Comic

Infinite Crisis: Die beste aller möglichen Welten

DC Comics

DC Comics

Titel: Infinite Crisis

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Phil Jimenez

Erschienen: 2005-2006 (Mini-Serie #1-7, Paperback 2006), dt. Panini 2007 (Paperback)


„This corrupted and darkened earth must be forgotten as ours was … so that the right earth can return.“ (Superman von Erde zwei)

„I still can’t tell the heroes from the villains.“ (Superboy Prime)

Der Wachturm der Justice League ist zerstört, Wonder Woman hat den Schurken Maxwell Lord vor laufenden Kameras hingerichtet, Batmans Überwachungssatellit Brother Eye läuft aus dem Ruder, Scharen böser OMAC-Roboter greifen an, Superschurken vereinigen sich und stiften Chaos, im Universum tobt ein Krieg zwischen Rann und Thanagar, bei dem auch das Green Lantern Corps mitmischt. Und dann kommen auch noch fast vergessene Helden zurück: der alte Superman von Erde zwei, Superboy Prime und Alexander Luthor – die drei Relikte der Crisis on Infinite Earths. Sie wollen das Multiversum wiederherstellen, um eine bessere Erde zu erschaffen. Und dafür sind sie bereit, große Opfer zu bringen.

Infinite Crisis ist die Fortsetzung der ersten Crisis und macht genau da weiter, wo die Story 1985 endet. Einerseits. Andererseits ist auch unmittelbar davor viel passiert: Insgesamt ein One-Shot und fünf Mini-Serien muss man lesen, um hier ganz durchzusteigen (Countdown to Infinite Crisis, The OMAC Project, Rann–Thanagar War, Day of Vengeance, Villains United, DC Special: The Return of Donna Troy), ganz zu schweigen von den unzähligen Tie-ins (die Omnibus-Edition umfasst über 1100 Seiten). Wer die Mühe scheut, könnte beim Lesen des Haupt-Events schnell frustriert sein. Man wird als naiver Leser zu sehr ins kalte Wasser geworfen, manche wichtigen Ereignisse aus der ersten Crisis werden nacherzählt, anderes wird nur angedeutet, vieles muss man sich zusammenreimen und auch sonst ist das Problem, wie typisch bei solchen Mega-Events, dass auf den Seiten einfach zu viel los ist. Zu viele Figuren, zu viele Wimmelbilder voller Schlachten, zuweilen versteht man nicht mal, wo sich die Story befindet oder was in den jeweiligen Panels passiert. (Allerdings werden immerhin ein paar Ereignisse aus Under the Hood klarer.)

Aber trotz des typischen Mangels des Zu-viel-gewollt liest sich Infinite Crisis unterhaltsamer als ihr Vorgänger – und das nicht nur, weil die Fortsetzung viel kürzer ist. Abgesehen von dem Quatsch drumherum konzentriert sich die Story auf die drei Superman-Gestalten, Batman und Wonder Woman – und das ist der rote Faden, an dem man sich beim Lesen gut festhalten kann. Der alte Superman will seine Lois vor dem Tod retten, Superboy Prime hat ein Ego-Problem und trägt es mit dem Superboy Conner Kent aus und unser Superman steckt in einer Schaffenskrise: „… let’s face it, ‚Superman'“, sagt Batman am Anfang, „the last time you really inspired anyone was when you were dead.“ Doch auch der Dunkle Ritter hat mit persönlichen Problemen zu kämpfen, weil ihm das Instrument seines Kontrollwahns entgleitet und ihm alles zu viel wird: „I can’t breathe. Can’t do this anymore. God … I wish … I wish I could start over.“

Schließlich ist auch der Grundgedanke interessant, der Alexander Luthor und seine Anhänger umtreibt: dass die neu geschaffene Erde nach der Crisis keine bessere geworden ist. Zu viele Helden und Unschuldige sind seitdem gestorben (z.B. Superman, Sue Dibny, Blue Beetle oder Maxwell Lord). Die Unbeschwertheit des alten DC-Universums ist dahin. Luthor ist besessen davon, aus vielen neuen Erden die beste aller möglichen Welten zu machen (Leibniz hätte seine Freude), dazu täuscht er seine Verbündeten, Helden werden zu Schurken. Das reicht für ein großes, weltbewegendes Epos – und dieser Kern der Story macht auch Spaß. Wer das viele Drumherum ignorieren kann, wird auf seine Kosten kommen.

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Batman und Joker treffen Spider-Man und Carnage

Marvel

Marvel

Titel: Spider-Man and Batman

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis/Mark Bagley

Erschienen: 1995 (One-shot, Marvel)


„It’s not a question of stomach, my friend — it’s a question of style.“ (Joker)

Batman und Spider-Man verbünden sich gegen Joker und Carnage. Die beiden Helden, die ähnliche Traumata verbinden (böser Mann schießt Verwandte tot), bekämpfen die Schurken, die durch ihr außerordentliches Lächeln auffallen. Der Killer Carnage alias Cletus Casady bekommt von Dr. Kafka einen Chip ins Hirn implantiert, damit er das Morden lässt. Weil das zu funktionieren scheint, kommt auch der Joker in den Genuss dieser Heilung. Doch bei Carnage wirkt das Ding nicht, er bricht aus, kehrt zu alten Gewohnheiten zurück und macht mit dem Joker gemeinsame Sache. Leider sind sich die beiden nicht ganz grün. Der eine will Gemetzel, der andere will Theater.

Auch zwischen Batman und Spider-Man läuft die obligatorische Disharmonie ab: Batman spielt Diva, will zunächst keine Hilfe. Nach gutem Zureden von Alfred kriegt sich der Dunkle Ritter wieder ein und zusammen mit Spider-Man ist der Fall schnell gelöst. Sehr formelhaft, aber sehr dynamisch gezeichnet. Unterhaltsam, aber kein Muss. Aber allein dieser Satz, den Joker zu Carnage spricht, ist es wert, eingerahmt zu werden:

„I always thought of myself as the Orson Welles of crime and chaos — while you, apparently, aspire to be nothing more than … David Hasselhoff!“

>> Batman-Crossover

Coverwahn #5

Weihnachten wurde in diesem Jahr um einen Monat vorverlegt: Auf den 25. November, wenn die erste Ausgabe von Dark Knight III: The Master Race herauskommt. So wie sich die Meldungen zu der Mini-Serie von Frank Miller und Brian Azzarello überschlagen, kann man schon fast von einem erweiterten Adventskalender sprechen: Fast jeden Tag ein neues Cover, ein Panel oder eine Seite aus dem neuen Werk. Manches ist beeindruckend, manches mäßig, vieles redundant.

Nun hat DC ein weiteres Cover aus der Hand des Meisters Frank Miller herausgebracht, dieses Mal eines mit Batman. Wieder ist es auf seine Weise extrem: Ein ziemlich mitgenommener Batman mit zerrissenem Umhang schreitet tief gebeugt durch einen Blutsturm, die Fäuste geballt, das Gesicht verzerrt. Und wie schon bei dessen Superman ist das Urteil vieler Fans sehr harsch: Kritisiert wird die Anatomie, etwa dass Batman ein Oberschenkel fehlt oder dass die Proportionen seiner Schuhe nicht stimmen … Andere wiederum rechnen es Miller hoch an, dass er trotz seiner Erkrankung immer noch weiterarbeitet. Die dritte Fraktion ergeht sich in ewiger Dankbarkeit für Millers Werke aus den 80ern und 90ern. Die vierte hasst ganz einfach alles, was er macht.

Egal, was mit Miller persönlich los ist: Er bleibt sich treu, weil er immer noch provoziert. Und wer provoziert, der spaltet. Sein Batman war schon immer ein Wagnis, die Dekonstruktion eines Helden – und diesen Weg geht Miller bis zum Ende weiter. Selbst sein gehasster All-Star Batman war ein Versuch, noch extremer zu sein, den Helden seines Heldentums zu berauben und ihn damit in seinen Grundfesten zu erschüttern. Wenn sich damals alle aufgeregt haben, war das Ziel erreicht. So dürfte es auch mit Dark Knight III sein. Einfältig ist es nur, das Werk schon schlecht zu machen, bevor man es gelesen hat.

Meine Meinung? Ich mag das Cover auch nicht. Aber je länger ich es mir ansehe, desto mehr kann ich ihm einen gewissen Reiz abgewinnen. Es ist wie bei meiner ersten Lektüre von The Dark Knight Returns: Damals mochte ich den Zeichenstil auch nicht, aber das Buch hat mich trotzdem ungemein gefesselt und mittlerweile kann ich mir die Panels nicht mehr anders vorstellen, denn sie tragen sehr zu der beklemmenden Stimmung des Comics bei. Dieses Cover ist auf seine Weise radikal – und so muss es sein: Ein gebrochener Held, am Rande seiner Kräfte, verkrampft in einer unnatürlichen Haltung, aber allen Widerständen trotzend, am Boden, aber immer noch dabei, sich aufzuraffen.

Damit ist Millers Werk deutlich unkonventioneller als das seiner Mitstreiter: Darwyn Cooke wiederholt das Mutanten-Schlammcatchen, allerdings im Stil der Animated-Serie (vgl. Episode Legends of the Dark Knight), Matt Wagner liefert uns ein solides Porträt vom Joker mit Batarang im Auge (kennen wir auch schon), Bruce Timm beweist mit seinem Batman-Porträt Mut zur Falte, Klaus Jansons zweites Cover ist einfach nur öde. Am eindrucksvollsten sticht Sean Murphys zweites Variant heraus: Batman im Panzer, Superman im Visier. Interessant an dieser Doppelstruktur ist, dass sowohl Batman umrahmt ist von einer Fledermaus-Silhouette als auch Superman eine solche Form bildet. Schon Murphys erstes Cover zu DK III zeigte eine Konfrontation der beiden Helden: Batman drückt Superman darauf zu Boden. Auch das ist extrem, auch das dürfte im Sinne des Erfinders sein.

Am Anfang war der Anzug

DC Comics

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Am Anfang ist da ein Anzug in einer Vitrine: ein schwarzes Cape, ein fettes Fledermaus-Symbol auf der geschwellten Brust, die verschattete Maske mit spitzen Ohren – sie scheint auf uns herabzuschauen. Dann, im nächsten Panel: Scherben, das Glas der Vitrine zerspringt in tausend Scherben – wie einst, als die verirrte oder auch vom Schicksal geleitete Fledermaus durch die Fensterscheibe in Wayne Manor gekracht gekommen ist und den Helden inspiriert hat, ihre Gestalt anzunehmen. Am Ende, im dritten Panel, sehen wir die zerstörte Vitrine vor dem Schlund der Bathöhle, der Torso eines Mannequins steht nackt, einsam und verloren auf einer Stange mitten in den Scherben. Das Licht scheint immer noch auf ihn. Wer den Anzug genommen hat, ist nicht klar. Aber bestimmt dürfte es der rechtmäßige Besitzer gewesen sein, der erneut Maske und Cape anlegt, um noch einmal, ein drittes Mal – und vielleicht auch endgültig – zurückzukehren.

Die Marketing-Maschine für Dark Knight III: The Master Race läuft wie geschmiert: Nachdem DC schubweise Cover und Variants veröffentlicht hat, dann das erste Panel, kommt nun die erste Seite. Und so sehr die Fans sich über Frank Millers Superman-Cover beschwert haben, so sehr muss man zugeben, dass Hauptzeichner Andy Kubert seine Sache fantastisch macht. Auch die anderen Einblicke, die Jim Lee bereits in die erste Ausgabe gewährt hat, zeigen die Meisterschaft hinter den Zeichnungen. Kubert zeichnet ähnlich wie Frank Miller einst gezeichnet hat, mit grobem Strich, aber noch deutlich noiresker, also mit mehr Schatten – das war bereits beim ersten Cover-/Promo-Bild zu erkennen. Damit dürfte DK III zumindest visuell ein Fest werden. Die Legende Batman wird schon jetzt gründlich abgefeiert. Allein die Tatsache, dass die Erzähler so direkt und doch dezent in ihre Story einsteigen, lässt hoffen, dass sie der Reihe zurück zu alten Tugenden verholfen haben.

Coverwahn #4

Joker, Mutant, Superman, Robin, Wonder Woman – das Figuren-Repertoire von The Dark Knight Returns ist ebenso begrenzt wie die Einfälle für die Variant Covers von Dark Knight III: The Master Race. Und so sehen wir auch beim nächsten Schub von Titelbildern immer dieselben ikonischen Motive. Zwar ist ein Werk von Brian Bolland eigentlich immer bemerkenswert, aber bei seinem Titelbild stehen Batman und Joker planlos nebeneinander wie beim Fotografen und scheinen auch nicht zu wissen, was sie tun sollen. Beim Mutantenanführer sehen wir Batman einen Schritt weiter als zuvor: nicht mehr beim Kampf, sondern nach seinem Triumph – immerhin als episches Gemälde. Gary Frank (Batman: Earth One) lässt Superman einen Kryptonitpfeil fangen, Josh Middleton fällt nichts besseres als eine planlose Collage von Batman mit Wonder Woman und Robin ein. Da ist es im Zweifel besser, wie Altmeister Neal Adams einfach nur einen hopsenden Batman vor dem Nachthimmel mit ganz viel bauschendem Cape zu machen. Eine einfache Heldenpose geht immer.

Doch auch DK3-Ko-Autor Frank Miller hat ein Cover beigesteuert: für den ersten Mini-Comic über Atom. Wir sehen den kleinen Helden vor dem Hintergrund des Batsignals am Nachthimmel, in der Bildmitte schwebt ein klobiger Superman mit einer Mimik und Haltung, als würde er auf dem Klo sitzen. Millers ohnehin sperriger Stil hat sich bereits bei DK2 stark gewandelt, noch immer neigt er zur Übertreibung und lässt die Figuren wie Karikaturen aussehen. Angesichts dessen kann man nur froh sein, dass nicht er, sondern Andy Kubert für die Zeichnungen der Hauptstory zuständig ist.

War’s das endlich mit dem Cover-Wahn?  Nein, es kommen noch 20 weitere Variants. Mindestens. Und wir reden immer noch von Ausgabe eins. Oh je …

Ein UPDATE!

DC Comics hat ein Video herausgebracht, in dem nicht nur mehr Cover, sondern auch ein paar Panels und Seiten aus der ersten Ausgabe zu sehen sind – und das ist wirklich beeindruckend. Die Verleger Dan DiDio und Jim Lee plaudern ein bisschen aus dem Nähkästchen und erzählen, was sie an dem Projekt DK III begeistert. Schön, erwachsene Männer zu sehen, die sich immer noch wie kleine Jungs freuen können.

Die Mutter aller Krisen

DC Comics

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Titel: Crisis on Infinite Earths

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/George Pérez

Erschienen: 1985 (Mini-Serie #1-12), dt. Dino 1999 (JLA Sonderband #12-13)


„Worlds lived, worlds died. Nothing will ever be the same.“

Einmal alle Helden in einer Geschichte. Das war Marv Wolfmans Kindheitstraum. 1985 bekam er von DC endlich die Gelegenheit dazu: mit Crisis on Infinite Earths. Und dabei hat er auch gleich die Funktion eines Hausmeisters übernommen und einmal das Multiversum entrümpelt von zu vielen Parallelwelten, Helden und auch Continuity-Problemen. Mit der neuen Ordnung sollten die Comics wieder zugänglicher für neue Leser sein. Nach diesem Hausputz begann DC von vorn, Superman und Batman bekamen neue Origins, und die Krise wurde zum Muster für viele weitere Crossover/Events, die darauf folgten und immer wieder aufs Neue das Universum erschütterten, bis nach Jahren wieder mal keiner durchblickte. Alles ist auf Zyklen ausgelegt.

Worum geht es in Crisis? Es gibt zwei Ober-Gurus: Der böse Anti-Monitor aus dem Antimaterie-Universum vernichtet ein Materie-Universum nach dem anderen. Warum? Weil er böse ist und Macht will – das Übliche eben. Der andere Oberguru, der Monitor, versucht seinen bösen Bruder davon abzuhalten und schickt eine hübsche Helferin aus, die ein paar Helden und Schurken versammeln soll, um wenigstens ein paar Welten zu retten. Helden vereinigen sich, Welten überlappen sich, man kämpft gegen Schattendämonen, man kämpft gegen den Anti-Monitor, man kämpft gegen Superschurken, viele Helden und Schurken sterben und auch viele Welten. Die fünf verbliebenen Welten fusionieren zu einer. Ende. Und der Anfang von etwas Neuem.

Im Wesentlichen war’s das. Aber das alles ist auf 350 Seiten so breitgetreten und zäh, dass es abwechselnd furchtbar ermüdet, nervt und langweilt. Eine halbe Ewigkeit braucht es, bis die Handlung richtig in Gang kommt. Zu Beginn sehen wir immer dasselbe: Welten, die von Antimaterie-Wolken vernichtet werden und eine Heulsuse mit lila Haaren, die sich selbst bemitleidet. Später sehen wir unzählige Kämpfe unzähliger Figuren, die alle austauschbar sind. Man hat das Gefühl, in jedem zweiten Panel tummeln sich neue Figuren, die alle mal was sagen müssen, ohne wirklich zur Geschichte beizutragen. Hauptsache scheint zu sein, dass sie da sind. Der größte Makel ist, dass die Story zu viel will und zu wenig bietet: viel Lärm um nichts.

Vor allem fehlt ihr ein emotionaler Anhaltspunkt: Es gibt keine Hauptfigur und die handlungstragenden Figuren haben keine Tiefe. Einzig die Tode von Supergirl und Flash (Barry Allen) könnten als Höhepunkte durchgehen, den Rest nimmt man gleichgültig hin. Die gefühlt ein Dutzend Tode und Auferstehungen des Anti-Monitors hätte man sich sparen können. Diese Story scheint einfach kein Ende zu nehmen. Zu allem Überfluss ufert sie auch noch in eine Reihe von Binnenhandlungen aus, die bloß angerissen, aber dann in anderen Serien fortgesetzt werden. (Immerhin weist der Autor auf die Hefte hin, die man dafür lesen muss.)

Am Ende bringt es Superman auf den Punkt: „I was expecting more … satisfaction.“ Crisis mag seinen Platz in der Geschichte der Superheldencomics haben. Es hat dem DC-Universum gut getan, dass es von unnötigem und zum Teil lächerlichem Beiwerk befreit wurde (auch wenn mit den Jahren leider vieles wieder aus der Mottenkiste geholt wurde). Aber die Story, die darum gestrickt wurde, liest sich wie eine Pflichtübung, ein reines Mittel zum Zweck. Daher ist Crisis ein Werk, dass man kennen, aber nicht unbedingt lesen muss. Schon gar nicht ein zweites Mal. Ich habe mich damit eine Woche lang rumgequält und bin froh, dass ich es hinter mir habe. Wahrscheinlich hätte ich sonst selbst die Krise gekriegt …

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Endgame: Schluss mit lustig

DC Comics

Titel: Endgame (Batman Vol. 7), dt. Todesspiel

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2015 (Batman #35-40, Hardcover 2015); dt. Panini 2015-2016 (Batman #41-44), Paperback 2016


„See, Batssss, this time, no more games … no more jokes. I’m just here to close up shop!“

„I’m afraid it’s his masterpiece, Sir.“ (Alfred)

„… go get that bastard.“ (Alfred)

Die Justice League greift Batman an. Zuerst Wonder Woman, dann Flash, dann Aquaman – schließlich auch Superman. Batman wehrt sich so souverän wie nie zuvor: mit einer riesigen Kampfrüstung, die es in sich hat. Doch das unnatürliche Grinsen in Supermans Gesicht zeigt ihm, dass das nur der Auftakt zu etwas weit Schlimmerem ist: der Rückkehr des Jokers. Nach den Ereignissen von Death of the Family, in denen der Joker Batman seine Liebe gestanden hat und ihn um seine Familie bringen wollte, schlägt der Erzfeind wieder zu – und zwar mehr als je zuvor. Wo einst Liebe war, ist nur noch Hass. Der Zurückgewiesene rächt sich. Jetzt ist Schluss mit lustig.

Gothams Bewohner werden mit einem Joker-Virus infiziert, der sie zu grinsenden, aggressiven Zombies macht. Der Virus ist – anders als alle Joker-Gifte und -Gase zuvor – so gut wie unbesiegbar. Der Joker, der sein Gesicht wiederhergestellt und sich einen neuen Haarschnitt verpasst hat, kennt nun auch Batmans Geheimidentität und im Gegensatz zu früher nutzt er diesen Vorteil aus. Außerdem stellt sich die Frage, ob der Joker nicht über besondere Heilkräfte verfügt. Es kommt zu einer ultimativen Demütigung, zur ultimativen Schlacht: Batman versammelt seine Mitstreiter und Feinde, um gegen Jokers Zombie-Armee zu kämpfen, während er zugleich ein Mittel gegen die Seuche sucht.

Wer das Buch noch nicht gelesen hat und sich die Spannung nicht verderben möchte, dem sei geraten, es nachzuholen (es lohnt sich) und das Lesen des Artikels an dieser Stelle zu beenden.

ACHTUNG SPOILER!

Snyder und Capullo haben wieder einmal einen großen Wurf gelandet. Sie schaffen es, das erzählerische Niveau zu halten und den Horror des ersten Joker-Teils zu wiederholen. Allein die Rahmung mit dem Theater und der Analogie zu Tragödie und Komödie ist meisterhaft. Gelungener ist Endgame, weil die Story weniger die Tradition zitiert, sondern weitgehend eigenständig bleibt. (Allein die Frisur des Jokers erinnert an den Batman Beyond-Film Return of the Joker, und die Straßenparade zitiert Burtons ersten Batman-Film.) Allerdings sollte man Storys wie Rat der Eulen/Stadt der Eulen sowie Tod der Familie gelesen haben, Batman Eternal wäre auch nicht verkehrt. Snyder überrascht wieder, indem er interessante Situationen schafft und seinem Schurken neue Facetten abgewinnt, aber leider schießt er mit der Metaphysik übers Ziel hinaus.

DC Comics

Den Joker soll es jetzt schon immer gegeben haben – als pale man, den blassen Mann, der bereits auf historischen Fotos grinsend an Schauplätzen von Tragödien zu sehen ist. Dank einer Art Lazarus-Grube schaffte er es, sich ständig zu erneuern, daher auch das neue Gesicht. Hier aber muss man sich fragen, warum der Anführer der Red Hood-Gang nicht bereits blasshäutig war, sondern erst nach dem Sturz in den Chemietank, und warum das Gesicht nicht bereits verheilte, nachdem es dem Joker abgeschnitten wurde (und warum er es sich überhaupt entfernen ließ). Abgesehen von solchen Unstimmigkeiten ist es unnötig, den Joker unsterblich zu machen und ihm damit etwas von seinem Reiz zu nehmen. Der Witz war ja, dass er wie Batman nur ein Mensch ist, der es trotzdem immer wieder schafft, Übernatürliches oder gar Unmenschliches zu leisten. Diese schabenhafte Resistenz, mit der er das Böse schlechthin verkörperte, wird jetzt zu sehr mystifiziert und in die Nähe von Ra’s al Ghul gerückt.

Doch es gibt auch andere, kleinere Schwächen: Dass am Ende Helden und Schurken Seite an Seite kämpfen, mag zwar ein netter Einfall sein, aber dass Scarecrow und Pinguin mitmachen, zwei nicht gerade besonders starke Typen, ist wohl mehr dem Fan-Service als der Plausibilität geschuldet. Und dass der Joker nicht einfach Batman abknallt oder Alfred dahinmetzelt, als er die Gelegenheit dazu hat, ist auch eher schwer nachvollziehbar. Allerdings muss man Synder zugute halten, dass er seine Charaktere nicht schont. Besonders James Gordon und Alfred müssen wieder leiden. Der Showdown im Finale ist das blutigste und härteste Gemetzel seit Frank Millers The Dark Knight Returns. Ein wenig erinnert es auch daran, aber dass das Schicksal der beiden verblutenden Gegner offen bleibt, gibt dem Ende eine andere Wendung. Denn es zeigt nur erneut, was Batman auch über seine Kämpfe mit Superman feststellt: dass keiner der beiden gewinnen kann.

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Coverwahn #3

Der Hype um Dark Knight III: The Master Race nimmt Überhand. DC hat bereits 42 Variant Cover angekündigt. Doch auch wenn sehr viele erstklassige Künstler involviert und ein paar tolle Motive präsentiert worden sind, treten beim Betrachten der Bilder jetzt schon Verbrauchserscheinungen ein. Meistens sind es bloß Hommagen an den ersten Dark Knight-Teil. Langsam reicht es. Wie viele Sprünge von Batman mit Robin Carrie Kelley wollen wir noch sehen? Wie viele Variationen der Prügelei mit dem Mutanten-Anführer? Wie viele Sichten auf den Kampf mit Superman? Da ist mal ein minimalistisches Cover wie das von Tim Sale eine willkommene Abwechslung: Silhouette und Symbol in einer dunklen Gasse – und das war’s. Der Mann hat’s immer noch drauf.

Interessanter als das Bildergucken ist ein Interview mit Co-Autor Brian Azzarello, bei dem Details zu der Mini-Serie, die am 25. November beginnt, bekannt werden. Allerdings sind es eher formale Details. Azzarello verrät, dass Teil 3 eine Mischung aus Teil 1 und Teil 2 wird, dass die Mini-Comics, die zu jedem Teil beigelegt werden, eigentlich Teile der Haupthandlung waren und ausgegliedert wurden. Außerdem gibt er Einblicke in seine Schreibwerkstatt mit Frank Miller. Ein etwas ausführlicheres Interview, bei dem sich der Autor furchtlos zeigt, findet man bei Comicbookressources.com.

Der Vollständigkeit halber hier die ganze Liste der Zeichner, die ein Variant-Cover beisteuern werden:

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Das war der Batman-Tag 2015

Ausbeute des Batman-Tags 2015

Foto: Lukas Gedziorowski

Ich konnte nicht widerstehen: Zwei Gratis-Comics und eine Joker-Maske, die ich nie aufsetzen werde. Aber hey, es war für lau … Das ist meine Ausbeute vom ersten Internationalen Batman-Tag. Den Gratis-Comic gab es einmal auf deutsch und einmal auf englisch. Obwohl das Titelbild gleich ist, gibt es zwei große Unterschiede. Während die US-Ausgabe das ganze erste Kapitel von Endgame (dt. Todesspiel) enthält, hat Panini bei der deutschen Ausgabe geknausert und die ersten vier Seiten weggelassen. Das ist nicht nur schwer nachvollziehbar, da die Seiten nun mal zur Story dazugehören (und dadurch zu ihren Reiz beitragen), sondern auch sehr halbherzig, da es immerhin darum geht, neue Leser zu gewinnen. Aber offenbar wollte man noch einen Kaufanreiz für das nächste reguläre Batman-Heft schaffen. So viel sei verraten: Der Beginn von Endgame hat es in sich. (Ausführliche Besprechung kommt morgen!)

Der wichtigere Unterschied: Während Panini eine bereits publizierte Story („Look Inside“) mitgegeben hat (aus dem Megaband #1, bzw. Legends of the Dark Knight Vol. 2), hat DC acht Seiten von Batman & Robin Eternal gebracht. In der neuen wöchentlichen Serie, die Batman Eternal im Oktober beerben soll, geht es um Geheimnisse aus der Vergangenheit, die das Verhältnis von Bruce Wayne und Dick Grayson in der Gegenwart belasten sollen. Auf den acht Seiten erfährt man nicht viel, außer dass Batman eine Information vor Robin zurückhält. Das Ganze ist wie immer sehr detailreich und lebendig von Tony S. Daniel gezeichnet. Die Story von James Tynion IV und Scott Snyder scheint – wie schon Batman Eternal – großes Kino zu werden. Aber zunächst muss ich noch die Vorgänger-Story lesen. Drei dicke Bände, das braucht Zeit …

Coverwahn #2

DC hat noch mehr Cover für Dark Knight III – The Master Race veröffentlicht. Hauptzeichner Andy Kubert zaubert uns erneut eine noire Sicht auf den Dunklen Ritter als Fassadenkletterer, was vor dem roten Hintergrund besonders cool kommt, Eduardo Risso lässt Batman selbst rot glühen, als Dämon, der sich von einem Gargoyle stürzt. Lee Bermejo setzt auf eine Actionszene mit Robin, ein weiteres Cover von Kubert zeigt Carrie Kelley in Gefangenschaft (ein Ausblick auf Ausgabe #2), Klaus Janson hingegen enttäuscht mit Batman, Superman und Robin im Profil und Halbschatten – lahm. Meine Favoriten kommen von Rafael Albuquerque und Tyler Kirkham. Beide haben (wie schon Jae Lee und Sean Murphy) eine Reminiszenz an The Dark Knight Returns gezeichnet: Bei ersterem verprügelt Batman den Mutantenanführer im Schlammloch, bei letzterem sieht man den Antihelden mit blutigen Fäusten vor seinen Anhängern stehen – der Himmel knallrot. Höchstdramatisch. So haben wir’s gern.