Comic

Neue Paperbacks: Batman Damned & Gotham Knights

Für September 2019 hat DC vier neue Sammelbände angekündigt: Zunächst ist da die Mini-Serie Batman Damned von Brian Azzarello und Lee Bermejo (ohne Batmans Penis). Sie erscheint als Hardcover mit 192 Seiten unter DCs Black Label. In Deutschland bringt Panini Band 1 bereits am 26. März heraus, Band 2 ist für den 11. Juni angekündigt, später soll ein dritter Band folgen.

Batman Eternal ist bisher nur in Form von drei Paperbacks erschienen. Ein Omnibus wird alle Ausgaben der Serie in einem über 1000-Seiten starken Hardcover versammeln. Eine Neuausgabe der Mini-Serie Gotham After Midnight feiert das zehnjährige Bestehen der grandiosen Mini-Serie von Steve Niles und Kelley Jones.

Schließlich soll auch der Anfang gemacht werden, die Hefte der Serie Gotham Knights neu aufzulegen. Unter dem Titel Transference (so heißt ein Vierteiler über Hugo Strange) erscheinen die ersten zwölf Ausgaben. Bis auf Hush Returns und Hefte, die Teil größerer Crossover sind, wurden weitgehend nur die Backup-Storys der Serie als Batman Black and White Vol. 2 und 3 als Paperback veröffentlicht.

Gotham Knights erschien von 2000 bis 2006 und brachte es auf 74 Ausgaben. Das letzte Drittel nimmt überwiegend die Rückkehr von Hush ein. Die Serie ist auch deswegen besonders, weil es die erste ist, die von einer Frau gestartet und zum großen Teil geschrieben wurde: Devin Grayson. 29 Ausgaben stammen von ihr. Darüber hinaus war sie für Year One: Batman/Ra’s al Ghul, Nightwing, The Titans und Catwoman verantwortlich.

Angesichts von 80 Jahren Comicgeschichte ist es sehr verwunderlich, dass es nur eine Frau gibt, die für längere Zeit Batman schreiben durfte. Es ist höchste Zeit, das zu ändern. Angesichts der mäßigen Qualität, die Tom King als Autor gerade abliefert, täte frischer Wind ohnehin mal gut. Immerhin hat DC 2017 mit Joëlle Jones auch eine Zeichnerin an die Batman-Serie gelassen.

Zurück zu alter Stärke

DC Comics

Titel: Superman/Batman Vol. 4 (Torment/The Search for Kryptonite)

Autor/Zeichner: Alan Burnett, Dan Abnett, Michael Green, Mike Johnson, Andy Lanning/Dustin Nguyen, Shane Davis

Erschienen:  (Superman/Batman #37-49, Annual #2), Paperbacks 2008, Paperback 2016 (Superman/Batman Vol. 4)


Killer Croc stiehl ein mysteriöses Gerät von Lex Luthor. Daraufhin wird er von seinem Auftraggebeber, einem Monster namens Schrocken angegriffen. Batman untersucht den Fall. In der Zwischenzeit plagen Superman Visionen, die seine schlimmsten Alpträume werden lassen. Schließlich verschwindet er und wird von Scarecrow nach Apokolips gebracht. Der geschwächte Darkseid will mit Superman seine alter Stärke wiedererlangen. Nun muss Batman ihn retten …

Natürlich kommt es zum obligatorischen Kampf zwischen den Freunden. Batman hat später mit einem weit größerem Problem zu kämpfen: seinen Gefühlen. Denn nachdem er von Bekka, Orions Frau, gerettet wird, fühlt er sich zu ihr hingezogen wie sonst zu keiner Frau bisher. Batman gerät in Versuchung und zweifelt an seinem bisherigen Vorgehen, sich keine enge Bindung zu erlauben. Am Ende aber zeigt Batman seine Verbundenheit vor allem einem: Superman. Als dieser fragt: „Are you okay?“, antwortet Batman: „As long as you’re on my side again.“ Wahrer Männerfreundschaft kann auch eine Frau nichts anhaben …

Dieser selbstzweiflerisch-emotionale Aspekt macht Torment, die erste Story des vierten Superman/Batman-Bandes, zu einer interessanten Lektüre. Viel Abwechslung und einige Überraschungen, dazu solide Zeichnungen von Dustin Nguyen in bewährter Qualität halten bei Laune.

Auch die zweite große Story, „K“ (als Paperback „The Search for Kryptonite“), kann auf dem Niveau mithalten, vielleicht sogar noch steigern: Superman und Batman stellen fest, dass es einfach zu viel Kryptonit auf der Welt gibt – das Zeug ist einfach überall. Und weil es Supermans Leben bedroht, beschließen die beiden, das Gift auf der ganzen Welt zu suchen, zu sammeln und in die Sonne zu befördern.

Die Heldenreise führt die World’s Finest zum Meeresgrund, wo sie sich mit einem unkooperativen Prinzipienreiter (Aquaman) rumschlagen müssen, Batman springt in einen Vulkan und Superman reißt (in einem Schutzanzug) Metallo das Herz heraus. Dann finden die beiden aber, dass das größte Lager die US-Regierung hält und damit eine Spezialeinheit ausrüstet, um Superman bei Gefahr zu erledigen. Weil Superman das nicht einsieht und alles einkassieren will, schickt Amanda Waller, die hinter all dem steckt, einen Kryptonit-Doomsday auf Superman los – und der verwüstet Smallville.

Es ist eine Story, die so ziemlich alles bietet, was man sich von einem Gipfeltreffen der zwei größten DC-Helden erträumen kann: Superman und Batman bilden ein perfekt eingespieltes Dream-Team, das mit den größten Problemen fertig wird, es gibt Gastauftritte anderer großer Helden (z.B. Flash), persönliche Konflikte mit Lana Lang, Action und Dialoge halten sich die Waage, alle paar Seiten warten Überraschungen und das Ganze wird noch gewürzt durch eine feinen Prise Humor. Shane Davis (Superman: Earth One) inszeniert die Geschichte mit detailreichen Zeichnungen im Geiste eines Jim Lee, in denen die Helden eine prächtige Figur machen und in jedem Panel dramatisch erscheinen.

Natürlich kann man sich fragen, warum Amanda Waller Superman töten will und ein Monster züchten lässt, das sie nicht beherrscht, und auch der Konflikt mit Aquaman wirkt forciert, aber das sind verzeihliche Nebensächlichkeiten. Dieses Comic mag nicht das Beste sein, aber bietet trotzdem sehr gute Unterhaltung.

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Batman und Superman: Wie alles begann

Titel: The Origin of the Superman-Batman-Team

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1958 (World’s Finest #94)


Wie Batman und Superman das erste Mal aufeinandertrafen, ist eigentlich seit 1952 (Superman #76) bekannt: Sie begegneten sich auf einer Kreuzfahrt. Das war lustig. Doch sechs Jahre später will Batman uns weismachen, dass alles ganz anders war, bzw. dass es ein Treffen vor dem ersten Treffen gegeben hat.

Anlass für die Rückblende ist, dass Luthors wieder mal aus dem Gefägngnis ausbricht und damit prahlt, sich eines Tages an Superman und Metropolis zu rächen. Kaum hören Bruce und Dick die Nachricht, ziehen sie sich um und eilen nach Metropolis, weil sie glauben, sie könnten Superman helfen, falls Luthor Kryptonit benutzt. Schon das ist seltsam, denn dann müssten sie jedes Mal nach Metropolis fahren, aber sei’s drum.

Doch Superman lehnt ihre Hilfe ab. Bei ihrem Treffen hat er einen neuen Helfer dabei: Powerman, einen maskierten Helden, der nicht fliegen kann. Trotzdem folgt ihnen das Dynamische Duo und Batman erinnert sich an ihr erstes Treffen: Als die beiden einst beinen Schmuggler-Ring ausgehoben haben, hörten sie die Ganoven von Kryptonit sprechen. Daraufhin flogen sie nach Metropolis, um Superman zu warnen. Und das war auch gut so: Denn als Superman von Gangstern mit flüssigem Kryptonit bespritzt wurde und vom Himmel fiel, konnten sie ihm mit dem Bat-Plane das Leben retten.

Als sie es dann mit den Gangstern aufnahmen, verkleidete sich Batman als Superman, weil er immun gegen Kryptonit war. Dabei riskierte er aber trotzdem sein Leben, denn die Schurken wollten es daraufhin mit Blei versuchen, aber da war Superman schon zur Stelle. Der Beginn einer langen Freundschaft. Der Rollentausch erinnert an ihren zweiten gemeinsamen Auftritt in World’s Finest Comics #71 (1954) – seitdem eine Tradition.

Und ähnlich läuft es auch in der Gegenwart: Batman findet heraus, wie er Luthors Todesstrahlen von sich fernhalten kann, dann nimmt er ihm sein Kryptonit weg und rettet Superman das Leben. Und wer ist dieser Powerman? Es ist ein Roboter, den Superman gegen das Kryptonit einsetzen wollte, um nicht das Dynamische Duo zu gefährden. Na dann ist ja alles wieder gut …

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Batman am Ende des Regenbogens

DC Comics

Titel: The Rainbow Creature

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1960 (Batman #134), Paperback 2009 (The Black Casebook)


Drei Jahre nachdem Batman in sein Regenbogen-Kostüm gestiegen ist, muss er es mit einem Regenbogen-Monster aufnehmen, und das kommt so: Batman und Robin sind in einem unbenannten südamerikanischen Land eingeladen, wo sie geholfen haben, die Armee um den Rebellen Diaz in die Flucht zu schlagen. Batman nennt ihn einen Gangster und einen Möchtegern-Diktator. Ohne Erklärung ist der Held plötzlich politisch im Ausland aktiv.

Kurz darauf verwüstet ein vierfarbiges Monster die Gegend. Leuchtet seine rote Farbe, brennt es sich durch Häuser, leuchtet die blaue, lässt es Kugeln und Brücken vor Kälte zerspringen, bei Gelb verwandelt es Objekte in Nebel, bei Grün werden Batman und Robin vorübergehend zu zweidimensionalen Wesen gepresst. Anschließend muss das Monster seine Farben (= Kräfte) wieder neu aufladen.

Dann greift auch noch Rebell Diaz wieder an. Seltsamerweise trägt er einen Konquistadoren-Helm, während seine Leute Sombreros auf ihren Köpfen haben. Er behauptet, selbst für das Monster verantwortlich zu sein. Batman bezweifelt das und verjagt sie, indem er mit einem Prisma einen Angriff der Regenbogen-Kreatur vortäuscht. Doch wie hält er das Monster selbst auf, das nur ein „freak of nature“ ist? Ganz einfach: Er lässt es alle seine Kräfte auf einmal verbrauchen, dann kann er es zerschlagen.

Die Geschichte hat eine interessante Meta-Ebene: Farben sind die Kräfte der Comicfigur, farblos ist sie also machtlos, die größte Bedrohung für die Helden ist, dass sie zweidimensional werden und sich vom Wind wegtreiben lassen. Während das Monster an Farben verliert, verlieren Batman und Robin ihre Form. Im Wesentlichen wird hier also die Funktion des Mediums Comic selbst bedroht.

Man kann das auch als verschlüsselte Anspielung darauf sehen, wie sehr sich Batman von seinen Ursprüngen entfernt und in Sachen Science Fiction seinen Höhepunkt überschritten hat. Dazu würde auch dieser befremdliche politische Einsatz in Südamerika passen.

Der Regenbogen ist gleichzeitig Symbol der Bedrohung. War Batman vor drei Jahen noch selbst in ein buntes Kostüm gestiegen, so sind die Farben nun Warnsignale, dass es zu bunt getrieben wird und sich der Effekt der ständigen Selbstüberbietung verbraucht – bis hin zur platten Formlosigkeit ohne Gewicht. Mit anderen Worten: Batman kommt am Ende des Regenbogens an.

>> Batman in den 60ern

Regenbogen schützt vor Outing

DC Comics

Titel: The Rainbow Batman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1957 (Detective Comics #241), Paperback 2009 (The Black Casebook)


„They’ll find no pot of gold at the end of this rainbow … only prison!“ (Batman)

Batman war im Silver Age keine düstere Figur, keine Gestalt der Nacht. Im Silver Age ging es eskapistisch und bunt zu. Diese Geschichte ist ein Paradebeispiel dafür: Batman wird zu einem Paradiesvogel. Manche mögen ihn sogar als Schwulen-Ikone deuten.

Als Dick Grayson ein Mädchen vor einem Fluchtwagen rettet, verletzt er sich den Arm. Im Wagen saßen Diebe, die eine wertvolle Fernsehkamera gestohlen haben. Batman stürzt sich in den Fall – mit vollem Einsatz. Weil er nicht weiß, wo sie als nächstes zuschlagen werden, besucht er mit Robin Veranstaltungen, die im Fernsehen übertragen werden. Doch Batman trägt einmal ein rotes Kostüm, dann ein blaues, ein gelbes, ein grünes, dann sogar ein weißes mit einer Zielscheibe auf der Brust und am Ende läuft er rum wie ein Regenbogen.

Was soll das Theater? Ihm sei sein altes Kostüm langweilig geworden, sagt er. Naja, seien wir ehrlich: Da er meist nur bei Tag herumläuft, ist die Farbe seines Fledermauskostüms auch egal. Batman trägt längst kein Schwarz mehr, sondern ein freundliches Blau. Aber der wahre Grund ist dieser: Batman wollte bloß die Aufmerksamkeit auf sich lenken, damit niemand bemerkt, dass Robin einen verletzten Arm hat und damit als Dick Grayson auffliegt. (Robin zu Hause zu lassen war keine Option, weil er ihn als Zeugen brauchte.) Fredric Wertham, der Batman und Robin als Schwulen-WG deutete, würde vielleicht sagen: Der Regenbogen-Batman will nicht, dass sich sein Gefährte in der Öffentlichkeit outet. Aber das ist vielleicht etwas überinterpretiert …

Die Geschichte wurde adaptiert in Batman: The Brave and The Bold (S02E19 „Emperor Joker“, 2010). Da kämpfen Batman und Robin gegen Firefly, der verschiedenfarbige Strahlen abfeuert – Batmans Kostüm soll ihn davor schützen. Außerdem kommt darin die Rainbow Creature aus Batman #134 (1960) vor, die die Helden in zweidimensionale Wesen verwandelt.

>> Batman in den 50ern

Batmen aller Länder, vereinigt euch!

Titel: The Batman of England/The Batmen of All Nations/The Club of Heroes

Autor/Zeichner: Bill Finger, Edmond Hamilton/Dick Sprang, Sheldon Moldoff

Erschienen: 1950, 1955, 1957 (Batman #62, Detective Comics #215, World’s Finest #89)


Batman macht Schule. Bereits 1950 lernen die Leser, dass es auch in England einen Batman gibt – oder zumindest zwei andere kostümierte Helden, der sich Batman und Robin zum Vorbild genommen haben. The Knight & the Squire kleiden sich wie Ritter aus dem Mittelalter: In Rüstung und mit Umhängen, fahren sie auf Motorrädern, die aussehen wie Pferde, und dabei tragen sie Lanzen. Offenbar entsprach das dem Bild von Europa, das man damals in den USA hatte …

Dahinter stecken Lord Wordenshire und sein Sohn Cyril, die zusammen in einer alten Burg in der Nähe eines Dorfes wohnen. In London hätten die beiden zwar mehr zu tun, aber aufregend genug wird es trotzdem noch.  Zwei Pub-Räuber überwältigen sie, indem sie den Tank im Fluchtauto durchstechen.

Als dann Batman und Robin einer Gang folgen, die einen alten Nazi-Schatz in England ausbuddeln will, treffen sie zufällig auf Knight & Squire, aber die beiden stellen sich mit ihren Lanzen so unbeholfen an, dass sie die Gauner entkommen lassen. Die beiden müssen noch viel lernen, sagt Batman, also teilt man sich zur Nachhilfestunde in Zweiergruppen auf: Batman und Squire ziehen nach Stonehenge, Robin und Knight folgen der Spur in ein historisches Museum. Aber auch später verpatzen die beiden Stümper ihre Einsätze. Zwar machen die Engländer beim Finale auf der Burg alles wieder gut, aber dann muss ihnen das Dynamische Duo mit einer Maskerade dabei helfen, ihre Geheimidentitäten nicht preiszugeben.

Am Ende versichert der Earl, es gebe nur einen wahren Batman und Robin. Fünf Jahre später tauchen vier andere Nachahmer auf: der Musketeer aus Frankreich, der Legionary aus Italien, der Gaucho in Argentinien und der Ranger aus Australien. Batman lädt sie alle nach Gotham ein, um ihnen Nachhilfe zu geben. Dabei sehen wir auch Knight & Squire wieder, die sich mittlerweile praktischere Kostüme zugelegt haben, verschwunden sind die klobigen Rüstungen, die Gesichter liegen frei, leider aber hantieren sie immer noch mit Lanzen und fahren auf motorisierten Pferden, während Gaucho und Ranger tatsächlich reiten.

Wie dem auch sei: Während alle neue Tricks vom Original lernen, nutzt die Bande um den Gangster Cardine die Chance, um Verbrechen zu begehen. Diesmal ist es Batman, der sich nicht sehr geschickt anstellt. Während des Einsatzes stirbt er sogar bei einer Explosion. Als aber die restlichen „Batmen“ Cardine hinterherjagen, erweist sich der Legionary als Schurke – und Batman springt im rechten Augenblick quicklebendig hervor, um den Fall aufzuklären. Und wieder herrscht die Einsicht: Es gibt nur einen echten Batman.

In World’s Finest treffen die Batmen aller Länder wieder auf ihr Vorbild – und auf Superman. John Mayhew lässt sie alle nach Metropolis rufen. Der reiche Philanthrop hat den Helden zu Ehren für viel Geld einen Club of Heroes errichtet, samt aufwendiger Innendekoration. Jetzt muss nur noch ein Vorsitzender gewählt werden – der, der die größte Heldentat vollbringt. Aber keiner hat so richtig Lust auf den Job: Superman schlägt Batman vor, Batman schlägt Superman vor, die anderen sind für einen der beiden (und sie spielen hier auch kaum eine Rolle).

Doch Superman kommt nicht zum Zuge. Er bekommt unerklärte Schwächeanfälle, die ihn ohnmächtig werden lassen. Dann taucht ein neuer Held namens Lightning-Man auf, um das Schlimmste zu verhindern. Am Ende stellt sich heraus: Ein Brocken Kryptonit in der Erdumlaufbahn hat Superman ausgeknockt und ihn in Momenten geistiger Umnachtung die Identität von Lightning Man annehmen lassen. In ebendiesem Zustand war Superman in der Lage, sich aus einer Gardine ein neues Kostüm zu schneidern – und so wird Superman dank seiner Taten zum Vorsitzenden des Clubs.

Was dieser Club eigentlich soll, um den niemand gebeten hat, und wer dieser Mayhew ist und was er will, danach fragt niemand. Außer Grant Morrison. 50 Jahre später hat sich der Autor von diesen Geschichten zu seinen Storylines The Black Glove und Batman Incorporated inspirieren lassen. Die neuen Versionen von Knight and Squire bekamen 2010 ihre eigene sechsteilige Mini-Serie.

DC Comics

>> Batman in den 50ern

Fernsehen schafft Analphabeten

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 1

Autor/Zeichner: Kelley Puckett, Martin Pasco/Ty Templeton, Rick Burchett

Erschienen: 1992-1993 (Batman Adventures #1-10), Paperback 2014


Was bei dem Ruhm um Batman: The Animated Series häufig untergeht, ist die Tatsache, dass es zu der TV-Serie auch eine Comic-Serie gab. Und nicht nur eine: Es waren sogar vier, dazu eine Mini-Serie, einige Adaptionen zu den Filmen (bzw. zu Serien-Episoden) und vor allem Mad Love, ein Original-Comic, das nicht nur Geschichte schrieb, sondern später sogar zu einer Episode adaptiert wurde. Die Comics erschienen noch weit über die TV-Serie hinaus – bis ins Jahr 2004.

Die ersten Ausgaben der 90er Jahre beginnen bemerkenswert: Es geht ums Fernsehen. Der Joker schickt dem Pinguin einen Fernseher, über dem er mit ihm kommunizieren kann. Er macht ihm ein Angebot für einen Plan, später macht er dasselbe bei Catwoman. Im dritten Teil tritt der Joker dann selbst in einer TV-Show auf, entführt Commissioner Gordon und Harvey Dent. Es wird brutal: Während der Sendung bricht er Gordon vor laufender Kamera mit einem Baseballschläger die Arme. Seine Handlanger erschießt er kaltblütig. Er will zeigen, dass in Gotham das reine Chaos herrscht. Auch wenn man nie Blut sieht: Für ein Comic, das sich an Kinder richtet, ist das harter Tobak. Die Comics gehen deutlich weiter als die TV-Serie.

Aber medien- und gesellschaftskritisch geht es weiter: Scarecrow macht die Bewohner Gothams zu Analphabeten – und zwar mit manipulierten Fernsehern. Damit will sich der ehemalige Hochschulprofessor am Bildungssystem rächen, das die Bevölkerung mit Sparprogrammen verdummt. Zwar kann man sich fragen, warum ein Mann der Bildung alles noch schlimmer machen will, aber auch das ist eine Geschichte, die über das hinaus geht, was man von reiner Unterhaltung für Kinder erwartet. Das ist fast schon pädagogisch wertvoll. Und es zeugt von einiger Selbstironie, dass gerade das Fernsehen, das Medium, in dem die Zeichentrickserie mit gutem Beispiel vorangeht, so skeptisch betrachtet wird.

Die nachfolgenden Storys sind weniger ambitioniert: Killer Croc als Ringkämpfer, Clayface taucht überraschend auf, der Riddler plant seinen letzten Coup – das alles sind nette kleine Geschichten, manchmal zum Schmunzeln, aber oft einfach nur zum Bewundern der geschwungenen klaren Linien, die den Animated-Stil ausmachen. Einzig die Hitchcock-artige Story, in der Bruce Wayne eines Mordes verdächtigt wird und als Batman seine Unschuld beweisen muss, ragt dabei heraus. (Das Motiv wurde später in Bruce Wayne: Murderer? aufgegriffen.) Aber kurzweilige Lektüre ist der erste Band allemal, vor allem für Nostalgiker und Fans, die vom Universum der Serie nicht genug bekommen können.

Wie es mit DCs Walmart-Comics weitergeht

Im Sommer 2018 startete DC seine 100-Page-Comic-Giants, mehrere Comic-Serien, die exklusiv bei Walmart in den USA vertrieben wurden. Auf 100 Seiten wurden neben Nachdrucken älterer Storys auch neue Geschichten geboten. Zuletzt sind sechs Serien erschienen: Superman, Batman, Flash, Titans, Swamp Thing und Wonder Woman, von Batman gibt es bereits acht Ausgaben.

Wie CBR.com berichtet, sollen diese Comics bald ersetzt werden durch neue 100-Seiten-Specials, die überall erhältlich sind. Davon sollen 48 Seiten neues Material sein. Die bisher veröffentlichten längeren Exklusiv-Storys sollen noch in diesem Jahr als Graphic Novels nachgedruckt werden, die kürzeren in den kommenden Specials. Eine dieser Batman-Geschichten, der Zwölfteiler Batman Universe, stammt von Brian Michael Bendis, der hauptamtlich derzeit Superman schreibt.

[UPDATE 21.3.2019: Batman: Universe erscheint Ende Oktober als Hardcover.]

DCs Kooperation mit Walmart wurde bereits nach der Ankündigung kritisch gesehen, weil Walmart nicht für seine heldenhaften Arbeitsbedingungen bekannt ist. Zuletzt hat bleedingcool.com bemängelt, dass die Comics in den Läden nachlässig gelagert und zum Teil im schlechten Zustand verkauft werden.

Bogen überspannt, ins Schwarze getroffen

Titel: Green Arrow by Jeff Lemire and Andrea Sorrentino (War of the Clans)

Autor/Zeichner: Jeff Lemire/Andrea Sorrentino

Erschienen: 2013-2014 (Green Arrow #17-34, #23.1), Hardcover 2016 (Deluxe Edition), Paperback 2019 (DC Essential Edition); dt. Panini 2014-2015 (Green Arrow Megaband 2-3)


Nach dem DC-Reboot von The New 52 hatte Green Arrow ein paar Startschwierigkeiten. Nach 16 Ausgaben übernahm Jeff Lemire mit Andrea Sorrentino (das Team von Old Man Logan und später Gideon Falls) die Serie und brachen sie zu neuer Blüte – davon war sogar Mark Millar begeistert, dass er sich nicht nur (nach eigenen Angaben) die Hefte kaufte, sondern auch das Vorwort zur Deluxe Edition schrieb.

Das Interessante an dieser Storyline ist, dass Lemire sich alle Freiheiten nimmt, um Green Arrow völlig auf den Kopf zu stellen. Alles, was wir über den Helden wussten, negiert er so sehr und erweitert es um so viele überraschende Wendungen, dass es fast schon zu viel des Guten ist.

Zunächst ist Oliver Queen pleite. Sein Familienunternehmen geht den Bach runter, sein Vertrauter Emerson wird vor seinen Augen ermordet, der Mord wird ihm angelastet, dann wird auf sein eigenes Unternehmen ein Anschlag verübt. Oliver Queen ist auf der Flucht vor der Polizei – und dann auch noch vor dem Attentäter. Dieser heißt Komodo, ist ein böser Schütze und hat schon mit Queens Vater zu tun gehabt. Queen wird von einem mysteriösen Blinden gerettet, dann nimmt er sich zwei neue Helfer und versucht, das Rätsel in Europa zu enthüllen, er trifft auf Count Vertigo und erfährt immer mehr, dass nichts in seinem Leben so ist, wie es scheint. Dann droht zu Hause in Seattle ein neuer Bandenkrieg auszubrechen …

Jeff Lemire gilt als ein Wunderkind der Comic-Branche. Er ist nicht nur Autor und Zeichner, er fällt nicht nur auf durch seinen immensen Output auf, es scheint auch so, als würde alles, was er anfasst, zu Gold. Seine eigenen Graphic Novels und Serien (Sweet Tooth, Descender, Black Hammer) werden gefeiert ebenso wie seine Werke für DC (Animal Man) und für Marvel hat er neben Moon Knight und Thanos ebenfalls schon an einem Bogenschützen (Hawkeye) gearbeitet.

Für Green Arrow reichert er die Entstehungsgeschichte so an, dass er mehr als ein Held, sondern ein uralter Mythos wird. Es gibt einen ganzen Clan des Pfeils, sogar mehrere Clans mit einer langen Tradition, die sich jeweils einer Waffe verschrieben haben. Oliver Queen gerät in einen Krieg der Clans und lernt auch noch Erschütterndes über seine eigene Vergangenheit. Hier aber wird – Achtung: Kalauer – der Bogen überspannt.

ACHTUNG: SPOILER!!!

Oliver Queen erfährt von seinem Vater (der nur scheinbar gestorben ist), dass er von ihm auf die Insel gebracht wurde, um auf den drohenden Kampf vorbereitet zu werden. Der Vater inszenierte also seinen eigenen Tod, ließ seinen Sohn auf einer einsamen Insel stranden und um sein Überleben kämpfen, er ließ ihn foltern und drängte ihn zum Mord, als Teil einer geheimen Ausbildung. Das ist selbst für ein Superhelden-Comic sehr weit hergeholt. Einfacher wäre es gewesen, den Sohn in sein Geheimnis einzuweihen und ihn dann dazu auszubilden. So aber macht sich der Vater gleich mehrerer unverzeihlicher Verbrechen an seinem eigenen Sohn schuldig.

Der Sohn hasst ihn dafür, beschimpft den Vater als Irren, will nichts mit ihm zu tun haben. Aber als dieser dann den Heldentod stirbt, weint Oliver dem Irren dann doch hinterher. Vor widersprüchlichen Gefühlen sind selbst Superhelden nicht gefeit.

[SPOILER-ENDE]

Batman á la Sorrentino (DC Comics

Trotzdem ist Lemires Green Arrow eine spannende, zuweilen auch witzige Lektüre, die im Zusammenspiel mit den liebevoll gestalteten Charakteren und flapsigen Dialogen kurzweilig gehalten wird. Auch die Schurken bekommen viel Raum, um ihren Charakter zu entfalten. (Es gibt sogar einen kleinen Gastauftritt vom Batman aus dem Zero Year.)

Warum man den Band aber vor allem lesen sollte, sind die Bilder von Andrea Sorrentino. Der Italiener hat einen einerseits sehr realistischen, andererseits sehr düsteren Stil. Selbst bei Sonnenschein tränkt er alles in harte Schatten. Doch Sorrentino neigt auch zu einem experimentellen Layout. Kurze Momente wie das Schießen mit Pfeil und Bogen zerlegt er gerne in viele kleine Panels, in größere Panels baut er kleinere ein, die einzelne Teile des Bildes hervorheben oder sogar einen Röntgenblick erlauben.

Count Vertigo zerfällt in Panels (DC Comics)

Mal bröckeln die Bilder auch, als würden Kacheln von ihnen abfallen, mal wird eine Kampfsequenz mit Bildern erzählt, die in die großformative Schrift von Lautwörtern eingefügt werden. Ein Kampf in einer Kathedrale findet in Panels statt, die wie Kirchenfenster aussehen.

Green Arrows Kampf in der Kathedrale (DC Comics)

Manche Doppelseiten sind sogar so überwältigend, dass man sehr lange sehr genau hinsehen muss, um zu begreifen, was da alles los ist.

Green Arrow in vielen kleinen grünen Panels (DC Comics)

Sorrentino treibt Comics als fragmentiertes Medium ins Extrem. Und diese Verspieltheit, ist es, die beim Lesen immer wieder überrascht und in Staunen versetzt. Es sind die atemverschlagenden Bilder, die Lemires atemlose Geschichte zu einem Meisterwerk aufwerten und die Schwächen verzeihen lassen.

Kampf der Interjektionen

Dieser Green Arrow-Band beweist mal wieder, wie auch Superhelden-Comics innotive Comic-Kunst sein können. Um noch einmal das Bild zu bemühen: Der Bogen mag überspannt sein, aber am Ende trifft der Pfeil ins Schwarze.

Mehr über Green Arrow:

Batman als Aushilfs-Indianer

DC Comics

Titel: Batman – Indian Chief!

Autor/Zeichner: Ed Herron/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1954 (Batman #86), Paperback 2009 (The Black Casebook)


Batman und Robin fliegen gerade von einem Außeneinsatz zurück, da sehen sie ein Bat-Signal aus Rauch aufsteigen. Und durch ein Fernglas erspäht Robin einen Doppelgänger von sich – nur eben mit Feder am Kopf. Nachdem sie gelandet sind, stellen sie fest, wer dahintersteckt: ein Sioux-Indianer namens Great Eagle spielt Batman als Chief Man-of-the-Bats, zusammen mit seinem Sohn Little Raven. Sie haben eine Bathöhle, ein Batkanu und eine Bat-Trommel. Sie kämpfen gegen den bösen Indianer Black Elk.

Weil Great Eagle aber befürchtet, wegen einer Schulterverletzung als Man-of-the-Bats aufzufliegen, bittet er Batman und Robin, die Rollen zu übernehmen. Sie kriegen Federkopfschmuck verpasst und rote Farbe ins Gesicht geschmiert und schon ziehen sie gegen die Schurken los.

Das Setting wirkt seltsam anachronistisch. Im Jahr 1954 ist die Zeit des Wilden Westens längst vorbei und trotzdem reiten halbnackte Klischee-Indianer auf Pferden durch die Gegend, nur dass sie diesmal gepanzerte Wagen mit brennenden Pfeilen überfallen. Batman und Robin beweisen sich als gute Fährtenleser und tricksen Black Elk mit ihrer Maskerade aus, als Great Eagle zur Hilfe eilt. Fragt sich am Ende, warum Great Eagle nicht gleich als er selbst gegen seinen Feind angetreten ist. Und wozu überhaupt diese ganze Maskerade als Pseudo-Batman? Welchen Sinn hat das bei so kleinen Stämmen? Warum beschwert sich Batman nicht über das Plagiat? Und wie kam der Indianer darauf, dass Batman sein Rauchzeichen sehen würde? Und wie formt man überhaupt eine Fledermaus aus Rauch?

Fragen über Fragen, auf die es wohl nur eine Antwort gibt: „The great mystery has sent you!“

>> Batman in den 50ern