Robin

Das Böse steckt in uns allen

Harvey Dent: Von Two-Face zu One-Face.

Titel: Batman vs. Two-Face

Drehbuch: Michael Jelenic, James Tucker

Erschienen: 2017 (Direct-to-Video)


Two-Face spielte in den Comics der 60er Jahre keine Rolle. Auch in der Batman-Serie der 60er Jahre, in der die meisten klassischen Schurken versammelt waren, fehlte er ebenso wie Scarecrow. Two-Face, mit seiner gespaltenen Persönlichkeit und seinem entstellten Gesicht passte nicht in die bunte Welt der Familienserie. Die Tragödie von Harvey Dent wollte man Kindern offenbar nicht zumuten. Zwar gab es Pläne für eine Two-Face-Episode, aber es blieb beim Treatment dafür.

Erst 2015 wurde aus dem Story-Entwurf ein Comic: „The Two-Way-Crimes of Two-Face“ (Batman ’66: The Lost Episode #1). Zwei Jahre später erschien ein Animationsfilm zu dem Thema: Batman vs. Two-Face ist nach Return of the Caped Crusaders der zweite Zeichentrickfilm, der sich an die alte TV-Serie anlehnt. Und es ist der letzte Auftritt von Adam West vor seinem Tod.

Die Handlung variiert das Thema sehr statt es bloß zu wiederholen. Harvey Dent (William Shatner) wird zu Two-Face nach einem Unfall: Hugo Strange versucht, mit einer Maschine das Böse aus vier Schurken herauszusaugen. Dabei überlädt die Maschine, der Tank, indem sich das Böse staut, explodiert und das Böse ergreift Besitz von dem Bezirksanwalt. Zwar wird er durch eine plastische Operation geheilt, aber kurz darauf treibt Two-Face wieder sein Unwesen. Harvey scheint aber nichts damit zu tun haben. Batman glaubt an seinen Freund, Robin bleibt skeptisch, das Dynamische Duo entzweit sich, schließlich wird auch Robin zu Two-Face und es kommt zum Kampf …

Batman haut Two-Face-Robin eine rein. (Anspielung auf World’s Finest #153, 1965)

Die Moral, dass das Böse in jedem von uns entfesselt werden kann, wird im Finale deutlich, wenn Two-Face sein grünes Gas über Gotham freilässt und damit die Bewohner infiziert. Two-Face ist überall, in jedem von uns. Und schließlich ergreift es ganz von ihm Besitz, weil es in ihm steckt und nicht durch kosmetische Korrekturen ausgemerzt werden kann. Ein interessanter Aspekt.

Anspielung auf „Two-Face Strikes Again“ (Batman #81, 1954).

Für sich genommen könnte die Handlung einen spannenden Batman-Film hergeben. Denn Batman vs. Two-Face hat einen ernsten Kern, er beschreibt den inneren Kampf eines Mannes mit sich selbst, es geht auch um Freundschaft und Vertrauen. Aber leider ist da noch die ganze Albernheit drumherum (King Tut, Bookworm), die platten Witze, die Kalauer, die Selbstironie und der Slapstick, was alles nicht zu der Geschichte passt, die eigentlich erzählt werden soll.

Alfred, im Hintergrund: Das erste Batman-Kostüm aus Detective Comics #27.

Der Film versucht zweierlei und damit eins zu viel: einerseits die Nostalgie zu bedienen und den absurden Humor einzufangen, andererseits eine klassische Two-Face-Story zu erzählen. Aber den Spagat zwischen Komödie und Tragödie, dem Leichten und dem Schweren bekommt der Film nicht hin. Der Batman der 60er und Two-Face gehören einfach nicht zusammen.

Vorspann aus Batman vs. Two-Face: Anspielung auf das Cover von Batman #9.

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Wie Batman zu Two-Face wurde

DC Comics

Titel: The Jekyll-Hyde-Heroes

Autor/Zeichner: Jim Shooter/Curt Swan

Erschienen: 1968 (World’s Finest #173), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two Face)


„Alfred’s coffee gets better every day!“ (Batman)

Nachdem der ruchlose Wissenschaftler Dr. Arron von Batman und Superman davon abgehalten wird, menschenverachtende Experimente durchzuführen, rächt sich dieser an den World’s Finest: Er verwandelt sie durch eine Tücke in ihre schlimmsten Feinde, Superman in Kralik, Batman in Two-Face. Da beide aus Nostalgie die Kostüme ihrer Erzfeinde als Andenken bewahren (oder sollte man sagen: ehren?) entwickeln sie den Drang, sich so umzuziehen, wie sie sich fühlen und daraufhin bricht das Chaos aus.

Batman wird als Two-Face sofort zum Bankräuber. Von jetzt auf gleich hat er nicht nur eine Bande williger Schergen in passenden Kostümen beisammen, sondern auch eine High-Tech-Ausrüstung wie etwa einen Panzer mit zwei Kanonenrohren, eine raketenbetriebene fliegende Riesenfaust, Antimaterie-Kanonen und ein täuschend echtes Two-Face-Roboter-Double. Es wirkt so, als hätte er es geahnt, dass sich ihm ein Superschurke in den Weg stellen würde. So kommt es zum Kampf mit Kralik – warum auch immer.

Heiliger Doppellauf!, würde Robin jetzt sagen, aber der wird vom bösen Dr. Arron ausgeknockt, noch bevor er die Sache verstehen und das Problem lösen kann. Batman-Two-Face trifft auf Arron, der wird ohnmächtig, seine fürsorglichen Schergen päppeln ihn mit Wasser wieder auf, aber das enthält das Wundermittel, das andere zu ihren Erzfeinden macht. Und so verwandelt sich Arron in Batman und Superman zusammen, auch bekannt als Composite Superman, jenen Schizo-Helden, der in der Mitte geteilt ist und das Beste beider Helden vereint. Blitzschnell besorgt er sich sein lächerliches Kostüm, bevor er die beiden Schurken ausknockt (denn ohne Kostüm macht es nur halb so viel Spaß) und Batman und Superman sind wieder sie selbst.

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Schnitzeljagd mit vier falschen Batmen

Catwoman im Golden Age (Teil 4)

DC Comics

Titel: The Princess of Plunder

Autor/Zeichner: Jack Schiff/Jerry Robinson

Erschienen: 1942 (Batman #10), Hardcover 2016 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 2)


„She … er … she got away … slipped through my fingers …“ (Batman)

In ihrem vierten Abenteuer trägt Catwoman erstmals eine Kombination aus Violett und Schwarz und stiehlt nicht selbst, sondern lässt ihre Handlanger für sich arbeiten. Und das läuft so: Die wohlhabende Marguerite Tone veranstaltet eine Party, bei der sich die Gäste die Zeit mit einer Schnitzeljagd vertreiben sollen: Jeder Gast ist dazu angehalten, bestimmte Gegenstände zu besorgen. Wie gut, dass Bruce Wayne und Dick Grayson bei diesem öden Unsinn nicht mitmachen und lieber eine Runde als Batman und Robin drehen. Eine günstige Fügung, denn Catwoman macht sich das Spiel zunutze, um ihre Handlanger andere, wertvolle Dinge aus Häusern holen zu lassen.

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Batman erwischt zwei Einbrecher, durchschaut die Masche, aber lässt sie vorerst laufen. Bei der nächsten Party sollen sich alle Gäste verkleiden – fünf kommen als Batman, ausgerechnet vier davon sind wieder Einbrecher. Der wahre Batman kann sie mit Leichtigkeit überwältigen, doch die Anführerin kommt davon, weil man ihr nichts beweisen kann. (Ihre Männer werden seltsamerweise nicht vernommen.)

So versucht es Catwoman ein drittes Mal, diesmal mit falschen Butlern und tatsächlich klappt es, weil ein Messer in einem Sack Mehl landet. Wie bitte? Ja, wenn man ein Messer in einen Sack Mehl wirft, gibt das eine so große Staubwolke, dass das Dynamische Duo nichts mehr sehen kann und die Verbrecher entkommen können. Jedenfalls im Comic ist das so. Aber warum? Weil die Geschichte nunmal 13 Seiten hat und man sie deshalb nicht schon auf Seite 12 enden lassen kann.

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Doch die Story nimmt eine seltsame Wendung. Statt das Diebesgut auf dem Schwarzmarkt zu verhökern, versucht Catwoman, sie wieder ihren Besitzern zu verkaufen – und schaltet eine Anzeige in der Zeitung. Das hat nichts mehr mit Verbrechergenie zu tun. Das kann nur als verkappte Einladung an Batman verstanden werden. Der platzt auch gleich zur Tür rein, schlägt die Komplizen zusammen und rettet der Anführerin das Leben, als sich einer gegen sie wendet. Dafür gibt’s dann endlich einen Kuss zur Belohnung. Batman ist daraufhin so erstarrt, dass er die Katze wieder davonkommen lässt. Oder jedenfalls tut er so … Robin bleibt skeptisch. Zurecht. Eine seltsame Beziehung.

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Batman trifft Captain America

DC Comics

Titel: Batman & Captain America

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1996 (One-shot)


„I may be a criminal lunatic, but I’m an American criminal lunatic!“ (Joker)

Januar 1945. Joker und Red Skull wollen die Atombombe Fat Boy stehlen, um Washington D.C. einzuäschern. Batman und Captain America verbünden sich (zusammen mit Robin und Bucky Barnes), um das Schlimmste zu verhindern. Zuerst rettet Batman Cap den Hintern, später kämpft Steve Rogers gegen Bruce Wayne, weil er ihn der Spionage verdächtigt, und als die beiden merken, dass sie einander ebenbürtig sind, wird ihnen auch klar, wer sie wirklich sind (Gilgamesch lässt grüßen). Es gibt die obligatorische Todesfalle, aus der sich Batman und Bucky in letzter Sekunde befreien …

Die interessanteste Szene ist jedoch im Finale, als der Joker erkennt, dass sein Komplize Red Skull für Hitler arbeitet: „I’ve been working with a Nazi?“, stellt er entrüstet fest. Offenbar liest der Joker keine Zeitung oder hat das fette Hakenkreuz auf der Brust des Schurken irgendwie missverstanden. Wie dem auch sei: Es wird offenbar, dass der Joker Prinzipien hat, er ist nämlich ein Patriot und will mit Nazis nix zu tun haben. Das klingt irgendwie unüberzeugend nach AfD-Logik, aber in der Tat sabotiert er dann den Bombenabwurf. Gemäß dem Motto: die eigene Hauptstadt vernichten ist okay, aber nicht fürs Dritte Reich …

Ansonsten erfindet das Elseworlds-Crossover das Rad nicht neu, bietet aber reichlich kurzweiligen Fan-Service, in bewährter klarer John Byrne-Optik.

Mehr zum Thema Batman gegen Nazis:

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics
>> Batman-Crossover

Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 4)

DC Comics

Titel: Atlantis Goes to War

Autor/Zeichner: Don Cameron/Dick Sprang

Erschienen: 1943 (Batman #19), Hardcover 2017 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 3)


„… our Nazi friends — who love peace and justice , as we do —„

Manchmal bekämpfen Batman und Robin das Verbrechen. Manchmal aber hängen sie bloß zu Hause rum und langweilen sich. Dann suchen sie das Abenteuer. Eines Tages zum Beispiel beschließen sie, nach der geheimen Unterwasserstation der Nazis im Atlantik zu suchen, um die US-Streitkräfte zu unterstützen. Der Ozean ist zwar riesig und die Soldaten machen einen tollen Job als Aufklärer, aber vielleicht haben Batman und Robin ja Glück …

Batman #19: Atlantis Goes to War (DC Comics)

Und tatsächlich. Kaum sind sie losgeflogen und lesen auf dem Wasser einen schiffbrüchigen Seemann auf, werden sie durch einen Strudel hinabgezogen und landen in – Atlantis. Ja, genau: der sagenumwobenen, untergegangenen Stadt. Dort haben die Nazis Verbündete gefunden. Die Atlantis-Bewohner waren nämlich zu lange nicht mehr an der Oberfläche und haben keine Ahnung, wer wirklich die Bösen sind. Sie glauben ihren Freunden, weil die in der Mehrheit sind – ein ganz klarer Beleg dafür, dass Wahrheit keiner demokratische Entscheidung unterliegen kann. Batman und der Seemann werden zum Tode verurteilt (seltsam für ein friedfertiges Volk), Robin wird gefangen genommen.

Atlantis (Batman #19, DC Comics)

Doch während die beiden an Pfählen durch Sonnenlicht zu schmoren beginnen (wo kommt das eigentlich her?), kann sich Robin auf dem Weg zum Kerker befreien. Dabei stößt er ganz nebenbei einen Wärter in einen sehr tiefen Abgrund, was bestimmt tödlich endet, aber irgendwie keinen zu kümmern scheint. Egal: Robin knockt den kindlichen Herrscher von Atlantis aus und nimmt dessen Rolle ein, weil er ihm zufällig sehr ähnlich sieht. Unter falscher Identität kann er die schöne Schwester des Herrschers von seinem edlen Ansinnen überzeugen, auch wenn seine Maskerade ihn sofort als Betrüger entlarvt und unglaubwürdig macht, dann lässt er Batman und den Seemann befreien. Doch da zeigen die Nazis ihr wahres Gesicht und gehen auf sie los, der Seemann stirbt. Die Atlantis-Bewohner ändern ihre Meinung und die Deutschen bekommen wieder Saures …

Am Ende sehen wir einen Robin mit Liebeskummer: sehnsuchtsvoll schmachtet er der Prinzessin hinterher. Und ganz nebenbei erfahren wir, dass die Nazi-U-Boote mittlerweile von den Atlanteanern bekämpft werden. Super Sache, jetzt wissen wir, warum die USA den Krieg wirklich gewonnen haben. Oder vielleicht hat Captain Kurt Fritzl ja auch recht, wenn er sich die Glatze kratzt und sich fragt: „Sometimes I myself wonder if it is not all a dream!“

Die Geschichte scheint sich selbst nicht recht zu glauben. Zu fantastisch, zu weit hergeholt und letztendlich auch zu albern wirkt das alles. Hier werden nicht nur die Sphären von Batman und der realen Welt vermischt, sondern auch die der Fantasy-Welt – und damit schießt die Story übers Ziel hinaus. Ja, sogar noch mehr als andere. Die üblichen Prügeleien können nicht verhehlen, dass Batman und Robin Nazis eigentlich nur indirekt bekämpfen: indem sie Aufklärungsarbeit leisten. Mehr können Comicfiguren in der „echten Welt“ nun mal nicht ausrichten …

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Der Kuss der Katzenfrau

Catwoman im Golden Age (Teil 3)

DC Comics

Titel: The Batman vs. the Cat-Woman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #3)


„I suppose that’s more or less a call for you to go into action.“ (Dick Grayson)

In ihren ersten beiden Auftritten spielte Catwoman noch eine Nebenrolle. Im ersten Fall trat sie erst sehr spät in Erscheinung und damit auch nur sehr kurz. Erfahren hat man kaum etwas über sie, nicht einmal ihren echten Namen. Ähnlich im zweiten Fall: da stahl ihr der Joker die Show. Ein richtiges Kostüm hatte sie noch nicht. Erst beim dritten Mal bekam sie eine Katzenmaske und ein Verhalten, das ihrer Rolle gerecht wird.

Wie schon zuvor geht es um Edelsteine. Catwoman, diesmal mit Katzenkopf, rotem Cape und orangefarbenem Kleid, raubt einen Mann aus, daraufhin wird sie von der Polizei gejagt. Kaum kriegt Batman das mit, wirft er sich gleich in Schale, um sich selbst auf die Suche zu machen – ohne Robin. Der bleibt wie selbstverständlich zu Hause, als wäre es eine Sache zwischen Erwachsenen.

DC Comics

Wieder verkleidet sich „Cat“, wie sie sich selbst immer noch nennt, um an die Juwelen zu kommen, diesmal gibt sie sich als Model bei einer Modenschau aus. Am Ende stellt sich heraus, dass sie nur im Auftrag zweier Männer gehandelt hat, aber dann selbst betrogen wurde. Batman befreit sie – und bekommt dafür zum Dank einen Kuss. Doch kurz darauf stößt ihn Catwoman weg und haut wieder ab. Wie schon beim ersten Fluchtversuch will Robin hinterher und Batman hält ihn zurück. Er hätte es ohnehin nicht geschafft, sagt er. Aber obwohl Robin ihm zu glauben scheint – es wirkt wieder wie eine faule Ausrede. Vor allem, als Batman schwärmt: „It’s too bad she has to be a crook!“ Und auch Catwoman wünscht sich, mit ihm weggefahren zu sein. „That would be sort of … of … nice!!!“

Es ist erst der Beginn einer langen Jagd …

Catwoman im Golden Age:

 

Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 3)

DC Comics

Titel: The Bond Wagon

Autor/Zeichner: Joseph Greene/Jack Burnley

Erschienen: 1943 (Detective Comics #78), Hardcover 2017 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 3)


„Robin, like most Americans you underestimate the Nazi!“ (Batman)

Die meisten Amerikaner begreifen nicht, dass der Zweite Weltkrieg wie der Unabhängigkeitskrieg von 1776 sei, stellt Dick Grayson fest, während er seine Geschichtshausaufgaben erledigt. Bruce Wayne gibt ihm recht. Wenn doch nur mehr Menschen das einsähen, dann würden sie mehr Kriegsanleihen kaufen, sagt Robin. Da kommt Bruce eine Idee: Lass uns Werbung machen!

Schon zieht man die Kostüme an und startet eine Kampagne für eine Art Parade. Batman castet ein paar Leute, die die Gründerväter des Landes mimen sollen und zieht mit ihnen auf einem „Bond Wagon“ durch die Gegend, lässt sie Szenen von früher nachspielen und verkauft Kriegsanleihen wie warme Semmeln.

Das gefällt den Nazis im Lande überhaupt nicht. Ein breiter Skinhead namens Baron von Luger lässt die Aktion sabotieren. Zuerst schlüpfen die Nazis heimlich in die Rolle der Hessen, die damals auf der Seite der Briten gekämpft haben (tatsächlich gab es deutsche Söldner im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg). Weil Robin die Betrüger auffliegen lässt, kommt es zum Kampf zwischen den Schauspielern und den falschen Hessen bzw. echten Nazis. Einer von ihnen versucht sogar, Robin von hinten zu erstechen. „The master race, indeed! Master of the stab in the back!!“, kommentiert der Erzähler sarkastisch.

Später kommt es zu einer Schlacht auf hoher See: Ein Segelschiff gegen ein Nazi-U-Boot. Schließlich versuchen die Nazis, einen der Teilnehmer des Bond Wagons zu schmieren, um ihn auf seine Seite zu ziehen. Doch Robin bekommt das mit, folgt den Schurken in ihr Geheimversteck und zusammen mit Batman bekommt bekommen die Nazis, was sie verdienen. Baron von Luger fällt nach einem Schlag gegen ein Hitlerporträt, das von der Wand fällt. „That’s the way to beat the Nazi!!“, sagt Batman. Und am Ende salutiert das Dynamische Duo den Amerikanern, die ihre patriotische Pflicht erfüllen.

Bei all dem stellt sich die Frage: Für wen inszenieren Batman und Robin eigentlich ihre Reenactments? Die meiste Zeit ist gar kein Publikum zu sehen und es kann auch kaum irgendwo stehen, wenn etwa auf hoher See gesegelt wird. Die Antwort ist klar: Es ist eine Inszenierung für die Comicleser. Denn eigentlich werden die Schauspiele nur dadurch interessant, dass die Protagonisten wirklich kämpfen. Das führt aber zu einer paradoxen Situation: Es sind zwar echte Schurken, aber die Nazis verfremden die nachzustellende Geschichte zu einer anachronistischen Farce. Ganz zu schweigen von dem schiefen Vergleich: Die Nazis sind nicht die Briten von damals und auch nicht wie die hessischen Söldner. Aber hier wird auf Teufel komm raus die Geschichte so gedeutet, dass sich Parallelen auftun müssen. Der Zweck der Propaganda heiligt offenbar die Mittel …

Mehr zum Thema:

Wiedersehen mit Catwoman und Joker

Catwoman im Golden Age (Teil 2)

DC Comics

Titel: Joker Meets Cat-Woman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #2)


„We’ve met before, haven’t we?“ (Batman)

Breaking News! Der Joker ist gar nicht tot, nach seiner letzten Begegnung mit Batman (siehe Batman #1) wird er im Krankenhaus gesund gepflegt. Kaum hat Batman die Nachricht gelesen, bricht er auf, um den Joker zu entführen und ihn einer Gehirnoperation zu unterziehen, auf dass der Geisteskranke endlich geheilt werde. Doch die Gang Crime Syndicate Inc. hat eigene Pläne: Sie überfällt das Krankenhaus und zwingt die Ärzte, den Joker schnell wieder zusammenzuflicken.

Da taucht Batman auf – und liefert sich eine wilde Verfolgsjagd mit der Polizei. Seltsam, dass er so gewalttätig ist, denkt sich Commissioner Gordon, bei dem man sich fragen muss, warum er Batman überhaupt verfolgt, aber egal: Batman wird erschossen und es stellt sich heraus – das war gar nicht der echte Batman, sondern nur ein Ablenkungsmanöver der Bad Guys.

Zufällig hat die Diebin „The Cat“ alles beobachtet, weil sie gerade als alte Kaugummiverkäuferin verkleidet vor dem Krankenhaus stand. Was sie in dem Aufzug dort wollte, erfahren wir leider nicht. Aus dem Nichts taucht Batman auf, hocherfreut sie zu sehen, trägt er sie auf Händen zu seinem Auto. Zur Polizei bringt er sie wieder nicht: Nachdem sie ihm gesagt hat, was sie über den Joker weiß, darf sie gehen.

Was Batman nicht weiß: der Joker und Cat-Woman haben es auf die Juwelen des Pharao abgesehen. In einem Schloss kommt es zum Showdown: Robin gegen den Joker, Batman schwingt sich zum Schwertkampf herein. Am Ende geht alles in Flammen auf, der Joker bleibt zurück und Catwoman rettet sich einem Sprung ins Wasser. (Normalerweise ist das Jokers Abgang.) Zum Glück aber hat Batman die Juwelen an sich genommen.

Es ist das erste Mal, dass die Diebin, die bisher nur „The Cat“ genannt wurde, jetzt Catwoman genannt wird. Aber noch sieht sie nicht wie eine aus, stattdessen trägt sie ein gelbes Cape mit Kapuze und ein grünes Kleid. Beim nächsten Mal wird sich das Kostüm deutlich verändert haben …

Catwoman im Golden Age:

Katze trifft Fledermaus

Catwoman im Golden Age (Teil 1)

DC Comics

Titel: The Cat

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #1)


„Lovely girl! What eyes!“ (Batman)

Vor Catwoman gab es the Cat: eine hübsche wie raffinierte Diebin, ohne Katzenkostüm, aber schon verkleidet, eine Unbekannte, aber von Anfang an anziehend für Batman …

Beginnen wir am Anfang: Die erste Catwoman-Story beginnt als erste Robin-Solo-Story. Gleich in seinem dritten Abenteuer darf Dick Grayson sich zunächst alleine behaupten. Bruce Wayne lässt ihn als Kellner auf einer Yacht arbeiten, um eine teure Kette vor Dieben zu schützen. Dick ist sehr aufmerksam, hat auch schon gleich zwei Verdächtige unter den Gästen erspäht, als die Kette plötzlich weg ist – gestohlen von einem Unbekannten.

Kurz darauf treffen Gangster auf der Yacht ein, um die Kette zu rauben, aber sie kommen zu spät, also nehmen sie mit, was sonst noch da ist. Als Dick einen Kampf mit ihnen anfängt, springt er ins Wasser, zieht sich schnell sein Robin-Kostüm an, während er Maschinengewehrkugeln ausweicht. Da trifft auch schon Batman ein, überwältigt die Gauner auf ihrem Boot, Robin hält sie fest.

Aber weil es offenbar niemand eilig hat, passiert plötzlich etwas Seltsames: ein Experiment. Batman lässt vier Gangster auf Robin los, um den amerikanischen Kindern zu zeigen, wie feige sie ohne ihre Waffen sind. Hier ist sich die fiktive Held bewusst, dass er nur eine Comicfigur ist und dass er vor einem Kinderpublikum auftritt! Das ist einzigartig für Batman. Und als auf der nächsten Seite die Verbrecher ihre Lektion bekommen haben und vor Robin erzittern, wendet sich Batman direkt an die Leser, wiederholt seine Botschaft und ermuntert sie, sich dem Kampf gegen das Verbrechen anzuschließen.

Zurück zum Plot: Auf der Yacht sind mittlerweile alle so bedrückt, bestohlen worden zu sein, dass sie eine Kostümparty schmeißen, um sich wieder aufzuheitern. Ein Preis soll verliehen werden für die beste Verkleidung. Als Batman erscheint, geht der Preis an ihn, weil er nicht für den richtigen Batman gehalten wird. Und wieder haben wir es mit einer Selbstreferenzialität zu tun: „An ironical joke takes place!!“ Batman ist mittlerweile so legendär, dass seine tatsächliche Erscheinung nicht mehr für wahrscheinlich gehalten wird. Interessant: Während er sich selbst als das erkennt, was er wirklich ist, erkennen die anderen ihn nicht als echten Batman.

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„Quiet or papa spank!“ Batman und The Cat. (DC Comics)

Erst jetzt kommt die Hauptschurkin ins Spiel: Robin löst einen falschen Feueralarm aus und als alle Gäste losrennen, offenbart sich eine alte Frau als gute Läuferin mit schönen Beinen: „Nice legs for an old woman.“ Batman überwältigt sie, wischt ihr rüde die Schminke aus dem Gesicht („Quiet or papa spank!“ – Ja, er sagt es wirklich.) und nimmt ihr die Kette ab.

Die Schurkin offenbart sich als the Cat, von der Batman schon gehört hat. Sie bietet ihm an, sich ihr anzuschließen; sie würden ein tolles Team als König und Königin des Verbrechens hergeben, findet sie. Aber Batman bleibt hart. So scheint es zunächst. Denn als das Dynamische Duo sie mit dem Boot zur Polizei bringen will, lässt er sie über Bord springen. Nicht nur, dass er sie nicht verfolgt, er hindert auch Robin daran, hinterherzuspringen. Am Ende schwärmt er laut von ihrer Schönheit und muss sich selbst daran erinnern, dass er bereits an eine gewisse Judy (Madison) vergeben ist, aber er sehnt sich jetzt schon nach einem Wiedersehen mit der Katzendiebin …

Auch das ist bemerkenswert, weil der unbestechliche Verbrechensbekämpfer hier erstmals mit seinen Prinzipien bricht. Von Anfang an hat die Schurkin eine ganz besondere Wirkung auf Batman. Man kann sagen: In dem Augenblick, in dem er sich seiner wahren Erscheinung selbst bewusst wird, ihn aber andere nicht als wahren Batman erkennen, wird er zu einem anderen Batman, einem Helden mit einer dunklen Seite, die von einer Frau hervorgerufen wird.

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Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 2)

DC Comics

Titel: The Two Futures

Autor/Zeichner: Don Cameron/Jack Burnley

Erschienen: 1943 (Batman #15), Hardcover 2016 (The Golden Age Omnibus Vol. 2)


„Too bad this war wasn’t settled with fists!“ (Batman)

Was kommt nach dem Krieg? Diese Frage treibt Batman und Robin um. Deshalb suchen sie Professor Ranier auf, einen Historiker, der gerne Vorhersagen macht und die sich in der Regel als richtig herausstellen. Der Professor erzählt (zusammen mit seinen Kollegen Proe und Con) zwei Versionen der Zukunft.

In der einen haben die Nazis und Japaner den Krieg gewonnen, in den USA herrschen die Achsenmächte mit Gewalt und Terror, Menschen werden erschossen und in Konzentrationslagern gefangen gehalten. Batman und Robin legen sich mit den Nazis an, ein kleiner Junge mit Zwille hilft ihnen, auch bei einer späteren Flucht. Das Dynamische Duo verhaut Nazis, sie befreien Gefangene aus einem KZ, aber trotz aller Bemühungen werden sie angeschossen, gefangen genommen und hingerichtet. „Democracy doesn’t need saving“, sagt Batman am Ende noch trotzig. Solange noch Amerikaner lebten, könne man sie nicht töten.

In der zweiten Version komme es, so der Professor, nicht nur auf Soldaten an, sondern auch auf Zivilisten: „Every man, woman and child must win this war!“ Während die Achsenmächte von den Alliierten geschlagen werden, machen Batman und Robin eine geheime Funkstation der Schurken in den USA ausfindig, verkloppen die Deutschen und Japaner und helfen dabei, einen Luftangriff auf Gotham City abzuwehren. Die Achsenmächte kapitulieren und die freie Welt erstrahlt. Diese Version gefällt den beiden Helden viel besser.

Am Ende wird die Moral von der Geschicht wiederholt: Es komme auf jeden an. Aber wie soll das gehen? Batman und Robin gehen mit gutem Beispiel voran, indem sie so viele Kriegsanleihen kaufen, wie sie können. Das Dynamische Duo zeigt auf die Leser und ermahnt sie: „It’s your battle … your future … your America!!!“

Bemerkenswert ist, wie stark sich Comics in Kriegszeiten in den Dienst der Propaganda stellen ließen. Obwohl Batman schon lange keine Schusswaffen mehr benutzt, sieht man ihn auf dem Cover lächelnd mit einem Maschinengewehr schießen, Robin hilft beim Nachladen, als wäre Krieg ein Spiel, darunter steht der Satz „Keep those bullets flying.“ Auch wenn es für die gute Sache war: Die Geschichte ist voller Klischees und auch nicht frei von Rassismus, insbesondere die Japaner, die nur als „Japs“ bezeichnet werden, kommen schlecht weg. „Remember Pearl Harbor!“, ruft Batman einem von ihnen zu, während er ihn umhaut. Insofern dient der Comic nicht nur als patriotisches Bekenntnis zur Demokratie, sondern auch als Vergeltungsfantasie für ein nationales Trauma.

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