Comic

Wonder Woman hinterlässt verbrannte Erde

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DC Comics

Titel: Wonder Woman: Dead Earth

Autor/Zeichner: Daniel Warren Johnson

Erschienen: 2020 (Miniserie #1-4), Hardcover 2020, dt. Panini 2020-2021 (Vierteiler)


„You may have broken the world … but I know you’re the only one who can fix it.“ (Batman)

Die Erde ist verwüstet von einem Atomkrieg, nur noch wenige Menschen sind übrig, dafür viele riesige und furchtbare Monster. Und mittendrin erwacht eine Prinzessin aus ihrem Dornröschenschlaf – Diana von den Amazonen, ehemals Wonder Woman. Sie erwacht nicht irgendwo, sondern in der Batcave. Batman selbst ist längst tot. Sie kann sich nicht erinnern: Was ist denn hier passiert?

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Wonder Woman trifft Batman – auf Dead Earth. (DC Comics)

Diana stückelt sich wieder ein Wonder-Woman-Kostüm zusammen, zieht Batmans Gürtel an, befreit die Menschen aus der Oase Camp New Hope von ihrem Tyrannen und will sie nach Themyscira führen, denn die Insel dürfte immer noch das Paradies sein. Tja, falsch gedacht – es wird alles immer schlimmer.

David Warren Johnson zeichnet diese Post-Apokalypse mit unruhigem, schroffen, aber ungemein dynamischen Strich. Er hat ein gutes Gespür für Dramatik und einige starke Einfälle, die altbekannte Figuren wieder interessant erscheinen lassen, wie etwa bei einem Gladiatorenkampf gegen eine mutierte Cheetah. Und was die Heldin mit Superman macht, ist zu herrlich, als dass ich es hier spoilern wollte.

Diese Wonder Woman ist keine Idealschönheit nach klassichen US-Maßstäben, sondern erscheint als normale Frau, die trotzdem unfassbare Kräfte in sich vereint – Kräfte von Göttern, die erst einmal gebändigt werden müssen und zum Schluss entfesselt werden. Die Amazone vereint damit zwei Extreme, die größte Gefahr und die größte Hoffnung der Menschheit zu sein. Und das Beste: Sie kommt ganz ohne Superman, Batman und andere Superhelden aus, auch wenn sie am Rande als Echo der Vergangenheit vorkommen. Dafür steht ihr Verhältnis zu den Menschen und den Amazonen im Vordergrund.

Damit ist Dead Earth ein spannendes, blutiges, kurzweiliges und bildgewaltiges Vergnügen für alle Fans (und Nichtfans) von Wonder Woman, Endzeitszenarien, epischen Schlachten und Mainstreamcomics jenseits des Mainstreams.

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Wonder Woman gegen Superman – und die Atombombe

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DC Comics

Titel: Superman vs. Wonder Woman

Autor/Zeichner: Gerry Conway/José Luis García López

Erschienen: 1978 (All-New Collectors‘ Edition #C-54), Reprint 2020; dt. Panini 2021


„I don’t believe it! Wonder Woman hit me! She actually hit me! Even if she is a woman — no one treats me that way–And I mean no one!“ (Superman)

Das Jahr 1942. Superman kämpft an der Front gegen Japan mit. Er wirft mit feindlichen Flugzeugen um sich, aber keine Sorge: Die fliegen automatisch, daher muss der Strahlemann niemanden töten. Superman versenkt ein japanisches U-Boot und erfährt vom Kapitän, dass ein japanischer Agent nach Mexiko gereist ist, um mit einem Nazi etwas zu verhindern, das sich „Manhattan Project“ nennt. Superman weiß noch nicht, dass es sich dabei um den Bau der Atombombe handelt.

Das findet Wonder Woman heraus, die in Washington D.C. Nazis jagt. Die sind leicht zu erkennen an ihren Glatzen und den riesigen Hakenkreuzen auf Brust und Rücken (die fehlen in der deutschen Fassung). Nachdem sie zufällig Albert Einstein rettet und ihr eigenes Land ausspioniert, wird ihr klar, was sich hinter Project Manhattan verbirgt – und ist entsetzt. Weil sie befürchtet, die Bombe könnte die nächste Büchse der Pandora sein, will sie verhindern, dass sie eingesetzt wird.

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Superman vs. Wonder Woman (DC Comics)

Also fängt Wonder Woman an, in Chicago mit einer Straßenlaterne zu randalieren, um einen Kernreaktor zu zerstören. Das erregt Supermans Aufmerksamkeit und die beiden prügeln sich die Seelen aus dem Leib. Wonder Woman versucht zwar, ihm ihren Grund zu erklären, aber Superman beharrt auf seinem Patriotismus: „I’ve lived in America, and I trust my adopted country.“ Als ob Vertrauen in die Heimat Massenmord und Massenvernichtung rechtfertigen würde – Superman ist hier nicht gerade ein Superbrain.

Da man mit Argumenten nicht weiterkommt, kloppt man sich weiter dort, wo niemand verletzt werden kann, nämlich auf dem Mond. Doch auch als die beiden dort Ruinen einer vergangenen Zivilisation entdecken und Wonder Woman herausfindet, dass die sich mit Atomwaffen ausgelöscht hat, ist das Superman herzlich egal.

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Wonder Woman teilt gegen Superman aus. (DC Comics)

In der Zwischenzeit verbündet sich Baron Blitzkrieg mit Sumo, dem Samurai, um die Atombombe zu stehlen. Klingt bescheuert, ist aber so. (Das kann nur getoppt werden von „Captain Nazi“ – den gibt’s bereits seit 1941 …) Der Baron trägt ein knallgelbes Kostüm mit eiserner Maske (wie Doctor Doom) und sechs Hakenkreuzen, damit es keine Missverständnisse ob seiner Geisteshaltung gibt (auch hier nur im Original zu sehen). Erst ein SOS-Ruf per Blinklicht von der Erde kann die beiden Helden zurückholen, um gegen die wahren Feinde zu kämpfen.

Dieser Battle Royale folgt also dem klassischen Muster, das die Menschheit bereits seit dem Gilgamesch-Epos kennt und das besonders beliebt in Superheldencomics ist: Zuerst misst man miteinander die Kräfte, um einzusehen, dass der Feind ein anderer und man zusammen am stärksten ist. Das ist etwas blöd, aber es erfüllt seinen Zweck. Was an dem Kampf auffällt: Wonder Woman schlägt als erste zu – und sie teilt auch am meisten aus. Tatsächlich sieht man Superman nur einmal zuschlagen und er hadert mit sich, einer Frau Gewalt anzutun. Klar, Frauen zu schlagen steht niemandem gut, erst recht nicht einem Superman.

ACHTUNG SPOILER: Die beiden kloppen sich also gegen die Schurken und die Bombe geht trotzdem hoch.

Am Ende verspricht Präsident Roosevelt, er werde die Bombe niemals einsetzen, solange er Präsident sei. Geschickt, denn das übernimmt dann sein Nachfolger Harry S. Truman mit dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945, bei dem insgesamt über 100.000 Menschen sofort sterben und noch einmal etwa  130.000 an den Folgeschäden bis Ende des Jahres.

Wonder Woman erweist sich im Epilog als hellsichtig. Sie weiß, dass früher oder später jemand die Büchse der Pandora öffnen wird. „And once the demons escape, they can never be recaptured … not if we try and try … till the end of time.“ Sehr weise. Nur leider schweigt Superman dazu – und wirkt dadurch nicht klüger als zuvor.

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80 Jahre Wonder Woman

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Sensation Comics #1 & Wonder Woman #1 (DC Comics)

Als Wonder Woman ihren ersten Auftritt in All-Star Comics #8 (1941) hat, ist auf dem Cover noch kein Platz für sie. Dort sind nur ein paar Typen zu sehen, die Justice Society, die das Heft seit Ausgabe 3 beherrscht. Wonder Woman wird nicht einmal erwähnt. Umso selbstsicherer wird sie in ihrer ersten Geschichte eingeführt.

In einer Welt, die vom Hass und Krieg der Männer zerrissen wird, erscheint eine Frau, für die diese Probleme ein Kinderspiel sind. Liebenswert wie Aphrodite, weise wie Athene, schnell wie Merkur und stark wie Herkules. Aber noch keiner weiß, wer sie ist. Wir sehen eine Frau mit blauem Sternenrock, roter Korsage mit goldenem Adler auf der Brust und roten Stiefeln ins Bild springen – eine US-Ikone, die auch die Farben von Superman spiegelt. Das Bild wird später für das zweite Abenteuer in Sensation Comics #1 wiederverwendet.

Die Geschichte beginnt mit einem Mann. US-Pilot Steve Trevor stürzt auf Paradise Island ab, wo unsterbliche Amazonen seit der Antike in einem Matriarchat leben. Die Prinzessin (die noch nicht benannt wird) findet Trevor, bringt ihn ins Krankenhaus, doch die Königin Hippolyte besteht darauf, dass er schnell wieder von der Insel verschwindet, sobald er genesen ist, denn Männer seien nicht erlaubt. Einst wurden die Amazonen von Herkules besiegt und versklavt, bevor sie sich selbst befreien konnten. Mit Aphrodites Hilfe gründeten sie eine Gesellschaft abseits der Männerwelt, denn Männer bedeuten Ärger, sie stören die friedliche Ordnung.

Doch die Prinzessin verliebt sich in Steve. Sie findet heraus, dass er einem Ring von Nazi-Spionen auf der Spur war, und will ihn zurückbringen. Hippolyte will daraufhin in einem Wettbewerb die Frau küren, die ihn begleiten soll. Die Prinzessin darf nicht teilnehmen, aber maskiert sich und macht trotzdem mit. Nachdem sie den Wettlauf gegen eine Hirschkuh besteht und ein paar Kugeln mit ihren Armbändern abwehrt, gewinnt sie. Hippolyta verleiht ihr den Namen Diana (nach der Mondgöttin) und ein buntes Kostüm. Diana bringt Steve in ihrem unsichtbaren Flugzeug in die USA zurück (Sensation Comics #1).

Von Princess Diana zu Diana Prince

Der Nachteil: Diana gibt damit ihre Erbrechte und ihre Unsterblichkeit auf. Glücklicherweise verliebt sich Steve sofort in sie, sobald er aufwacht. Die Prinzessin findet sich in der Männerwelt ein: Sie besiegt ein paar Räuber, leistet sich ein Wettrennen mit einem Autofahrer, lässt sich für eine Bühnenshow einspannen, wo sie mit ihren Armbändern Kugeln abwehrt, und wird schließlich Krankenschwester. Sie übernimmt die Identität der Krankenschwester Diana Prince, der sie zufällig ähnlich sieht. Diana bekommt eine Abfindung, die Prinzessin ihre Brille und wird sofort unkenntlich – wie Clark Kent.

Wie Superman ständig seine Lois Lane rettet, so rettet Wonder Woman Steve Trevors Leben. Allerdings hilft Steve ihr auch oft aus der Klemme, die beiden bilden also ein Paar auf Augenhöhe. Gemeinsam schalten sie zunächst Nazi-Spione aus, die planen, Armee-Camps mit Giftgas zu bombardieren. Und so wie Lois Lane mehr auf Superman als auf Clark Kent steht, so kann Steve Trevor mit Diana nicht viel anfangen. An Wonder Woman komme sie nicht heran, findet er.

Pazifistische Kriegsführung

In Sensation Comics #2 geht es wieder um Nazis und Nervengift. Diesmal ist Dr. Poison der Schurke, bzw. die Schurkin. Trevor wird mit Diana entführt. Ein Wahrheitsserum soll ihn zum Sprechen bringen – das Lasso der Wahrheit ist noch nicht erfunden. Dafür wird gefesselt. Zweimal muss sich Wonder Woman befreien, bevor dann die Männer selbst gefesselt werden – von den Frauen.

Statt mit Waffen auf die Feinde loszuziehen, rekrutiert die Heldin in einem Frauencollege eine Parade von Frauen (angeleitet von der übergewichtigen Etta Candy), die die Soldaten mit einer Aufforderung zum Tanz entwaffnen. Die Schurken fallen drauf rein und enden in Handschellen. Die Waffe der Frauen ist ihr Grips. Da sie unterschätzt werden, können sie sich das zum Vorteil machen.

Damit hat Charles Moulton eine moderne und emanzipierte Frauenfigur erschaffen. Moulton, der eigentlich William Moulton Marston heißt, war Psychologe und hat den Lügendetektor miterfunden. Er erkannte das erzieherische Potenzial in Comics und erfand daraufhin Wonder Woman. Marston war Feminist, lebte er in einer polyamourösen Beziehung und liebte Fesselspiele, was sich als Motiv immer wieder durch seine Comics zieht.

Besonders deutlich wird das in Sensation Comics #6. Darin bekommt Wonder Woman ihr goldenes Lasso. Es ist unverwüstlich und wer damit gefesselt wird, muss ihr gehorchen. Es wird zu ihrem Markenzeichen: eine Waffe, die weder tötet noch foltert. Als Pazifistin geht Wonder Woman stets den sanften Weg. Ihre Botschaft ist die Liebe.

Nachdem es immer nur um Nazi-Spione im eigenen Land geht, widmet sich die Heldin auch internen Feinden und sozialen Problemen. In Sensation Comics #7 geht sie gegen Betrüger vor, die die Milchpreise hochtreiben, sodass Mütter ihre Kinder nicht mehr ernähren können. Auch dahinter stecken zwar am Ende Nazis, aber zum ersten Mal sind die Schwächsten der Gesellschaft die Opfer. In der nächsten Ausgabe setzt sich Wonder Woman für bessere Arbeitsbedingungen von Verkäuferinnen in einem Kaufhaus ein.

Schneller als Superman und Batman bekam Wonder Woman ihr eigenes Heft. In Wonder Woman #1 (1942) wird die Vorgeschichte noch einmal ausführlicher nacherzählt. Diesmal formt Hippolyta, angeleitet von Athene, Diana aus Lehm. Der Kriegsgott Mars wird als klassischer Gegenspieler eingeführt.

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All-Star Comics #12 und Comic Cavalcade #1 (DC Comics)

Der Erfolg hielt an. 1942 kehrte Wonder Woman zu All-Star Comics zurück, diesmal aber als Mitglied der Justice Society of America, zusammen mit Hawkman, Starman, Atom und Co. Als Ehrenmitglied und als Sekretärin durfte sie auch beim Kampf gegen die Achsenmächte helfen. Etwas später im selben Jahr bekam Wonder Woman Abenteuer in der neuen Anthologieserie Comic Cavalcade, sie teilte sich das Cover mit Flash und Green Lantern. Mit vier Serien hatte sie damit zweitweilig sogar eine mehr als Superman und Batman.

Doch Wonder Womans Golden Age währte nicht lange. Marston starb bereits 1947 an Krebs. Er wurde nur 53 Jahre alt. Danach verflachten die Abenteuer der Superheldin, das Interesse an ihr ließ nach, wie ohnehin an Superhelden nach dem Krieg. Die Amazone verschwand 1948 aus Comic Cavalcade, drei Jahre später auch aus Sensation Comics, kurz zuvor wurde All-Star Comics eingestellt. 1958 starb Stammzeichner Harry G. Peter.

Trotzdem verkaufte sich die Serie Wonder Woman kontinuierlich. Derzeit erscheint das Heft sogar alle zwei Wochen, sodass im kommenden Jahr voraussichtlich die 800. Ausgabe herauskommen wird.

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Catwomans Stunde der Wahrheit

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DC Comics

Titel: Batman Adventures: Cat Got Your Tongue?

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2021 (Adventures in the DC Universe #2, #19; Batman: Gotham Adventures #4, #24, #50; Batman Adventures #10)


Catwoman klaut Wonder Woman das Lasso der Wahrheit. Nicht für sich selbst, sondern für einen Schurken, der damit einen Wissenschaftler befragen will, wie er zu einem Katzengott wird. Doch als das Schlimmste eintrifft, bereut Catwoman ihre Auftragsarbeit, denn der Katzengott randaliert in der Stadt. Aber da eilt auch schon Wonder Woman zur Hilfe, um gemeinsam mit Catwoman wieder für Ordnung zu sorgen. Moral: In jedem Größenwahnsinnigen steckt ein kleiner, armseliger Mann.

Ansonsten geht es im Catwoman-Bändchen der neuen Batman-Adventures-Reihe für Kinder vor allem um ihre Beziehung zu Batman. In Claws setzt sich Catwoman gegen Tierversuche an streunenden Katzen ein. Als sie die Verantwortliche (eine Herstellerin von Kosmetikprodukten) zur Rede stellt und die sich nicht einsichtig zeigt, fährt ihr Catwoman mit den Krallen durchs Gesicht, sodass sie für immer entstellt ist. Das wiederum belastet ihr Verhältnis zu Batman.

Missverständnisse und Vertrauensprobleme

Doch eine Aussprache findet nicht statt. Also lockt Catwoman Batman in eine Falle, um mit ihm zu reden. Leider erwischt sie aber zunächst alle anderen: Robin, NightwingBatgirl und Killer Croc. Als sie schließlich Batman bekommt, läuft das Gespräch auf ein einziges Missverständnis hinaus. Sie sagt nicht, was sie will, und er hat nichts zu sagen, außer dass er sie festnehmen will. Catwoman haut ab.

Das Problem, wie sich später zeigt: Batman traut Catwoman nicht. Als er sie bei einem Einbruch erwischt und sie ihn vor einer Bombe bewahrt (und dabei selbst fast draufgeht) ermittelt er so lange, bis er ihre Unschuld beweist. Warum ist Batman so viel härter zu ihr als zu anderen?, fragt Nightwing. Weil er mehr von ihr erwarte, sagt Batman. Das ist fast schon keine richtige Antwort.

Zum Schluss hat Batman wieder allen Grund, Catwoman zu misstrauen. Zunächst lässt sie eine Farbbombe hochgehen, die die wertvollen Gemälde in einem Club beschmiert. Dann wird sie zusammen mit Batman von der Polizei gejagt (denn der Pinguin ist Bürgermeister). Doch selbst als sie ihm aus der Patsche hilft, traut er ihr nicht. Zu Recht, wie sich am Ende herausstellt: Catwoman hat die Bilder vorher ausgetauscht und die Originale gestohlen. Doch statt die Diebin auszuliefern, stiehlt Batman einfach die Bilder zurück.

Die Beziehung bleibt ein kompliziertes Hin und Her. Ganz zum Schluss (im kurzen Epilog des Bandes) bricht dann Catwoman nur deshalb in Wayne Manor ein, um im Safe eine Nachricht zu hinterlassen: ihren Neujahrsvorsatz, brav zu sein. Plötzlich gibt sich Bruce Wayne freundlich: „After all, I’m a strong believer in the power of a simple vow.“

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Neue Comics: „The Knight“ und Detective Comics #1050

 

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Batman: The Knight (DC Comics)

DC hat ein paar potenzielle Comic-Highlights fürs Jahr 2022 angekündigt: Autor Chip Zdarsky (Daredevil) und Zeichner Carmine Di Giandomenico (The Flash, Daredevil: Battlin Jack Murdock) erkunden in Batman: The Knight, wie Batman zu dem wurde, der er ist. Ja, genau: Schon wieder. Diesmal soll es um seine Lehr- und Wanderjahre gehen, also die Zeit zwischen Elternmord und „Yes, father, I shall become a bat“ (siehe Year One und Zero Year).

Nicht, dass das alles schon Dutzende Male erzählt worden wäre, in Rückblenden, Kurzgeschichten oder im Film Batman Begins. Aber eben noch nicht von Chip Zdarsky, der bereits mit Spider-Man: Life Story bewiesen hat, dass er auch den bekanntesten Geschichten noch eine neue Seite abtrotzen kann. Seine derzeit laufende Daredevil-Serie ist jedenfalls Gold wert (lesen!) und in Batman: Black and White hat er sich bereits am Dunklen Ritter warmgelaufen. Die ersten Bilder zeigen einen „angry young man“ beim Faustkampf.

Die erste Ausgabe erscheint am 18. Januar 2022, wird 40 Seiten umfassen und 4,99 US-Dollar kosten. Es sind zehn Teile geplant.

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Variants zu Detective Comics #1050 von Jorge Fornes und Jason Fabok. (DC Comics)

Eine Woche später soll Detective Comics #1050 erscheinen. Und weil derzeit alles, was auf 50 oder 00 endet (manchmal auch 27), als Jubiläum gilt, wird auch diese Ausgabe auf Sonderformat aufgeblasen. Mariko Tamaki erzählt den vierten Teil ihres Events Shadows of the Bat. Außerdem wird es eine Backup Story von Matthew Rosenberg (The Joker Presents: A Puzzlebox, DC vs. Vampires) und eine von Mark Waid (Kingdom Come) geben, in der auch Superman vorkommt. Die Zeichnungen stammen von Ivan Reis, Fernando Blanco und Dan Mora. 48 Seiten kosten 5,99 US-Dollar.

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Batman als Audio zum Nachlesen

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DC Comics

Titel: Batman The Audio Adventures Special

Autor/Zeichner: Dennis McNicholas u.a./Jacob Edgar u.a.

Erschienen: 2021 (One-shot)


Batman gibt es in jedem Medium, nur im Radio war er bisher unterrepräsentiert. Aber warum sollte es anders sein? Ohne Bilder ergibt die Figur nicht viel Sinn. Aber weil Podcasts gerade der heiße Scheiß sind, gibt es seit September eben die zehnteilige Hörspielserie The Audio Adventures mit Jeffrey Wright in der Titelrolle (er spielt bald auch James Gordon im Film The Batman).

Für alle, die nicht hören, sondern weiterhin lieber lesen und bunte Bilder anschauen, ist nun auch ein Comic erschienen: The Audio Adventures Special hat zwar nichts mehr mit „Audio“ zu tun, soll aber anscheinend Comicleser dazu bringen, sich den Podcast anzuhören.

In der Tradition der Jubiläumsanthologien (z.B. Detective Comics #1000/1027) werden auch hier ein paar Kurzgeschichten geboten, manche sind abgeschlossen, andere teasern auf die Hör-Abenteuer (wie z.B. mit dem Joker). Doch vor allem führen sie ein in einen interessanten Kosmos: Batman etabliert sich in einer korrupten Stadt gerade erst als Verbrechensbekämpfer, bekommt die Anerkennung der Polizei und ein Batsignal.

Selbstironische Reflexionen

Es wird zum Leitmotiv dieser Storys: „It’s theatrical, impractical, ridiculous–in a word, perfect–the quintessence of Gotham City“, denkt sich Batman. Auch der Riddler findet es lächerlich, wünscht sich aber ein eigenes, während sich ein Reporter fragt: Was hat es zu bedeuten? „Could this ‚bat‘ signal brighter days for Gotham?“

Auch wenn hier der Mythos zelebriert wird: Die Geschichten sind wohltuend selbstironisch, und im Gegensatz zu vielen gewollt-witzigen Batman-Storys zünden die Gags wirklich. Der Zeichenstil der Künstler ist cartoonhaft, erinnert an die Batman: The Animated Series bzw. die Batman Adventures, aber auch sonst knüpfen die Geschichten an die besten Momente der Serie bzw. Comics an.

Alte und neue Schurken

Passend zu einem Hör-Abenteuer jagt Batman eine „Three Blind Mice-Gang „(daher auch die großen Lauscher), auch Catwoman (im Golden Age-Kostüm) kriegt mit ihnen zu tun und verleiht dem Plot eine überraschende Wendung. Ansonsten gibt es eine Two-Face-Story über ständige duale Entscheidungen in seinem Leben, Scarecrow verkauft Drogen an Kinder, der Pinguin erweist sich erneut als fieser Tyrann und den schönsten Auftritt bekommt aber der Riddler, der in Arkham besucht wird von einer Art Sidekick. Hier gibt es viel zu lachen.

Eine Geschichte widmet sich der Entstehung eines neuen Schurken (King Scimitar), der nicht ernst genommen wird, weil ihm ein Gimmick fehlt. Unterwegs begegnen ihm (neben Killer-Moth, Polka-Dot-Man und Calendar Man) viele verrückte Schurken wie ein Imker mit Bienenbande und ein laufender Hot-Dog. Wunderbarer Irrsinn – der Condiment King lässt grüßen.

Ach ja, und wer immer noch hören will, hier die erste von zwei Episoden auf YouTube:

Man kann sie sich auch bei Spotify anhören. Den Rest gibt es bei HBO Max.

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Batman im Spiegel

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DC Comics

Titel: Road to Ruin

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Brad Walker u.a.

Erschienen: 2021 (Detective Comics #1028-1033), Hardcover 2021 (Detective Comics Vol. 6)


Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich würde einen Band von Detective Comics nicht unbedingt „Road to Ruin“ nennen. Seit zehn Jahren hat sich diese Serie selten mit Ruhm bekleckert (das letzte Mal war The Black Mirror). Nun bringt Peter J. Tomasi seinen bisher unbeeindruckenden Run zu Ende und der Titel verheißt schon mal nichts Gutes.

Aber der bezieht sich ja auf die Handlung. Wir sehen, wie Gotham dem Future State entgegenschlittert. Der Ex-Cop Nakano, der in Detective Comics #1027 ein Auge verloren hat, will Bürgermeister werden, um alle „Masks“, also Vigilanten und Schurken, abzuschaffen. Passend dazu taucht ein neuer Schurke auf, der sich Mirror nennt und genau dasselbe will. Dieser Mirror trägt zwar auch eine Maske, eine reflektierende Folie am ganzen Körper, aber nur, um anderen den Spiegel vorzuhalten: Jeder kann Mirror sein.

Abgesehen davon, dass die Figur zu sehr an den Charakter Looking Glass aus der TV-Serie Watchmen erinnert (der ironisch auch „Mirror Guy“ genannt wurde), erweist sich diese Figur als Rohrkrepierer: Kaum eingeführt, verpufft sie buchstäblich wieder. Das Problem löst sich in Wohlgefallen auf, zurück bleibt aber eine maskenfeindliche Stimmung, die Nakano den Wahlsieg beschert. Hätte es dafür wirklich so eine Eintagsfliege wie Mirror gebraucht? Nein.

Stattdessen mündet die Handlung in eine Episode mit Hush. Der entführt im Handgemenge mit dem Pöbel die Bat-Family, um sie aufzuschneiden und ihre Organe zu verkaufen. Erstens weil er Chirurg ist, zweitens weil es Bruce Wayne weiter in den Ruin treibt (siehe Titel!). Damian, der als Robin aufgehört hat und nun versucht, die offenen Fälle aus dem Black Casebook zu lösen, hilft Batman dabei, die Familie vor der Ausweidung zu retten. Wie üblich endet hier alles mit einer Prügelei.

Sonst noch was? Ach ja: Batman jagt einen Cop-Killer auf einem Pferd.

Damit endet dieses Kapitel Detective Comics. Als nächstes ist Mariko Tamaki dran. Ja, eine Frau, die erste bei Batman, seit Devin Grayson Gotham Knights verantworten durfte. Das ist DC sogar eine neue Nummer 1 bei den Sammelbänden wert – die dritte innerhalb von sechs Jahren. Hoffentlich bringt sie endlich neuen Schwung in die Serie, mit der einst alles begann.

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Batman als Gott der Furcht

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DC Comics

Titel: Wonder Woman: Gods of Gotham

Autor/Zeichner: Phil Jimenez

Erschienen: 2001 (Wonder Woman #164-167), Paperback (Paradise Lost)


„Life has no meaning. Except for what we bring to it.“ (Batman)

Drei griechische Götter suchen eine Kirche in Gotham heim: die Ares-Kinder Phobos, Deimos und Eris (Furcht, Schrecken, Zwietracht). Weil sie nicht direkt auf Erden wirken dürfen, haben sie die Körper von Joker, Scarecrow und Poison Ivy übernommen. So wollen sie Kriegsgott Ares heraufbeschwören. Das ganze schreit nach Wonder Woman, aber Batman lehnt – wie üblich – zunächst ihre Hilfe ab, bis er sie dann doch annimmt. Mit dabei ist die ganze Mischpoke: Nightwing, Donna Troy, Huntress, Artemis, Oracle, Robin und Wonder Girl.

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Phobos-Batman gegen Wonder Woman. (DC Comics)

Überfrachtet ist der Vierteiler nicht nur mit Personal, sondern auch mit Worten. Viel wird geredet, erklärt und geschwafelt. Aber die Handlung tritt meist auf der Stelle – bis dann Phobos von Batman Besitz ergreift und dieser zum ultimativen Gott der Furcht mutiert. Doch dann wird wieder vor allem mit Worten gekämpft. Wonder Woman hält eine Ansprache vor Ares, dann vor Phobos-Batman: „You’re more than a dark knight of fear.“ Er glaube an Mitgefühl, Respekt und ehrliche Kameradschaft. Furcht sei nicht alles, sie sei nur ein Werkzeug.

Nachdem sie damit Erfolg hat, hält Ares eine lange Ansprache, dann revanchiert sich Wonder Woman mit einer weiteren Ansprache. Und zum Schluss, wenn alle Zweifel beseitigt sind und sich auch die Nebenhandlungen aufgelöst haben, versichern Batman und Wonder Woman einander noch einmal wortreich, dass sie sich positiv beeinflussen und einander brauchen. „It’s your faith in your dream that makes you Wonder Woman.“

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Batman spielt Schach

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DC Comics

Titel: Batman Black and White (Vol. 5)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2020-2021 (Black and White #1-6), Hardcover 2021


Da ist sie: die erste Batman-Corona-Story! Das Virus wird zwar nicht beim Namen genannt, es ist auch keine richtige Story, aber wenn Martha Waynes Perlenkette zu lauter kleinen Viren mutiert und Batman am Ende eine Maske über Mund und Nase aufsetzt, ist klar, worum es geht.

„…this new enemy can’t be put down with a fist or a boot. This time it’s others who fight for us in ways i cannot“, heißt es, während wir einen Rettungswagen vor der Notaufnahme sehen. „I salute them. And I wait. Something else will come. It’s inevitable. The villains I know…that I’ve faced endlessly, year after year … they’ll use this. They’ll plot. It’s just a matter of time. It always is.“ Batman erklärt den Schurken den Kampf – und indirekt auch den Coronaleugnern, Querdenkern und Verschwörungsextremisten.

J.H. Williams (Batwoman: Elegy, The Black Glove) inszeniert diese acht Seiten, indem er Batmans Geschichte Revue passieren lässt und übertrifft sich dabei selbst. Denn er imitiert dabei auch die Zeichenstile von Bob Kane, Neal Adams, Norm Breyfogle, Kelley Jones, David Mazzucchelli, Brian Bolland, Jim Aparo und sogar Jiro Kuwata – und er kriegt all das perfekt hin. (Außerdem zitiert er sich selbst aus Snow.) Ein wahrer Künstler.

Anspruchsvolle Kurzgeschichten

Mit diesem Wow ist bereits angedeutet, was die fünfte Batman Black and White-Serie leisten kann: Außerordentliches. Nach dem bewährten Prinzip von 1996 dürfen sich die besten Autoren und Künstler mit Batman so richtig austoben, und es gelten nur zwei Regeln: schwarz-weiß und exakt acht Seiten. Schon beim ersten Mal sind großartige Kurzgeschichten herausgekommen, auch diesmal sind die Resultate zum Teil schwindelerregend stark.

Bereits die erste Story ist visuell so herausfordernd, dass man gar nicht weiß, wie man sie einordnen soll. Und dann kommt etwas wie Sisyphus oder Legacy, bei denen man auch nach mehrerem Lesen gar nicht weiß, worum es hier eigentlich geht. Zwischendurch gibt es auch immer wieder klassische Kurzgeschichten aller Genres und auch mal welche, die ohne Worte auskommen, wie etwa eine typische Batman-Catwoman-Jagd.

Auch andere übliche Verdächtige sind wieder dabei: der Joker (wundervoll inszeniert von Gabrie Hardman), Man-Bat, Killer Croc, Clayface, Mad Hatter, Two-Face und Poison Ivy, die sich ein Wortgefecht mit Batman darüber liefert, wie man die Welt retten kann – Chip Zdarsky (Daredevil) schreibt hier seine erste Batman-Story. Aber auch andere meiner Lieblingskünstler dürfen sich austoben, wie Andy KubertKelley JonesGreg Smallwood und Mitch GerardsDavid Aja schreibt eine sehr herrlich-noireske Fortsetzungsstory im Zeitungsstrip-Format alten Stils und Lee Weeks widmet sich dem Batsignal, das in diesem Band mehrere Geschichten bekommt, darunter die eines Fotografen, der das perfekte Batman-Bild schießt – was zugleich Scott Snyders Loblied an den Zeichner, John Romita Jr., ist.

Multiple-Choice-Story mit Riddler

Zwei Storys handeln – wie es bei Schwarz und Weiß naheliegt – vom Schach: Die eine (von Daniel Warren Johnson) erzählt, wie Alfred Bruce das Spiel beigebracht hat und was er davon für seine Arbeit als Batman gelernt hat. In der anderen (von Meister Nick Derington) tritt Batman gegen Banden an, die sich wie Schachfiguren kleiden und dabei um einen entführten Jungen kämpfen – eine der visuell schönsten Geschichten. Dass Planung aber überbewertet ist, demonstriert humorvoll Jorge Jimenez in seiner Vater-und-Sohn-Story.

Mitspielen können die Leser in The Riddle (Kieron Gillen und Jamie McKelvie): In einem Multiple-Choice-Abenteuer mit Riddler und Killer Croc sind alle Panels durchnummeriert und je nachdem, wie man sich entscheidet, wird man zu einer anderen Wendung oder eben einem frühen Ende geleitet. So muss man ständig vor- und zurückblättern und irrt so lange, bis Batman triumphiert. Hier wird sozusagen erlebbar, wie schwierig es für den Helden ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen – der Tod lauert überall.

Auch wenn ich es gerne würde, kann ich hier nicht auf jede einzelne Story eingehen (z.B. Dual). Aber es ist auch gar nicht nötig, denn das ist etwas, das man selbst lesen und in dem seine eigenen Perlen finden muss. Batman Black and White bleibt auch im fünften Band seiner Qualität und Experimentierfreude treu. Bei all dem Mittelmaß, mit dem man derzeit geflutet wird, werde ich hier wieder daran erinnert, warum ich so gerne Batman-Comics lese. Der Band ist eine wahre Wundertüte, in der für jeden was dabei ist.

Jedenfalls für jeden, der es sich leisten kann. Rund 50 US-Dollar lässt sich DC den Spaß als Hardcover kosten. Zwar ist der Band mit 300 Seiten zwar so umfangreich wie nie (angereichert mit einigen Pin-ups), aber zum Vergleich: The Joker War Saga kostet als Hardcover ’nur‘ 40 Dollar, ähnlich umfangreich und sogar in Farbe. Dann lieber auf das Paperback warten. Aber für alle, die nicht warten können: Es ist das Geld wert.

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Wiedersehen für Batman und Wonder Woman

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DC Comics

Titel: Batman & Wonder Woman: Yesterday Never Dies

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Jim Aparo

Erschienen: 1980 (The Brave and the Bold #158)


Furchterregender als Scarecrow! Gefährlicher als der Joker! – Das soll der neue Schurke sein, der Batman und Wonder Woman hier erwartet, heißt es jedenfalls auf dem Cover. Aber kann die Story das halten? Schauen wir doch mal rein.

Drei maskierte Gauner versuchen, eine Diplomatenparty in New York auszurauben. Zufällig ist Bruce Wayne da, der immer sein Batman-Kostüm dabei hat und dessen eigentliche Superkraft darin besteht, sich in Windeseile umziehen zu können. Nach ein paar Schüssen, die danebengehen und einigen Faustschlägen, die ihr Ziel treffen, ist die Sache erledigt.

„Deja vu“ und Flashback

Batman zieht sich wieder seinen Smoking an und wen sieht er da wieder? Diana Prince, die mittlerweile sein Geheimnis kennt. Doch da taucht ein weiterer Maskierter auf: ein neuer Schurke mit einer Blasenpistole. Diesmal zieht sich Diana um. Kaum platzen die Blasen, sieht Wonder Woman aber ihren Geliebten Steve Trevor sterben – schon wieder. (Das ist bereits in WW #180 passiert.)

Der Schurke hat es eigentlich auf einen französischen Botschafter abgesehen, der sich wegen eines Deals mit Bruce Wayne trifft. Er traumatisiert den Mann und droht, es dürfe keine Deals zwischen den USA und Frankreich geben. Dann droht er noch, die geplante Konferenz in Paris dürfe nicht stattfinden. Gezeichnet: „Deja vu!“

Der Mann stammt übrigens selbst aus Frankreich, was etwas verwundert, denn ein Franzose würde eher „Déjà-vu“ schreiben, mit Strichen nach rechts und links und einem dazwischen, aber anscheinend hat er eine Rechtschreibschwäche oder er passt sich dem Niveau der US-Leserschaft an (wobei auch Amerikaner das eigentlich richtig schreiben). Jedenfalls ist es unseren Helden egal, die nennen ihn einfach „Flashback“.

Im Finale: Faust ins Gesicht

Und fliegen trotzdem nach Paris. Während Bruce Wayne konferiert, untersucht Wonder Woman eine Chemiefabrik, zu der sie das Gas zurückverfolgt. Dort trifft sie den Schurken wieder, aber ohne ihn fassen zu können. Erst später treffen die Helden wieder auf „Flashback“, diesmal bringt er Batmans altbekanntes Trauma zurück, den Tod seiner Eltern, allerdings mit einem Clou: Batman gibt Wonder Woman die Schuld – und dafür setzt es Keile. Mit knapper Not kann sie ihn mit ihrem Lasso zurück zur Wahrheit bringen.

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Batman schlägt Wonder Woman. (DC Comics)

Derweil bringt unser Schurke weiterhin seine unerwünschten Bonbons unter die Leute. Wonder Woman wirbelt mit dem Lasse das Gas weg, der Schurke ist eingenebelt und kann nichts sehen, da verpasst ihm Batman eine und knockt ihn so aus. Darin besteht hier das wahre Déjà-vu für die Leser, hunderte Male haben wir es schon gesehen: Meistens endet eine Geschichte damit, dass Batman einem ins Gesicht schlägt. Aber dazu besteht oft gar kein Anlass. Monsieur Flashback ist wehrlos, sogar orientierungslos. So jemanden schlägt man nicht einfach, sondern fesselt ihn und führt ihn ab. So würde es jedenfalls die Polizei machen. Alles andere wäre unrechtmäßige Polizeigewalt. Aber Batman ist eben Batman. Batman schlägt gern Leute. Er darf das. Er muss es sogar tun, sonst wär’s ja öde.

Und so ist die Standpauke, die ihm Diana am Ende hält, keine Rüge, sondern eine Motivationsrede: Wie der Schurke sei zwar auch er von Hass auf Kriminelle getrieben, aber er (Bruce) rettet immerhin Leben. Oft gehört, aber Bruce ist dankbar für die Erinnerung. Déjà-vus haben also auch ihren Wert. Na dann bis zum nächsten Wiedersehen!

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