Ein Kavalier taugt nicht zum Schurken

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Titel: The Cavalier of Crime/The Cavalier Rides Again/Laboratory Loot/Twenty-Ton Robbery

Autor/Zeichner: Don Cameron, Bill Finger/Bob Kane, Jack Burnley, Dick Sprang

Erschienen: 1943-1944 (Detective Comics #81, Batman #22, Detective Comics #89, Batman #26), Paperback 2018/2020 (Batman: The Golden Age Vol. 5-6)


„‚You can’t do monkey business with Batman!‘ — Is the first rule of the underworld!“

Gotham ist schon ein seltsamer Ort. Alle paar Wochen tauchen da irgendwelche Spinner im Kostüm auf und nerven alle mit ihren Ticks. Wie gut, dass man zwei andere Spinner dafür hat, sich darum zu kümmern. Eines Tages taucht ein Typ auf, der sich Cavalier nennt und an einen Musketier erinnert, aber ein Held ist er nicht. Aber ein Schurke auch nicht so richtig, weil zunächst nicht klar ist, was er überhaupt will.

Zuerst bittet er einen Jungen um seinen Baseball. Als er ihn nicht hergeben will, gibt er ihm drei neue dafür. Der Junge verlangt aber seinen zurück. Bruce Wayne und Dick Grayson sehen die Szene und statt den Gauner zu stellen, wie es sich für Bürger mit Zivilcourage gehört, ziehen sie sich zunächst um – und zwar in Rekordzeit. Vom Bruchteil einer Sekunde ist die Rede!

Bringt aber nix, denn der Cavalier entkommt. Der Ball trägt das Autogramm eines berühmten Pitchers Berry Berrigan. Der Cavalier lässt dessen Unterschrift fälschen, um an einen kleinen Baseballschläger aus einem Bankschließfach heranzukommen, darin steckt ein Schlüssel, um an Berrigans Trophäensammlung heranzukommen.

Der Cavalier hält das Dynamische Duo mit einem elektrischen Schwert in Atem, zum Schluss kämpft Batman mit einer Angel gegen ihn, besiegt ihn, aber der Cavalier nagelt Batman mit seiner Hutfeder fest und haut mit einem Motorrad ab.

Der zweite Versuch mit Diamanten

Was das alles sollte, erfährt man erst später, beim zweiten Auftritt des Schurken: Der Cavalier ist Mortimer Drake, ein reicher Bekannter von Bruce Wayne. Er hat sich schon mal einen Trophäenraum eingerichtet für die schönsten Schätze der menschlichen Kultur. Klar, wer hätte da nicht zuerst an Sport-Miniaturen gedacht?

Der Cavalier lockt Batman und Robin in eine Falle. In einem Antiquitätenladen legt er Batman mit dem Schwert herein. Als der es ihm wegnehmen will, bekommt er einen Stromschlag und landet in einer Kiste, Robin in einem Schrankbett. Für den Fall, dass sie herauskommen, lässt er in alter Schurkentradition einen Zettel mit einem Hinweis zurück.

Mit dem Entkommen hat er es ihnen leicht gemacht: Batman entdeckt, dass er in der Kiste des Magiers Houdin steckt, Vorbild für Houdini, und steigt an der Seite heraus. Das Duo folgt dem Hinweis zu Diamantenschleifern, wo der Cavalier ein paar dicke Klunker absahnen will. Der Schurke bereut sogleich, dass er den Zettel geschrieben hat, er hält die beiden Gegner mit Schnupftabak hin, aber die beiden haben leichtes Spiel gegen seine Bande. Der Anführer haut ab, die Beute bleibt zurück.

Batman stellt fest, dass die ganze Aufregung nicht nötig war, weil der Cavalier bloß Modelle gestohlen hat. So bleiben die Vitrinen in seiner Trophäenhalle leer. Der Cavalier ärgert sich, denn er hat es eben auf das Modell abgesehen. Was sollte das? Ein sehr schräger Vogel … Am Ende bleibt auch offen, warum sich Drake als Musketier verkleidet hat. Aber Batman fragt sich nur, wer der Cavalier wirklich sein mag. Der Erzähler verspricht, dass Batman noch Gelegenheit haben wird, das herauszufinden. Und das tut er auch beim nächsten Mal.

Vom Schreibmaschinendieb zum Wal-Entführer

Dann nämlich stiehlt der Cavalier eine neuartige Schreibmaschine (Detective Comics #89). Eine Schreibmaschine? Ja, und nicht mal eine Besondere. Allein für den Erfinder hat sie sentimentalen Wert. Der kostümierte Gauner scheint sehr verzweifelt nach etwas zu suchen, womit er seine leeren Vitrinen füllen kann. Im Labor wird seine Hand von einer Chemikale gefärbt – und die verrät Mortimer Drake später im Club, in dem auch Bruce abhängt. Das Geheimnis ist verraten, die Maske fällt, doch der Cavalier kann wieder entkommen – durch einen Schuss mit einer Gaspistole.

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Cavalier schnappt sich den Wal. (DC Comics)

Beim vierten Mal nimmt er eine neue Identität an: Albert Foster, aber das muss uns nicht weiter kümmern. Er versammelt eine neue Gang, sie alle verkleiden sich für ihren nächsten Raub als Cavaliere und entführen Robin. Nachdem Batman ihn aus der Todesfalle befreit hat, entführt der Cavalier einen Wal.

Wie bitte? Ja, genau: einen riesigen lebenden Wal – 20 Tonnen schwer. Der wird ungeachtet aller Tierschutzbestimmungen in einem viel zu engen Becken im Museum ausgestellt. Und der Schurke schafft es tatsächlich, dieses nicht gerade unauffällige Tier mit einem Laster wegzuschaffen, um ein Lösegeld zu erpressen. Dass er bis dahin aber für tonnenweise Fisch als Futter in Vorleistung gehen muss, klingt nicht nach einem besonders klugen Investment. Davon abgesehen: Welcher Wal dieser Größenordnung frisst schon Fisch? Dieser aber würde anscheinend sogar Robin verschlingen. Am Ende ist Zoologie auch gar nicht wichtig: Der Cavalier wird endlich geschnappt. Sein elektrisches Schwert, hier ein Degen, wird ihm zum Verhängnis, als ihn Batman mit Wasser bespritzt.

Und dann ist auch erst mal für lange Zeit Ruhe. Erst 1977 taucht der Cavalier wieder auf (Batman Family #10). Und dann noch einmal prominent im Jahr 1992, in Blades (Legends of the Dark Knight #32-34) – aber das ist ein ganz anderer, ein Konkurrent im Geiste von Bruces Jugendhelden Zorro und damit auch eine viel größere Herausforderung für Batman.

>> Batman 1939-1949

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels fehlten die Hinweise auf Detective Comics #89 und Batman #26. Das wurde ergänzt.


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