Comic

Lucius Fox und seine Familie

batman-307-lucius-fox1.jpg

Lucius Fox‘ erster Auftritt in Batman #307 (DC Comics)

Da die Familie Fox zuletzt eine große Rolle in Future State: The Next Batman gespielt hat, ist es an der Zeit, endlich mal ausführlich über Lucius Fox zu sprechen. Die meisten (Nicht-Comicleser) verbinden ihn wohl mit dem Gesicht von Morgan Freeman, der die Figur in Christopher Nolans Dark-Knight-Trilogie gespielt hat. In Batman Begins war Lucius Fox zunächst Vorstandsmitglied von Wayne Enterprises und half Thomas Wayne dabei, seine Hochbahn zu bauen, dann wurde er in den Keller der Forschungsabteilung verbannt, steigt schließlich zum Geschäftsführer auf und versorgt seinen Chef alias Batman – ganz in der Tradition von James Bonds Q – mit nützlichen Dingen wie einem neuen Anzug („Drei Knöpfe sind Neunziger Jahre“), einem Gleitschirm-Umhang und einem Batmobil („Gibt’s den auch in Schwarz?“). Lucius Fox gehören die einige der besten Szenen.

Das Interessante daran: Durch seine Anfragen vertraut Bruce Lucius implizit sein größtes Geheimnis an. Er hat offenbar von Anfang an das Gefühl, ihm vertrauen zu können. Lucius bleibt loyal, sogar als er herausfindet, dass er eine illegale Überwachungstechnologie einsetzen soll, um den Joker zu fassen. Er hilft Batman zwar, aber er kündigt daraufhin.

Im Comic wurde die Figur zunächst unvermittelt von Autor Len Wein als „Second-in-command“ bei Wayne Enterprises eingeführt (Batman #307, 1979). Der Mann mit der Brille und den grauen Schläfen ist nicht nur der erste schwarze Charakter, der eine tragende Rolle in einem Batman-Comic spielt, nachdem „People of Color“ in den 40 Jahren davor kaum in dem Comicuniversum vorkamen. Er ist auch der Mann mit dem Durchblick, er warnt Bruce Wayne, der anderes im Kopf hat, vor einem Milliardär namens Gregorian Falstaff, der eine feindliche Übernahme plant. Im weiteren Verlauf wird deutlich, dass der zweite Mann in dem Unternehmen eigentlich der erste ist. Er macht die harte Arbeit hinter den Kulissen und Bruce nickt nur ab, damit er in Ruhe Batman sein kann. Schließlich wird Lucius auch CEO von Wayne Enterprises.

Tochter Tiffany und Sohn Tim

Während also Alfred Pennyworth Bruce den Rücken in Wayne Manor und der Batcave freihält, tut dies Lucius beim Geschäftlichen und ist damit eine zweite Vaterfigur. Als Witwer und damit Alleinerzieher ist er sogar der Vater schlechthin. Eine Ausgabe nach seiner Premiere stellt Lucius Bruce seine erwachsene Tochter Tiffany vor, die das Ghetto Drug Rehabilitation Program der Wayne Foundation leitet. Bruce schüttelt ihr freundlich die Hand, setzt aber Lucius darauf an, alles über Selina Kyle herauszufinden, denn mit der bandelt er gerade an (eine Story für sich). Als Selina das später herausfindet (Lucius plappert es aus), ist sie gar nicht erfreut.

batman-313-timothy-fox.jpg

Timothy Fox im Streit mit Vater Lucius (Batman #313, DC Comics)

Lucius‘ Sohn Timothy Fox lernen wir in Batman #313 (1979) kennen. Er geht aufs College, pflegt aber offenbar zweifelhaften Umgang, wie Lucius beanstandet. Vater und Sohn verstehen sich daher nicht gut. Ein kurzes Gespräch endet nach einer Seite damit, dass Tim hinter sich die Tür zuschlägt. Lucius macht sich Sorgen um die Zukunft seines Sohnes. Tim will in Ruhe gelassen werden.

batman-330-fox.jpg

In Batman #330 (1980) wird klar, mit wem Tim rumhängt: mit der Ronald Watkins Gang. Die schlägt eines Tages Lucius zusammen, sodass er im Krankenhaus landet – ein Anschlag, der von Falstaff in Auftrag gegeben wurde. Tim ahnt nichts davon. Stattdessen beteiligt er sich an einem weiteren Anschlagsversuch auf die Wayne Foundation. Watkins und seine Gang wollen das Gebäude (und damit auch Bruce Waynes Penthouse) in die Luft jagen. Damit wollen sie sich dafür rächen, dass Wayne angeblich rund 30 heruntergekommene Wohnhäuser besitzt, mit denen er die Ärmsten ausnimmt. Tim ist nicht überzeugt, er will aussteigen, aber Ron Watkins lässt ihn nicht, bedroht ihn mit einer Waffe und will ihn mit dem Gebäude sprengen.

Robin verfolgt die Szenen mit, Batman kann im letzten Moment das Schlimmste verhindern. Robin verteidigt Tim später, die Gang habe ihn manipuliert. Batman gibt sich hartleibig und pocht auf Tims Eigenverantwortung. Robin will Tim eher helfen, um wieder auf den rechten Pfad zurückzufinden.

Bruce zeigt Tim schließlich an. Lucius, der immer noch im Krankenhaus liegt, macht sich selbst Vorwürfe: „Bruce, what on earth have I done to make Timmy behave this way!“ (Batman #331) Die Sache klärt sich zwei Ausgaben später auf. Als Ron aus dem Knast freigelassen werden soll, gibt er vor Tim zu, dass Falstaff bloß Bruce ruinieren wollte und sie Lucius angegriffen haben. Da taucht Lucius auf Krücken auf, vergibt seinem Sohn und Tim sieht seinen Fehler ein.

„I didn’t say it would be easy, son …“, sagt Lucius. „I just want us to be a family … again!“

batman-333-fox.jpg

Lucius Fox als (Entführungs-)Opfer

Aber wie haben sich Lucius und Bruce kennengelernt? In The Untold Legend of the Batman ist Fox ein Aufsteiger: Er arbeitete zunächst in der Finanzabteilung für Wayne und stellte ihm einem „portfolio management plan“ vor, um den „cash flow“des Unternehmens zu verbessern. Danach hat Bruce ihm immer mehr Verantwortung übertragen.

In Batman: Haunted Knight lernen sie sich sogar noch früher kennen: Da rettet ein junger Bruce auf seiner Weltreise Lucius vor Räubern in Paris. Zum Dank lädt Lucius ihn zum Essen ein und schlägt vor, etwas gemeinsam aufzubauen, aber Bruce erteilt ihm eine Absage. Sein Geld sei für etwas anderes vorgesehen. In Detective Comics #501 erfahren wir, dass Lucius mit Alfred Pennyworth im Zweiten Weltkrieg dem französischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer geholfen hat.

detective comics #501-502

DC Comics

In den 80ern beginnen für Lucius Fox aufregende Jahre, in denen ihm immer wieder die Opferrolle zufällt. Er wird immer wieder entführt, wie etwa vom Mad Hatter (Detective Comics #510, 1981), von Baron Bedlam (Batman and the Outsiders #1, 1983), von Black Mask in Batman #484 (1992) und von Poison Ivy (Batman #495, 1993).

worlds-finest-286-lucius.jpg

Batman rettet Lucius Fox vor dem Ku-Klux Klan (DC Comics)

Als einmal von Zauberern das Böse schlechthin entfesselt wird und unter anderem Antisemiten eine Synagoge verwüsten und mit Hakenkreuzen beschmieren, zieht auch der Ku-Klux-Klan los, stellt bei Lucius Fox ein brennendes Kreuz in den Garten und versucht, ihn zu erhängen (World’s Finest #286, 1982). Dann tauchen aber Batman und Robin auf, retten Lucius und vermöbeln die Klansmen. Superman wirft das Kreuz in die Atmosphäre, wo es (noch schneller) verbrennt.

Obwohl der Job also ziemlich anstrengend bis lebensgefährlich ist: Lucius bleibt Bruce Wayne treu. Zwischendurch versucht er sogar, Bürgermeister zu werden und vernachlässigt seine Pflichten, sodass Hugo Strange sich an Bruce Wayne rächen kann (Batman Annual #10, 1986). Aber das hält nur kurz an.

Von Luke zurück zu Tim Fox

Zurück zur Familie Fox. In Batman Retroactive 70’s (2011) erzählt Len Wein von einem weiteren Versuch Tims als Verbrecher. Wieder mal streiten sich Vater und Sohn um schlechte Einflüsse durch falsche Freunde. Dann entpuppt Tim sich am Ende als Mitglied des schurkischen Terrible Trio (einem Relikt aus den 60ern): Shark, Vulture und Fox. Aber nein, hinter der Fuchsmaske verbirgt sich ein anderer. Tim Fox verkleidet sich als Geier. Warum nur? Weil ihm sein Vater nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt habe, sagt Tim.

terrible-trio-2011.jpg

Das neue Terrible Trio (DC Comics)

Mit dieser außerkanonischen Spielerei hat sich Tim aber für zehn Jahre erledigt. Nach dem Reboot von Flashpoint (The New 52) bekam Lucius einen neuen Sohn: Lucas bzw. Luke, der zum Superhelden Batwing (dem zweiten) wurde. Der Held in einer fliegenden Rüstung bekam sogar eine eigene Serie, die auf 35 Ausgaben kam. Von Tim war nicht mehr die Rede.

batwing-luke-fox.jpg

Luke Fox als Batwing (DC Comics)

Zuletzt hat Lucius, nach dem Tod von Alfred Pennyworth, die Rolle des Mentors für Bruce übernommen. Er versorgte ihn wieder mit allerlei technischen Spielereien. In eine ähnliche Richtung ist auch die Lucius-Fox-Version in Batman: Earth One gegangen. Da treibt ein junger Lucius die Forscher bei Wayne Enterprises zur Verzweiflung, weil er ständig neue Aufträge für sie hat, um die Wünsche seines Bosses zu erfüllen.

Nach dem Joker War hat Fox sogar Wayne Enterprises ganz übernommen, er kann Batman nicht mehr helfen und durch eine Kette von Ereignissen wird er in der Zukunft (Future State) zum Waffenhändler für den Überwachungsstaat des Magistrate und der Peacekeeper. Und da taucht auch plötzlich wieder Sohn Tim wie aus dem Nichts auf, der sich nun „Jace“ nennt (vielleicht weil schon ein Robin so heißt), wird „The Next Batman“, jedoch ohne dass die Familie davon weiß. Er liegt im Streit mit Luke, Schwester Tamara liegt im Koma, und es gibt auch wieder eine Mutter namens Tanya.

Wie zu all dem kam, wird in The Next Batman: Second Son erzählt.

Batmans Nachfolger in naher Zukunft

future-state-next-batman-co.jpg

DC Comics

Titel: Future State – The Next Batman

Autor/Zeichner: John Ridley u.a./Nick Derington u.a.

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-4), Paperback 2021


Ein paar Jahre in der Zukunft: Gotham ist ein Polizeistaat, bewacht vom Magistrate, einer privaten Paramilitärischen Einsatztruppe, angeführt von den Peacekeepern, die auf alles schießen, was eine Maske trägt, also Superhelden und Schurken zugleich. Batman ist bereits tot (angeblich), doch es gibt einen mysteriösen Nachfolger: Tim „Jace“ Fox, Sohn von Lucius Fox.

Dieser Batman trägt eine Maske, die das ganze Gesicht bedeckt und einen gepanzerten Anzug, der ihm am Verbluten hindert, sowie mit weiteren netten technischen Spielereien gespickt ist. Seine Familie weiß nichts davon. Bruder Luke (ehemals Batwing) ist nicht gut auf ihn zu sprechen, Schwester Tamara liegt im Koma, Vater Lucius liefert Waffen, während Mutter Tanya als Juristin den Bürgermeister berät, wie das „Shoot-on-sight“-Gesetz verbessert werden kann. Ihre Tochter Tiff ist nicht begeistert und versucht, zwischen den zerstrittenen Brüdern zu vermitteln.

future-state-batman-tim-fox.jpg

Tim „Jace“ Fox als Next Batman (DC Comics)

Während der neue Batman also von Polizei und Magistrate gejagt wird, versucht er, das Verbrechen zu bekämpfen, zum Beispiel die Jugend von den Gangs fernzuhalten. Und dann taucht eine Leiche auf, die Täter sind schnell gefasst, doch diese sind Eltern, die bloß ihre ermordete Tochter gerächt haben. Was tun, wenn eine Auslieferung bedeutet, sie dem Tod zu überlassen?

John Ridley (Autor von 12 Years A Slave, wie DC nicht müde wird zu betonen) legt einen Vierteiler vor, der von familiären und moralischen Konflikten durchzogen ist, und zugleich eine Menge Action bietet. Vielleicht steckt auch zu viel in diesen wenigen Seiten, sodass vieles nur angedeutet werden kann, um es anderswo weiterzuerzählen (siehe The Next Batman: Second Son). Trotzdem eine unterhaltsame Lektüre. Leider wird das Vergnügen getrübt durch die ausdrucksarmen Gesichter, die Laura Braga zeichnet. Nick Derington ist bloß für das erste Kapitel verantwortlich und man vermisst ihn schmerzlich.

Nightwing, Batgirls und Outsiders

Ferner sehen wir Nightwing, wie er sich im stillgelegten Arkham Asylum verschanzt, um gegen den Magistrate Krieg zu führen. Dabei wird er unterstützt vom neuen Batman und anderen Mitgliedern der Familie wie Robin, Batgirl, Batwoman, Huntress, Talia al Ghul, Two-Face und Man-Bat.

Im Paperback werden außerdem noch viele andere Geschichten von Nebencharakteren erzählt: Batgirls, Outsiders, Gotham City Sirens sowie Grifter. Wer sich – wie ich – für die Marginalien nicht interessiert, dem sei der Sammelband Batman by John Ridley: The Deluxe Edition empfohlen. Darin ist nur die Geschichte The Next Batman enthalten, neben wenigen Extras.

>> Batman 2020-2029

Batman verlässt die Bathöhle

batman217

DC Comics

Titel: One Bullet Too Many

Autor/Zeichner: Frank Robbins/Irv Novick

Erschienen: 1969 (Batman #217)


Ende 1969 beginnt für Batman ein neues Zeitalter: das Bronze Age. Dick Grayson wird erwachsen, er zieht aus, geht aufs College. Das nimmt der wehmütige Bruce Wayne zum Anlass, ebenfalls von vorn anzufangen, denn er fühlt sich unzeitgemäß.

„We’re in grave danger of becoming — outmoded! Obsoluete Dodos of the mod world outside!“, sagt Bruce zu Alfred. „Our best chance is to — close up shop here! (…) The Batcave is destined to join all the caves of history housing the extinct past!“

batman-217-penthouse.jpg

Das Penthouse auf dem Dach der Wayne Foundation (DC Comics)

Die Bathöhle ist damit als Geheimversteck erledigt. Bruce verlässt Wayne Manor, zieht in ein schickes Penthouse auf dem Dach der Wayne Foundation. Als Batman fängt er von vorn an, macht sein Unternehmen schlanker, beseitigt all den Ballast der Vergangenheit und kehrt zurück zu seinem Ursprung, um wieder Verbrecher das Fürchten zu lehren. Daher zieht er ins Stadtzentrum, um am Puls der Zeit zu sein.

Damit streift der Charakter alles ab, was sich in 30 Jahren an unnötigem Ballast angehäuft hat, vor allem aber sein albernes Image, das mit der TV-Serie mit Adam West ins kulturelle Gedächtnis eingegangen ist. Aber die Welt hat sich weitergedreht, die Jugend wird ernster und erwartet auch von Comics, ernst genommen zu werden. Die Konkurrenz von Marvel macht es seit Jahren vor, dass es anders geht. Einen ersten Ansatz in diese Richtung gab es für Batman bereits 1964 (Detective Comics #327), jetzt geht man diesen Weg wieder konsequent weiter.

Opfer als VIPs

Indem Bruce sich auf seine Ursprünge zurückbesinnt, fokussiert er sich auf das, was ihn antreibt. Deshalb will er den Opfern von Verbrechen helfen und gründet das Victims, Inc. Program, kurz V.I.P. – die Unschuldigen rücken in den Mittelpunkt. Als erstes klärt er den Mord an Dr. Jonah Fielding auf, der mit seiner Frau eine Praxis betrieben hat. Statt als Batman bei der Witwe Susan Fielding aufzutauchen, erscheint er als Bruce Wayne. Leider stellt er sich nicht sofort vor (und die Frau gibt ihm auch keine Gelegenheit dazu), daher fängt er sich zunächst eine Backpfeife ein. Dann aber besänftigt er die Frau mit einem zinslosen Kredit.

Der Täter scheint skrupellos vorgegangen zu sein: Er kam mit einer Schusswunde in die Praxis und tötete seinen Arzt. Bruce hat nur die Kugel, die Jonah Fielding zuvor aus dem Täter herausgeholt hat. Also setzt er Susan Fielding als Köder ein, indem er in der Stadt verbreitet, sie könne den Täter identifizieren. Es funktioniert. Ein Gauner mit Knarre taucht in der Praxis auf, doch statt ihn zu fangen, fängt sich Batman eine weitere Kugel ein – sie gleicht der ersten. So kann er zusammen mit der Polizei dem Täter auf die Spur kommen.

Auch damit kehrt Batman zu seinen Wurzeln zurück: als Detektiv. Und zwar ganz ohne die dämlichen Rätsel von Superschurken lösen zu müssen.

>> Batman 1960-1969

Neuer Comic: „Batman – The Imposter“

batman-imposter-cover.jpg

„Batman: The Imposter“: Cover von Andrea Sorrentino und Lee Bermejo (DC Comics).

Der 12. Oktober sollte der eigentliche Batman-Tag in diesem Jahr werden. Da erscheint nämlich nicht nur das The Long Halloween Special, sondern auch der erste Teil einer neuen Miniserie von DC Black Label: Batman – The Imposter wird ein Dreiteiler von Autor Mattson Tomlin und Zeichner Andrea Sorrentino. Während Tomlin Co-Autor des neuen Films The Batman ist, war Sorrentino bereits für Joker: Killer Smile und Green Arrow (beide mit Jeff Lemire) verantwortlich. Sein düsterer und ausdrucksstarker Stil macht alle seine Werke zu einem Hingucker.

Die Story soll möglichst realistisch angelegt sein, mit Figuren voller Makel. Batman hat sich Feinde gemacht, die Mächtigen haben sich gegen ihn verschworen, um ihn umzubringen. Da taucht ein zweiter Batman auf, der Kriminelle umbringt und das auch noch live überträgt. Das Original muss den Hochstapler fassen und seinen Namen reinwaschen. Von bekannten Schurken ist in DCs Ankündigung nicht die Rede.

batman-imposter3.jpg

Seite aus „Batman: The Imposter“ von Andrea Sorrentino. (DC Comics)

 

Das Besondere an dem Dreiteiler: Gleichzeitig sollen auch übersetzte Fassungen in verschiedenen Ländern erscheinen, darunter auch in Deutschland. (So geschieht es auch mit Batman: The World.) Die Hardcover-Ausgabe ist für den 22. Februar 2022 angekündigt.

>> Batman bei DC Black Label

Neue Miniserie: „Catwoman: Lonely City“

catwoman-lonely-city1.jpg

DC Comics

Normalerweise würde ich hier nicht über neue Catwoman-Comics sprechen, aber dieses Mal lohnt eine Ausnahme. DC hat für den 19. Oktober 2021 den Start einer vierteiligen Miniserie mit dem Titel Catwoman: Lonely City angekündigt, die unter dem Black Label erscheinen soll. Die Story klingt interessant:

Während eines Massakers bei der „Fool’s Night“ wurden Batman, Joker, Nightwing und Commissioner James Gordon getötet, Selina Kyle (Catwoman) landete im Gefängnis. Zehn Jahre später ist Gotham City ein sicherer Ort geworden, ohne Superhelden und -schurken. Bürgermeister Harvey Dent (Two-Face) hütet die Stadt mit seinen Batcops. Als Selina Kyle zurückkehrt, hat sie es auf die Geheimnisse der Bathöhle abgesehen. Sie will kein Geld, sondern eine Antwort auf die Frage: Wer ist Orpheus?

Autor und Zeichner ist Cliff Chiang, bekannt für seine Arbeit an Wonder Woman, Zatanna, Green Arrow, Black Canary und Batman Black & White. Jede Ausgabe von Lonley City wird 48 Seiten umfassen.

Mehr zum Thema:

Harley Quinns neue Kleider

batman-white-knight-harley-.jpg

DC Comics

Titel: Batman: White Knight Presents: Harley Quinn

Autor/Zeichner: Katana Collins, Sean Murphy/Matteo Scalera

Erschienen: 2020-2021 (Miniserie #1-6), Hardcover 2021


Wer Batman: White Knight und Curse of the White Knight nicht gelesen hat, lese bitte hier nicht weiter. Ich will keine Beschwerden über Spoiler. Danke.

Zwei Jahre später: Der Joker ist tot, Bruce Wayne sitzt im Knast, Harley Quinn ist alleinerziehende Mutter von Zwillingen. Da taucht ein neues Schurkenpaar auf, das alte Filmstars umbringt: Starlet und der Producer, der im Hintergrund Pläne schmiedet. Sie haben es auch auf Simon Trent abgesehen, Darsteller des Gray Ghost. Duke Thomas von der GTO (Gotham Terrorist Oppression) bittet Harley, ihm bei der Suche nach den Killern zu helfen. Da sie Geld braucht, macht sie mit – und kehrt zurück ins alte Kostüm.

Das ist aber nur ein Teil der Geschichte, die das Spin-off zur White-Knight-Saga erzählt. Denn viel Platz wird der Vorgeschichte eingeräumt, wie aus Harleen Quinzel Harley Quinn wurde – und das ist der interessantere Teil. Denn das Autorenpaar hat sich eine ungewöhnliche Variation auf das Altbekannte überlegt. Hier ist Harleen zunächst eine Studentin, die sich als Go-Go-Tänzerin die Uni finanziert. So lernt sie zunächst nicht den Joker, sondern den Gangster Jack Napier kennen. Er leidet unter einer gespaltenen Persönlichkeit. Sie versucht, ihn zu heilen. Dass das in einer Beziehung nicht funktioniert, sieht sie nicht. Jacks Alter Ego Joker tritt erst hervor, als er nach einer Konfrontation mit Batman in den Säuretank fällt. Danach wird Harleen zu Harley, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Sie rettet schließlich Robin Jason Todd das Leben, bevor der Joker ihn töten kann.

Damit wird Harley weiter zu einer starken Frauenfigur ausgebaut, die als Heldin allein die Geschichte trägt. Es erschließt sich zwar nicht, wozu sie wieder ein Harlequin-Kostüm anhat und auch nicht, warum sie sich ein neues in Grau und Schwarz machen lässt, und schon gar nicht, warum sie am Ende einen ausfahrbaren gelben Hammer schwingt, aber das ist verzeihlich, wenn man bedenkt, dass ein Superheldencomic solche visuellen Anreize und Zitate braucht.

Bruce Wayne als Red Hood

Und da wir schon vom Visuellen reden: Zeichner Matteo Scalera (u.a. bekannt aus Mark Millars Space Bandits) macht seine Sache so gut, dass man Sean Murphy nicht vermisst. Der Stil ist anders, aber ähnlich genug, dass er sich in die Reihe einfügt: sehr dynamisch, sehr elegant und dank der wasserfarbenartigen Kolorierung entsteht eine organische Atmosphäre.

Allein die Rahmenhandlung um die Serienkiller bleibt hinter all dem zurück. Das Motiv bleibt obskur. Dass auch noch ein FBI-Agent namens Hektor involviert ist, weil seine Mutter eine Schauspielerin ist, weil er zuerst Batman-Fan und dann besessen von Harley Quinn war, weil die Killerin seine Nanny war – das ist alles etwas zu viel und schafft es nicht, für die Figuren oder den Plot tieferes Interesse zu wecken. Der Plan des Producers, neue Schurken für Gotham zu erschaffen, nachdem die alten von Azrael ermordet wurden, ist nichts, was man nachvollziehen könnte. Anscheinend soll damit bloß der nächste Teil vorbereitet werden.

Dann endlich könnte Bruce wieder aus dem Knast kommen und wir erfahren, was es mit Jason Todd auf sich hat, der als Red Hood auf ihn aufpassen soll. In einer Sequenz wird Bruce selbst kurz zu Red Hood, um Harleys Kinder zu retten. Bruce und Harley bleiben einander verbunden – und die Szenen, in denen Harley Bruce besucht, gehören zu den emotional stärksten. So könnte es weitergehen. Und tatsächlich tritt sie hier gewissermaßen sein Erbe an. Auch wenn dieser Band nicht ganz so stark ist wie die vorherigen, unterhält er und macht Lust auf die Fortsetzung.

Mehr zum Thema:

The Long Halloween geht weiter

batman-long-halloween-speci.jpg

DC Comics

25 Jahre nach dem Beginn des Batman-Klassikers The Long Halloween setzt das Kreativduo Jeph Loeb und Tim Sale ihr Werk fort: Laut DC soll das 48-seitige Batman: The Long Halloween Special am 12. Oktober erscheinen. Kosten: 7,99 US-Dollar.

UPDATE: Der Veröffentlichungstermin wurde auf den 26.10.2021 verschoben.

Man kann einwenden, die Fortsetzung sei bereits Dark Victory gewesen, aber Loeb deutet an, dass bisher noch nicht die ganze Geschichte erzählt worden sei. Allerdings ist sonst nichts weiter über den Inhalt bekannt.

Anlass dürfte eher die Verfilmung sein. Der erste Teil des Zeichentrickfilms ist bereits erschienen, der zweite Teil erscheint bei uns am 27. Juli als Video-on-Demand und am 26. August als Blu-ray und DVD. Die Kritiken für den ersten Teil sind überwiegend positiv ausgefallen.

The Long Halloween erzählt von der Frühzeit Batmans. Der Held jagt (noch ohne Robin) einen Serienkiller, der immer an Feiertagen Jagd auf Mafiosi macht. Zugleich wird die Entstehungsgeschichte von Two-Face neu erzählt. Batman trifft dabei auf einige seiner bekanntesten Gegner wie Joker, Riddler, Poison Ivy und Catwoman.

1998 und 1999 gewann das Werk den Eisner-Award, die höchste Auszeichnung der US-Comicbranche. Zurecht: Bis heute gilt es als Klassiker – und zählt nicht nur zu meinen Lieblings-Batman-Comics.

Weitere Werke von Jeph Loeb und Tim Sale:

Batman gegen Liebeswahn

detective-397

DC Comics

Titel: Paint a Picture of Peril

Autor/Zeichner: Dennis O’Neill/Neal Adams

Erschienen: 1970 (Detective Comics #397), Paperback 2013 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 2), 2019 (Batman by Neal Adams: Book Two)


Am Hafen findet ein Festival statt. Bruce Wayne stiftet eine Kunstausstellung. Da steigen nachts vier Taucher aus dem Wasser, um ein Bild zu stehlen. Batman versucht, sie aufzuhalten, fängt sich dabei aber eine Harpune ein, weil er auch einfach nur blöd in der Gegend rumsteht statt auszuweichen. Er dachte wohl, seine erschreckende Präsenz würde reichen.

Nachdem er sich zu Hause selbst ärztlich versorgt hat, verfolgt Batman die Spur, die zum Millionär Orson Payne führt, der zurückgezogen in einem Schloss lebt, seit seine Verlobte, die Opernsängerin Caterina Valance, verschwunden ist. Die Spur sind glühende Algen, hervorgerufen von Radioaktivität. Nur fürs Protokoll: Radioaktive Strahlung glüht nicht, aber da Batman alles kann, kann er sie halt auch glühen sehen.

Besessener Kunstsammler

Orson Payne erinnert nicht nur an einen anderen bekannten Orson, nämlich Welles, er hat auch eine Kunstsammlung angelegt, die an Charles Foster Kane aus dem Film Citizen Kane erinnert, nur mit dem Unterschied, dass Payne alles sammelt, was wie seine geliebte Caterina aussieht. Daher auch der jüngste Kunstdiebstahl: Niemand wollte ihm das Bild verkaufen.

Als Batman ihn konfrontiert, lässt Payne ihn in einer Falltür verschwinden, aber bevor ein riesiger Steinklotz auf ihn fällt, kann er sich befreien. Dann löst sich das Problem fast von selbst: Payne wird wahnsinnig, sieht Gespenster und folgt dem halluzinierten Geist seiner Caterina über die Balkonbrüstung. Leider spoilert das Cover diesen Moment. Batman kann Payne retten.

Am Ende stellt sich heraus: Caterina ist nun Bruce Waynes Haushälterin. Sie singt zwar nicht mehr Opern, aber immerhin ist sie frei, sagt sie. Von Payne zu Wayne also, von einem exzentrischen Einsiedler zum anderen. Eine seltsame Art, sich von einem Liebhaber loszumachen, aber Emanzipation muss jede für sich selbst definieren.

>> Batman 1970-1979

Zwischen Clownhunter und Ghost-Maker

batman-ghost-stories

Titel: Batman Vol. 3 Ghost Stories

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Guillem March

Erschienen: 2020 (Batman #101-105, Annual #5), Hardcover 2021


Der Joker War ist vorbei. Batman sieht ein, dass er bisher etliche Fehler gemacht hat (er gibt dem Joker recht), und beschließt, künftig seinen Job besser zu machen. Er muss auch deswegen umdenken, weil ihm seit dem Joker War die Mittel als Bruce Wayne fehlen. Jetzt heißt es sparen bei Hightech-Spielzeug. Lucius Fox kann ihn nicht mehr versorgen. Catwoman gibt ihm ein Jahr Bedenkzeit, auch um ihre gemeinsam Zukunft zu klären.

In Gotham treiben noch die Grinners ihr Unwesen, Opfer des Jokergases, während die Mitglieder von Jokers Armee ihre Masken abgelegt und sich verkrochen haben. Doch da ist noch ein Junge, der nicht bereit ist, zu vergessen, und die Übeltäter mit einem Baseballschläger jagt, in dem ein Batarang steckt – ein „Bat-Bat“.

Morden oder nicht morden?

Dieser Clownhunter ist ein siebzehnjähriger Junge namens Bao. Hier (in Batman Annual #5) wird erklärt, wie er dazu kam: Er will – nach altem Brauch – seine Eltern rächen, die dem Joker zum Opfer gefallen sind (siehe auch Signal). Damit es nicht zu sehr wie ein Abklatsch von Batman und Robin wirkt, beschließt er es erst, nachdem ihm Batman versprochen hat, sich drum zu kümmern, und gescheitert ist. Also nimmt er den Batarang, den ihm Batman geschenkt hat, bastelt sich einen feschen Irokesenhelm und legt los. Allein wie ein Dauergamer so ein geschickter Nahkämpfer wird, wird leider nicht erklärt.

Und dann taucht noch ein neuer Vigilant-aber-eigentlich-Schurke auf: der Ghost-Maker, ein alter Bekannter von Bruce Wayne. Der findet es gar nicht gut, dass irgendwelche Leute losziehen und andere Leute umbringen, und sei es für den guten Zweck. Also zieht er selbst mit seinen zwei Schwertern los und bringt diese Leute um – nämlich für den guten Zweck, um endlich mal Ordnung in diesen Saustall namens Gotham zu bringen. Es kommt zum Kampf Clownhunter gegen Ghost-Maker, das heißt: fast, denn Batman geht dazwischen. (Daher ist der angekündigte Kampf auf dem Cover von Batman #103 eine dreiste Mogelpackung.)

Batman-105.jpg

Clownhunter und Ghost-Maker (Batman #105, DC Comics)

Gekämpft wird um zwei verschiedene Auffassungen darüber, wie man mit Verbrechern umgehen soll. Batman glaubt daran, dass Menschen sich ändern können, Ghost-Maker ist skeptisch. Im Grunde geht es also um die alte Frage: Darf man Verbrecher töten oder nicht? (ACHUNG SPOILER!) 

Ghost-Maker bringt Clownhunter und Harley Quinn zusammen, damit dieser sie töten kann. Sie bringt den Jungen mit einer langen Ansprache davon ab. Am Ende, bevor es wieder zum Schwertkampf der beiden Kontrahenten kommen kann, will Ghost-Maker wieder das Weite suchen, aber Batman bringt ihn dazu, zu bleiben und sich mit ihm in Gotham nützlich zu machen. Aber ohne Mord. Deal.

Die Batman-Familie wächst weiter

Leider ergibt das keinen Sinn. Ghost-Maker ist ein Massenmörder, und ein Psychopath, wie Batman feststellt. Er hat auch in Gotham bereits viele Menschen getötet. Und statt dass Batman seinen Gegner zur Strecke bringt und der Polizei übergibt, ist plötzlich alles vergeben und vergessen. Und der so sehr von sich selbst überzeugte Ghost-Maker fügt sich, obwohl er Batman immer noch Unrecht gibt.

Der dritte Batman-Band von James Tynion IV ist damit ein arg bemühtes und auch sonst uninspiriertes Zwischenstück, das bloß noch einen neuen Charakter einführt, die überfüllte Batman-Familie um ein Mitglied erweitert (als wären vier Robins und drei Batgirls nicht genug), wobei die größte Bereicherung darin besteht, dass Ghost-Maker zwar einen bescheuerten Namen, aber dafür das stylischste Kostüm trägt. Downgraden geht eigentlich anders.

Immerhin überzeugt Ghost Stories visuell, auch wenn hier zu viele Zeichner am Werk waren, die auch innerhalb der Ausgaben wechseln, was einen uneinheitlichen Gesamteindruck hinterlässt. Besonders interessant aber ist das Annual über Clownhunter. James Stokoe hat einen sehr eigenwilligen, sperrigen Stil, der aber auf angenehme Weise herausfällt aus der üblichen glatten Superheldenästhetik.

>> Batman 2020-2029

Unsterblich, wahnsinnig oder tot

detective-395

DC Comics

Titel: The Secret of the Waiting Graves

Autor/Zeichner: Dennis O’Neill/Neal Adams

Erschienen: 1970 (Detective Comics #395), Paperback 2013 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 2), 2019 (Batman by Neal Adams: Book Two)


Unsterblichkeit oder sofortiger Tod – eine interessante Wahl, die die Frau mit dem Falken und den Wölfen Batman da auf dem Cover unterbreitet. Wie kommt’s? Und wie wird Batman sich entscheiden? In der Story hat er diese Wahl zwar nicht, aber da hier Dennis O’Neill und Neal Adams erstmals zusammenarbeiten, schauen wir trotzdem mal rein.

Die Geschichte spielt in Mexiko. Bruce Wayne ist eingeladen zu einem Fest bei Dolores und Juan Muerto. Der Name ist Programm. Denn kaum sind die Gäste zu einer Fahrt in Heißluftballons gestartet, machen sich Falken über einen her, sodass der Mann im Korb in die Tiefe stürzt. Als hätte Bruce es geahnt, fliegt er nicht mit, sondern springt im Batman-Kostüm genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort herbei, um den Mann zu retten und ins Wasser zu stoßen.

Muertos lernen Sterben

Als sich Bruce wieder in die Party stürzt und mit der Gastgeberin tanzt, wird auf den eben geretteten Mann (Valdes) geschossen. (Übrigens scheint es niemanden zu kümmern, dass er gerade einen Sturz ins Wasser überlebt hat.) Batman hält die Attentäter auf, wird aber von zwei Wölfen in die Flucht geschlagen. Hinter den Attentaten stecken die Muertos – was auch kein Wunder ist bei dem Namen.

Das Paar führt Valdes in eine Höhle mit Blumen, die unsterblich, aber wahnsinnig machen. Valdes entpuppt sich als Agent der Regierung und will die beiden festnehmen. Sie schlagen ihn K.O., dann auch den dazuspringenden Batman, der von den Blumen Halluzinationen bekommt. Natürlich wird er nicht demaskiert, soll er ruhig in seiner Verkleidung sterben, wenn ihn die Falken auffressen – auch die fiesesten Schurken mögen einen würdigen Tod. Aber müssten die Blumen, die angeblich auch unsterblich machen, den Tod nicht verhindern?

Wir werden es nie erfahren, denn Batman befreit sich und entkommt, indem er die Tiere schwer misshandelt, dann fackelt er auch noch die Blumen ab. Die Muertos werden dann plötzlich sehr schnell älter und ihrem Namen endlich gerecht. Bequemerweise purzeln sie direkt in ihre offenen Gräber, die Grabsteine stehen samt Inschrift schon da, als würden sie sie erwarten. Batman muss nur noch das Todesjahr dazuschreiben. Zum Glück hat er Fingerfarbe dabei.

Und wieder stellen wir fest: Batman tötet zwar nicht, aber er hilft trotzdem gern nach.

>> Batman 1970-1979