One-shot

Batman, der Dämon

Batman: Harvest Breed

Titel: Batman: Harvest Breed

Autor/Zeichner: George Pratt

Erschienen: 2000 (One-shot), dt. Panini 2001 (DC Premium)


Wer Arkham Asylum mochte, wird auch an Harvest Breed seine Freude haben. George Pratt erschafft albtraumhafte Bilder, mit denen er eine beklemmende wie verstörende Atmosphäre schafft, oft weiß man gar nicht, was man darauf erkennen soll. Es ist eine Sphäre von bösen Geistern und Dämonen. Wenn man sie erscheinen sieht, fragt man sich, ob es Realität oder Einbildung ist.

Ein Serienmörder versucht, die Pforten der Hölle zu öffnen und Batman muss ihn davon abhalten. Die Story ist eigentlich nebensächlich, denn es sind die Bilder, die zählen: die Darstellungen der gotischen Kirche, die unruhigen Farbkleckse.

Der interessanteste Aspekt: Batman sieht sich in seinen Träumen selbst als Mörder. Und auf manchen Bildern wird er selbst als geflügelter Dämon dargestellt. Wieder einmal liegen Schrecken und Erlösung ganz nah beieinander.

>> Batman 2000-2011


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Wie die Fledermaus zum Kinde kam

DC Comics

Titel: Son of the Demon (dt. Der Sohn des Dämons)

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Jerry Bingham

Erschienen: 1987 (One-shot), Paperback 2012 (Birth of the Demon); dt. Hethke 1989 (Batman Sonderband 2)


 „… forego your control, your discipline … just once, let yourself go … and take me with you.“ (Talia al Ghul)

Eine unbekannte Bande überfällt ein Chemiewerk, nimmt Geiseln und Batman rettet den Tag. Am Tatort ist auch Talia al Ghul, Tochter des Erzfeindes Ra’s. Sie leugnet jegliche Beteiligung an dem Überfall, also fliegt man gemeinsam zu Papa nach Hause, wo Ra’s dem Detektiv klarmacht, dass sie gegen einen gemeinsamen Feind kämpfen: Qayin, den Mann der Ra’s Frau getötet hat, ist mit den Jahren ein Superschurke geworden, der mit einem Wetter-Satelliten die Welt in den dritten Weltkrieg stürzen will. Während Gegner zu Verbündeten werden, kommen sich Batman und Talia wieder näher, erneuern ihre Ehe und vollziehen sie. Das Resultat dürfte bekannt sein, der Titel verrät es, daher bitte ich den Leser, mir den Spoiler zu verzeihen: Sie zeugen ein Kind.

Und obwohl Son of the Demon noch kein Elseworlds-Logo trägt, hat es lange als nicht-kanonische Story gegolten, bis Autor Grant Morrison ihre Grundidee wiederaufgegriffen und mit Damian Wayne Robin V geschaffen hat (Batman and Son).

Ansonsten ist das Buch ein solides Abenteuer im klassischen Gewand – also ohne große Überraschungen oder ausgefeilte Dialoge, dafür mit den üblichen Schwächen. Wie so oft geht manches zu schnell, wie etwa Ra’s Allianz mit Batman und der Kuhhandel, der Talia betrifft, geht auch allzu leicht vonstatten. Eigentlich will Batman nur einen Schurken fassen und dann lässt er sich spontan auf eine Ehe mit einer Frau ein, die einen größenwahnsinnigen Psycho zum Vater hat. Jerry Bingham ist ein fähiger Zeichner, der seinen Figuren Ausdruck und Schwung verleiht, Mike W. Barr ein Autor, der mit dieser Graphic Novel eines seiner besseren Werke abgeliefert hat.

(Für IGN ist Son of the Demon der fünftbeste Batman-Comic aller Zeiten, zudem die beste Ra’s-Story.)

Hinweis: Son of the Demon wurde zusammen mit den beiden anderen Teilen der Trilogie, Bride of the Demon und Birth of the Demon, in dem Sammelband Batman: Birth of the Demon (2012) aufgelegt.

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Die unerhörten Schreie der Kinder

Batman: Night Cries

Titel: Night Cries (dt. Ein Schreien in der Nacht)

Autor/Zeichner: Archie Goodwin/Scott Hampton

Erschienen: 1992 (One-shot)


„Blinde Fledermäuse bewegen sich problemlos an Hindernissen vorbei, doch taube Exemplare verirren sich hilflos.“

Zwei Familien werden brutal abgeschlachtet. Zunächst scheint es um einen Drogenkrieg zu gehen, doch dann stellt sich heraus, dass die Verbindung zwischen den beiden Fällen im Kindesmissbrauch besteht – höchst ungewöhnlich für eine Batman-Story. Warum das so ist, zeigt sich auch am Ende, wenn der Held an der Erkenntnis verzweifelt, dass erzwar viele Verbrechen sieht, verhindern oder rächen kann, aber für die unzähligen Schreie der Kinder taub ist.

Batman ermittelt zusammen mit dem frischgebackenen Comissioner Gordon. Bei diesem hängt mal wieder der Haussegen schief, weil das Privatleben wegen der Arbeit leidet und er sich daher die Frage gefallen lassen muss, warum er als Polizeichef immer noch auf der Straße ermittelt. Zudem muss er auch sein Kindheitstrauma bewältigen, von seinem Vater geschlagen worden zu sein. Damit wird der Fall auch zum persönlichen Anliegen, die Kette der Misshandlung zu durchbrechen.

Comic-Altmeister Archie Goodwin schafft es, mit seiner Story den Leser im Unklaren zu lassen und einige falsche Fährten zu legen. Dazu passen die gemalten Panels von Scott Hampton, die diesen Band erst veredeln. Die Bilder sind häufig so dunkel bis schwarz, dass man erst auf den zweiten Blick etwas erkennt, unscharfe Konturen lassen die Figuren mit den Hintergründen verschwimmen. So schafft der Künstler eine bedrückende Atmosphäre, die dem ohnehin schon düsteren Thema gerecht wird. Ein Band für Anspruchsvolle, für dunkle Herbstabende – oder lieber was für sonnige Tage, wenn es einen nicht so sehr runterzieht.

>> Batman 1990-1999

Die Freuden des Freudianers

The Batman of Arkham

Titel: The Batman of Arkham

Autor/Zeichner: Alan Grant/Alcatena

Erschienen: 2000 (One-shot)


Was wäre wenn … Bruce Wayne im Jahr 1900 Psychiater und Leiter von Arkham Asylum wäre?

Dann wäre er ein Freudianer, Philanthrop und natürlich auch Batman. In Alan Grants Elseworlds-Story erscheint Wayne als fortschrittlicher Arzt, der – anders als zu der Zeit üblich – seine Patienten nicht wegsperrt und unterdrückt, sondern zu heilen versucht. Bei Killer Croc hat das offenbar funktioniert, nun versucht Wayne sein Glück auch mit Poison Ivy, dem Bauchredner und Two-Face. Die Frage, die ihn dabei beschäftigt ist, was Menschen zu Mördern macht. Die Antworten darauf fallen unterschiedlich aus.

Wie üblich vertritt der Joker die steilste These: „The whole world is a death factory! Sooner or later, everybody dies … What matter if I hasten things along? Some might say I’m doing everybody a favor!“ Gesagt, getan. Der Joker tyrannisiert die Stadt mit seinem berüchtigten Lachgas. Als Batman eine Dosis abbekommt, kann er das Lachen nicht lassen und wird selbst Patient in Arkham. Dort übernimmt Dr. Crane die Leitung, was einer Schreckensherrschaft gleichkommt. Crane macht allen Fortschritt Waynes zunichte, er glaubt an die Macht der Angst. Nicht von ungefähr hat er den Schatten einer Vogelscheuche …

Wie so häufig bei Alan Grant ist auch diese Story voller Grübeleien über Gott und die Welt: „Gotham has always been synonymous with insanity“, sinniert Wayne. „The city has always carried the taint of madness. Is it someting in the water, perhaps … or even in the air itself?“ Für Two-Face ist die Ursache globaler Natur: „The world is an irrational place, doctor. Men fight wars, burn cities, torture each other. How can a product of this madness ever make a rational decision?“

Das gerade einmal 48 Seiten umfassende Buch ist vor allem formal interessant, nicht nur wegen der schön düsteren Zeichnungen von Alcatena, sondern auch weil die Panels in Jugendstil-Ornamenten untergebracht sind. Batman ist in einem Kostüm unterwegs, das an das von 1939 erinnert. Außerdem gibt es eine schöne Variation des Elternmordes – er findet bei einer Zirkusvorstellung statt, in der gerade Clowns das Publikum zum Lachen bringen … Man kann jedes Trauma noch steigern.

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>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batman versus Bruce Wayne

Batman: Ego

Titel: Batman: Ego

Autor/Zeichner: Darwyn Cooke

Erschienen: 2000 (One-shot), Reprint 2007/2008/2017 (Batman: Ego & Other Tails)


„Tell me, Batman, is it true you’re just an underdone potatoe?“ (Bruce Wayne)

Nachdem Batman den Joker wieder einmal besiegt hat, muss er mitansehen, wie der Handlanger sich aus Angst vor Rache erschießt. Der Held gerät in Selbstzweifel und fragt sich, ob er nicht selbst verrückt sei. Als Bruce Wayne erscheint ihm plötzlich eine bösartige Batman-Gestalt, sein Alter Ego, lässt sich von ihm in ein Selbstgespräch verwickeln und – wie einer der drei Weihnachtsgeister – mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontieren.

Der Held muss sich einige unangenehme Fragen gefallen lassen, die tief an seinem Innersten rühren. Etwa, warum er den Joker leben und dadurch immer mehr Morde zulässt. Oder was an seinem öden Leben als Bruce Wayne sich Leben nennen darf. Schließlich bietet ihm sein Alter Ego an, seine Persönlichkeit so zu spalten wie Two-Face, sodass Bruce Wayne nicht mehr verantwortlich ist für Batmans Taten und so beide frei sein können …

Darwyn Cooke hat zunächst als Storyboard-Zeichner für die Animated Series von Batman und Superman gearbeitet – und das merkt man. Sein schlichter Zeichenstil erinnert stark an den der Serien, vor allem an die Zeichnungen von Bruce Timm (Mad Love) und Scott Beatty (Robin: Year One). Sein cineastischer Erzählstil könnte gut für eine Verfilmung geeignet sein. Dann allerdings ginge der Reiz des Comics verloren. Ein bemerkenswertes Buch, das wegen seiner intimen Introspektion zu den intensivsten Batman-Comics gehört.

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Batmans zweites Jahr – mit Knarre

Batman: Year Two/Full Circle/Fear the Reaper

Batman: Year Two/Full Circle/Fear the Reaper

Titel: Year Two – Fear the Reaper/Full Circle

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis, Todd McFarlane

Erschienen: 1987 (Detective Comics #575-578)/1990 (One-shot) (Paperback 2002)


Batman war nicht der erste Rächer von Gotham City. 20 Jahre vor ihm machte der Reaper die Straßen unsicher, ein Kerl mit roter Rüstung, Totenkopfmaske und Sicheln an den Händen. Dieser „Sensenmann“ brachte den Tod, metzelte alle – Gauner wie Prostituierte – ohne Unterschied nieder. Nun, in Batmans zweitem Dienstjahr, kehrt er wieder zurück. Klar, dass die Fledermaus mit diesen Methoden seine Probleme hat. Doch bei der ersten Konfrontation zwischen den beiden Rächern bekommt Batman eine derartige Abreibung, dass er beschließt, zu härteren Mitteln zu greifen: der Pistole, die seine Eltern getötet hat.

Dieser Tabubruch kommt etwas plötzlich und es ist auch nicht ganz klar, warum es nötig ist, so weit zu gehen. Zumal Batman sie kaum benutzt, und dass auch nur so selten wie möglich, etwa um Gegner zu entwaffnen oder um Gordon seine Pistole aus der Hand zu schießen (was etwas sinnfrei ist, weil beide in dieser Situation dasselbe wollen, nämlich den Reaper zu überführen). Auf die Reaper zu schießen ist übrigens sinnlos, da ihn die Rüstung schützt. Konsequenz geht anders. Aber es kommt noch dicker: Da auch die Unterwelt ein Interesse daran hat, den Hardliner mit den Sichelhänden loszuwerden, verbünden sich die Gangster mit Batman und stellen ihm einen Profikiller zur Seite: Joe Chill, den Mörder seiner Eltern.

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Arkham Asylum: Batmans wahres Zuhause

Arkham Asylum

Titel: Arkham Asylum: A Serious House on Serious Earth (dt. Der Tag der Narren)

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Dave McKean

Erschienen: 1989 (One-shot), dt. Carlsen 1990, Panini 2009


„There’s always a place for you here.“ (Joker)

Dieser Klassiker ist ein Albtraum von einer Geschichte: Die Insassen des Arkam Asylum haben die Anstalt in ihre Gewalt gebracht,  Geiseln genommen und fordern jetzt Batman auf, sich in das Irrenhaus zu begeben. Als dieser kommt, will der Joker ihm demonstrieren, dass der Dunkle Ritter genauso verrückt ist wie seine Feinde und eigentlich hierher gehört. Batman lässt sich auf einen Irrgang durch das Spukschloss ein, bei dem er auf verschiedene Schurken trifft und dabei vor allem mit sich selbst konfrontiert wird. Parallel wird die Geschichte von Amadeus Arkham erzählt, dem Gründer der Anstalt, der sein geerbtes Anwesen der Hilfe für die Geisteskranken gewidmet hat und dabei selbst an die Grenzen seiner Nächstenliebe stößt, als er den Mörder seiner Frau und seines Kindes behandelt.

So weit, so linear. Doch die Bilder, die Dave McKean für diese Geschichte findet, wirken wie ein Zerrbild der ohnehin schon verdrehten Welt von Batman. Hier wird nichts geringeres als der Wahnsinn selbst visualisiert. Die meist schmalen, senkrecht angeordneten Panels sind meistens vor einem seitenfüllenden Hintergrund angeordnet und wirken, als würde ein Nebel über allem liegen, oder vielmehr ein Sandsturm über alles hinwegfegen. Die Figuren sind meist nur Skizzen, mehr zu erahnen als zu erkennen. Das mit Abstand schrecklichste Gesicht trägt der Joker, nie ist seine Fratze so extrem dargestellt worden wie hier: Wilde, rotunterlegte Glubschaugen, Haare wie grüne Flammen, ein blutroter Mund mit riesigen Zähnen. Eine einzige Entgleisung. Der Anti-Clown ist der Zeremonienmeister dieses Gruselkabinetts. Nebenbei bekommen wir eine interessante Diagnose: Der Joker ist nicht verrückt, diagnostiziert eine abgebrühte Ärztin, sondern vielmehr in einem überhohen Maße Herr seines Geistes, gar ein Verstand, der für das städtische Leben des 20. Jahrhunderts angepasst sei. Das gibt zu denken.

Definitiv verrückt ist der Ort Arkham Asylum selbst. Der Mad Hatter vergleicht es mit einem Kopf, der vielleicht sogar der von Batman sei. Das Comic wird zum Horrortrip für den Helden, der hier schwach und gebrochen erscheint. Batman selbst wird wieder einmal mit seinen Dämonen konfrontiert. Zunächst mit einem Rorschach-, dann mit einem Wortassozionstest, schließlich, bei einem Blick in den Spiegel, lässt ihn die Erinnerung an sein Trauma in Selbsthass schwelgen, er zerschlägt den Spiegel und bohrt sich selbst eine Scherbe in die Hand. Das sind Eindrücke, die sich einprägen.

Das Buch ist nichts für sensible Gemüter. Aber trotz aller Abgründigkeit enthält es genug Optimismus, um nicht zu deprimieren. Autor Grant Morrison führt den Kurs fort, den einige Jahre vor ihm Frank Miller und Alan Moore mit Batman eingeschlagen haben. Sein Arkham Asylum ist (neben Year One, The Dark Knight Returns und The Killing Joke) das vierte der wichtigsten Batman-Comics der 80er, weil es alles bisher dagewesene, die Muster der Superhelden-Comics zerstört und das Medium von der Popkultur in die höheren Sphären der Kunst erhebt. Nicht von ungefähr ist es das am häufigsten verkaufte Graphic Novel. Doch auch jenseits dieser engstirnigen Zuordnungen kann man sagen: 25 Jahre nach seiner Ersterscheinung ist es ein Werk, das immer noch gleichermaßen verstört, unterhält und fasziniert. Es ist ein Buch, mit dem man nie fertig werden wird.

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Joker: Gothams unheilbare Krankheit

Joker

Titel: Joker

Autor/Zeichner: Brian Azzarello/Lee Bermejo

Erschienen: 2008 (One-shot)


„Death, for him — is the punch line.“ (Two-Face)

Eine unerhörte Begebenheit: Der Joker wird aus Arkham entlassen. Warum, ist egal. „I’m not crazy anymore … just mad“, sagt der Joker. Die deutsche Übersetzung „außer mir“ kommt der Doppelbedeutung des Wortes (wütend, wild) sehr nahe, lässt aber die Tatsache außer acht, dass mad auch ein Synonym für verrückt ist und dass es um eine Verschiebung von Nuancen geht. Wie dem auch sei: Nun will der Joker seinen Macht in Gotham zurückerlangen, die ihm während seiner Abwesenheit entglitten ist. Und so schart er Verbündete wie Killer Croc um sich, rächt er sich an seinen Statthaltern – und zwar sehr blutig -, es kommt schließlich zum Krieg mit Two-Face. Der Titel ist Programm, Batman hat erst am Ende einen Kurzauftritt.

Erzählt wird das alles aus der Perspektives eines unbedeutenden Handlangers, Jonny, der den Joker durch die Gegend fährt und dabei ein doppeltes Spiel spielt. Seinen Gedanken folgen wir als Leser, seine inneren Monologe sind etwas wie ein Versuch über das Unfassbare. Er kommt zu der Erkenntnis, dass der Joker nicht krank, sondern selbst eine Krankheit ist: „He was a disease that somehow, with the help of god or the devil — pick your poison — had convinced his doctors he wasn’t diseased anymore.“ Selbst Two-Face wählt diese Methapher, wenn er sagt, die Stadt könne sich diese Krankheit nicht mehr leisten. Und tatsächlich sehen wir den skrupellosesten, brutalsten Joker aller Zeiten: Er häutet einen Menschen bei lebendigem Leibe, in der Nacht überrascht er ein altes Ehepaar im Bett, das er grundlos niedermetzelt, anschließend legt er sich entspannt zu den Leichen.

Doch zugleich erscheint diese Ausgeburt des Teufels auch plötzlich menschlich. Wie das Cover bereits darstellt, ist auch die Geschichte eine Nahaufnahme des Jokers. Anders als in üblichen Batman-Comics sieht man ihn im Alltag seinen Spaß und seinen Ärger haben, man sieht ihn Pillen nehmen und einmal sogar auf den Knien vor Harley Quinn weinen. Trotzdem kommt man ihm nicht näher, diesem unnahbaren Phänomen, auch Jonny verzweifelt schließlich daran, einem Mann nachzueifern, der alles hasst und für den der Tod selbst die Pointe ist. Er ist, denkt sich der Erzähler am Ende, eine Krankheit, für die es keine Heilung gibt – sondern nur einen Batman.

Das Buch kam im selben Jahr heraus, in dem Christopher Nolan in The Dark Knight Heath Ledger als Joker verewigte. Die einzige Verbindung zu dem Film besteht in dem Glasgow-Smile, also den Wangennarben, die der Joker hier wie da trägt. Ansonsten erzählt Autor Brian Azzarello (100 Bullets) eine völlig andere, sehr eigenwillige Geschichte. Der Zeichner, Lee Bermejo, ein wahrer Künstler in der Tradition von Alex Ross, setzt sie kongenial um: Seine Bilder von einem schmutzigen Gotham sind atmosphärisch dicht augefladen und seine Figuren lebensnah gezeichnet. Altbekannte wie Killer Croc, der Riddler und Pinguin erhalten ein neues Aussehen, besonders Batmans Kostüm ist sehr gelungen (mehr davon sieht man in Noel). Schade ist, dass die Zeichnungen nicht durchgängig im typischen Bermejo-Stil gehalten sind (wie bei Noel), sondern häufig mit einem zu kantigem Tuschestrich verschandelt. Aber das ist nur ein Wermutstropfen bei diesem verstörenden Meisterwerk der Erzählkunst.

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Lecken kann tödlich sein

Joker: Devil's Advocate

Titel: The Joker: Devil’s Advocate (dt. Batman – Joker: Des Teufels Advokat)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Graham Nolan

Erschienen: 1996 (One-shot), dt. Panini 2010


Eigentlich ist es ein Unding, dass es so etwas noch gibt: nicht-selbstklebende Briefmarken. Das führt zu der Unart, dass man sich dazu genötigt fühlt, die kleinen Bildchen abzulecken und mit seiner Spucke in die Welt zu schicken. – Eine Barbarei, verglichen mit anderen zivilisatorischen Errungenschaften. Ein gutes Argument gegen das große Schlecken gibt uns The Devil’s Advocate. Hier endet der Einsatz der Zunge für mehrere Postkunden mit einem tödlichen Grinsen. Nicht nur Der Name der Rose lässt grüßen, die Sache lässt selbstverständlich zunächst an den Joker denken. Doch der hat derweil andere Probleme: Er erstürmt die Post, weil er auf der Briefmarken-Sonderedition mit den berühmten Komikern nicht berücksichtigt wurde. Denn dafür muss man leider tot sein. Nun könnte dieser Zustand für den Joker schneller eintreten, als er hofft, denn für die tödlichen Briefmarken wird er nicht wie sonst üblich nach Arkham gebracht, sondern verklagt und zum Tode verurteilt! Doch der Joker, der sonst gerne mit seinen Taten prahlt, gibt sich entrüstet und beteuert seine Unschuld …

Wie jede Joker-Story lebt auch diese vor allem von seinem Titelhelden. Seine Bekenntnisse bringen den schwarzen Humor in die Geschichte, seine dreisten Psycho-Tricks sorgen für Action. Batman und Robin dienen bloß dazu, die Handlung voranzutreiben, die vor allem Batmans Idealismus geschuldet ist. Den Joker im Gerichtssaal und im Knast sitzen zu sehen, gewinnt der Figur ein paar neue Seiten ab. Sein Wunsch, seine Hinrichtung als Fernsehübertragung zu verkaufen, zeigt wie schon Mad Love, dass es diesem Irren nur um sein Ego geht. Auch wenn die Lösung des Falls arg übertrieben ist, lohnt das Buch die Lektüre – schon allein wegen seiner Pointe am Ende.

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Mad Love: Ein Trio von Besessenen

Mad Love

DC Comics

Titel: The Batman Adventures: Mad Love (dt. Mad Love)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Bruce Timm

Erschienen: 1994 (One-shot)


Das ist wohl die Batman-Story, die ich am häufigsten gelesen habe – und jedes Mal mit großem Genuss. Denn Mad Love hat alles, was ein gutes Batman-Comic braucht: Eine mitreißende Story, ausdrucksstarke Bilder und – das ist selten bei Batman – viel Humor! Und dieser ist rabenschwarz, jokerhaft eben und noch gesteigert durch die treudoofe und doch raffinierte Harley Quinn, die eigentliche Hauptfigur von Mad Love. Die ehemalige Psychiaterin ist durch ihre fanatische Liebe zum Joker verrückt geworden und hat sich ihm als Handlangerin angeschlossen. Doch die Hingabe ist nur einseitig, denn der Joker interessiert nur für sich und seinem Rachefeldzug gegen Batman. Das macht Harley wiederum eifersüchtig. Der Joker bekommt den Charakter eines fanatischen Künstlers, für den der Batmans Tod nichts Geringeres ein Meisterwerk sein muss. Dabei stört so eine humoristisch unbegabte Person wie Harley nur. Aber sie ist es, die Batman austrickst und beinahe auf perfekte Weise umbringt – dumm nur, dass sie dem Joker den Witz erklären muss … So entsteht eine interessante, spannungsreiche Dreiecksbeziehung von Besessenen, in der sich alle gegenseitig hassen wie sie einander brauchen.

Mad Love (1. Auflage) (DC Comics)

Mad Love (1. Auflage) (DC Comics)

Nicht von ungefähr hat Mad Love den Eisner Award bekommen. Auch lag es nahe, dass das Comic, das auf der Zeichentrickserie beruht, im Jahr 1999 zu einer Episode adaptiert wurde. Diese ist gut, keine Frage, auch weil sie das Comic als Storyboard verwendet, aber was die Eleganz der Erzählweise und die Dynamik der Bilder von Bruce Timm angeht, kommt sie nicht an dieses grandiose Heft heran, ganz zu schweigen davon, dass die Story fürs Kinderfernsehen entschärft wurde. Für IGN gehört es – völlig zurecht – zu den besten 25 Batman-Comics. Für mich ist es vollendet.

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