Elseworlds

Die große Batman-Kostümparade

DC Comics

DC Comics

Titel: Brotherhood of the Bat

Autor/Zeichner: Doug Moench/Jim Aparo, Norm Breyfogle, Graham Nolan u.a.

Erschienen: 1995 (One-shot)


„In future, I swear to you … I shall do better.“ (Batman/Tallant)

Mehr als 50 Jahre in der Zukunft ist der Großteil der Weltbevölkerung von einem Virus ausgerottet. Batman ist tot, die Menschheit versinkt in Anarchie. Ra’s al Ghul hat triumphiert. Um die Ordnung wieder herzustellen, lässt er sich von seinem größten Gegner inspirieren und macht aus seinen besten Schergen die „Brotherhood of the Bat“, eine nach Batmans verworfenen Kostümideen gekleidete Eingreiftruppe, die durch die Straßen Gothams zieht und die Übeltäter unschädlich macht. Ein junger Mann, Tallant, der Sohn von Bruce Wayne, tritt das Erbe seines Vaters an, infiltriert Ra’s Bande und schaltet in alter Rambo-Manier einen falschen Batman nach dem anderen aus. Am Ende kommt es zum unvermeidlichen Duell mit dem Obermacker.

Interessant an dieser 08/15-Story ist zwar, dass hier das Szenario durchgespielt wird, was wäre, wenn Ra’s Erfolg hätte. Aber viel wird daraus nicht gemacht. Der einzige Reiz besteht in der Vielfalt der zum Teil ausgefallenen Batman-Kostüme und dass man dadurch Batman gegen Batman kämpfen sieht. Verschiedene Batmobile bedienen die Nostalgie der Fans. Zu diesem besonderen Anlass haben mehrere Zeichner an diesem Comic mitgewirkt, aber grafisch bleibt es doch nur Durchschnitt – ebenso wie die Dialoge.

Brotherhood of the Bat wurde später im Zweiteiler League of Batmen fortgesetzt. Die Idee, dass Batman einen Sohn mit Talia hat, wurde mit Batman and Son in die Haupt-Continuity integriert.

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Batman gegen Al Capone

DC Comics

DC Comics

Titel: Scar of the Bat

Autor/Zeichner: Max Allan Collins/Eduardo Barreto

Erschienen: 1996 (One-shot)


„It started with a man with a bat.“

Die Unbestechlichen waren eine Gruppe von Prohibitionsagenten, die von 1929 bis 1931 gegen Al Capone vorgingen, angeführt vom Finanzbeamten Eliot Ness. Die Geschichte wurde mehrfach verfilmt, besonders bekannt von Brian DePalma, auch wenn der Film wenig mit den historischen Tatsachen gemeinsam hatte. Scar of the Bat ist nah dran an den Fakten, wenn man davon absieht, dass Eliot Ness sich hier eine Batman-Maske aufsetzt und die Mobster mit Baseballschläger („Bat-Man“) und Maschinengewehr malträtiert. Denn selbst ein unbestechlicher Polizist, so die Moral von der Geschicht‘, muss mal die Regeln brechen, wenn er an die größten Verbrecher herankommen will. Und so eine Batman-Maske macht offenbar mehr Eindruck als bloß Schnapsfässer kaputtzuschlagen.

Das Problem an dieser Elseworlds-Story ist, dass sie nur wenig mit Batman zu tun hat: Kein Bruce Wayne oder andere Mitglieder der Bat-Familie, keine klassischen Schurken – und vor allem keine Batman-Prinzipien. Menschen werden einfach niedergemäht und dadurch wirkt das Batman-Konzept willkürlich oktroyiert, ohne wirklich in das Szenario zu passen. Batman, ein Typ mit Maske und Trenchcoat, wirkt hier bloß als Schreckgespenst. Abgesehen davon fehlt auch das Drama, um diese Story spannend zu machen. Immerhin leistet Zeichner Eduardo Barreto eine solide Arbeit, auch als Kolorist mit Wasserfarben.

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Finstere Aussichten für Robin

Titel: Robin 3000

Autor/Zeichner: Byron Preiss/P. Craig Russell

Erschienen: 1992 (Mini-Serie #1-2), Paperback 2016 (Elseworlds: Batman Vol. 1)


„It is time for Robin to return.“ (Robin)

„blah! blah! blah!“

Was wäre eine Zukunft ohne Batman, aber mit einem Robin? Ziemlich düster. Zu Beginn des vierten Jahrtausends (also um 3000) beherrschen böse Aliens, die Skulp, die Erde. Batman wird als Bruce Wayne XX. entlarvt und kurz darauf getötet. Dessen Neffe Tom Wayne wird gefangen genommen und flieht in die Tiefen des Weltalls, verliert dabei eine Hand und bekommt eine Prothese voller nützlicher Gadgets. In der Zwischenzeit setzen die Schurken mit Androiden, die aussehen wie Tom, für ihre Propaganda ein und korrumpieren weiterhin den Ruf der Waynes. Doch Batman hat einen Ass im Ärmel: einen Robin-Roboter. Demnach gibt es also zwei Wunderknaben, die im Geiste Batmans weitermachen. Tom Wayne schließt sich einer Widerstandsbewegung an, um sich von den Unterdrückern zu befreien.

Bei manchen Elseworlds-Storys muss man sich fragen: Was hat sich DC dabei bloß gedacht? Robin 3000 ist so eine Geschichte. Denn eigentlich hat sie mit Batman und Robin nicht viel zu tun. Es könnte eine gewöhnliche Science Fiction-Story sein, wenn nicht die Namen der Figuren wären (ja, es gibt auch eine Katzenlady namens Selina Kyle – so what?). Der echte Robin ist als solcher kaum zu erkennen, er trägt weder Kostüm noch Maske, der Robo-Robin hat wiederum keine Seele und erfüllt keinen anderen Zweck, als am Ende dem Helden bloß sein Kostüm zu übergeben. Hier könnte die Story beginnen, aber hier ist Schluss.

Nichts an der Handlung ist der Rede wert, es gibt keinen Grund für die Existenz dieser Comics – und schon gar nicht für zwei Teile, die dazu führen, dass man sich durch fast 100 Seiten durchquälen muss. Auch wegen der grausigen Optik: lieblose Zeichnungen mit ausdrucksarmen Figuren und detailarmen Hintergründen, zugekleistert mit widerwärtig grellen Gelb-, Orange-, Rot- und Rosa-Tönen. Es wirkt, als hätte eigentlich niemand Lust auf diesen Job gehabt.

Robin 3000 ist nichts als billiger Groschenroman-Trash. Nichts rechtfertigt, warum man so einen Schund in einer Elseworlds-Anthologie nachdrucken sollte.

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Düsterer Dämon gegen finstere Mächte

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Joker – The Wild

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1993 (One-shot), Paperback 2016 (Elseworlds: Batman Vol. 1)


„… a man of darkness can surely serve the cause of light!“

„Evil must be fought with light! Darkness cannot oppose darkness!“

Es war einmal im fernen Land Wild … ein böser Zauberer Namens Dark Joker, der gerne Menschen enthauptete und sich an ihren Gehirnen gütlich tat. So terrorisierte er das Land mit seinen dämonenhaften Schergen. Eine Zauberin, die dem wilden Treiben Einhalt gebieten wollte, suchte den wilden Bat-Man auf, ein blaues Wesen, halb Mensch, halb Fledermaus, das gerne Steinböcke fraß. Jener Bat-Man war ein Produkt von Zauberern, die der Dark Joker getötet hatte. Der kleine Bat-Man war von ihm aus dem Fenster geworfen worden, aber entkam dem Tod mithilfe seiner Schwingen. Die Zauberin, die seine Schwester ist, lehrte ihn das Sprechen, dann suchte er sich ein paar Menschen zur Hilfe und bekämpfte den Dark Joker bis zum Tod des Schurken. Ende der Geschichte.

Mal wieder so ein typisches Moench/Jones-Ding (Red Rain/Bloodstorm, Haunted Gotham): eine sehr düster und grotesk gezeichnete Story voller Pathos und Splatter. Aber im Gegensatz zu dem üblichen Gothic-Chic ist diese Elseworld ist eine klassische Fantasy-Welt im Mittelalter-Stil. Batman als Dämon verkörpert den typischen Konflikt, dass er als Inkarnation der Finsternis die Mächte der Dunkelheit bekämpfen soll. Der Joker mordet als Zauberer ebenso willkürlich wie auch als gewöhnlicher Clown Prince of Crime. Es nervt ein wenig, dass die Menschen, nachdem ihnen Batman immer wieder hilft, ihm trotzdem misstrauen. Das soll wohl die Spannung steigern, bremst aber bloß die Handlung aus. Ansonsten ist Dark Joker – The Wild als Variation des Altbekannten in Ordnung, wenn man sich für Geschichten in diesem Stil eines düsteren Märchens interessiert. Alle anderen können darauf verzichten, ohne dass ihnen viel entgeht.

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Batman als Revolverheld

DC Comics

DC Comics

Titel: The Blue, the Grey, and the Bat

Autor/Zeichner: Elliot S. Maggin, Alan Weiss/Alan Weiss

Erschienen: 1992 (One-shot), Paperback 2016 (Elseworlds: Batman Vol. 1)


„You sons of whores killed my horse!“ (Batman)

Wir hatten schon alles: Batman als Vampir, als Green Lantern, sogar als Pirat. Was fehlt? Ach ja, Batman als Cowboy. Aber warum sollte ein Cowboy sich als Fledermaus verkleiden? Egal, einfach so. Doch anders als man von einem Western erwarten könnte, ist er kein Outlaw, der nach eigenen Regeln kämpft, sondern ein treuer Staatsdiener der USA. Genauer gesagt: der Nordstaaten, die sich gerade im Bürgerkrieg mit dem Süden befinden. Präsident Abraham Lincoln höchstselbst beauftragt Batman, eine Ladung Gold zu retten, um den Krieg finanzieren zu können. Also macht sich Bruce Wayne auf den Weg nach Nevada, um herauszufinden, wer den Schatz stiehlt …

Batman ist hier also bloß Diener der Staatskasse. Mit anderen Worten: er jagt dem Geld hinterher. So gehört es sich zwar nicht für Batman, aber für einen Cowboy. Und zu einem Cowboy gehört auch, ein Revolverheld zu sein. Also ballert Batman wild herum (manchmal benutzt er auch eine Peitsche oder Pfeil und Bogen). Ein moralisches Problem stellt das nicht dar. Allerdings sieht man nie, dass er jemanden umbringt. Die Schüsse landen bloß entweder in der Hand oder im Arm der Gegner und wenn er wahllos in eine Gruppe schießt, dient das nur dem Zweck, sie am Ende fesseln zu können. Blut fließt nie. Damit ist das Reflexionsniveau über Gewalt etwa so hoch wie in John-Wayne-Filmen.

Und auch sonst ist The Blue, the Grey, and the Bat eine altbackene Story mit einem Reigen an Western-Klischees – von sinnlosen Saloon-Schlägereien bis zu gefiederten Indianern. Apropos: der einzige Indianer, der eine Rolle spielt, ist das Robin-Pendant Redbird (ein Name, der verdächtig nah an das Wort „Redskin“ gerät). Immerhin er darf einmal metzeln, dass das Blut spritzt. Aber das nur, um seine Familie zu rächen. Die Wilden sind hier die Weißen. Puh, gerade nochmal gut gegangen – wenigstens ein Klischee wurde zu einem politisch korrekten Statement abgewandelt. Immerhin: Eine kleine Truppe von ehemaligen Sklaven darf für die gute Sache kämpfen. Doch das ist bloß eine gesichtslose Menge. Die meisten Helden bleiben die Weißen. Neben Lincoln treten noch andere historische Personen wie Samuel Clemens (alias Mark Twain) und der Revolverheld James Butler Hickok (alias Wild Bill) auf, aber sie bereichern die Story nicht wirklich. Sie lenken eher von der Hauptfigur ab. Aber die wird ohnehin vernachlässigt.

Das Problem an diesem Elseworlds-Szenario ist, dass es nicht die Essenz von Batman in ein anderes Setting überträgt, um ihm eine neue Facette abzugewinnen, sondern den Helden beliebig erscheinen lässt. Es spielt keine große Rolle, dass der Mann auf dem schwarzen Pferd ein Fledermauskostüm trägt. Weder kann er sich damit in der Wüste und bei Tageslicht gut verstecken, noch jagt er damit jemandem Angst ein, noch hat er Tricks auf Lager, die sonst keiner hat. Bruce Wayne ist kein grimmiger Einzelgänger, der eine Bürde zu tragen hat, er lächelt, als ob er das alles nur zum Spaß machte. Batman als Cowboy ist nicht als eine platte Wildwest-Show.

Gibt es denn sonst nichts Gutes über dieses Machwerk zu sagen? Doch: Batmans Kostüm (ganz in schwarz) ist gelungen. Und das Cover des Erstdrucks mit seiner Prägung und seiner Anmutung von handgeschöpftem Papier ist ganz hübsch geraten. Aber das ist bloß ein Sahnehäubchen auf dem Misthaufen.

P.S.: Ja, den oben zitierten Satz hat Batman wirklich gesagt. (Wütend und schießend wie John Wick nachdem man seinen Hund getötet hat.)

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Die Batman-Antifa

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Allegiances

Autor/Zeichner: Howard Chaykin

Erschienen: 1996 (One-shot), Paperback 2016 (Elseworlds: Batman Vol. 1)


„Better a madman with a mission than a plutocrat hiding behind the walls of privilege.“ (Batman)

Während in den 1930er Jahren Hitler die Welt bedroht, streben in den USA faschistisch-rassistische Mächte auf. Die White Legion, eine Art Ku-Klux-Klan mit Hakenkreuzen auf der Kapuze, treiben ihr Unwesen. Batman legt sich mit ihnen an. Aber auch gegen Polizisten geht er vor, die Arbeiter vermöbeln. Mit einem Wort: Batman ist der Gutmensch in einer bösen Welt zwischen Faschismus und Polizeistaat, in der auch eine Art Joker, Pinguin und Two-Face mitmischen. Batman verbündet sich mit Catwoman (in rot!) und verhindert ein Attentat auf den US-Präsidenten Roosevelt und Hitler. Ja, Batman rettet dem Mann, der kurz darauf den Zweiten Weltkrieg auslöst, das Leben. Und vorher darf Bruce Wayne ihm die Hand schütteln und Smalltalk mit ihm halten. Diese ironische Schicksalswendung wird aber wieder gutgemacht, indem Batman, Catwoman und Robin (Alfred!) die Nazis terrorisieren.

Was ist von dieser Farce zu halten? Man nimmt es gleichgültig zur Kenntnis. Diese Elseworlds-Story ist oberflächlicher als sie sein will, doch das Gute daran ist, dass sie schnell beendet werden kann. Batman als Antifaschist mag ein spannendes Thema sein (vgl. Chaykins Thrillkiller). Doch in dieser unausgegorenen, uneinnehmenden Geschichte wirkt jeder noch so interessante Ansatz verloren. Die sperrigen Zeichnungen von Chaykin lassen nahezu jedes Gesicht so entstellt wie Two-Face aussehen. Immerhin Catwoman ist ziemlich aufreizend geraten. Immerhin das kann Chaykin gut. Das rettet Dark Allegiances allerdings auch nicht.

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Gesammelte Anderswelten

DC Comics

DC Comics

Der erste Batman-Elseworlds-Sammelband ist auf Englisch erschienen. Enthalten sind die folgenden Titel:

  1. Holy Terror (1991)
  2. Houdini: The Devil’s Workshop (1993)
  3. Castle of the Bat (1994)
  4. In Darkest Knight (1994)
  5. Dark Allegiances (1996)
  6. The Blue, the Grey, and the Bat (1992)
  7. Dark Joker: The Wild (1993)
  8. Robin 3000 (1992)

Empfehlenswert sind zunächst die ersten drei Storys: Batman kämpft darin gegen einen dystopischen Kirchenstaat und Vampire und wird zu Frankensteins Monster. Vor allem visuell hinterlassen die beiden letztgenannten einen guten Eindruck. In Darkest Knight klingt zunächst cool: Bruce Wayne wird zu Green Lantern. Doch die Story dazu ist bei weitem nicht so cool wie die Grundidee. Das ist häufig der Nachteil dieser alternativen Welten: sie basieren nur auf einer interessanten Idee, ohne dass eine interessante Story dazu erdacht wurde. (So ist etwa auch Speeding Bullets, Superman im Batman-Kostüm, eine herbe Enttäuschung.)

Digital sind diese und andere Elseworlds-Storys schon länger bei Comixology zu haben. Im Juli soll ein Justice League-Band herauskommen mit folgenden Titeln:

  • League of Justice
  • Justice Riders
  • Elseworld’s Finest
  • Elseworld’s Finest: Supergirl & Batgirl
  • Titans: Scissors Paper Stone
  • Wonder Woman: Amazonia

Im Dezember soll ein Superman-Band erscheinen, in dem auch Speeding Bullets enthalten sein soll. In nächster Zeit werde ich die noch ausstehenden Storys aus dem Batman-Paperback besprechen – und auch die übrigen Elseworlds sollen folgen. Eine Übersicht über die Batman-Elseworlds-Titel gibt es hier.

In Gotham ist die Hölle los

DC Comics

DC Comics

Titel: The Doom that Came to Gotham (dt. Schatten über Gotham)

Autor/Zeichner: Mike Mignola, Richard Pace/Troy Nixey

Erschienen: 2000-2001 (Mini-Serie #1-3, Paperback 2015), dt. Panini 2001 (DC Premium, Bd. 1), Batman Collection: Mike Mignola (Panini 2012), DC Comics Graphic Novel Collection (Eaglemoss 2015)


„To save Gotham City … you must cut out its heart.“ (Harvey Dent)

„To prevail in this, Bruce Wayne must die … and through death become himself.“ (Etrigan)

Im Jahr 1928 entdeckt der Forscher Bruce Wayne auf einer Antaktis-Expedition ein verlorenes Schiff und einen Überlebenden, der ein Monster hütet. Wayne bringt den Mann aus dem Eis nach Gotham City – aber damit auch einen Vorläufer des Fluchs, der in der Stadt darauf wartet, befreit zu werden.

Was folgt, ist ein Mash-up aus H.P. Lovecraft, Hellboy und der Welt von Batman: Schlangenmenschen, Werwölfe und Tentakelriesen treffen auf Variationen von Mr. Freeze, Poison Ivy, Two-Face und Ra’s al Ghul. Eine Reptilienplage überzieht Gotham City. Eine Art Killer Croc tötet Menschen für den bösen Zweck. Und das alles nur, weil Gothams Gründerväter mal an ein paar satanischen Ritualen teilgenommen haben – unter anderem auch Thomas Wayne, der zwar lange leben darf, aber schließlich für den Fluch ermordet wird. Batman muss also Papas Fehler wiedergutmachen.

Batmans altmodisches Kostüm wird zwar in Mitleidenschaft gezogen, aber sonst hat er gegen seine Gegner am Ende leichtes Spiel. Zuvor scheut er nicht davor zurück, eine Pistole zu benutzen – seine Eltern wurden nämlich mit einem Messer abgestochen. Im Finale darf der Dämon Etrigan, der in höllenverwandten Storys obligatorisch ist, als Deus ex machina herhalten, um dieser Geschichte ein jähes Ende zu bereiten. Das alles wirkt nicht nur, wie schon mal gesehen: ganz ähnlich ist auch das unsägliche Haunted Gotham gemacht.

Leider ist The Doom that Came to Gotham nicht viel inspirierter oder gar spannender geraten. Immerhin die Zeichnungen sind passabel, wobei die Monster überzeugender gelingen als die Menschen. Man wird den Verdacht nicht los, dass es auch den Autoren darum ging. Batman wird am Ende nämlich buchstäblich zum Fledermausmann, was übrigens auch schon in Batman & Dracula und Bloodstorm vorgekommen ist.

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Raiders of the Lost Argos

Batman versus Superman, Teil 9: Elseworld’s Finest (1997)

DC Comics

DC Comics

Titel: Elseworld’s Finest

Autor/Zeichner: John Francis Moore/Kieron Dwyer

Erschienen: 1997 (Mini-Serie #1-2)


Was wäre wenn … Clark Kent und Bruce Wayne schon 1928 in der Blüte ihres Lebens gestanden hätten? Dann würde sie bestimmt ein gemeinsames Abenteuer zu Helden, wenn nicht gar Superhelden machen. Der Zweiteiler Elseworld’s Finest spielt diese Möglichkeit durch – und zwar auf sehr liebenswerte Weise im Stil einer typischen Pulp Fiction-Story à la Indiana Jones.

Der Hommage-Charakter wird schon auf der ersten Seite deutlich: Dort wird eine Comic-Seite aus dem Daily Planet gezeigt, in der es um ein Abenteuer Captain Marvels in Atlantis geht. Kurz darauf ist einer der Leser dieser Seite – der Zeitungsausträger Jimmy Olsen – Zeuge, wie ein Archäologie-Professor von Gangstern bedroht wird. Und wie der Zufall es will, wird ihm auf der Flucht das Leben von dem Reporter Clark Kent gerettet. Ihm erzählt Jimmy, was er gesehen hat, man geht zur Uni, kurz darauf taucht die Tochter des Professors, Lana Lang, auf und schon ist man unterwegs, um den Professor und die mythische Stadt Argos zu finden.

Für das richtige Indy-Feeling braucht es aber noch einen Draufgänger. Dem begegnet unser Team in Paris: Der Abenteurer Bruce Wayne hängt dort herum und betrinkt sich, nachdem er das Vermögen seiner toten Eltern verprasst hat. Gemeinsam geht die Reise nach Ägypten, wo man auf Ra’s al Ghul trifft, später bringt der (von Jules Verne inspirierte) Pirat Luthor alle in seinem U-Boot nach Argos, wo Kent eine Entdeckung macht, die ihn persönlich betrifft …

Gut, die Story ist nach typischem Schema geschrieben und die Zeichnungen erfüllen ihren Zweck, ohne besondere Kunst zu sein. Aber mehr will Elseworld’s Finest auch nicht. Herausgekommen ist ein Stück unterhaltsamer Schund-Literatur im besten Sinne. Wir sehen eine alternative Entstehungsgeschichte von Superman und Batman, die nach ihrem Abenteuer als dynamisches Duo zu Comic-Helden werden. Besonders interessant sind die Kostüme, die sie im Laufe der Handlung bekommen – auch wenn Batman eher nach Katze als nach Fledermaus aussieht. Aber wie so oft läuft es darauf hinaus, dass eine Elseworlds-Story nur ein Umweg ist, um zum bekannten Status quo der Continuity zu gelangen.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

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Kingdom Come: Offenbarung der Superhelden

DC Comics

DC Comics

Titel: Kingdom Come

Autor/Zeichner: Mark Waid/Alex Ross

Erschienen: 1996 (Mini-Serie #1-4, Paperback 1996), dt. Carlsen 1997, Panini 2013


„… perhaps humanity’s only chance is for superhumans to swallow each other …“ (Batman)

Superman hat aufgegeben. Andere Helden sind seinem Beispiel gefolgt. Batman lässt nur noch Roboter über sein Gotham wachen – und macht es dadurch zu einem Polizeistaat. In der Zukunft haben andere Metamenschen das Erbe übernommen – aber sie wissen es nicht zu schätzen. Statt den normalen Menschen zu helfen, werden ihre Kämpfe untereinander zur Bedrohung. Schließlich eskaliert ein Konflikt in der atomaren Verwüstung von Kansas. Das bringt den gealterten Einsiedler Superman dazu, seine Festung der Einsamkeit zu verlassen, die Justice League wieder zusammenzubringen und wieder für Ordnung zu sorgen. Sein Ultimatum: Entweder die Metawesen schließen sich ihm an oder sie werden bestraft.

Schließlich baut er ein riesiges Gefängnis für alle Querulanten. Doch dadurch wird alles noch schlimmer: Intrigen, Grabenkämpfe, Tote. Es kommt zur ultimativen Schlacht, bei der sich am Ende die Frage stellt, ob es besser wäre, dass die Helden oder die Menschen draufgehen. Superman ist verzweifelt, er weiß nicht, was er tun soll.

Kingdom Come zeigt das Superheldentum in der Krise. Die Helden sind bloß noch selbstverliebte Götter, die den Bezug zur Menschlichkeit verloren haben. Doch selbst Supermans Versuch, die Fehler wiedergutzumachen, scheitert. Es geht um die Grundfrage, ob es legitim ist, für die gute Sache zu töten – und mit seinen Idealen zu brechen. Denn am Ende geht es nicht ohne Opfer.

In diesem unlösbaren Dilemma streben böse Mächte auf, die die Menschheit wieder triumphieren sehen wollen, allen voran Lex Luthor. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des Pfarrers Norman McCay, der vom Spectre das Geschehen offenbart bekommt. Sie sind die unbeteiligten Beobachter der nahenden Apokalypse, die sie aber auch nicht kaltlassen kann. In gewisser Weise ist Kingdom Come für Superman das, was The Dark Knight Returns für Batman ist: die Demontage eines Mythos.

Bei allen Zweifeln ist Kingdom Come aber auch zugleich eine Feier der Superhelden. Ein Blick auf die Seiten von Alex Ross reicht, um ein Gefühl von Erhabenheit zu bekommen. Erst durch seine prächtigen Gemälde bekommt die Story eine epische Würde. Die Helden strotzen vor Kraft und Anmut, die Menschen wirken so menschlich, wie man sie nur darstellen kann. Alex Ross hat ein Gespür für lebensnahe Darstellung und romantische Überhöhung. Beides kombiniert er zu einer Bilderzählung von biblischen Dimensionen. Seine überbordenden Schlachten unzähliger Helden zeigen, dass sie bloß beeindruckend aussehen sollen. Die wahren Konflikte aber werden woanders ausgetragen: im Zwischenmenschlichen oder im Kampf mit sich selbst.

Mark Waid hat ein Werk geschaffen, in dem zwar viele Figuren vorkommen, aber in dem nur wenige eine Rolle spielen. Dadurch wirkt sie bei allen Schlachten nie unpersönlich. Der Rest ist schmückendes Beiwerk, aber zu schön, als dass es entbehrlich wäre. In diesem Konzept spiegelt sich das Prinzip von Superhelden überhaupt: knallbunte Action von Überwesen als Fassade für menschliche Dramen und Reflexionen über die Conditio humana. Weil Kingdom Come genau das perfekt auf den Punkt bringt, ist es eine der besten Superman-Storys und wohl die größte Elseworlds-Story überhaupt.

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