Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Drei Anthologien für Two-Face

DC hat eine neue Two-Face-Anthologie herausgebracht – schon wieder.  Nur zwei Jahre nach der letzten, dem Paperback Batman Arkham: Two-Face, erscheint jetzt das teure Hardcover Two-Face: A Celebration of 75 Years. In der Reihe sind bereits Geschichten von Batman, Joker und anderen DC-Helden erschienen. (Zuletzt auch Harley Quinn, obwohl mit ihr die Batman Arkham-Reihe begonnen hatte.)

Da soll mal einer DCs Veröffentlichungspolitik anders verstehen, als reine Geldmacherei. Im jüngsten Fall werden auf 384 Seiten folgende Storys geboten:

  • Detective Comics #66, #68, #80, #739
  • Batman #50, #81, #234, #410-411, #572
  • Batman Annual #14
  • The Brave and the Bold #106
  • Joker #1
  • Secret Origins #1
  • Batman: Black and White #1
  • Gotham Central #10
  • Joker’s Asylum: Two Face #1
  • Batman and Robin #23

Fett markiert sind die, die nicht in Batman Arkham auftauchen, also zehn Geschichten. (Die Story aus Gotham Central ist im ersten Paperback der Serie erschienen, Batman #572 und Detective Comics #739 sind Teil von No Man’s Land/Niemandsland). Allerdings sind einige davon bereits in der ersten Two-Face-Anthologie versammelt gewesen: Batman vs. Two-Face (2008):

  • Detective Comics #66, #68, #80, #187
  • Batman #81, #234, #527-528, #653
  • Batman: Black and White #1
  • Countdown #29

Abgesehen von den obligatorischen ersten drei Detective-Ausgaben, doppeln sich Batman #81 und die Black and White-Story. Was der 75-Years-Ausgabe fehlt, sind die fünf fett markierten, darunter eine Golden Age Story (Detective #187). Batman #653 ist Teil der Storyline Face the Face, die man unbedingt ganz lesen sollte.

Was nach wie vor fehlt, ist ein Reprint der Zweiteiler Two-Face Strikes Twice (1993) und Two-Face: Year One (2008).

Eine vollständig befriedigende Ausgabe gibt es also nicht, ob es sich lohnt, drei Anthologien im Regal stehen zu haben, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ein Vorschlag für alle, die digitalen Comics gegenüber nicht abgeneigt sind: Batman #527-528 und The Brave and the Bold #106 kann man sich bei Comixology kaufen. Mit der Zeit wird die Celebration-Anthologie dort wahrscheinlich billiger werden, irgendwann werden wohl auch die darin enthaltenen Einzel-Ausgaben digital verfügbar sein, dann wird sich jeder seine eigene Anthologie zusammenstellen können – für den Fall, dass man nicht unbedingt am Papier hängt.

> Liste der Two-Face-Comics

Geburtstagsgeschenk für Harley Quinn

DC Comics

Titel: The Dark Prince Charming (dt. Der Dunkle Prinz)

Autor/Zeichner: Enrico Marini

Erschienen: 2017 (Teil 1 von 2, Hardcover), dt. Panini 2018


„I’m no monster, after all.“ (Joker)

Bruce Wayne bekommt Besuch von einer Frau mit einem achtjährigen Mädchen. Sie behauptet, das sei seine Tochter und verlangt zehn Millionen Dollar. Als die angebliche Vaterschaft in die Medien kommt, entführt der Joker das Mädchen, um Harley Quinn ein Geburtstagsgeschenk zu machen. Batman macht sich auf die Suche.

DC Comics

Enrico Marini (Batman Europa) ist ein Meister. Er inszeniert ein wahnsinnig detailliertes wie stimmungsvolles Gotham, neblig, aber in warmen Farben. Seine Figuren strotzen vor Lebendigkeit, sein Batman, der sehr an Ben Affleck erinnert, changiert irgendwo zwischen realistisch und ikonenhaft. Der Joker ist ein ultragrausamer Schurke, der seinen Handlangern keinen Patzer durchgehen lässt und auch einfach seine ganze Gang niedermetzelt, wenn ihm danach ist. Aber er ist auch ein Schurke mit einer schwierigen Kindheit, wenn man seinen Gedächtnislücken Glauben schenken darf … Das erinnert zwar stark an den Film The Dark Knight, aber seine Fürsorge für das entführte Kind verleiht ihm auch eine neue, nämlich menschliche Komponente.

Die Story nimmt sich alle Freiheiten, die sie braucht, denn sie spielt abseits der Continuity: Bruce Wayne hat eine Beziehung mit Selina Kyle (Catwoman), die offenbar immer noch Juwelen stiehlt, James Gordon raucht erstmals E-Zigarette und Batman trifft mal wieder auf einen Killer Croc, der keine Ratten in der Kanalisation frisst, sondern eine eigene Gang unterhält. Im vorläufigen Finale verprügelt ihn Batman verprügelt auf der Suche nach Antworten, aber muss eingestehen, dass er nur ans Ende seiner Möglichkeiten gekommen ist …

The Dark Prince Charming ist der furiose Auftakt einer packend erzählten Geschichte und macht große Lust auf Teil 2. Der soll allerdings erst im Frühling 2018 erscheinen.

>> Batman 2011-2019

Wie Batman zu Two-Face wurde

DC Comics

Titel: The Jekyll-Hyde-Heroes

Autor/Zeichner: Jim Shooter/Curt Swan

Erschienen: 1968 (World’s Finest #173), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two Face)


„Alfred’s coffee gets better every day!“ (Batman)

Nachdem der ruchlose Wissenschaftler Dr. Arron von Batman und Superman davon abgehalten wird, menschenverachtende Experimente durchzuführen, rächt sich dieser an den World’s Finest: Er verwandelt sie durch eine Tücke in ihre schlimmsten Feinde, Superman in Kralik, Batman in Two-Face. Da beide aus Nostalgie die Kostüme ihrer Erzfeinde als Andenken bewahren (oder sollte man sagen: ehren?) entwickeln sie den Drang, sich so umzuziehen, wie sie sich fühlen und daraufhin bricht das Chaos aus.

Batman wird als Two-Face sofort zum Bankräuber. Von jetzt auf gleich hat er nicht nur eine Bande williger Schergen in passenden Kostümen beisammen, sondern auch eine High-Tech-Ausrüstung wie etwa einen Panzer mit zwei Kanonenrohren, eine raketenbetriebene fliegende Riesenfaust, Antimaterie-Kanonen und ein täuschend echtes Two-Face-Roboter-Double. Es wirkt so, als hätte er es geahnt, dass sich ihm ein Superschurke in den Weg stellen würde. So kommt es zum Kampf mit Kralik – warum auch immer.

Heiliger Doppellauf!, würde Robin jetzt sagen, aber der wird vom bösen Dr. Arron ausgeknockt, noch bevor er die Sache verstehen und das Problem lösen kann. Batman-Two-Face trifft auf Arron, der wird ohnmächtig, seine fürsorglichen Schergen päppeln ihn mit Wasser wieder auf, aber das enthält das Wundermittel, das andere zu ihren Erzfeinden macht. Und so verwandelt sich Arron in Batman und Superman zusammen, auch bekannt als Composite Superman, jenen Schizo-Helden, der in der Mitte geteilt ist und das Beste beider Helden vereint. Blitzschnell besorgt er sich sein lächerliches Kostüm, bevor er die beiden Schurken ausknockt (denn ohne Kostüm macht es nur halb so viel Spaß) und Batman und Superman sind wieder sie selbst.

Mehr zum Thema:

Schnitzeljagd mit vier falschen Batmen

Catwoman im Golden Age (Teil 4)

DC Comics

Titel: The Princess of Plunder

Autor/Zeichner: Jack Schiff/Jerry Robinson

Erschienen: 1942 (Batman #10), Hardcover 2016 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 2)


„She … er … she got away … slipped through my fingers …“ (Batman)

In ihrem vierten Abenteuer trägt Catwoman erstmals eine Kombination aus Violett und Schwarz und stiehlt nicht selbst, sondern lässt ihre Handlanger für sich arbeiten. Und das läuft so: Die wohlhabende Marguerite Tone veranstaltet eine Party, bei der sich die Gäste die Zeit mit einer Schnitzeljagd vertreiben sollen: Jeder Gast ist dazu angehalten, bestimmte Gegenstände zu besorgen. Wie gut, dass Bruce Wayne und Dick Grayson bei diesem öden Unsinn nicht mitmachen und lieber eine Runde als Batman und Robin drehen. Eine günstige Fügung, denn Catwoman macht sich das Spiel zunutze, um ihre Handlanger andere, wertvolle Dinge aus Häusern holen zu lassen.

DC Comics

Batman erwischt zwei Einbrecher, durchschaut die Masche, aber lässt sie vorerst laufen. Bei der nächsten Party sollen sich alle Gäste verkleiden – fünf kommen als Batman, ausgerechnet vier davon sind wieder Einbrecher. Der wahre Batman kann sie mit Leichtigkeit überwältigen, doch die Anführerin kommt davon, weil man ihr nichts beweisen kann. (Ihre Männer werden seltsamerweise nicht vernommen.)

So versucht es Catwoman ein drittes Mal, diesmal mit falschen Butlern und tatsächlich klappt es, weil ein Messer in einem Sack Mehl landet. Wie bitte? Ja, wenn man ein Messer in einen Sack Mehl wirft, gibt das eine so große Staubwolke, dass das Dynamische Duo nichts mehr sehen kann und die Verbrecher entkommen können. Jedenfalls im Comic ist das so. Aber warum? Weil die Geschichte nunmal 13 Seiten hat und man sie deshalb nicht schon auf Seite 12 enden lassen kann.

DC Comics

Doch die Story nimmt eine seltsame Wendung. Statt das Diebesgut auf dem Schwarzmarkt zu verhökern, versucht Catwoman, sie wieder ihren Besitzern zu verkaufen – und schaltet eine Anzeige in der Zeitung. Das hat nichts mehr mit Verbrechergenie zu tun. Das kann nur als verkappte Einladung an Batman verstanden werden. Der platzt auch gleich zur Tür rein, schlägt die Komplizen zusammen und rettet der Anführerin das Leben, als sich einer gegen sie wendet. Dafür gibt’s dann endlich einen Kuss zur Belohnung. Batman ist daraufhin so erstarrt, dass er die Katze wieder davonkommen lässt. Oder jedenfalls tut er so … Robin bleibt skeptisch. Zurecht. Eine seltsame Beziehung.

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Das Mädchen, das ein Schatten war

DC Comics

Titel: League of Shadows

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Marcio Takara, Christian Duce

Erschienen: 2017 (Detective Comics #950-956), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 3)


„The course of history is not guided in the light. It is guided in the shadows.“ (Ra’s al Ghul)

„There’s so much that still doesn’t make any sense.“ (Batman)

Einst galten sie als ein Mythos, den Ra’s al Ghul in die Welt gesetzt hat, jetzt treten sie in Erscheinung: die League of Shadows. Shiva (auch bekannt als Lady Shiva), früher beste Auftragskillerin bei der League of Assassins, führt die Bande an, um Gotham City zu vernichten. Der Grund: Weil Ra’s al Ghul die Stadt im Hintergrund beherrscht. (Was sind dagegen schon zehn Millionen Menschenleben?)Die Bande stiftet zunächst Chaos in Gotham, indem sie Bürgermeister Hady ermordet und Batman die Schuld dafür in die Schuhe schiebt, dann lässt sie Joker-Gas frei. Schließlich soll die Stadt mit einer Atombombe in die Luft gejagt werden.

Die Batman-Familie hat viel zu tun. Batwing und Azrael bekommen jeweils ein Schwert ab, später auch Batwoman. Batman wird von Ra’s in der Bathöhle ausgetrickst und an Shiva ausgeliefert. Jetzt kann nur noch Cassandra Cain alias Orphan helfen, Shiva aufzuhalten. Es kommt zum Kampf Tochter gegen Mutter. Und es fließt sehr viel Blut.

Cassandra steht im Mittelpunkt der Story. Wir erfahren, dass sie gerne tanzen würde und deshalb eine Baletttänzerin stalkt, und dass sie zwar zur Killerin ausgebildet wurde, aber nicht mehr töten will. Deshalb schafft sie es, 1000 Schattenligisten blutig zu prügeln und mit dem Schwert zu malträtieren, ohne dass einer dabei drauf geht. Mein Problem dabei ist: Wenn ich eine Batman-Story lese, will ich eine Story über Batman lesen, nicht über einen Nebencharakter. Aber Batman bekommt man hier nur wenig.

Detective Comics ist seit dem Neustart von DC Rebirth eben eine Serie über ein Bat-Team und jedes Mal liegt der Schwerpunkt auf einem anderen Charakter: Batwoman, Spoiler oder jetzt eben Orphan. Das Problem ist, dass es die Nebenfiguren hier eigentlich nicht braucht, außer als Kanonenfutter. Sie stehen syptomatisch für eine einfallslose Handlung nach altem Muster, ohne sich zumindest die Mühe zu machen, die Motivation der Schurkin plausibel zu gestalten. Mag sein, dass sich das ein oder andere aufklären wird, wenn noch der große Krieg kommt, den Batman vorausahnt, aber ehrlich gesagt: Ich will’s gar nicht wissen.

Was bisher geschah:

Flashpoint 2: Irgendwas fehlt

Titel: Batman/The Flash: The Button (dt. Das Batman & Flash-Crossover)

Autor/Zeichner: Joshua Williamson, Tom King/Howard Porter, Jason Fabok

Erschienen: 2016 (Batman #21-22, The Flash #21-22), Hardcover 2017 (Deluxe Edition)


„I saw … God.“ (Reverse Flash)

Während Batman das Geheimnis des gelben Smiley-Buttons untersucht, den er in der Bathöhle gefunden hat (siehe DC Universe Rebirth), wird er von Eobard Thawne, dem Reverse Flash angegriffen. Zunächst wird Batman schlimm verdroschen, dann kann er ihn noch ein bisschen hinhalten, bis der gute Flash (Barry Allen) eintrifft. Doch kurz davor verschwindet Thawne mit dem Button, nur um kurz darauf wiederzukehren und zu sterben. Seine letzten Worte: Er habe Gott gesehen.

Batman und Flash gehen dem Rätsel des Buttons nach, steigen auf die kosmische Tretmühle (Flashs Zeitreiselaufband), besuchen Batman Thomas Wayne im Flashpoint-Universum und treffen Jay Garrick, den ersten Flash. Und wieder wird ihnen klar, dass mit diesem Universum irgendwas nicht stimmt, dass irgendetwas fehlt.

The Button ist eine doppelte Fortsetzung: des Specials DC Universe Rebirth und des früheren Events Flashpoint. Es führt zu dem Event Doomsday Clock, in dem die DC-Helden auf Alan Moores Watchmen treffen werden. Obwohl The Button nur ein Bindeglied bildet und nur noch mehr Fragen aufwirft, ist die Lektüre ein großes Vergnügen. Und das nicht nur grafisch, weil Jason Fabok und Altmeister Howard Porter sich großartig ergänzen. Wie schon in Flashpoint bilden Flash und Batman ein gutes Team. Allein Batmans Kampf mit dem Reverse Flash und Batmans Begegnung mit seinem Vater, der ihm sagt, er solle Batman sterben lassen, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Der Rest der Story ist noch rätselhaft, macht aber Lust auf mehr. Wenn doch nur Doomsday Clock so gut wird, wie es sich anbahnt … Aber da ist natürlich auch die Sorge, dass man die Watchmen lieber hätte ruhen lassen sollen.

(Es lohnt sich, die Deluxe Editon zu kaufen, denn die hat ein Lenticular-Cover.)

Was bisher geschah:

>> Batman 2011-2019

Batman trifft Captain America

DC Comics

Titel: Batman & Captain America

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1996 (One-shot)


„I may be a criminal lunatic, but I’m an American criminal lunatic!“ (Joker)

Januar 1945. Joker und Red Skull wollen die Atombombe Fat Boy stehlen, um Washington D.C. einzuäschern. Batman und Captain America verbünden sich (zusammen mit Robin und Bucky Barnes), um das Schlimmste zu verhindern. Zuerst rettet Batman Cap den Hintern, später kämpft Steve Rogers gegen Bruce Wayne, weil er ihn der Spionage verdächtigt, und als die beiden merken, dass sie einander ebenbürtig sind, wird ihnen auch klar, wer sie wirklich sind (Gilgamesch lässt grüßen). Es gibt die obligatorische Todesfalle, aus der sich Batman und Bucky in letzter Sekunde befreien …

Die interessanteste Szene ist jedoch im Finale, als der Joker erkennt, dass sein Komplize Red Skull für Hitler arbeitet: „I’ve been working with a Nazi?“, stellt er entrüstet fest. Offenbar liest der Joker keine Zeitung oder hat das fette Hakenkreuz auf der Brust des Schurken irgendwie missverstanden. Wie dem auch sei: Es wird offenbar, dass der Joker Prinzipien hat, er ist nämlich ein Patriot und will mit Nazis nix zu tun haben. Das klingt irgendwie unüberzeugend nach AfD-Logik, aber in der Tat sabotiert er dann den Bombenabwurf. Gemäß dem Motto: die eigene Hauptstadt vernichten ist okay, aber nicht fürs Dritte Reich …

Ansonsten erfindet das Elseworlds-Crossover das Rad nicht neu, bietet aber reichlich kurzweiligen Fan-Service, in bewährter klarer John Byrne-Optik.

Mehr zum Thema Batman gegen Nazis:

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics
>> Batman-Crossover

Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 4)

DC Comics

Titel: Atlantis Goes to War

Autor/Zeichner: Don Cameron/Dick Sprang

Erschienen: 1943 (Batman #19), Hardcover 2017 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 3)


„… our Nazi friends — who love peace and justice , as we do —„

Manchmal bekämpfen Batman und Robin das Verbrechen. Manchmal aber hängen sie bloß zu Hause rum und langweilen sich. Dann suchen sie das Abenteuer. Eines Tages zum Beispiel beschließen sie, nach der geheimen Unterwasserstation der Nazis im Atlantik zu suchen, um die US-Streitkräfte zu unterstützen. Der Ozean ist zwar riesig und die Soldaten machen einen tollen Job als Aufklärer, aber vielleicht haben Batman und Robin ja Glück …

Batman #19: Atlantis Goes to War (DC Comics)

Und tatsächlich. Kaum sind sie losgeflogen und lesen auf dem Wasser einen schiffbrüchigen Seemann auf, werden sie durch einen Strudel hinabgezogen und landen in – Atlantis. Ja, genau: der sagenumwobenen, untergegangenen Stadt. Dort haben die Nazis Verbündete gefunden. Die Atlantis-Bewohner waren nämlich zu lange nicht mehr an der Oberfläche und haben keine Ahnung, wer wirklich die Bösen sind. Sie glauben ihren Freunden, weil die in der Mehrheit sind – ein ganz klarer Beleg dafür, dass Wahrheit keiner demokratische Entscheidung unterliegen kann. Batman und der Seemann werden zum Tode verurteilt (seltsam für ein friedfertiges Volk), Robin wird gefangen genommen.

Atlantis (Batman #19, DC Comics)

Doch während die beiden an Pfählen durch Sonnenlicht zu schmoren beginnen (wo kommt das eigentlich her?), kann sich Robin auf dem Weg zum Kerker befreien. Dabei stößt er ganz nebenbei einen Wärter in einen sehr tiefen Abgrund, was bestimmt tödlich endet, aber irgendwie keinen zu kümmern scheint. Egal: Robin knockt den kindlichen Herrscher von Atlantis aus und nimmt dessen Rolle ein, weil er ihm zufällig sehr ähnlich sieht. Unter falscher Identität kann er die schöne Schwester des Herrschers von seinem edlen Ansinnen überzeugen, auch wenn seine Maskerade ihn sofort als Betrüger entlarvt und unglaubwürdig macht, dann lässt er Batman und den Seemann befreien. Doch da zeigen die Nazis ihr wahres Gesicht und gehen auf sie los, der Seemann stirbt. Die Atlantis-Bewohner ändern ihre Meinung und die Deutschen bekommen wieder Saures …

Am Ende sehen wir einen Robin mit Liebeskummer: sehnsuchtsvoll schmachtet er der Prinzessin hinterher. Und ganz nebenbei erfahren wir, dass die Nazi-U-Boote mittlerweile von den Atlanteanern bekämpft werden. Super Sache, jetzt wissen wir, warum die USA den Krieg wirklich gewonnen haben. Oder vielleicht hat Captain Kurt Fritzl ja auch recht, wenn er sich die Glatze kratzt und sich fragt: „Sometimes I myself wonder if it is not all a dream!“

Die Geschichte scheint sich selbst nicht recht zu glauben. Zu fantastisch, zu weit hergeholt und letztendlich auch zu albern wirkt das alles. Hier werden nicht nur die Sphären von Batman und der realen Welt vermischt, sondern auch die der Fantasy-Welt – und damit schießt die Story übers Ziel hinaus. Ja, sogar noch mehr als andere. Die üblichen Prügeleien können nicht verhehlen, dass Batman und Robin Nazis eigentlich nur indirekt bekämpfen: indem sie Aufklärungsarbeit leisten. Mehr können Comicfiguren in der „echten Welt“ nun mal nicht ausrichten …

Mehr zum Thema:

Der Kuss der Katzenfrau

Catwoman im Golden Age (Teil 3)

DC Comics

Titel: The Batman vs. the Cat-Woman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #3)


„I suppose that’s more or less a call for you to go into action.“ (Dick Grayson)

In ihren ersten beiden Auftritten spielte Catwoman noch eine Nebenrolle. Im ersten Fall trat sie erst sehr spät in Erscheinung und damit auch nur sehr kurz. Erfahren hat man kaum etwas über sie, nicht einmal ihren echten Namen. Ähnlich im zweiten Fall: da stahl ihr der Joker die Show. Ein richtiges Kostüm hatte sie noch nicht. Erst beim dritten Mal bekam sie eine Katzenmaske und ein Verhalten, das ihrer Rolle gerecht wird.

Wie schon zuvor geht es um Edelsteine. Catwoman, diesmal mit Katzenkopf, rotem Cape und orangefarbenem Kleid, raubt einen Mann aus, daraufhin wird sie von der Polizei gejagt. Kaum kriegt Batman das mit, wirft er sich gleich in Schale, um sich selbst auf die Suche zu machen – ohne Robin. Der bleibt wie selbstverständlich zu Hause, als wäre es eine Sache zwischen Erwachsenen.

DC Comics

Wieder verkleidet sich „Cat“, wie sie sich selbst immer noch nennt, um an die Juwelen zu kommen, diesmal gibt sie sich als Model bei einer Modenschau aus. Am Ende stellt sich heraus, dass sie nur im Auftrag zweier Männer gehandelt hat, aber dann selbst betrogen wurde. Batman befreit sie – und bekommt dafür zum Dank einen Kuss. Doch kurz darauf stößt ihn Catwoman weg und haut wieder ab. Wie schon beim ersten Fluchtversuch will Robin hinterher und Batman hält ihn zurück. Er hätte es ohnehin nicht geschafft, sagt er. Aber obwohl Robin ihm zu glauben scheint – es wirkt wieder wie eine faule Ausrede. Vor allem, als Batman schwärmt: „It’s too bad she has to be a crook!“ Und auch Catwoman wünscht sich, mit ihm weggefahren zu sein. „That would be sort of … of … nice!!!“

Es ist erst der Beginn einer langen Jagd …

Catwoman im Golden Age:

 

Traue niemals einer Ziege

DC Comics

Titel: The Widening Gyre (dt. Der Teufelskreis)

Autor/Zeichner: Kevin Smith/Walt Flanagan

Erschienen: 2009/2010 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2010), dt. Panini 2011


Bei einem Einsatz in Arkham Asylum wird Batman fast vom Dämon Etrigan getötet – da hilft ihm im letzten Moment ein Unbekannter mit Ziegenmaske. Baphomet, wie er sich später nennt, ist ein neuer Vigilant, der Batman erklärtermaßen helfen will. Immer wieder springt er ihm in der Folge als Deus ex machina bei. Der Held hat einiges drauf, Batman vertraut ihm, obwohl ihn schon der Name skeptisch macht. Aber eine rührselige Hintergrundgeschichte und das Ablegen der Maske reichen, um den besten Detektiv der Welt zu überzeugen.

Parallel dazu taucht Bruce Waynes alte Flamme Silver St. Cloud auf und erneuert ihre Liebschaft mit ihm. Das macht sogar Catwoman eifersüchtig. Wir sehen dabei zu, wie Batman sich nachts durch die gesamte (!) Rogues Gallery arbeitet und sich tagsüber mit seiner Freundin am Strand vergnügt, in Rückblenden lässt er Episoden seiner Vergangenheit mit Robin Revue passieren. Zwischendurch schaut Aquaman vorbei, um Bruce aufzuziehen.

Wären nicht die humoristischen Einschübe, wäre The Widening Gyre kaum zu ertragen. Denn bei dem episodenhaften Erzählstil fehlen ein Spannungsbogen, ein klares Problem und eine glaubhafte Entwicklung. Stattdessen fallen Batman und Bruce ständig aus der Rolle, etwa mit einem überstürzten Heiratsantrag und einer verantwortungslos-naiven Demaskierung. Dass die Story eine Fortsetzung von Cacophony ist, merkt man kaum. Aber wenn man es weiß, ahnt man schnell, auf welche Offenbarung es am Ende hinausläuft. Das letzte Panel setzt auf maximalen Schock-Effekt, aber es ist keine Überraschung. Dreist daran ist vor allem, dass die Geschichte bislang nicht zu Ende erzählt wurde. Eine sechsteilige Fortsetzung ist seit Jahren angekündigt, aber nie umgesetzt worden.

>> Batman 2000-2011