Comic

Keine Gnade, keine Vergebung

Batman_Absolution

Titel: Absolution

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis/Brian Ashmore

Erschienen: 2002 (One-shot) (dt. 2003, Panini, DC Premium)


 „Ich bin Detektiv. Falls ich etwas verehre — ist es die Logik.“ (Batman)

Seit zehn Jahren jagt Batman Jennifer Blake – eine Terroristin, die einen Anschlag auf Wayne Enterprises verübt hat. Immer wieder tauchte Blake unter einer anderen Identität unter – und versuchte dabei, ihr Gewissen reinzuwaschen. Absolution erzählt von Batmans Jagd durch die Welt, doch im Grunde geht es um die Frage, ob ein Mörder von selbst Läuterung erfahren kann. Für den Dunklen Ritter bleibt bis zum Schluss klar: „Keine Wunder. Keine Gnade. Und gewiß … keine Vergebung.“

J.M. DeMatteis‘ Erzählung steckt voller religiöser Motive und Reflexionen. Wir erfahren, dass Batman an keinen persönlichen Gott glaubt, aber an eine Art von transzendenter Macht. Brian Ashmore verleiht mit seinen gemalten Panels der Story eine künstlerische Aura irgendwo zwischen Alex Ross und Dan Brereton. Die Bilder sind realistisch angelegt, doch erscheinen sie oft auch hinter einem traumartigen Schleier zu liegen. Insgesamt ergibt sich eine stimmige, dichte Komposition zwischen Text und Grafik, die Batmans Unterbittlichkeit bei der Verbrecherjagd herausarbeitet und über seine Beweggründe und Methoden reflektiert. Allerdings bleibt dieser Batman statisch: Am Ende bleibt ihm nur die Einsicht, dass er recht hatte.

Verfluchte Stadt

Batman: Haunted Gotham

Titel: Haunted Gotham

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 2000 (Mini-Serie #1-4) (dt. 2001, Dino-Verlag, Batman Sonderband)


„Hey, jeder stirbt mal … und in Gotham ist es meistens Mord.“ (Cal)

Denken wir uns ein Gotham, so finster wie es nie eines gab: Abgeschottet von der Außenwelt und heimgesucht von bösen Geistern, Dämonen und Monstern. Das Verbrechen ist an der Tagesordnung, aber gelenkt von übernatürlichen Mächten, gegen die man als Mensch nichts ausrichten kann. Wenn man den Mord an seinen Eltern rächen will, muss man sich was einfallen lassen. Zum Beispiel zur Fledermaus werden – und den Rest kann man sich denken.

Batman kämpft gegen Werwölfe, Zombies und Schlangenmenschen in einem typisch düster-surrealen Szenario, das Kelley Jones mit vielen schwarzen Schatten versetzt. Das kann man mal machen, aber für eine Batman-Story wirkt dieser Ausflug ins Okkulte zu abgehoben. Und vier Teile mit fast 200 Seiten hätte es für dieses Elseworlds-Abenteuer auch nicht gebraucht. Schnell wirkt diese Fülle von Dämonen, Geistern und Monstern ermüdend.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Ein Tag für Batman, ein Comic für Fans

batman gratis comic

Panini Comics

Titel: 75 Jahre Batman

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz, Jeph Loeb, Bill Finger/Neal Adams, Jim Lee, Bob Kane

Erschienen: 29.11.2014 (Panini)


 „Entwickelt euch weiter.“ (Pinguin)

Batman ist in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden. Und da er fiktiv ist, muss man ihm nichts schenken. Man ehrt ihn – und die Geschenke bekommen die Fans. Logisch: immerhin erhalten sie ihn auch am Leben. DC hat seinen Fans im Sommer eine Sonderausgabe von Detective Comics #27 spendiert (eine Jubiläumsausgabe mit sieben Stories, unter anderem einer Neufassung von The Case of the Chemical Syndicate). Am 29. November zog Panini nach. Ein Gratis-Comic! Das treibt die treuen Fans scharenweise in die Comicläden. Erst recht wenn es dazu Batman-Pappmasken gibt …

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Batman, der Dämon

Batman: Harvest Breed

Titel: Batman: Harvest Breed

Autor/Zeichner: George Pratt

Erschienen: 2000 (One-shot), dt. Panini 2001 (DC Premium)


Wer Arkham Asylum mochte, wird auch an Harvest Breed seine Freude haben. George Pratt erschafft albtraumhafte Bilder, mit denen er eine beklemmende wie verstörende Atmosphäre schafft, oft weiß man gar nicht, was man darauf erkennen soll. Es ist eine Sphäre von bösen Geistern und Dämonen. Wenn man sie erscheinen sieht, fragt man sich, ob es Realität oder Einbildung ist.

Ein Serienmörder versucht, die Pforten der Hölle zu öffnen und Batman muss ihn davon abhalten. Die Story ist eigentlich nebensächlich, denn es sind die Bilder, die zählen: die Darstellungen der gotischen Kirche, die unruhigen Farbkleckse.

Der interessanteste Aspekt: Batman sieht sich in seinen Träumen selbst als Mörder. Und auf manchen Bildern wird er selbst als geflügelter Dämon dargestellt. Wieder einmal liegen Schrecken und Erlösung ganz nah beieinander.

>> Batman 2000-2011


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Zero Year: Noch mal von Null an

DC Comics

Titel: Zero Year – Secret City/(Savage City)/Dark City (dt. Jahr Null – Die geheime Stadt/Die dunkle Stadt)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo u.a.

Erschienen: 2013-2014 (Batman #21-24, #25-27, #29-33 (The New 52)); dt. Panini (Batman #27-34), Paperbacks 2015/2016


 „The city lets me be anyone I want.“ (Bruce Wayne)

Besser spät als nie: Nach dem Reboot des DC-Universums musste auch Batman eine neue Entstehungsgeschichte bekommen. Autor Scott Snyder hat sich Zeit gelassen, erst mal ein Mega-Epos wie Court/City of Owls hingelegt, dann eine solide Joker-Story erzählt und erst für die dritte große Geschichte seinen Batman-Origin aufgespart. Zero Year heißt sie – und der Name ist nicht nur eine Reminiszenz an Millers Year One, sondern steht auch für eine neue Zeitrechnung für Gotham.

Red Hood von Greg Capullo (DC Comics)

Snyder hat einen anderen Ansatz als Miller. Er lässt Wayne als Verbrechensbekämpfer nicht klein anfangen, sondern geht gleich in die Vollen: Zu Beginn sehen wir einen Mann der vielen Masken, der gegen die Red Hood Gang kämpft. Diese hat es in sich, hat – ähnlich wie der Rat der Eulen – die Stadtgesellschaft infiltriert und erpresst normale Menschen dazu, als Verbrecher zu arbeiten. Gleichzeitig weiß der Leser, dass der Anführer der Gang später – nach einem Bad in Chemikalien – als Joker wiederkehren wird.

Ein Anti-Year One

Auffälligster Unterschied zu allen bisherigen Origins ist der Stil. Snyder schreibt im Vorwort zu seinem Script (das im ersten Band vielmehr ein Nachwort ist), dass er etwas eigenes, ein Anti-Year One habe machen wollen: „heller, dynamischer, bombastischer, mit Action, Abenteuer und einem Hauch Science-Fiction“. Und tatsächlich spielen viele Szenen bei Tageslicht, sogar mit blauem Himmel und Flauschewolken. Der junge Bruce Wayne ist ein noch größerer Draufgänger als etwa bei The Court of Owls, er flucht ständig und zeigt sogar einmal den Stinkefinger (was leider von den spießigen Amis plump zensiert wird). Wir erfahren, dass er offenbar schon als Kind gerne ausgebüchst ist, um die Stadt unsicher zu machen. Die Vorgeschichte ist allerdings nur stark zerstückelt eingestreut. Waynes erste Initiationsszene, der Mord an seinen Eltern, wird dankenswerterweise spät nachgereicht, seine Ausbildung ausgespart und in mehreren kleinen Einzelepisoden in andere Hefte ausgelagert. (Am Ende von Secret City gibt es einen „Director’s Cut“ mit drei Kurzgeschichten.)

Ansonsten tut Snyder, was er schon bei Death of the Family getan hat: er bedient sich bei der Tradition. Batmans erster Auftritt ist angelehnt an das Cover von Detective Comics #27, das Kostüm mit den lila Handschuhen erinnert an Bob Kanes ersten Entwurf, Synder zitiert auch Frank Millers Dark Knight bis hin zum „Goddamn Batman“ (eine Stelle, die im Original leider zensiert ist). Wie schon bei Miller muss Wayne auch hier als Verbrechensbekämpfer zunächst einen herben Rückschlag erleiden, bevor er auf die Idee kommt, einen anderen Ansatz in Betracht zu ziehen. Und ebenfalls wie bei Miller spricht er die heiligen Worte im Angesicht der Büste von Thomas Wayne: „Yes, father. I shall become a bat.“ Auch der Sturz des jungen Bruce in die spätere Bathöhle inklusive einer traumatisierenden Begegnung mit ihren Bewohnern ist altes Traditionsgut (vgl. Shaman). Allerdings bemüht sich Snyder nicht so akribisch darum, die Herkunft des Kostüms und der Gadgets zu erklären. Der Schwerpunkt der Story liegt auf der Herausforderung, der sich Batman stellen muss.

Gotham wird zum Niemandsland

Denn die Episode mit der Red Hood Gang ist nur der Auftakt. Snyder hat den Riddler zu Batmans erstem klassischen Oberschurken ausgewählt – und das ist kühn, weil dieser bisher nur eine Nervensäge aus der zweiten Reihe gewesen war. Die Zeit dürfte vorbei sein: Edward Nygma ist ein größenwahnsinniger Klugscheißer, der die ganze Stadt terrorisiert und schließlich auch von der Außenwelt abschottet und in ein dystopisches Niemandsland verwandelt (kommt das jemandem bekannt vor?) – es beginnt das Jahr Null für Gotham. Batman muss sich mit Gordon und Lucius Fox verbünden, um dieses auch technisch begabte Genie zu bekämpfen und die Stadt zurückzuerobern. Endlich kommt der Riddler zu seinem Recht als ernstzunehmender Gegner. Und ganz nebenbei belebt Snyder auch Doctor Death als Handlanger wieder – einen der ersten Batman-Schurken aus Detective Comics #29, hier allerdings in einer monströsen Erscheinung.

Das Ganze ist ein dicker Brocken für eine „erste“ Batman-Story. Snyder kann offenbar keine Geschichten in kleinerem Maßstab mehr denken, alles muss den Helden immer an den Rand des Äußersten führen. Das Problem an diesem Verfahren ist, dass es sich schnell verbrauchen wird, weil das Extreme schwer zu überbieten ist. Aber Snyder muss – wie schon zuvor – sowohl neue als auch alte Leser bei Laune halten. Daher versucht er einen Spagat zwischen Tradition und Innovation, bietet aber statt Spektakel meist nur viel Getöse.

Die Jagd nach dem Riddler gestaltet sich zu abstrakt, zu technisch, zu theoretisch; es ist zu schwierig für den Leser, die einzelnen Probleme nachzuvollziehen, warum der Riddler so schwer aufzuspüren ist. Hier zählt vor allem die Action. Aber die lässt leider die Raffinesse der Eulen-Story vermissen. Was den Riddler motiviert, bleibt bis zum Schluss offen. Dass er schließlich so leicht zu besiegen ist und es selbst seine Roboter besser wissen, ist alles andere als überzeugend. Und dafür, dass Gotham für ein paar Monate vor die Hunde geht, wird die Zeit zu schnell abgehandelt. Das alles macht Zero Year zwar kurzweilig unterhaltsam, aber zu keinem neuen Klassiker.

Das Konzept von Snyders Stories, vielleicht von Batman-Stories überhaupt, bringt einmal Alfred auf den Punkt, als er über Batmans Rolle für die Menschen (und damit auch für die Leser) spricht:

„They want to be transported, Bruce. Transported to a world where bigger truths are at work, and anything — anything — can happen. A world where the impossible is possible. Batman can be something like that for them, Bruce. (…) Someone who defies every damn rule of logic that governs their lives.“

>> Batman 2011-2019


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Catwoman in Rom

Catwoman: When in Rome

Titel: Catwoman: When in Rome (dt. Damals in Rom)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 2004 (Mini-Serie #1-6), dt. Panini 2006, Eaglemoss 2017 (DC Comics Graphic Novel Collection 112)


„Cat. Woman. That last part about the ‚woman‘ is pretty important.“ (Catwoman)

Während Batman in Dark Victory den Hangman-Killer jagt, reist Selina Kyle nach Rom, um herauszufinden, ob Carmine „The Roman“ Falcone wirklich ihr Vater ist, wie sie vermutet. Mit dabei ist Edward Nygma, der Riddler, der ihr dabei helfen soll, das Geheimnis zu lüften. Der aber erweist sich dabei ziemlich untauglich, sondern nutzt nur jede Gelegenheit, sich an seine Auftraggeberin ranzuschmeißen. Die aber träumt und halluziniert nur von Batman, während sie in Wirklichkeit mit einem blonden italienischen Auftragskiller anbandelt. Ach so, und ganz nebenbei gerät die Dame in Nöte, weil die italienische Mafia hinter ihr her ist.

Aber wen interessiert schon die Handlung, wenn man einer so heißen Braut mit Idealmaßen beim Baden, Räkeln und Nacktschlafen zusehen kann? When in Rome wirkt wie ein einziger feuchter Traum von Comic-Nerds, die sehen wollen, wie Catwoman endlich von Batman flachgelegt wird. Natürlich gibt sie – ganz die Emanze – die Unnahbare. Es ist die dick aufgetragene Erotik, die der Geschichte ihre Spannung verleiht. Bereits in The Long Halloween machte das doppelte Knistern zwischen Bruce und Selina/Batman und Catwoman einen Reiz aus, hier werden die damit verbundenen Sehnsüchte regelrecht ausgeweidet.

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Dark Victory: Bullen am Strick

Batman: Dark Victory

Titel: Dark Victory

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1999-2000 (Mini-Serie #0-13)


Seit dem Tod seiner Eltern ist Bruce Wayne allein, seit Harvey Dent zu Two-Face geworden ist (vgl. The Long Halloween), kämpft auch Batman allein gegen das Verbrechen. Das heißt, nicht ganz allein, denn da ist ja immer noch Comissioner Gordon, der gute Polizist. Doch seinesgleichen geht es an den Kragen: Ein Jahr nach dem Ende des Langen Halloween, als der Serienmörder Holiday an Feiertagen Mafiosi erschoss, treibt nun ein weiterer Mörder sein Unwesen. Ein gewisser Hangman knüpft Polizisten und Ex-Polizisten auf – wieder an Feiertagen. Die Rätsel, die der Unbekannte im Stil des Galgenmännchen-Spiels hinterlässt, weisen wieder auf Harvey Dent hin …

Der Nachfolger des Epos The Long Halloween macht es Neueinsteigern nicht leicht. Man muss den ersten Teil gelesen haben, um auch den zweiten zu verstehen, der um einiges komplexer aufgebaut ist. Es gibt sehr viele alte und neue Charaktere, viele Settings und viel Neben-Handlungen wie die Flucht mehrerer Arkham-Insassen und das Familiendrama um die Mafiosi Falcone. Wieder einmal wird hier die Schurken-Parade aus dem ersten Teil aufgefahren. Dennoch behalten Jeph Loeb und Tim Sale ihren selbstgesetzten Qualitäts-Standard bei – und das obwohl sie dieses Mal auch die Entstehungsgeschichte von Robin miteinbauen.

Glücklicherweise ist diese aber auf das Nötigste beschränkt und Robin bekommt eine düstere Erscheinung, der ihn sympathisch und nicht wie sonst nervig erscheinen lässt. Die Engführung von dem jungen Bruce Wayne und Dick Grayson gehört zu den besten Sequenzen des Bandes: Die Szene, in der Grayson das Schlafzimmer der Waynes betritt, wird gespiegelt mit einer Rückblende, in der der junge Bruce sich fast genauso verhält. Das mag vielleicht etwas dick aufgetragen sein, formal gelungen ist es allemal.

Ebenso bemerkenswert ist das visuelle Konzept der Cover, die immer einen andere Figur (meistens Schurken) eingefärbt vor einem schwarzen Hintergrund zeigen. Die letzte Seite der Kapitel zeigt jeweils Jim Gordon vor einer Pinnwand, auf der immer andere Beweismittel zu sehen sind. Das hat den Effekt, dass der Leser so zum Co-Ermittler wird. Allerdings ist es nicht leicht zu erraten, wer der Mörder ist. Doch darum geht es sowieso nicht primär, sondern wie immer um Bruce Wayne, seine Sorgen und Ängste. Diesen Charakter definiert das Dream-Team Loeb/Sale als einen einsamen Rächer, der eigentlich nur Freunde und Mitstreiter sucht.

>> Batman 1990-1999

The Long Halloween: Das Überschreiten der Grenze

Batman: The Long Halloween

Titel: The Long Halloween (dt. Das lange Halloween)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1996-1997 (Mini-Serie #1-13)


„Two shots to the head. You ask me, it couldn’t have happened to a nicer guy.“ (Harvey Dent)

Stehen drei Männer auf dem Dach des Polizeipräsidium: Gordon, Dent und Batman. Sie sind sich einig über ihr Ziel, sie wollen die Mafia bekämpfen, sie schmieden einen Pakt, dass sie dabei eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. Dem Staatsanwalt und dem Vigilanten scheint die Übereinkunft schwer zu fallen. Und kurz darauf beginnt eine Mordserie an der Mafia, ein Jahr lang schlägt der Unbekannte an Feiertagen zu – das lange Halloween. Jeder der drei könnte der Täter sein …

In 13 Kapiteln erzählen Loeb und Sale eines der größten und großartigsten Batman-Epen: In einem Film-Noir-Stil, der sich schon bei Haunted Knight bewährt hat. Am beeindruckendsten sind die Mord-Sequenzen, die in Schwarz-weiß gehalten sind und nur Details zeigen, sowie die doppelten Splash-Pages, wie etwa die mit der eine Lagerhalle voller Geldscheine (die Szene wird später im Film The Dark Knight zitiert). Die Story lässt sich Zeit; das tut vor allem den Charakteren gut. Autor Loeb beweist viel Gespür für Figurenzeichnung, besonders für das Trio Bruce Wayne, Gordon und Dent, deren Hintergründen er viel Platz einräumt. Im Grunde macht The Long Halloween da weiter, wo Year One aufgehört hat. Dort wurde das Bündnis von Batman und Dent nur angedeutet, hier wird es näher ausgeführt und zu einer tragischen Klimax gesteigert. Wir sehen, wie ein fanatischer Gerechtigkeitskämpfer zuerst seine Ehe ruiniert und dann sein Leben, indem er verunstaltet und dadurch zu Batmans Erzfeind Two-Face wird.

Doch selbst den Nebenfiguren, wie etwa der Mafia-Familie Falcone, wird Leben eingehaucht. Dass sich Loeb dabei dreist bei Der Pate bedient, wollen wir es aber, wegen seiner sonst großen Originalität, wohlwollend als intertextuelle Anspielung verstehen. Ansonsten brennt Loeb nämlich ein wahres Feuerwerk für Batman-Fans ab, indem er den wichtigsten Schurken einen Auftritt gibt: Joker, Poison Ivy, Scarecrow, Mad Hatter, Riddler, Catwoman. Hier ist für jeden was dabei.

>> Batman 1990-1999

Haunted Knight: Heimsuchungen an Halloween

Batman: Haunted Knight

Titel: Haunted Knight (dt. Nacht des Schreckens; Einzelausgaben: Halloween in Gotham City, Irrsinn, Geister)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1993/1994/1995 (Legends of the Dark Knight Halloween Specials), Paperback 1996


„It’s just the thing for a rainy day …“ (Martha Wayne)

Bevor Jeph Loeb und Tim Sale ihr 13-teiliges Epos The Long Halloween schufen und damit zum Batman-Dream-Team der 90er wurden, verdienten sie sich mit drei Halloween-Specials für Legends of the Dark Knight ihre Sporen: Fears, Madness und Ghosts. Gesammelt bilden sie den Band Haunted Knight. Schon hier beweisen sie sich als Meister des sequentiellen Erzählens: Stimmungsvolle Spiele mit Licht und Schatten wie beim Film Noir (wobei der Schatten überwiegt), dynamische Figuren, dramatische Splashpages zum Einrahmen, Anleihen beim Surrealismus. Hoffnungslos verloren wirkt Batman, wenn er im Sturz von Krähen angegriffen wird, wenn in einem schier endlosen Irrgarten seine Kräfte versagen oder angeschossen in Pieta-Stellung in der Gosse liegt.

Im Zentrum stehen nicht die Kämpfe gegen die Schurken Scarecrow, Mad Hatter und Pinguin. Sie bilden nur die Anlässe für Batmans eigene Vergangenheitsbewältigung. Loeb und Sale zeigen einen persönlichen und verletzlichen jungen Helden, der noch am Anfang steht und sich den Dämonen stellen muss, die ihn seit der Kindheit plagen. Besonders deutlich wird das in der dritten Erzählung, die Dickens Weihnachtsgeschichte an den Abend vor Halloween verlegt: Drei Geister suchen Bruce Wayne auf (in der Gestalt von Poison Ivy, Joker und dem Tod) und führen ihm vor Augen, dass er sich nicht damit begnügen kann, sich hinter der Maske von Batman zu verstecken, sondern auch ein Leben als Bruce Wayne braucht – und als dieser angewiesen auf Gesellschaft ist. So sehen wir nicht nur Episoden aus Bruce Waynes Kindheit und seiner Vorliebe für Zorro und Perlen, sondern auch als Erwachsenen in intimen Situationen, wenn er etwa wie ein Junge am Fenster hockt und Alice im Wunderland liest oder Süßigkeiten an Kinder verteilt.

Seit Frank Miller hat niemand Batman so eindrucksvoll inszeniert wie Loeb und Sale. Dieses Buch gehört in jede Sammlung von Freunden wahrer Comic-Kunst. Es ist die perfekte Lektüre für regnerische (Herbst-)Tage.

Warum Batman einen Robin braucht

Batman: A Lonely Place of Dying

Titel: A Lonely Place of Dying

Autor/Zeichner: Marv Wolfman, George Pérez/Jim Aparo

Erschienen: 1989 (Batman #440-442, The New Titans #60-61) Paperback 1990, 2011 (A Death in the Family), 2019 (Batman: The Caped Crusader Vol. 2)


 „Batman and Robin. Maybe they have to be a team. Though sometimes I think I may have created a Frankenstein.“ (Bruce Wayne)

Nach dem Tod von Robin II (Jason Todd) ist Batman nachlässig geworden: er bringt sich selbst unnötig in Gefahr, verletzt sich zunehmend und ist auch sonst eine traurige Erscheinung. Da kommt ein unbekannter 13-Jähriger daher, Tim Drake, der Batman und Robin beobachtet hat, ihr Geheimnis kennt und nun darauf aus ist, den ersten Robin (Dick Grayson), der nunmehr als Nightwing unterwegs ist, dazu zu bringen, wieder Robin zu werden. In der Zwischenzeit versuchen Batman und Two-Face, einander dranzukriegen, indem sie sich gegenseitig Fallen stellen.

Dieser Teil der Story wirkt bemüht konstruiert: Die Doppelstruktur der Erzählung wird in parallel angeordneten Panelreihen enggeführt. Zudem wird Two-Faces Zweier-Manie überstrapaziert – bis hin zu der aufs Auge gedrückten Botschaft, dass auch Batman eine Art Sekundanten braucht. Der Robin-Nightwing-Teil nimmt unnötigerweise einen Umweg über die (lahmen) Titans, wir sehen Dick Grayson dabei zu, wie er einen Mord in seinem ehemaligen Zirkus aufklärt und die Institution vor der Pleite rettet. Und dann gibt es da noch den jungen Tim Drake, der einen wieder daran erinnert, warum er später so nervt. Er ist ein kleiner Klugscheißer, der altkluge, pathetische Reden schwingt und sich in Dinge einmischt, die ihn nichts angehen. Drake ist nicht nur der Robin-Nachfolger, er ist auch derjenige, der erklärt, warum Batman einen Robin braucht – wodurch er sich selbst Legitimation verleiht: „He needs Robin. He needs him to remember what he used to be. Before his parents died.“

DC Comics

Aber eigentlich ist die Begründung egal. Ob man ihn mag oder nicht: Batman braucht einen Robin. Warum? Weil das 1940 so beschlossen wurde und er seitdem (für viele Fans) nicht mehr aus dem Kanon wegzudenken ist. „Das war schon immer so“, ist keine plausible Erklärung, aber eine, die man hinnehmen muss. Dennoch wirkt es plump, wie penetrant sich dieser Tim Drake geradezu in diese Rolle drängt. Und natürlich knickt Batman ein. Bei Robin wird er stets schwach. Ja, vielleicht ist das die wahre Funktion von Robin: Der Sidekick steht für Batmans Schwäche, für all die Fälle, in denen er es alleine nicht bringt.

Vielleicht aber auch ist etwas an dem Satz dran, den Two-Face sagt: „… there are priorities. There are procedures! Without procedure there is anarchy, systems fall apart.“

(Hinweis: Dieser Artikel wurde zuletzt am 27.2.2024 aktualisiert.)

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