Film

Wonder Woman: Es geschehen noch Wunder

Warner Bros.

Titel: Wonder Woman

Regie/Drehbuch/Story: Patty Jenkins/Allan Heinberg/Zack Snyder, Jason Fuchs

Erschienen: 2017


Nichts war mehr zu erwarten aus DCs verkorkstem Filmuniversum, das nach dem blassen, deprimierend-grauen wie ermüdenden Man of Steel, dem öden bis lächerlichen Batman v Superman und dem geradezu peinlich-belanglosem Suicide Squad. Zu viel gewollt und nichts gekonnt. Und während sich schon Justice League ankündigt, einfach so weiterzumachen wie bisher, schiebt DC noch einen Film dazwischen, der etwas nachholt, was eigentlich früher hätte passieren sollen: die Vorgeschichte zu Wonder Woman. Und siehe da, Überraschung: es ist alles gut gegangen.

Wonder Woman erinnert im Prinzip an Marvels Captain America: The First Avenger. Der eine spielt im Zweiten, der andere im Ersten Weltkrieg. Eine Superheldenstory mit Nostalgiefaktor also. Doch von der Funktion her ist der Film eigentlich DCs Iron Man, mit dem Marvel 2008 sein Cinematic Universe gestartet hat: Endlich gibt es auch in DCs Filmuniversum eine Figur, die als Sympathieträgerin taugt und auch die nötige Tiefe bekommt. Schon in Batman v Superman war Wonder Woman (Gal Gadot) die einzig positive und interessante Gestalt. Jetzt ist sie nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern fest als eigenständige Heldin etabliert.

Und was für eine. Bezaubernd und unschuldig, gebildet, aber etwas naiv, tapfer und voller edler Motive zieht sie in die Welt hinaus, um den ultimativen Krieg zu bekämpfen, weil sie davon ausgeht, dass der Kriegsgott Ares Zwietracht in den Herzen der Menschen sät, damit sie sich gegenseitig auslöschen. Aber vielleicht, so gibt ihr Kampfgefährte Steve Trevor zu bedenken, sind die Menschen auch bloß von sich aus schlecht. Ja, sind sie, sagt Diana am Ende, aber eben nicht nur. Die perfekte Message.

Wie es schon bei Batman Begins und Iron Man vorgemacht wurde, lässt sich die Story viel Zeit, bis Wonder Woman in ihrer endgültigen Gestalt in Erscheinung tritt. Wir sehen Kindheit, Jugend und Ausbildung auf Themyscira, die Paradiesinsel wird ausführlich samt Mythologie eingeführt, die Beziehung zu Steve Trevor wird langsam aufgebaut, ohne eine Romanze zu überstürzen, die Grauen des Ersten Weltkriegs werden glaubhaft gemacht, auch wenn eine historische Gestalt wie General Ludendorff zum superbösen Oberschurken stilisiert wird und eine Mad Scientist zur Seite gestellt bekommt, die ebensogut in ein KZ der Nazis gepasst hätte. Und fürs Ende hat man sich sogar eine überraschende Wendung ausgedacht.

Der Film macht alles besser als seine drei Vorgänger: er lebt von einer glaubhaften Inszenierung, viel Humor und einer gelungenen Besetzung, die die Figuren mit Leben füllt. Die Kampfszenen, in denen Wonder Woman sich mit Schwert, Schild, Armbändern und Lasso austoben darf, sind phänomenal geworden, auch wenn der Einsatz von Slow Motion und Bullet Time etwas übertrieben wurde – das wird wohl dem Einfluss des Produzenten Zack Snyder geschuldet sein. Man will offenbar doch einem gewissen Stil treu bleiben, auch wenn Wonder Woman trotz seines ernsten Themas eine viel positivere Grundeinstellung und Stimmung hat. Der einstige Strahlemann Superman kann sich davon einiges abgucken.

DC hat damit ganz nebenbei auch überhaupt zum ersten Mal einer Superheldin einen sehenswerten Kinofilm gewidmet. Damit wurde eine unschätzbare Pionierarbeit geleistet; zum ersten Mal ist DC Marvel einen Schritt voraus. Denn wenn das Publikum allmählich müde wird, bloß Supertypen zu sehen, dann wird es Zeit für Superfrauen. Das ist der frische Wind, den das Genre braucht. Es ist höchste Zeit.

Zusammen mit dem anarchischen Deadpool (2016) und dem melancholischen Logan (2017) gehört Wonder Woman zu den wichtigsten drei Superheldenfilmen der letzten Jahre. Von DC haben wir so eine Qualität seit The Dark Knight nicht mehr gesehen – und das ist leider schon fast ein Jahrzehnt her. Aber jetzt können wir festhalten: Ja, es geschehen noch Wunder.

Adam West ist tot

Adam West ist im Alter von 88 Jahren an Leukämie gestorben.

Der Batman-Darsteller der TV-Serie der 60er (und des Kinofilms) hat zuletzt wieder seine Paraderolle im Animationsfilm Return of the Caped Crusaders (2016) gespielt. Sein letzter Film wird die Fortsetzung Batman vs. Two-Face sein, der dieses Jahr erscheinen soll. William Shatner wird darin den Bösewicht sprechen.

Dass West auch als Sänger aktiv war, kann man hier nachhören.

https://twitter.com/f_francavilla/status/873565078620164096

Die Philosophie hinter dem Joker

Wer oder was ist der Joker? Ein Spieler? Ein Nihilist? Das Böse schlechthin? Dieses Video des YouTube-Kanals Wisecrack geht der Frage philosophisch auf den Grund.

Batman and Harley Quinn: Der erste Trailer

Batman and Harley Quinn, der nächste Animationsfilm im Stil der Animated Series, soll in Deutschland am 7. September 2017 erscheinen. (In den USA schon am 15. August in digitaler Form, am 29. August als DVD und Blu-ray.) Der erste Trailer verrät, worum es geht: Poison Ivy will die Menschheit vernichten, Batman und Nightwing bitten Harley Quinn um Hilfe, die sich aus dem Schurkendasein zurückgezogen hat.

Warner Bros.

In diesem Featurette erzählen die Macher von der Entstehung des Films:

(Dieser Artikel wurde am 1.6.2017 aktualisiert.)

Batman und die Gerechtigkeit

Wie gerechtfertigt ist Batmans Selbstjustiz? Dieses Video von Wisecrack geht der Frage philosophisch nach. In einer 8-Bit-Ästhetik wird erklärt, warum Batman keine Selbstjustiz betreibt, sondern im allgemeinen Interesse handelt.

Batman beim Psychiater

Seien wir ehrlich: Bruce Wayne wäre wohl nie Batman geworden, wenn er eine ordentliche Therapie gemacht hätte. Darin besteht wohl die eigentliche Tragödie. Pech für ihn, gut für seine Fans. Was läuft bei Batman verkehrt? Eine ironische, aber fundierte Ferndiagnose haben sich die Macher des YouTube-Kanals Wisecrack erlaubt. Wichtige Erkenntnis: Batman wurde nicht durch eine (taube) Fledermaus inspiriert, sondern durch sein Vorbild Zorro, das er aus dem Kino kannte. Alles weitere steht

P.S.: Einen Ansatz von Psychoanalyse gibt es in Gotham by Gaslight – da studiert Bruce Wayne sogar bei Sigmund Freud persönlich, will aber nicht selbst behandelt werden. Und in The Batman of Arkham wird Wayne als Freudianer sogar selbst Psychiater, bevor er zum Patienten der Anstalt wird.

Justice League: Der erste offizielle Trailer

Der neue Justice League-Trailer ist da. Der erste offizielle, das Video zur Comic Con galt nur als Vorschau. Hier bekommen wir mehr von den fünf Helden gezeigt, also allen außer Superman, und wir sehen J.K. Simmons als Commissioner Gordon. Der Soundtrack bleibt zunächst den White Stripes treu („The Hardest Button to Button“), dann folgt eine Coverversion von Come Together.

Der erste Eindruck: martialisch. Trotz der Rockmusik und der lockeren Sprüche wirkt das Ganze wie eine typische,  finstere Action-Orgie nach dem Muster von Batman v Superman. Die Justice League kämpft gegen Paradämonen, Batman ballert aus seinem Bat-Panzer, was das Zeug hält. Und da der Film wieder von Zack Snyder inszeniert wird, ist Skepsis angebracht. Der Film startet im November 2017 in den Kinos.

Zwei Tage zuvor wurden fünf kurze Teaser veröffentlicht, in denen die einzelnen Helden vorgestellt wurden, hier das Video zu Batman:

Gespaltene Persönlichkeit

Titel: Two-Face: Part 1 & 2 (dt. Der Mann mit den zwei Gesichtern)

Story/Drehbuch: Alan Burnett/Randy Rogel

Erschienen: 1992 (Batman The Animated Series S01E10-11)


„Je strahlender das Bild, desto dunkler das Negativ.“ (Rupert Thorne)

Es beginnt mit einem Alptraum: Staatsanwalt Harvey Dent wird von seinem bösen Ich gejagt. Schon da hat es eine Vorliebe zum Münzwurf. Doch auch in der Realität dringt die dunkle Seite an die Oberfläche. Dent ist gestresst, steckt mitten im Wahlkampf und als er dann noch hört, dass die Bande von Rupert Thorne nach ihrer Festnahme wieder freigelassen wird, rastet er aus. Dent sucht sich Hilfe bei einer Psychiaterin, da zeigt sich erst recht, was für eine gespaltene Persönlichkeit er ist: sein böses Ich steht für die aufgestaute Wut seit Dents Kindheit. Thorne bekommt Wind von der Therapie und versucht, den Staatsanwalt damit zu erpressen.

Harvey beim Psychiater.

Als Batman hinzukommt, kämpfen die beiden Freunde zunächst zusammen gegen die Gangster, doch dann kommt es zu einem Unfall: bei einer Explosion von Chemikalien wird Dents Gesicht entstellt. Nach einer Operation hat die dunkle Seite gesiegt. Aus dem Staatsanwalt wird ein Vigilant, der Rache an Thorne nimmt. Harvey Dent wird Two-Face, mit schwarz-weiß geteiltem Anzug und einer doppelköpfigen Münze.

Der Ort des Unfalls.

Die Macher der Animationsserie verändern Two-Faces Entstehungsgeschichte stark, aber nicht so, dass das Wesen davon berührt wäre. Im Gegenteil: dadurch, dass Harvey Dent von Anfang an psychische Probleme hat, machen sie ihn glaubwürdiger – und auch mitleiderregender. Dent ist bloß ein kranker Mann, der hart vom Schicksal getroffen wird und sein Leben deshalb fortan ebendiesem überlässt. Die tragische Geschichte eines gescheiterten Mannes. Als ihn auch noch seine Verlobte unabsichtlich verrät, weil sie von Thornes Leuten getäuscht wird, zerbricht auch die Beziehung. Als wäre das noch nicht genug, wird die Tragödie noch zusätzlich dadurch aufgeladen, dass Batman sich persönlich mitverantwortlich für Harvey fühlt – immerhin ist er ein langjähriger Freund.

Nach dem Unfall.

Die Doppelfolge Two-Face ist ein Paradebeispiel dafür, wie erwachsen und ernst die Serie oftmals ist – auch was die Inszenierung angeht. Harveys Ausbrüche werden einige Male drastisch dargestellt, mit verzerrten Gesichtern und schaurigen Szenen. Das alles macht die Episode zu einer der besten. Sie reiht sich ein in die Tragödien von Clayface und Mr. Freeze.

Two-Face ist fertig.

> Liste der Two-Face-Comics

> Liste der The Animated Series-Episoden

Vom Schauspieler zum Formwandler

Titel: Feat of Clay I-II (dt. Der Mann aus Lehm)

Drehbuch/Story: Marv Wolfman, Michael Reaves

Erschienen: 1992 (Batman: The Animated Series S01E20-21)


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Bruce Wayne wird für den versuchten Mord an Lucius Fox beschuldigt. Doch dahinter steckt Matt Hagen, ein verzweifelter Schauspieler, dessen Gesicht nach einem Unfall entstellt ist. Dank einer Salbe kann er sein Gesicht für 24 Stunden nach Belieben umformen, aber um an das Mittel zu kommen, muss er dem zwielichtigen Unternehmer Dagget illegale Gefallen tun. Dagget versucht ihn zum Schweigen zu bringen, indem er ihn die Wundersalbe schlucken lässt. Dadurch wird Hagen zum unförmigen braunen Schlammberg: Clayface. Alles scheint noch schlimmer geworden zu sein, bis Hagen die Vorteile erkennt: er kann nun jede Gestalt annehmen.

Für die Serie wurden die beiden ersten Clayface-Charaktere der Comics miteinander verbunden: der Schauspieler und Maskenbildner Basil Karlo und der Abenteurer Matt Hagen. Heraus kam eine zutiefst menschliche Figur, deren Motivation man zu gut nachvollziehen kann. Ein Mann versucht, sein Leben und seine Identität in den Griff zu bekommen, aber je mehr er es versucht, desto mehr entgleitet ihm beides. Die perfekte Tragödie.

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