Comic

Was ist DC Rebirth?

Am Anfang war da nur ein blauer Vorhang mit der Aufschrift „Rebirth“. Wochenlang wurde darüber spekuliert, was es mit dem neuen Projekt von DC Comics auf sich hat: Ein Reboot, ein Relaunch, neue Nummerierung, neue Autoren oder gar eine Anpassung an die TV-Serien? Jetzt hat DC das Geheimnis gelüftet. Hier ein paar erste Fakten:

  • Rebirth ist kein Reboot. Es geht laut Geoff Johns darum, zurückzugehen zu dem, was die DC-Figuren einst ausgemacht hat. Als Beispiel nennt er die Mini-Serien Green Lantern: Rebirth (2004-2005) und Flash: Rebirth (2009). In dem Stil soll es wohl mit anderen Charakteren weitergehen. „‚DC Universe: Rebirth‘ is about bringing back what makes the DC Universe the DC Universe.“ (So Geoff Johns im Interview mit Comicbookresources.com.)
  • Es geht los am 25. Mai 2016. Dann erscheint der 80-seitiger One-shot DC Universe Rebirth Special, mit dem eine neue Story beginnt, der viele Fragen beantwortet und neue aufwirft. Autor ist Geoff Johns, Zeichner sind Ethan Van Sciver, Phil Jimenez, Ivan Reis und Gary Frank. (Preis: 2,99 US-Dollar.)
  • Einmalige Rebirth-Specials erscheinen im Juni zu den Haupthelden, im Juli folgen Specials zu Nebencharakteren.
  • Nach der Nummer 52 der Hauptreihen, werden alle Titel neu nummeriert – außer die Traditions-Serien Action Comics und Detective Comics, in denen Superman und Batman ihre ersten Auftritte hatten. Die Serien kehren zurück zur alten Nummerierung, setzten also bei #957 und #934 an. Bei DC freut man sich schon auf die Jubiläumsausgaben #1000. Die wird schneller erreicht als gedacht, denn Action und Detective werden zweimal im Monat erscheinen.
  • Die Hauptserien erscheinen ab Juni zweimal im Monat (Batman, Superman, Wonder Woman, Flash, Green Lanterns, Aquaman, Green Arrow), später kommen auch Nightwing, Harley Quinn, Deathstroke, Suicide Squad und Cyborg alle zwei Wochen heraus.
  • Im Herbst erscheinen weitere Serien wie Batman Beyond neu. Die Serie Batman/Superman wird eingestellt. Sie könnte von dem Titel Trinity ersetzt werden, der Batman, Superman und Wonder Woman vereinen könnte. Neben Justice League wird es auch Justice League America geben, beide Serien werden alle zwei Wochen erscheinen.
  • Die Hefte werden günstiger: Es sollen alle 2,99 US-Dollar kosten, zuvor kosteten die A-Serien 3,99 US-Dollar.
  • DC geht es darum, wieder dem Vermächtnis treu zu werden, vernachlässigten Nebencharakteren wieder zu ihrem Recht zu verhelfen, die lange Tradition in die Storys einzubinden. Neue Geheimnisse sollen gelüftet werden. Johns: „… we’ve got a great story to tell about it. A big story.
  • Comics, TV-Serien und Kinofilme bleiben getrennt.

Das eigentliche Ziel ist, den Erwartungen alter Leser gerecht zu werden und sich zugleich für neue Leser zu öffnen. Sowohl Traditionalisten als auch Neueinsteiger sollen sich im DC Universum wiederfinden können. Das Reboot The New 52 (2011) hat zwar einige gelobte und gut verkaufte Titel hervorgebracht (allen voran natürlich Batman), aber nicht die erwartete Begeisterung. Es war ein halbherziges Reboot, das sich oft wie keines anfühlte. Schon da wirkte es, als wollte man Tradition mit einem Neuanfang verbinden. Jetzt, da es für DC offenbar nicht gut läuft, versucht man es noch einmal, aber ganz anders, wohlvertraut und dennoch neu. Geoff Johns vergleicht es mit Star Wars Episode VII.

Für ein Urteil ist es noch zu früh. Klar ist, dass Rebirth (auch wegen der Nummerierungen) zunächst für Verwirrung sorgen könnte. Und wollen wir wirklich wieder neue Origins aller Helden lesen? Hat es die zuletzt nicht genug gegeben? DC steckt nach acht Jahrzehnten in der Falle: Die Last der Tradition ist zu groß, um sie abzuschütteln – und trotzdem will man Neues erzählen. Der verdoppelte Erscheinungszyklus der Bestseller-Serien könnte aber den Druck erhöhen und Verbrauchserscheinungen beschleunigen.

Auf dem Pfad des Soldaten

DC Comics

Titel: Batman/Deathblow – After The Fire (dt. Nach dem Feuer)

Autor/Zeichner: Brian Azzarello/Lee Bermejo

Erschienen: 2002 (Mini-Serie #1-3, Paperback 2003, Deluxe Edition 2013), dt. Panini 2003


„The world’s not a coin, Deathblow — and it’s not round, either. It’s like a diamond, multifaceted.“

Bevor Brian Azzarello und Lee Bermejo ihr gemeinsames Meisterwerk Joker machten, bevor sie sich Lex Luthor zuwandten, liefen sie sich mit Deathblow warm. Der Supersoldat aus dem Wildstorm-Universum trifft auf Batman, könnte man meinen. Ist aber nicht so. Denn der Witz an dieser Story, wenn es denn einen gibt, besteht darin, dass der Titel zwar ein Crossover suggeriert, aber tatsächlich treffen die Helden nie zusammen. Vielmehr ist es so, dass Batman einem Fall nachgeht, der vor zehn Jahren schon Deathblow beschäftigt hat. Doch der Soldat ist mittlerweile tot. Und so sehen wir dabei zu, wie zwei Geschichten, Vergangenheit und Gegenwart, miteinander enggeführt werden – und das alles geschieht in der gewohnten visuellen Qualität, die man von Lee Bermejo kennt.

DC Comics

Und auch einige von Azzarellos Dialogen sind gelungen. Doch leider gibt es davon zu viel. Die Story lahmt daran, dass zu viel geredet wird über Auftragskiller, Terroristen, Geheimorganisationen und Doppelspiele, und zu wenig passiert. Ein bisschen Ballerei, ein bisschen Feuer und das war’s, sonst nur öde Wortwüste. Der zündelnde Schurke, der äußerlich an Tyler Durden (Brad Pitt) aus Fight Club erinnert, dient weder als Bindeglied zwischen den Helden noch weckt er als Charakter Interesse. Das einzig Überraschende ist, wenn am Ende Batman Deathblow zum Leben erweckt, allerdings leuchtet der Grund dafür nicht ein. Genauso wenig wie der Anlass, diese lahme Geschichte zu erzählen. Für einen hochbegabten Bildererzähler wie Lee Bermejo ist dieses Heft verschenktes Potenzial. Wie gut, dass er sich danach noch ein paar Mal beweisen durfte, bis hin zu großen Würfen wie Noel.

Mehr zum Thema:

Alle Jahre wieder

Batman versus Superman, Teil 11: World’s Finest (1999)

Titel: Batman & Superman – World’s Finest

Autor/Zeichner: Karl Kesel/Dave Taylor, Peter Doherty u.a.

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-10, Paperback 2003), dt. Carlsen 2000 (6 Teile)


„You know, I think we’re getting the hang of this ‚working together‘ thing!“ (Superman)

Kaum treffen Batman und Superman (schon wieder) erstmals aufeinander, passiert am gleichen Ort ein Verbrechen. Doch kaum verbünden sie sich, um es zu bekämpfen, geht etwas schief: Zwar fassen sie den Entführer, doch das Opfer stirbt durch einen (selbstverschuldeten) Unfall – und das alles nur, weil sich die weltbesten Helden nicht abgesprochen haben, wie sie vorgehen sollen. Daraufhin treffen sie sich jedes Jahr am Todestag des Opfers, um auszuprobieren, ob und wenn ja wie sie doch zusammen funktionieren können. Mal kommt Batman nach Metropolis, mal kommt Superman nach Gotham City. Und jedesmal passiert zufällig gerade etwas, das ihrer beider Aufmerksamkeit bedarf.

Erzählt wird keine fortlaufende Geschichte in zehn Teilen, sondern zehn Episoden mit einer narrativen Klammer. Allein der erste und letzte Teil hängen eng zusammen. (Auch formal, weshalb sie im Prestige-Format mit 48 Seiten ausgestattet sind, die übrigen acht Episoden aber bloß Standard-Hefte mit 22 Seiten sind. Im Deutschen wurden daher sechs Teile daraus gemacht.) Die Helden treffen auf Schurken wie Lex Luthor, Joker, Catwoman und Two-Face, auf Verbündete wie Batgirl, auf Nervensägen wie Mr. Mxyzptlk und Bat-Mite, Batman begegnet nach Supermans Tod seinen vier Nachfolgern, Superman trifft auf Batmans Stellvertreter Jean-Paul Valley. Einmal lässt sich Clark Kent für eine investigative Reportage in Arkham Asylum einweisen, indem er sich als Superman ausgibt – und am gleichen Tag brechen einige Insassen aus.

Zitat von Superman #76 (1952) in World's Finest #7 (1999). (DC Comics)

Zitat von Superman #76 (1952) in World’s Finest #7 (1999). (DC Comics)

Die meisten dieser Storys sind so belanglos wie entbehrlich (vor allem die alberne Kobold-Story), zudem teilweise leidlich gezeichnet (manches wirkt cartoonhaft, anderes einfach nur falsch), mit Anspielungen auf die Tradition und einem großen Figurenaufgebot im Finale, wenn Supermans Schurken gegen Batmans Schurken kämpfen, wird vor allem Fan-Service betrieben. Interessant wird es aber dort, wo die Helden miteinander über ihre Rollen sprechen – oder wo sie von anderen analysiert werden. Es geht um unterschiedliche Strategien: Superman wirft Batman vor, er würde die Menschen zu sehr ängstigen. Batman erwidert, dass auch Supermans Präsenz einschüchternd wirkt. Mr. Mxyzptlk stellt fest: „Batman spends the whole life trying to be superhuman, and Superman spends the same time trying to be a normal human!“

Die herausragende Episode ist die siebte, in der Superman Batman nach Smallville bringt. Batman hat vor kurzem erleben müssen, wie der Joker Batgirl (Barbara Gordon) verkrüppelt und Robin (Jason Todd) ermordet hat. Superman hingegen hat gerade erstmals einen Mord begangen – an drei Schurken zugleich, um Schlimmeres zu vermeiden. Das ganze Heft ist ein Dialog über das Überschreiten der Grenze, den Tod eines Menschen zu verantworten. Am Ende dürfen sich die World’s Finest bei Leben und Tod beweisen: Batman rettet einem alten Mann das Leben, während Superman neues Leben zur Welt bringt, indem er Hebamme spielt. Schließlich frühstücken die beiden als Clark und Wayne bei den Kents. Zwar ist nicht immer so viel Harmonie in dem Zehnteiler, aber andererseits besteht auch nie Feindschaft.

Am Ende, wenn sich retroaktive Seligkeit einstellt, kommen Batman und Superman zu dem Schluss, dass sie – trotz aller Differenzen – gut zusammenarbeiten können, auch wenn es ihnen nicht immer recht ist. Dass sie einander mögen, so weit geht die Liebe dann doch nicht. Immerhin reicht es für einen Handschlag – keine Selbstverständlichkeit.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

In Gotham ist die Hölle los

DC Comics

DC Comics

Titel: The Doom that Came to Gotham (dt. Schatten über Gotham)

Autor/Zeichner: Mike Mignola, Richard Pace/Troy Nixey

Erschienen: 2000-2001 (Mini-Serie #1-3, Paperback 2015), dt. Panini 2001 (DC Premium, Bd. 1), Batman Collection: Mike Mignola (Panini 2012), DC Comics Graphic Novel Collection (Eaglemoss 2015)


„To save Gotham City … you must cut out its heart.“ (Harvey Dent)

„To prevail in this, Bruce Wayne must die … and through death become himself.“ (Etrigan)

Im Jahr 1928 entdeckt der Forscher Bruce Wayne auf einer Antaktis-Expedition ein verlorenes Schiff und einen Überlebenden, der ein Monster hütet. Wayne bringt den Mann aus dem Eis nach Gotham City – aber damit auch einen Vorläufer des Fluchs, der in der Stadt darauf wartet, befreit zu werden.

Was folgt, ist ein Mash-up aus H.P. Lovecraft, Hellboy und der Welt von Batman: Schlangenmenschen, Werwölfe und Tentakelriesen treffen auf Variationen von Mr. Freeze, Poison Ivy, Two-Face und Ra’s al Ghul. Eine Reptilienplage überzieht Gotham City. Eine Art Killer Croc tötet Menschen für den bösen Zweck. Und das alles nur, weil Gothams Gründerväter mal an ein paar satanischen Ritualen teilgenommen haben – unter anderem auch Thomas Wayne, der zwar lange leben darf, aber schließlich für den Fluch ermordet wird. Batman muss also Papas Fehler wiedergutmachen.

Batmans altmodisches Kostüm wird zwar in Mitleidenschaft gezogen, aber sonst hat er gegen seine Gegner am Ende leichtes Spiel. Zuvor scheut er nicht davor zurück, eine Pistole zu benutzen – seine Eltern wurden nämlich mit einem Messer abgestochen. Im Finale darf der Dämon Etrigan, der in höllenverwandten Storys obligatorisch ist, als Deus ex machina herhalten, um dieser Geschichte ein jähes Ende zu bereiten. Das alles wirkt nicht nur, wie schon mal gesehen: ganz ähnlich ist auch das unsägliche Haunted Gotham gemacht.

Leider ist The Doom that Came to Gotham nicht viel inspirierter oder gar spannender geraten. Immerhin die Zeichnungen sind passabel, wobei die Monster überzeugender gelingen als die Menschen. Man wird den Verdacht nicht los, dass es auch den Autoren darum ging. Batman wird am Ende nämlich buchstäblich zum Fledermausmann, was übrigens auch schon in Batman & Dracula und Bloodstorm vorgekommen ist.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Tausend Jahre Tradition

Batman versus Superman, Teil 10: Generations (1999)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman & Batman: Generations – An Imaginary Tale (dt. Untertitel: Eine imaginäre Geschichte)

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-4, Paperback 2000), dt. Carlsen 1999 (4 Teile)


„Continuity is important. A sence of history and tradition.“ (Bruce Wayne)

„What a man! Bruce, why can’t you be more like him?“ (Lois Lane)

Was wäre, wenn Superman und Batman normal altern würden? Was wäre, wenn sie heiraten und Kinder kriegen würden? John Byrne hat in seiner Imaginary Tale, wie er die Elseworlds-Story nennt, die Comic-Continuity mit der Comic-Historie verschränkt und die beiden größten Helden gemeinsam alt werden lassen, von der ersten Begegnung 1939 bis zum Jahr 1999 – und dann noch mal über 920 Jahre.

Beim ersten Treffen bei der Weltausstellung in Metropolis (eine Anspielung auf das gemeinsame Cover von World’s Fair Comics) kämpfen sie gegen den Ultra-Humanite, einen Vorläufer von Lex Luthor, zehn Jahre später auf Luthor selbst, der (mit dem Joker) die schwangere Lois Lane goldenem Kryptonit aussetzt, sodass der erste Sohn von Superman ohne Kräfte aufwächst. Doch auch Batman bekommt einen Sohn, Bruce Junior, allerdings erfährt man nie, wer seine Mutter ist. Der wird zum nächsten Robin und nach Dick Graysons Tod zum Batman und bändelt dann mit der Tochter von Superman und Lois an: Kara, dem Supergirl. Doch den Kindern ist kein Glück vergönnt, Luthor lässt die Hochzeit platzen, indem er zuerst Lois und dann Kara tötet. Vorher schon zieht der verbitterte Sohn Joel in den Vietnamkrieg, wo er Kriegsverbrechen begeht und schließlich getötet wird. Superman verliert schließlich seine Kräfte und rächt sich an Luthor, indem er ihn tötet, dann wird er von Batman zur Strafe in die Phantomzone verbannt. Batmans Leben wird dank der Lazarusgrube verlängert.

Am Ende sehen sich Superman und Batman im Jahr 2919 wieder, wo sie sich daran erinnern, schon im Jahr 1929 als Superboy und Robin (!) miteinander gegen Luthor gekämpft zu haben. Aber nicht erst hier wird die Story dämlich, schon vorher gab es eine nervige Episode, in der es um einen Wettstreit zwischen Bat-Mite und Mr. Mxyzptlk ging, ob Superman oder Batman der größte Held ist. Der unzeitgemäße Stil der Geschichten ist zwar der Nostalgie geschuldet, den Reminiszenzen an das Golden, Silver und Bronze Age, aber die Byrnes Erzählweise wirkt immer gleich altbacken und seine Wendungen bemüht.

Zwar ist das Grund-Szenario, das Byrne durchspielt, durchaus reizvoll, geht aber über das Niveau einer Seifenoper nicht hinaus. Der Erzähler rast durch die Jahrzehnte und lässt selbst die dramatischsten Augenblicke vorübergehen, ohne dass die Helden oder die Leser Zeit bekämen, damit umzugehen. So sehr aber die Story das Vergehen der Zeit thematisiert, so sehr versucht sie auch, die Helden zu konservieren. Statt Superman mit dem Verlust seiner Kräfte auch altern zu lassen, wird ein Weg gefunden, wie er sie wiederbekommen kann. Statt Supermans Enkel ohne Kräfte zu lassen, werden sie ihm regelrecht aufgenötigt, damit er als Nightwing das Erbe des Vaters weitertragen kann. Und zu allem Überfluss wird Batman auch noch unsterblich gemacht.

Welchen Sinn ergibt das Konzept vom Altern, wenn die Superhelden dann doch 1000 Jahre und länger leben, so lange bis sie sich aus Langweile neuen Welten zuwenden? Daher heißt es auch folgerichtig am Schluss „Never the End!“ Aber wer altert, sollte auch sterben können. Das hätte den Superhelden etwas mehr von der Menschlichkeit verliehen, die sie nötig gehabt hätten. Stattdessen macht Byrne, was bei DC Tradition ist: Heldenverehrung und Mythenpflege.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Raiders of the Lost Argos

Batman versus Superman, Teil 9: Elseworld’s Finest (1997)

DC Comics

DC Comics

Titel: Elseworld’s Finest

Autor/Zeichner: John Francis Moore/Kieron Dwyer

Erschienen: 1997 (Mini-Serie #1-2)


Was wäre wenn … Clark Kent und Bruce Wayne schon 1928 in der Blüte ihres Lebens gestanden hätten? Dann würde sie bestimmt ein gemeinsames Abenteuer zu Helden, wenn nicht gar Superhelden machen. Der Zweiteiler Elseworld’s Finest spielt diese Möglichkeit durch – und zwar auf sehr liebenswerte Weise im Stil einer typischen Pulp Fiction-Story à la Indiana Jones.

Der Hommage-Charakter wird schon auf der ersten Seite deutlich: Dort wird eine Comic-Seite aus dem Daily Planet gezeigt, in der es um ein Abenteuer Captain Marvels in Atlantis geht. Kurz darauf ist einer der Leser dieser Seite – der Zeitungsausträger Jimmy Olsen – Zeuge, wie ein Archäologie-Professor von Gangstern bedroht wird. Und wie der Zufall es will, wird ihm auf der Flucht das Leben von dem Reporter Clark Kent gerettet. Ihm erzählt Jimmy, was er gesehen hat, man geht zur Uni, kurz darauf taucht die Tochter des Professors, Lana Lang, auf und schon ist man unterwegs, um den Professor und die mythische Stadt Argos zu finden.

Für das richtige Indy-Feeling braucht es aber noch einen Draufgänger. Dem begegnet unser Team in Paris: Der Abenteurer Bruce Wayne hängt dort herum und betrinkt sich, nachdem er das Vermögen seiner toten Eltern verprasst hat. Gemeinsam geht die Reise nach Ägypten, wo man auf Ra’s al Ghul trifft, später bringt der (von Jules Verne inspirierte) Pirat Luthor alle in seinem U-Boot nach Argos, wo Kent eine Entdeckung macht, die ihn persönlich betrifft …

Gut, die Story ist nach typischem Schema geschrieben und die Zeichnungen erfüllen ihren Zweck, ohne besondere Kunst zu sein. Aber mehr will Elseworld’s Finest auch nicht. Herausgekommen ist ein Stück unterhaltsamer Schund-Literatur im besten Sinne. Wir sehen eine alternative Entstehungsgeschichte von Superman und Batman, die nach ihrem Abenteuer als dynamisches Duo zu Comic-Helden werden. Besonders interessant sind die Kostüme, die sie im Laufe der Handlung bekommen – auch wenn Batman eher nach Katze als nach Fledermaus aussieht. Aber wie so oft läuft es darauf hinaus, dass eine Elseworlds-Story nur ein Umweg ist, um zum bekannten Status quo der Continuity zu gelangen.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Coverwahn #12

Da sich Dark Knight III – Book 3 um einen Monat verspäten wird, vertröstet DC seine Fans mit fünf neuen Motiven, also fünf weiteren Variant Covern. Die Zeichner wiederholen sich wie die Motive. Passend zum Kinofilm Batman v Superman wird auf zwei Titelblättern weiter der Kampf der Helden aus The Dark Knight Returns ausgeschlachtet, Scott McDaniel setzt bei seiner Batman und Robin-Darstellung auf harte Schwarz-weiß-Kontraste, was das Auge aber nur bedingt erfreut, weil so ein zu unruhiger Eindruck entsteht. Allein Jim Lee reißt es raus: Er zeigt Batman beim Schießen mit einem Gewehr. Diese Szene gibt es ähnlich auch im ersten Teil und es ist eine ambige Sequenz, in der nicht klar wird, ob Batman einen Gegner nur anschießt oder erschießt – in jedem Fall benutzt er eine Handfeuerwaffe und bricht damit ein eisernes Prinzip … In jedem Fall ein starkes Motiv.

Frank Miller hat sich für Wonder Woman entschieden, die wie auch in DK III noch brachialer als Kriegerin erscheint. Das letzte Motiv zeigt das reguläre Cover zum Mini-Comic, das Green Lantern gewidmet ist. John Romita Jr. zeigt ihn bei einer anstrengend wirkenden Pose, fast als verschwendete Hal Jordan die ganze grüne Energie seines Rings, um einen Spagat hinzukriegen. Naja, begnügen wir uns damit. Am 24. Februar kommt hoffentlich der nächste Teil der Story – und darauf kommt es an.

P.S.: Wie die regulären Cover zu DK III #3-4 aussehen, habe ich bereits hier gezeigt.

Im Schatten der Fledermaus

DC Comics

DC Comics

Titel: Long Shadows

Autor/Zeichner: Judd Winick/Ed Benes, Mark Bagley

Erschienen: 2009 (Batman #687-691, Paperback 2010)


„Everything I am is because of him. I’m just not sure I can be him. Or that I want to.“ (Dick Grayson)

„You really believe everything that he was is a suit? A car? Body armor? A cowl? No. Batman’s dead. So what does that make you?!“

Nachdem Dick Grayson den Kampf um Batmans Nachfolge für sich entschieden hat, hadert er immer noch damit, das Kostüm anzulegen. Lieber versucht er als Nightwing (im Batmobil) für Recht und Ordnung zu sorgen. Als er sich endlich dazu durchringt, als Batman aufzutreten, fällt der Öffentlichkeit ein neuer Stil auf: Batman kämpft anders, scheut keine Kameras – und er lächelt während er Gangster aufmischt. Vor allem Two-Face hat seine Zweifel, dass sein Erzfeind doch noch leben könnte. Also plant er, dem Neuen zu Hause einen Besuch abzustatten und den Hochstapler zu überführen. Doch Dick Grayson geht in seiner neuen Rolle so sehr auf, dass er sehr überzeugend sein kann …

Man kann Long Shadows nach Battle for the Cowl als eine weitere Übergangs-Story abtun, die einen Generationswechsel einleiten soll. Aber damit wäre ihr Unrecht getan. Es ist eine ungewöhnliche Erzählung, die nicht vom Plot oder der Action lebt, sondern von einem Konflikt: Dick Grayson, der erste Robin, der sich als Nightwing von Batman emanzipiert hat, kämpft mit dem Mythos, den sein Mentor ihm hinterlassen hat. Dick ist klar, dass sich das Original nicht einfach ersetzen lässt, aber ein neuer Batman nötig ist. Nach langem Zögern und Zweifeln wird er das, was er nur werden kann: ein neuer Batman, keine Kopie des Alten.

Gerade die Zeit, die sich Judd Winick mit der Entwicklung des Hauptcharakters lässt, ist die große Stärke des Bandes. Zudem sehen wir einen Alfred, der um seinen verlorenen Sohn trauert, sowie Superman und Wonder Woman, die in einem der bewegendsten Momente Batmans Maske und Umhang in die Bathöhle überführen. Am Ende überzeugt die Einsicht, die Batman seinem alten Widersacher vermittelt: dass er sich verändern kann. Eben das ist das Geheimnis seines Erfolges.

>> Batman 2000-2011

Mit dem Schwert gegen den Stählernen

Batman versus Superman, Teil 8: Legends of the World’s Finest (1994)

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the World’s Finest (dt. World’s Finest)

Autor/Zeichner: Walter Simonson/Daniel Brereton

Erschienen: 1994 (Mini-Serie #1-3, Paperback 1995)


„I don’t want to go down there. It’s dark! And I’m afraid.“ (Batman)

Eine altbekannte Geschichte: Der kleine Kal-El kommt mit seinen Eltern Jor-El und Lara aus dem Kino, als ein Unbekannter die Eltern erschießt. Und dann gibt es noch die von Bruce Wayne, der der Zerstörung seines Heimatplaneten zusehen muss … Moment mal, da stimmt doch was nicht! Was nach Elseworlds klingt, sind in Wahrheit Träume, die Superman und Batman plagen, eingepflanzt von bösen Mächten aus der Hölle. Der Dämon Tullus will nach einem Jahrtausend in Knechtschaft seinen Fluch loswerden und sucht sich nicht nur Hilfe bei der ebenfalls Verdammten Silver Banshee, sondern auch bei Superman und Batman. Das Ergebnis ist eine gegenläufige Bewegung: Während Superman zu einem rücksichtlosen Haudrauf wird, wird Batman zu einem feigen Waschlappen, dem sein Cape hängenbleibt und der sich vor der Dunkelheit fürchtet. Dann wird Superman zum Diener des Bösen und es liegt an Batman, sich zusammenzureißen und seinem Kumpel wieder Vernunft einzuprügeln …

Die etwas altbackene Story kommt leider dank eines steifen, pathetischen Schreibstils gänzlich ohne Pointen oder Humor aus. Dafür sind die gemalten Panels von Daniel Brereton ein Hingucker. Dämonen erscheinen hier besonders teuflisch, Helden noch heroischer. Die Geschichte wäre auch interessanter, wenn man sie etwas geheimnisvoller erzählt hätte und nicht sozusagen ‚bei Adam und Eva‘ angefangen hätte, wo alles Mysteriöse gleich erklärt wird. Unterhaltsam ist es allemal, den beiden Protagonisten beim Rollentausch zuzusehen und beim Finale Batman in einer dämonischen Rüstung und Schottenrock gegen Superman kämpfen zu sehen. Batman schlägt mit dem Schwert auf Superman ein und muss sich dabei zurückhalten, um den alten Freund nicht zu töten. Die Gewalt dient der Rückbesinnung, damit sich Superman von seinem Fluch lossagt. Am Ende werden die beiden Kontrahenten wieder zum Team.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Erbstreit in der Familie

DC Comics

DC Comics

Titel: Battle for the Cowl (dt. Kampf um die Maske)

Autor/Zeichner: Tony S. Daniel

Erschienen: 2009 (Mini-Serie #1-3, Gotham Gazette: Batman Dead?/Batman Alive?), Paperback 2009


„The citizens of Gotham are looking for a savior.“

Seit Batman tot ist (oder wenigstens verschwunden, vgl. Final Crisis) herrscht in Gotham City das Chaos: Während sich die Banden von Pinguin und Two-Face bekriegen, heizt Black Mask die Stimmung noch zusätzlich auf. Er befreit die Insassen von Arkham Asylum, um sie für seine Sache einzuspannen, und jagt die Anstalt daraufhin in die Luft. Die verbliebene Batman-Familie bekommt Unterstützung vom „Network“, einem Zusammenschluss von Aushilfshelden. Nightwing (Dick Grayson) weigert sich, Batmans Nachfolge anzutreten, weil er Angst hat vor dem Scheitern. Andere Robins haben weniger Skrupel, die Fledermaus zu beerben, wie Tim Drake und Jason Todd – auch wenn letzterer nicht in Bruce Waynes Sinne handelt. Es kommt zum Kampf zwischen Dick und Jason. Am Ende ist ein neuer Batman gefunden.

Battle for the Cowl ist eine Übergangsstory, die dafür sorgt, dass Nightwing zu Batman wird. Und so liest sich die Geschichte auch: als leichte Unterhaltung für zwischendurch. Tony S. Daniel erweist sich erneut als Zeichner vor Kraft strotzender Astralkörper und spektakulärer Kampfszenen, aber als schwacher Erzähler. Zu abgehetzt und zu dicht vollgepackt wirkt die verhältnismäßig kurze Geschichte, vieles bleibt bloß angerissen, ohne erklärt zu werden. Die vielen Helden spielen nur eine marginale Rolle und nicht alle auf dem Cover kommen darin vor. Immerhin arbeitet der Autor den Grundkonflikt zwischen den beiden Batman-Rivalen ausführlich heraus.

Ergänzt wird die rasante Hauptgeschichte durch eine fade Nebenstory um Nebenfiguren wie Spoiler, Leslie Thompkins, Harvey Bullock und Vicky Vale. Man begreift nicht ganz, was das Ganze soll, bis am Ende die Reporterin endlich herausfindet, dass wer Bruce Wayne, Dick, Tim und Barbara Gordon wirklich sind. Das hat lange genug gedauert …

>> Batman 2000-2011