John Broome

Batman gegen den Radiergummi

Titel: The Eraser Who Tried to Rub Out Batman

Autor/Zeichner: John Broome/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1966 (Batman #188)


Zwei Jahre lang schien Batman wieder auf dem Pfad der Besserung. Nach der immer verrückteren Phase, in der die Comics immer wildere Blüten trieben, hatte sich mit Redakteur Julius Schwartz ein ernsthafterer Stil etabliert. Die Bat-Family verschwand, selbst Alfred wurde getötet. Doch dann kam die TV-Serie mit Adam West – und der Erfolg des selbstironischen Klamauks musste sich auch in den Comics wiederfinden.

So erschien 1966 eine Story, die sich eindeutig am Stil der TV-Serie orientierte. Der Schurke ist noch lächerlicher als der Polka Dot Man: The Eraser kleidet sich wie ein Bleistift, trägt einen Radiergummi auf dem Kopf und verdient sein Geld damit, dass er für Ganoven Spuren von Tatorten beseitigt. Dass sein Kostüm nicht gerade ein Maß der Unauffälligkeit ist, scheint das Geschäft nicht zu beeinflussen.

Hinter dem Eraser steckt Lenny Fiasco, Bruce Waynes Kommillitone aus dem College, der an der Tafel ständig seine Fehler ausradieren musste. Bruce hat ihm dann die Frau, die er liebte vor der Nase weggeschnappt. Sie wurde zur Eiskönigin gewählt.

Doch ganz so dämlich wie sich das anhört, ist die Geschichte nicht. Vielmehr hat sich Autor John Broome auch eine gute Portion Selbstironie von Adam West abgeschaut. Ein Beispiel: Batman und Robin gehen zwar eine Wand hoch, aber dabei sagt Robin so einen schönen Satz wie: „Shouldn’t we have music for this act?“ Batman zischt ihm nur zu, ruhig zu sein.

Bat-Climb

Batman und Robin gehen die Wand hoch.

Noch ein Beispiel: Drei Mal müssen Bruce Wayne und Batman jungen Frauen Autogramme geben, zwei Mal soll Batman sogar Statuen von sich selbst signieren. Batman ist Kult. Eine etablierte Figur der Popkultur. Schon in der TV-Serie gibt es Statuen und Gemälde von ihm. Als sich Robin wundert, dass immer nur Batman alle Aufmerksamkeit bekommt, wirft sich ihm eine Frau um den Hals, die behauptet, seine Gedanken gelesen zu haben, und sie küsst ihn. Ein bizarr-surreale Szene, denn die Frau kann damit das, was auch die Leser dank der Gedankenblase können.

Batman signiert Figuren, Robin kriegt Küsschen.

Batman signiert Figuren, Robin kriegt Küsschen.

Um dem Eraser auf die Schliche zu kommen, verkleidet sich Bruce als Leierkastenmann – Robin wird zum Äffchen degradiert. Es ist nicht ganz klar, warum ausgerechnet diese Verkleidung den Eraser überzeugen soll, dass Bruce ein Dieb ist. Aber der Plan geht auch nicht auf. Der Eraser erkennt Bruce, betäubt ihn mit einem Gas aus seinen Schuhspitzen und steckt ihn in einen Sarg aus Eis, in dem er erfrieren soll.

Batman und Robin undercover.

Batman und Robin undercover.

Batman befreit sich und prügelt sich zusammen mit Robin – wie im Fernsehen – durch lauter Interjektionen wie „Sock! Zok! Wak!“ und dabei singt Batman den „Skater’s Waltz“ (Schlittschuhläufer-Walzer von Emile Waldteufel): „It’s music to put them on ice by –“ Ja, die Kalauer waren auch schon mal besser.

Batman prügelt sich durch Lautwörter.

Batman und Robin prügeln sich durch Lautwörter – und hauen Kalauer raus.

Am Ende schenken Batman und Robin Lenny einen übergroßen Radiergummi, damit er im Knast seine Fehler ausradieren kann. „I get the message — it’s better to be a rubber — than a robber!“ Der Spruch ergibt nicht wirklich Sinn, denn Lenny hat ja niemanden ausgeraubt, aber sei’s drum …

Am interessanten ist aber die erste Seite: Der Eraser radiert nämlich tatsächlich Batman aus – als wäre er nur eine gezeichnete Figur, was er für uns Leser ja auch ist! Mit der Handlung hat das zwar nicht direkt etwas zu tun, aber tatsächlich will der Eraser Batman auslöschen. Auf der Meta-Ebene trägt dieser lächerliche Schurke mit seinem Auftritt dazu bei, dass der neue Batman, der 1964 neu etabliert wurde, wieder ausgelöscht wird, um wieder in alte Muster zurückzufallen. Damit droht auch das ausradiert zu werden, was Batman eigentlich ausmacht – nicht ohne Grund wischt der Eraser Batman das Logo von der Brust. Durch Geschichten wie diese droht der Dunkle Rächer wieder zu verschwinden.

Natürlich hat er das nicht getan. Auch die albernsten Inkarnationen haben Batmans Mythos nicht geschadet. Nach der Adam-West-Phase, spätestens 1969 wurde Batman wieder ernsthafter – und damit waren auch die peinlichsten Auftritte wie ausgelöscht. Denn das gehört zu einer unsterblichen Comicfigur auch dazu: Sie muss immer wieder neu erfunden werden. Und dazu braucht es viele Radiergummis …

>> Batman 1960-1969

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Batman macht ernst

DC Comics

Titel: The Mystery of the Menacing Mask

Autor/Zeichner: John Broome/Carmine Infantino

Erschienen: 1964 (Detective Comics #327), Hardcover 2014/2018 (Tales of the Batman: Carmine Infantino, Batman: A Celebration of 75 Years, Detective Comics: 80 Years of Batman)


Und plötzlich war Schluss mit dem Quatsch. Zumindest für eine Weile. Nach den irren Science-Fiction-Eskapaden, verrückten Kostümen und bizarren Wandlungen, die Batman Ende der 50er und Anfang der 60er durchmachen musste, richtete Redakteur Julius Schwartz Batman neu aus. Batman wurde ernster, realistischer und bekam dank Carmine Infantino einen neuen Look, erkennbar an dem gelb-schwarzen Logo, das von nun an auf Batmans Brust prangte – die nächsten 36 Jahre lang. (Auch wenn der neue Look bereits in World’s Finest #141 eingeführt wurde.)

Der Wandel ist schon auf dem Cover erkennbar. Statt einer üblichen Schlüsselszene, die den Clou der Geschichte verrät, sieht man eine Sequenz aus drei Panels, die neugierig macht, ohne zu viel zu verraten. Batman liegt am Boden, Robin eilt herbei, fragt, ob er okay sei, Batman sagt etwas von einer Explosion, da ruft ihm Robin zu, schnell seine Maske abzunehmen. Was ist hier los?

Die Maske abnehmen – das war für den frühen Batman stets mit der Angst verbunden, als Bruce Wayne entlarvt zu werden und damit seine Karriere beenden zu müssen. Hier wird die Maske selbst zur Bedrohung.

Wie sehr Batman plötzlich in der Realität ankommt, sieht man schon auf der zweiten Seite: Es geht um Politik, Stadtentwicklung, Gentrifizierung. In Gotham soll ein Stück Altstadt, Gotham Village, abgerissen werden, weil es als Rückzugsort für Verbrecher gilt, andere wollen es erhalten, weil Wohnraum sonst verloren geht. Bruce Wayne und Dick Grayson spazieren gerade durch das Viertel, als eine junge Frau Bruce vorwirft, dass er sich für den Erhalt einsetze. Ihr Grund: Sie befürchtet, ihr Freund habe mit Verbrechern zu tun.

Bevor er sie verlassen hat, hat er ihr eine Karte hinterlassen, auf der ein Kreuz in einen Kreis gemalt ist. Das erinnert Bruce und Dick an einen jüngsten Vorfall, als sie einen Juwelendieb verfolgten. Nach einer Explosion hatten sie plötzlich das gleiche Symbol auf ihren Stirnen. Doch als die Spur sie wieder zu dem Dieb führte, erstarrten sie vor ihm, weil er sie wegen des Symbols kurzzeitig lähmen konnte.

Die ganze Sache führt zu einer Art Refugium für Verbrecher, das unter Gotham Village liegt. Die bittere Pointe: Der Mann, der zu Beginn das Village erhalten will, um Wohnraum zu retten, stellt sich als Verbrecher heraus und seine Argumente als bloßer Schein. Trotzdem wird das Viertel vor dem Abriss verschont.

Am Ende sieht man etwas Ungewöhnliches: Batman nimmt einem Gauner die Waffe ab und hält die Bande damit in Schach. Das fiel schon damals den Fans unangenehm auf. Batman benutzt keine Pistolen. Tatsächlich war es ein Fehler des neuen Redakteurs. Julius Schwartz gab zu, dass er damals kaum etwas über Batman wusste. Dieser Fehler passierte ihm nicht nochmal.

>> Batman in den 60ern
>> Batman-Anthologien