Legends of the Dark Knight

Legends of the Dead Earth: Dystopische Variationen

Titel: Legends of the Dead Earth

Autor/Zeichner: Doug Moench, Chuck Dixon, Alan Grant/Vincent Giarrano, Flint Henry, Barry Kitson, Brian Apthorp

Erschienen: 1996 (Batman Annual #20, Detective Comics Annual #9, Shadow of the Bat Annual #4, Legends of the Dark Knight Annual #6)


„Whatever happens to me — the legend will never die!“ (Batman)

Im Jahr 1996 standen alle DC-Annuals unter einem Titel: Legends of the Dead Earth. Erzählt wurden Geschichten aus alternativen Universen (allerdings ohne Elseworlds-Label), in denen die Helden in verschiedenen Versionen einer düsteren Zukunft kämpften. Auf einer toten Erde leben die Legenden weiter, so das Motto der Reihe.

Im Batman Annual erzählt ein alter Mann in einer dystopischen Zukunft ein paar Kindern Legenden von Bat-Man, einem geflügelten Helden, der einen Sidekick namens Darkbird hat. Die bekannten Schurken erscheinen in abgewandelter Form: der Joker ist der Mad Jester, der Menschen mit manipulierten Holo-Programmen zum Lachen bringt, Catwoman ist Cat-Fem, eine Mensch-Tier-Hybridin, Two-Face ist Split-Face und Scarecrow ist ein Vogelmensch, der tatsächlich zunächst als Vogelscheuche arbeitet, bevor er vor Angst wahnsinnig wird und seinen Job verliert. Auch wenn die Figuren und Anekdoten nicht alle durch Einfallskraft glänzen, ist dieses Heft das gelungenste der vier.

Im Detective Comics Annual ist Batman ein Riesen-Roboter, im Shadow of the Bat Annual führt Batman eine Armee gegen eine feindliche Reptilien-Spezies an und reitet dabei auf Dinosauriern. Der vierte Teil (Legends of the Dark Knight Annual) spielt zwar in einer Art Zukunft, aber das Szenario mutet mittelalterlich an. Batwoman ist hier die Heldin, die das Erbe ihres Vaters Robert Kane antritt. Batman war ein Henker für einen Schurkenstaat, der Selbstmord beging, nachdem er seine Schuld nicht mehr ertrug. Batwoman macht reinen Tisch.

Auch wenn das Konzept einen interessanten Ansatz verspricht und den Schöpfern kreative Freiheit zu gewähren scheint, kommt bei Batman nicht viel Interessantes bei rum. Bloß oberflächliche Variationen des Altbekannten in verschiedenen Dystopien. Kein Wunder, dass diese Storys bisher nicht wiederaufgelegt wurden.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Welke Blüten

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 5

Autor/Zeichner: Ron Marz, Aaron Lopresti u.a./diverse

Erschienen: 2015


„The tale is in the telling.“ (Edgar)

Anthologie bedeutet ursprünglich Blütensammlung. Doch wie so oft sind es nicht bloß schöne Blüten, die gesammelt werden. Die Qualität schwankt. So ist es auch mit den Legends of the Dark Knight. Leider ist Band fünf besonders schwach geworden. Denn die Fantasie treibt hier keine Blüten: Mäßig inspirierte Autoren steuern sechs Geschichten bei, die von mäßig begabten Zeichnern inszeniert werden.

Es beginnt mit einer Story von Aaron Lopresti um einen verrückten Wissenschaftler, der Batman zu klonen versucht und dabei ein Monster erschafft. Diese Frankenstein-Adaption ist nicht nur allzu platt, die Idee wurde bereits in einer Elseworlds-Geschichte realisiert – und zwar viel interessanter. Bei einem Klassiker der Literatur bedient sich auch Nevermore, eine Adaption der Edgar Allan Poe-Story Das verräterische Herz. Allerdings ist hier Poe selbst der Schurke – oder wenigstens ein Irrer, der sich so inszeniert und seine Handlanger nach Poe-Figuren geformt hat. Das Ganze soll wohl eine Hommage sein, aber es wirkt so uninspiriert, als hätte man bloß ein paar bekannte Motive auf einen Haufen geworfen. (Eine ähnliche Idee wurde ebenfalls bereits verwendet, in der fünfteiligen Elseworlds-Miniserie Nevermore.)

Eine ausführliche Story ist dem Riddler gewidmet, eine andere handelt von neuen Gegnern, einem zündelnden Rächer und einem menschenaussaugenden Monster. Zum Schluss müssen sich Robin (Dick Grayson) und Batgirl nach einem Ausbruch aus Arkham fragen, was Batman tun würde, um Killer Croc, Man-Bat und Clayface wiedereinzufangen. Batman erscheint hier als graue Eminenz im Hintergrund, die für alles einen Plan hat – was natürlich nicht immer so ist.

Nichts davon vermag zu fesseln, nichts davon unterhält besonders. Man nimmt es zur Kenntnis und hat es sofort wieder vergessen. Wahre Legenden sehen anders aus. Diese Blütensammlung enthält bloß welkes Zeug.

Mehr zum Thema:

Die Leiden des jungen Wayne

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 4

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2014 (Legends of the Dark Knight 100-Page Super Spectacular #2-4, Paperback 2015)


„Should have taken that position with that nice Cobblepot family.“ (Alfred Pennyworth)

Es ist ein Running Gag, der eigentlich nicht mehr witzig ist, aber immer noch zum Batman-Mythos dazugehört: Während James Gordon noch spricht, haut Batman einfach ab – einfach so, ohne ein Wort und ohne Spuren. Manchmal sagt Gordon dann: „Wie macht er das bloß?“ oder „I Hate It When He Does That“, so der Titel der ersten Story aus dem vierten Legends-Band. Hier fragt Gordon: „Where did he learn that?“ Und daraufhin erfahren wir die Vorgeschichte. Ein junger Bruce ist mit Alfred in Thailand unterwegs, wo er einer jungen Einheimischen begegnet. Sie wird vom örtlichen Regime verfolgt, weil ihr Vater ein Aufständischer ist. Nachdem er ihr zum ersten Mal begegnet und sie ihn – im Nichts verschwindend – stehen lässt, verliebt er sich in sie und jagt ihr nach. Am Ende verrät sie zwar ihm das Geheimnis, aber leider nicht den Lesern …

Dies ist nicht die einzige Anekdote aus Batmans Jugend im vierten Band der Legends. Es gibt auch eine in der Mitte und am Ende. Die letzte Story – The Echo of Pearls – verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz: Sie erzählt die Entstehung von Batman aus der Sicht der Höhle. Der Sturz des jungen Bruce hinein wird als der erste Einfall von Licht in die Finsternis beschrieben (Achtung: Symbol!), später sucht der Junge in der Höhle Trost nach dem Elternmord, schließlich – nach langer Abwesenheit – schickt ihm die Höhle eines ihrer Kinder nach Bruce aus, nämlich die Fledermaus, die durch sein Fenster kracht und ihn auf die Idee für Batman bringt. Damit dürfte das letzte Rätsel um Batman geklärt sein. Zum Schluss beschreibt die Höhle Batman als ihren Jungen, der bloß spielt und sein Hauptquartier mit Spielzeug vollstellt – eine wunderbare Wendung zwischen Selbstironie und Psychoanalyse.

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Zurück zum Wesentlichen

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 3

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2013-2014 (Legends of the Dark Knight #11-13, Legends of the Dark Knight 100-Page Super Spectacular #1)


„If this is the best you can do … m-maybe it’s time you hung up that stupid costume and retired.“

„If there is a god … I think he abandoned Gotham a long time ago.“ (Batman)

„We don’t have choices. We’re slaves to our natures.“ (Two Face)

Da gibt es den schwer gepanzerten Bat-Suit, eher ein Kampfanzug als ein Kostüm, den Bat-Wing-Gleiter mit dem Bat Disruptor-Kraftfeld, das Kugeln ablenkt, die Netze, mit denen Schurken im freien Fall an Wände geheftet werden können, den Bat Tracer zum Aufspüren von Flüchtigen, und die computergesteuerten Bat Discs, die Wurfgeschosse, die ihr Ziel verfolgen – fehlt eigentlich nur noch das Anti-Hai-Spray. Doch als all der technische Schnickschnack bei einem Einsatz gegen Ra’s al Ghul versagt und Batman zudem einsehen muss, dass ihn seine Hilfsmittel ein Vermögen kosten und seine Firma in den Ruin treiben, besinnt er sich auf die guten alten Tugenden der Handarbeit. Doch dabei zeigt sich, dass Batman aus der Form geraten ist …

Davon handelt Return of Batman, die stärkste Geschichte von Legends of the Dark Knight Vol. 3. Sie steht in gewisser Weise der Tendenz der vergangenen Jahre entgegen, dass der Held, der sich einst mit Seilen von Haus zu Haus schwang, immer mehr Iron Man gleicht – und dabei etwas von seinem ursprünglichen Reiz einbüßt. Wir sehen einen dekadent gewordenen Batman, der sich erst wieder an Batarangs und Nahkampf gewöhnen muss und dabei wie ein Anfänger den Arsch versohlt kriegt. Ein Opfer, das er bei der Rettung verletzt, legt ihm sogar nahe, in Rente zu gehen (siehe oben).

Doch auch darüber hinaus ist der dritte Legends-Band deutlich besser als sein direkter Vorgänger, was auch daran liegt, dass zwei Storys besonders lang geraten sind und in ihnen mehr Raum zum Erzählen bleibt. Wie etwa bei Without Sin. Hier kommt Batman mal wieder mit der Kirche in Kontakt – eine seltene Gelegenheit. Ein Pfarrer wird ermordet. Weil die eine Gesichtshälfte der Leiche zerstört ist, ist Two-Face der Hautpverdächtige. Doch der Schurke hat neuerdings zu Gott gefunden und der Kirche Geld gespendet – wie passt das zusammen? Batman geht der Sache nach und die Geschichte liest sich wie eine bessere Tatort-Folge, aber am interessantesten sind die Gespräche zwischen Batman und einem Pfarrer, die von Gott und der Welt und eben von der Frage nach der Schuld handeln. Wir erfahren nebenbei, dass Batman nicht religiös ist, aber seine Bibel kennt. Auch Two-Face bekommt eine neue Facette verliehen.

In drei weiteren Geschichten wird eher mäßiges Amusement geboten: What Happened Was … ist eine Rashomon-Variation um den Calendar Man mit einem allzu vorhersehbarem Verlauf. Unlucky Thirteen ist eine Kurzgeschichte über Glück, Pech und anderen Aberglauben, bei der Batman noch einmal den amerikanischen Urglauben bezeugen darf, dass jeder für sein Schicksal selbst verantwortlich ist. Und in Dr. Quinns Diagnosis darf Harley Quinn Batmans Psychiaterin spielen – allerdings ist das nicht besonders ergiebig, weil Batman nicht sehr auskunftsfreudig ist und außerdem nervt die Frau mit ihrer dämlichen Hampelei wie eh und je.

Grafisch herausragend ist allein die Kurzgeschichte Adaptation von Rafael Albuquerque, der in gewohnter Qualität verstörende, ausdrucksstarke Bilder zeichnet. Ein gealterter Bruce Wayne wird von seinen Dämonen in Alpträumen geplagt, in der Realität fühlt er sich nutzlos. Also beschließt er, einen alten Erzfeind wiederauferstehen zu lassen. Eine drastische Horror-Story, wie sie beinahe in Black and White stehen könnte (abgesehen von zwei Seiten Überlänge und den Farben). Bitte mehr davon.

>> Batman 2011-2019

Legends of the Dark Knight: Blades & Hothouse

DC Comics

DC Comics

Titel: Collected Legends of the Dark Knight (Blades, Legend of the Dark Mite, Hothouse)

Autor/Zeichner: James Robinson, John Francis Moore, Alan Grant/Tim Sale, P. Craig Russell, Kevil O’Neill

Erschienen: 1994 (Paperback, Originalausgaben: 1992-1993, Legends of the Dark Knight #32-34, 38, 42-43)


„I am so sick … and sick and tired … of hunting the bad man.“ (Batman)

„Remember, Batman, the potential for evil is in every man. In every man. Even you.“ (The Cavalier)

Drei frühe Erzählungen aus der Serie LOTDK: eine hervorragende, eine mittelmäßige, eine bescheuerte. Die beste sollte man gelesen haben: Blades von James Robinson handelt von einem Batman am Rande seiner Fähigkeiten. Er jagt einen Serienmörder, der es auf alte Menschen abgesehen hat, aber er findet keine Spur, die zum Täter führt – das treibt ihn zur Verweiflung. In dieser Krise erscheint ein neuer Vigilant in Gotham: der Cavalier. Dieser Held mit roter Maske und Schwert orientiert sich an den Helden der Stummfilmzeit wie Zorro oder Robin Hood (beide dargestellt von Douglas Fairbanks). Für Batman ist das besonders bitter, weil Zorro sein Jugendheld ist – und er sich von ihm die Show stehlen lassen muss. Doch als auch noch ein Juwelendieb auftaucht, wird klar, dass der Cavalier nicht der Strahlemann ist, der er vorgibt zu sein.

Die Story hat alles, was man sich wünschen kann: einen gebrochenen, selbstzweifelnden Helden, einen ambigen Gegner und einen mysteriösen, scheinbar übermächtigen Mörder, der als Phantom den Helden plagt. Vollendet wird das Ganze durch die herrlichen, noiresken Zeichnungen von Tim Sale, der später mit Jeph Loeb die Meisterwerke Haunted Knight, The Long Halloween und Dark Victory geschaffen hat. Schon mit dieser frühen Arbeit erweist sich Sale als wahrer Künstler.

Sind die Maßstäbe erst einmal so hoch, ist es schwierig mitzuhalten. Die Geschichte Hothouse ist solides Mittelmaß. Batman untersucht den Selbstmord eines Mannes und der Weg füht ihn zu Pamela Isley, die ihren ersten Auftritt als Poison Ivy hinter sich hat und nun versucht, eine anständige Bürgerin zu sein, was nicht ganz gelingt. Trotz einiger ambitionierter Ansätze schafft es die Story nicht, eine Zugkraft zu entwickeln.

Die dritte Story des Bandes heißt Legend of the Dark Mite. Darin geht es um einen Junkie, der eine Vision von dem Kobold Bat-Mite hat. Für ihn ein Horrortrip, für uns eine alberne Hommage an eine alberne Figur.

HINWEIS: „Blades“ wurde auch im US-Sammelband Tales of the Batman – Tim Sale (2008/2009) nachgedruckt, zusammen mit „The Misfits“ (Shadow of the Bat #7-9).

>> Legends of the Dark Knight

Legends of the Dark Knight: Blink/Don’t Blink

DC Comics

DC Comics

Titel: Blink

Autor/Zeichner: Dwayne McDuffie/Val Semeiks

Erschienen: 2002-2003 (Legends of the Dark Knight #156-158, #164-167; Paperback 2015)


„Geez. Snuff films, baby snatchers, don’t you know any nice people?“ (Lee Hyland/Blink)

Lee Hyland ist blind, doch er hat eine besondere Gabe: er kann durch die Augen der Menschen sehen, die er berührt. Der schmächtige Mann mit Hut macht sich diese Gabe zunutze, indem er das Leben der Menschen eine Weile beobachtet und sie dann abzieht – bislang mit Erfolg. Doch eines Tages wird er Zeuge eines Mordes und weil er zur falschen Zeit am falschen Ort ist, gerät er selbst unter Mordverdacht. So kreuzt sich sein Weg mit dem von Batman, der dabei ist, einen Serienmörder zu fassen. Schnell wird klar: Der Mörder ist nur ein Teil des Problems, denn er handelt im Auftrag eines Mannes, der für andere Snuff-Filme dreht. Lee Hyland wird vom Gauner zu Batmans Helfer.

In der zweiten Story des Bandes jagt Batman einen Babyhändler-Ring, während Lee Hyland von einer sinistren Regierungsorganisation gefangen gehalten und unter dem Namen Blink dazu missbraucht wird, um Terroristen aufzuspüren. Batman befreit seinen Kumpel und verbündet sich erneut mit ihm, um die anderen bösen Buben zu fassen. Doch die Aufgabe nimmt ihm plötzlich ein anderer ab: einer aus der Babyhändler-Bande besinnt sich und beginnt, seine eigenen Leute abzuknallen. Wieder muss Batman einen Serienmörder vom Töten abhalten. Und dann wird auch noch Hylands Frau entführt …

Blink und Don’t Blink sind zwei typische Legends-Storys aus Batmans Frühzeit. Wir sehen einen etablierten Helden, der immer noch Fehler macht und in seinem Tagebuch Rechenschaft darüber ablegt. Passagen daraus begleiten die Geschichte und erlauben uns Einblicke in Batmans Gedanken. Viel Tiefe ist darin zwar nicht, auch kaum Persönliches, aber dafür einige selbstironische Spitzen. Ansonsten gibt es keinen Bruce Wayne, keine Rückblenden oder andere typische Nebenfiguren, es wird bloß Batman in Action gezeigt. Und sein blinder Begleiter ist ein netter Sidekick, der ihn dank seiner seherischen Fähigkeiten allerdings auch nicht vor Fehlern bewahren kann. (Leser könnten sich an Filme wie Being John Malkovich oder Minority Report erinnert fühlen – und müssen selbst entscheiden, ob es sich dabei um Zitate oder Plagiate handelt.)

Val Semeiks (bekannt für die One Million-Mini-Serie) liefert mit seinen klaren Zeichnungen eine solide, wenn auch formal uninspirierte Arbeit ab. Für meinen Geschmack ist die Stimmung der Panels zu heiter, es fehlt an Schatten und Nacht. Und Batman sieht zu sehr so aus, als hätte er Schulterpolster unter seinem Cape. Dafür sind die Cover von Brian Stelfreeze besonders gelungen, weil sie mit ihrem Split-Screen-Design mit dem üblichen Schema brechen. Blink ist zwar keine hohe Kunst, aber kurzweilige Unterhaltung.

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News of the Weird

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 2 (dt. Megaband 1: Gothams Legenden)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2013 (Legends of the Dark Knight #6-10, Paperback 2014), dt. Panini 2015 (mit Ausnahme von #10, aber zusammen mit den Ausgaben #1-5)


„Gotham … what are you doing this time?“

„… crime and art … they have a meaning.“

„I suscribe to News of the Weird. You’d be surprised how often it leads to clues.“

Seit fünf Jahren sitzt Bruce Wayne im Rollstuhl, der Körper ist zerstört wie der Verstand, er leidet unter Parkinson, Demenz, Amnesie und Wahnvorstellungen. All die Kämpfe als Batman haben ihre Spuren hinterlassen, jetzt träumt er sich nur noch in seine Rolle als Batman hinein, will es nicht wahrhaben, was da passiert – es könnte alles nur eine Illusion von Scarecrow sein.

„Dreaming He Is A Butterfly“ von Christos Gage ist mit Abstand die interessanteste Story im zweiten Band der Anthologie-Serie LOTDK. Im Vergleich zum ersten hat die Qualität sonst nachgelassen. Es beginnt schon mit einem seltsam schwachen Auftakt: „Gotham Spirit“ erzählt auf nur wenigen Seiten, wie Batman ein paar Kleinganoven zur Strecke bringt. Das ist zwar hübsch anzusehen, aber sonst ohne Mehrwert. Es gibt keine Wendung, keine Einsicht, keinen Dialog. Man hat sich nicht mal die Mühe gemacht, diese Allerweltsepisode mit irgendeinem grüblerischen Monolog über das Wesen von Gotham, Batman und das Verbrechen im Allgmeinen zu untermalen. Der Inbegriff der Ideenlosigkeit.

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Fast ohne Schwächen

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 1 (dt. Megaband 1: Gothams Legenden)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2012-2013 (Legends of the Dark Knight #1-5, Paperback 2013), dt. Panini 2015 (enthält Legends of the Dark Knight #1-9)


„You know what my weakness is? I don’t have one. That’s what makes me better than them. That’s why I’ll always win. No vulnerability.“

„You’re wasting your time looking for rules to this game.“ (Joker)

„I have no effect. I just throw them in one end and the system spits them out the other.“ (Batman)

Ursprünglich war die Serie Legends of the Dark Knight, gestartet 1989, eine Plattform für hochwertige Geschichten aus der Frühzeit von Batman, dann kamen auch vereinzelt Elseworlds-Storys dazu. Darunter sind einige Klassiker wie Gothic, Prey, Venom und Faces. Nach einer fünfjährigen Pause (die gefüllt wurde von Batman Confidential) wurde die Serie 2012 wiederbelebt: als Anthologie von Kurzgeschichten unterschiedlicher Autoren und Zeichner. Das Beste daran ist, dass die Serie nicht an irgendwelche Continuitys gebunden ist, das heißt, die Macher können tun, was sie wollen. Und liest man die ersten Storys, spürt man nicht nur den Vorteil dieser Freiheit, man merkt  ihnen auch die Lust am Erzählen an.

Wie schon bei Black and White können sich die Autoren kreativ austoben und dabei kleine, aber feine Meisterwerke schaffen, die sich überwiegend auf die Hauptfigur konzentrieren und so intime Einblicke in sein Seelenleben ermöglichen. Wir sehen Batman saufen und großkotzig reden, wir sehen ihn an dem Sinn seines Kreuzzugs zweifeln, aber wir erleben ihn auch in Momenten absoluter Souveränität, in denen er Herr der Lage ist.

Der Band profitiert von seiner Vielfalt der Stoffe und der Form. Es tut gut, neben etablierten Zeichnern wie J.G. Jones (Wanted) auch extravagante Künstler wie Ben Templesmith zu sehen, dessen Stil an Sam Kieth erinnert. Schade ist jedoch, dass die Geschichten etwas jokerlastig geworden sind. Der Reiz der Autoren, eine Batman-Story mit dem größten Schurken zu erzählen, ist nachvollziehbar, aber es wirkt auf Dauer etwas einseitig. Die besten Geschichten kommen ohne den Joker aus.

Hier die Storys in der Einzelkritik:

1. The Butler Did It: Batman behauptet keine Schwächen zu haben, doch wird eines besseren belehrt. Damon Lindelofs Story (Lost, Star Trek: Into Darkness, The Leftovers) ist wegen seines Spoiler-Titels vorhersehbar, aber profitiert von den selbstgefälligen Äußerungen von Batman.

2. All of the Above: Batman bekämpft Amazo, der in den JLA-Satelliten eindringt. Sehr cool und supersmart. Bei allem guten Willen zur Fantastik erscheint nur unglaubwürdig, dass Batman schutzlos im Weltall überleben könnte. Aber hey: Batman würde sogar Chuck Norris umhauen.

3. The Crime Never Committed: Batman und Robin vereiteln einen Einbruch noch bevor er passieren kann, indem sie dem Täter seine Optionen offenlegen. Etwas zynisch ist Robins Rat am Ende: „Work it out.“ Der Junge hat leicht reden … Die Wayne Foundation scheint dieses Mal nicht einzuspringen, um einen armen Mann von seinem Elend zu befreien.

4. Crisis In Identity: Batman muss den Joker aufhalten, der mit dem Mad Hatter Menschen dazu bringt, sich als Batman verkleiden und bei ihren Einsätzen draufgehen. Sinnlos, aber der Joker sagt es auch selbst, dass sein Spiel keine Regeln hat. Hier sind die oben erwähnten Zeichnungen von Ben Templesmith einen Blick wert.

5. Letters to Batman: Auf der Suche nach dem Joker macht Batman mal eine Pause, um mal all seine Fanpost zu lesen. Dabei sieht er ein, dass seine Mühe nicht vergeblich ist, auch wenn der Joker immer wieder ausbricht, hilft Batman doch immer wieder Menschen, ein besseres Leben zu führen.

6. A Game to Die For: Ein neuer Vigilant namens Praetorian hält den Joker gefangen und muss sich dessen Psycho-Spielchen gefallen lassen. Gewagt ist an dieser Story vor allem der zittrige Zeichenstil, der mit seinen groben, kantigen Linien an den späten Frank Miller erinnert.

7. Batman: The Movie: Ein Schauspieler, der einen Batman-Film drehen soll,  hat Schwierigkeiten, sich in die Rolle hineinzuversetzen. Da kommt der Joker ans Set – und Batman himself. Doch letzterer hat auch keine hilfreichen Tipps zu bieten, wie man ihn am besten spielt. Einzig der Joker reflektiert ein wenig über das Wesen der Story: „The bad guy gets all the best lines.“

8. Together: Two-Face unterzieht sich einer Gehirnoperation, um sich einer Seite zu entledigen. Die typische Schizo-Nummer ist etwas durch.

9. A Slam Bradley Mystery …: Privatdetektiv Slam Bradley (eine Figur, die noch vor Superman von Jerry Siegel und Joe Shuster geschaffen wurde) wird Zeuge eines Mordes, dessen er zu Unrecht beschuldigt wird. Batman geht mit ihm vorschnell und hart ins Gericht, später prügeln sie sich gemeinsam durch. Eine schöne Hommage an die gute alte Zeit der Hardboiled-Helden im kantigen Noir-Stil.

>> Batman 2011-2019

Legends of the Dark Knight: Faces

DC Comics

DC Comics

Titel: Faces (dt. Die Insel der Freaks)

Autor/Zeichner: Matt Wagner

Erschienen: 1992 (Legends of the Dark Knight #28-30, Paperback 1995), dt. Carlsen 1995


„Welcome to the funhouse. We hope you enjoy your stay.“ (Two Face)

Gesichter sind bei Batman immer ein großes Thema. Batman hat keins, oder genau genommen nur ein halbes, da der Rest von einer starren Maske verdeckt ist. Manche seiner Schurken tragen ebenfalls eine Maske oder haben entstellte Gesichter. Wie der Joker. Oder Two-Face. Das entstellte Gesicht ist Sinnbild für eine kaputte Seele. Eigentlich ist das nicht gerade aufgeklärt: Wer hässlich ist, muss auch böse sein (das gilt allerdings nicht für Frauen, die immer fantastisch aussehen – was auch einiges über das Frauenbild bei Batman aussagt, aber das ist ein anderes Thema.) In modernen Geschichten wird jedoch versucht, die Schurken psychologisch mit ausführlichen Vorgeschichten zu entlasten. Die Bösen sind Opfer der Umstände, der Gesellschaft.

So auch Two-Face. Als Harvey Dent war er ein idealistischer Staatsanwalt, ein Säure-Attentat machte ihn zum Schurken, der besessen von Dualität ist und seine Entscheidungen beim Münzwurf trifft. In Faces geht er noch weiter: Die Story handelt nicht von einem typischen Coup, der irgendwas mit der Zahl zwei zu tun hat, nicht von Rache oder Geld. Two-Face hat eine fast schon gemeinnützige Agenda: eine Absage an die Perfektion. Während er Morde an Schönheitschirurgen begeht, arbeitet er an einer Zuflucht für Ausgestoßene, wo Freaks wie er ungestört leben könne, ohne diskriminiert zu werden. Natürlich geht das nicht, wenn man dabei Menschen entführt, einschüchtert, erpresst oder umlegt. Außerdem wird Bruce Wayne um den Kauf einer Ferieninsel gebracht. (Wobei man sich fragen muss, was er damit soll, wo er doch nie Urlaub macht …)

Matt Wagner erzählt nicht irgendeine Geschichte. Und er erzählt sie auch nicht irgendwie. Mit seinem sparsamen, groben Zeichenstil, der an David Mazzucchelli erinnert, schafft er eine düstere Stimmung und reizt dabei mit ungewöhnlichen Panels das Medium Comic aus. Auf einer Seite sieht man einen Dialog auf einer runden Laufbahn von oben, der zugleich über mehrere kleine Panels in der Mitte führt. Auf einer anderen Seite arbeitet Wagner mit einer gestrichelten Linie, die den Gang einer Figur nachzeichnet, während sie unterwegs verschiedenen Freaks begegnet.

Das alles ist große Kunst. Es ist ein Genuss, sich das Zusammenspiel von Zeichnungen, Panels und Seitenlayouts anzusehen und die Geschichte hat auch eine Tiefe, bei der wieder einmal die Nähe zwischen Held und Schurke offenbar wird. Batman darf mal wieder Detektiv spielen, mehr Hirn als Fäuste benutzen. Er wird verletztlich dargestellt, aber bleibt immer noch souverän. Von solchen wohl abgestimmten Mischungen sollte es mehr geben.

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Legends of the Dark Knight: Terror

DC Comics

DC Comics

Titel: Terror

Autor/Zeichner: Doug Moench/Paul Gulacy

Erschienen: 2001 (Legends of the Dark Knight #137-141, Paperback 2003, Neuauflage 2012 als Prey, zusammen mit der gleichnamigen Story)


 „No one gets away with killing Dr. Hugo Strange.“ (Hugo Strange)

„… I’ve got to shift from prey to predator …“ (Batman)

„… some criminals can be stopped only by the bat. The weird ones, the mad ones … the demons.“ (Batman)

Zehn Jahre nach dem Erscheinen von Prey haben Doug Moench und Paul Gulacy eine Fortsetzung gemacht: Terror. Hugo Strange, der einst im Gotham River verschwand, kehrt wieder zurück: als Mörder im Batman-Kostüm. Er will sich an seinem Peiniger rächen. Dafür befreit er Scarecrow aus Arkham, weil er dessen Angstgas für seinen Plan braucht. Doch Scarecrow, bestärkt in seinem Selbstvertrauen, macht sich selbständig, tötet Strange und macht sich auf, offene Rechnungen an den Menschen zu begleichen, die ihn mit Mobbing zu dem gemacht haben, was er ist. Und der böse schwarze Mann mit den spitzen Ohren steht ganz oben auf der Liste.

Catwoman spielt in der Story dieses Mal eine größere Rolle als in Prey. Sie wird zum Köder für Batman. Viel interessanter jedoch ist das erotische Spielchen zwischen den beiden. Catwoman macht Batman an – und Batman bekennt sich dazu. Aber zu mehr als einem hauchzarten Küsschen kommt es leider nicht …

Anders als bei Prey handelt es sich bei Terror um eine klassische Batman-Story, ohne den Schwerpunkt auf Bruce Wayne zu legen. Im Vergleich zum ersten Teil ist sie schon fast banal unterkomplex. Und leider löst Scarecrow zu schnell Strange als Antagonisten ab. Allerdings zeigt Strange auch keine neue Facette: immer noch hängt er an seinem Batman-Fetisch fest und spricht gerne zu leicht bekleideten Schaufensterpuppen. Scarecrow, als armer Außenseiter ein Opfer der bösen Gesellschaft, hat auch nicht gerade mehr Tiefe zu bieten. Gulacys Zeichnungen kommen nicht an sein Niveau bei Prey heran, was vielleicht an dem neuen Tuscher liegen mag. Die Körper sind zwar immer noch dynamisch, aber die Gesichter wirken häufig missraten: steif und entgleist. Und so ist Terror nur eine solide Batman-Geschichte im oberen Mittelmaß.

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