Jokers Schnitzeljagd durch die Staaten

batman #8 1941

DC Comics

Titel: The Cross Country Crimes

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Batman #8), Paperback 2017 (Batman: The Golden Age Vol. 3), 2019 (The Joker: His Greatest Jokes)


Als es noch kein Batsignal gab, mussten Batman und Robin per Radio von den Behörden kontaktiert werden. Diesmal kommt eine Einladung aus Washington D.C.: Der Chef des FBI, G. Henry Mover (wer gemeint ist, dürfte klar sein), will das Dynamische Duo ehren – eine Anordnung des Präsident höchstselbst. Da die beiden gerade keine bösen Buben jagen, ziehen sie sich um und fahren los. In der Hauptstadt werden sie mit einer Parade begrüßt.

Doch kaum haben sie Mover die Hand geschüttelt, wird er angeschossen vom Joker. Das ganze Land ist in Aufruhr. 100.000 US-Dollar Belohnung für jeden, der ihn fasst – tot oder lebendig. Dann fordert der Joker Batman und Robin mit einer Radiodurchsage heraus. Als die beiden beim Sender eintreffen, finden sie eine Joker-Karte: „Guess where I am going now, Batman“, steht darauf. Es ist nicht schwer zu erraten, denn der Joker hat New Jersey darunter geschrieben und noch die Umrisse des Bundesstaates eingezeichnet. Allerdings ist das „New“ durchgestrichen …

Und so beginnt eine Schnitzeljagd. Das Dumme ist nur: New Jersey ist groß. Also wo anfangen? Bruce und Dick entspannen erstmal im Theater. Doch dann raubt der Joker auf der Bühne Juwelen. Er hat es nicht eilig, wartet sogar ab, bis Bruce und Dick sich umziehen und auf die Bühne schwingen. Aber er entkommt. Wieder lässt er eine Karte da: diesmal steht Ohio drauf. Dann geht die Reise nach Kansas und Delaware, wobei das D darin wieder durchgestrichen ist.

Batman erkennt des Rätsels Lösung: Zusammen bilden die Anfangsbuchstaben den Namen Joker – falls man am Ende Rhode Island hinzufügt. Und das ist auch der nächste Aufenthaltsort des Clowns.

Der Joker ist hier noch ein skrupelloser und gewiefter Schurke. Andere Gauner schaltet er mit vergifteten Zigarren aus, einen Bus lässt er mit einer falschen Straßenmarkierung in den Abgrund fahren. Es kommt zu spektakulären Verfolgungsjagden in den Gondeln einer Seilbahn und auch auf den Dächern fahrenden Autos. Der Joker narrt Batman und Robin mit einem Dummy, der ihm täuschend ähnlich sieht und unter Strom steht.

Das waren noch Zeiten, als der Joker noch ein ernstzunehmender Gegner war. In den 50ern sollte sich das ändern. Aber nach dem tieferen Sinn dieser Schnitzeljagd sollte man lieber nicht fragen. Und wie geht es eigentlich dem FBI-Chef? War wohl nur halb so wild …

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80 Jahre Batman: Eine Bestandsaufnahme

Der Autor Timur Vermes hat Ende August bei Spiegel Online Batman zum 80-jährigen Jubiläum ein Armutszeugnis ausgestellt: „Batman ist 80 und hat ein Problem: In seinem Universum läuft ihm der Joker den Rang ab – denn der Dunkle Ritter schmort heute viel zu oft im eigenen Saft“, heißt es da. Batman – ein „Wegducker“, denn er er befasse sich „nicht mit der Welt, nur mit sich selbst.“ Vermes wünscht sich mehr Realismus, wie zu Zeiten von Neal Adams in den 70er Jahren. Batman soll heute lieber gegen Pharmahersteller, Terroristen und rassistische Präsidenten kämpfen. „Kurz: Batmans eigentliche Baustelle.“ Aber ist das wirklich so?

Als Belege führt Vermes einige aktuelle Bände wie Batman Metal, Der Weiße Ritter, Joker-Riddler-Krieg und Batman vs. Deathstroke an, aber auch die Storyline Niemandsland, die allerdings aus dem Jahren 1999 und 2000 stammt. Eine 20 Jahre Geschichte dient nicht gerade als Maßstab für den heutigen Batman, das allein macht Vermes‘ Analyse fragwürdig, aber auch die restliche Auswahl wirkt eher willkürlich und nicht beispielhaft für den aktuellen Batman.

Aber gehen wir es mal durch: Zugegeben, weder der Joker-Riddler-Krieg noch Batman vs. Deathstroke sind Meisterwerke. Und Metal ist tatsächlich so voraussetzungsreich, dass man selbst als Hardcore-Fan und Allesleser leicht den Überblick verliert. Das ist schon lange ein Problem dieser Mega-Events. Es geht um alles mit allem und jedem – und das ist meist zu viel.  Steht es für den alltäglichen Batman? Nein. Der kosmische Weltretter Batman war schon immer eine Ausnahme-Erscheinung. Es gibt immer noch die kurzen Geschichten, die man ohne viele Vorraussetzungen lesen kann.

Der Weiße Ritter findet bei Vermes Gnade, er nennt ihn (zusammen mit dem Joker-Riddler-Krieg) „recht unterhaltsam“, aber findet das Problem, dass der Joker die „stärkere Marke“ bilde. Das allein ist keine originelle Beobachtung, sondern ein Gemeinplatz: Der Held ist immer nur so gut wie sein Gegner. Der Schurke macht erst die Story. Auch Luke Skywalker und Harry Potter haben nur eine Daseinsberechtigung, weil sie gegen Darth Vader und Voldemort kämpfen.

Allerdings hinkt der Vergleich, denn Batman ist als düsterer Antiheld immer noch interessanter als diese blassen Abziehbilder von Helden. Der Joker bringt natürlich erst die Würze: Das war schon im Film mit Michael Keaton so und auch in The Dark Knight mit Christian Bale und Heath Ledger. Das ist keineswegs eine Fehlentwicklung. Was passiert, wenn man Batman so irre macht, wie seine Gegner, kann man an Frank Millers All-Star Batman and Robin, the Boy-Wonder sehen.

Bleibt also die Frage: Sollte Batman lieber gegen Schurken aus der echten Welt kämpfen? Allein die Frage zeugt schon von Unkenntnis und einem Fehlverständnis der Figur. Zum einen kämpfte Batman schon immer gegen Kriminelle – kleine wie große – und tut es immer noch. Gegen eine kriminellen US-Präsidenten wie Lex Luthor ging er zusammen mit Superman vor, als Donald Trump noch Demokrat war. Er setzt sich für die Armen und Schwachen, für Migranten und Flüchtlinge ein. Im Niemandsland (vor allem in der Vorgeschichte) ist Bruce Wayne sogar politisch tätig, damit Gotham nicht von der Außenwelt abgeschnitten wird. Aber auch in Storys der vergangenen Jahre ging es immer wieder um soziale Themen aus dem wahren Leben.

Batman: The Dark Knight

DC Comics

Um ein mutiges Beispiel zu nennen: In Voiceless/Angel of Darkness (Batman: The Dark Knight #26-27, 2014) wird eine Migrantengeschichte erzählt – und zwar ohne Worte. Bruce Wayne wird zum Philanthropen, um einer Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. Ein Comic wie White Knight ist sogar sehr politisch, ohne dass es ein direkter Kommentar zu Trump sein muss – den haben dafür Frank Miller und Brian Azzarello in Dark Knight III gebracht.

Allerdings: Batmans Kerngeschäft besteht nicht im humanitären Einsatz oder darin, korrupte Politiker und kriminelle Unternehmer zu jagen. Er trägt ein Fledermauskostüm, um sich vor allem Gegnern zu stellen, die ihm ähneln und ihm gewachsen sind. Wir lesen Batman, damit er gegen Verrückte Kostümträger mit bestimmten Ticks wie Joker, Two-Face, Catwoman und Riddler kämpft, oder Freaks wie Clayface und Man-Bat. Dazu gehören auch Vertreter des organisierten Verbrechens wie Pinguin oder Black Mask.

In welcher Form auch immer: Batman bekämpft das Verbrechen – aber in der Regel in einer Form, wie es einer Figur seines Formats entspricht. Er ist kein Polizist, sondern ein Vigilant, ein Typ für die härtesten Fälle. Ein Freak für die Freaks. Batman funktioniert seit 80 Jahren in unzähligen Inkarnationen, weil seine Mission eine universelle ist: Gerechtigkeit. Am Ende ist es nicht wichtig, wie realistisch seine Gegner sind oder wie viel seiner Probleme mit der Nachrichtenlage zu tun haben. Batman ist nicht dafür zuständig, unsere wahre Welt zu retten, er kann nicht mal sein Gotham vom Verbrechen befreien. Er ist ein moderner Sisyphus, der lediglich versucht, es besser zu machen. Er steht für einen unermüdlichen Einsatz für das Gute – aber eben in seinem fiktiven Universum. Wer mehr Realität will, der sollte die Nachrichten lesen. Wer mehr Realismus fordert, sollte The Wire schauen.

Ist Batman auserzählt?

Trotzdem ist die Frage berechtigt, ob der heutige Batman etwas taugt. Dann aber sollte man ihn an der Qualität der Geschichten beurteilen: Unterhalten sie? Fesseln sie? Werden sie dem Charakter gerecht? Leider ist das Meiste – wie üblich bei dieser Masse – Durchschnitt. Meistens sehr hochwertig gezeichnet, aber selten inspiriert erzählt.

Batmans Hauptproblem ist das Zuviel. Und das zeigt sich in drei Aspekten. Erstens: In vielen Comics wird zu viel geredet. Die Panels ersticken in Sprechblasen. Die Autoren ergehen sich in langen Ausführungen und Dialogen. Es sind fast schon Essays über Batman. Dabei wäre weniger wie immer mehr. Batman ist ein wortkarger Charakter. Autoren wie Scott Snyder und Tom King lassen aber gerne lange schwadronieren und schreiben unendliche Dialoge schreiben. Man kann argumentieren, dass auch The Dark Knight Returns voller Text ist, aber da sitzt jeder Satz – und kein Wort ist zu viel.

Zweitens: Viele Geschichten wollen zu viel: Zu viele Charaktere, zu viele Wendungen, immer wieder geht es um das große Ganze, bei dem ganz Gotham von Schurken übernommen, eingeäschert oder von einer Plage heimgesucht wird. Dieser Katastrophen-Effekt hat sich seit den 90ern verbraucht.

Drittens: Zu viel Geschichte. Am schwersten leidet Batman unter der Last seiner Tradition. 80 Jahre Comics, Filme und TV sind eine ungeheure Menge. Die Autoren bemühen sich, einen Spagat zu schaffen, indem sie einerseits der Tradition gerecht werden, andererseits auch etwas Neues zu bieten. Das Ergebnis ist ein Dauer-Remix: Sie verarbeiten meist bekannte Elemente und liefern mit vielen Anspielungen Fan-Service, aber dadurch steckt Batman leider in einer Wiederholungsschleife fest.

Begonnen hat alles in den 80ern. In dieser Zeit, dem sogenannten Dark Age der Superhelden, wurden mit Watchmen eine Art Schlussstein gesetzt. Superhelden wurden als Anachronismen und moralisch zweifelhafte Machtgestalten dekonstruiert. Ähnlich und fast zeitgleich tat Frank Miller das Gleiche für Batman in The Dark Knight Returns. Diese vierteilige Mini-Serie bildet auch so etwas wie den Abgesang auf Batman. Bruce Wayne hat aufgegeben und steigt als alter Mann noch einmal ins Kostüm, um eine verkommene Welt vor Two-Face, Joker und dem abtrünnigen Superman zu bewahren.

Es hätte das Ende sein können, ein perfektes Ende. Aber es ging weiter. Denn Unendliche Erzählungen müssen immer weitergehen. Wenn für Superhelden etwas zu Ende geht, beginnt es wieder von vorn. Miller erzählte danach Batmans Entstehungsgeschichte. In Year One sehen wir, wie der Dark Knight bereits als junger Mann einen düsteren Todestrieb und Selbstzerstörungstendenzen in sich trägt. Es ist ein Neustart, in dem der Sturz in den seelischen Abgrund und das sisyphoshafte Scheitern bereits vorweggenommen wird.

Noch zwei weitere Comics der 80er setzen diese Dekonstruktionstendenz fort: Moores The Killing Joke und Grant Morrisons Arkham Asylum. Batman wird hinterfragt, ihm werden Grenzen aufgezeigt, er wird zum ohnmächtigen Spielball seiner Schurken, er wird sogar einer von ihnen – er ist auch nicht mehr als ein verkleideter Spinner.

Spätestens hier ist alles über Batman gesagt. Warum? Weil seitdem kaum etwas Neues über ihn gesagt worden ist. Vieles, was danach kam, steht in der Tradition dieser vier Comics. Es blieb düster, wurde zwischendrin wieder optimistischer, aber es stand alles im Schatten der Meilensteine und setzte diese Tendenz fort. Auch Christopher Nolans Batman-Filme stützen sich stark auf diese Geschichten, bedienen sich zudem noch bei den 90ern wie Knightfall.

In den 90er- und Nuller Jahren wurde alles nochmal erzählt, aber zeitgemäßer. Schon The Killing Joke war ein Remake der alten Red Hood-Story, dann erschienen noch The Long Halloween, Batman and the Monster Men und The Man Who Laughs als Klassiker im neuen Gewand.

Dann kam Grant Morrison. 2006 hat er die Batman-Serie übernommen und nicht nur mit Bruce Waynes Sohn Damian (Robin IV) angereichert, sondern auch ein sechs Jahre dauerndes Epos über Tod und Auferstehung, bzw. Verschwinden und Rückkehr von Batman geschrieben. Diese Hyper-Story bedient sich so sehr bei den Comics des Silver Age, dass DC dazu eine eigene Compilation herausbringen musste, The Black Casebook, damit Leser die Anspielungen verstanden.

Scott Snyder setzt diese Tendenz seit 2011 fort. Auch er erzählt Geschichten, die mit Verweisen auf die Geschichte durchsetzt sind. Seine Joker-Story Death of a Family ist nichts anderes als ein Remix der größten Joker-Storys, sein Zero Year ist – erklärtermaßen – ein helleres Year One, das sich auch beim Red Hood-Mythos bedient und Frank Miller zitiert.

Auch andere Autoren wie Tom King und James Tynion IV recyceln die Tradition mit Anspielungen und Neufassungen bekannter Geschichten. Tom King zitiert Knightfall und beim Wiedersehen zwischen Bane und Batman geht es nur darum, wer wem das Rückgrat bricht. Und auch sonst scheint er nicht viel mit ihm anzufangen zu wissen. Statt Handlung liefert er bloß seitenlange Dialoge und Monologe.

Sean Murphy hat mit White Knight eine Story geliefert, die nichts anderes als ein Best of vertrauter Motive aus Vorgängergeschichten ist. Keine Frage: eine der besten Batman-Geschichten der vergangenen Jahre, aber kann man noch von einem „selbstständigen“ Comic sprechen, wenn so viel davon auf Althergebrachtem beruht? Geht es überhaupt noch anders, oder ist das die Falle, in der Batman steckt und stecken muss?

Schließlich lautet die Frage: Ist Batman auserzählt? Nein, das ist er nicht. Kann nicht sein. Darf nicht sein. Batman ist als unendliche Geschichte angelegt. Man könnte genauso argumentieren, es wären grundsätzlich schon alle Geschichten erzählt – aber das ist kein Grund, trotzdem neue zu erzählen. Aber: Es wird immer schwieriger, die Leser zu überraschen und zu begeistern, alte Leser zufriedenzustellen und neue zu gewinnen, ohne sie zu überfordern. Das ist schwierig. Es stehen uns harte Zeiten bevor, Autoren wie Lesern.

Die Scarecrow-Therapie

Batman Kings of Fear

DC Comics

Titel: Batman: Kings of Fear (dt. König der Angst)

Autor/Zeichner: Scott Peterson/Kelley Jones

Erschienen: 2018-2019 (Mini-Serie #1-6), Hardcover 2019 (dt. Panini 2019)


„I never should have become the Batman.“

Es ist das alte Spiel: Batman schnappt den Joker, bringt ihn nach Arkham und dort macht ihm eine Therapeutin Vorwürfe: Batman sei mitverantwortlich für all die kriminellen Verrückten. Durch ihn fühlen sie sich bestätigt. Dann sind plötzlich alle klassischen Schurken befreit. Batman verdrischt sie im Dunkeln. Nur Scarecrow bleibt am Ende stehen, entführt einen Arkham-Pfleger. Als ihn Batman auf der Flucht einholt, wird er mit einem neuen Angst-Gas traktiert.

Weil Scarecrow findet, dass Batman ernsthafte Probleme hat, beginnt eine Art Therapie. Batman soll ihm erzählen, was ihn bewegt, wie er geworden ist. Batman kann Realität und Halluzination nicht mehr unterscheiden. Er wird mit seinen größten Dämonen konfrontiert. Dann analysiert ihn Scarecrow und zeigt ihm, wie Gotham ohne Batman geworden wäre – nämlich ein besserer Ort. Seine größten Feinde wären nützliche Mitglieder der Gesellschaft. Kurz: Batman ist ein Irrtum …

Batman: Kings of Fear

DC Comics

Kings of Fear erzählt mehr eine innere Handlung als eine äußere. Wir lesen überwiegend Dialog über Selbstdiagnosen. Batman wird mal wieder hinterfragt und dekonstruiert. Seit den 80ern kommt das nicht aus der Mode. Tatsächlich erinnert das Konzept sehr an Grant Morrisons Arkham Asylum (1989) und Scarecrow durfte Batman bereits in Cycle of Violence (2012) analysieren. Die Spannung hält sich in Grenzen. Und als die Scarecrow-Handlung beendet ist, kommt noch ein viel zu langer Epilog, in Gordon und Alfred und eine Ärztin Batman versichern, warum er doch gebraucht wird. Alle paar Jahre braucht DC offenbar so eine Geschichte, auch wenn man das Gefühl hat, das schon zu oft gelesen zu haben.

Aber zum Glück sind da noch die wie immer schaurigen Zeichnungen von Altmeister Kelley Jones (Red Rain, Gotham After Midnight). Der scheint im Alter immer besser zu werden. Seine Albträume sind reiner Horror, niemand zeichnet Schurken monströser als er, gerade Scarecrow gelingt ihm auf jeder Seite sehr lebendig – und selbst Batman wirkt gruselig. Zugleich zeichnet Jones die Gesichter der Menschen viel realistischer, also weniger karikaturenhaft als in den 90ern. Zusammen mit einer breiten, leuchtenden Farbpalette können sich die tuschelastigen Zeichnungen zu einem psychedelischen Erlebnis entfalten.

Zusammen mit dem Text von Scott Peterson (ein früherer DC-Redakteur) entsteht zwar überdurchschnittlich intelligente Unterhaltung, aber eben keine innovative. Wer sich noch nicht an kritischen Batman-Analysen sattgelesen hat und eine Pause von der Action braucht, der wird hier seine Freude haben. Ansonst ist Kings of Fear aber vor allem ganz große visuelle Kunst.

>> Liste der Scarecrow-Comics

Alle werden Man-Bat

Detective Comics #19 (DC Comics)

Detective Comics #19 (DC Comics)

Anfangs war es nur einer, dann gab es zwei davon, schließlich eine ganze Familie: Vater, Mutter und zwei Kinder – alle Langstroms waren mehr oder weniger Man-Bats. Doch dann gibt es plötzlich einen ganzen Schwarm, der über eine Kunstausstellung herfällt und den britischen Premier entführt. Und mittendrin: Talia al Ghul. Sie hat die League of Assassins von ihrem Vater übernommen, Francine Langstrom entführt und Kirk erpresst, ihr sein Were-Bat-Serum zu geben. Damit macht sie ihre Bande zu schwertschwingenden Monstern. Und wozu? Um Bruce Wayne seinem Sohn, Damian Wayne vorzustellen – dem späteren Robin IV, nachzulesen in Batman and Son.

Das ist nur der Auftakt zu einem Trend: Fünf Jahre später, nach dem großen DC-Reboot The New 52, grassiert plötzlich eine Art Man-Bat-Virus in Gotham, der jeden infizieren kann (The 900, Detective Comics #19). Sogar der Killer Zsasz mutiert zum Monster. Verantwortlich ist der Kirk Langstrom, aber es handelt sich um ein Versehen: Der Genetiker hat eigentlich nur hörgeschädigte Kinder heilen wollen, indem er sie mit einem Echolot versorgt (auch wenn das mehr den Blinden nutzen würde), aber das Mittel, das er dafür entwickelte, ließ bereits die ersten Patienten zu Fledermausmonstern werden. Und durch ein kompliziertes Um-die-Ecke-denken macht Kirk alles wieder rückgängig, indem er sich selbst infinziert.

Verwandelt in Man-Bat fliegt Kirk davon. Daraufhin folgt ihm Francine nach, indem sie selbst (wie schon in früheren Comics) das Serum schluckt. Die beiden verwandeln sich von selbst wieder zurück, aber Kirk wird süchtig nach dem Zeug – und er greift anscheinend Menschen an. Kirk schüttet das Mittel weg, aber es ist zu spät. Er verwandelt sich auch ohne Drogen. Da verdächtigt ihn die Polizei wegen achtfachen Mordes. Francine deckt ihn mit Alibis. Doch Kirk findet heraus: Sie selbst ist für die Morde verantwortlich, denn sie hat sich mit einer Vampirfledermaus gekreuzt.

Francine ist auch sonst nicht, was sie scheint. Sie ist eine Spionin namens Felicity Lee, die sich im Auftrag ihres Arbeitgebers, Caldwell Industries, mit Kirk eingelassen hat, um mit seinen Erkenntnissen biologische Waffen zu erschaffen: fliegende Supersoldaten. (Wirklich Sinn ergibt das nicht, denn da Caldwell die Forschung finanziert, wäre es ein Leichtes, auch so an die Ergebnisse heranzukommen: Man hätte einfach fragen können.) Um das Serum zu testen, hat sie die Menschen von Gotham als Versuchskaninchen missbraucht. Als Kirk sie konfrontiert, kommt es zum Kampf. Francine erbarmt sich seiner, tötet ihn nicht und macht sich als She-Bat davon. (Die Story ist verstreut über mehrere Detective-Ausgaben, nachzulesen in Detective Comics Vol. 4: The Wrath.)

Während der Forever Evil-Krise (Descent, Detective Comics #23.4, 2014) macht Francine als She-Bat die Stadt unsicher und schnappt sich Kinder vom Spielplatz als Beute. Kirk hält sie auf, indem er wieder zum Man-Bat-Serum greift. Aber um sie besiegen zu können, hat er ihre beiden Formeln kombiniert. Das hat den Nebeneffekt, dass er als Man-Bat immer brutaler und animalischer wird. Als Batman verschwunden ist, räumt er in Gotham auf, indem er Verbrecher abschlachtet. Zwischendurch putscht er sich mit immer stärkeren Versionen des Serums auf, bis er selbst am Ende Kinder raubt …

In Detective Comics #26 (Vol. 5: Gothtopia) kommt es schließlich zum vorläufigen Showdown. Nachdem es zu weiteren Todesfällen kommt, bei denen mutierte Fledermäuse wie Piranhas Menschen abnagen, brechen Batman und Kirk Langstrom auf, um Francine alias She-Bat aufzuhalten. Doch sie hat sich weiterentwickelt, nennt sich nun Bat-Queen und herrscht über ein Volk von Killer-Fledermäusen.

Kirk verwandelt sich in Man-Bat und kämpft gegen sie, sie beißt ihn. Und weil Batman Kirk vorher mit einem Gegenmittel behandelt hat, verwandelt sich Bat-Queen zurück in Francine. Beide landen in Arkham Asylum, wobei Francine dann wieder Fledermausgestalt annimmt …

In Batman: The Dark Knight #28-29 wird noch ein unnötiges Nachspiel gebracht: Langstroms böser Vater Abraham verschafft sich das Serum, verbessert es, wird zu einer Art Super-Man-Bat, metzelt ein paar Leute hin. Wir erfahren von einer schwierigen Vater-Sohn-Beziehung, die erneut belastet wird. Abraham hält seinen Sohn für einen Versager. Der Sohn hat es aber zumindest geschafft, Arkham zu verlassen – jedenfalls ist davon nicht mehr die Rede.

Da Batman es nicht schafft, dem neuen Man-Bat das Gegenserum zu verabreichen, verpasst er es sich selbst und lässt sich von dem neuen Monster aussaugen. – Es störte bei DC offenbar niemanden, dass Batman bereits denselben Trick mit Kirk anwendete, um Francine zuzrückzuverwandeln. Aber Francine ist hier kein Thema mehr. Mit dieser Einfallslosigkeit endet vorläufig die Geschichte von Man-Bat.

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Joker: Der finale Trailer

Am 10. Oktober 2019 kommt Joker mit Joaquin Phoenix in die Kinos. Im finalen Trailer sieht man nicht nur neue Szenen daraus, sondern erfährt auch einiges Neues über die Figur: Der Joker heißt zunächst Arthur, geht in Therapie und hat es offenbar nötig: „All I have are negative thoughts“, sagt er. Aber die Therapie wird abgebrochen.

Arthur versucht sich als Comedian in einer Fernsehshow, die Robert De Niro hostet (Anspielung auf den Film The King of Comedy von Martin Scorsese), aber scheitert, da er niemanden zum Lachen bringt und versucht es dann später nochmal mit Clownsmaske.

Am Ende heißt es: „For my whole life I didn’t know if I even really existed. But I do. And people are starting to notice.“ Offenbar setzt der Joker, um Aufmerksamkeit zu bekommen und sich so seiner Existenz zu vergewissern, eine ganze Bewegung in Gang, die sich Clownsmasken anzieht: „We are all clowns“, heißt es auf einem Pappschild bei einer Demo. Erlaubt sich der Film etwa eine sozialkritische oder gar politische Dimension?

Dass Joker bereits auch in Programmkinos beworben wird, deutet bereits darauf hin, dass es sich um einen anspruchsvolleren Film handeln könnte. Mit den Comics soll er laut Regisseur Todd Phillips nichts zu tun haben. Vielleicht wird er nicht mal als Superhelden-Film durchgehen. Das wäre mal ein interessantes Wagnis.

>>> Zum ersten Joker-Trailer

Man-Bat im Blutrausch

Titel: Man-Bat – The Return

Autor/Zeichner: Bruce Jones/Mike Huddleston

Erschienen: 2006 (Man-Bat #1-5), Paperback 2018 (Tales of the Man-Bat)


Ein junges Paar wird in einer Höhle abgeschlachtet. Dann zwei Polizisten. Dann noch eine alte Frau in ihrem Zuhause. Francine Langstrom hat den bösen Verdacht, dass ihr Mann Kirk es getan haben könnte – als Man-Bat. Doch der behauptet, sich nicht erinnern zu können.

Die Langstroms haben mittlerweile zwei Kinder: Eine Tochter und einen Sohn, der dauerhaft nach Fledermausmensch aussieht. Doch das Familienglück endet drastisch, als Kirk eines Nachts feststellt, dass Frau und Kinder brutal ermordet wurden – wahrscheinlich von ihm selbst, ohne sein Bewusstsein.

Kirk versucht, sich umzubringen, aber daraus wird nichts. Die Bestie in ihm lässt sich nicht töten. Weitere Menschen sterben. Als Batman den Fall untersucht, kommen ihm Zweifel, dass Man-Bat hinter allem steckt. Denn es tauchen auch Hush, Black Mask und Murmur auf.

Bei aller Drastik wird Langstrom auffallend schnell damit fertig, dass er seine Familie getötet hat. Obwohl sich die Geschichte über fünf Ausgaben erstreckt, bleibt für den Charakter nicht wirklich Raum, sich zu entwickeln, denn Autor Bruce Jones musste noch Hush und Black Mask unterbringen, um die Story komplizierter zu machen als nötig. Das führt dazu, dass bei diesen Intrigen im Hintergrund die Hauptfigur zu kurz kommt.

Höhepunkt: Batman versucht, den Mann in Man-Bat zu wecken, er entledigt sich dazu sogar seiner Maske, seines Kostüms und seines Allzweckgürtels. Und dann wird es spannend, denn Batman geht dabei fast drauf. Kirk landet daraufhin in der Bathöhle. Ansonsten wird mehr auf Gemetzel gesetzt als auf eine spannende Story.

Mike Huddleston zeichnet in einem dynamischen Stil zwischen Mike Mignola und The Animated Series, besonders bemerkenswert sind aber seine episch und höchst dramatisch gemalten Cover. Das ist aber auch schon das Beste, was man über diesen dritten Versuch sagen kann, Man-Bat zum Protagonisten einer eigenen Serie zu machen.

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Man-Bat fliegt zum Nordpol

Titel: Darkest Night of the Man-Bat: Predation/Pursuit/Predemption

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1996-1997 (Batman #536-538), Hardcover 2018 (Batman by Doug Moench & Kelley Jones)


In der Final Night ist die Sonne erloschen. Die Welt friert in ewiger Nacht. (Nur der Mond scheint sonderbarerweise noch …) Das löst Kirk Langstroms niedere Instinkte aus, er verwandelt sich in Man-Bat und macht die Stadt unsicher. Er frisst Katzen und Fische, aber die Menschen sind es, die Angst vor ihm haben. Zurecht, denn Langstom hat in Monstergestalt sogar seine Frau Francine angegegriffen.

Batman nimmt die Fährte auf, um Langstrom zu helfen und ihn wieder zurückzuverwandeln, aber Man-Bat sträubt sich dagegen und flieht – zum Nordpol. Denn dort hat eine geheime Forschungseinrichtung, die neue Waffen testet, eine Strahlung ausgesendet, die Man-Bat angelockt hat. Eine andere Erklärung ist, dass Man-Bat als nachtaktives Wesen die Polarnacht aufsuchen wollte, aber das ergibt nur wenig Sinn, wenn auf der ganzen Welt die gleiche Finsternis herrscht.

Nun gut, Batman fliegt also hinterher. Man-Bat ist mittlerweile in einer Höhle zu einem Eiszapfen gefroren und wird von den Forschern gefunden. Als er obduziert werden soll, wacht er auf, wehrt sich und entkommt. Man-Bat hungert und sucht verzweifelt nach Nahrung. Er muss sich zusammenreißen, keine Menschen zu fressen, aber das Tier in ihm dominiert immer mehr. Jäger wollen ihn erschießen, aber Batman kann das verhindern, er heilt ihn und bringt ihn zurück.

Das Zweigespann von Doug Moench und Kelley Jones hat den Vorteil, dass der Zeichner die meist gewöhnlichen Geschichten eine ungewöhnliche Stimmung verleihen. Durch die vielen harten Schatten und den expressiven Zeichenstil wirkt ein Monster wie Man-Bat noch schauriger – und Batman, obwohl ein Held, steht ihm in nichts nach. Besonders anschaulich wird das auf den minimalistischen Covern.

Diesen Zeichnungen ist es zu verdanken, dass man Doug Moenchs pseudowissenschaftliches Geschwafel über elektromagnetische Felder, Nikola Tesla und das Tunguska-Ereignis erträgt, mit der er seine dünne Story unnötig aufbläst. Wahrscheinlich erinnert der Dreiteiler nicht von ungefähr an John Carpenters Horrorfilm „The Thing“, aber dann hätte man deutlich mehr aus der Idee machen können. So ist Man-Bat am Nordpol eine ziemlich weit hergeholte Idee, die nicht viel zu der Figur beiträgt, weil sie im ewigen Eis auch nichts zu suchen hat.

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Vorschau auf Animationsserie „Harley Quinn“

Harley Quinn bekommt im Oktober eine eigene Zeichentrickserie auf dem Streamingdienst DC Universe. Die erste Vorschau, die zugleich ein Blick hinter die Kulissen ist, zeigt, dass es eine Serie für Erwachsene sein wird: Knochen brechen, Blut fließt, Köpfe explodieren – und es wird geflucht.

Mit dabei wird natürlich der Joker sein (gesprochen von Alan Tudyk), von dem sich Harley (gesprochen von Kaley Cuoco) immer noch zu emanzipieren versucht, aber auch Poison Ivy, Clayface, Riddler, Batman und Wonder Woman werden eine Rolle spielen.

Harley Quinns Look orientiert sich zunächst an Batman: The Animated Series, dann aber an dem Punk-Stil aus dem Suicide Squad-Spielfilm, der sich auch in den Comics niedergeschlagen hat.

Wo und wann Harley Quinn auf Deutsch erscheinen wird, steht noch nicht fest.

Man-Bat: Aus dem Dschungel, in den Dschungel

Titel: Man-Bat

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Flint Henry

Erschienen: 1994/1996 (Showcase ’94 #11, Man-Bat #1-3), Paperback 2017 (Batman Arkham: Man-Bat), 2018 (Tales of the Man-Bat)


Man-Bat lebt im Exil, irgendwo im lateinamerikanischen Dschungel. Ein Forschertrupp kommt, um ihn zu suchen. Darunter ist auch Simmons, ein Mann, der es auf Francine abgesehen hat. Seine Hoffnung: Wenn er Kirk erledigt, hat er freie Bahn. Es kommt zur unvermeidlichen Konfrontation, die natürlich das Monster überlebt …

Zwei Jahre nach diesem Vorspiel, erschienen in Showcase ’94, bekommt Man-Bat eine eigene Miniserie. Man-Bat kehrt zurück in den Großstadtdschungel Gotham City. Kurz darauf sterben Menschen. Forscher, um genau zu sein, allesamt Genetiker. Alle auf brutale Weise umgebracht. Die Polizei zieht den naheliegenden Schluss, dass Man-Bat dahintersteckt, aber tatsächlich ist es ein ganz neuer Killer: ein geflügeltes, entstelltes Monster in einer glänzenden Rüstung.

In einer Rückblende erfahren wir, dass Kirk und Francine Langstrom bei einem unethischen Genetik-Experiment teilnehmen sollten, bei dem es darum ging, menschenähnliche Wesen ohne Bewusstsein zu züchten, um an ihnen Experimente durchzuführen. Jetzt rächt sich eine diese Ausgeburten an den Forschern, auch den Langstroms, obwohl sie am wenigsten bis gar nichts damit zu tun hatten.

Na ja. Das Ganze ist ebenso schnell nacherzählt wie es sich liest: Die drei Teile werden mit großen, detailreichen Bildern gefüllt, in denen Zeichner Flint Henry alles noch hässlicher, ekelhafter und monströser erscheinen lässt, als es unbedingt sein muss. Durch die vielen Linien muss man das Heft jedoch einige Male auf Abstand halten, um zu sehen, was da dargestellt wird. Leicht verliert man den Überblick.

Man-Bat ist kein interessanter Charakter, weil ihm jegliche Menschlichkeit fehlt, außer für seine geliebte Francine. Er ist ein rein triebgesteuertes Tier, das sinnlos durch die Gegend fliegt, bis es seine Frau beschützen kann. Zwischendurch päppelt Killer Croc den geflügelten Helden auf. Und Batman? Der kommt nur am Rande vor. Er hatte wohl keine Lust auf mehr als einen Cameo-Auftritt in dieser Fließbandware von Story. Verständlich.

>> Liste der Man-Bat-Comics

Erster Spin-off zu „White Knight“: Von Freeze

DC Comics

Während Sean Murphys gefeierte Miniserie Batman: White Knight (dt. Der weiße Ritter) in die zweite Runde geht (Curse of the White Knight), legt der Autor nach mit einem ersten Spin-off: Im November erscheint Batman: White Knight Presents Von Freeze #1. Darin wird die Vorgeschichte der neuen Version von Mister Freeze nacherzählt. Bei Murphy ist er ein deutschstämmiger Wissenschaftler mit einer bewegten Familiengeschichte.

Die Story: Victor Fries rettet Bruce Wayne am Tag seiner Geburt das Leben und erzählt Thomas die Geschichte seines Vaters: Baron von Fries war ein Wissenschaftler in Nazi-Deutschland, der zusammen mit dem Juden Jacob Smithstein an Kryo-Technologie geforscht hat. Als Heinrich Himmler Fries auffordert, die Technik als Waffe zu nutzen, kommt es zur Krise: Smithstein muss sich verstecken, um seine Frau und seine Tochter Nora zu retten …

Da Sean Murphy mit dem Zeichnen der Haupt-Serie beschäftigt ist, übernimmt für den One-Shot Batman-Veteran Klaus Janson den Job. Janson hat unter anderem in den 80ern Daredevil gezeichnet (viel später Daredevil: End of Days) und war Tuscher bei Frank Millers The Dark Knight Returns sowie Zeichner bei Batman: Gothic und der Ra’s al Ghul-Story Death and the Maidens.

Eine Vorschau auf den Comic und ein Interview mit Murphy und Janson gibt es bei Screenrant.

>> Liste der Mister-Freeze-Comics