Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Was Gotham im Innersten zusammenhält

Was macht Gotham City aus? Lange Zeit war die Stadt von Batman bloß eine Kulisse, in den 70ern entwickelte sich eine Topologie mit den vertrauten Orten: Crime Alley, Arkham Asylum, Wayne Manor oder der Wayne Tower. Doch die Stadt zu kartografieren, wäre ein absurdes, weil unmögliches Unternehmen. Die Stadt verändert sich mit jedem Comic-Zeichner, jedem Film und jeder Zeichentrickserie. Die einzige Konstante ist das Verbrechen. Ohne Verbrecher kein Batman. Und so sind es die Geschichten, die diese Stadt ausmachen.

Das ist, in Kurzfassung, das, worum es in diesem interessanten Video-Essay des YouTubers The Nerdwriter geht: „The Evolution of Batman’s Gotham City“.

Das Two-Face-Double-Feature

DC Comics

Titel: The Crimes of Two-Face/The Man Who Led a Double Life

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Detective Comics #66, 68), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two-Face)


„… the most bizarre criminal of all time … a twentieth century Jekyll-Hyde …“

Einer der interessantesten von Batmans Erzfeinden ist Two-Face. Nicht nur wegen seines Doppellebens, das er mit Batman gemeinsam hat, nicht nur wegen des persönlichen Bezugs zu ihm, weil er einst ein Freund gewesen ist, sondern vor allem wegen seiner tragischen Vorgeschichte. Die wird gleich in der ersten Ausgabe ausführlich ausgebreitet. Ganze vier Seiten bekommt Harvey Kent (!), um zu Two-Face zu werden. So viel hat nicht einmal Batmans Entstehungsgeschichte bekommen.

Es ist bemerkenswert, wie gut die Figur durchdacht ist, von Anfang an ist alles da: der Staatsanwalt, der vom Gangster Moroni im Gerichtssal Säure ins Gesicht geschüttet bekommt, die Entfremdung von seiner Frau Gilda, der Doppelkopf-Dollar, die für ihn die Entscheidungen trifft. Die Münze ist zunächst ein Beweisstück gegen den Moroni. Weil Two-Face sie für sein Unglück verantwortlich macht, zerkratzt er sie mit einem Skalpell und widmet sein Leben einer Obsession für die Dualität: Sein Versteck ist zweigeteilt, seine Verbrechen haben stets mit der Zahl zwei zu tun: ein Doppeldecker-Bus, ein Double-Feature-Kino. Doch wenn die Münze auf die unversehrte Seite fällt, spendet er seine Beute auch für wohltätige Zwecke. Es ist noch Gutes in ihm …

Zunächst soll Kent von einem plastischen Chirurgen aus Deutschland behandelt werden – aber der wurde von den Nazis in ein Konzentrationslager gesteckt. Und Kent entscheidet sich, nicht auf dessen mögliche Befreiung zu warten. Interessant ist auch, dass seine Frau Künstlerin ist, die Skulpturen anfertigt. Nachdem sie sich vom entstellten Gesicht ihres Mann erschüttert zeigt, zerschlägt er eine Büste, die ihn darstellt, mit zwei Hammern. Früher, sagt er, sei er Apollo genannt worden, aber die Büsten zeigten nicht mehr sein wahres Gesicht. Er kommt in eine Persönlichkeitskrise: „Who … what am I? I’m not a man! I’m half a man … beauty and beast … good and evil! I’m a living Jekyll and Hyde!“ Seine Spaltung wird schon beim ersten Blick in den Spiegel deutlich: schon da ist sein Anzug zweifarbig.

Der Showdown wird zum Kammerspiel: Batman versucht, Kent zum Guten zu bewegen, Two-Face wirft seine Münze – und sie landet auf der Kante. Mit diesem Cliffhanger endet der erste Teil, zwei Ausgaben später geht es weiter. Two-Face entkommt durch den übereifrigen Einsatz der Polizei. Als nächstes entführt er das Double eines alten Unternehmers, dann versucht er ein Wohltätigkeits-Baseball-Spiel zwischen der Polizei und der Feuerwehr auszurauben. Auch Batman, da Ehrenmitglied der Polizei, spielt mit.

Der Höhepunkt ist allerdings ein emotionaler: Nachdem Two-Face feststellen muss, dass seine Frau mittlerweile Trost bei einem anderen Mann gefunden hat, stellt er sein Gesicht mit Wachs wieder her und besucht sie. Zunächst scheint alles wieder gut zu werden, Harvey will sich sogar der Polizei ausliefern, um wieder gut zu werden. Aber als sie bei Kerzenschein beisammen sitzen, sein Gesicht schmilzt und dann auch noch Batman reinplatzt, ist es mit den guten Vorsätzen vorbei. Armer Harvey. Der perfekte Schurke ist geboren – aus dem Geist der Tragödie.

>> Liste der Two-Face-Comics

Lesetipps:

Monströses Desaster

DC Comics

DC Comics

Titel: Night of the Monster Men (dt. Die Nacht der Monster-Menschen)

Autor/Zeichner: Steve Orlando, Tom King, James Tynion IV, Tim Seeley/Riley Rossmo, Roge Antonio, Andy MacDonald

Erschienen: 2016 (Batman #7-8, Nightwing #5-6, Detective Comics #941-942), Hardcover 2017, dt. Panini 2017


„I don’t run from my monsters. I embrace them.“ (Batman)

Vier riesige Monster fallen über Gotham her  und zerstören sinnlos die Stadt. Batman und seine Familie (Batwoman, Nightwing, Clayface, Spoiler, Orphan, Gotham Girl, Duke Thomas) halten sie auf. Dahinter steckt Hugo Strange. Und die einzige Frage, die sich ständig aufdrängt: Warum ruft niemand die Justice League zur Hilfe? Die darf erst am Ende aufräumen helfen. Seltsam.

Das erste Batman-Event im Rebirth-Zyklus enttäuscht durch eine langweilige Prämisse (Riesenmonster? Gähn!) und eine banale Story mit noch banalerem Finale. Hier wurden die bisherigen klassischen Geschichten um Hugo Strange (Batman and the Monster Men, Prey, Strange Apparitions) zu einer vermischt und nur dadurch gesteigert, dass die Monster noch größer, fieser und … monströser gemacht wurden. Aber das führt bloß dazu, dass die Helden zu Katastrophenhelfern werden und vor lauter Action jegliche Psychologie auf der Strecke bleibt, obwohl die Monster angeblich für Batmans Ängste stehen sollen. Da hilft es nichts, dass Hugo Strange ein verrücktes Universalgenie ist und im Batman-Kostüm auf einem Thron aus Psychologie-Büchern sitzt – am Ende siegt der Held, ohne dass es zu einem richtigen Duell gekommen ist.

Grafisch bleibt Night of the Monster Men so durchschnittlich wie seine Geschichte. Was aber irgendwann zu viel wird, ist diese knallbunte Kolorierung, vor allem der penetrante Pink-Stich am Ende. Mit Rebirth will DC ja wieder mehr Optimismus in die Comics bringen, aber das ist eindeutig zu viel des Guten. Es täte den Comics besser, in neue Ideen zu investieren.

Was bisher geschah:

Der Riddler singt bei Dean Martin

Rätselfragen und Kalauerlösungen: Frank Gorshin trat nicht nur in der Batman-Serie der 60er als Riddler auf, er war auch zu Gast bei Dean Martin. Manche nennen es albern, andere kindgerecht. Für Erwachsene (Männer) gibt es acht hübsche Tänzerinnen zu bewundern. Da wird der Song zur Nebensache …

>> Liste der Batman-66-Episoden

Pinguins erster Coup

DC Comics

DC Comics

Titel: One of the Most Perfect Frame-Ups

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Detective Comics #58)


„I’m afraid you’d never appreciate the beauty of a successful robbery!“ (Pinguin)

Bevor der Pinguin zu einem Herrscher der Unterwelt wird, einem Gangster, der illegale Geschäfte unter dem Deckmantel des Legalen macht, ist er zunächst ein Dieb, der für andere Aufträge ausführt. Allerdings ein sehr geschickter. Von Anfang an hat er schon alle seine Attribute, die ihn so klassisch machen: Zylinder, Mononkel, Zigarettenspitze, eine Vorliebe für Edelsteine und vor allem Regenschirme aller Art. Einer hat einen Dolch versteckt, ein anderer Betäubungsgas, ein anderer spritzt Säure. Obwohl körperlich unterlegen, bleibt der kleine dicke Mann für Batman eine Herausforderung.

In seiner ersten Geschichte erfahren wir nicht, woher er kommt, aber dafür geht es um Kunst: Bruce und Dick besuchen gerade eine Ausstelung, Dick stellt sich wie ein Banause an und macht sich bei einem Künstler unbeliebt, da kommt ein kleiner Mann mit Zylinder herein, ähnlich einer Pinguin-Plastik, die zufällig in der Ausstellung steht. Kurz darauf ist ein teures Gemälde verschwunden. Die Besucher werden daraufhin durchsucht, auch der Pinguin, doch er kommt davon, denn er hat das Gemälde aus dem Rahmen genommen und in seinem Schirm versteckt.

Pinguin (DC Comics)

Pinguins erster Auftritt (DC Comics)

Ziemlich ausgebufft, der Kleine. Als nächstes raubt er einen Diamanten. Wie schon beim ersten Mal handelt er im Auftrag eines Gangsterbosses. Doch als ein Streit um ihre Anteile ausbricht, knallt der Pinguin seinen Auftraggeber mit seinem Schirm ab, übernimmt seine Bande und setzt seinen Raubzug fort.

Beim nächsten Fall kann zwar Batman intervenieren (dabei zerstört er ein Gemälde, indem er es zwei Handlangern über den Kopf schlägt), aber er wird vom Pinguin überwältigt und (wegen einer vagen Behauptung) von der Polizei gefangen genommen. Doch kurz darauf lässt der Schurke Batman wieder befreien, nur um ihn selbst gefangen zu nehmen. Das hat angeblich mehrere Gründe. Nachvollziehbar sind sie nur bedingt.

Batman ruft Robin mit einer interessanten Vorrichtung herbei: einem Morsetelegrafen in seinem Schuhabsatz. Beim Endkampf kann der Schurke entkommen, indem er auf einen fahrenden Zug springt. Er soll demnächst noch öfter wieder auftauchen. Drei Jahre später wird er gemeinsame Sache mit dem Joker machen.

Mehr zum Thema:

 

Batman Year 100: Die Zukunft wird hässlich

DC Comics

DC Comics

Titel: Year 100 (dt. Das 100. Jahr)

Autor/Zeichner: Paul Pope

Erschienen: 2006 (Mini-Serie #1-4), Paperback 2007; dt. Panini 2007


Ihr kennt Batmans Jahr eins und das Jahr null, jetzt kommt das Jahr 100. Genau gesagt ist es 2039, also das Jahr, in dem Batman 100 wird. Batman ist längst vergessen. Und dann taucht er wieder auf: Ein Typ im Cape, mit grauem Pullover, geschnürten Shorts, zu kurzen Handschuhen und Springerstiefeln. Zu Beginn wird er von der US-Bundespolizei über die Dächer von Gotham verfolgt. Schließlich wird in einer U-Bahn-Station ein Polizist erschossen – und Batman gilt als Mörder. Von da an wird er mit noch größerem Druck gejagt.

Und das war’s im Grunde auch schon. Unser Batman ist, wie Dr. Richard Kimble auf der Flucht und muss zugleich seine Unschuld beweisen, bzw. den Schuldigen ausmachen. Dabei entlarvt er eine große Verschwörung um eine Superwaffe. Unterstützt wird er von James Gordon, einem gewissen Robin (ohne Kostüm) und einem Hacker-Mädchen. Um seinen Verfolgern einen Schrecken einzujagen, setzt er sich falsche Raubtierzähne ein. Was übrigens sein Outfit vollends ins Lächerliche zieht.

Doch auch sonst ist Batman, dessen Gesicht stets geschwollen aussieht wie nach einem Kampf, ziemlich hässlich. Wie auch alles andere in diesem Comic. Autor und Zeichner Paul Pope kann offenbar nicht anders, als alles krumm und schief zu zeichnen. Selbst die Schönheiten sind abstoßend. Es ist ein Stil, der nur mit gutem Willen als gewöhnungsbedürftig bezeichnet werden kann. Denn angesichts dieser dünnen Story und der schwachen Charaktergestaltung wird man mit dieser Elseworld nicht warm. Schon gar nicht interessiert einen, worauf die Story hinausläuft.

Das Ganze ist bloß eine große, abgehetzte Verfolgungsjagd, unterbrochen von zu viel Gerede, in dem zu wenig Substanzielles gesagt wird. Wer sind diese ganzen Figuren? Und vor allem: wer ist Batman? Dazu gibt es bloß am Ende einen Hinweis, sonst wird man mit dieser Welt allein gelassen. Vor allem wird nicht klar, warum die Geschichte unbedingt in der Zukunft spielen muss; das Jahr 2039 hat mehr symbolischen Wert, um zwischendrin ein paar Reminiszenzen an die Batman-Historie unterzubringen, als dass es eine Funktion hätte.

Year 100 mag als moderner Klassiker gelten, der Grund dafür bleibt mir aber schleierhaft.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batman v Superman: Das Problem der Momente

Schwache Kritiken, vier Goldene Himbeeren: Batman v Superman hat vor fast einem Jahr die Fangemeinde entzweit. Es gibt viele Gründe dafür: es lag nicht nur an „Martha“, nicht nur an einem unausgereiftem Drehbuch oder der Tatsache, dass zu viel daran gewollt war. Für den Videoblogger Nerdwriter liegt das Hauptproblem an Zack Snyders Regie-Stil. Gemeint ist der Fokus auf sogenannte Moments Scenes, also starke Momente, die sich dank sorgfältiger Bildkomposition, Slow Motion-Effekt und dramatischer Musik einprägen. In diesem Video wird erklärt, warum das allein nicht ausreicht, um einen interessanten Film zu machen.

Vier Goldene Himbeeren für Batman v Superman

The Golden Raspberry Award Foundation

The Golden Raspberry Award Foundation

Einen Tag vor den Oscars wurden zum 37. Mal die Goldenen Himbeeren für die schlechstesten Leistungen in US-Filmen verliehen. Batman v Superman: Dawn of Justice wurde von der Golden Raspberry Award Foundation mit vier Preisen geschmäht: schlechtestes Sequel, schlechtestes Leinwandpaar (Affleck und Cavill), schlechtestes Drehbuch und schlechtester Nebendarsteller (Jesse Eisenberg als Lex Luthor). Nominiert war der Film für acht Preise in sieben Kategorien, darunter als schlechtester Film.

Suicide Squad, nominiert für das schlechteste Drehbuch und den schlechtesten Nebendarsteller (Jared Leto als Joker) ist verschont geblieben.

Die ganze Liste der Nominierten und Gewinner gibt es hier.

Lego-Batman besucht seine Ex

Vor The Lego Batman Movie gab es bereits Lego-Kurzfilme zum Thema, wie etwa Lego Batman is Jelly, produziert von HISHE (How it should have ended). Ein amüsantes Video.

Robin liest Fanpost vor – und singt

Nicht nur Adam West hat 1966 als Batman gesungen, auch Robin-Darsteller Burt Ward ließ sich dazu hinreißen. Auf der Single „Boy Wonder I Love You“ liest er zunächst nur Fanpost vor, unterlegt von einem Stück, das Frank Zappa geschrieben hat. Warum er nicht singt, wird auf der B-Seite deutlich: Da versucht er sich an „Orange Colored Sky“. Hätte er das mal lieber sein gelassen … Denn damit hat er seinen Fans keinen Gefallen getan.

>> Liste der Batman-66-Episoden