Commissioner James Gordon sitzt bei seiner Tochter Barbara (Batgirl) auf dem Sofa und schneidet Zeitungsartikel aus, der von dem jüngsten Ausbruch des Jokers handelt. Vicki Vale hat den Artikel geschrieben. Batman wolle keinen Kommentar abgeben, heißt es, auf einem Foto hält er die Hand vor die Kamera, damit er nicht abgelichtet wird – damit weist er bereits voraus auf den Fotografen, der gleich ins Leben der Gordons eindringt.
Batman
The Killing Joke: Seiten 10-11 – Batman in der Batcave
Zwei Seiten zeigen Batman in der Bathöhle. Zunächst fällt auf, dass der Aufbau von Seite 10 dem von Seite 6 gleicht: Die aufgeräumte Bathöhle dient auf den ersten Blick als Gegenstück zu Jokers verfallenem Rummelplatz, gleichzeitig haben die Stalaktiken und Fledermäuse sowie Schatten einen eigenen morbiden Charme.
Wir sehen die typischen Attribute: den Riesen-T-Rex bis hin zum Riesenpenny, auch ein Whirly-Bat, ein Pinguin mit Zylinder und Batarangs sind zu sehen. Nur die riesige Joker-Karte fehlt. Dafür gibt es eine andere, nämlich die, die Batman aus Arkham mitgebracht hat. Durch die Nahaufnahme im ersten Panel wirkt sie umso prominenter – riesig zumindest für die Leser. (Die große Joker-Karte taucht bereits sehr früh, nämlich zum ersten Mal 1945 auf, 1948 erstmals in der Batcave als Trophäe.)
Batman und die Schusswaffen
Es ist schon wieder passiert: ein Amoklauf an einer Schule, Kinder sind ermordet worden und wieder diskutiert man in den USA über Schusswaffen. Die Bilanz ist verheerend: Seit den späten 60ern sind in den Vereinigten Staaten mehr Menschen durch Waffengewalt umgekommen als US-Soldaten im Ausland – mehr als eine Million Tote. Seit 1999 gab es allein fast 50 Amokläufe an Schulen. Die Politik tut sich schwer, daran etwas zu ändern. Die Argumente sind seit Jahren bekannt, doch die Debatten führen zu nichts. „Freiheit“ (oder was man darunter versteht) scheint wichtiger zu sein als Menschenleben (was allerdings beim Thema Abtreibung ganz anders aussieht). Eine Gesellschaft der Ungleichheit, eine Kultur der Angst und Gewalt, eine starke Waffenlobby, die Fanatismus nährt, sowie die leichte Verfügbarkeit von Waffen bilden eine gefährliche Mischung.
Die Haltung der amerikanischen Superhelden dazu scheint klar: Schusswaffen verursachen mehr Schaden als Nutzen. Superman mag sie nicht. Deshalb vernichtet er sie so oft er kann. Er hat auch gut reden: Er braucht sie nicht und er braucht sie auch nicht zu fürchten. Wonder Woman wehrt Kugeln mit ihren Armbändern ab. Und auch Batman mag keine Pistolen, obwohl sie vieles leichter für ihn machen würden. Andererseits liegt es nahe: Seine Eltern wurden erschossen. Daher benutzt er nicht die Waffe der feigen Verbrecher. Und er tötet nicht. Doch so eindeutig war beides von Anfang an nicht.
In seinem ersten Jahr benutzte Batman mehrmals eine Pistole, die er bei sich trug, er tötete auch skrupellos oder nahm zumindest Tote in Kauf. Zum Beispiel erschoss er zwei Vampire (Detective Comics #32). Damit stand er in der Tradition anderer maskierter Vigilanten wie The Shadow. Doch es hörte auch auffallend schnell wieder auf. Zum letzten Mal geschah das in Batman #1 (1940), als Batman von einem Flugzeug aus mit einem Maschinengewehr auf Dr. Stranges Monster schoss. Doch das war eine Story, die kurz vor dem Auftauchen von Robin geschrieben und kurz danach veröffentlicht wurde. Mit dem kindlichen Sidekick wurde aus dem grimmigen Rächer ein heiterer und auch menschenfreundlicherer Hilfspolizist. Mit Schusswaffen war von da an Schluss. Fast.
Lee Bermejos Cover als Story: „Batman: Dear Detective“
Der Italiener Lee Bermejo ist einer der ganz großen Batman-Zeichner. Seine Bilder haben eine einzigartige Stimmung, irgendwo zwischen Noir, Pulp und Traum. Zusammen mit Brian Azzarallo hat er Batman/Deathblow: After the Fire (2003) inszeniert, wobei das Beste daran seine hyperrealistischen Zeichnungen waren, 2008 folge der brutale Joker, schließlich Batman: Damned (2018-2019) für DCs Black Label, was vor allem wegen der Darstellung von Nacktheit und DCs Selbstzensur für Aufregung sorgte. Im Jahr 2011 hat Bermejo in Noel Dickens Weihnachtsgeschichte sehr stimmungsvoll für Batman neu interpretiert und dieser Band darf als moderner Klassiker gelten.
Immer wieder wird Bermejo auch als Cover-Zeichner eingesetzt, wie etwa bei Hush Returns. Nun bringt DC eine Reihe davon, die in Detective Comics als Variant erschienen sind, im Prestige-Format heraus: Batman: Dear Detective. Das Besondere an diesem „Art Book“: Bermejo hat dazu eine Geschichte geschrieben, die er mit diesen Covern erzählt. Passieren soll das in Form von Briefen an Batman, die zwischen den Bildern stehen. Versprochen wird eine „compelling noir tale“, die ins Herz des Dunklen Ritters dringt.
Damit soll es mehr sein, als einfach nur der Versuch, mit recyceltem Material noch mal Kohle abzugreifen (eine beliebte Verkaufsmasche), denn nach eigenen Angaben hatte Bermejo die Idee dazu schon, als er mit den Variants für Detective anfing, daher sind die Cover bereits als eine Geschichte angelegt gewesen, die nun für das Buch ausgebaut wurde, wie Bermejo IGN erklärt.
Batman: Dear Detective #1 soll am 6. September 2022 erscheinen, 56 Seiten umfassen und 7,99 US-Dollar kosten.

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Detective Comics #27 als „Facsimile Edition“
Batmans erster Auftritt in Detective Comics #27 wurde schon oft nachgedruckt, doch bisher nur zweinmal in seinem gesamten Kontext, nämlich 1974 in der Reihe Famous First Edition (in der auch Batman #1 erschien) und dann nochmal 2000 in der Millennium Edition. Nun hat DC angekündigt, das gesamte Heft mit allen 64 Seiten erneut nachzudrucken – zusammen mit den Storys mit Speed Saunders, Buck Marshall, the Crimson Avenger und Slam Bradley sowie den Original-Anzeigen.
Das Heft, das am 23. August 2022 erscheinen soll, nennt sich Facsimile Edition, doch den ersten Unterschied zum Original kann man schon am Cover erkennen: Da hat DC den damaligen Heftpreis von 10 Cent wegretuschiert, um satte 6,99 US-Dollar für dieses uralte Material zu verlangen. (Zum Vergleich: 10 Cent von 1939 sind heute etwa 2 Dollar wert.) Aber immer noch billiger, als sich eine Originalausgabe zu kaufen – dafür können 1,5 Millionen Dollar fällig werden.
Doch anscheinend lohnt sich die Masche. Bisher sind folgende Batman-Hefte in dieser Reihe erschienen:
- Batman #232 (Erster Auftritt von Ra’s al Ghul)
- Batman #181 (Erster Auftritt von Poison Ivy)
- Batman #251 (Erster Auftritt von Neal Adams‘ Joker)
- Detective Comics #359 (Barbara Gordons erster Auftritt als Batgirl)
- Detective Comics #38 (Erster Auftritt von Robin)
- Detective Comics #475 (The Laughing Fish)
The Killing Joke: Seiten 6-9 – Rummelplatz/Erste Rückblende
Ortswechsel. Der Joker auf dem Rummelplatz. Wie bei Batman sehen wir auch ihn erst nach und nach, Stück für Stück, wenn auch deutlich eher. Das erste Panel zeigt nur seine Hand im Handschuh an einem Gehstock, im Hintergrund der Makler und die Stadt. Im zweiten Panel sehen wir den verlassenen Vergnügungspark mit den Fahrgeschäften: Riesenrad und ein Helter Skelter, eine spiralförmige Rutschbahn, der Paul McCartney später in einem Beatles-Song verewigte, was wiederum durch Charles Manson traurige Berühmtheit erlangte. (Das Wort „Helter“ erscheint auch auf dem Cover von Watchmen #3, da von der Aufschrift „Shelter“ das S verdeckt ist.)
Wir sehen den Joker nur von hinten, bevor er erst im dritten Panel sich umdreht und sich nicht nur dem Makler, sondern auch uns zuwendet: Zum ersten Mal erscheint sein wahres Gesicht und zwar in Übergröße, sodass es die Panelgrenzen überragt und der Joker sich sogar bis an den Seitenrand erstreckt.
Das strenge Neunerraster der ersten Seiten ist damit völlig aufgebrochen und wird erst wieder auf der letzten Seite wiederkehren.
The Killing Joke: Seiten 1-5 – Batman in Arkham
The Killing Joke beginnt mit einer Ankunft. Batman kommt in der Nervenheilanstalt Arkham Asylum an und trifft den (falschen) Joker. So geht es auch uns: Wir kommen mit ihm an. Doch wir sind schon etwas vor ihm da, wir warten bereits auf ihn – wie Commissioner James Gordon und der Polizist, der am Eingang bei ihm steht.
Die Seite ist eingeteilt in ein klassisches Neuner-Raster. Das haben auch Will Eisner in The Spirit (vor allem am Anfang) und Steve Ditko (Spider-Man, Doctor Strange) oft benutzt. Moore verwendete es ebenfalls in Watchmen, wo es ähnlich mit einem kreisförmigen Detail auf der Straße beginnt und dann allmählich hinauszoomt (der Smiley-Button des Comedian). Hier spiegelt die strenge Gitterstruktur die Gitterstäbe in und um Arkham. Gleichzeitig stehen die drei Dreierreihen für die drei Männer, um die es hier geht: Batman, Joker, Gordon. Die symmetrische Ordnung steht allerdings im Widerspruch zum weiteren Verlauf der Geschichte. Der Joker bricht sie auf.
Poison Ivys Vertreibung aus dem Paradies
Titel: Poison Ivy
Autor/Zeichner: John Francis Moore/Brian Apthorp
Erschienen: 1997 (Batman: Poison Ivy #1), Paperback 2016 (Batman Arkham: Poison Ivy)
Poison Ivy hat ihre jüngste Flucht genutzt, um sich zurückzuziehen. Nun lebt sie in der Karibik, auf einer kleinen unbewohnten Insel östlich von Nicaragua, in ihrem privaten Paradies, leicht bekleidet unter Pflanzen-Tier-Hybriden. Als sie gerade Besuch von einer jungen Frau bekommt, kommt ein Schwarm Hubschrauber und jagt den Dschungel zur Hölle, die junge Frau verbrennt. Hier wurde ein neuer Kampfstoff namens Prometheus getestet, der stärker und schneller als Napalm brennt.
Die Schuldigen kümmern die Verluste wenig. Ivy rächt sich sofort, dann kehrt sie nach Gotham zurück, um die Hintermänner zu bestrafen. Einer davon ist der Chemiker Milo Frommer, der andere der Parfumhersteller Christopher DeJardin.
Comic zum Film
Diese Story erschien 1997, nicht zufällig in jenem unheilvollen Jahr wie der Kinofilm Batman & Robin, in dem Poison Ivy (gespielt von Uma Thurman) ihr Leinwanddebüt hatte (parallel zu Batman: Mr. Freeze). Daher wird hier nicht nur einfach irgendeine Ivy-Story erzählt, sondern auch erneut ihr Origin, allerdings ohne Überraschungen: Pamela Isley studierte Botanik, wurde zum Opfer von Woodrues Experimenten, verströmt seither tödliches Gift und kann Männer becircen, hat es vor allem auf Batman abgesehen.
Etwas seltsam erscheint ihre Motivation für ihre Raubzüge: Alles, was sie wollte, war es, allein mit ihren Pflanzen zu sein, doch Privatsphäre sei nicht billig, heißt es. Ein Spaziergang im Park oder Wald hätte es auch getan, könnte man dagegen halten. Und später scheint es ihr sogar gelungen zu sein, in die Karibik auszuwandern – aber egal. Hauptsache, man hat einmal alle Aspekte der Figur auf zwei Seiten untergebracht.
Kann Ivy lieben?
Batman trifft auf der Suche nach ihr auf Killer Croc, dann hindert er sie daran, drei weitere Männer zu töten. Wie? Ziemlich einfach, denn Batman hat gegen alles sofort das richtige Rezept. Mit einem Gegengift ist er längst immun gegen sie, den Rest erledigt sein Umhang. Dann rettet er sie noch vor einer Kugel, die er selbst abfängt. Das muss Liebe sein, denkt sich Ivy, doch Batman findet, sie wisse gar nicht, was Liebe sei. Das bleibt unwidersprochen.
Doch zumindest scheint sie Nächstenliebe zu kennen: Denn anders als sonst lässt Ivy Gnade mit dem Schurken DeJardin walten: Statt ihn zu töten ruiniert sie ihn, indem sie ihn mit ihrem Gift zu einem Geständnis zwingt. Auch dank der filigranen Zeichnungen und einer schönen psychdelischen Sequenz steht die Story damit über dem Durchschnitt.
„The Killing Joke“ für Riddler & Co: „Batman: One Bad Day“
Im Jahr von The Batman hat der Riddler Konjunktur: Für Oktober ist Paul Danos Sechsteiler Riddler: Year One angekündigt, derzeit erscheint Tom Kings Miniserie Killing Time, in der der Riddler mit Catwoman und Pinguin auftritt. Nun hat DC einen One-Shot von Tom King angekündigt: Batman: One Bad Day. Der Titel spielt an auf ein Zitat aus The Killing Joke (1988) von Alan Moore und Brian Bolland, in dem der Origin des Jokers nacherzählt wird. Nun soll also der Riddler sein „Killing Joke“ bekommen, auf 64 Seiten, gezeichnet von Mitch Gerads, mit dem King bereits an Batman und Mister Miracle gearbeitet hat.
Gerads schreibt auf Twitter, dies sei sein „genuine long-time dream book“, King habe ein perfektes Skript abgeliefert. Und er verspricht: „The Riddler is TERRIFYING.“ Auf dem ersten Bild erinnert der Riddler an R.E.M.-Sänger Michael Stipe. Die Schwarzweiß-Optik verspricht einen düsteren Comic. Und offenbar soll es blutig zur Sache gehen: Der Riddler tötet wahllos Menschen. Im August wissen wir mehr.
Doch das ist nur der Anfang: Laut DC soll der Riddler nur der erste in einer Reihe von One-Shots unter dem Titel Batman: One Bad Day sein. Sieben weitere Titel sollen sich den großen Schurken widmen:
- Two-Face: Mariko Tamaki, Javier Fernandez & Jordie Bellaire (September)
- The Penguin: John Ridley, Giuseppe Camuncoli, Cam Smith & Arif Prianto (Oktober)
- Mr. Freeze: Gerry Duggan, Matteo Scalera & Dave Stewart (November)
- Catwoman: G. Willow Wilson, Jamie McKelvie & Tamra Bonvillain (Dezember)
- Bane: Joshua Williamson, Howard Porter & Tomeu Morey (Januar 2023)
- Clayface: Collin Kelly & Jackson Lanzing, Xermanico & Romulo Fajardo Jr. (Februar 2023)
- Ra’s al Ghul: Tom Taylor & Ivan Reis (März 2023)
Die Reihe steht damit in der Tradition von Serien wie Joker’s Asylum (2008-2010) sowie den Schurken-One-Shots zu Forever Evil, schon in den 90ern gab es vereinzelt One-Shots, die sich den jeweiligen Schurken aus den Filmen widmeten, aber in der Continuity der Comics standen.

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The Killing Joke: Das Cover

Ikonisches Cover, oft zitiert: The Killing Joke. (DC Comics)
Bereits Brian Bollands Cover zu The Killing Joke erzählt eine Geschichte: Es zeigt eine Nahaufnahme des grinsenden Joker, jedoch halb verdeckt von einer Kamera, die er sich vors Gesicht hält. Der Joker sagt „Smile!“ Die Lichtreflexionen auf der Linse zeichnen ebenfalls ein schiefes Lächeln, ähnlich dem Smiley aus Watchmen. Es entsteht eine ungewohnte Nähe. Wir sehen jede Falte, jedes Haar, jeden Zahn. Der Joker rückt uns geradezu auf die Pelle. Da der Joker nach vorne schaut, spricht er direkt den Betrachter an – und er fotografiert damit auch uns.

Nahaufnahme: Joker auf dem Cover zu „The Killing Joke“. (DC Comics)
Der Joker hat zwar einen Hut aufgesetzt, aber er erscheint hier in einen violetten Trenchcoat, den passenden Handschuhen und einer grünen Schleife um den Hals. Damit entspricht er dem klassischen Design, besonders erinnert der Aufzug an The Laughing Fish von Steve Englehart und Marshall Rogers (1978). Zudem kann man eine winzige Joker-Karte auf einem (Manschetten?)Knopf erkennen. Die Karte deutet zurück auf den Namensgeber, auf die Fabrik, in der der Joker entsteht. Außerdem hat auch Batman eine solche Karte in der Batcave.









