Elseworlds

Batman als Pirat

DC Comics

DC Comics

Titel: Leatherwing

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Alcatena

Erschienen: 1994 (Detective Comics Annual #7, Paperback: Superman/Batman: Alternate Histories 1996)


„Below the Green Waves the Ocean’s a Grave for them who’s faced Leatherwing.“

„I may one day understand the fathomless depths … but not if I should live a millennium will I understand the wiles of a woman.“ (Leatherwing)

Unter all den Elseworlds-Szenarien ist Leatherwing eines, das unvermeidlich erscheint: Batman als Pirat. Die Analogie bietet sich an: Ein Vigilant für die Sache der Gerechtigkeit. Und so trägt unser Held eine Kopftuchmaske mit spitzen Ohren – warum auch immer. Und sein geheimes Versteck heißt Verspertilio Cay. Es gibt einen Robin namens Robin Redblade, eine Capitana Felina (Catwoman), ebenfalls mit Kopftuchmaske, und einen dauergrinsenden Schurken namens The Laughing Man (Joker). Die Story ist banal: Der Schurke verbündet sich mit der Katzenbraut, um an Leatherwings Schatz ranzukommen. Der Held verliebt sich in die Braut, die Braut fühlt sich betrogen, dann wird sie eines Besseren belehrt und der Joker-Verschnitt erlebt den Tod durch einen Säbel.

Gutwillig könnte man Leatherwing eine klassische Piratengeschichte nennen, eine Reminiszenz an alte Filme und Seefahrerromantik. Kritisch gesehen ist die Story eine Klamotte voller Klischees, eine Kinderfantasie von einem Piratenabenteuer, mit einer an den Haaren herbeigezogenen Romanze und allzunaheliegender Analogien zum Batman-Kosmos. Der größte Kritikpunkt ist aber der, dass diese Story zwar irgendwann erzählt werden musste, aber so vorhersehbar wie die Idee hätte die Umsetzung nicht sein müssen.

Trotzdem wurde die Story 1998 mit The Bride of Leatherwing fortgestetzt (Batman Chronicles #11).

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Batman trifft Daredevil

Titel: Daredevil and Batman: Eye for an Eye (dt. Auge um Auge); Batman/Daredevil: King of New York

Autor/Zeichner: D.G. Chichester/Scott McDaniel; Alan Grant/Eduardo Barreto

Erschienen: 1997/2000 (One-shots), dt. Panini 1998/Dino 2000


„They’re not so alike as some might believe.“

„One man knows his fear. Respects it, and has made himself its master. The other man knows no fear, and if he did — he would laugh in its face.“

Batman und Daredevil sind Seelenverwandte. Beide bewegen sich in ihren jeweiligen Universen auf dem selben Niveau: dem der Straße. Beide operieren weitgehend ohne übernatürliche Kräfte – wenn man von Daredevils gesteigerter Sinneswahrnehmung und Batmans Gadgets absieht. Beide sind nachtaktiv. Da liegt es nahe, die beiden Helden aus verschiedenen Universen zu einem Crossover zusammenzubringen. Wie so üblich gibt es zwei Teile, ein Hin- und ein Rückspiel, eines herausgegeben von Marvel, eines von DC.

Im ersten Teil (Eye for an Eye) kämpfen die beiden gegen Two-Face und Mr. Hyde (gespaltene Persönlichkeit!), doch zuvor geraten die Helden aneinander. Es beginnt mit einer kleinen Keilerei, dann spielen die beiden Angsthase, indem Batman mit dem Batmobil auf Daredevil zugerast kommt. Daredevil ist in dieser Story der Besonnene, der die Sinnlosigkeit solcher Spielchen aufzeigt und der – im Gegensatz zu Batman – bei Two-Face den Menschen hinter dem Schurken sieht. Das liegt auch daran, dass Matt Murdock und Harvey Dent eine gemeinsame Vergangenheit angedichtet wird (Jura!). Im Wesentlichen aber bleibt die Story eine oberflächliches Gipfeltreffen, das schnell abgehandelt wird wie eine Pflichtübung.

Drei Jahre später kommt es (in King of New York) zu einem Wiedersehen in Gotham. Dieses Mal geht es um Scarecrow, was naheliegt. Für alle, die es nicht kapieren, erklärt die Erzählstimme, dass Batman der Meister der Angst ist, während Daredevil der Mann ohne Furcht ist (siehe oben). Scarecrow lässt von Catwoman eine Akte über den Kingpin stehlen und verübt daraufhin Attentate auf Wilson Fisks Filialen in New York. Warum? Keine Ahnung, denn am Ende will Scarecrow doch nur das Übliche: die ganze Stadt mit seinem Angstgas zu terrorisieren. Weil Batman und Daredevil sich bereits kennen, gibt es zwar das obligatorische Rumgezicke, aber keine Kämpfe mehr. Nur in der Eröffnungsszene kommen sie einander in die Quere. So lösen sie zusammen einen unspektakulären Fall, den jeder von ihnen auch genauso gut hätte alleine lösen können.

Aber der Sinn solcher Crossover besteht eigentlich nur darin, Fan-Fantasien zu befriedigen und beide Helden wenigstens ein paar Panels teilen zu lassen. Das ist so weit in Ordnung, nur hätten die Autoren dabei selbst ein wenig mehr ihre eigene Fantasie bemühen können.

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Dem Katzenweib geht’s an den Leib

Titel: Catwoman – Guardian of Gotham (dt. Catwoman – Die dunkle Ritterin)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Jim Balent

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-2), dt. Dino Verlag 2000 (Batman Sonderband 7)


„… ich kriege immer meinen Mann.“ (Catwoman)

Was wäre, wenn Catwoman die Beschützerin von Gotham wäre und Batman ihr Erzfeind? Dann wäre wohl alles mehr oder weniger so wie sonst auch im Batman-Universum, nur eben andersrum. Aber vor allem wäre alles um einiges mehr sexy und voller Katzen. So könnte man die Antwort zusammenfassen, die Doug Moench und Jim Balent für dieses Elseworlds-Szenario gefunden haben.

Selina Kyle kämpft gegen den Joker, Killer Croc und Two-Face, bis ein gewisser Batman auftaucht und alle Schurken mit seinen überdimensionierten Batarangs umlegt. Warum? Weil er’s kann. Und weil er böse ist. Abgrundtief böse. Und damit daran auch kein Zweifel besteht, sind selbst seine Fledermausohren gezackt und seine Augen rot. Als er entdeckt, dass Selina Kyle Catwoman ist, entwirft er einen teuflischen Plan: Er verführt Selina als Bruce Wayne, um sie später zu ermorden und zu beerben. Gesagt, getan. Schon nach ein paar Tagen heiratet Selina Bruce Wayne – obwohl er ihr nicht einmal verraten will, was er eigentlich nachts treibt. Und sie schöpft auch keinen Verdacht. So nimmt der Unfug seinen Lauf. Bis hin zu solchen Sätzen wie: „Er ist wahnsinnig … hat den eigenen Handschuh abgeschnitten, damit ich in den Tod stürze …“

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Batman, der Fascho

DC Comics

DC Comics

Titel: The Tyrant

Autor/Zeichner: Alan Grant/Tom Raney, Joe Staton

Erschienen: 1994 (Shadow of the Bat Annual #2)


„Funny how we start off with such good intentions, yet somehow end up mired in terror and fear.“ (Batman)

Dass der Weg zur Hölle bekanntlich mit guten Vorsätzen gepflastert ist, kann man in dieser Geschichte sehen: Seit Batman vor zwei Jahren vom Joker öffentlich demaskiert wurde, wurde der Vigilant zum Volkshelden und stieg zum Herrscher von Gotham empor. Batman bei Nacht, Bruce Wayne bei Tag – eine Schreckensherrschaft, deren oberstes Ziel die Verbrechensbekämpfung ist. Denn zusammen mit Doktor Jonathan Crane (hier einmal nicht Scarecrow) hält der Tyrann die Verbrechensrate gering, indem er das Trinkwasser mit Drogen versetzt. Als die beiden daraufhin planen, die Stadt mit einer noch stärkeren Substanz zu vergasen, die alle Menschen mit „kriminellen Tendenzen“ außer Gefecht setzt, regt sich Widerstand: Die klassischen Batman-Schurken planen ein Attentat auf Batman – angeführt vom jugendlichen Revoluzzer Anarky.

Es ist schade, dass The Tyrant keine aufwendigere Aufmachung oder mehr Seiten bekommen hat, denn das Elseworlds-Setting, das Alan Grant entwirft, wäre es wert gewesen, weiter ausgebreitet zu werden. Dass Batmans Kreuzzug in letzter Konsequenz Faschismus bedeutet, ist eine kühne Vision, die hier sehr einnehmend inszeniert wird. Batman ist zwar ein autoritärer Herrscher, aber auch ein Zweifler, der sich nach den richtigen Methoden fragt und schockiert ist, als er von James Gordon als Faschist beschimpft wird. Da ist es folgerichtig, die Story als Tragödie enden zu lassen. Leider aber kommt das eigentliche Finale überstürzt, hier hätte man sich mehr Platz für Dramaturgie gewünscht. So bleibt The Tyrant zwar ein herausragendes Was-wäre-wenn-Szenario, aber ein viel zu kurzes.

Eine ähnliche, aber nicht ganz so gelungene Dystopie entwirft I, Joker. Wen der politische Aspekt besonders interessiert, sollte die Anarky-Storys lesen. In Frank Millers All-Star Batman wird der Held erneut zum faschistoiden Tyrannen.

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Inkarnation des Wahnsinns

Batman: Nosferatu

DC Comics

Titel: Batman: Nosferatu

Autor/Zeichner: Randy & Jean-Marc Lofficier/Ted McKeever

Erschienen: 1999 (One-Shot)


 „I am — the Nosferatu! I am madness incarnate!“

Batman und Vampire – das ist eine Verbindung, die sich geradezu aufdrängt. Nicht nur, wegen der Nähe zu Fledermäusen, sondern auch weil der Held seine Entstehung unter anderem Bela Lugosis Dracula verdankt. Aber was wäre naheliegender, als noch einen Schritt zurück zum Ursprung des Vampir-Mythos zu gehen? Batman als Nosferatu klingt erst mal sehr vielversprechend.

Angelegt ist die Geschichte als Sequel zu Superman’s Metropolis, das ebenfalls an einen Stummfilm der 20er angelehnt ist. Die Handlung spielt in der utopischen Stadt, nachdem sie Superman vom Schurken Lutor befreit hat. Doch anders als der Titel Nosferatu verspricht, hat die Story nicht viel mit dem Film zu tun, sondern erscheint zunächst als Verschnitt von Das Cabinet des Doktor Caligari, allerdings ist es hier ein gewisser Doktor Arkham mit seiner Irrenanstalt. Statt eines Somnambulen führt er den Laughing Man vor, eine Art Joker, der Tod weissagt und selbst dafür sorgt, dass seine Prophezeiungen in Erfüllung gehen. So sterben Gord-Son und Gray-Son durch brutale Morde eines Irren mit langen Klauen. Und weil Superman gerade mit seinem Einsatz für das Proletariat beschäftigt ist, muss eben Bruss Wayne-Son (was sind das eigentlich für bescheuerte Namen?) für Gerechtigkeit sorgen – in Gestalt des Nosferatu, einer selbsternannten Inkarnation des Wahnsinns. Am Ende kommt es sogar zum Gipfeltreffen und Kampf mit Superman …

Wie schon Superman’s Metropolis profitiert auch die Fortsetzung von dem expressionistischen Malereien Ted McKeevers. Mit groben Strichen, abstrakten Darstellungen und verzerrten Schemen inszeniert er ein wunderbar schauriges, abgründiges und von Wahnsinn geprägtes Szenario. Der Nosferatu erscheint genauso schrecklich wie Caligari und der Laughing Man – und er schreckt auch vor Brutalität nicht zurück. Leider ist die Geschichte ebenso dröge geschrieben wie der erste Teil. Hölzerne Dialoge und eine pathetische Erzählstimme machen das Buch nicht gerade zu einem Lesevergnügen. Die etwas dünne Story ist wegen des Horror-Faktors aber allemal spannender als der lahme Metropolis-Neuaufguss. Gleiches gilt nämlich auch für die Vorlagen. Im Gegensatz zum Film Metropolis kann man Caligari und Nosferatu wiederholt anschauen – und zwar mit Genuss.

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Superman als Held des Proletariats

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman’s Metropolis

Autor/Zeichner: R.J.M. Lofficier, Roy Thomas/Ted McKeever

Erschienen: 1996 (One-shot)


„Between the brain that plans and the hands that build there must be a mediator – a Super-Man!“

Die Idee liegt so nahe, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis man sie realisierte: Superman in Fritz Langs Metropolis. Und was anderes soll er darin sein, als der Held der unterdrückten Arbeiter? Wie erwartet, kommt es auch. Die Geschichte entspricht in der ersten Hälfte ziemlich genau der Vorlage, dann entdeckt der Held seine wahre, außerirdische Herkunft und kämpft gegen den weiblichen Roboter, der die Arbeiter aufhetzt, sowie den verrückten Wissenschaftler Lutor (!), der die Arbeiter vernichten will.

Leider wird hier deutlich, dass Metropolis eine ziemlich lahme Handlung hat, die mit noch lahmeren, voll Pathos triefenden Dialogen und einer banal-idealistischen Botschaft durchsetzt ist. Daran kränkelt auch das Comic. Statt sich eine neue, zeitgemäßere Geschichte im gleichen Setting zu überlegen, halten sich die Autoren sklavisch an die Vorlage, wodurch das Buch am wohlwollendsten noch als gut gemeinte Hommage an den Stummfilm durchgehen kann. So wie dieser lebt auch Superman’s Metropolis von seinen Schauwerten: Beeindruckend sind hier nur die expressionistischen Malereien, besonders gelungen in der Figur des bösen Lutor, der dank der Abstraktheit der Darstellung noch finsterer erscheint.

Die Geschichte dient als Auftakt zu einer Trilogie, die als Hommage an das frühe, expressionistische deutsche Kino angelegt ist. Teil 2, Batman: Nosferatu, adaptiert den Vampirfilm von 1922 und vor allem Das Cabinet des Dr. Caligari, Teil 3, Wonder Woman: The Blue Amazon, adaptiert Der Blaue Engel.

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Hardboiled Gordon

James Gordon (Teil 5)

Batman: Gotham Noir

DC Comics

Titel: Gotham Noir

Autor/Zeichner: Ed Brubaker/Sean Phillips

Erschienen: 2001 (One-shot), dt. Panini 2002


„All I had figured out was that things were definitely not going my way, and I had no real idea why. And that’s when the world decided to get even weirder…“ (James Gordon)

Was wäre wenn … James Gordon im Zweiten Weltkrieg gekämpft hätte? Dann wäre er wohl so kaputt, dass er seinen Posten bei der Polizei verloren und zum trinkenden, hartgesottenen Privatdetektiv geworden wäre. Gotham Noir, das im Jahr 1949 spielt, ist genau das, was der Titel verspricht: Ein Comic Noir par excellence. Das Cover gibt den Stil der Schundromane vor. Und Autor Ed Brubaker versteht das Handwerk dieser Tradition. So ist die Geschichte ein klassischer Krimi: Gordon bekommt von seiner alten Flamme Selina den Auftrag, eine junge Frau bei einer Party zu bewachen. Kurz darauf ist die Dame tot, ihr Beschützer wacht neben ihr am Strand auf und weiß nicht nur mehr, wie es dazu gekommen ist. Zudem ist er auch der Hauptverdächtige.

Es beginnt eine Ermittlung zwischen den Fronten: Gangstern und korrupten Politikern, Staatsanwalt Dent und einer mysteriösen Fledermaus, die Gordon aus dem Schatten heraus hilft. Das ist durchaus wörtlich gemeint, denn Batman sieht man das ganze Comic über nur als schwarze Silhouette mit weißen Augen. Natürlich muss es auch eine Art Joker geben (Brubaker hat auch The Man Who Laughs geschrieben), aber der wird relativ subtil eingeführt als Handlanger, der von Gordon als Informant für Dent entlarvt wird, daraufhin ein Glasgow-Smile verpasst kriegt und sich dafür an Gordon rächen will.

Die Zeichnungen von Sean Phillips erfüllen ihren Zweck im Sinne des Genres: Viel Schwarz, starke Kontraste, gedeckte Farben wie bei Year One. Manchmal wirken die Figuren etwas zu steif, aber ansonsten schafft es der Zeichner, die Noir-Stimmung gut wiederzugeben, auch wenn ihm die künstlerische Finesse eines Tim Sale abgeht. Definitiv gehört das Buch zu den besseren Elseworlds-Geschichten, vor allem wegen seiner Charakterstudie.

Wer Spaß an dieser Story hat, sollte auch mal Nine Lives lesen. Darin spielt Dick Grayson einen Privatdetektiv in einem ähnlichen Szenario.

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Batman als Vampir gegen Dracula

Batman & Dracula: Red Rain

DC Comics

Titel: Batman & Dracula: Red Rain (dt. Der Schwur des Vampirs/Roter Regen)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1991 (One-shot, HC), dt. Carlsen 1998, Panini 2002


„Vampires are real … but not all of them … evil.“

„To me, all criminals are ‚vampires‘ cloaked in night to prey on the innocent.“ (Batman)

Doug Moench und Kelley Jones so etwas wie das Batman-Dreamteam der 90er Jahre. Düstere Stories mit noch düstereren Bildern, Batman mit säbellangen spitzen Ohren, überdimensionalen Capes und mehr Schatten als sonstwas – so soll’s sein. Dieser surreale Stil scheidet die Geister: die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn. Aber unter den sonst gewöhnungsbedürftigen hölzernen Stilen, die zu der Zeit vorherrschten, wirkt dieser wie seiner Zeit voraus. Bevor Jones von 1995 bis 1998 Hauptzeichner der Batman-Serie war, begann er im Jahr 1991 mit der Arbeit am Dunklen Ritter. Das erste Werk dieser Kooperation war Red Rain, eine der frühen Elseworlds-Stories. Der Untertitel sagt es bereits: Batman kämpft gegen Dracula.

So weit so naheliegend. Doch das Interessanteste daran ist, dass sich Batman nach einem Biss selbst nach und nach in einen Vampir verwandelt: er bekommt Superkräfte. Und die braucht er auch, wenn er sich mit einer Armee von Untoten anlegt. So wird Batman buchstäblich zu einem Bat-Man, während Dracula in seiner monströsesten Form als eine Art Man-Bat erscheint. Blöd ist nur, dass Batman selbst nicht auf das Cape verzichtet, nachdem ihm Fledermausflügel gewachsen sind. Bei aller Fantastik ist das doch etwas zuviel des Guten. Ich denke, dass es beim Fliegen – gerade in seinen Kelley Jones-Ausmaßen- doch ziemlich stören müsste …

Aber das ist nur eine Kleinigkeit. Sonst wird eine ziemlich simple, aber kurzweilige Story geboten: Es gibt die bösen Vampire um Dracula und ein paar gute Vampire, die von der sexy Tanya angeführt werden, einer Untoten im Badeanzug. Sie ist es, die Bruce Wayne nachts heimsucht, um ihn für ihren Kampf zu gewinnen, während in Gotham die Obdachlosen und Huren leergesaugt werden. Der Krieg währt nur kurz: Batman opfert Wayne Manor, dann befreit er Gordon aus Draculas Fängen – inklusive Finale bei Blitz und Donner.

Das alles fordert den Verstand nicht besonders, trieft hin und wieder zu sehr vor Pathos, aber ist im Wesentlichen stimmungsvoll erzählt und beeindruckt vor allem visuell. Kelley Jones zeichnet wunderbare furchterregende Monster und einen spektakulären Batman, der selbst bei guten Lichtverhältnissen alle Schatten auf sich zieht. Eins gerät dafür lächerlich: Das Batmobil wirkt so plump wie das Auto von Donald Duck (auch später in der Serie). Aber das kommt hier ohnehin kaum zum Einsatz. Fledermausflügel sind so viel cooler.

Hinweis: Red Rain ist Teil einer Trilogie: 1994 erschien die Fortsetzung Bloodstorm, 1998 Crimson Mist. 2007 wurden die drei Teile in dem Paperback Tales of the Multiverse: Batman – Vampire gesammelt.

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Frankensteins Bat-Monster

DC Comics

DC Comics

Titel: Castle of the Bat

Autor/Zeichner: Jack C. Harris/Bo Hampton

Erschienen: 1994 (One-shot)


„It comes down to a question of vengeance or responsibility!“ (Bruce Wayne)

Was wäre, wenn Bruce Wayne im 19. Jahrhundert Arzt geworden wäre, um das Andenken seines ermordeten Vaters zu ehren? Dann hätte er wohl versucht, seinen Vater mit Elektrizität wiederzubeleben. Castle of the Bat erzählt die Frankenstein-Geschichte neu, indem das Monster zu Bat-Man wird, einem Rächer, der Straßenräuber überfällt. Bruce Wayne ist der fanatische Wissenschaftler, der die Grenzen der Moral überschreitet und aus Leichenteilen neues, groteskes Leben erschafft. Zuerst einen Fledermaushund, dann einen Fledermausmenschen – mit allen bekannten Nachteilen.

Diese Elseworlds-Story greift den alten Topos in bewährter Weise auf, bedient sich dabei auch bei der Verfilmung von 1931, aber findet einen eigenen Ansatz, indem sie eine Verschwörung um den Elternmord hinzufügt. Das Ganze ist in den gemalten Panels wie in einen Nebel getaucht und sorgt für eine schaurige Stimmung. Allerdings wirkt die Erklärung, warum das Monster ein Fledermauskostüm trägt, sehr bemüht, was Zweifel an der Grundidee weckt. Schließlich wird Bat-Man auch noch zu Man-Bat. Jekyll und Hyde lassen grüßen. Und auch ein bisschen Dracula. Aber weil die Versatzstücke zu einer stimmigen Gesamtheit zusammengesetzt sind, ist das dünne Heft ein Spaß für Fans von Gothic Novels.

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Batman trifft Houdini

DC Comics

DC Comics

Titel: Houdini – The Devil’s Workshop (dt. Houdini)

Autor/Zeichner: Howard Victor Chaykin, John Francis Moore/Mark Chiarello

Erschienen: 1993 (One-shot), dt. Carlsen 1997


„I must be mad to put my faith in a wealthy madman with a bat fetish.“ (Harry Houdini)

Das Jahr 1907 in Gotham. Kinder verschwinden von den Straßen. Ein grisender „Albino“ sammelt sie auf, bekannt als Mad Jack Schadenfreude (Joker). Eine andere düstere Gestalt mit schwarzem Mantel und Fledermausmaske wird verdächtigt, doch der Batman hat bloß Gutes im Sinn. Unterstützt wird er von Harry Houdini, dem Entfesselungskünstler und Anti-Spiritisten, der nicht an das Übernatürliche glaubt und es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle des Betrugs zu überführen, die sich für Geisterseher oder echte Zauberer halten. Doch dann muss er erkennen, dass es immerhin echte Vampire gibt.

Houdini wird also zu Batmans Sidekick in dieser Elseworlds-Story – und er ist weitaus sympathischer als Robin. Schnell entlarvt er Bruce Wayne hinter der Maske und lässt keine Gelegenheit aus, über den reichen Schnösel mit seinem bühnenreifen Kostüm zu spotten. „You ever thought about the show business, fella?“ Houdini hält sich für den Klügsten, aber was Technik angeht, bleibt er ein Kind des 19. Jahrhunderts. Das wird deutlich, als Batman mit ihm in einem Wright-artigen Flugzeug unterwegs ist. In der Spannung zwischen den beiden Helden entsteht der Witz, der den Mystery-Plot seiner Schwere beraubt.

In der Geschichte scheint die Epoche der Jahrhundertwende wieder lebendig zu werden: die Story steckt voller kultureller Bezüge und Zitate, wie etwa Bram Stokers Dracula, und steht damit in der Tradition der Gothic Novels. Die gemalten Panels von Mark Chiarello verleihen dem Band eine Aura des Unheimlichen. Da kann man auch über einige Schwächen und Sprünge im Plot hinwegsehen: Houdini – The Devil’s Workshop ist ein kurzweiliger Genuss von einem period piece.

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