John Broome

Batman macht ernst

DC Comics

Titel: The Mystery of the Menacing Mask

Autor/Zeichner: John Broome/Carmine Infantino

Erschienen: 1964 (Detective Comics #327), Hardcover 2014/2018 (Tales of the Batman: Carmine Infantino, Batman: A Celebration of 75 Years, Detective Comics: 80 Years of Batman)


Und plötzlich war Schluss mit dem Quatsch. Zumindest für eine Weile. Nach den irren Science-Fiction-Eskapaden, verrückten Kostümen und bizarren Wandlungen, die Batman Ende der 50er und Anfang der 60er durchmachen musste, richtete Redakteur Julius Schwartz Batman neu aus. Batman wurde ernster, realistischer und bekam dank Carmine Infantino einen neuen Look, erkennbar an dem gelb-schwarzen Logo, das von nun an auf Batmans Brust prangte – die nächsten 36 Jahre lang. (Auch wenn der neue Look bereits in World’s Finest #141 eingeführt wurde.)

Der Wandel ist schon auf dem Cover erkennbar. Statt einer üblichen Schlüsselszene, die den Clou der Geschichte verrät, sieht man eine Sequenz aus drei Panels, die neugierig macht, ohne zu viel zu verraten. Batman liegt am Boden, Robin eilt herbei, fragt, ob er okay sei, Batman sagt etwas von einer Explosion, da ruft ihm Robin zu, schnell seine Maske abzunehmen. Was ist hier los?

Die Maske abnehmen – das war für den frühen Batman stets mit der Angst verbunden, als Bruce Wayne entlarvt zu werden und damit seine Karriere beenden zu müssen. Hier wird die Maske selbst zur Bedrohung.

Wie sehr Batman plötzlich in der Realität ankommt, sieht man schon auf der zweiten Seite: Es geht um Politik, Stadtentwicklung, Gentrifizierung. In Gotham soll ein Stück Altstadt, Gotham Village, abgerissen werden, weil es als Rückzugsort für Verbrecher gilt, andere wollen es erhalten, weil Wohnraum sonst verloren geht. Bruce Wayne und Dick Grayson spazieren gerade durch das Viertel, als eine junge Frau Bruce vorwirft, dass er sich für den Erhalt einsetze. Ihr Grund: Sie befürchtet, ihr Freund habe mit Verbrechern zu tun.

Bevor er sie verlassen hat, hat er ihr eine Karte hinterlassen, auf der ein Kreuz in einen Kreis gemalt ist. Das erinnert Bruce und Dick an einen jüngsten Vorfall, als sie einen Juwelendieb verfolgten. Nach einer Explosion hatten sie plötzlich das gleiche Symbol auf ihren Stirnen. Doch als die Spur sie wieder zu dem Dieb führte, erstarrten sie vor ihm, weil er sie wegen des Symbols kurzzeitig lähmen konnte.

Die ganze Sache führt zu einer Art Refugium für Verbrecher, das unter Gotham Village liegt. Die bittere Pointe: Der Mann, der zu Beginn das Village erhalten will, um Wohnraum zu retten, stellt sich als Verbrecher heraus und seine Argumente als bloßer Schein. Trotzdem wird das Viertel vor dem Abriss verschont.

Am Ende sieht man etwas Ungewöhnliches: Batman nimmt einem Gauner die Waffe ab und hält die Bande damit in Schach. Das fiel schon damals den Fans unangenehm auf. Batman benutzt keine Pistolen. Tatsächlich war es ein Fehler des neuen Redakteurs. Julius Schwartz gab zu, dass er damals kaum etwas über Batman wusste. Dieser Fehler passierte ihm nicht nochmal.

>> Batman in den 60ern
>> Batman-Anthologien

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