Joker

Batman stiehlt Joker die Show

DC Comics

DC Comics

Titel: The Crimes of Batman

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1952 (World’s Finest Comics #61), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„Look! It’s Batman and some clowns! Ha-ha! This must be a special act!“

Batman, der Verbrecher! Gleich drei Schandtaten begeht er hintereinander: er betrügt, stiehlt, tötet sogar! Wirklich? Natürlich nicht. Aber so hätte es der Joker gerne. Nachdem der Joker einmal unfreiwillig Batman dazu verholfen hat, eine Gangsterbande hochzunehmen, will sich der Schurke rächen und den Helden richtig in die Scheiße reiten.

Es beginnt damit, dass der Joker mal wieder aus dem Knast entlassen wurde. Schon wieder? Nach so kurzer Zeit? Angesichts des rigiden US-Justizsystems ist das eine beachtliche Leistung, für einen unverbesserlichen Räuber ständig wieder auf freien Fuß gesetzt zu werden. Ganz zu schweigen von den Morden im Golden Age … aber die scheinen in den 50ern bereits vergessen zu sein.

Aber ich schweife ab. Der Joker nimmt Robin als Geisel und verlangt von Batman, drei Verbrechen zu begehen: Betrug, Diebstahl und Mord. Aber Batman wäre nicht Batman, wenn er für das Problem nicht eine ausgefuchste Lösung parat hätte. Nein, nicht was ihr denkt: Ja, heute würde Batman einfach über den Joker und seine Handlanger herfallen und ein paar gebrochene Knochen später wäre Robin wieder frei. Aber wir sind hier im Silver Age, da lässt sich Batman auf solche Spielchen ein.

Batman betrügt, indem er seinen Tod vortäuscht. Er stiehlt, indem er der Joker-Bande einen Coup vermiest – er stiehlt also dem Joker die Show. Und am Ende erweist Batman sich als mehrfacher Mörder: er schlägt Zeit tot, haut das Publikum um und schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe (im Original: „kill two birds with one stone“). Ihr seht: Batman lässt keinen, aber wirklich keinen Kalauer aus, um seinen Witz auszureizen.

Aber auch sonst ist unser Held in Topform: Zuerst schaltet Batman die Bande spielend mit Golfschläger und Football aus, dann führt er mit dem Joker Trapez-Kunststücke im Zirkus auf und schließlich verkleidet er sich sogar als Joker im Clownskostüm. Leider hat Zeichner Bob Kane letztere Szene zu bescheiden inszeniert. Aber sonst ist die Story ein mustergültiges Comic seiner Zeit: herrlich fantasievoll und schräg.

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Prassen mit Blüten

DC Comics

DC Comics

Titel: The Joker’s Millions

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Dick Sprang

Erschienen: 1952 (Detective Comics #180), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„Ah, how the mighty have fallen!“ (Joker)

Auf einen Schlag wird der Joker reich – und das ganz legal. Bei der Testamentseröffnung des Gangsters Barlowe bekommt der Joker dessen Vermögen vererbt. Der Clown ist überrascht, weil Barlowe ihn einst gehasst hat. Aber die Freude über den unverhofften Reichtum überwiegt die Skepsis, also prasst der Joker drauflos. Seine größte Freude dabei: er muss nicht mehr rauben, um an Geld zu kommen.

Wer die letzte Episode unserer Joker-Reihe gelesen hat, wird sich wundern: In den 40ern hatte der Joker bereits einen riesigen Geldspeicher, gefüllt mit Geld und Juwelen, und er raubte nur zum Spaß. Hier fängt er offenbar wieder von vorn an, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde.

Der Joker ist also wieder sorglos. Aber zu früh gefreut: bald erkennt er, dass das meiste Geld und die meisten Juwelen gefälscht sind – Barlowe hat ihn reingelegt! Als dann auch noch das Finanzamt vorbeikommt und die Erbschaftssteuer kassieren will (zwei Mio), steckt der Clown Prince of Crime in einer Zwickmühle: Auch wenn er Batman nicht fürchtet, mit dem Finanzamt legt man sich besser nicht an. Aber den Irrtum zugeben will er auch nicht, da er sich nicht zum Gespött der Unterwelt machen will. Also begeht der Joker Verbrechen, allerdings möglichst unauffällige, die sich nicht mit ihm in Verbindung bringen lassen. Das nützt nix, denn wie der Zufall es will, erkennt Batman doch immer wieder die Handschrift des Jokers.

Der Joker leidet: einerseits kann er bei seinen Aktionen nicht den Künstler spielen, andererseits ist er dazu genötigt, auch wenn Batman die Masche durchschaut. Das Katz- und Maus-Spiel gipfelt im Zoo: der Joker sperrt Batman in einem Fledermauskäfig ein – zusammen mit Affen, die wie der Joker geschminkt sind. Aber Batman bleibt auch hier Herr der Lage.

Joker’s Millions wurde 1998 verfilmt. In der dritten Staffel der Animated Series (The New Batman Adventures, Episode 7) ist der Plot im Wesentlichen gleich, allerdings wird Joker unterstützt von Harley Quinn und dem Pinguin, während Batman mit Batgirl (statt Robin) zusammenarbeitet.

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Alles muss man selber machen

Eingeschlafen vor Langeweile. (Warner Bros.)

Batman und Robin: Eingeschlafen vor Langeweile. (Warner Bros.)

Titel: Batman – Return of the Caped Crusaders

Drehbuch: Michael Jelenic, James Tucker

Erschienen: 2016 (Direct-to-Video)


„It is imperative we follow the rules.“ (Batman)

Adam West lebt. Noch. Mit 88 ist er zwar zu alt, um wieder ins Batman-Kostüm zu steigen, aber dafür gibt es jetzt einen Zeichentrickfilm mit ihm, da reicht seine Stimme. Allerdings ist sie schon sehr brüchig; man hört, dass Batman nicht mehr der Jüngste ist. Und das ist nicht das einzige Problem mit Batman – Return of the Caped Crusaders.

Warum gibt es diesen Film, der auf der Fernsehserie aus den 60ern basiert? Ganz unvermittelt kommt er nicht. DC hat bereits im Jahr 2013 eine Comicserie mit dem Titel Batman ’66 gestartet, die es mittlerweile auf 30 Ausgaben sowie drei Mini-Serien gebracht hat. Der Film ist die animierte Variante davon. Und auf den ersten Blick scheint alles da zu sein: der knallbunte Look, die absurden Situationen, die flachen Kalauer („There’s a bat moon on the rise“), die bemühten Alliterationen („the plan of planetary proliferation was prevented“). Was fehlt, ist aber der trashige Charme, der die Serie und den Film der 60er ausgemacht hat. Es macht einen großen Unterschied, ob man die Schauspieler in billigen Kostümen und Kulissen in einer Parodie herumhampeln sieht, oder nur gezeichnete Versionen davon. Der Animationsfilm wirkt zu sauber, zu glatt, zu steril – und vor allem ist er steif und fade. Der Animation fehlt die Seele. Das Gefühl hatte man schon bei The Killing Joke.

Warner Bros.

Warner Bros.

So schaut man gelangweilt diesem albernen Nostalgie-Trip eine Weile zu und fragt sich warum, wenn man all das schon gesehen hat. Okay, Adam West war bis dato noch nie im Weltall gewesen. Die Sache mit der Batrakete ist neu – und dann auch noch eine Raumstation, die aussieht wie der Kreml, ganz nett. Und ich gebe zu, dass mir auch die Szene gefallen hat, als die beiden schwerelos an der Wand der Raumstation entlanglaufen – und es ohne Seil so viel leichter geht und Batman wieder moralisiert „there are consequences doing things the easy way“. Ein kleines Schmunzeln.

Dann nimmt die Handlung sogar eine interessante Wendung: Batman wird (dank eines Wundermittels von Catwoman) langsam böse. Er benutzt einen gezackten Schlagring, er sagt so einen Killer-Satz wie „this is an operation table and I am the surgeon“ (ein Zitat aus The Dark Knight Returns) und wenn Gordon mit ihm spricht, verschwindet er plötzlich im Nichts, was in der heilen Welt der 60er noch gar nicht typisch für den sonst höflichen Batman ist. Der Caped Crusader wird zum Dark Knight – ja mehr noch, er übernimmt die Stadt. Dank eines Reproduktionsstrahls vermehrt er sich selbst, ersetzt die Polizei, die Justiz und den Bürgermeister, sogar andere Jobs. Batman weiß: Wenn du willst, dass es richtig läuft, muss man es selbst machen. Und der moderne Batman macht am liebsten alles selbst.

Dieses Spiel mit Anachronismen, die die Autoren in den Film reinbringen, macht ihn dann doch guckbar. Es bleibt ein kindischer Film und kein besonders sehenswerter, aber wer ein Fan der Vorlage ist, könnte auch hier seinen Spaß haben. Dann lohnt sich sogar der Abspann, denn da sieht man Batman eine ausführliche Version des Batusi tanzen.

P.S.: Für 2017 ist bereits eine Fortsetzung angekündigt, mit William Shatner als Two-Face. Das Besondere daran: Two-Face kam nie in der Serie vor.

Warum Robin nicht aufs College will

DC Comics

DC Comics

Titel: Rackety-Rax Racket!

Autor/Zeichner: Don Cameron/Dick Sprang

Erschienen: 1945 (Batman #32), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„One thing I’d enjoy more than killing the Batman – and that’s to make you both look ridiculous!“ (Joker)

Es gibt wahrscheinlich nichts Bescheuerteres als Initiationsriten bei Studentenverbindungen. Aber keine Masche ist zu bescheuert für den Clown Prince of Crime: Der Joker beschließt, seinen nächsten Juewelenraub als studentischen Jux zu tarnen. Doch als er von Batman (der wie immer zufällig danebensteht) erwischt wird, haut der Joker ihm einen Stuhl über den Kopf und entführt ihn.

Um Batman zu retten, muss Robin drei Aufgaben erfüllen, die ihn der Lächerlichkeit preisgeben: Schuhe putzen, Pelze im Sommer verkaufen, eine Puppe im Spielzeugladen kaufen. Für den Joker ist das nicht nur Spaß: es sind Maschen, mit denen er Raube begehen kann. Robin wird unfreiwillig zu seinem Handlanger. Dabei geht am Ende das Spielzeuggeschäft in Flammen auf, Kinder kommen in Gefahr – und der Joker erscheint als falscher Feuerwehrmann … Lange Rede, kurzer Sinn: Batman befreit sich selbst und revanchiert sich beim Joker mit roher Gewalt.

Der Joker hat sich gewandelt: Aus dem ruchlosen Killer ist ein harmloser Spaßmacher geworden, der es bloß auf Juwelen abgesehen hat. Nicht, dass er sie nötig hätte: Am Anfang sehen wir, dass der Joker in einem Haus mit einem riesigen Tresorraum lebt, der – wie bei Dagobert Duck – mit Geld, Gold und Juwelen gefüllt ist. Der Diebstahl ist für ihn bloß ein Hobby. Allerdings eines, das er mit Freiheitsentzug teuer bezahlt.

Ach so: Warum Robin nicht aufs College will? Das erklärt sich nach diesem Abenteuer wohl von selbst …

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Zwei komische Vögel

DC Comics

DC Comics

Titel: Knights of Knavery

Autor/Zeichner: Don Cameron/Jack Burnley

Erschienen: 1944 (Batman #25), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„This town isn’t big enough for both of us to operate in!“ (Joker)

Nach einem gescheiterten Juwelendiebstahl wird der Pinguin mal wieder eingebuchtet. Doch diesmal wird er zusammen mit dem Joker in eine Zelle gesteckt. Die beiden stellen fest, dass die Stadt nicht groß genug für sie ist – deshalb vereinbaren sie einen Wettbewerb: Wer einen bestimmten Smaragd stiehlt, darf bleiben. Es braucht nicht mehr als einen Besen, um ausbrechen zu können (es waren so simple Zeiten) und schon schreiten sie zur Tat.

Nur ein Blick in die Zeitung und Batman ahnt sofort, wo die beiden als nächstes zuschlagen werden. Zusammen mit Robin versteckt er sich in zwei riesigen Vasen und wartet auf die Schurken. Denn wenn wir etwas von Batman gelernt haben dann das: ein Überraschungseffekt ist nicht zu unterschätzen. Pinguin und Joker treffen ein, kommen sich in die Quere und können nur knapp dem Dynamischen Duo entkommen.

Joker und Pinguin machen gemeinsame Sache

Man beschließt, fortan gemeinsame Sache zu machen. Versuch zwei sieht so aus: Der Pinguin schnappt sich eine Tasche voll Geld und entfliegt mit einem Bündel Ballons. Als Batman und Robin ihn zufällig am Fenster vorbeischweben sehen, hängen sie sich dran und landen beim Joker. Der wiederum ist so fürsorglich und spannt ein Netz für die drei auf, bevor er sie vom Himmel schießt.

Ohne erfindlichen Grund lassen Batman und Robin sich gefangen nehmen. Im Geheimversteck der Gauner prangt bereits ein Wappen mit einem eigens designten Joker-Pinguin-Logo. Da die Helden ohnehin um ihr Leben bangen, lassen sie sich zwei kleine Vasen vom Kopf schießen (schon wieder Vasen!). Aber dahinter steckt ein ausgeklügelter Plan: denn mit den Scherben können sie ihre Fesseln durchschneiden. Zum Schluss, als sie sich auf Pinguin und Joker stürzen, überkommt sie der Dichterdrang: sie fangen an, in Reimen zu sprechen:

„I’m free! But you won’t be!“, sagt Robin zum Pinguin. „My bonds are loose! Here’s where I cook your goose!“, ruft Batman zum Joker. „I hate to upset you, but I promised to get you!“ Und weil Robin dann kein vierter Reim mehr einfällt, haut er diesen Spruch raus: „I’m starting a victory garden … do you mind if I plant my fist?“ Ja, so sind sie, unsere Helden: schlagfertig in jeder Beziehung.

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Joker auf Eis

DC Comics

DC Comics

Titel: The Joker Walks the Last Mile!

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1942 (Detective Comics #64), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„The Joker shall die so that he may live again!“

Der Joker leidet. Den ganzen Tag über muss er sich mit seinen Handlangern verstecken. Ein normales Leben in der Außenwelt ist nicht möglich, wegen seiner auffälligen Erscheinung kann der Clown nur verkleidet raus. Doch da heckt der Joker mal wieder einen genialen Plan aus: er stellt sich der Polizei, er gesteht alle Verbrechen vor Gericht und lässt sich zum Tode verurteilen. Ein paar Stromstöße auf dem Stuhl später liegt der Joker im Leichenschauhaus. Seine Handlanger holen die Leiche raus, beleben sie wieder und der Joker ist frei und kann in Ruhe shoppen gehen.

Als Batman den Erzschelm auf der Straße sieht, ist er entsetzt und schleppt ihn wieder vor Gericht. Aber da bekommt er eine Grundlektion Jura verpasst: zweimal wegen derselben Verbrechen verurteilen geht nicht. Der Joker hat seine Strafe bekommen, jetzt darf er wieder bei Null anfangen.

Aber ein neues Leben führt der Joker deshalb nicht. Seine Handlanger übernehmen die Überfälle für ihn, er stellt sich dabei als Raubopfer dar. Batman und Robin dürfen ein paar Kunststückchen auf dem Eis durchführen (nachdem sie sich schnell umgezogen und sich Schlittschuhe besorgt haben) und am Ende landet der Joker – schon wieder – im Meer, bevor er sich erneut in seinem Versteck wiederfindet.

Bemerkenswert: In dieser Story wird der Krieg sichtbar. Zum einen ist ein Schild zu sehen, auf dem für Kriegsanleihen geworben wird. Zum anderen stiehlt der Joker einen Jeep der Armee, schlägt einen Soldaten und sagt: „You idiot, I’m the Joker! More important than your whole silly army!“ Einen größeren Schurken kann man sich nicht vorstellen, der in so schwierigen Zeiten ein solches Sakrileg begeht und damit den Zusammenhalt der Nation gefährdet.

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Blüten des Zorns

DC Comics

DC Comics

Titel: Bloom (Batman Vol. 9)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Yanick Paquette

Erschienen: 2016 (Batman #46-50, Detective Comics #27; Hardcover 2016), dt. Panini 2016 (Batman #50-52)


„For Batman to live, Bruce Wayne always has to die!“ (Bruce Wayne)

Was bisher geschah: Nach einem Kampf mit dem Joker (Endgame/Todesspiel) ist Batman tot – aber Bruce Wayne lebt. Batman ist aus Bruces Gedächtnis gelöscht. Bruce arbeitet in einem Jugendzentrum und hat eine Freundin. James Gordon übernimmt die Batman-Rolle, indem er in einen Panzeranzug steigt. Seine Herausforderung: Ein neuer Schurke namens Mr. Bloom, der Gaunern Superkräfte verleiht und sie daraufhin tötet (siehe Superheavy/Superschwer).

Was hier geschieht: Bloom startet seine Offensive gegen Gotham. Gordon gerät als Batman an seine Grenzen. Bruce Wayne wird bewusst, dass er Batman war – und als die Stadt in größter Not ist, unterzieht sich Bruce einer qualvollen wie gefährlichen Prozedur, um sich wieder geistig zu Batman zu machen. Unterstützt wird er dabei von Duke Thomas, einem Jungen, den er schon aus dem Zero Year/Jahr Null kennt, und der hier zu Robin wird.

Höhepunkt: Ein Treffen zwischen Bruce Wayne und dem Joker auf einer Parkbank. Das heißt: Die Szene lässt offen, ob es sich wirklich um den Joker handelt, der wie Batman körperlich erneuert und geistig auf Null zurückversetzt wurde, aber es spricht vieles dafür. Der Unbekannte will sich selbst erschießen, dann verschwindet er im Nichts. Hier wird klar, dass Scott Snyder mit seinem Dionesium, das wie eine Lazarus-Grube wirkt, einen Weg gefunden hat, nach dem ultimativen Endkampf, einen Neuanfang für Batman und Joker zu finden. Beide waren tot, beide entstehen wieder neu. (Der Joker sogar in drei Gestalten?)

Zweiter Höhepunkt: Eine andere starke Sequenz ist ein wilder Trip durch eine Reihe von Elseworlds-Szenarien, als Batman wieder zu sich kommt.

Was gefällt: Dass Scott Snyder und Greg Capullo erzählen können, haben sie schon oft bewiesen. Auch Bloom ist ein Comic auf höchstem Niveau. Sensibel werden Charaktere ausgebaut, Konflikte vertieft und auch für ein wenig Humor ist Platz. Capullo zeichnet ein paar herausragende Seiten mit tollen Inszenierungen, unterstützt wird er dabei zum Teil von Yanick Paquette, dessen Figuren dagegen leider zu steif wirken.

Was nicht gefällt: Im dritten Akt verliert sich die Story zu sehr im Radau des Endkampfes. Wieder wird die halbe Stadt zerstört, wieder dreht halb Gotham durch, wieder müssen Schurken und Roboter riesengroß werden und alles in einem großen Knall enden lassen. Das ermüdet. Es wäre mal wieder an der Zeit, eine Batman-Story zu erzählen, ohne dass dabei fast die Welt untergeht. Gegen Ende wird Snyder auch etwas geschwätzig, wenn er Gordon über Batman schwadronieren lässt. (Und sich dabei für seinen Gordon-Batman-Plot rechtfertigt.) Und dass Batman noch die Nerven hat, sich im Notfall noch ein neues Kostüm zu designen – das hätte man sich auch sparen können. (Warum muss sich ständig das Kostüm ändern? Warum ist die Fledermaus gelb umrandet?)

Bonus: DC hat in den Sammelband noch eine Story aus Detective Comics #27 dazugepackt. Eigentlich unnötig, weil sie schon in Detective Comics Vol. 5: Gothtopia veröffentlicht wurde. Aber sie gehört thematisch zur Story, weil hier Bruce Waynes Batman-Maschine erstmals eingeführt wird. Der Rest des Bandes ist gefüllt mit einer Reihe „Batman v Superman“-Variant-Cover, darunter auch einige Perlen.

Bilanz: Es ist seltsam: Obwohl ich die Snyder-Capullo-Storys am meisten mag, gehe ich mit ihnen sehr kritisch um. Keine Frage: sie sind (innerhalb von The New 52) das Beste der vergangenen fünf Jahre. Wer’s mag, wird auch das hier mögen. Vielleicht sind die Geschichten aber so gut, dass ich deswegen umso enttäuschter bin, dass sie nicht perfekt sind.

>> Batman 2011-2019


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Kartenspiel mit Joker

DC Comics

DC Comics

Titel: The Riddle of the Missing Card

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Batman #5), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„All life is a gamble.“ (Batman)

Der Joker kehrt mal wieder von den Totgeglaubten zurück. Rastlos, wie er nun mal ist, stürzt er sich sofort ins nächste Verbrechen: Drei Gauner holen ihn buchstäblich ins Boot, um ihr nächstes Ding zu planen. Da kommt dem Criminal Mastermind auch schon gleich eine Idee: Als ihm auffällt, dass die Namen der Komplizen sich auf Spielkarten übertragen lassen (wie auch seiner), will er einen Haufen Bonzen am Kartentisch abziehen – und dabei herausbekommen, welche Juwelen sie zu Hause bunkern, um auch die zu stehlen.

Als Batman den Schurken auf die Schliche kommt, nimmt der Joker Robin gefangen und lockt Batman in eine Falle: dort muss Batman gegen die Bande an einem Kartenspiel teilnehmen, um Robins Leben zu retten. Das Spiel dauert nicht lange, der Joker gewinnt – mit einer Joker-Karte. Aber das ist Batman egal: er wirft dem Joker die Karten ins Gesicht, wirft den Tisch um und befreit Robin. Fragt sich nur, warum er sich überhaupt auf das Spiel eingelassen hat. Klar: sonst gäbe es diese absurde Szene nicht. Aber Batman erklärt es damit, dass das Leben ohnehin ein Glücksspiel sei. No risk, no fun.

Interessant ist dabei ein Nebenaspekt: eine Frau, die zu den Gaunern gehört, deckt Batmans Geheimidentität auf. Sie erkennt ihn an einer Schnittwunde am Kinn von Batman. (Da zeigt sich, wie gefährlich so eine Maske sein kann, die nur das halbe Gesicht verdeckt.) Aber statt ihn zu verpfeifen, weckt gerade diese Erkenntnis ihre Sympathie und sie hilft Batman. Dass dabei plötzlich aus dem Nichts Waffen auftauchen und wieder spurlos verschwinden, ist eine dieser vermeintlichen Macken, die den Geschichten aus dem Golden Age ihren trashigen Charme verleihen.

Übrigens endet die Sache nach einer wilden Verfolgungsjagd wieder damit, dass der Joker im Wasser landet – und offen bleibt, ob er überlebt hat … Diese Cliffhanger-Masche war schon damals ein alter Hut – aber als Tradition des Genres wird sie bis heute gepflegt (z.B. in Death of the Family).

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Batman Junior gegen den Joker

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 3 – Death of the Family (dt. Der Tod der Familie)

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Patrick Gleason, Ardian Syaf

Erschienen: 2013 (Batman and Robin Annual #1, Batman and Robin #15-17, Batman #17), dt. Panini 2013 (Sonderband)


„I’m here to bring illumination to your life — a little clarity.“ (Joker)

Damian Wayne schickt seinen Vater auf eine Schnitzeljagd durch Europa: London, Barcelona, Athen – Bruce begibt sich auf eine sentimentale Reise auf den Spuren seiner Eltern. Doch für Damian ist das bloß ein Vorwand, um einmal allein auf Gothams Straßen zu patroullieren, – nicht als Robin, sondern in einem selbstgemachten Batman-Kostüm. Als Batman Junior wird er zwar nicht ernst genommen, dafür belehrt er seine Feinde umso schneller eines Besseren. Ganz putzig, der Kleine in seiner (zugegeben sinnlosen) Combo aus Cape und Trenchcoat.

Das ist aber nur das nette Vorgeplänkel dieses Bandes, bevor es richtig zur Sache geht: in den beiden Tie-ins zu der Batman-Storyline Death of the Family (Tod der Familie) erfahren wir, wie der Joker Robin in eine Falle führt und ihn gegen einen falsch grinsenden Batman kämpfen lässt. Ziel des Spiels: einer soll den anderen töten. Damit will der Joker zeigen, dass die größte Angst von Batman und Robin darin besteht, verantwortlich für den Tod des jeweils anderen zu sein. Außerdem führt der Narr mit seinem faulenden Gesicht vor, wie absurd das Konzept des Dynamischen Duos ist …

Dieser Teil ist (wie die Hauptstoryline) drastisch bis hin zu widerwärtig, aber so stark inszeniert, dass man dennoch den Blick nicht abwenden kann. Aber weil diese paar Ausgaben zu wenig sind, um ein Paperback zu füllen (und den Preis zu rechtfertigen), hat DC überflüssigerweise noch das Finale, Batman #17, dazugepackt. Für Sammler der Hauptserie ist diese Dopppelung ärgerlich. Am Ende kommt noch eine Einzelepisode, in der wir alle bisherigen Abenteuer, Sehnsüchte, Sorgen und Ängste in einem Alptraum vorgeführt bekommen.

Dank der tollen Zeichnungen von Patrick Gleason und Ardian Syaf ist das auch alles in Ordnung. Aber Ende hat man das Gefühl, dass die Serie ihren Fokus verliert, nicht wirklich etwas Neues zu erzählen hat und eigentlich nur Zeit bis zu Robins anstehendem Tod überbrückt. Die Serie ist voller Andeutungen gewesen, in Batman Incorporated wird es so weit sein. Davon später mehr.

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Wie Batman den Joker schuf

DC Comics

DC Comics

Titel: Lovers and Madmen (dt. Joker)

Autor/Zeichner: Michael Green/Denys Cowan

Erschienen: 2007-2008 (Batman Confidential #7-12), Paperback 2008, dt. Panini 2008 (Batman Sonderband #16)


„Crime is like anything else, it follows an ordered structure.“ (Bruce Wayne)

„He’s not a criminal. This isn’t crime. This is evil.“ (Jonathan Crane)

„He looks … ridiculous.“ (Jack)

Batman ist am Ende seines ersten Jahres, er hat gerade einen Drogenring zerschlagen und sich einen Namen gemacht. Da taucht plötzlich Jack auf, ein schlanker Mann im braunen Anzug. Jack ist ein Naturtalent im Einbrechen und Morden. Er hat keine Lust mehr darauf, ihm fehlt die Lebensenergie, er will aufhören. Doch als Batman erscheint, fängt Jack an zu lachen und findet seine neue Herausforderung: Batman mit willkürlichen Verbrechen zu beschäftigen. Batman wiederum stößt an die Grenzen seiner Fähigkeiten. Er erkennt, dass seine Vorbereitung vergebens war. Das ist eine neue Sorte von Schurke, unberechenbar und skrupellos. Dagegen gibt es kein Mittel.

Dauergrinsen dank Batarangs. (DC Comics)

20 Jahre lang galt The Killing Joke als Origin des Jokers, in Lovers and Madmen bekommt die Geschichte ein Update: Hier läuft alles anders. Wir erfahren nicht nur den Vornamen des bisher anonymen Jokers, sondern auch eine neue Version seiner Entstehung. Die erste Inspiration dazu hat er zunächst Harleen Quinzel zu verdanken, die hier noch Medizinstudentin ist und sich ihr Studium als Bardame finanziert. (Später wird sie zu Jokers Sidekick Harley Quinn.)

Das obligatorische Chemiebad. (DC Comics)

Wesentlich aber ist, dass Batman Jack später mit zwei Batarangs Schnittwunden am Gesicht zufügt, die ihm sein falsches Grinsen bescheren (Glasgow-Smile). Dann taucht Jack in sein grünes Chemiebad, nachdem Batman ein paar Gangster beauftragt hat, ihn auszuschalten. Und fertig ist der Joker – geschaffen von Batman. So wurde das noch nie gezeigt. Und auch wenn die Geschichte sich mit dem Kanon beißt, ist sie doch so einnehmend, dass sie die Lektüre lohnt – auch wenn der unruhige Zeichenstil gewöhnungsbedürftig ist: er erfüllt seinen Zweck, eine Geschichte des Irrsinns zu erzählen.

Total fertig: der Joker. (DC Comics)

Interessant ist die Nebenhandlung, die einen bereits bekannten Aspekt herausarbeitet: Bruce Wayne bandelt mal wieder mit einer Frau an – und wie üblich tritt sie in Konkurrenz zum Joker. Jack ersticht sie, sie wird lebensgefährlich verletzt. Sie überlebt zwar, aber die Beziehung mit Bruce zerbricht. Kein Wunder: Batman hat seinen wahren „Partner“ bereits gefunden.

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