Elseworlds

Big Brother Superman

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman: Red Son (dt. Genosse Superman)

Autor/Zeichner: Mark Millar/Dave Johnson, Kilian Plunkett

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-3), dt. Panini 2014


„I offered them utopia, but they fought for the right to live in hell.“ (Superman)

Was wäre wenn Supermans Rakete in der Sowjetunion gelandet wäre? Dann stünde er nicht für jedenfalls nicht mehr für den American Way. Autor Mark Millar hat die wohl kühnste Vision von Superman geschaffen: der ur-amerikanischte Held (neben Captain America) als Kommunist. Der Blaue als Roter. Eine Provokation. Aber nicht bloß eine weitere Dystopie, die irgendwann hätte geschrieben werden müssen, sondern auch eine Story, die wunderbar funktioniert.

Millar hat nicht nur eine Elseworlds-Geschichte geschrieben, sondern auch eine alternative Geschichte. Superman dient zunächst Josef Stalin und übernimmt nach dessen Tod die Führung der Sowjetunion. Obwohl der Bauernsohn sich zunächst gegen Politik sträubt, wird er zum totalitären Despoten. Die Welt wird nach und nach kommunistisch, die USA sind gegen Superman machtlos, bleiben isoliert, spalten sich, leiden unter Armut und Bürgerkrieg. 1963 wird Präsident Richard Nixon erschossen, John F. Kennedy wird sein Nachfolger und treibt das Land weiter in den Ruin, weil er sich mehr für seine Liebschaft zu Norma Jean interessiert.

Der einzige, der den Durchblick hat, ist Lex Luthor. Der geniale Wissenschaftler, der gleichzeitig mehrere Schachturniere spielt und Urdu lernt, um sein Gehirn bei Laune zu halten, hasst Superman auch in dieser alternativen Welt und arbeitet sich jahrzehntelang daran ab, den Diktator auszuschalten – aber gegen die Übermacht ist er erfolglos. Schließlich verbündet er sich mit Wonder Woman und Green Lantern. Parallel regt sich Widerstand in Russland: Batman bekämpft das System als Guerilla mit Pelzmütze und tritt schließlich auch direkt gegen Superman an.

Batman mit Pelzmütze vermöbelt Superman. (DC Comics)

Batman mit Pelzmütze vermöbelt Superman. (DC Comics)

Big Brother Superman ist alles andere als böse. Auch wenn er für eine andere Ideologie eintritt, bleibt er doch seinen Idealen treu, eine bessere Welt zu schaffen. Allerdings mit zweifelhaften Mitteln, wie etwa totaler Überwachung und der Verwandlung von Aufsässigen in gehorsame Halbroboter. Der Wohlstand der Welt scheint ihm recht zu geben, aber mit den Jahren zweifelt er immer mehr daran, ob seine Herrschaft moralisch tragbar ist. Dieser Konflikt gibt ihm die nötige Komplexität und hält das Interesse an der Figur bis zum Schluss aufrecht.

Red Son ist ein Comic, das alles aufbietet, was man sich wünschen kann: Starke Charaktere, viel Fantasie und Zitate der Superman-Mythologie. Obwohl die Zeichner gängige Motive der Superman-Ikonografie bedienen (z. B. die üblichen Cover von Action Comics #1 und Superman #1), werden die Zeichnungen dem hohen Niveau der Story leider nicht ganz gerecht.

Dafür ist das Ende der Story so grandios, dass man diesem runden Meisterwerk nur applaudieren kann.

Mehr zum Thema:

Speeding Bullets: Superman als Batman

DC Comics

DC Comics

Titel: Speeding Bullets

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis/Eduardo Barreto

Erschienen: 1993 (One-shot)


„There’s only one way it could have happened: the way it was meant to be happen.“

„A child in a Halloween costume, playing out a lifetime of guilt and anger.“

„Has our world become so twisted, so violent, that this is the kind of hero we produce?“

Was wäre wenn Supermans Rakete von Krypton in Gotham gelandet wäre? Dann wäre er von den Waynes gefunden und aufgezogen worden, bis zu jenem Tag, an dem sie ermordet werden. Kurz: Superman wäre Batman geworden. Die Elseworlds-Story Speeding Bullets spielt diesen wohl feuchtesten Traum aller Fanboys durch, steckt Superman ins Fledermauskostüm, lässt ihn fliegen, Dinge zerstören und Menschen verbrennen. Das Kostüm ist zum einen konsequent, weil es das Gesicht des Helden ganz verdeckt, zum anderen zeichnet sich in dem gelben Diamanten auf der Brust bereits ab, worauf die Story hinausläuft.

Doch zunächst wird das Superman-Inventar aus Metropolis herangeschafft: Bruce Wayne lässt Perry White und Lois Lane vom Daily Planet zur Gotham Gazette kommen, ein feister Lex Luthor versucht, Waynes Firma zu übernehmen, und scheitert. Kurz darauf zeigt Luthor sein wahres Gesicht: Es ist weiß, hat rote Lippen und lacht bei jeder unpassenden Gelegenheit. Nach einem Unfall in einem Chemiewerk ist Luthor nämlich zum Joker geworden. Warum er sich so nennt, bleibt unklar, denn Witze macht er keine und lustig ist er auch nicht. Allein lächerlich wirkt es, wenn aus seinem Rücken ein Propeller heraustritt, mit dem er durch die Stadt fliegen kann.

DC Comics

Wie dem auch sei: Batman rettet Lois Lane, dann die ganze Stadt vor einer paramilitärischen Invasoren, die für Luthor Chaos stiften. (Einen tieferen Sinn hat das nicht.) Am Ende lässt Batman sich von Lois zu sanfteren Methoden der Verbrechensbekämpfung bequatschen und legt sein Kostüm ab – er wird zum bekannten Superman in blau, rot und gelb.

Die interessantesten Elseworlds-Storys spielen ihr „Was wäre wenn“ bis zur letzten Konsequenz durch. Doch hier ist das Szenario bloß ein Umweg zum Status quo der regulären Comic-Serien. Daher muss man sich fragen, was sie eigentlich soll. (Zugegeben: The Nail funktioniert auch so, aber besser.) Dabei fängt die Geschichte vielversprechend an: Bruce plagt die Schuld, die Kugeln, die seine Eltern töteten, nicht aufgehalten zu haben. Er verschanzt sich als Einsiedler in Wayne Manor und sammelt Zeitungsartikel, um über das Leid in der Welt zu lamentieren – bis er sein wahres Potenzial wiederentdeckt. Doch mit der bemühten Einführung von Luthor-Joker wird alles zunichte gemacht und die wenigen Seiten für eine Story verschwendet, die nicht der Rede wert ist. Eine vertane Chance.

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Legends of the Dead Earth: Dystopische Variationen

Titel: Legends of the Dead Earth

Autor/Zeichner: Doug Moench, Chuck Dixon, Alan Grant/Vincent Giarrano, Flint Henry, Barry Kitson, Brian Apthorp

Erschienen: 1996 (Batman Annual #20, Detective Comics Annual #9, Shadow of the Bat Annual #4, Legends of the Dark Knight Annual #6)


„Whatever happens to me — the legend will never die!“ (Batman)

Im Jahr 1996 standen alle DC-Annuals unter einem Titel: Legends of the Dead Earth. Erzählt wurden Geschichten aus alternativen Universen (allerdings ohne Elseworlds-Label), in denen die Helden in verschiedenen Versionen einer düsteren Zukunft kämpften. Auf einer toten Erde leben die Legenden weiter, so das Motto der Reihe.

Im Batman Annual erzählt ein alter Mann in einer dystopischen Zukunft ein paar Kindern Legenden von Bat-Man, einem geflügelten Helden, der einen Sidekick namens Darkbird hat. Die bekannten Schurken erscheinen in abgewandelter Form: der Joker ist der Mad Jester, der Menschen mit manipulierten Holo-Programmen zum Lachen bringt, Catwoman ist Cat-Fem, eine Mensch-Tier-Hybridin, Two-Face ist Split-Face und Scarecrow ist ein Vogelmensch, der tatsächlich zunächst als Vogelscheuche arbeitet, bevor er vor Angst wahnsinnig wird und seinen Job verliert. Auch wenn die Figuren und Anekdoten nicht alle durch Einfallskraft glänzen, ist dieses Heft das gelungenste der vier.

Im Detective Comics Annual ist Batman ein Riesen-Roboter, im Shadow of the Bat Annual führt Batman eine Armee gegen eine feindliche Reptilien-Spezies an und reitet dabei auf Dinosauriern. Der vierte Teil (Legends of the Dark Knight Annual) spielt zwar in einer Art Zukunft, aber das Szenario mutet mittelalterlich an. Batwoman ist hier die Heldin, die das Erbe ihres Vaters Robert Kane antritt. Batman war ein Henker für einen Schurkenstaat, der Selbstmord beging, nachdem er seine Schuld nicht mehr ertrug. Batwoman macht reinen Tisch.

Auch wenn das Konzept einen interessanten Ansatz verspricht und den Schöpfern kreative Freiheit zu gewähren scheint, kommt bei Batman nicht viel Interessantes bei rum. Bloß oberflächliche Variationen des Altbekannten in verschiedenen Dystopien. Kein Wunder, dass diese Storys bisher nicht wiederaufgelegt wurden.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Anderswelten neu aufgelegt

Am 20. April 2016 bringt DC Comics ein Paperback mit gesammelten Elseworlds-Batman-Storys heraus. Nun ist bekannt, was drin sein wird:

  • Holy Terror (Batman gegen einen fiktiven Kirchenstaat)
  • Dark Allegiances (Batman kämpft in den 30ern gegen eine faschistische Verschwörung, von Howard Chaykin)
  • Dark Joker – The Wild (von Doug Moench und Kelley Jones)
  • In Darkest Knight (Batman als Green Lantern)
  • Robin 3000 #1-2 (Robin in der Zukunft)
  • „and more“

Leider teilt DC nicht mit, was dieses Mehr sein soll. Eins ist klar: Es wird noch viel mehr, denn der Band soll 536 Seiten umfassen. Es ist lange überfällig, dass die meist vergriffenen Comics neu aufgelegt werden. Mittlerweile gibt es auch schon einige davon in digitaler Form – und das sehr preisgünstig. Die hier vorgestellte Auswahl ist durchwachsen: Holy Terror ist jedenfalls ein solides Werk, In Darkest Knight klingt verlockender als es ist, Dark Allegiances ist auch kein großer Spaß (es sei denn für Chaykin-Fans). Die anderen beiden Werke kenne ich nicht, daher hoffe ich, dass der Rest des Bandes mehr Qualität bringen wird. Aber da es sich um ein „Volume one“ handelt, wird DC wohl ohnehin in naher Zukunft alles neu auflegen, was ein Elseworlds-Label trägt.

Für Juli ist auch ein Superman-Elseworlds-Band angekündigt. Darin soll auch Speeding Bullets enthalten sein, eine Story, die davon ausgeht, dass Superman von den Waynes in Gotham City aufgezogen und dann zu Batman wird. Eine Besprechung folgt in Kürze. Am 11. Mai wird zudem eine Deluxe Edition von Kingdom Come (1996) erscheinen, eine der besten Elseworlds-Geschichten, geschrieben von Mark Waid und gemalt von Alex Ross.

Batman Elseworlds: Digitaler Nachschub

Alternative Historien, dystopische Zukunftsentwürfe, Literaturadaptionen – in den 90er und frühen 2000er Jahren führte DC Comics für seine nicht-kanonischen Parallelwelten das Label Elseworlds. Darunter waren auch einige bemerkenswerte Werke. Doch nur die wenigsten werden noch neu aufgelegt, die meisten Hefte sind vergriffen. Nächstes Jahr will DC das nachholen mit einem Paperback; was drin sein wird, ist noch unklar. Bis dahin können Fans die Lektüre digital nachholen, denn DC setzt die Digitalisierung seiner Elseworlds-Storys fort: Nach langem Stillstand wurden in den vergangenen Wochen bei Comixology mehrere Comics neu veröffentlicht – und zwar sehr preiswert. Derzeit gibt es diese Batman-Comics und ein Justice-League-Comic (in englischer Sprache):

Welche davon lesenswert sind, kann man unter den jeweiligen Links nachlesen. Die fehlenden Besprechungen werden hier noch nachgeholt werden.

Durstig nach Blut

DC Comics

DC Comics

Titel: Bloodstorm (dt. Blutsturm)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1994 (One-shot, Paperback Batman Vampire: Tales of the Multiverse), dt. Panini 2001 (Sonderband)


„Death mocks me. Life tempts me. Thirst haunts me. And together, the three curse me.“ (Batman)

Nachdem Batman Dracula erledigt hat, gibt es immer noch einige Vampire, die ihr Unwesen treiben. Da ihnen aber ein Anführer fehlt, übernimmt der Joker die Rolle. Von da an fallen die Vampire über Gangster her und der Joker baut sich so sein eigenes Verbrechensimperium auf. Während Batman Jagd auf die Bande macht, hat er mit einem größeren Problem zu kämpfen: Als Vampir hat er nicht bloß Flügel und Superkräfte, sondern auch einen großen Blutdurst. Da er aber nach wie vor seinem Prinzip treu bleiben will, nicht zu töten, kommt er in einen Gewissenskonflikt und es fällt ihm schwer, der Versuchung zu widerstehen. Eine geliebte Frau könnte das Verlangen stillen – wie gut, dass gerade Selina Kyle, von einem Werwolf gebissen, zur Catwoman mutiert und Batman helfen kann …

Moment mal: Der Biss eines Werwolfs macht jemanden zur Katze? Ja, so ist das in der Fortsetzung von Batman & Dracula: Red Rain. Abgesehen von so einem hanebüchenen Unsinn und mal pathetischer, mal einfallsloser Dialoge hat Bloodstorm trotzdem seinen Reiz. Nicht nur wegen der schattenlastigen Gothic-Ästhetik von Kelley Jones, auch weil wir Batman in einem krassen Konflikt mit sich selbst sehen: einerseits als metzelnder Vampirjäger, andererseits als blutrünstiger Selbstzweifler und verzweifelter Junkie. Eine der stärksten Sequenzen zeigt, wie er einen Blut-Ersatz vom Boden aufleckt – wie ein Tier. Ansonsten wird viel expliziter Splatter-Horror und auch ein bisschen Erotik (sprich: fast nackte Frauenkörper) geboten. Ein kurzweiliges Elseworlds-Szenario. (Die Story wird in Crimson Mist, dt. Blutroter Nebel, fortgesetzt.)

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Leonardos Dämon

DC Comics

DC Comics

Titel: Black Masterpiece

Autor/Zeichner: Doug Moench/Frederico Cueva

Erschienen: 1994 (Batman Annual #18)


„Man, I have learned, is not inspired by the divine alone. Man is guided, as well, by a darker force.“ (Leonardo da Vinci)

Leonardo da Vinci hat nicht nur die Mona Lisa gemalt, sondern auch ein paar Geräte entworfen, zum Beispiel Fluggeräte, auf der Basis von Vogelstudien. Beim Selbstversuch brach sich sein Assistent Tommaso Masini ein Bein (oder auch einige Rippen). Der Entwurf für das Fluggerät ähnelt jedoch nicht den Schwingen eines Vogels, sondern denen einer Fledermaus. Das brachte Autor Doug Moench auf die Idee für eine Batman-Elseworlds-Story.

Leonardo_Flying_Machine1505

In Black Masterpiece werden all diese Versatzstücke zusammengeworfen: Parallel werden zwei Geschichten erzählt. Die eine, die in der Gegenwart spielt, handelt von einem Raub der Mona Lisa in Gotham (als ob der Louvre sein wertvollstes Stück jemals verleihen würde), die andere handelt vom Making of des Bildes. Leonardo malt die Frau eines anderen, mit der er eine Affäre hat, während sein Schüler Tomas daran verzweifelt, nie das Genie seines Meisters zu erreichen. Tomas stammt aus dem Haus der Medici und hat seine Eltern bei einem Mordanschlag verloren. Als Mona Lisa von ihrem eifersüchtigen Mann in einem Turm gefangen gehalten wird, benutzt Tomaso das von Leonardo erfundene Fluggerät – und zieht sich passend dazu ein Fledermauskostüm an. So wird er zu „Leonardos Dämon“. Parallel macht der Batman der Gegenwart etwas ganz Ähnliches … Am Ende wissen wir, warum Mona Lisa lächelt, wer früher noch auf dem Bild zu sehen war und was ein Pentimento ist.

Batman von Leonardo Da Vinci in Rom (Foto: Lukas Gedziorowski)

Batman von Leonardo Da Vinci in Rom (Foto: Lukas Gedziorowski)

Das Ganze liest sich so banal wie es klingt. Die Story mag sich als Hommage, Gedankenspiel und Ausflug in die Kunstgeschichte und Philosophie verstehen, wird aber mit dem Holzhammer erzählt. Vielleicht hätte sie besser funktioniert ohne die Analogie zur Gegenwart und diesen lächerlichen Kunstraub, bei dem ein Kunstliebhaber zum Ikonoklasten wird. Die Zeichnungen sind ebenso fade, allein der in Leder gekleidete Batman des 16. Jahrhunderts macht eine gute Figur. Um nicht zu sagen: Sein Anblick ist das einzige, was an dieser weit hergeholten und albernen Story Freude macht.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batman als Pirat

DC Comics

DC Comics

Titel: Leatherwing

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Alcatena

Erschienen: 1994 (Detective Comics Annual #7, Paperback: Superman/Batman: Alternate Histories 1996)


„Below the Green Waves the Ocean’s a Grave for them who’s faced Leatherwing.“

„I may one day understand the fathomless depths … but not if I should live a millennium will I understand the wiles of a woman.“ (Leatherwing)

Unter all den Elseworlds-Szenarien ist Leatherwing eines, das unvermeidlich erscheint: Batman als Pirat. Die Analogie bietet sich an: Ein Vigilant für die Sache der Gerechtigkeit. Und so trägt unser Held eine Kopftuchmaske mit spitzen Ohren – warum auch immer. Und sein geheimes Versteck heißt Verspertilio Cay. Es gibt einen Robin namens Robin Redblade, eine Capitana Felina (Catwoman), ebenfalls mit Kopftuchmaske, und einen dauergrinsenden Schurken namens The Laughing Man (Joker). Die Story ist banal: Der Schurke verbündet sich mit der Katzenbraut, um an Leatherwings Schatz ranzukommen. Der Held verliebt sich in die Braut, die Braut fühlt sich betrogen, dann wird sie eines Besseren belehrt und der Joker-Verschnitt erlebt den Tod durch einen Säbel.

Gutwillig könnte man Leatherwing eine klassische Piratengeschichte nennen, eine Reminiszenz an alte Filme und Seefahrerromantik. Kritisch gesehen ist die Story eine Klamotte voller Klischees, eine Kinderfantasie von einem Piratenabenteuer, mit einer an den Haaren herbeigezogenen Romanze und allzunaheliegender Analogien zum Batman-Kosmos. Der größte Kritikpunkt ist aber der, dass diese Story zwar irgendwann erzählt werden musste, aber so vorhersehbar wie die Idee hätte die Umsetzung nicht sein müssen.

Trotzdem wurde die Story 1998 mit The Bride of Leatherwing fortgestetzt (Batman Chronicles #11).

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batman trifft Daredevil

Titel: Daredevil and Batman: Eye for an Eye (dt. Auge um Auge); Batman/Daredevil: King of New York

Autor/Zeichner: D.G. Chichester/Scott McDaniel; Alan Grant/Eduardo Barreto

Erschienen: 1997/2000 (One-shots), dt. Panini 1998/Dino 2000


„They’re not so alike as some might believe.“

„One man knows his fear. Respects it, and has made himself its master. The other man knows no fear, and if he did — he would laugh in its face.“

Batman und Daredevil sind Seelenverwandte. Beide bewegen sich in ihren jeweiligen Universen auf dem selben Niveau: dem der Straße. Beide operieren weitgehend ohne übernatürliche Kräfte – wenn man von Daredevils gesteigerter Sinneswahrnehmung und Batmans Gadgets absieht. Beide sind nachtaktiv. Da liegt es nahe, die beiden Helden aus verschiedenen Universen zu einem Crossover zusammenzubringen. Wie so üblich gibt es zwei Teile, ein Hin- und ein Rückspiel, eines herausgegeben von Marvel, eines von DC.

Im ersten Teil (Eye for an Eye) kämpfen die beiden gegen Two-Face und Mr. Hyde (gespaltene Persönlichkeit!), doch zuvor geraten die Helden aneinander. Es beginnt mit einer kleinen Keilerei, dann spielen die beiden Angsthase, indem Batman mit dem Batmobil auf Daredevil zugerast kommt. Daredevil ist in dieser Story der Besonnene, der die Sinnlosigkeit solcher Spielchen aufzeigt und der – im Gegensatz zu Batman – bei Two-Face den Menschen hinter dem Schurken sieht. Das liegt auch daran, dass Matt Murdock und Harvey Dent eine gemeinsame Vergangenheit angedichtet wird (Jura!). Im Wesentlichen aber bleibt die Story eine oberflächliches Gipfeltreffen, das schnell abgehandelt wird wie eine Pflichtübung.

Drei Jahre später kommt es (in King of New York) zu einem Wiedersehen in Gotham. Dieses Mal geht es um Scarecrow, was naheliegt. Für alle, die es nicht kapieren, erklärt die Erzählstimme, dass Batman der Meister der Angst ist, während Daredevil der Mann ohne Furcht ist (siehe oben). Scarecrow lässt von Catwoman eine Akte über den Kingpin stehlen und verübt daraufhin Attentate auf Wilson Fisks Filialen in New York. Warum? Keine Ahnung, denn am Ende will Scarecrow doch nur das Übliche: die ganze Stadt mit seinem Angstgas zu terrorisieren. Weil Batman und Daredevil sich bereits kennen, gibt es zwar das obligatorische Rumgezicke, aber keine Kämpfe mehr. Nur in der Eröffnungsszene kommen sie einander in die Quere. So lösen sie zusammen einen unspektakulären Fall, den jeder von ihnen auch genauso gut hätte alleine lösen können.

Aber der Sinn solcher Crossover besteht eigentlich nur darin, Fan-Fantasien zu befriedigen und beide Helden wenigstens ein paar Panels teilen zu lassen. Das ist so weit in Ordnung, nur hätten die Autoren dabei selbst ein wenig mehr ihre eigene Fantasie bemühen können.

Mehr zum Thema:

Dem Katzenweib geht’s an den Leib

Titel: Catwoman – Guardian of Gotham (dt. Catwoman – Die dunkle Ritterin)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Jim Balent

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-2), dt. Dino Verlag 2000 (Batman Sonderband 7)


„… ich kriege immer meinen Mann.“ (Catwoman)

Was wäre, wenn Catwoman die Beschützerin von Gotham wäre und Batman ihr Erzfeind? Dann wäre wohl alles mehr oder weniger so wie sonst auch im Batman-Universum, nur eben andersrum. Aber vor allem wäre alles um einiges mehr sexy und voller Katzen. So könnte man die Antwort zusammenfassen, die Doug Moench und Jim Balent für dieses Elseworlds-Szenario gefunden haben.

Selina Kyle kämpft gegen den Joker, Killer Croc und Two-Face, bis ein gewisser Batman auftaucht und alle Schurken mit seinen überdimensionierten Batarangs umlegt. Warum? Weil er’s kann. Und weil er böse ist. Abgrundtief böse. Und damit daran auch kein Zweifel besteht, sind selbst seine Fledermausohren gezackt und seine Augen rot. Als er entdeckt, dass Selina Kyle Catwoman ist, entwirft er einen teuflischen Plan: Er verführt Selina als Bruce Wayne, um sie später zu ermorden und zu beerben. Gesagt, getan. Schon nach ein paar Tagen heiratet Selina Bruce Wayne – obwohl er ihr nicht einmal verraten will, was er eigentlich nachts treibt. Und sie schöpft auch keinen Verdacht. So nimmt der Unfug seinen Lauf. Bis hin zu solchen Sätzen wie: „Er ist wahnsinnig … hat den eigenen Handschuh abgeschnitten, damit ich in den Tod stürze …“

(mehr …)