Autor: Lukas

Journalist, Blogger, Batman-Fan

Bis einer stirbt

Titel: Cacophony (dt. Kakofonie)

Autor/Zeichner: Kevin Smith/Walt Flanagan

Erschienen: 2009 (Mini-Serie #1-3), Paperback 2009; dt. Panini 2010 (Paperback/Hardcover)


„I’m crazy ′cause I hate you.“ (Joker)

Deadshot versucht, den Joker in Arkham Asylum zu töten – ein Auftagsmord als Rache eines trauernden Vaters. Da wird er von einem maskierten Unbekannten daran gehindert. Deadshot stirbt dabei augenscheinlich, der Joker bekommt einen Koffer voller Geld überreicht. Der Unbekannte hat die nervige Eigenschaft, Lautwörter (Interjektionen) nachzusprechen. Der Joker sucht Maxie Zeus auf, der – angeblich geheilt – sein Glück als Drogengroßhändler versucht, indem er Jokers Lachgas recycelt.

Kinder sterben, dann die Gäste eines Nachtclubs, Batman kommt und auch wieder der Unbekannte. Beide entkommen. Batman versucht schließlich, den Joker anzulocken, um wieder an den anderen ranzukommen. Als der Joker lebensgefährlich verletzt wird, steht Batman vor der Entscheidung, ob er ihn retten oder sterben lassen soll.

Das Finale ist ein langer Dialog zwischen Batman und Joker. Dabei erklärt der Joker, dass er erst Ruhe geben wird, wenn einer von beiden tot ist. Wie öde. Zu dieser Erkenntnis gelangte schon Frank Miller (The Dark Knight Returns) und auch in Going Sane wurde das Szenario bereits durchgespielt. Eine neue Facette des Schurken wird hier nicht offenbart, alles bleibt oberflächlich. Und auch die Identität des Unbekannten wird nicht aufgelöst. Insgesamt ist Cacophony eine Story, bei der man nicht so recht weiß, worum es hier eigentlich geht und die auch auf nichts Konkretes hinausläuft. Enttäuschend. Auch grafisch bleibt der Comic eher mittelmäßig.

Mehr zum Thema:

Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 3)

DC Comics

Titel: The Bond Wagon

Autor/Zeichner: Joseph Greene/Jack Burnley

Erschienen: 1943 (Detective Comics #78), Hardcover 2017 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 3)


„Robin, like most Americans you underestimate the Nazi!“ (Batman)

Die meisten Amerikaner begreifen nicht, dass der Zweite Weltkrieg wie der Unabhängigkeitskrieg von 1776 sei, stellt Dick Grayson fest, während er seine Geschichtshausaufgaben erledigt. Bruce Wayne gibt ihm recht. Wenn doch nur mehr Menschen das einsähen, dann würden sie mehr Kriegsanleihen kaufen, sagt Robin. Da kommt Bruce eine Idee: Lass uns Werbung machen!

Schon zieht man die Kostüme an und startet eine Kampagne für eine Art Parade. Batman castet ein paar Leute, die die Gründerväter des Landes mimen sollen und zieht mit ihnen auf einem „Bond Wagon“ durch die Gegend, lässt sie Szenen von früher nachspielen und verkauft Kriegsanleihen wie warme Semmeln.

Das gefällt den Nazis im Lande überhaupt nicht. Ein breiter Skinhead namens Baron von Luger lässt die Aktion sabotieren. Zuerst schlüpfen die Nazis heimlich in die Rolle der Hessen, die damals auf der Seite der Briten gekämpft haben (tatsächlich gab es deutsche Söldner im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg). Weil Robin die Betrüger auffliegen lässt, kommt es zum Kampf zwischen den Schauspielern und den falschen Hessen bzw. echten Nazis. Einer von ihnen versucht sogar, Robin von hinten zu erstechen. „The master race, indeed! Master of the stab in the back!!“, kommentiert der Erzähler sarkastisch.

Später kommt es zu einer Schlacht auf hoher See: Ein Segelschiff gegen ein Nazi-U-Boot. Schließlich versuchen die Nazis, einen der Teilnehmer des Bond Wagons zu schmieren, um ihn auf seine Seite zu ziehen. Doch Robin bekommt das mit, folgt den Schurken in ihr Geheimversteck und zusammen mit Batman bekommt bekommen die Nazis, was sie verdienen. Baron von Luger fällt nach einem Schlag gegen ein Hitlerporträt, das von der Wand fällt. „That’s the way to beat the Nazi!!“, sagt Batman. Und am Ende salutiert das Dynamische Duo den Amerikanern, die ihre patriotische Pflicht erfüllen.

Bei all dem stellt sich die Frage: Für wen inszenieren Batman und Robin eigentlich ihre Reenactments? Die meiste Zeit ist gar kein Publikum zu sehen und es kann auch kaum irgendwo stehen, wenn etwa auf hoher See gesegelt wird. Die Antwort ist klar: Es ist eine Inszenierung für die Comicleser. Denn eigentlich werden die Schauspiele nur dadurch interessant, dass die Protagonisten wirklich kämpfen. Das führt aber zu einer paradoxen Situation: Es sind zwar echte Schurken, aber die Nazis verfremden die nachzustellende Geschichte zu einer anachronistischen Farce. Ganz zu schweigen von dem schiefen Vergleich: Die Nazis sind nicht die Briten von damals und auch nicht wie die hessischen Söldner. Aber hier wird auf Teufel komm raus die Geschichte so gedeutet, dass sich Parallelen auftun müssen. Der Zweck der Propaganda heiligt offenbar die Mittel …

Mehr zum Thema:

Batman: The Animated Series auf Blu-ray

Batman: TAS (On Leather Wings)

Gute Nachrichten: BTAS endlich in Full-HD! (Bild: Warner Bros.)

Eine gute Nachricht: Die Zeichentrickserie der 90er, Batman: The Animated Series, soll im Jahr 2018 auf Blu-ray erscheinen. Das hat Warner Bros. bekanntgegeben. Und das war’s auch schon an Infos. Wir wissen weder wann genau, noch was drin sein wird.

UPDATE: Die Batman TAS-Blu-ray-Box erscheint am 16. Oktober 2018 in den USA!

Die erste Staffel (1992-1993) von BTAS umfasst 85 Episoden, die zweite (1994) lief unter dem Namen The Adventures of Batman & Robin und enthielt 22 Episoden. Eine dritte Staffel (The New Batman Adventures) umfasst 24 Folgen, unterscheidet sich aber in der Gestaltung der Figuren, auch wenn die Geschichten in der gleichen Continuity spielen. Alle Folgen sind bereits als Video-on-Demand bei Amazon verfügbar – auch auf deutsch. Eine DVD-Fassung gibt es zwar auch, aber keine, die im deutschsprachigen Raum erschienen ist.

Darüber hinaus gibt es vier Langfilme. Der erste, Mask of the Phantasm (dt. Batman und das Phantom) wurde bereits 2017 auf Blu-ray veröffentlicht. Ob und wann dieser in Deutschland erscheint, ist unbekannt, ebenso was mit den Folgefilmen SubZero (dt. Eiszeit) und Mystery of the Batwoman (dt. Geheimnis um Batwoman) geschehen soll. (Der vierte Film, Batman and Harley Quinn, ist erst dieses Jahr auf DVD und Blu-ray erschienen.)

Die Serie gehört (zusammen mit dem ersten Film) für mich nicht nur zu dem Besten, was Batman im Bewegtbild angeht, sie fängt auch das perfekt ein, was Batman ausmacht. Es ist eine Serie, die fast schon zu düster für Kinder ist und dadurch immer noch interessant für Erwachsene. Es ist Zeichentrick, der ernst genommen werden will – und den man auch getrost 25 Jahren nach dem Start für diesen Mut bewundern kann. Deshalb wird es höchste Zeit, dass BTAS endlich auch in Full-HD erstrahlt – diese Behandlung hat sie längst verdient.

Wiedersehen mit Catwoman und Joker

Catwoman im Golden Age (Teil 2)

DC Comics

Titel: Joker Meets Cat-Woman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #2)


„We’ve met before, haven’t we?“ (Batman)

Breaking News! Der Joker ist gar nicht tot, nach seiner letzten Begegnung mit Batman (siehe Batman #1) wird er im Krankenhaus gesund gepflegt. Kaum hat Batman die Nachricht gelesen, bricht er auf, um den Joker zu entführen und ihn einer Gehirnoperation zu unterziehen, auf dass der Geisteskranke endlich geheilt werde. Doch die Gang Crime Syndicate Inc. hat eigene Pläne: Sie überfällt das Krankenhaus und zwingt die Ärzte, den Joker schnell wieder zusammenzuflicken.

Da taucht Batman auf – und liefert sich eine wilde Verfolgsjagd mit der Polizei. Seltsam, dass er so gewalttätig ist, denkt sich Commissioner Gordon, bei dem man sich fragen muss, warum er Batman überhaupt verfolgt, aber egal: Batman wird erschossen und es stellt sich heraus – das war gar nicht der echte Batman, sondern nur ein Ablenkungsmanöver der Bad Guys.

Zufällig hat die Diebin „The Cat“ alles beobachtet, weil sie gerade als alte Kaugummiverkäuferin verkleidet vor dem Krankenhaus stand. Was sie in dem Aufzug dort wollte, erfahren wir leider nicht. Aus dem Nichts taucht Batman auf, hocherfreut sie zu sehen, trägt er sie auf Händen zu seinem Auto. Zur Polizei bringt er sie wieder nicht: Nachdem sie ihm gesagt hat, was sie über den Joker weiß, darf sie gehen.

Was Batman nicht weiß: der Joker und Cat-Woman haben es auf die Juwelen des Pharao abgesehen. In einem Schloss kommt es zum Showdown: Robin gegen den Joker, Batman schwingt sich zum Schwertkampf herein. Am Ende geht alles in Flammen auf, der Joker bleibt zurück und Catwoman rettet sich einem Sprung ins Wasser. (Normalerweise ist das Jokers Abgang.) Zum Glück aber hat Batman die Juwelen an sich genommen.

Es ist das erste Mal, dass die Diebin, die bisher nur „The Cat“ genannt wurde, jetzt Catwoman genannt wird. Aber noch sieht sie nicht wie eine aus, stattdessen trägt sie ein gelbes Cape mit Kapuze und ein grünes Kleid. Beim nächsten Mal wird sich das Kostüm deutlich verändert haben …

Catwoman im Golden Age:

Noch ein Trailer zu Justice League

„We can be heroes, just for one day …“ Im neuen Justice League-Trailer wird David Bowie gecovert. Superman steht im Maisfeld, Aquaman im Wasser, Batman ballert sich seinen Weg durch eine Schlacht. Pathos, Action, Explosionen. Nach den ganzen Trailern könnte der Eindruck entstehen, den ganzen Film schon gesehen zu haben – oder wenigstens die Höhepunkte. Das nimmt viel vorweg, verdirbt die Überraschung. Im besten Fall wird der Film dem Trailer gerecht, dann bekommt man, was man erwartet hat – ein langweiliges Resultat. Im schlimmsten Fall wird man enttäuscht. Dass ein Film besser ist als der Trailer, das ist leider selten.

Justice League startet am 16. November 2017 in deutschen Kinos. (Zum SDCC-Trailer)

Stresstest für Bruce Wayne

Titel: Tenses (dt. Imperfekt)

Autor/Zeihner: Joe Casey/Cully Hamner

Erschienen: 2003 (Zweiteiler), dt. Eaglemoss 2017 (Hardcover)


„… you have no stress.“

Etwa ein Jahr nach seiner Rückkehr (siehe Year One) räumt Bruce Wayne in seiner Firma auf, dabei werden einige Angestellte entlassen, darunter auch der etwas angespannte Ted, den man einen Jedermann nennen könnte, wenn er nicht von Zukunftsvisionen geplagt werden würde. Dadurch wird er von Kriminellen für Einbrüche missbraucht. (Warum die nicht einfach mit ihm Lotto spielen, mag wohl daran liegen, dass Verbrechen mehr Spaß machen.) Bei einem Einsatz wird Ted von Batman geschlagen und anschließend von der Polizei festgenommen. In Gewahrsam wird er zu einem psychopathischen Serienkiller, der es am Ende auf Rache an seinem Vater abgesehen hat …

Bruce Wayne wird zudem von einem penetranten Reporter belästigt. Doch er hat zu alldem nicht viel zu sagen. Seitenweise sieht man ihn stattdessen gedankenverloren aus dem Fenster von Wayne Manor starren, halbnackt durch den Schnee stapfen oder wie ein Besessener seine Muskeln stählen.

Mit einem viel geschwätzigeren Pathos wird bei der tragischen Geschichte von Ted zu dick aufgetragen. So ziemlich alle Serienkillerklischees werden bedient: Misshandelt als Kind, Ödipuskomplex, Außenseiter der Gesellschaft und Versager im Job, hässlich ist er auch, und am Ende beißt er Leuten die Kehle durch und kleidet sich in Menschenhaut …

Keine Wohlfühlstory. Und trotz allem lässt sie einen kalt. Batman hat am Ende leichtes Spiel, das Finale ist unnötig gestreckt. Was aber am meisten aufregt, ist diese Abgebrühtheit und Passivität. Bruce Wayne wird bescheinigt, keinen Stress zu verspüren. Am Ende wird die Erkenntnis als Lernkurve abgetan und alles scheint wieder gut. Aber worauf will Tenses eigentlich hinaus? Dass Bruce Wayne und Batman alles schlimmer machen? Es wird nicht klar.

Auch grafisch überzeugt der Zweiteiler nicht: Die Zeichnungen sind zwar von klarem Strich, die Figuren kantig, Batman ist schön düster dargestellt, aber die Gesichtszüge sind häufig merkwürdig entgleist und die Panels erscheinen steril.

>> Batman 2000-2011

Snyders Schlusskapitel – Batman: Last Knight

Batman von Sean Murphy (Detective Comics #27, DC Comics)

Batman erwacht in einem postapokalyptischen Gotham City. Er ist jung. Der Kopf des Jokers ist an seinen Gürtel gekettet, aber er lebt und spricht. So soll Batman: Last Knight beginnen, die nächste Geschichte von Scott Snyder. Es soll sein vorläufiges Schlusskapitel für Batman sein, hat er auf der New York Comic Con angekündigt. Derzeit läuft sein großes Batman-Event Dark Nights: Metal.

Gezeichnet wird der Comic von Sean Gordon Murphy, der gerade seine eigene Miniserie, Batman: White Knight, geschaffen hat. Murphy hat auf Twitter angekündigt, danach erstmal nicht mehr mit Autoren zusammenarbeiten zu wollen, sondern seine eigenen Ideen zu verwirklichen.

Snyder und Murphy haben bereits an American Vampire and The Wake sowie einer Story für Detective Comics #27 zusammengearbeitet.

Angriff der bösen Roboter-Klone

Warner Bros.

Titel: Heart of Steel – Part 1 & 2 (dt. Ein Herz aus Stahl)

Drehbuch: Brynne Stephens

Erschienen: 1992 (Batman: The Animated Series S01E38-39)


„Menschen sind unvollkommen. Sie machen Fehler.“ (HARDAC)

Eine Unbekannte lässt einen Koffer bei Wayne Enterprises stehen. Kaum landet er bei den Fundsachen, macht er sich plötzlich selbstständig und stiehlt Computerchips. Als Batman bei der Verfolgung des Roboters scheitert, sucht Bruce Wayne seinen alten Freund Karl Rossum auf, einen Roboter-Spezialisten. Der hat einen Supercomputer namens HARDAC bei sich stehen. Und wie man schon an seinem roten Auge erkennen kann, führt der nichts Gutes im Schilde …

Eindeutig die falsche Frau gedatet …

Auffallend an diesem Zweiteiler ist die lange Exposition. Die erste Szene mit dem Diebstahl und der Verfolgung des Koffers nimmt ein Drittel der ersten Folge ein. Man lässt sich Zeit. Danach folgt eine Art Roboter-Horror. Commissioner Gordon, Harvey Bullock und andere Schlüsselfiguren der Stadt werden durch steife Roboter-Duplikate ersetzt, die sich später unheimlich verrenken und wie Spinnenwesen herumkrabbeln, dazu kommen noch die roten Augen, die an Terminator erinnern (ganz zu schweigen von Kubricks HAL aus 2001). Ein Höhepunkt der Folge ist, wenn der Batcomputer sabotiert wird und plötzlich Batman angreift, ein anderer ein Kampf gegen einen falschen Bullock …

Bullock unter Strom

Die Auflösung ist wie immer banal, aber leuchtet nicht ganz ein: Rossum hat nach dem Tod seiner Tochter versucht, Duplikate für Menschen zu erschaffen, weil HARDAC der Plan aber nicht weit genug ging, übernahm der Computer das Unternehmen. Und warum? Weil Menschen Fehler machen können? Wie gesagt: HAL-Logik …

Sehenswert ist die Folge trotzdem. Und bemerkenswert daran ist auch: Barbara Gordon hat ihren ersten Auftritt in The Animated Series, lange bevor sie zu Batgirl wird (das passiert erst in Shadow of the Bat, S01E57-58). Aber schon hier zeigt sie, dass sie von ihrem Vater einiges an Polizeiarbeit gelernt hat.

Bad Robot

>> Liste der Batman: The Animated Series-Episoden

Neuer Anime: Batman Ninja

DC Comics

Auf der New York Comic Con wurde ein Batman-Anime angekündigt: Batman Ninja transportiert den Helden in das mittelalterliche Japan. Mit dabei sind Joker, Harley Quinn, Pinguin, Poison Ivy, Robin, Nightwing und Gorilla Grodd. Der Film ist eine japanische Produktion, Regie führt Jumpei Mizusaki, das Drehbuch stammt von Kazuki Nakashima. Erscheinen soll Batman Ninja als Direct-to-Video, ein genauer Starttermin wurde nicht bekannt gegeben. Ein Trailer war bisher nur auf der Comic Con zu sehen.

Katze trifft Fledermaus

Catwoman im Golden Age (Teil 1)

DC Comics

Titel: The Cat

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #1)


„Lovely girl! What eyes!“ (Batman)

Vor Catwoman gab es the Cat: eine hübsche wie raffinierte Diebin, ohne Katzenkostüm, aber schon verkleidet, eine Unbekannte, aber von Anfang an anziehend für Batman …

Beginnen wir am Anfang: Die erste Catwoman-Story beginnt als erste Robin-Solo-Story. Gleich in seinem dritten Abenteuer darf Dick Grayson sich zunächst alleine behaupten. Bruce Wayne lässt ihn als Kellner auf einer Yacht arbeiten, um eine teure Kette vor Dieben zu schützen. Dick ist sehr aufmerksam, hat auch schon gleich zwei Verdächtige unter den Gästen erspäht, als die Kette plötzlich weg ist – gestohlen von einem Unbekannten.

Kurz darauf treffen Gangster auf der Yacht ein, um die Kette zu rauben, aber sie kommen zu spät, also nehmen sie mit, was sonst noch da ist. Als Dick einen Kampf mit ihnen anfängt, springt er ins Wasser, zieht sich schnell sein Robin-Kostüm an, während er Maschinengewehrkugeln ausweicht. Da trifft auch schon Batman ein, überwältigt die Gauner auf ihrem Boot, Robin hält sie fest.

Aber weil es offenbar niemand eilig hat, passiert plötzlich etwas Seltsames: ein Experiment. Batman lässt vier Gangster auf Robin los, um den amerikanischen Kindern zu zeigen, wie feige sie ohne ihre Waffen sind. Hier ist sich die fiktive Held bewusst, dass er nur eine Comicfigur ist und dass er vor einem Kinderpublikum auftritt! Das ist einzigartig für Batman. Und als auf der nächsten Seite die Verbrecher ihre Lektion bekommen haben und vor Robin erzittern, wendet sich Batman direkt an die Leser, wiederholt seine Botschaft und ermuntert sie, sich dem Kampf gegen das Verbrechen anzuschließen.

Zurück zum Plot: Auf der Yacht sind mittlerweile alle so bedrückt, bestohlen worden zu sein, dass sie eine Kostümparty schmeißen, um sich wieder aufzuheitern. Ein Preis soll verliehen werden für die beste Verkleidung. Als Batman erscheint, geht der Preis an ihn, weil er nicht für den richtigen Batman gehalten wird. Und wieder haben wir es mit einer Selbstreferenzialität zu tun: „An ironical joke takes place!!“ Batman ist mittlerweile so legendär, dass seine tatsächliche Erscheinung nicht mehr für wahrscheinlich gehalten wird. Interessant: Während er sich selbst als das erkennt, was er wirklich ist, erkennen die anderen ihn nicht als echten Batman.

batman-1-catwoman-papa-span.jpg

„Quiet or papa spank!“ Batman und The Cat. (DC Comics)

Erst jetzt kommt die Hauptschurkin ins Spiel: Robin löst einen falschen Feueralarm aus und als alle Gäste losrennen, offenbart sich eine alte Frau als gute Läuferin mit schönen Beinen: „Nice legs for an old woman.“ Batman überwältigt sie, wischt ihr rüde die Schminke aus dem Gesicht („Quiet or papa spank!“ – Ja, er sagt es wirklich.) und nimmt ihr die Kette ab.

Die Schurkin offenbart sich als the Cat, von der Batman schon gehört hat. Sie bietet ihm an, sich ihr anzuschließen; sie würden ein tolles Team als König und Königin des Verbrechens hergeben, findet sie. Aber Batman bleibt hart. So scheint es zunächst. Denn als das Dynamische Duo sie mit dem Boot zur Polizei bringen will, lässt er sie über Bord springen. Nicht nur, dass er sie nicht verfolgt, er hindert auch Robin daran, hinterherzuspringen. Am Ende schwärmt er laut von ihrer Schönheit und muss sich selbst daran erinnern, dass er bereits an eine gewisse Judy (Madison) vergeben ist, aber er sehnt sich jetzt schon nach einem Wiedersehen mit der Katzendiebin …

Auch das ist bemerkenswert, weil der unbestechliche Verbrechensbekämpfer hier erstmals mit seinen Prinzipien bricht. Von Anfang an hat die Schurkin eine ganz besondere Wirkung auf Batman. Man kann sagen: In dem Augenblick, in dem er sich seiner wahren Erscheinung selbst bewusst wird, ihn aber andere nicht als wahren Batman erkennen, wird er zu einem anderen Batman, einem Helden mit einer dunklen Seite, die von einer Frau hervorgerufen wird.

Mehr zum Thema: