Batman und die Liga der Ladies

DC Comics

Titel: Batman and the Outsiders Vol. 2: A League of Their Own

Autor/Zeichner: Bryan Hill/Dexter Soy

Erschienen: 2020 (Batman and the Outsiders #8-12, Annual #1), Paperback 2020


„I have grown tired of the shadows. I have stepped into the light.“ (Ra’s al Ghul)

Nach ihrer ersten Bewährungsprobe finden sich Batman und die Outsiders in Gotham ein. Die von Ra’s al Ghul befreite Sofia wird Teil des Teams. Signal hat neue Kräfte: Er kann Schatten an sich ziehen und von sich geben. Außerdem kommt er Orphan näher. Es wird gekuschelt. Da lässt Ra’s eine Freundin von Jefferson Pierce (Black Lightning) ermorden, aber den scheint es nicht lange zu belasten, weil er bereits Gefallen an Katana gefunden zu haben scheint. Shiva hintergeht den Ra’s und schließt sich den Outsiders an, was ihrer Tochter (Orphan) nicht gefällt. Ra’s hat eine Superwaffe, mit der er Städte auf der ganzen Welt vernichten kann. Zwischendurch will er offenbar versuchen, die Gruppe zu demoralisieren und auseinanderzutreiben …

Der zweite Band von Batman and the Outsiders ist schwierig zu beurteilen, denn er ist nur das Mittelstück in einer fortlaufenden Geschichte, die erst im nächsten Band abgeschlossen wird. So viel kann man aber sagen: Es passiert sehr wenig und es wird viel geredet. Kämpfe sind hier nur kurze Intermezzi zwischen Schurken, die einen nicht weiter zu kümmern brauchen. Was leider auch für die Outsiders gilt.

Ich gebe zu: Ich bin kein Freund des Konzepts, schon die Truppe von 1983 mochte ich nicht. Auch hier ist es im Grunde nur eine Soap von C-Heldinnen und Helden, für die man sich nicht interessiert. Bemerkenswert: Es gibt jetzt vier Frauen gegenüber drei Männern im Team – das ist ein Fortschritt. Aber leider sehen die Frauen fast gleich aus, wodurch sie schwer zu unterscheiden sind. Und auch wenn sich das alles angenehmer liest als die Serie aus den 80ern, sind die Dialoge auch hier nicht frei von Klischees und Banalitäten. Hier ist alles mehr Melodrama als echtes Drama.

Kurzum: Wer von Anfang an nicht angetan war von der Serie, muss hier nicht weiterlesen. Eine endgültige Meinung bilde ich mir erst mit Band drei, auch wenn ich bezweifle, dass die Geschichte als Meisterwerk enden wird. Als Bonus gibt es ein Annual über Katana. Für alle, die es kümmert …

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Die Rache des Rätselkönigs

Verkanntes Genie: Edward Nigma als Riddler.

Wie übersetzt man Riddler? In der deutschen Fassung von Batman hält die Welt in Atem, des Spielfilms von 1966, hieß er noch „Rätselknacker“, obwohl er die Rätsel eher aufgab, als sie zu lösen. In der Comicversion hieß er 1969 noch „Mr. Sphinx“ – sehr geistreich (Superman 3, Ehapa Verlag). In Batman: The Animated Series nennt er sich „Rätselkönig“. Das ist zwar ziemlich anmaßend, aber es ist zumindest nah dran am Selbstverständnis des Schurken. Drei Episoden werden ihm gewidmet.

Edward Nygma (hier mit y geschrieben) arbeitet als Computerspielentwickler für Daniel Mockridge. Er hat den Bestseller Das Rätsel des Minotaurus erschaffen, ein Spiel, das sogar Robin in seinen Bann zieht. Doch dann entlässt ihn Mockridge einfach ohne Vorwarnung. Als Nygma erklärt, sein Genie sei für die Firma unentbehrlich entgegnet sein Chef nur: „If You’re So Smart, Why Aren’t You Rich?“ (S01E40)

Mörderischer Minotaurus.

Zwei Jahre später rächt sich Nygma, indem er in einen grünen Anzug steigt und seinen ehemaligen Arbeitgeber entführt. Batman und Robin müssen ihn aus einem riesigen Labyrinth befreien, bevor ein mechanischer Minotaurus Mockridge tötet. Dabei müssen sie Rätsel lösen und Fallen ausweichen. Nygma ist also nicht nur ein Experte für Computerspiele, sondern auch ein Genie in Sachen Roboter, denn er hat offenbar auch technische Wunder wie eine fliegende Riesenhand konstruiert. Batman weiß, sich die Waffe zunutze zu machen.

Riddler quält Gordon in seiner virutellen Welt.

In der Fortsetzung stellt sich die Frage: What is Reality? (S01E48) Nachdem der Riddler die Computersysteme von Banken, der Börse und der Polizei hackt, um alle Spuren seiner Identität auszulöschen, lässt er der Polizei einen Riesencomputer liefern. Mit Virtual Reality-Helmen können sich Batman und Robin in eine digitale Spielewelt versetzen. Von dort müssen sie Commissioner James Gordon befreien. Unterwegs muss Batman wieder Rätsel lösen und gegen Todesfallen kämpfen, Robin hilft ihm mit Kommentaren aus dem Off – im Grunde folgt die Geschichte demselben Schema wie die erste Episode.

Dunkler Rittler reloaded: Batman in neuer Rüstung.

VR war Anfang der 90er noch eine spannende Zukunftsvision. Interessanterweise nimmt diese Episode aber einen Film wie Matrix vorweg. Schon hier kann man nicht einfach den Stecker ziehen, wenn man aus der künstlichen Welt im Kopf ausbrechen will, weil man sonst stirbt. Schon hier entdeckt Batman wie später Neo, dass er nicht der Willkür von Riddlers Welt ausgesetzt ist, sondern sie nach eigenen Regeln nutzen kann, weil er sich selbst kontrolliert.

Gefangen in der Virtual Reality: Riddler.

Am Ende ist es der Riddler, dem seine eigene Erfindung zum Verhängnis wird, weil er von ihr überfordert wird. Er endet in einem katatonischen Zustand. Was er aber eigentlich mit der Aktion bezwecken wollte, bleibt das ungelöste Rätsel dieser Episode.

Resozialisierung für den Rätselkönig?

In der zweiten Staffel versucht Edward Nygma, ein neues Leben anzufangen (Riddler’s Reform, dt. Der Rätselkönig S02E14). Er wird aus Arkham entlassen und schließt einen Vertrag mit einem Spielzeughersteller. Der Riddler wird zur Handesmarke. Aber Batman wird den Verdacht nicht los, dass der Rätselkönig immer noch Raubzüge plant. Antiquitäten werden gestohlen, dann Juwelen. Nygma beteuert seine Unschuld. Sieht Batman schon Hinweise und Rätsel, wo keine sind?

Edward Nygmas Genie kommt auch bei Frauen gut an.

Natürlich nicht. Der Riddler führt Böses im Schilde. Aber warum, wenn er doch offenbar ausgesorgt hat? Ganz einfach: Er kann nicht anders. Der Riddler ist ein zwanghafter Spieler, besessen von Rätseln. Das klingt zwar wie eine typische Erklärung für Batmans Schurken, aber in dieser Folge hat man zum ersten Mal den Eindruck, dass es sich wirklich um einen Charakter handelt. Edward Nygma genießt den Ruhm, Frauen interessieren sich für ihn, er nimmt Teil am Leben der High Society.

Am Ende lockt er Batman in eine Todesfalle und jagt ihn scheinbar in die Luft. Danach wirft er sein Riddler-Kostüm ins Feuer. Als Batman dann aber wieder vor ihm steht, fragt er ihn, wie er da rausgekommen ist, aber er erfährt es nicht – das macht ihn rasend. Wobei die Lösung dafür ziemlich simpel ist: Batman versteckt sich in einem Tresor. Es stellt sich eher die Frage, wie er da wieder rausgekommen ist …

Damit hat der Riddler zum Schluss noch den Auftritt in der Serie bekommen, den er verdient hat. In der dritten Staffel (bzw. vierten: The New Batman Adventures) kommt er nicht mehr vor. Schade – man hätte mehr daraus machen können. In den Comicserien Batman Adventures und Gotham Adventures kommt er dafür noch einige Male zum Zuge.

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Batman und die Glühwürmchen

Batman und zwei Fireflys (DC Comics)

Titel: The Human Firefly/The Menace of the Firefly

Autor/Zeichner: Ed Herron, Bill Finger/Dick Sprang, Sheldon Moldoff

Erschienen: 1952/1959 (Detective Comics #184/Batman #126)


Batman hatte schon mit allerlei seltsamen Gestalten zu tun. Nach Killer Moth kam ein weiterer Insektenschurke: ein Glühwürmchen. Allein daran merkt man schon, warum Superhelden niemals eine deutsche Erfindung sein könnten, denn kein Autor, der noch bei Trost ist, würde einen Schurken „Glühwürmchen“ nennen. Da klingt „Firefly“ schon mehr nach Gefahr. Aber das scheint nur so.

Firefly beginnt als Garfield Lynns, das größte Genie für Lichteffekte, das die Welt je gesehen hat. Er arbeitet hinter den Kulissen eines Musicaltheaters. Leider wird dieses Genie aber nicht genug gewürdigt, er verdient mies. Also lässt Lynns auf der Bühne, wo eigentlich die Illusion einer Unterwasserwelt gezaubert wird, scheinbar ein Feuer ausbrechen – alles nur ein Trick, um Panik zu verbreiten und die Juwelen der reichen Zuschauer abzusahnen.

Glühwürmchen als Ablenkung und Inspiration (DC Comics)

Zufällig sind Bruce und Dick im Publikum, ziehen sich um und springen auf Lynns Fluchtauto, der sich davonmachen will. Als er versucht, sie abzuschütteln, stürzt das Auto in den Abgrund und überschlägt sich dreimal. Lynns überlebt nicht nur, sondern entkommt auch, weil ein Glühwürmchen die Aufmerksamkeit des Dynamischen Duos von dem Gauner ablenkt. Batman dachte, dass sich Lynns nach diesem Sturz erstmal eine Kippe angezündet hat …

Beginn einer kurzen Karriere: Firefly designt sein Kostüm. (DC Comics)

Der Gauner macht sich daraufhin das Insekt zu seinem Symbol. Und so tut er, was man in solchen Fällen so tut: Er näht sich ein grün-violettes Kostüm mit einem Cape, zwei Antennen auf dem Kopf und „FF“ auf der Brust, baut sich einen Gürtel für Lichteffekte und startet als Firefly so richtig durch. (Praktischerweise hat er schon ein Geheimversteck in einer Höhle unter einer Scheune, denn ohne geht es offenbar nicht.)

Zuerst versucht er, wertvolle Gemälde aus dem Museum zu stehlen, indem er ihnen die Farben raubt und sie so aussehen lässt, als wären sie nur Kopien. Was die Ablenkung soll, erschließt sich nicht ganz. Als Batman und Robin eintreffen, blendet er sie mit seinem Lichtgürtel. Auf der Flucht löst er mit Blitzen einen Verkehrsstau aus, sodass das Batmobil ihm nicht folgen kann.

Als nächstes wird Firefly zum falschen Leuchtturm und lässt ein Schiff auf Grund laufen. Im echten Leuchtturm sperrt er Batman und Robin ein, um sie mit einer Dauerdiscobeleuchtung entweder zu töten oder in den Wahnsinn zu treiben – beides ist ihm recht. Sie befreien sich natürlich und dann schlagen sie den luziferischen Lichtbringer mit seinen eigenen Waffen: Vom Batplane aus blenden sie seine Handlanger – und die haben leider ihre Schutzbrillen vergessen.

Ein neuer Firefly

Sieben Jahre später taucht Firefly wieder auf. Allerdings sieht er etwas anders aus: Er ist grün-gelb gestreift und seinen Rücken zieren nutzlose Flügel. Als er das Gold des Millionärs Ted Carson stiehlt, erkennt ihn Bruce Wayne zwar, aber hält ihn für einen neuen Gegner – so als hätte es nie einen anderen Firefly gegeben. Es ist auch tatsächlich nicht Garfield Lynns. Allerdings ist auch er ein Blender, wenn auch mit einer Leuchtscheibe am Kopf.

Richtige Sorgen hat Bruce Wayne aber eher wegen Kathy Kane (alias Batwoman), die mit Ted Carson anbandelt. Bruce wird eifersüchtig und buhlt mit Blumen um sie, was nicht von Erfolg gekrönt ist. Als Batman kämpft er an der Seite von Batwoman gegen Firefly, aber sie scheitern daran, dass der Schurke Vibrationen auslöst, die Glas zerspringen lassen. Kathy kommt zu dem Schluss, dass Ted Batman ist und Bruce Firefly – warum auch immer. Jedenfalls verliebt sie sich nur wegen dieses Irrglaubens in Ted.

Doch der (Achtung: Kalauer) entpuppt sich als Firefly und fesselt Batwoman. Es kommt zum Showdown im Gotham Museum of Natural History: Firefly steht auf einer alten mexikanischen Pyramide und will Batman mit einem tödlichen Strahl treffen, da rettet ihm Batwoman das Leben (siehe Cover). Wie sie sich befreit hat, könnt ihr selbst nachlesen. Klar ist nur: Obwohl sie hinter Bruce Batman vermutet, traut sie sich nicht, den richtigen Schluss zu ziehen.

Batman als Leuchtturm

Batman als Leuchtturm (DC Comics)

Dass Batman selbst nicht nur Hoffnungsträger und Lichtgestalt, sondern auch buchstäblich ein Lichtbringer ist, kann man in einer anderen Geschichte desselben Heftes nachlesen: The Batman Lighthouse. Darin wird erklärt, dass in Gotham eine riesige Batman-Statue steht, die eine Lampe in der Hand hält – wie die Freiheitsstatue in New York City. Allerdings wird in Detective Comics #122 (1947) gezeigt, dass Gotham ebenfalls eine solche Freiheitsstatue hat, auch in Batman: The Animated Series (Off Balance, S01E50) sieht man sie. Aber hier hat Batman offenbar ihren Platz eingenommen – auch wenn diese Statue mit knapp 92 Meter etwas niedriger als das Vorbild.

Wie dem auch sei: In den 90er-Jahren wird Firefly wiederkehren: ernster, tödlicher und mit der Betonung auf Feuer – aber das ist eine Geschichte für später.

>> Batman 1950-1959


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Sieben Tipps für Superschurken

DC Comics

Titel: Shadow of the Bat Vol. 1

Autor/Zeichner: Alan Grant/Norm Breyfogle, Dan Jurgens u.a.

Erschienen: 1992-1993 (Shadow of the Bat #1-12), Paperback 2016


Alle, die vorhaben sollten, eine Superschurken-Karriere anzustreben, sollten sich keine schlechten Vorbilder nehmen (wie etwa von den „Misfits“), sondern die folgenden Tipps beachten:

  1. Sucht euch ein cooles Gimmick, das es noch nicht gibt.
  2. Macht es praktisch.
  3. Macht es nicht allzu offensichtlich, sodass man von eurem Beruf oder eurem Hobby auf euch schließen könnte.

Wie etwa beim Fall von „The Human Flea“ (Shadow of the Bat #11-12), dem menschlichen Floh. Da ist der Enkel eines Flohzirkusbetreibers dahinter gekommen, wie man das Mittel, das Flöhe weit springen lässt, künstlich herstellen kann und hat beschlossen, damit (und einem aufwendigen Kostüm) Raubzüge zu begehen, um den Flohzirkus zu retten. Warum, fragt Batman, hat er nicht einfach versucht, das Zeug mit Gewinn an den Mann zu bringen? Gute Frage …

Daher gilt 4. Wenn ihr eine Superschurken-Karriere anstrebt, überlegt lieber, was ihr mit euren wertvollsten Ressourcen (Zeit und Geld) Sinnvolleres anstellen könnt, das nicht euer Leben gefährdet und euch in den Knast bringen könnte.

5. Auch keine besonders gute Idee ist es, seine kruden Ansichten (z.B. Rassismus) jedem aufzuzwingen und deswegen sofort Streit anzufangen – schon gar nicht handfesten Streit. So etwa führt es „The Ugly American“ vor (Shadow of the Bat #6). Aber manchmal kann man sich einfach nicht kontrollieren, vor allem wenn man zu einem Schurken gemacht wurde. Hier haben gewisse, sagen wir mal: konservative Ansichten allerdings vorher schon bestanden. Allerdings: In den USA von heute dürfte dieses Modell des übersteigerten Patriotismus, auch Nationalismus genannt, durchaus dem Zeitgeist entsprechen, sodass man gar nicht als Schurke durchgehen würde.

6. Was ein Schurke ist, ist ja häufig nur eine Frage der Perspektive. Auf den zweiten Blick stellen sich manche auch als gar nicht so böse heraus. Auch Batman lernt die Lektion, seine Urteile nicht allzu voreilig zu treffen. „The Thane of Gotham“ (Shadow of the Bat #10) ist ein alter Schotte, der ein paar Leute in sein verwinkeltes Schloss einlädt. Batman fürchtet, dass der Alte sich für seinen Sohn rächen und die Gäste vergiften will, am Ende ist dann doch alles anders. Manche wollen einfach nur Empathie.

Und nicht jeder will ein Schurke werden. Manche eifern auch einfach nur Batman nach, indem sie das Gesetz in die eigenen Hände nehmen, wenn das Gesetz versagt. Wie „The Black Spider“ (Shadow of the Bat #5). Das ist zwar strenggenommen auch illegal, aber wenn es einem guten Zweck dient, etwa Drogendealern das Handwerk zu legen, dann geht das in Ordnung, Gesichter von Dealern in Heroinberge zu drücken – vor allem, wenn sie die eigene Familie auf dem Gewissen haben.

Allerdings gilt Regel Nr. 7: Nicht okay ist es, Leute zu erschießen, auch wenn sie es verdient haben. Jedenfalls für Batman. Und so muss auch diese Vigilantenkarriere mit einem Märtyrertod enden, damit Batman nicht selbst die undankbare Aufgabe zufällt, einen „Schurken“, der keiner ist, einbuchten lassen zu müssen.

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Justice League Dark – Apokolips War: Düstere Aussichten

Titel: Justice League Dark – Apokolips War

Regie/Drehbuch/Story: James Tucker/Mairghread Scott/Christina Sotta, Ernie Altbacker

Erschienen: 2020 (Direct-to-Video)


Darkseid plant einen erneuten Angriff auf die Erde. Superman findet: Darauf sollte man nicht warten, sondern zum Präventivschlag auf Apokolips ausholen. Er hat einen Plan – doch der geht in die Hose. Zwei Jahre später herrscht Darkseid über die Erde. Viele Helden sind tot, andere wie Batman und Lex Luthor dienen dem Tyrannen, der Rest hat sich zurückgezogen – darunter fallen auch Constantine, Etrigan und Superman, der dank eines kryptonithaltigen Brusttattoos seine Kräfte verloren hat. Dann taucht Superman mit Raven bei Constantine auf und bittet ihn um Hilfe bei einem Aufstand gegen Darkseid. So raufen sich die Überbleibsel von Justice League, Justice League Dark, Teen Titans und Suicide Squad zum letzten Gefecht zusammen.

Justice League Dark - Apokolips War (Cover)

Warner Bros.

Was im Jahr 2013 mit dem Justice League: The Flashpoint Paradox begann, findet in Justice League Dark: Apokolips War sein (vorläufiges) Finale. Viele Fäden, die in den 14 Filmen des DC Animated Movie Universe gesponnen wurden, werden hier zusammengeführt, unter anderem aus Justice League: War, Justice League Dark, The Death of Superman. Damit werden Fans belohnt, die dieses kleine Filmuniversum über die Jahre mitverfolgt haben, aber auch Comicfans, die einen Remix aus Grant Morrisons Rock of Ages (JLA #10-15, dt. Stein der Weisen) und Geoff Johns’ Darkseid War (Justice League #40-50) erkennen werden.

Wir sehen eine postapokalyptische, totalitäre Welt, in der die Lage hoffnungslos erscheint. „Paradooms“, Mischungen aus Paradämonen und Doomsday, treiben ihr Unwesen, Batman dient Darkseid auf dem Möbius-Stuhl. Es ist ein Film für Erwachse – nicht von ungefähr ist der Film erst ab 18 Jahren freigegeben, denn es geht darin sehr blutig zu: Helden werden erschossen und auseinandergerissen, Schurken werden bei lebendigem Leib gefressen und zu allem Überfluss zermatscht Harley Quinn noch einige Köpfe mit ihrem großen Holzhammer – die Handlanger warten auch immer höflich, bis sie an der Reihe sind.

Auch wer an solchen Fragwürdigkeiten keinen Gefallen findet, kann von Apokolips War gut unterhalten werden. Die Story bietet einige interessante Wendungen und viel Action, die am Ende – wie so oft – auch ermüden kann, aber hin und wieder gibt es zum Glück auch ein paar Lacher (am besten: Etrigan!). Allerdings wirkt die Animation leider auch hier oft lieblos und billig.

Offen bleibt die Frage, wie sich einige Helden oder Weltregionen zwei Jahre lang Darkseid entziehen konnten. Und am Ende – ACHTUNG SPOILER! – kommt es, wie es kommen muss: Flash dreht die Zeit zurück – schon wieder -, was aber das ganze Bemühen des Films mit dem ältesten Trick der Science-Fiction annulliert, weil man es offenbar dem Publikum nicht zumuten kann, nur noch mit einer Rumpfbesetzung die Erde wieder neu aufzubauen.

Kurz gesagt: Man hätte das alles auch einfacher haben können. Aber so will sich DC wohl eine Hintertür offen halten, eine neue Filmreihe anzufangen, die dann wieder von vorn beginnt. Das ist das Schicksal der unendlichen Erzählung: Alle paar Jahre muss man wieder alles auf Null setzen. Vielleicht sehen wir dann endlich die angekündigte Adaption von The Long Halloween oder auch bislang unverfilmte Storylines wie Knightfall.

>> Batman-Filme

Neues aus dem Dark Multiverse: Hush und Flashpoint

Tales from the Dark Multiverse: Batman: Hush #1 (DC Comics)

Im vergangenen Jahr hat DC die Tales from the DC Dark Multiverse gestartet, eine Art Elseworlds-Storys nach dem Modell „Was wäre wenn“, nur dass dieses Mal bereits bestehende Storys aus dem DC-Universum variiert werden: Bei Batman war es Knightfall, sonst gab es noch Death of Superman, Infinite Crisis, Blackest Night und New Teen Titans: The Judas Contract – mittlerweile auch gesammelt als Paperback erschienen.

Jetzt legt DC Comics nach mit zwei neuen Tales from the Dark Multiverse: Am 3. November 2020 erscheint eine Variation auf Hush von Phillip Kennedy Johnson und Dexter Soy. Sie gehen der Frage nach: Was wäre, wenn Tommy Elliot Bruce Waynes Leben ruiniert hätte, als sie noch Kinder waren? Tommy wächst als Dunkler Prinz von Gotham City auf, mit der Hilfe von Talia al Ghul, Oswald Cobblepot, Harvey Dent und Jason Todd. Da taucht „Batman the Silenced“ auf, der sich an Tommy rächt … Das Cover zeigt uns einen Batman mit Bandagengesicht.

DC Comics

Am 17. November 2020 erscheint Tales From the Dark Multiverse: Flashpoint – geschrieben und gezeichnet von Bryan Hitch (JLA, The Batman’s Grave). Hier geht’s um die Frage: Was wäre, wenn Barry Allen es nicht geschafft hätte, die Welt wieder gerade zu rücken? In dieser Flashpoint-Welt würde Thomas Wayne immer noch als Batman Gotham unsicher machen und die Amazonen und Atlantis würden sich immer noch zum Krieg rüsten. Wird es dem Reverse Flash gelingen, Barry Allens Vermächtnis auszulöschen?

Da die Flashpoint-Welt bereits ausführlich erkundet wurde, scheint es hier weniger um etwas Neues als eine eine Rückkehr zum Vertrauten zu gehen. Wiedersehen mit dem Flashpoint-Batman gab es bereits in der Serie Batman, die von Tom King geschrieben wurde, zuletzt im Event City of Bane.

Beide Hefte werden 48 Seiten umfassen und 5,99 US-Dollar kosten.

Vier Verlierer wollen nach oben

DC Comics

Titel: The Misfits (dt. Die Außenseiter)

Autor/Zeichner: Alan Grant/Tim Sale

Erschienen: 1992-1993 (Shadow of the Bat #7-9), Paperback 2016 (Shadow of the Bat Vol. 1), dt. Ehapa 1997


Immer nur Schurken aus der zweite Reihe, immer nur Versager, die sich schnappen lassen, während die Großen wie der Joker im Rampenlicht des Verbrechens stehen – Killer Moth hat die Schnauze voll davon. Also versammelt er zwei andere Loser mit beknackten Kostümen, Calendar Man und Catman, um einen großen Coup zu planen. Dann schließt sich ihnen auch noch Chancer an, ein Mann mit zwei Würfeln auf der Brust, weil seine Superkraft darin besteht, mehr Glück als Verstand zu haben.

Batman gegen die Misfits. (DC Comics)

Gemeinsam entführen die „Misfits“ Bürgermeister Krol, Commissioner James Gordon und – Bruce Wayne. Sie fordern zehn Millionen Dollar Lösegeld bis abends um neun, doch bis dahin könnten die drei Opfer in einem rostigen Container ertrinken. Killer Moth scheint seinem Namen alle Ehre zu machen.

Killer Moth und Chancer (DC Comics)

Vier lächerliche C-Schurken zusammenzubringen birgt ein großes Risiko. Aber Alan Grant schafft es, über drei Ausgaben eine packende Story zu erzählen. Denn darüber hinaus geht es noch um einen Helden namens Nimrod, der den Chancer fassen will, um seine eigene Unschuld zu beweisen. Aber der größte Trumpf ist hier natürlich der Look von Zeichner Tim Sale, der alles in eine herrliche Noir-Stimmung taucht, wie man sie aus den späteren Meisterwerken Haunted Knight, The Long Halloween und Dark Victory kennt.

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Zurück aus der Mottenkiste

DC Comics

Titel: Those Were the Bad Old Days/Find the Batcave and Rule the Underworld

Autor/Zeichner: Bob Rozakis/Lee Elias

Erschienen: 1977 (Batman Family #10, 15)


Eigentlich waren die beiden Freaks aus dem Golden Age längst vergessen: Seit seiner ersten Begegnung mit Batgirl war Killer Moth zehn Jahre lang eingemottet, der Cavalier sogar 33 Jahre lang. Und obwohl die beiden nie etwas miteinander zu tun hatten, tun sie sich jetzt plötzlich zusammen.

Batgirl und Robin werden zu der „Isle of 1,000 Thrills“ eingeladen, einem Ort der Illusionen in Provincetown (siehe Batman Family #3). Barbara fährt hin, auch um Kathy Kane (Batwoman) einen Besuch abzustatten. Kaum angekommen, sieht Barbara Gordon den Cavalier am Flughafen eine Handtasche rauben. Blitzschnell schlüpft sie in ihr Batgirl-Kostüm, hält den Gauner auf und lässt ihn einbuchten, da taucht plötzlich eine Riesenmotte auf, um den Cavalier aus dem Knast zu befreien – und auch Killer Moth ist nicht weit.

Der Schurke wird seinem Namen gerecht: Killer Moth mit Riesenmotte. (DC Comics)

Batgirl ist aber nicht allein, denn Kathy Kane kehrt spontan wieder zu ihrer Rolle als Batwoman zurück. Da erscheint plötzlich ein Cavalier in Riesengestalt … Aber das ist natürlich alles Fake, eine bloße Illusion, die die beiden Gauner von besagter Insel haben. Ihr genialer Plan: eine Fregatte zu stehlen, um Lösegeld zu fordern. Ums kurz zu machen: Die beiden Heldinnen verhindern das in einem spektakulären Kampf in den Lüften über dem Meer. Dabei erfahren sie von ihren Geheimidentitäten. Kathy bietet Batgirl die Rolle der Batwoman an – immerhin ist sie schon 25 Jahre alt, aber Barbara beharrt darauf: Es kann nur eine Batwoman geben.

Herrscher der Unterwelt

Wie dem auch sei: Fünf Ausgaben später ist das ungleiche Gaunerpaar wieder vereint. Diesmal wollen sie aus Robin und Batgirl den Standort der Bathöhle herausfinden. Mit der Ausstattung hoffen sie, was sonst, Herrscher der Unterwelt zu werden. Sie teilen sich auf und schließen eine Wette darauf ab, wer Erfolg haben wird.

Spoiler: Keiner natürlich. Aber sie stellen sich dabei auch ziemlich dumm an. Killer Moth jagt Batgirl beinahe in die Luft. Sie fällt nicht auf seine Fallen rein. Dann klebt er sie an einer Riesenlampe fest, um sie damit zu verbrennen (warum?), aber dadurch schmilzt der Kleber und sie kommt frei. Das war allerdings (angeblich) alles so geplant, damit Batgirl ihn zu Batman führt. Sie ist schlauer, führt ihn in eine Falle und Killer Moth geht baden.

Der Cavalier erweist sich sogar als noch dümmer: Er folgt Robin zu einem Geheimversteck im Stamm eines riesigen Baums. Beeindruckt von der vielen Technik und falschen Hinweisen kommt er zu dem Schluss, dass Batman und Robin Außerirdische vom Planeten Nibor seien und Robin eigentlich ein Vogel ist … Nun ja, was soll man dazu sagen? Erst Killer Moth klärt ihn dann im Knast darüber auf, dass Nibor rückwärts Robin heißt. Aber mit Ruhm hat sich der Besserwisser auch nicht gerade bekleckert. Völlig rätselhaft ist allerdings, warum er auch im Knast die Mottenmaske trägt. Sie scheint sein Gesicht ersetzt zu haben.

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Batmans Jahr der Motte

DC Comics

1951 war für Batman das Jahr der Motte. Gleich drei Mal nämlich traf er auf einen neuen Gegner: Killer Moth! Der bizarrste Kriminelle, dem Batman und Robin je begegnet seien, heißt es auf dem Cover. Und das kam so: Ein verurteilter Verbrecher kommt im Knast beim Lesen von Berichten über Batman auf die glorreiche Idee, dem Vorbild zu folgen – nur dass er nicht Recht und Ordnung aufrecht erhalten, sondern dem Verbrechen helfen will (The Origin of Killer Moth, Batman #63, 1951). Dass der Joker bereits fünf Jahre vor ihm auf die Idee gekommen und damit gescheitert ist, scheint ihm entgangen zu sein.

Wie dem auch sei: Als Cameron Van Cleer gewinnt das Vertrauen der High Society, wird sogar in den Vorstand des Gotham Museum berufen, er kauft sich (von seiner alten Beute) ein Anwesen, dann lässt sich darunter eine Höhle graben und bringt die Arbeiter anschließend um. Die Höhle braucht er für sein Geheimversteck, denn er weiß, dass Batman auch so eins hat. Und so zieht sich Cameron ebenfalls wie ein Tier der Nacht an, eine Motte (nur viel bunter), baut sich ein Mothmobile (das aussieht wie eine Raupe) und richtet sich auch ein Labor und (sehr zuversichtlich) einen Trophäenraum ein.

Cameron Van Cleer wird Killer Moth – samt Mothmobile. (DC Comics)

Dann trommelt er Gothams Unterwelt zusammen und bietet seine Dienste an: Für schlappe zwei Drittel der Beute hilft er ihnen aus der Patsche, wenn Polizei oder Batman ihnen in die Quere kommen. Dazu müssen sie nur das „Moth Signal“ leuchten lassen, das nur er mit seinen Infrarot-Linsen sehen kann. Ach ja, und als Sidekick hat er einen Revolver dabei – so gut wie sechs Robins. (Ha, ha!)

In seiner Identität als Cameron Van Cleer täuscht er sogar Bruce Wayne und geht mit ihm essen – aber nur bis Bat- und Moth-Signal am Himmel leuchten, dann müssen beide plötzlich weg. Es kommt zum unvermeidlichen Kampf mit Batman, wobei sich herausstellt, dass Killer Moths Flügel nur Dekoration sind, denn er braucht auch ein Seil, um sich durch die Lüfte zu schwingen.

Allerdings schafft er es, mit Gas aus seinem Mothmobile Batman und Robin zu betäuben und zu entführen. Während Robin gefesselt wie eine Motte ums Feuer kreist, soll Batman den Schurken zur Bathöhle bringen, denn der würde gerne noch ein paar Geheimnisse erfahren. Batman fährt ihn also im Batmobil hin. Einfacher wäre es, Batman einfach die Maske abzunehmen, aber wo wäre da der Spaß? Robin befreit sich, sagt Batman per Funk Bescheid und Killer Moth sucht das Weite. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd auf einer Brücke stürzt der Schurke in die Tiefe.

Verräterisches Licht

Doch schon eine Ausgabe später kehrt die Motte wieder (The Return of Killer Moth, Batman #64, 1951). Wir erfahren, dass die Flügel doch nicht ganz nutzlos sind, denn immerhin haben sie seinen Sturz ins Wasser gebremst, sodass er überlebt hat. Leider gilt das nicht für seine Reputation: In Gothams Unterwelt ist Killer Moth eine Lachnummer. Also versucht er, seinen guten Ruf wieder herzustellen, indem er wertvolle Motten-Statuen der Prä-Inkas aus dem Museum stiehlt.

Batman versucht herauszufinden, wer von den vier anderen Vorstandsmitgliedern dahinterstecken könnte. Während der Vorstand berät, steigen die beiden Gegner in ihre Kostüme und bekämpfen sich wie die Neandertaler (so zeigt es ein Röntgenbild – ach, fragt lieber nicht). Bei einem späteren Einsatz locken Batman und Robin die Motte mit einer Riesenglühbirne an (wie sonst?) und entlarven ihn mit einer Ultraviolett-Lampe, weil er vorher Milch getrunken hat und die Milch gelb auf seinen Lippen leuchtet. Nur wie können die das erkennen, wenn Killer Moth eine Maske trägt? Vielleicht hat Batman doch einen Röntgenblick …

Killer Moth als falscher Batman

DC Comics

Und schließlich trifft der schlimmste Fall ein: Der Anti-Batman wird zu Batman – aus Killer Moth wird „Batman’s Double“ (Detective Comics #173, 1951). Nach einem Gefängnisausbruch hat Van Cleer nicht mehr die Mittel, um sich einen neuen Ruf aufzubauen. Aber gerade noch genug, um sein Gesicht umoperieren zu lassen, damit er aussieht wie Bruce Wayne. Der Zufall begünstig, dass er ihm ohnehin ähnlich sieht.

Ein paar Wochen später knockt er Bruce nach einem Benefizboxen aus und sperrt ihn in einen verlassenen Banktresorraum. Der Killer in der Motte scheint nachgelassen zu haben. Als neuer Bruce täuscht er sogar Dick Grayson. Als der ihn in die Bathöhle führt, ist das Geheimnis raus. Der Schurke spielt mit und steigt ins Batman-Kostüm. Zusammen nehmen sie es mit der Whitey Casey Gang auf. Mit der hat Killer Moth noch eine Rechnung offen, denn die wollte nie seine Dienste in Anspruch nehmen. Jetzt versucht er sich in einem Doppelspiel: Robin macht Van Cleer vor, Casey zu jagen, während er Casey gegenüber den Retter als Killer Moth spielt. Und wieder fragt man sich: Warum nicht einfach Bruce Wayne töten und alle Probleme auf einmal lösen? Weil das zu einfach wäre.

Also zurück zum Plot, der am Ende auch nicht zu kompliziert sein darf, denn immerhin muss nach zwölf Seiten Schluss sein: Als auch Robin auf schmerzhafte Weise erfahren muss, mit wem er es zu tun hat, befreit sich Bruce, steigt ins Batman-Kostüm und rettet den Tag. Killer Moth wird von Casey mit dem Maschinengewehr verwundet – und zwar so schwer, dass nicht nur plastische Chirurgie nötig ist, sondern auch ein Teil seines Gehirns entfernt werden muss. Praktischerweise der Teil, der fürs Gedächtnis zuständig ist.

Bat-Girl und Robin gegen Moth

Bat-Girl und Robin gegen Moth. (Batman #141) (DC Comics)

Killer Moth ist für lange Zeit erledigt. Doch zehn Jahre später taucht ein Nachahmer auf: Moth, ohne Killer im Namen, dafür sieht er mehr nach Motte aus (Batman #141, 1961). Aber diese Gestalt ist schwerlich ein Charakter zu nennen: Wir erfahren nichts über ihn. Er hat nicht mal ein Gesicht. Er ist nur ein beliebiger Ganove in einem bescheuerten Kostüm, bei dem man sich fragt, wie so einer es schafft, Handlanger zu finden. Aber das ist wohl zu viel gefragt. Die Geschichte dreht sich ohnehin um etwas ganz anderes: Um das Verhältnis von Batman zu Batwoman sowie von Robin zu Bat-Girl. In dieser Soap ist alles andere bloß Fassade.

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Batman beginnt als Batlad – und Henker

DC Comics

Titel: The Forging of Young Batman

Autor/Zeichner: Leo Dorfman/Bob Brown

Erschienen: 1972 (Superboy #182)


„This could be dynamite!“ Nachstellung einer Redaktionskonferenz. (DC Comics)

Eigentlich ist diese Geschichte viel zu krass, um sie zu erzählen. Das will uns zumindest DC Comics (damals National) klarmachen. Die wahre Geschichte, wie Superman und Batman sich erstmals trafen (Superman #76, World’s Finest #94), die wurde noch gar nicht erzählt, die lag angeblich bisher verschollen im Archiv, heißt es bei der Redaktionskonferenz. Ein Redakteur wendet ein: „This could be dynamite! I say, keep it buried!“ Aber der zigarrerauchende Chefredakteur knallt mit der Faust auf den Tisch und sagt: Nein, unsere Leser verdienen die Wahrheit! – Eine Szene, wie man sie eher von einer investigativen Tageszeitung erwartet hätte. Das weckt Neugier.

Als sich Clark Kent und Bruce Wayne zum ersten Mal begegnet sind (Adventure Comics #275), lebten Bruces Eltern noch. Zwölf Jahre sind seitdem vergangen – im Comic nur eins. Die Waynes wurden mittlerweile ermordet, Clark Kent erfährt davon aus der Zeitung. Und kaum liest er die traurige Nachricht, zieht er sich um und fliegt als Superboy nach Gotham City, um seinem alten Freund beizustehen.

Bruce Wayne jagt den Zodiac-Killer

Der kommt aber ganz gut allein zurecht. Einen Einbrecher lässt er in Wayne Manor in eine Falle tappen, die ihm einen Stromschlag verpasst. Bruce ist nicht zimperlich: Er will Rache am Mörder seiner Eltern nehmen – und er ist bereit, über Leichen zu gehen. Dafür pumpt er seine Muskeln auf und bringt sich selbst Karate bei. Und er hört den Polizeifunk ab, um zur rechten Zeit selbst seinen Beitrag zu leisten. Bruce glaubt ans Schicksal: „It’s written in the stars.“ Dazu konsultiert er sogar das Horoskop. (So viel zum Thema „superstitious lot“ …) Passenderweise treibt gerade der Zodiac-Killer sein Unwesen, einen Serienmörder, der am Tatort Symbole von Sternzeichen hinterlässt – unter anderem auch bei den Waynes. Ist der Zodiac-Killer der Mörder von Bruces Eltern?

Zunächst zieht sich Bruce nur einen schwarzen Anzug an, ohne Maske. Superboy, der dank Zukunftsblick weiß, dass Bruce einmal Batman werden soll, sieht sich verpflichtet, seinen Freund in die richtige Bahn zu lenken: „No man should be the judge, prosecutor and jury! You’re blinded by hate! You’re bound to make serious mistakes!“

Bruce wird zu Batlad. (DC Comics)

Nachdem er gesehen hat, dass Bruce in seiner Freizeit auch Fledermäuse erforscht, macht er ihm ein Kostüm, das dem späteren sehr ähnlich sieht – nur ohne Spitzohren. Bruce soll zu Batlad werden. (Robin war er bereits.) Doch als Bruce seine Maske im Spiegel sieht, zieht er einen anderen Schluss: Er sieht aus wie ein Henker – wie passend! Also nennt er sich Executioner und schwört noch einmal Blutrache an allen Kriminellen.

Todesstrafe für einen Unschuldigen

Bruce findet dank seines Hellseher-Computers heraus, dass der Zodiac-Killer als nächstes was mit Fischen plant, also nimmt er an einem Angler-Wettbewerb teil. Da er sich auch damit auskennt (er weiß und kann einfach alles), gewinnt er den ersten Preis, indem er einen riesigen Schwertfisch fängt. Doch dann reißt die Leine, der Fisch bohrt sich ins Schiff und reißt ein Loch in den Rumpf. Superboy rettet alle.

Dabei findet Bruce heraus, dass der Zodiac-Killer der Reporter Higbee ist. Aber der bestreitet das: Er hat sich den Killer nur ausgedacht, um seinen Job zu behalten. Der Zodiac-Killer ist Fake News! Bruce hätte fast den falschen Mann getötet. Das gibt ihm zu denken.

Und jetzt noch einmal zurück zum Anfang: War diese Geschichte wirklich so krass wie angekündigt? Tatsächlich: Bruce Wayne ist hier nicht der liebe Batman, den wir seit vielen Jahren kennen. Er ist ein angry young man auf Abwegen. Er will töten. Bei all dem fantastischen Unsinn, der hier aufgetischt wird, ist das eine Komponente, die diese Geschichte zumindest psychologisch glaubhafter macht. Auch Batman kann sich von seinen Gefühlen in die Irre führen lassen. Umso triumphaler erscheint dagegen seine spätere Laufbahn.

>> World’s Finest Comics


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