina Hudson …

Die Auflösung der Geschichte dürfte keinen vom Hocker hauen. Bleibt nur die Frage, was diese White Rabbit-Braut soll. Aber wenn man sie so sieht, in ihrem knappen Kostüm, das mehr zeigt, als es verbirgt, dann erübrigt sich die Frage. Hier geht es um reine Schauwerte. Leider überzeugen David Finchs Zeichnungen nicht durchgehend, besonders bei der Mimik versagen seine ansonsten soliden Fähigkeiten. Auch wenn der Auftakt der Serie eher durchschnittlich geraten ist und es an Phantasie vermissen lässt, liest sich The Dark Knight unterhaltsamer als Detective Comics.

>> Batman 2011-2019

Dark Knight 2: Krieg den Tyrannen

The Dark Knight Strikes Again

Titel: The Dark Knight Strikes Again (dt. Der Dunkle Ritter schlägt zurück)

Autor/Zeichner: Frank Miller

Erschienen: 2001-2002 (Mini-Serie #1-3)


 „It’s a whole new ballgame.“ (Batman)

„We blew it, Barry!“, sagt Bruce Wayne zu Flash. „We spent our whole careers looking in the wrong direction! I hunted down muggers and burglars while the real monsters took power unopposed!“ Die wahren Monster: Lex Luthor und Brainiac, sie beherrschen die Welt. Die USA – ein Polizeistaat, mit einem Präsidenten, der nur ein computergeneriertes Bild ist, geschaffen von Luthor. Gegen dieses System lehnt sich der alte Batman drei Jahre nach seinem Scheintod auf: „We aren’t here to rule. We aren’t here to bring chaos or anarchy. We’re here to end the reign of criminals.“

Das klingt revolutonär – und damit vielversprechend für eine Fortsetzung von The Dark Knight Returns, Frank Millers wegweisendem Meisterwerk von 1986. Zwar ist es auf bestimmte Weise revolutionär: Der Zeichen- und Erzählstil ist ein anderer, aber leider ein wenig überzeugender, ja enttäuschender. Zunächst ist es eine unpersönliche Geschichte: Der Titelheld spielt nur eine marginale Rolle, erst nach 86 Seiten tritt er in Aktion, um Superman zu vermöbeln, und auch danach ist er mehr der Anführer einer Superheldengruppe, der die Fäden im Hintergrund zieht. Die Hauptrolle spielt eigentlich Superman, der hadernde Sklave der Herrschenden. Zunächst hält er Batman für einen monomanischen, megalomanischen Soziopathen. Am Ende stellt er fest, dass es dieses skrupellose, radikale Vorgehen ist, das die Welt retten kann. Der grausamste Held mit der dunkelsten Seele wird zur letzten Hoffnung.

Grundweg unsypathisches Machwerk

So weit, so gut. Doch was sich sonst auf diesen 250 Seiten abspielt, ist oft alles andere als klar. Statt auf eine stringente Story und ausgefeilte Charaktere setzt Miller auf eine chaotische Erzählung ohne roten Faden, mit zu vielen Figuren und Nebenschauplätzen, zugespitzt in einer martialischen Botschaft. Lange genug hat Batman gewartet, die Welt zur Hölle fahren sehen, nun ist seine Geduld am Ende. Er versammelt die gefangenen Helden wie Atom und Flash, wir sehen Green Lantern wiederkehren, den Martian Manhunter sterben und auch Wonder Woman, Captain Marvel und Green Arrow tummeln sich auf den Seiten – ohne dass einer von ihnen in diesem Krieg Wesentliches zu tun oder zu sagen hätte. Zu allem Überfluss sieht man das unentwegte Geplapper von Figuren aus dem Fernsehen die Handlung – sofern vorhanden – kommentieren. Während es im ersten Teil noch eine narrative Funktion hatte, ist es hier nur nerviges Beiwerk, das sich aber stets in den Vordergrund drängt.

Nicht einmal optisch ist der Band ein Genuss: Miller rotzt kindisch-plumpe bis schlampige Zeichnungen hin, in denen er sich kaum die Mühe macht, Hintergründe zu zeichnen, wodurch sich die Handlung wie im luftleeren Raum abspielt und die Panels dadurch steril wirken. Die Farben sind entweder banal-flächig gehalten oder brechen in übertrieben psychedelischen Effekten aus. Ein weiterer Stilbruch zum ersten Teil: Die Figuren Superman und Batman, die im ersten Teil wie Riesen wirkten, sind nun schlanker geraten. Zur Begründung heißt es einmal, Batman habe „an Gewicht verloren“. Aber das ist nur das geringste Problem in diesem grundweg unsympathischen Machwerk.

The Dark Knight Strikes Again ist ein Haufen von Ideen, Szenen und Ansätzen ohne Sinn und Verstand. Stattdessen herrscht ein Rabiatismus vor: Batman hat die Schnauze voll und lässt seine Armee alles platt machen. Genauso verfährt auch Miller. Der einstige Meister hat mit The Dark Knight Returns vielleicht das beste Batman-Comic geschaffen, sein Nachfolger ist mit Abstand das missratenste.

>> Batman 2000-2011

Batman goes Dickens

batman-noel-textless1.jpg

DC Comics

Titel: Batman Noël

Autor/Zeichner: Lee Bermejo

Erschienen: 2011 (One-shot)


„Here lies a bat. He died boring predictable and nobody loved him.“

Der geizige Misanthrop, der nach dem Besuch dreier Geister an Heiligabend zu einem guten Menschen wird – diese Geschichte dürfte längst toterzählt sein. Auch Batman ist seinen drei Geistern bereits begegnet, allerdings an Halloween (in Haunted Knight). Doch Lee Bermejo, der sich bislang als Talent am Zeichentisch bewährt hat, meinte, in seinem Erstlingswerk als Autor trotzdem sich diesen alten Hut aufsetzen zu müssen. Und siehe da: das Weihnachtswunder ist ihm gelungen!

Wie schon sein Joker-Band ist auch Noel in einem einzigartigen Stil gestaltet: Realistisch, lebensnah, cineastisch. Gotham erstrahlt ausnahmsweise mal hell, ohne wie am Tag zu wirken, alles leuchtet in warmen Farben. Bermejo hat viel Mühe in Details gesteckt. Auch bewegt sich die Geschichte in einem eigenen, nicht-kanonischen Universum: Batmans Anzug wirkt wie eine selbstgenähte Rüstung, selbst das Batmobil sieht anders, aber durchaus schnittig aus, der Joker hat erneut ein Glasgow-Smile.

Ein Psychogramm des Helden

In so einem erfrischend anderem Setting kann Bermejo die altbackene Geschichte spielen lassen, ohne dass etwas davon angestaubt wirkt. Interessanterweise übernimmt nicht ein Schurke wie etwa der Pinguin die Rolle von Scrooge, sondern Batman. Er ist der hartherzige Fanatiker, der einen alleinerziehenden Vater, der sich als Bote für den Joker verdingt, zum Köder macht und dabei Vater und Sohn gefährdet. Batman ist aber auch einer, der sich selbst ausbeutet, weil er eigentlich mit seiner Husterei krank im Bett liegen sollte, statt auf Jokerjagd zu gehen. Der Vorteil von Noel ist, dass die Story keine Geister im eigentlichen Sinne auftreten lässt, sondern Batman drei bekannten Personen begegnet, die ihn zum Nachdenken bringen: Catwoman, Superman und Joker. Von Geistern spricht lediglich der Erzähler, es handelt sich also um eine Allegorie. Jedoch ist dieser Erzähler so skeptisch und distanziert zu seiner Geschichte, dass auch das darin liegende Pathos ironisch gebrochen wird.

In gewisser Weise kann man Noel auch als zweiten Teil oder Gegenstück zu Bermejos Joker lesen. Während letzteres ein Psychogramm des Schurken ist, ist ersteres eines des Helden. „I guess he’s a necessary evil“, sagt ein Polizist über Batman. Der Held erscheint in einem zweifelhaften Licht. Verständnis zeigt der Erzähler, für ihn ist Batman ein Opfer seines Kampfes geworden:

„He had pretty much resigned himself to the fact that life is a never-ending battle. The darkness of the world had forced him into the shadows, and the only way to combat the monsters was to become one himself. (…) Sometimes, when you work in the dirt, it gets tough after a while to clean yourself off. You get used to the filth. You even start to feel comfortable in it. Then you wake up one day and wonder why everyone else thinks you’re dirty.“

Zum Schluss kommt die Erkenntnis auf dem Friedhof: Lebendig begraben, von einer Schreckensvision geplagt, erkennt Scrooge-Batman, dass wenn er so weitermacht, er nur Schmerzen hinterlassen wird. Also rafft er sich auf und bringt die Dinge wieder in Ordnung.

Wie bei Charles Dickens ist auch Noel eine klassisch-humanistische Weihnachtsgeschichte mit der Prämisse, dass Menschen sich zum Guten ändern können. Daher gibt es auch das typisch romantische Ende, das man aus unzähligen amerikanischen Filmen kennt, wo alles zu Weihnachten nicht nur besser sondern am besten wird. Aber hier passt alles wunderbar zusammen: der Schrecken und die Erleichterung, die Gewalt und die Erlösung. Verblüffenderweise erzählt Lee Bermejo eine alte Geschichte wie zum ersten Mal.

>> Batman zu Weihnachten