Schwach trotz Superkräften

DC Comics

Titel: Batman: Super Powers

Autor/Zeichner: Marc Guggenheim/Jerry Bingham

Erschienen: 2010-2011 (Batman Confidential #50-54), Paperback 2018


Man soll ja Bücher nicht nach ihrem Umschlag beurteilen, aber bei diesem Cover fällt es schwer. Batman umarmt eine leichtbekleidete Frau von hinten, ihre Brüste fallen fast raus, das hat schon etwas von den Nackenbeißern, den berüchtigten Kitsch-Groschenromanen. Im Vordergrund stehen seltsamerweise drei völlig unbekannte, asiatisch anmutende Superhelden, die irgendwelche viereckigen Dinger herumwerfen.

Naja, geben wir dem mal eine Chance. Doch der Inhalt überzeugt genau so wenig. Erzählt werden parallel zwei Geschichten aus Batmans Anfangszeit. In der Vergangenheit sehen wir den jungen Bruce Wayne auf seinen Wanderjahren in Asien, in der Gegenwart versucht er aufzuklären, was es mit der vertrockneten Frau auf sich hat, die ihm tot in die Hände fällt – eine von 26 Vermissten. Batman trifft hier zum ersten Mal die Justice League, die aus Wonder Woman, Green Lantern, Flash, Aquaman und Martian Manhunter besteht.

Natürlich hat er zunächst keine Lust auf den Haufen. Es geht darum, dass sich der Einzelgänger Batman als Teamplayer beweisen muss. Doch in den Rückblenden erfahren wir, dass schon der junge Bruce sich einem chinesischen Superheldenteam anschloss und neben Superkräften ein Kostüm bekam. Als „Dark Night“ bekämpften sie einen hünenhaften Despoten. Batman wird scheinbar zum Mörder …

In der Gegenwart geht es um grüne Männchen mit roten Augen. Ein alienhaft wirkender Wissenschaftler will Menschen nach seinem Bilde formen. Das Beste an dieser Story ist ein Kapitel, in dem erzählt wird, wie die Justice League zum ersten Mal auf das Wesen traf. Das Kapitel ist nämlich im Stil der ersten Justice League-Comics aus den 60er Jahren erzählt. Aber abgesehen von dem gelungenen Retro-Charme ist dem Heft nichts abzugewinnen.

Zwar geben sich die Illustratoren Mühe, die Rückblenden mit Wasserfarben aufzuwerten, aber viel zu oft werden die beiden Erzählstränge so stark parallel geführt, dass man oft den Eindruck bekommt, hier wird zweimal dieselbe Geschichte erzählt. Immer wieder ähneln sich die Panels, während der Text ebenfalls zu Wiederholungen neigt und krampfhaft Bezüge zueinander herstellt. Hier hat man es mit dem Willen zu künstlerischen Übergängen etwas zu gut gemeint. Der Comic wirkt so elegant wie eine Holzschnitzerei mit einer Axt.

Und auch wenn man hier scheinbar zwei Storys zum Preis von einer bekommt: Keine ist besonders interessant, vielmehr wirken beide wie aus Schundromanen. (Allerdings kommt es zu keiner Romanze, wie auf dem Cover angedeutet wird.) Dabei geht es hier auch um Batmans Skepsis gegenüber dem Übernatürlichen. Das ist ein interessantes Thema, aber hier wird es verschwendet für eine unausgegorene Mischung aus Nebenschauplätzen ohne klaren Fokus.

>> Batman-Confidential

Pinguin auf dem Pfad der Tugend

Pinguin mit Braut

Titel: The Penguin Goes Straight/Not Yet, He Ain’t (dt. Alle Macht dem Pinguin)

Drehbuch: Lorenzo Semple Jr., John Cardwell

Erschienen: 1966 (Batman S01E21-22)


Was ist das? Der Pinguin im Theater? Ganz bürgerlich und in Begleitung einer Dame? Doch da: ein Überfall! Juwelen werden geraubt. Der Pinguin spielt den Helden, auf ihn wird geschossen, aber mit seinem kugelsicheren Regenschirm kann er den Angriff abwehren. Der Täter flieht – und das Diebesgut landet wieder bei der Besitzerin, der Schauspielerin Sophia Starr.

Macht der Schurke etwa Batman Konkurrenz? Oder steckt dahinter nur ein gemeiner Plan, um richtig Beute zu machen? Klar, dass die Fragen nur rhetorisch sind. Der Pinguin hat eine Firma gegründet, die verspricht, für die Sicherheit von Wertgegenständen zu sorgen. Aber das sei etwa so, als vertraute man ein Salatblatt einem Hasen an, so Batman. Er traut dem Vogel nicht.

Doch als Batman und Robin versuchen, die echte Kette gegen ein Imitat auszutauschen, um sie vor dem Joker zu schützen, fliegt zunächst Alfreds Undercover auf, dann werden die Helden auf frischer Tat ertappt. Für die beiden hat sich der Pinguin eine besonders fiese Todesfalle ausgedacht. Auf einem Jahrmarkt lässt er Gordon und O’Hara auf sie schießen, während die Polizisten glauben, sie schössen auf Pappkameraden und Luftballons.

Gordon und O’Hara schießen auf Batman und Robin.

Doch kaum hat sich das Dynamische Duo befreit, wirkt es etwas neben der Spur: Aus einem nicht weiter erklärtem Grund tun sie so, als wären sie irre und greifen den Pinguin an. Daraufhin werden sie von der Polizei gejagt und auf der Flucht erschossen. Und dann läuft alles darauf hinaus, dass der Pinguin und Sophia Starr heiraten sollen und der Schurke mit den Hochzeitsgeschenken abhauen will …

Batman und Robin fahren Batcycle

Wir sehen Dick Grayson beim Golfen, den Pinguin in der Sauna und wie er das Batmobil zum Birdmobil macht, zum ersten Mal fahren Batman und Robin im Batcycle. So einfalls- und wendungsreich die Episode auch ist: Der gesamte Plan ist so überambitioniert, dass man sich fragt, ob das nicht einfacher gegangen wäre. Natürlich. Aber dann wäre es nur halb so spaßig.

Übrigens erfahren wir, dass der Pinguin lieber Junggeselle bleibt – auch wenn sein Opfer ihn nach dem Betrug trotzdem heiraten will.

Pinguin im Birdmobile

Mehr zum Thema:

Supermans Tod: Vergebliche Re-Animation

Warner Bros.

Titel: The Death of Superman

Regie/Drehbuch: Jack Castorena, Sam Liu/Peter Tomasi

Erschienen: 2018 (Direct-to-Video)


Superman ist vor 80 Jahren zur Welt gekommen und vor 25 Jahren gestorben – Anlass genug, die Story nochmal als Animationsfilm zu erzählen. DC folgt damit dem erfolgreichen Rezept, Comic-Klassiker zu verfilmen, statt auf neue Storys zu erzählen. Bereits 2007 hat man Superman vs. Doomsday antreten lassen mit dem gleichen Ergebnis, aber das hatte nur lose, sehr lose mit der Vorlage zu tun. Elf Jahre später bittet man die Fans erneut zur Kasse, um eine zweite Chance zu bekommen: The Death of Superman.

Das Ergebnis? Vorhersehbar. Tatsächlich hält sich der Film eng an die Vorlage. Das Problem ist leider nur, dass die Vorlage nicht besonders interessant ist. Der Film macht ein wenig davon wieder gut, vieles andere macht er wiederum schlechter.

Das Gute: Die echte Justice League darf zuerst gegen Doomsday kämpfen. Während es im Comic eine ziemlich lahme Truppe aus Zweit- und Drittligisten war (Booster Gold, Blue Beetle, Guy Gardner, Ice, Fire, Bloodwynd), kriegen wir hier endlich unter anderem Wonder Woman, Flash, Green Lantern und sogar Batman geboten. Außerdem findet das Finale am Abend statt, was viel dramatischer ist, als im Comic, wo alles im stimmungslosen Tageslicht passiert.

Das Schlechte: alles andere. Am Anfang sehen wir ein steriles, totes Metropolis, in dem nur drei Leute auf der Straße zu sein scheinen, eine beliebige Bande raubt eine Bank aus, Superman hält sie auf. Das ist ein Beginn, der für jeden anderen Superman-Film durchgehen würde, aber hier werden nur Minuten verschwendet, die nichts mit der Story zu tun haben. Die Comic-Story hingegen beginnt mit Doomsdays Hand, die gegen ihre Gefängniswand schlägt – was viel bedrohlicher erscheint. Im Film taucht Doomsday erst sehr spät auf – das zwar sehr wirkungsvoll als Asteroid, der eine Raumstation zerstört, ohne dass Superman hilft, aber trotzdem eine vertane Chance.

Clark Kent offenbart sich unbeholfen Lois als Superman. Aber während die Comic-Vorlage hier wenigstens eine Splash-Page für diesen historischen Moment übrig hat, tut es Clark hier in Bibbos Bar, mitten unter Leuten, wo er nicht wirkungsvoll sein Hemd aufreißen kann, sondern nur die Brille abnimmt und Lois die Erkenntnis wie Schuppen von den Augen fällt. Die Szene hat höchstens Wert in Sachen unfreiwilliger Komik. Danach gibt es nichts zu lachen, denn der Großteil des Films besteht (wie der Comic) aus nichts als stumpfer Prügelei. Selbst Lex Luthor versucht sein Glück in einem Kampfanzug, aber egal.

Ansonsten ist The Death of Superman einer dieser am Fließband produzierten, generischen Zeichentrickfilme, die steif, steril und tot wirken. Da hilft auch alles Blutvergießen nichts. Doomsday ist ein beliebiges Monster, das nicht genug gewürdigt wird, um so gewaltig zu wirken, wie es das in den Comics tut. Der Animation fehlt es an Dynamik und an interessanten Perspektiven. Es scheint, als wäre dieser Film ein weiterer Beleg dafür, wie tot DCs alte Kunst des Zeichentrickfilms ist, wie man sie von Batman: The Animated Series bis heute verehrt. Dabei sollte gerade ein Animationsfilm es schaffen, Comic-Panels zum Leben zu erwecken. Neue Impulse für altbekannte Storys sind von DC bislang nicht zu erwarten. Man geht lieber auf Nummer sicher. Wie langweilig.

Teil 2, Reign of the Supermen, erscheint 2019.

>> Superman-Comics und -Filme

Lois Lane wird Catwoman – und Superman eine Katze

Catwoman im Silver Age: Teil 1

DC Comics

Titel: The Catwoman’s Black Magic!/Bad Luck for a Black Super-Cat

Autor/Zeichner: Leo Dorfman/Kurt Schaffenberger

Erschienen: 1966/1967 (Superman’s Girlfriend Lois Lane #70-71)


Zwölf Jahre lang war Catwoman aus den Comics verschwunden. Erst im Jahr 1966 tauchte sie wieder auf, zunächst in der Batman-TV-Serie mit Adam West, schließlich auch in den Comics. Ihr Comeback hatte es in sich. In der Serie Lois Lane bekam sie eine 33-seitige Story, die sich über zwei Ausgaben erstreckte und so ziemlich alles bot, was man sich vorstellen kann – mit haarsträubendem Ergebnis.

Catwoman ist hier mehr Superschurkin als je zuvor. Sie verfügt nicht nur über beträchtliche Mittel, sie ist auch eine fähige Erfinderin: Catwoman schwingt einen Catarang (der noch gefährlicher ist als der Batarang), sie beherrscht Katzen, kann Menschen mit einem Ring hypnotisieren, hat ein neues Kitty-Car mit Autopilot, ihr Geheimversteck (Catacombs) gleicht einer voll ausgestatteten Bathöhle mit Raketen, Bomben und dem Zauberstab der Circe, mit dem sie Männer in Tiere verwandeln kann, sie verfügt über einen Kryptonitkäfig und züchtet außerdem chimärenhafte Großkatzen.

An der Aufzählung kann man bereits erkennen, wie viele wilde Wendungen die Story nimmt. Alles beginnt damit, dass der Pinguin aus dem Knast ausbricht und Lois zu einer Vogelausstellung führt, doch dann werden aus Vögeln Tiger, Panther, Leoparden und Ozelots, Catwoman taucht auf und macht Lois zu einer neuen Catwoman, samt Outfit und Gehirnwäsche. Pinguin will Catwoman heiraten und sich mit ihr ein Verbrechensimperium aufzubauen (vgl. Empress of the Underworld), aber sie lehnt ab. Superman und Batman arbeiten kurz zusammen, um den Pinguin zu schnappen, aber die eigentliche Heldin ist Lois. Clark Kent wird die Kleidung von Großkatzen zerrissen, er fürchtet wieder mal um seine Geheimidentität. Catwoman täuscht ihn, gibt sich als hypnotisierte Lois aus, küsst ihn und lockt ihn in die Falle.

Erst verwandelt sie Superman in eine Katze, dann macht sie Lois zu einer Maus, doch als die Superkatze sie angreift, wacht Lois Lane aus der Bewusstlosigkeit auf: Batman und Robin haben Catwoman und ihre Bande gefasst, nachdem Lois aus Versehen gegen eine Kiste mit Erdbeben verursachenden Bomben gekommen und so auf sich aufmerksam gemacht hat. (Wie bitte?)

Lois versucht, die Katze wieder zu Superman zu verwandeln, doch vergebens. Da erinnert der US-Präsident (der Lyndon B. Johnson sehr ähnlich sieht), dass Superman versprochen hatte, noch eine Raumkapsel vom Mond zurückzuholen. Die Katze fliegt hin und prügelt es zur Erde. Dann bringt Lana Lang die Lösung: Sie hat zufällig eine mumifizierte Katzenpfote gefunden, die ihr einen Wunsch erfüllt und aus der Katze wird wieder Superman.

Wow. Das alles auf 33 Seiten. Und das ist nur die Kurzfassung, ich habe vieles weggelassen. Der Auftakt der Figur ist furios, er bringt alles, was die Figur im Golden Age ausgemacht hat, und treibt es mit Science Fiction und Magie auf die Spitze der Absurdität, wie man sie aus der Batman-TV-Serie kennt. Netter Nebeneffekt: Es passiert so viel, man ist so sehr damit beschäftigt, der Handlung zu folgen, dass man gar nicht erst nach dem Sinn des Ganzen fragt. Denn eigentlich will Catwoman bloß Vögel stehlen, um sie zu verkaufen. Alles andere ist bloß Spektakel als Selbstzweck. Sinn ist hier Nebensache.

>> Liste der Catwoman-Comics

Signal: Batman für die Tagschicht

DC Comics

Titel: Batman and the Signal

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Tony Patrick/Cully Hamner

Erschienen: 2018 (Mini-Serie #1-3, All-Star Batman #1-4, #6-9)


„… we have enough bat-people already …“

Batman ist keine Familie mehr, er ist ein Clan: Nightwing, Robin, Red Robin, Red Hood, Batwoman, Batgirl, Batwing, Azrael und Orphan bevölkern die Batcave (gehören Spoiler und Bluebird noch dazu?), sogar der verdammte Bat-Hund Ace ist wieder da (zum Glück ist Clayface wieder ausgemustert). Und jetzt auch noch Signal. Der Neuzugang (bürgerlich Duke Thomas) beginnt selbstironisch: Es braucht kein weiteres Mitglied im Batman-Clan. Trotzdem gibt es ihn. Was also tun? Duke sucht und findet eine Nische, er übernimmt die vakante Tagschicht in Gotham. Und natürlich gibt es sofort Ärger, denn Superhelden ziehen den bekanntlich an. Die Stimme des Volkes beschwert sich: Normalerweise ist Gotham am Tag sicher, tja, die Zeiten sind vorbei.

Lange im Voraus wurde die Figur Duke Thomas aufgebaut. Zunächst als Kind im Zero Year, dann fielen seine Eltern in Endgame dem Joker-Virus zum Opfer und Duke machte sich mit We Are Robin einen Namen. Robin braucht keinen Batman, Batman keinen Robin, lautete die Devise. Und als DC mit Rebirth alle Serien neu startete, begann Batman damit, Duke auszubilden. Ein neuer Robin sollte er nicht werden. Aber was sonst? „Etwas Neues“, sagte Batman und blieb selbst dann die Antwort schuldig, als Duke schon längst ein gelbes Kostüm hatte und in All-Star-Batman und Dark Days (Metal) aushalf.

Dann endlich, im Jahr 2018, bekam er seine eigene Mini-Serie, den Dreiteiler Batman and the Signal, wobei es eigentlich andersherum lauten müsste. Weil das Paperback dazu etwas dünn ausfallen würde, hat DC die Backup-Story The Cursed Wheel aus All-Star Batman vorangestellt, in der es um Dukes Ausbildung geht. Duke nimmt es in den episodisch erzählten Plots mit Zsasz und dem Riddler auf, letztere Teile wunderbar von Francesco Francavilla in Szene gesetzt.

Nach einem Lückenbüßer, der Duke beim Training mit Red Hood zeigt, geht dann die neue Story los. Duke hat jetzt ein neues Kostüm mit einer weißen statt einer schwarzen Fledermaus auf der Brust, und er hat Superkräfte: Er sieht, wo das Licht vor ein paar Minuten war und manchmal (wenn es die Story verlangt), wo es sein wird – also mal wieder so ein vages Irgendwas von Superkräften, um Duke irgendwie besonders zu machen.

Leider reicht das allein nicht aus, um die Story interessant zu gestalten. The Signal kämpft gegen ein paar Jugendliche, die dank des Superschurken Gnomon verschiedene Superkräfte erlangen. Gnomons Outfit sieht dem von Signal sehr ähnlich, es stellt sich auch heraus, dass er eine besondere Verbindung zu ihm hat. Hier wenden die Autoren den guten alten Trick an, dem Helden nachträglich noch mehr Backstory anzudichten, damit er mehr Tiefe bekommt. Hinzu kommt noch eine Polizistin mit Roboterarm, die ihm als Deus ex machina zur Seite steht, begleitet von Batman und dem Rest des Clans, die sich ums Grobe kümmern und Duke dabei helfen, seinen ersten Einsatz zu überleben.

Die drei Kapitel sind schnell erzählt und schnell verdaut, leichte Kost, solide geschrieben und anständig gezeichnet, aber in der Kürze bleibt die Story uninspirierter Durchschnitt. Da ist keine Idee, die dem Batman-Mythos oder dem Sidekick-Problem auch nur eine neue Seite abgewinnt. The Signal ist der Versuch, in dem überladenen Batman-Clan noch etwas zu etablieren, das irgendwie Batman ist, ohne von Batman abhängig zu sein. Davon gibt es bereits genug. Ein kanariengelber Aushilfsbatman, der am Tag arbeitet, schließt keine nennenswerte Marktlücke. Auch hier gelingt es nicht, die Leser davon zu überzeugen, dass es diesen Charakter wirklich braucht.

Eigentlich lese ich keine Sidekick-Storys. Warum habe ich es hier trotzdem getan? Wahrscheinlich, weil Batman auf dem Cover ist. Aber wer Batman will, kann auf Signal getrost verzichten.

>> Batman 2011-2019

Lieber Schnitzel- als Verfolgungsjagd

Riddler klaut das Diadem

Titel: A Riddle a Day Keeps the Riddler Away/When the Rat’s Away the Mice Will Play

Drehbuch: Fred De Gorter

Erschienen: 1966 (Batman S01E11-12)


Was ist mit dem dynamischen Duo los? Manchmal wirkt es seltsam undynamisch: Der Riddler will bei einer Miss-Wahl ein Diadem stehlen, Batman und Robin wissen das, sie stehen direkt davor und warten, dass er zuschlägt. Und als er dann aus einer Falltür kommt, der gekrönten Miss einen Kuss aufdrückt und ihr das Diadem vom Kopf reißt, sehen sie einfach nur zu. Selbst als er wieder in die Falltür hinabsteigt, stehen sie einfach nur da. Statt ihm zu folgen: Schnell zum Batmobil, wo sie ihn orten wollen.

In der Tiefgarage gibt Riddler ihnen noch eine Chance. Er taucht aus einer Kanalöffnung auf: Er habe durchschaut, dass das Krönchen nur Fake war, er wirft es ihnen hin – mit einem weiteren Rätsel. Und wieder denkt Batman nicht daran, hinterher zu jagen. Er löst lieber das Rätsel. Robin fragt nach: Wollen wir ihm nicht folgen? Nein, sagt Batman. Da unten, in der Kanalisation, würden sie ihn kaum finden. Dabei ist er gerade einmal seit zehn Sekunden weg. Und kichert permanent wie blöde. Selbst ein Blinder würde ihn finden. Aber Batman versucht es nicht mal. Statt den Riddler zu schnappen, rätselt er lieber. Batman arbeitet eben lieber mit dem Kopf als mit den Muskeln, betreibt lieber Schnitzel- als Verfolgungsjagd – wie eben ein wahrer Detektiv.

Der Riddler entführt daraufhin einen gewissen König Boris. Doch eigentlich geht es um die „Queen of Freedom“, eine Statue, die der Riddler stiehlt, um sie mit einer Bombe zu versehen und so die Stadt um eine Million Dollar zu erpressen. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Gordon pumpt Bruce Wayne an, der gerne mit Bargeld aushilft. Da schickt der Riddler einen Fake-Batman vorbei für weitere Anweisungen. Der stellt sich zwar ziemlich dumm an, aber Commissioner Gordon spielt mit, um Bruce nicht in Gefahr zu bringen. (Wieder kommt niemand auf die Idee, den Kerl einfach festzunehmen.)

Keine Kunst für die Ewigkeit …

Der Rest in Kürze:

Das Utensil: Zum ersten Mal kommt die Bat-Tafel zum Einsatz. Das Besondere an ihr: Sie trägt als einziges Stück der Bathöhle keinen Namenszug.

Die Todesfalle: Batman und Robin werden an großen Rotoren festgemacht. Und irgendwie kommen sie frei. Man sieht gar nicht wie. Man sieht nur, dass da am Ende gar nicht mehr Batman und Robin hängen, sondern irgendwelche billig ausgestopften Puppen.

Die Meta-Ebene: Batman und Robin zerstören ein Gemälde, das sie in Lebensgröße zeigt und in einer Kunstgalerie hängt. Das Dynamische Duo springt einfach durch die Leinwand. Die beiden haben für statische Kunst eben nichts übrig, wir sind hier im Fernsehen, da geht es um Bewegung. Hauptsache die Queen bleibt heil. Und Bruce Wayne bekommt sein Geld zurück.

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Kampf der Supermänner

DC Comics

Titel: Three Supermen from Krypton

Autor/Zeichner: William Woolfolk/Al Plastino

Erschienen: 1950 (Superman #65)


„The planet Earth is not big enough for both you and us!“

In Metropolis schlägt eine Rakete ein, Hochhäuser fallen um, Superman kann sie gerade noch vor dem Einsturz retten. Kurz darauf erscheinen drei Typen mit Superkräften: sie laufen so schnell wie Superman, fliegen und können auch sonst alles, was er kann. Es stellt sich heraus: Die drei Brüder stammen von Krypton. Sie wurden von dort verbannt, nachdem sie versucht haben, die Macht an sich zu reißen. Jor-El hat ihren Plan vereitelt, Krypton zu erpressen, und hat eine Rakete gebaut, um sie ins All zu verbannen.

Jetzt sind sie – wie der Zufall so spielt – auf der Erde gelandet und wollen das Gleiche hier versuchen. Zuerst versetzen sie die Menschen in eine Starre, um ein Labor auszurauben. Unklar, was das soll, denn immerhin haben sie Superkräfte und können sich überall nach Belieben selbst bedienen. Aber immerhin lenken sie Superman ein wenig ab.

Die Drei schlagen ihm einen Deal vor: Wenn er sie im Kampf besiegt, hauen sie ab. Superman geht mit ihnen auf eine unbewohnte Insel, prügelt auf sie ein, wirft Felsbrocken nach ihnen, zerlegt die halbe Insel, aber er kommt nicht gegen sie an. Da kommt ihm eine Idee: Mittels seiner Bauchrednerkunst legt er einem der Brüder Worte in den Mund und hetzt so die anderen beiden gegen ihn auf. Die drei kloppen sich bis zum Umfallen, Superman baut ihnen eine neue Rakete und schickt sie zum Teufel.

Superman kann Bauchreden? Superman kann alles! Einfach alles. Herrje, wie öde. Lustiger wär’s gewesen, das Problem hätte sich von selbst erledigt. Aber in den 50ern galt: Wenn uns keine Lösung einfällt, zaubern wir einfach eine neue Superkraft aus dem Hut.

>> Liste der Superman-Comics

Catwomans letzter Wurf

Catwoman im Golden Age (Teil 16)

Titel: The Jungle Cat Queen

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1954 (Detective Comics #211)


Wieder sehen wir Catwoman auf Seite eins auf einer Katze reiten, einem Tiger, doch diesmal ist es nicht nur eine Metapher, diesmal wird es wirklich. Und das kommt so: Catwoman stiehlt Juwelen und fliegt mit ihrem neuesten Gefährt, dem Cat-Plane davon. Dieses Flugzeug hat sogar ausfahrbare Krallen … Batman und Robin haben keine Ahnung, wohin sie geflogen sein könnte, folgen ihr aber trotzdem auf die richtige Südsee-Insel, wo sie gemeinsame Sache mit Juwelendieben macht.

Catwoman im Cat-Plane

Batman und Robin werden gefangengenommen, in Tarzan-Uniformen gesteckt und von einem Löwen, einem Leoparden und einem Panther gejagt. An einem Katzentempel entdecken sie noch mehr Tiere, die aus einem Zirkus stammen, bringen die Großkatzen in ihre Käfige. Doch dann wird es noch wilder: Robin wird von einem Gorilla mit King Kong-Ausmaßen angegriffen und nimmt es mit einem Löwen auf, Batman wird wieder in sein Kostüm gesteckt und gefesselt einen Wasserfall hinabgeworfen. Catwoman sagt, sie hätte alle Hilfsmittel aus seinem Gürtel entfernt. Hat sie aber nicht.

Batman und Robin gegen King Kong

Batman überlebt dank Klinge und Seil, fesselt Catwoman und nimmt die Diamantenbande hoch. Doch Catwoman kommt frei und reitet auf einem Tiger davon. Robin fragt sich, ob es Nachlässigkeit war, dass sie die Klinge und das Seil im Gürtel gelassen hat, Batman glaubt das nicht. „Murder isn’t in the Catwoman’s heart. Sentiment is her weakness — and that’s why we’ll catch her next time!“

Catwoman flieht auf einem Tiger.

Aber das nächste Mal wird erst in zwölf Jahren sein. So lange wird es dauern, bis Catwoman wiederkehrt. Die Schurkin fällt nämlich dem vorauseilenden Gehorsam des Comics Code zum Opfer. Was einerseits seltsam ist, weil sie Batman vom Verdacht befreien konnte, schwul zu sein. Andererseits ist eine Verbrecherin auch kein guter Umgang für einen Helden – und daher auch kein Vorbild für die Jugend.

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Die Katze lässt das Mausen nicht

Catwoman im Golden Age (Teil 15)

DC Comics

Titel: The Crimes of the Catwoman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Bob Kane

Erschienen: 1954 (Detective Comics #203)


„They say a leopard never chances its spots …“ (Catwoman)

Einblick in eine Zeitungsredaktion: Wenn gerade Nachrichtenflaute herrscht, berichtet man eben live aus dem Archiv. Und weil Batman und Robin die Straßen von Verbrechen befreien, bringt die Gotham Gazette einen Rückblick auf die größten Abenteuer des Dynamischen Duos. Als Selina Kyle die Zeitung liest, ist sie gar nicht erfreut. Obwohl sie ihr Leben als Catwoman aufgegeben hat, kommt ihr Ego durch. Batman gibt an, er wäre schlauer als sie? Na, der kann was erleben!

Kurz darauf sind alle guten Vorsätze vergessen und Selina trägt wieder ihr lila Kostüm. Catwoman kommt mit einem großen Auftritt wieder, angekündigt durch das Cat-Signal am Himmel stiehlt sie mittels eines Cat-apults Iridium aus einem fliegenden Hubschrauber.

Als nächstes setzt sie „Catbirds“ ein, um bei einer Löwen-Vorstellung in einem Zirkus die Einnahmen zu stehlen. Dabei bekommen ihre Komplizen Gelegenheit, Batman abzuknallen, aber da zeigt sich ihre alte Schwäche für ihn: „I couldn’t bear to see him killed!“ Sie nimmt ihn als Geisel.

Batman befreit sich, indem er seine Fesseln von Katzen aufbeißen lässt. Beim Showdown beweist Catwoman, dass sie keine Angst vor Wasser hat. Sie lässt sich von einem Millionär in einem Cat-Fish fangen und will ihn um einen Juwelen bringen. Bei einer Verfolgungsjagd verschwindet sie spurlos im Wasser.

Die Geschichte zeigt die ganze Tragik der Figur, aber auch wie Superhelden-Comics funktionieren: Am Anfang gibt es nichts zu berichten, was zwar gut ist für die Gesellschaft, aber schlecht fürs Printgeschäft. Also lässt man eine geläuterte Kriminelle rückfällig werden. Niemand will ewig nur Selina Kyle sehen.

Für Selina Kyle geht es ums Ego, sie handelt zwanghaft, alles, was sie tut, unterwirft sie dem Diktat ihrer Katzenmanie. Bloß von Katzen umgeben zu sein, hat ihr nicht gereicht. Zugleich erkennt man an den vielen Wortspielen mit „cat“, wie die Storys im Golden Age geschrieben wurden, nämlich mit einem Wörterbuch. Nicht nur alles, was mit Katzen zu tun hat, sondern auch, was die Silbe „cat“ enthält, wird hier bemüht. Damit verfallen die Autoren dem Diktat der Sprache, damit Catwoman auf ihre „cat-astrophe“ zusteuern kann, die tatsächlich einen Untergang bedeutet.

Die Geschichte von Catwoman zeigt exemplarisch, welchen Zwängen Helden, Schurken, Verleger und Autoren unterliegen. Daher muss bei Batman (und bei Superhelden überhaupt) immer alles zum Status quo zurückkehren, die Geschichten folgen einem unentrinnbaren Zyklus. Ein sinnloser Kreislauf? Nein, es geschieht alles zu unserer Unterhaltung.

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Catwomans Nachfolger

Catwoman im Golden Age (Teil 14)

DC Comics

Titel: The King of the Cats

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1952 (Batman #69), Hardcover 2015 (Catwoman: A Celebration of 75 Years)


Selina Kyle kommt einfach nicht zur Ruhe. Sie hat dem Verbrechen abgeschworen, doch schon wieder imitiert ein anderer ihre Methode, indem er Katzen Juwelen rauben lässt. Batman und Robin befürchten schon, dass Selina rückfällig geworden sein könnte, doch dann offenbart sich ihnen eine Überraschung: ein neuer Schurke, der sich King of the Cats nennt.

Der Mann trägt ein hautenges violettes Kostüm mit Katzenschwanz und fährt mit einem eigenen Kitty-Car davon. Bald darauf schlägt er immer wieder zu. Als das Dynamische Duo Selina Kyle dazu befragt, scheint sie darin involviert zu sein. Der King of Cats schickt ihr Blumen … Später stellen sie fest, dass sie tatsächlich von ihm weiß. Der Schurke will sie dazu überreden, seine Königin des Verbrechens zu werden. Batman geht dazwischen, doch Selina verhindert, dass er den King festnimmt. Sie versucht ihn lieber zu überreden, wieder ehrlich zu werden.

Spätestens hier könnte Batman Selina der Polizei übergeben. Doch es ist alles anders als man denkt. Als der King of Cats versucht, einen schwarzen Löwen zu kidnappen und er im Kampf mit Batman in ein Tigergehege fällt, rettet Catwoman den King und riskiert ihr Leben, um Batman zu schützen. Am Ende stellt sich heraus: der King of Cats ist Karl, Selina Kyles Bruder! Und er sieht ein, dass er sich bessern muss. Merkwürdig erscheint nur, dass in einem Panel zwischen den beiden viele Herzchen erscheinen. Aber Geschwisterliebe ist bekanntlich ein zweideutiger Begriff …

Diese Catwoman-Story erinnert (wie die vergangene) an das Prinzip von Two-Face im Golden Age. Nach einem Auftakt als Verbrecher wurde Two-Face ebenfalls resozialisiert und danach kamen drei Nachahmer, bis er selbst wieder rückfällig wurde. Catwoman wird das nächste Mal zur alten Gewohnheit zurückkehren …

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