Comic

Von Arkham bis ans Ende der Welt

DC Comics

Titel: Batman – Last Knight on Earth

Autor/Zeichner: Zack Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2019 (#1-3), Hardcover 2020


Es beginnt mit einem seltsamen Fall für Batman: Jemand zeichnet in ganz Gotham eine Kreidelinie auf die Straße, die Batmans Silhouette bildet, wie bei einer Leiche an einem Tatort. Batman folgt der Spur zur Crime Alley, wo er einen halbverwesten Jungen findet, der auf ihn schießt.

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Plötzlich findet sich Bruce Wayne als Patient in Arkham Asylum wieder, wo ihm ein Arzt, der aussieht wie der Joker, erklärt, er habe sich die Sache mit Batman nur eingebildet und sei jetzt auf dem Weg der Besserung (vgl. Mask). Alfred taucht auf und bestätigt das. Doch als Bruce sich wehrt und ausbrechen will, klärt ihn Alfred auf, dass die ganze Show nur inszeniert wurde, um ihn vor der bitteren Wahrheit zu schützen: Gotham und der Rest der Welt sind nicht mehr. Das Böse hat gesiegt.

Dann wacht Bruce in einer Wüste auf und findet den sprechenden Kopf des Jokers in einem Glas. Gemeinsam laufen sie durch eine post-apokalyptische Welt, in der ein neuer Schurke namens Omega alles beherrscht, während nur noch wenige Helden im Untergrund Widerstand leisten.

Eine völlig neue Welt

Keine Sorge, nichts gespoilert, das war nur der erste von drei Teilen. Was danach folgt, ist eine Reise durch die zerstörte Welt, bei der Batman herauszufinden versucht, was genau passiert ist. Autor Scott Snyder und Zeichner Greg Capullo, die bereits zehn Bände Batman und das Event Dark Nights: Metal miteinander gemacht haben, tischen für ihr angeblich allerletztes Batman-Abenteuer einen Haufen skurriler Ideen auf, mit der sie ihrer Dystopie anreichern. Es liest sich zuweilen wie ein Remix einiger Elseworlds-Storys.

Wie so oft gibt es einige überraschende Wendungen, zum Schluss sogar eine sehr überraschende, aber vor dem Hintergrund der Batman-Comics der vergangenen Jahre durchaus nachvollziehbare – allerdings nur, wenn man die Bezüge und Anspielungen versteht. (Angefangen von Court of Owls bis Bloom.)

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Damit ist Last Knight On Earth (wie schon Metal und The Batman Who Laughs) ziemlich voraussetzungssreich, wodurch sich viele unbedarfte Leser hier abgehängt fühlen könnten. Aber auch Fans, die die ganze Vorgeschichte kennen, müssen sich in dieser völlig neuen Zukunftswelt mit ihren ganz eigenen Regeln zurechtfinden – so wie der Held. (Ich muss zugeben: Ich habe selbst nicht alles verstanden.)

Wenn ein Meister wie Greg Capullo am Werk ist, lässt man sich gerne auf dieses Spiel ein. Und dankenswerterweise ist die Story trotz ihrer Fülle kurzweiliger als das, was zuletzt von Snyder kam.

Ach ja, das Ende ist das übrigens noch lange nicht: Im Mai beginnt das Event Dark Nights: Death Metal – ebenfalls von Snyder und Capullo, und ebenfalls mit Batman.

>> Batman 2011-2019


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Joker bringt Batman zum Lachen

DC Comics

Titel: This One’ll Kill You/The Joker’s Playground of Peril

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Irv Novick

Erschienen: 1975/1977 (Batman #260, 286), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Viele Joker-Geschichten beginnen damit, dass der Joker aus Arkham ausgebrochen ist. Das Wie wird selten erklärt, als wäre es ganz normal, dass ein Massenmörder bei einer geschlossenen Anstalt ein- und ausgeht. Zwei Geschichten aus den 70ern machen sich immerhin die Mühe und gehen dabei einigermaßen kreativ vor.

In This One’ll Kill You vergiftet der Joker in Arkham den Kaffee der Wärter, lässt sie in Gelächter ausbrechen und sie lassen ihn entkommen. Doch vorher taucht Batman auf (er hat einen Tipp von Two-Face bekommen) und bekommt im Handgemenge mit den Insassen selbst einen Schluck vom Kaffee ab. Daraufhin lernt der Dunkle Ritter das Lachen – und zwar bei den unpassendsten Gelegenheiten.

Nur zwei Ärzte haben das Gegenmittel, nur einer ist in den USA – doch der Joker schickt ihm Blumen und die sind dann das letzte, das er zu schnuppern bekommt. Also muss Batman nach London fliegen, wo der zweite Arzt ist. Aber dort lässt er sich auch nur lachend vom Joker umhauen.

Im Finale, im stillgelegten Comedy Manor, inszeniert der Joker eine Hinrichtung des Arztes mit einer Guillotine. Während eine Kerze das Seil ankokelt, das das Fallbeil hält, erzählt der Joker einen schlechten Witz nach dem anderen. Batman kippt fast um vor Lachen. Doch dann beherrscht er sich mit einem Trick: Er denkt an Marx-Brothers-Szenen, die wirklich lustig sind. Denn wie sich später herausstellt, wirkt das Joker-Gift nur bei schlechten Witzen.

Womit wieder bewiesen wäre: Clowns sind nicht komisch.

Joker-Jagd auf dem Rummelplatz

DC Comics

Eine andere kreative Form des Ausbruchs findet sich in The Joker’s Playground of Peril (Batman #286, 1977). Der Joker entführt einen Psychiater, was sehr naheliegend ist, aber er tut es in einem Eiswagen, was dann wiederum die Frage nach der Intelligenz des Wachpersonals aufwirft. Auf der Straße schmeißt der Joker den Psychiater raus und bespritzt ihn mit einer Flüssigkeit, die ihn schrumpfen lässt. (Achtung, Wortspiel mit „shrink“!)

Wie der Joker an das Mittel kommt, um diesen Gag auszuführen, wird nicht erklärt. Daraufhin folgt eine Jagd über den Rummelplatz. Batman sucht eigentlich einen Juwelenschmuggler, findet den Joker, der aber nur der als Joker verkleidete Anwalt des Jokers ist, wie sich im Liebestunnel (!) herausstellt. Zwischendrin brennt noch eine Rutsche, Batman muss ein Kind retten. Und als am Ende endlich der wahre Joker auftaucht, spritzt er Batman Senf ins Gesicht und es kommt zum Showdown im Spiegelkabinett. Der Joker versucht, Batman zu erwürgen. Einfallslos, aber effektiv, wenn man die baldige Rückkehr in die Gummizelle vermeiden will.

Darum ging es also in der Geschichte: Der Joker wollte sich an seinem Anwalt rächen, weil er ihn nicht vor dem Irrenhaus bewahrt hat. Aber warum hat der sich dann überhaupt so verkleidet wie der Joker, wenn er Angst vor ihm hat? Fragen über Fragen – Batmans Welt bleibt trotz aller Erklärungen oft rätselhaft …

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Batman als Trauerbewältigung

DC Comics

Titel: Batman: Creature of the Night (dt. Kreatur der Nacht)

Autor/Zeichner: Kurt Busiek/John Paul Leon

Erschienen: 2017-2019 (Mini-Serie #1-4), Hardcover 2020; dt. Panini 2020


„The world doesn’t become what we want, just because we want it to.“ (Alfred)

Realismus und Superheldencomics – das ist ein Thema, über das man eine Doktorarbeit schreiben könnte. In ihren ersten drei Jahrzehnten hatten Superheldencomics fast nichts mit der Realität zu tun, und dann immer weniger. Es waren meist eskapistische Kindergeschichten. Was mit Adam Wests Batman zumindest eine Weile Kult war, musste sich später den Vorwurf gefallen lassen, dass Superhelden die Relevanz fehlte, sich mit der Welt auseinander zu setzen.

Spätestens seit dem Bronze Age änderte sich das: Superhelden nahmen sich realer Probleme an. Sozialkritik hielt Einzug in die Comics, aber auch immer wieder der Vorwurf: Wenn Superhelden so mächtig sind, warum erlösen sie dann nicht die Welt? Die Antwort, die man dann lesen konnte, war: Weil die Menschen ihre Probleme selbst lösen müssen. (Zwischen den Panels stand natürlich: Weil es dann nichts mehr für Superhelden zu tun gäbe.)

Kurt Busiek hat sich in den 90ern mit Marvels gefragt: Was wäre, wenn die Marvel-Helden tatsächlich Teil unserer Welt wären? Wie würden die Menschen darauf reagieren? Was würde es mit uns machen? Und dann ging er mit Superman (Secret Identity) noch weiter: Was wäre, wenn in einer Welt, in der Superman nur ein Comic-Held ist, tatsächlich ein Junge Superkräfte bekäme wie er?

Batman-Fanboy wird zum Opfer

Das Resultat war nicht ganz so spannend wie Marvels, wurde aber gemeinhin gefeiert. Und was sich einmal gut verkauft, kann man in der Regel auch ein zweites Mal an die Leser bringen. Also Busiek das Gleiche noch einmal mit Batman gemacht: Creature of the Night.

Der Held der Geschichte ist Bruce Wainwright, ein Junge, der Ende der 60er mit seinen Eltern in Boston lebt – eine ganz normale Mittelstandsfamilie. Bruce ist ein Batman-Fan, liest Comics, verkleidet sich zu Halloween. Dann kommt er seinem Idol sehr nahe, als bei einem Einbruch seine Eltern erschossen werden. Bruce wird aber nicht zum Rächer, sondern zu einem Musterschüler und verwendet sein Erbe, um ein Super-Investor zu werden und (inspiriert von Comics wie Batman #217) Opfern von Verbrechen zu helfen, wie etwa einem Mädchen namens Robin.

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Doch in der Stadt taucht auch eine geflügelte schwarze Gestalt auf, die sich aus Fledermäusen zusammensetzt und Verbrecher dahinmetzelt. Allerdings spricht niemand darüber. Für Bruce stellt sich die Frage: Bildet er sich das nur ein? Hat er vielleicht sogar die Kreatur erschaffen? Wird aus Wunschdenken Realität? Nein, sagt sein Vormund, ein Onkel, den Bruce (natürlich) Alfred nennt. Das Leben ist kein Wunschkonzert. Aber was ist, wenn doch?

Bruce und Batman machen später gemeinsame Sache gegen das organisierte Verbrechen, doch merkt Bruce schnell, wie aussichtslos der Kampf ist: Kaum ist ein Boss ausgeschaltet, kommt der nächste nach. Das Leben ist nicht so einfach wie im Comic. Bruce verbittert, radikalisiert sich. Als Bruce ahnt, wer dieser Batman sein könnte, wird er eins mit ihm …

Batman als Schreckgespenst

Creature of the Night lässt sich viel Zeit. Über 50 Seiten pro Ausgabe. Aber das Meiste ist bloß Introspektion und Nacherzählung: mal aus Bruces, mal aus Alfreds, mal aus Robins Sicht. Der Kampf gegen das Verbrechen gerät zur Nebensache. Der einzige Spannungsbogen besteht in der Frage: Was ist mit Bruce los? Die Auflösung will ich nicht verraten, nur so viel: Sie ist ernüchternd.

Damit ist Creature of the Night eine alternative Bruce-Story, die keine Batman-Story sein will, aber dann doch so viel Batman ist, dass man sich fragt, worin der Mehrwert dieser Geschichte besteht. Keine Frage: Unter all den vielen Batman-Comics ist dieses eindeutig etwas Anderes. Die Stimmung, die Zeichner John Paul Leon erschafft, irgendwo zwischen Noir und Horror, erinnert an David Mazzucchelli in Year One oder Michael Lark in Gotham Central. Aber die Prämisse, Batman in der Realität zu verankern, löst sich am Ende als Schreckgespenst auf. Batman wird zum Mechanismus der Trauerbewältigung.

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In gewisser Weise erinnert die Idee an Dark Night: A True Batman Story (2016). Darin erzählt Paul Dini, wie Batman ihm als imaginärer Dialogpartner hilft, eine traumatische Erfahrung zu verarbeiten. Batman wird zunächst in Frage gestellt, dann aber als Inspirationsquelle rehabilitiert. Ähnlich ist es bei Creature of the Night, nur dass zuerst die Inspiration kommt, Gutes zu tun und dann die Desillusionierung.

Am Ende läuft es auf eine Erkenntnis hinaus: Batman gibt es wirklich – als Idee. Mehr Realität braucht es nicht.

Aber lohnt sich Creature of the Night? Sagen wir es mal so: Zwischen dem ersten und dem letzten Heft sind zwei Jahre vergangen. Vergleicht man Wartezeit und Ertrag, dann eher nicht.

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Alfred als Spion im Auftrag Ihrer Majestät

Alfred stellt sich den Waynes vor. (DC Comics)

Titel: Regnum Defende

Autor/Zeichner: Scott Beatty/Jeff Parker

Erschienen: 2005 (Detective Comics #806-807), Paperback 2020 (Batman Allies: Alfred Pennyworth)


Alfreds Vorgeschichte wurde im Laufe der Jahre immer weiter ausgebaut und verändert. Anfangs war er nur ein aufdringlicher und trampelhafter Butler, der Detektiv werden wollte. Dann wurde er zu einem Kriegshelden, der den französischen Widerstand gegen die Nazis unterstützte (und nebenbei eine Tochter zeugte). In The Untold Legend of the Batman #2 (1980) half er Flüchtlingen aus Deutschland, dem Nazi-Regime zu entkommen.

Seine wahre Leidenschaft war aber die Bühne. Doch Alfred musste seine Karriere als Schauspieler beenden, nachdem sein Vater ihm das Versprechen abrang, die Familientradition als Butler aufrecht zu erhalten. Noch später, in Waiting in the Wings (Batman Annual #13, 1989), will er nach Bruces Wanderjahren zurück auf die Bühne, überlegt es sich aber anders, als er sieht, wie Bruce sich selbst in Theatralik versucht …

Alfred gegen Nazis und Kommunisten

25 Jahre später, in Regnum Defende, läuft die Geschichte wieder ganz anders: Alfred ist Schauspiellehrer für den britischen Geheimdienst (MI-5), unterrichtet etwa, wie man in einer Menschenmenge verschwindet. Allerdings hat er keine Erfahrung im Außendienst. Da bekommt den Auftrag, in Polen ein paar Superschurken auszuspionieren, darunter Parsifal, einen alten Nazi, der Superkräfte ausschalten kann.

Es herrscht der Kalte Krieg, auch Sowjet-Schurken wie Red Scare und Iron Curtain sind da, aber auch Blitzkrieg und die Walküre Gudra. Ich habe nicht ganz verstanden, wie diese bunten Gestalten, die konkurrierenden Ideologien dienen, zusammenpassen und was sie zusammen machen. Jedenfalls darf Alfred sie als Butler bei einem Empfang bedienen. Als er sieht, dass ein anderer Spion Parsifal vergiften will, rettet er ihm das Leben. Dann wird Red Scare erschossen und Alfred outet sich als Spion …

Als er nach dieser Aktion untertauchen muss, wird er zum Butler für die Waynes. Alfred heißt damals noch Beagle. Und dank eines besonderen Pennys, der ihm das Leben rettet, nennt er sich Pennyworth. So werden alle Stränge der Tradition miteinander vereint. (Und zugleich der Grundstein für die spätere TV-Serie Pennyworth gelegt.) Außer der des tollpatschigen Möchtegern-Ermittlers – der ist endgültig in der Mottenkiste gelandet. Aber wer weiß, im Comic darf man bekanntlich niemals nie sagen …

>> Alfred-Pennyworth-Comics

Der unschuldige Joker

DC Comics

Titel: Death Has the Last Laugh/Only Angels Have Wings

Autor/Zeichner: Bob Haney, Dan Mishkin, Gary Cohn/Jim Aparo

Erschienen: 1974/1982 (The Brave and the Bold #111/#191), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Eigentlich ist die Serie The Brave and the Bold für Crossover zwischen Batman und einem Gaststar gedacht, mit dem er sonst nicht viel zu tun hat. Aber zweimal war sein Partner der Joker – und beide Male wurde er verdächtigt, Morde begangen zu haben, was er jedes Mal abgestritten hat.

In Death Has the Last Laugh wird eine Familie tot aufgefunden – der Joker hat am Tatort seine Karte hinterlassen, doch von Grinsegrimassen fehlt jede Spur. Die wird dann plötzlich im Leichenschauhaus nachgetragen. Höchst seltsam, selbst für den Joker. Batman ist stinksauer. So sauer, dass er Commissioner Gordon droht, seine Jungs sollen sich lieber beeilen, denn wenn er, Batman, den Joker erwische, könne er für nichts garantieren.

Auf Krawall gebürstet mischt Batman die ganze Stadt auf, um eine Spur zu finden, aber als er den entscheidenden Tipp bekommt, will sich der Joker gerade in der Sauna an einem gewissen Slade dafür rächen, ihm den Mord angehängt zu haben. Batman wird dabei von Slade angeschossen. Später verbündet er sich mit dem Joker, um Slade zu fassen. Doch das geht gründlich schief, weil Batman auffliegt, als er sich in dessen Wagen schleicht.

Am Ende führt die Spur zu einem stillgelegten Kanal. Batman steigt hinab ins Becken, um der Spur einer Joker-Karte zu folgen, da lassen der Joker und Slade das Wasser ein. Die ganze Aktion war diente nur dazu, um Batman zu ertränken. Sie hätten ihn vorher schon in der Sauna erschießen können, der ganze Plan erscheint mal wieder unnötig aufwendig, aber egal.

Batman befreit sich auch aus diesem Schlamassel, der Joker will mit dem Batmobil fliehen, kann aber nicht, weil er den Code fürs Autoradio nicht kennt. Der lautet: BATMAN. Wer solche Passwörter hat, sollte sich nicht wundern, wenn er auf der Schurkenjagd fast draufgeht, aber so schnell hat der Joker zum Glück nicht geschaltet. In dem Fall hätte es auch gereicht, den Autoschlüssel mitzunehmen …

Der Joker tötet den Pinguin

DC Comics

Acht Jahre später, in Only Angels Have Wings, ermordet der Joker den Pinguin live bei einem Fernsehauftritt. Dann lockt er Batman mit dem Jokersignal zum Jokermobil, verpasst ihm erstmal eine riesige Faust, die aus einem Kofferraum springt, beteuert dann aber seine Unschuld. Batman hat zwar nicht den geringsten Grund, ihm zu glauben, immerhin hat der Clown ihn schon einmal so reingelegt (siehe oben), aber andererseits: Warum sollte der Joker einen Mord nicht für sich reklamieren? Immerhin gibt er daraufhin zu, einen von Pinguins Handlangern vergast zu haben.

Der Joker aber will angeblich den Fall aufklären, um sich für den Pinguin zu rächen – er habe an dem Vogel gehangen. Also lässt sich Batman widerwillig auf die temporäre Partnerschaft ein und sie ermitteln gemeinsam. Dass der Joker gerade einen Mord gestanden hat und später zweimal versucht, Batman umzubringen, bringt den Dunklen Ritter aber auch nicht davon ab, das Spiel weiter mitzuspielen.

Als er den toten Pinguin aufgebahrt im Sarg liegen sieht, schaut der beste Detektiv der Welt nicht einmal nach, ob die Leiche echt ist. Spoiler: Ist sie natürlich nicht. Der Plan dahinter ist so weit hergeholt, dass jeder Erklärungsversuch scheitern muss. Der Pinguin hat seinen Mord inszeniert, damit er (im Nonnenkostüm) einen Kardinal entführen kann, der zu seiner Totenfeier ein Kardinal aus Rom kommt, dann will er den Vatikan um Millionen erpressen. (Außerdem ist Kardinal auch der Name eines Vogels …) Der Kardinal kommt, weil der Pinguin der Kirche Geld gespendet hat. Aber demnach war der Schurke gut bei Kasse – wozu also … Ach, vergesst es. Am Ende werden beide eingebuchtet.

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Batman auf Eiersuche

DC Comics

Titel: Batman Universe (dt. Die Jagd des Dunklen Ritters)

Autor/Zeichner: Brian Michael Bendis/Nick Derington

Erschienen: 2019-2020 (Mini-Serie #1-6), Hardcover 2020; dt. Panini 2020 (Paperback)


Brian Michael Bendis hat sich zwei Jahrzehnte lang einen Namen als Autor bei Marvel gemacht, seit 2018 schreibt er Superman – und jetzt schickt er auch noch Batman quer durchs ganze Universum. Und das kommt so: Der Riddler hat ein Fabergé-Ei gestohlen, das 15 Millionen US-Dollar wert ist. Batman versucht, es wiederzubeschaffen. Doch jedes Mal, wenn er es in die Finger bekommt, erlebt er eine Überraschung.

Batman gleitet (DC Comics)

Zum Beispiel: Deathstroke kommt ihm in die Quere, die Reise geht nach Gorilla City, Dinosaur Island, Thanagar und sogar in den Wilden Westen von Jonah Hex. Hinter all dem steckt der unsterbliche Schurke Vandal Savage. Zwischendurch helfen ihm Green Arrow und Green Lantern. Am Ende wird Batman selbst zu einem – ACHTUNG SPOILER! – … ach nee, ich verrat’s lieber nicht.

Batman mit Green Lantern auf Dinosaur Island (DC Comics)

Batman Universe ist eine wilde Schnitzeljagd, die nie langweilig wird, ständig etwas Neues und Unvorhergesehenes bietet und dabei bestens unterhält, weil sie sich selbst nicht ernst nimmt. Die Dialoge sind durchzogen von einem wunderbaren Humor, der für Batman eher unüblich ist, aber die Story trotzdem nicht lächerlich macht. Innere Monologe fehlen, stattdessen gibt es für Batman immer wieder Anlässe, Selbstgespräche zu führen oder laut sein Innerstes in einer ungeahnten Offenheit preiszugeben.

Batman kämpft sich mit Nightwing durch. (DC Comics)

Das Ganze liest sich wie eine Hommage an das naive Silver Age, als noch alles möglich war und auch hier darf man bloß nicht nach dem tieferen Sinn fragen: Warum katapultiert das Ei Batman nach Thanagar, in den Wilden Westen und dann nach Crime Alley? Ganz einfach: Weil es cool ist, dass Batman Flügel bekommt, sich wie ein Cowboy kleidet und dann fast an derselben Stelle erschossen wird wie seine Eltern. Warum Gorilla City? Warum hauen Green Arrow und Green Lantern nach kurzer Zeit wieder ab? Egal! Es macht einfach nur Spaß.

Und das auch in visueller Hinsicht. Zeichner Nick Derington hat mich bereits mit seinen Covern für Mister Miracle beeindruckt, aber sein Batman ist einfach umwerfend: Mal bestechend schlicht, mal spektakulär und detailreich, aber immer so lebendig, dass sich darin die ganze Lakonie der Story wiederfindet. Jede der knallbunten Seiten eine Augenweide, ich konnte nicht genug bekommen, ja, ich muss gestehen: Derington ist mein neuer Lieblingszeichner.

Muss ich noch mehr sagen? Nein, genug gelobt. Na gut, vielleicht noch ein kurzes Schlusswort: Batman Universe ist kein typischer Batman, aber genau das ist so toll daran. Es ist erfrischend anders und doch klassisch, geeignet für Einsteiger wie alte Fans. Bitte mehr davon, Mr. Bendis! Und mehr von Derington kann man derzeit in der Serie Batman/Superman bestaunen.

(Hinweis: Batman Universe erschien seit 2018 zuerst im Batman 100-Page Giant, einer Serie, die nur über Walmart vertrieben wurde.)

>> Batman 2011-2019


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Alfred: Immer Herr der Lage

DC Comics

Titel: Captive Audience

Autor/Zeichner: Scott Peterson/Craig Rousseau

Erschienen: 1999 (Gotham Adventures #16), Paperback 2020 (Batman Allies: Alfred Pennyworth)


Alfred ist bekanntlich mehr als nur ein Butler. Der Weg dahin war lang: Zunächst wollte er mehr sein, indem er sich als Möchtegern-Detektiv versuchte. Später wurde er zur Allzweckwaffe: Ein Mann mit Kampferfahrung im Krieg, ein Schauspieler und ein Unfallchirurg – nützliche Fähigkeiten für jede Situation.

In Captive Audience wird er entführt, seine Kidnapper verlangen Lösegeld von Bruce Wayne. Batman schickt Nightwing, Robin und Batgirl los, um ihn zu befreien, aber Alfred hilft sich selbst. Die Entführer sind nicht die hellsten: Zur Sicherheit haben sie nämlich auch drei andere Butler mitgenommen, die gerade zugegen waren.

Während die drei Helden sich durch einen Haufen von Ganoven prügeln, trickst Alfred die Bande aus: Zunächst verspricht er dem Anführer, ihm ein Geheimnis über Bruce Wayne zu verraten. Dafür muss er aber die anderen Opfer wegbringen. In der Zwischenzeit hypnotisiert er die beiden Helfer, die auf ihn aufpassen sollen und lässt sie in Tiefschlaf fallen. Schließlich knockt er den anderen aus. Als Nightwing und Co. eintreffen, ist alles erledigt und Alfred  erscheint völlig abgebrüht als Herr der Lage.

Wir erfahren: Derlei ist bereits öfter passiert. 27 Mal um genau zu sein, deshalb hat Alfred für solche Fälle auch einen Tracker bei sich. Wer sich jetzt über Spoiler aufregt, dem geht es so wie mir: Denn bereits das Cover verrät leider alles. Amüsant zu lesen ist es trotzdem.

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Robin als Vorbild – für Verbrecher

DC Comics

Titel: The Midnight Raid of the Robin Gang

Autor/Zeichner:  John Broome, Jack Shiff/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1965 (Detective Comics #342), Hardcover 2015 (Robin, The Boy Wonder: A Celebration of 75 Years)


In der Klatschspalte der Zeitung ist Unerhörtes zu lesen: Robin soll Batman bei einem Einsatz in die Quere gekommen sein, denn der Wunderknabe soll neidisch sein. Er habe es satt, dass Batman ständig die Lorbeeren für ihr Teamwork einheimst. Totaler Blödsinn, denken sich Bruce und Dick, da informiert Commissioner Gordon Batman, dass derzeit viele Jugendliche die Schule schmeißen, um Karriere als Verbrecher zu machen.

Auch einer von Dick Graysons Mitschüler, Tom Willard, hat sich dem Trend angeschlossen. Dick will ihn davon überzeugen, in die Schule zurückzukehren, da findet er bei ihm zuhause eine Robin-Uniform. Tom bringt ihn zu einem Wrestling-Studio. Der Betreiber lässt vier Jungs in Robin-Kostümen Diamanten klauen. Welchen Sinn es hat, Kinder in knallbunten Kostümen Diebstahl begehen zu lassen, wird leider nicht erklärt. Es reicht offenbar, dass es sich um eine Unverschämtheit handelt, Robins guten Ruf zu missbrauchen.

Robin als Dieb?

Zunächst fällt auch Batman auf die Täuschung herein. Als Dick den Fall lösen will, tritt er aus Versehen Batman vom Dach – und zufällig hält eine Fernsehkamera drauf. Das Gerücht vom Streit des Dynamischen Duos bekommt neues Futter. Aber dann beweisen die beiden das Gegenteil, indem sie zu dem Sportstudio zurückkehren und alle umhauen, die sich ihnen in den Weg stellen.

Was hat es aber mit Dicks seltsamem Benehmen auf sich? Ganz einfach: Er es was an den Augen. Mit ein paar Tropfen und etwas Ruhe hat sich das erledigt. Mit dieser Nichtigkeit macht Robin auch noch Schlagzeilen. Immerhin einmal schafft er es auf die Titelseite. Aber Dick ist guter Dinge: „Batman always will be the top headliner as far as I’m concerned!“ In den 60ern war die Welt der beiden noch in Ordnung – bis die Frauen ins Spiel kommen, etwa mit Poison Ivy und Batgirl.

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Robin verliebt sich – und wird erwachsen

DC Comics

Titel: Robin Falls in Love/The Grown-Up Boy Wonder

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1957 (Batman #107), Hardcover 2015 (nur „The Grown Up Boy Wonder“ in: Robin, The Boy Wonder: A Celebration of 75 Years)


Auch wenn im Comic die Zeit viel langsamer vergeht als in der Realität: Nach 17 Jahren im Dienst müsste auch Dick Grayson langsam in der Pubertät ankommen. Aber was die Frauen angeht, eifert er eher seinem Vormund Bruce Wayne nach. Der hat sich kurz zuvor schon mit Batwoman schwer getan. Aber dann rettet Robin der 14-jährigen Eiskunstläuferin Vera Lovely das Leben, indem er sie vor einem missglückten Sprung durch einen Flammenring bewahrt.

Kuss für den Retter: Robin und Vera Lovely. (DC Comics)

Wer kann bei diesem Namen widerstehen? Schon zuvor war ihm aufgefallen, dass sie „very pretty“ ist. Hinterher gibt es einen Kuss als Belohnung und ein Pressefotograf hält die Szene für die Nachwelt fest. Während Robin danach Herzchen sieht, hat Batman erkannt, dass der Fotograf ein Gauner war. Robin bandelt aber weiterhin mit Vera an, geht mit ihr Eis essen und Rollschuhlaufen – selbstverständlich mit Maske und Kostüm (nicht gerade die beste Vorraussetzung für eine Beziehung). Doch er muss mit dem Schauspieler Roddy Dale konkurrieren, der Vera große Blumengestecke liefert. Robin schreibt daraufhin mit dem Batplane ein Herz in den Himmel.

Bei einem Einsatz mit Batman verrät er sich mit einem klingelnden Anhänger, den er von Vera bekommen hat und vergeigt beinahe die Mission. Aber später kann er einen Räuber davor bewahren, Veras Kinderschlittschuhe zu stehlen. Batman ist nachsichtig: Ohne Robins Liebe zu Vera hätten sie den Gauner nicht gekriegt, aber der Wunderknabe kommt trotzdem zu dem Schluss: „From now on I’m keeping my mind on criminals, not girls!“ Also zurück zum Status quo.

Das ist höchst befremdlich, wo doch erst 1954 der Psychiater Fredric Wertham Batman und Robin eine homosexuelle Beziehung unterstellt hat. Wenn man die beiden schon von dem Verdacht befreien will, wieso lässt man sie dann trotzdem wie Mönche leben?

Robin wird Owlman

Einen Schritt zum Erwachsenen darf Robin trotzdem machen – und zwar noch in derselben Ausgabe. Durch ein unbekanntes Gas, das Superman aus dem All geholt hat, wächst Dick Grayson über Nacht zum Mann heran. Als das Batsignal am Himmel erscheint, passt er aber nicht mehr ins Robin-Kostüm. Er würde gerne zum zweiten Batman werden, aber das Original verbietet es ihm, weil Dick noch nicht reif sei (außerdem: Es kann nur einen geben).

Robin als Owlman (DC Comics).

Enttäuscht greift Dick zu einem Anzug, den Bruce für einen Kostümball besorgt hat – und wird zu Owlman. (Hier könnte man sich fragen, warum Robin eigentlich ein Rotkehlchen ist und nicht wie Batman eine Kreatur der Nacht geworden ist, aber das nur am Rande.) Als Batman die Bande der „Daredevils“ bei einem Diamantendiebstahl erwischt, taucht Owlman auf und vergeigt die Verfolgung, weil er sich an einen Fahnenmast hängt, für den er zu schwer ist. Batman muss ihm das Leben retten.

Beim zweiten Einsatz als Owlman, im Versteck der Daredevils, stößt sich Dick den Kopf an einem Deckenbalken. Die Bande fesselt ihn und wieder muss ihm Batman aus der Patsche helfen. Der Wunderknabe darf dann endlich seine Zirkusakrobatik einsetzen, um die Gauner zur Strecke zu bringen. Ein paar Stunden später ist alles wieder normal – und Dick freut sich, wieder ein Kind zu sein. Und das wird er noch eine Weile bleiben.

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Dick Graysons zweite Chance als Robin

DC Comics

Titel: Dick Grayson, Boy Wonder

Autor/Zeichner: Bill Finger/Dick Sprang

Erschienen: 1945 (Batman #32)


Nach fünf Jahren im Dienst erzählt Bill Finger die Entstehungsgeschichte von Robin (Detective Comics #38) noch einmal nach – allerdings mit einigen Änderungen. Nachdem Dick Grayson den Mord an seinen mitangesehen und herausgefunden hat, das Zucco dahintersteckt, will er zur Polizei. Batman hält ihn ab. Aber nicht, weil – wie in der Urfassung – Boss Zucco so mächtig ist (und die Polizei mutmaßlich korrupt), sondern weil die Beweise fehlen.

Robins neuer Origin in Batman #32 (1945) (DC Comics)

Dick will auch das Verbrechen bekämpfen, doch Batman zögert, warnt ihn vor den Gefahren. Dick Grayson überredet ihn, aber Batman bleibt skeptisch: „What did I let myself in for?“, fragt er sich selbst. Solche Zweifel gab es am Anfang noch nicht. Doch nachdem Zucco und seine Bande den Stuhl gekriegt haben, will Batman Dick abservieren.

Bruce macht sich Sorgen um ihn. „I’m not going to have you on my conscience all my life! I like you too much!“ Seltsamerweise ist es aber nicht die Angst darum, ein Kind zu gefährden, sondern eine Sorge um den richtigen Beweggrund: Dick sei zunächst motiviert gewesen, weil er seine Eltern rächen wollte, aber würde er auch danach furchtlos kämpfen?

Robins erster Fehler

Doch Dick überredet ihn wieder: Wenn er jetzt aufhöre, würde er nie erfahren, ob er ein Feigling sei oder nicht. Das klingt so, als könnte man Mut nur als maskierter Rächer beweisen. Das Konzept „Robin“ wird zum Persönlichkeitstest. Bruce gibt ihm noch eine Chance. Nachdem er ihm Kampfsport beigebracht hat, bildet er ihn jetzt auch in Chemie und Kriminologie aus.

Bei einem Einsatz gegen den lispelnden Sidney wird das Dynamische Duo wegen Robin gefangen genommen. Robin kann sich mit einem Trick befreien, aber ihn plagt das schlechte Gewissen, dass Batman noch immer in Gefahr ist. Dank seiner neuen Fähigkeiten als Detektiv findet er Batmans Aufenthaltsort heraus und befreit ihm, indem er den Kamin des Verstecks abdeckt und die Bande ausräuchert.

Dick will danach als Robin aufgeben, weil er einen Fehler gemacht hat, aber Bruce sieht den Test als bestanden an. Die Geschichte soll zeigen, dass es für einen Wunderknaben mehr brauche als ein Kostüm, aber wirklich Sinn ergibt das nicht – denn Dick hat ja das Kostüm getragen. Und wäre es nicht viel anschaulicher gewesen, wenn er in zivil Mut bewiesen hätte? Egal. Jetzt wissen wir wenigstens, dass das mit Robin nicht so schnell ging wie anfangs dargestellt. Und dass es berechtige Zweifel gab. Die Geschichte bekommt Tiefe.

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