Elseworlds

Batman Year 100: Die Zukunft wird hässlich

DC Comics

DC Comics

Titel: Year 100 (dt. Das 100. Jahr)

Autor/Zeichner: Paul Pope

Erschienen: 2006 (Mini-Serie #1-4), Paperback 2007; dt. Panini 2007


Ihr kennt Batmans Jahr eins und das Jahr null, jetzt kommt das Jahr 100. Genau gesagt ist es 2039, also das Jahr, in dem Batman 100 wird. Batman ist längst vergessen. Und dann taucht er wieder auf: Ein Typ im Cape, mit grauem Pullover, geschnürten Shorts, zu kurzen Handschuhen und Springerstiefeln. Zu Beginn wird er von der US-Bundespolizei über die Dächer von Gotham verfolgt. Schließlich wird in einer U-Bahn-Station ein Polizist erschossen – und Batman gilt als Mörder. Von da an wird er mit noch größerem Druck gejagt.

Und das war’s im Grunde auch schon. Unser Batman ist, wie Dr. Richard Kimble auf der Flucht und muss zugleich seine Unschuld beweisen, bzw. den Schuldigen ausmachen. Dabei entlarvt er eine große Verschwörung um eine Superwaffe. Unterstützt wird er von James Gordon, einem gewissen Robin (ohne Kostüm) und einem Hacker-Mädchen. Um seinen Verfolgern einen Schrecken einzujagen, setzt er sich falsche Raubtierzähne ein. Was übrigens sein Outfit vollends ins Lächerliche zieht.

Doch auch sonst ist Batman, dessen Gesicht stets geschwollen aussieht wie nach einem Kampf, ziemlich hässlich. Wie auch alles andere in diesem Comic. Autor und Zeichner Paul Pope kann offenbar nicht anders, als alles krumm und schief zu zeichnen. Selbst die Schönheiten sind abstoßend. Es ist ein Stil, der nur mit gutem Willen als gewöhnungsbedürftig bezeichnet werden kann. Denn angesichts dieser dünnen Story und der schwachen Charaktergestaltung wird man mit dieser Elseworld nicht warm. Schon gar nicht interessiert einen, worauf die Story hinausläuft.

Das Ganze ist bloß eine große, abgehetzte Verfolgungsjagd, unterbrochen von zu viel Gerede, in dem zu wenig Substanzielles gesagt wird. Wer sind diese ganzen Figuren? Und vor allem: wer ist Batman? Dazu gibt es bloß am Ende einen Hinweis, sonst wird man mit dieser Welt allein gelassen. Vor allem wird nicht klar, warum die Geschichte unbedingt in der Zukunft spielen muss; das Jahr 2039 hat mehr symbolischen Wert, um zwischendrin ein paar Reminiszenzen an die Batman-Historie unterzubringen, als dass es eine Funktion hätte.

Year 100 mag als moderner Klassiker gelten, der Grund dafür bleibt mir aber schleierhaft.

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Manbat gründet eine Familie

DC Comics

DC Comics

Titel: Manbat (The Subterraneans)

Autor/Zeichner: Jamie Delano/John Bolton

Erschienen: 1995 (Mini-Serie #1-3, Paperback 1997)


„The universal cruelty of nature is hard to face. But all life is subject to her one immutable law: adapt, or die.“ (Kirk Langstrom)

Die Tierschutzaktivistin Marylin Munro (nicht zu verwechseln mit der Schauspielerin) will eigentlich nur mit der Kamera dokumentieren, welche Monster in den Laboren von Edencorp erschaffen werden. Dabei kommt sie in den Besitz eines genetischen Materials für Killer-Heuschrecken, die die ganze Menschheit ausrotten könnten. Auf der Flucht fällt sie allerdings in eine Höhle, wo Kirk Langstrom eine Familie gegründet hat. Eine Familie von Manbats, also Mensch-Fledermaus-Mutanten. Langstrom hält sich und seinesgleichen für eine überlegene Superrasse und will die Menschheit mit den Heuschrecken auslöschen. In der Zwischenzeit düst Batman im Auftrag von Edencorp durch die Gegend, um Marylin zu finden und das Schlimmste zu verhindern. Es kommt zum Kampf zwischen den Fledermausmenschen.

So eine Story zusammenzufassen, klingt doch immer ein bisschen bescheuert. Es ist der alte Superhelden-Topos vom Mad Scientist, der die Apokalypse heraufbeschwört. Aber wenn man die im aufwendig gemalten Seiten von John Bolton sieht, merkt man schnell, dass der banale Inhalt in einer künstlerisch hochwertigen Verpackung steckt, wodurch er gleich viel weniger banal erscheint. Bolton schafft mit seinen Bildern, die irgendwo zwischen schwarzer Romantik (Füsslis Nachtmahr) und Expressionismus verortet sind, eine beklemmende, alptraumhafte Atmosphäre.

Aber auch die Handlung ist gar nicht mal so plump, wie sie sein könnte, weil Langstrom nicht einfach nur irre oder böse oder beides ist, sondern eine höchst konfliktreiche Figur. Ein Mann, äußerlich zwischen Mensch und Tier, der einfach nur seinen Frieden will und der innerlich zerrissen ist in der Frage, ob er den Untergang der Menschheit beschleunigen soll oder nicht. Auch die Nebenfiguren, wie Langstroms Frau Francine, sein Sohn oder die Aktivistin Marylin kommen zu ihrem Recht.

Nur Batman bleibt relativ primitiv und langweilig. Zwar macht er als blauer Koloss mit Riesenohren und extravagantem Umhang optisch was her. Sonst ist er aber so aufgesetzt steif, pflichtbewusst und humorlos wie ein Beamter – und erinnert dadurch an den alten Spießer-Batman Adam West. Passend dazu gibt es auch Szenen wie: Batman bekommt einen Strafzettel fürs Zuschnellfahren, Batman reitet auf einem Esel und Batman stülpt sich einen Schlapphut über seine spitzen Ohren oder er belehrt Prostituierte, wie sie ein besseres Leben führen können. Manche mögen das witzig finden, die Fledermaus abseits der vertrauten Routinen zu sehen, aber mir fällt es dadurch schwer, das Ganze ernst zu nehmen.

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Alter schützt vor Torheit nicht

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight Dynasty

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Scott Hampton, Gary Frank, Scott McDaniel

Erschienen: 1997 (One-shot)


„I win again. But then, I always do.“ (Vandal Savage)

2300 Jahre Waynes, drei Generationen von Batmen: als Kreuzritter im Mittelalter, als Dunkler Ritter in der Gegenwart, als High-Tech-Kriegerin in ferner Zukunft. Und alle drei müssen sich mit Vandal Savage rumschlagen, jenem unsterblichen Schurken, der einem mysteriösen Meteorit nachjagt. Dafür tötet er sogar Bruce Waynes Eltern. Wozu der ganze Ärger, das erfährt man erst am Ende: auch der Böse hat einfach nur das grundmenschliche Bedürfnis zu wissen, was ihn zu dem gemacht hat, das er ist. Der Aufwand wirkt dann doch etwas übertrieben, vor allem gegen Ende, wenn er einen ganzen Kult um sich begründet. Gastauftritte haben eine Art Catwoman des Mittelalters und eine weibliche Scarecrow, Scarecrown genannt.

Dass sein hohes Alter Vandal Savage aber nicht unbedingt weiser macht, zeigt auch ein Plot-Element, das immer wiederkehrt: In jedem der drei Kapitel lässt er den Helden in einer Todesfalle zurück und lässt ihm damit jedesmal die Gelegenheit zur Flucht – im zweiten Kapitel sogar zweimal. Okay, das ist nicht unbedingt ein Klischee mehr, es ist einfach ein Topos von Heldengeschichten. Aber gleich viermal den gleichen Fehler zu begehen, lässt dann doch am Verstand des angeblich superschlauen Superschurken zweifeln und wird zum Running Gag, der die Story unfreiwilligen komisch macht. Noch lächerlicher ist nur noch ein Affe, der in der Zukunft zu Robin wird (warum nur, warum?).

Visuell macht Dark Knight Dynasty wenigstens zu zwei Dritteln etwas her: Die gemalten Seiten von Scott Hampton (Night Cries) im Mittelalter-Teil und die von Gary Franks (Batman: Earth One, Superman: Secret Origin) Gegenwarts-Teil sind wahre Hingucker. Dagegen ist das Finale von Scott McDaniel und Bill Sienkiewicz nicht nur sperrig gezeichnet, sondern lässt auch schwer der Handlung folgen.

Insgesamt ist Dark Knight Dynasty zwar episch angelegt, aber kann seinen Anspruch nicht ganz erfüllen, weil es dann doch bloß in Banalitäten abdriftet.

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Die große Batman-Kostümparade

DC Comics

DC Comics

Titel: Brotherhood of the Bat

Autor/Zeichner: Doug Moench/Jim Aparo, Norm Breyfogle, Graham Nolan u.a.

Erschienen: 1995 (One-shot)


„In future, I swear to you … I shall do better.“ (Batman/Tallant)

Mehr als 50 Jahre in der Zukunft ist der Großteil der Weltbevölkerung von einem Virus ausgerottet. Batman ist tot, die Menschheit versinkt in Anarchie. Ra’s al Ghul hat triumphiert. Um die Ordnung wieder herzustellen, lässt er sich von seinem größten Gegner inspirieren und macht aus seinen besten Schergen die „Brotherhood of the Bat“, eine nach Batmans verworfenen Kostümideen gekleidete Eingreiftruppe, die durch die Straßen Gothams zieht und die Übeltäter unschädlich macht. Ein junger Mann, Tallant, der Sohn von Bruce Wayne, tritt das Erbe seines Vaters an, infiltriert Ra’s Bande und schaltet in alter Rambo-Manier einen falschen Batman nach dem anderen aus. Am Ende kommt es zum unvermeidlichen Duell mit dem Obermacker.

Interessant an dieser 08/15-Story ist zwar, dass hier das Szenario durchgespielt wird, was wäre, wenn Ra’s Erfolg hätte. Aber viel wird daraus nicht gemacht. Der einzige Reiz besteht in der Vielfalt der zum Teil ausgefallenen Batman-Kostüme und dass man dadurch Batman gegen Batman kämpfen sieht. Verschiedene Batmobile bedienen die Nostalgie der Fans. Zu diesem besonderen Anlass haben mehrere Zeichner an diesem Comic mitgewirkt, aber grafisch bleibt es doch nur Durchschnitt – ebenso wie die Dialoge.

Brotherhood of the Bat wurde später im Zweiteiler League of Batmen fortgesetzt. Die Idee, dass Batman einen Sohn mit Talia hat, wurde mit Batman and Son in die Haupt-Continuity integriert.

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Batman gegen Al Capone

DC Comics

DC Comics

Titel: Scar of the Bat

Autor/Zeichner: Max Allan Collins/Eduardo Barreto

Erschienen: 1996 (One-shot)


„It started with a man with a bat.“

Die Unbestechlichen waren eine Gruppe von Prohibitionsagenten, die von 1929 bis 1931 gegen Al Capone vorgingen, angeführt vom Finanzbeamten Eliot Ness. Die Geschichte wurde mehrfach verfilmt, besonders bekannt von Brian DePalma, auch wenn der Film wenig mit den historischen Tatsachen gemeinsam hatte. Scar of the Bat ist nah dran an den Fakten, wenn man davon absieht, dass Eliot Ness sich hier eine Batman-Maske aufsetzt und die Mobster mit Baseballschläger („Bat-Man“) und Maschinengewehr malträtiert. Denn selbst ein unbestechlicher Polizist, so die Moral von der Geschicht‘, muss mal die Regeln brechen, wenn er an die größten Verbrecher herankommen will. Und so eine Batman-Maske macht offenbar mehr Eindruck als bloß Schnapsfässer kaputtzuschlagen.

Das Problem an dieser Elseworlds-Story ist, dass sie nur wenig mit Batman zu tun hat: Kein Bruce Wayne oder andere Mitglieder der Bat-Familie, keine klassischen Schurken – und vor allem keine Batman-Prinzipien. Menschen werden einfach niedergemäht und dadurch wirkt das Batman-Konzept willkürlich oktroyiert, ohne wirklich in das Szenario zu passen. Batman, ein Typ mit Maske und Trenchcoat, wirkt hier bloß als Schreckgespenst. Abgesehen davon fehlt auch das Drama, um diese Story spannend zu machen. Immerhin leistet Zeichner Eduardo Barreto eine solide Arbeit, auch als Kolorist mit Wasserfarben.

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Finstere Aussichten für Robin

Titel: Robin 3000

Autor/Zeichner: Byron Preiss/P. Craig Russell

Erschienen: 1992 (Mini-Serie #1-2), Paperback 2016 (Elseworlds: Batman Vol. 1)


„It is time for Robin to return.“ (Robin)

„blah! blah! blah!“

Was wäre eine Zukunft ohne Batman, aber mit einem Robin? Ziemlich düster. Zu Beginn des vierten Jahrtausends (also um 3000) beherrschen böse Aliens, die Skulp, die Erde. Batman wird als Bruce Wayne XX. entlarvt und kurz darauf getötet. Dessen Neffe Tom Wayne wird gefangen genommen und flieht in die Tiefen des Weltalls, verliert dabei eine Hand und bekommt eine Prothese voller nützlicher Gadgets. In der Zwischenzeit setzen die Schurken mit Androiden, die aussehen wie Tom, für ihre Propaganda ein und korrumpieren weiterhin den Ruf der Waynes. Doch Batman hat einen Ass im Ärmel: einen Robin-Roboter. Demnach gibt es also zwei Wunderknaben, die im Geiste Batmans weitermachen. Tom Wayne schließt sich einer Widerstandsbewegung an, um sich von den Unterdrückern zu befreien.

Bei manchen Elseworlds-Storys muss man sich fragen: Was hat sich DC dabei bloß gedacht? Robin 3000 ist so eine Geschichte. Denn eigentlich hat sie mit Batman und Robin nicht viel zu tun. Es könnte eine gewöhnliche Science Fiction-Story sein, wenn nicht die Namen der Figuren wären (ja, es gibt auch eine Katzenlady namens Selina Kyle – so what?). Der echte Robin ist als solcher kaum zu erkennen, er trägt weder Kostüm noch Maske, der Robo-Robin hat wiederum keine Seele und erfüllt keinen anderen Zweck, als am Ende dem Helden bloß sein Kostüm zu übergeben. Hier könnte die Story beginnen, aber hier ist Schluss.

Nichts an der Handlung ist der Rede wert, es gibt keinen Grund für die Existenz dieser Comics – und schon gar nicht für zwei Teile, die dazu führen, dass man sich durch fast 100 Seiten durchquälen muss. Auch wegen der grausigen Optik: lieblose Zeichnungen mit ausdrucksarmen Figuren und detailarmen Hintergründen, zugekleistert mit widerwärtig grellen Gelb-, Orange-, Rot- und Rosa-Tönen. Es wirkt, als hätte eigentlich niemand Lust auf diesen Job gehabt.

Robin 3000 ist nichts als billiger Groschenroman-Trash. Nichts rechtfertigt, warum man so einen Schund in einer Elseworlds-Anthologie nachdrucken sollte.

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Düsterer Dämon gegen finstere Mächte

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Joker – The Wild

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1993 (One-shot), Paperback 2016 (Elseworlds: Batman Vol. 1)


„… a man of darkness can surely serve the cause of light!“

„Evil must be fought with light! Darkness cannot oppose darkness!“

Es war einmal im fernen Land Wild … ein böser Zauberer Namens Dark Joker, der gerne Menschen enthauptete und sich an ihren Gehirnen gütlich tat. So terrorisierte er das Land mit seinen dämonenhaften Schergen. Eine Zauberin, die dem wilden Treiben Einhalt gebieten wollte, suchte den wilden Bat-Man auf, ein blaues Wesen, halb Mensch, halb Fledermaus, das gerne Steinböcke fraß. Jener Bat-Man war ein Produkt von Zauberern, die der Dark Joker getötet hatte. Der kleine Bat-Man war von ihm aus dem Fenster geworfen worden, aber entkam dem Tod mithilfe seiner Schwingen. Die Zauberin, die seine Schwester ist, lehrte ihn das Sprechen, dann suchte er sich ein paar Menschen zur Hilfe und bekämpfte den Dark Joker bis zum Tod des Schurken. Ende der Geschichte.

Mal wieder so ein typisches Moench/Jones-Ding (Red Rain/Bloodstorm, Haunted Gotham): eine sehr düster und grotesk gezeichnete Story voller Pathos und Splatter. Aber im Gegensatz zu dem üblichen Gothic-Chic ist diese Elseworld ist eine klassische Fantasy-Welt im Mittelalter-Stil. Batman als Dämon verkörpert den typischen Konflikt, dass er als Inkarnation der Finsternis die Mächte der Dunkelheit bekämpfen soll. Der Joker mordet als Zauberer ebenso willkürlich wie auch als gewöhnlicher Clown Prince of Crime. Es nervt ein wenig, dass die Menschen, nachdem ihnen Batman immer wieder hilft, ihm trotzdem misstrauen. Das soll wohl die Spannung steigern, bremst aber bloß die Handlung aus. Ansonsten ist Dark Joker – The Wild als Variation des Altbekannten in Ordnung, wenn man sich für Geschichten in diesem Stil eines düsteren Märchens interessiert. Alle anderen können darauf verzichten, ohne dass ihnen viel entgeht.

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Batman als Revolverheld

DC Comics

DC Comics

Titel: The Blue, the Grey, and the Bat

Autor/Zeichner: Elliot S. Maggin, Alan Weiss/Alan Weiss

Erschienen: 1992 (One-shot), Paperback 2016 (Elseworlds: Batman Vol. 1)


„You sons of whores killed my horse!“ (Batman)

Wir hatten schon alles: Batman als Vampir, als Green Lantern, sogar als Pirat. Was fehlt? Ach ja, Batman als Cowboy. Aber warum sollte ein Cowboy sich als Fledermaus verkleiden? Egal, einfach so. Doch anders als man von einem Western erwarten könnte, ist er kein Outlaw, der nach eigenen Regeln kämpft, sondern ein treuer Staatsdiener der USA. Genauer gesagt: der Nordstaaten, die sich gerade im Bürgerkrieg mit dem Süden befinden. Präsident Abraham Lincoln höchstselbst beauftragt Batman, eine Ladung Gold zu retten, um den Krieg finanzieren zu können. Also macht sich Bruce Wayne auf den Weg nach Nevada, um herauszufinden, wer den Schatz stiehlt …

Batman ist hier also bloß Diener der Staatskasse. Mit anderen Worten: er jagt dem Geld hinterher. So gehört es sich zwar nicht für Batman, aber für einen Cowboy. Und zu einem Cowboy gehört auch, ein Revolverheld zu sein. Also ballert Batman wild herum (manchmal benutzt er auch eine Peitsche oder Pfeil und Bogen). Ein moralisches Problem stellt das nicht dar. Allerdings sieht man nie, dass er jemanden umbringt. Die Schüsse landen bloß entweder in der Hand oder im Arm der Gegner und wenn er wahllos in eine Gruppe schießt, dient das nur dem Zweck, sie am Ende fesseln zu können. Blut fließt nie. Damit ist das Reflexionsniveau über Gewalt etwa so hoch wie in John-Wayne-Filmen.

Und auch sonst ist The Blue, the Grey, and the Bat eine altbackene Story mit einem Reigen an Western-Klischees – von sinnlosen Saloon-Schlägereien bis zu gefiederten Indianern. Apropos: der einzige Indianer, der eine Rolle spielt, ist das Robin-Pendant Redbird (ein Name, der verdächtig nah an das Wort „Redskin“ gerät). Immerhin er darf einmal metzeln, dass das Blut spritzt. Aber das nur, um seine Familie zu rächen. Die Wilden sind hier die Weißen. Puh, gerade nochmal gut gegangen – wenigstens ein Klischee wurde zu einem politisch korrekten Statement abgewandelt. Immerhin: Eine kleine Truppe von ehemaligen Sklaven darf für die gute Sache kämpfen. Doch das ist bloß eine gesichtslose Menge. Die meisten Helden bleiben die Weißen. Neben Lincoln treten noch andere historische Personen wie Samuel Clemens (alias Mark Twain) und der Revolverheld James Butler Hickok (alias Wild Bill) auf, aber sie bereichern die Story nicht wirklich. Sie lenken eher von der Hauptfigur ab. Aber die wird ohnehin vernachlässigt.

Das Problem an diesem Elseworlds-Szenario ist, dass es nicht die Essenz von Batman in ein anderes Setting überträgt, um ihm eine neue Facette abzugewinnen, sondern den Helden beliebig erscheinen lässt. Es spielt keine große Rolle, dass der Mann auf dem schwarzen Pferd ein Fledermauskostüm trägt. Weder kann er sich damit in der Wüste und bei Tageslicht gut verstecken, noch jagt er damit jemandem Angst ein, noch hat er Tricks auf Lager, die sonst keiner hat. Bruce Wayne ist kein grimmiger Einzelgänger, der eine Bürde zu tragen hat, er lächelt, als ob er das alles nur zum Spaß machte. Batman als Cowboy ist nicht als eine platte Wildwest-Show.

Gibt es denn sonst nichts Gutes über dieses Machwerk zu sagen? Doch: Batmans Kostüm (ganz in schwarz) ist gelungen. Und das Cover des Erstdrucks mit seiner Prägung und seiner Anmutung von handgeschöpftem Papier ist ganz hübsch geraten. Aber das ist bloß ein Sahnehäubchen auf dem Misthaufen.

P.S.: Ja, den oben zitierten Satz hat Batman wirklich gesagt. (Wütend und schießend wie John Wick nachdem man seinen Hund getötet hat.)

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Die Batman-Antifa

DC Comics

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Titel: Dark Allegiances

Autor/Zeichner: Howard Chaykin

Erschienen: 1996 (One-shot), Paperback 2016 (Elseworlds: Batman Vol. 1)


„Better a madman with a mission than a plutocrat hiding behind the walls of privilege.“ (Batman)

Während in den 1930er Jahren Hitler die Welt bedroht, streben in den USA faschistisch-rassistische Mächte auf. Die White Legion, eine Art Ku-Klux-Klan mit Hakenkreuzen auf der Kapuze, treiben ihr Unwesen. Batman legt sich mit ihnen an. Aber auch gegen Polizisten geht er vor, die Arbeiter vermöbeln. Mit einem Wort: Batman ist der Gutmensch in einer bösen Welt zwischen Faschismus und Polizeistaat, in der auch eine Art Joker, Pinguin und Two-Face mitmischen. Batman verbündet sich mit Catwoman (in rot!) und verhindert ein Attentat auf den US-Präsidenten Roosevelt und Hitler. Ja, Batman rettet dem Mann, der kurz darauf den Zweiten Weltkrieg auslöst, das Leben. Und vorher darf Bruce Wayne ihm die Hand schütteln und Smalltalk mit ihm halten. Diese ironische Schicksalswendung wird aber wieder gutgemacht, indem Batman, Catwoman und Robin (Alfred!) die Nazis terrorisieren.

Was ist von dieser Farce zu halten? Man nimmt es gleichgültig zur Kenntnis. Diese Elseworlds-Story ist oberflächlicher als sie sein will, doch das Gute daran ist, dass sie schnell beendet werden kann. Batman als Antifaschist mag ein spannendes Thema sein (vgl. Chaykins Thrillkiller). Doch in dieser unausgegorenen, uneinnehmenden Geschichte wirkt jeder noch so interessante Ansatz verloren. Die sperrigen Zeichnungen von Chaykin lassen nahezu jedes Gesicht so entstellt wie Two-Face aussehen. Immerhin Catwoman ist ziemlich aufreizend geraten. Immerhin das kann Chaykin gut. Das rettet Dark Allegiances allerdings auch nicht.

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Gesammelte Anderswelten

DC Comics

DC Comics

Der erste Batman-Elseworlds-Sammelband ist auf Englisch erschienen. Enthalten sind die folgenden Titel:

  1. Holy Terror (1991)
  2. Houdini: The Devil’s Workshop (1993)
  3. Castle of the Bat (1994)
  4. In Darkest Knight (1994)
  5. Dark Allegiances (1996)
  6. The Blue, the Grey, and the Bat (1992)
  7. Dark Joker: The Wild (1993)
  8. Robin 3000 (1992)

Empfehlenswert sind zunächst die ersten drei Storys: Batman kämpft darin gegen einen dystopischen Kirchenstaat und Vampire und wird zu Frankensteins Monster. Vor allem visuell hinterlassen die beiden letztgenannten einen guten Eindruck. In Darkest Knight klingt zunächst cool: Bruce Wayne wird zu Green Lantern. Doch die Story dazu ist bei weitem nicht so cool wie die Grundidee. Das ist häufig der Nachteil dieser alternativen Welten: sie basieren nur auf einer interessanten Idee, ohne dass eine interessante Story dazu erdacht wurde. (So ist etwa auch Speeding Bullets, Superman im Batman-Kostüm, eine herbe Enttäuschung.)

Digital sind diese und andere Elseworlds-Storys schon länger bei Comixology zu haben. Im Juli soll ein Justice League-Band herauskommen mit folgenden Titeln:

  • League of Justice
  • Justice Riders
  • Elseworld’s Finest
  • Elseworld’s Finest: Supergirl & Batgirl
  • Titans: Scissors Paper Stone
  • Wonder Woman: Amazonia

Im Dezember soll ein Superman-Band erscheinen, in dem auch Speeding Bullets enthalten sein soll. In nächster Zeit werde ich die noch ausstehenden Storys aus dem Batman-Paperback besprechen – und auch die übrigen Elseworlds sollen folgen. Eine Übersicht über die Batman-Elseworlds-Titel gibt es hier.